Warum sind wir glücklich an Simchat Tora?

Die Hohen Feiertage stellen den Transformationsprozess von Empfängern zu Gebern dar. Am Ende von Simchat Tora feiern wir den Erfolg unserer Veränderung.

Warum feiern wir Simchat Tora (Freude an der Tora)? Was ist die wahre Bedeutung der Freude an der Tora?

Das Buch Sohar (Teruma) schreibt, dass die “Tora Licht ist und derjenige, der sich mit Tora beschäftigt, mit dem Licht belohnt wird.” Das “Licht”, von dem der Sohar spricht, ist ein aus der Welt geborgter Ausdruck, der eine schöpferische Kraft bezeichnet, die alles Existierende erschafft. Ähnlich dem Sohar schreibt der ARI im Baum des Lebens: “Wisse, dass, bevor die Emanationen ausgestrahlt wurden und die Geschöpfe erschaffen wurden, das Höhere einfache Licht die gesamte Wirklichkeit erfüllte. Dieses Licht schuf, formte und machte alle Welten.”

Das Licht arbeitet nach einem sehr einfachen Prinzip: Gib, leuchte und gib noch mehr. Aus diesem Grund entspricht alles Erschaffene im Prinzip dem Wunsch, immer mehr und mehr davon zu empfangen. Diese einzigartige Eigenschaft des Gebens erschuf alles um uns herum, das gesamte Universum und uns in sich. Wenn wir unser Universum studieren – die Galaxien, Planeten, Pflanzen, Tiere und sogar uns selbst – untersuchen wir tatsächlich Manifestationen dieses Lichts.

Und alles, was unsere fortgeschrittene Wissenschaft, Teilchenbeschleuniger und High-Tech-Labors uns beibringen können, sind Details über die Manifestationen dieses Lichts. Sie sagen uns aber nichts über die Eigenschaft des Lichts selbst. Die Entdeckung dieser Eigenschaften des Lichts erfordert, dass wir selbst diese Eigenschaften erwerben. Wie wir weiter unten sehen werden, symbolisiert Simchat Tora das Glück eines Menschen, dem es gelungen ist, die Eigenschaft der Tora (Licht) zu erlangen: vollständige und absolutes Wohlwollen und Güte.

Der Beginn einer neuen Ära

“Die Neigung des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an”, und “jede Neigung der Gedanken des Herzens des Menschen ist böse”, sagt uns die Tora in der Genesis. Wenn wir geboren werden, sind wir dem Geben oder dem Licht völlig entgegengesetzt. Den meisten von uns ist die egoistische Natur vertraut.

Wenn unsere egoistische Natur uns selbst und anderen Schaden zufügt, zwingt sie uns, nach Alternativen zu suchen. Das ist die Situation in unserer heutigen Welt. Gegenwärtig stehen wir am Beginn einer neuen Ära der menschlichen Evolution. In unserem Leben sind wir mittlerweile vollkommen voneinander abhängig geworden, sodass wir uns in einem einzigen globalen System –der globalisierten Welt – wiederfinden. In einem solchen System schädigt die Selbstbezogenheit nicht nur die Umwelt, sondern auch das egoistische Individuum selbst. Die einzige Möglichkeit, so ein vernetztes System erfolgreich zu erhalten, besteht darin, die Eigenschaft des Gebens anzunehmen. Die Realität macht uns – ein bisschen wie Don Corleone in Der Pate – ein Angebot, das wir nicht ablehnen können: “Werde Geber oder stirb aus”. Wir sollten daher versuchen, die Eigenschaft des Gebens zu erhalten.

Trotz der scheinbaren Schwierigkeit – manch würden sogar sagen Unmöglichkeit – gibt es einen gepflasterten und bewährten Weg zur Erreichung der Veränderung, die wir durchlaufen müssen.

Und so funktioniert es: Im Radio gibt es verschiedene Sender mit bestimmten Wellenlängen. Um einen bestimmten Sender zu hören, muss man diese spezifische Wellenlänge am Radio einstellen. Wenn die Frequenz des Senders und die im Radio eingestellte übereinstimmen, “empfängt” man das Programm. Wenn man in den “Geben”-Modus wechselt, stimmt man mit der Eigenschaft des Lichts überein und erwirbt sie. Aber da man nicht geben kann, wenn man alleine ist, braucht man Gleichgesinnte, denen man “geben” kann. Auf diese Weise gestaltet man eine nachhaltige und wohlhabende Gesellschaft von “Gebenden”, die die Güte des wohlwollenden Lichts erworben hat.

Der Notwendigkeit, Geber zu werden, um eine blühende Gesellschaft zu gründen, liegt der Impuls von “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”, “wie ein Mensch mit einem Herzen”, und “das, was du hasst, tu keinem anderen an” zugrunde. Diese Gebote waren nicht als moralische Prinzipien gedacht, sondern als praktische Werkzeuge, um eine Gesellschaft zu schaffen, deren Mitglieder sich dem Geben widmen, oder anders gesagt, einer Gesellschaft, die sich an der Tora erfreut.

Die Juden erschufen dabei eine Gesellschaft, deren Moral unvergleichlich höher war als die ihrer Zeitgenossen, aber das war eher eine positive Nebenwirkung als ein Ziel an und für sich. Vor etwa 2000 Jahren erlagen sie jedoch auch ihrer angeborenen egoistischen Natur und der gegenseitige Hass, der unter ihnen ausbrach, brachte das Hebräische Volk ins Exil. Doch das Heilmittel ist immer das Gleiche: Man übt, über dem Ego zu geben und es dadurch zu heilen.

Baal Hasulam schrieb: Es steht geschrieben “Und dort lagerte Israel vor dem Berg.”

Unsere Weisen interpretieren dies als “ein Mensch mit einem Herzen”. Denn jeder einzelne Mensch löste sich vollständig von der Eigenliebe und hat die Absicht, nur seinem Freund zu helfen – “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.”

Daraus folgt, dass alle Menschen zusammenkommen und sich verbinden müssen, denn nur dann sind sie bereit und geeignet, die Tora zu empfangen.

Ein Grund zum Feiern

Die Feiertage repräsentieren den Transformationsprozess von Empfängern zu Gebern. Am Ende von Simchat Tora feiern wir den Erfolg unserer Veränderung.

Simchat Tora lässt uns alle darüber nachdenken, was für Menschen und welche Gesellschaft wir sind. Selbst wenn wir feststellen, dass wir nicht so rein sind, wie wir gerne wären, gibt es Grund zur Freude, denn die Wahrheit anzuerkennen ist der erste Schritt zur Besserung.

Alles, was wir tun müssen, ist, diese einfache Methode der Einheit unter uns zu praktizieren. Wir geben ein Beispiel, dass es eine Alternative zu Hass und Konflikt gibt. Dies ist ein guter Grund, sich an dem Licht der Einheit, das wir die “Tora” nennen, zu erfreuen.

Von Dr. Michael Laitman, 2016

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