Parasha BaMidbar: Tora-Abschnitt „In der Wüste“

16.-22. Mai 2021 / 5.-11. Siwan 5781

4. Buch Mose, Numeri 1:1 – 4:20

Zusammenfassung

Der Tora-Abschnitt BaMidbar (In der Wüste) beginnt damit, dass der Schöpfer den Kindern Israels nach Stämmen befahl, alle Männer, die im Heer dienten und mindestens zwanzig Jahre alt waren, zu Stammesoberhäuptern und Anführern zu ernennen. 

Nach deren Ernennung wurde Moses aufgefordert, ihnen zu erklären, wo sich jeder Stamm während der Reise und bei der Rast in der Wüste aufhalten sollte und wie sie sich nach Stämmen und Flaggen entsprechend den vier Himmelsrichtungen aufstellen sollten, mit dem Stiftshütte in der Mitte.

Der Wochenabschnitt wiederholt die Rolle der Leviten, die in der Stiftshütte dienen sollen. Der Stamm Levi ist etwas Besonderes, weil er keinen eigenen Platz und kein eigenes Los hat. Er soll allen dienen und helfen, besonders den Priestern in der Stiftshütte. Die Aufgabe der Leviten ist es, die Stiftshütte während jeder Rast der Kinder Israels auf- und abzubauen. Sie müssen strenge Regeln befolgen, was mit den einzelnen Teilen der Stiftshütte zu tun ist und wie man ihre Gefäße aufbewahrt.

Kommentar von Dr. Michael Laitman

Die Tora ist in zwei Teile unterteilt: Die äußere und die innere Tora. Die äußere Tora ist die, die wir lesen und kennen. Es ist die Tora, die unsere Väter (wir selbst in früheren Inkarnationen, da unsere Seelen von Generation zu Generation re-inkarnieren) in der Vergangenheit beachtet haben. Allerdings gibt es einige Dinge zu klären. Die Tora beschreibt die Reise der Kinder Israels durch die Wüste und wie sie sich dort verhalten sollten. Sie beschreibt den Bau der Stiftshütte, die Einteilung in Priester, Leviten und Stämme, den Aufbau des Lagers und die weitere Reise, bei der jeder unter der Fahne seines Stammes von Ort zu Ort zieht, bis zu den Grenzen des Landes Israel und dem Beginn seiner Inbesitznahme.

Das Wesentliche ist jedoch die innere Tora. Durch sie korrigieren und richten wir uns innerlich aus, um jene Höhere Kraft zu enthüllen, von der wir die Tora in Wirklichkeit empfangen. Es geht darum, den Schöpfer den Geschöpfen zu offenbaren. Es geht um den Menschen als eine kleine Welt, in der alles in der Tora Beschriebene – Priester, Leviten, Israel und die zwölf Stämme – Abbilder in ihm sind. Die innere Tora berührt jeden von uns und weist uns an, wie wir die Höhere Kraft hier und jetzt enthüllen.

Jemand, der sich nicht korrigiert hat, ist im Ego, dem Bösen Trieb, versunken, wie es geschrieben steht: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; ich habe dafür die Tora als Gewürz erschaffen.“(1) Dieser Zustand wird Wüste genannt. Die Empfindung der Wüste ist der Ort der Klipot (Schale/Hülle), d.h. der unkorrigierten Verlangen. Während wir uns in diesem Gefühl befinden, haben wir nichts, was uns spirituelles Leben geben würde. Selbst inmitten eines materiellen Überflusses spüren wir, dass wir in der Wüste sind.

Wir sehen das auch in unserem alltäglichen Leben an den Scheidungsraten, dem Drogenmissbrauch und dem Terrorismus. Immer mehr Menschen sind unglücklich. Sie spüren, dass das Leben sie nicht mehr erfüllt. Wir haben uns weiterentwickelt und geben uns nicht mit dem zufrieden, was wir haben, sondern streben nach immer mehr. Wir fühlen uns wie in der Wüste. Wenn wir unser Leben mit einer Wüste vergleichen, müssen wir es also entsprechend gestalten, damit wir sie in Frieden durchqueren und im Land Israel ankommen zu können. Das Wort Erez (Land) bedeutet Razon (Verlangen), und Ysrael (Israel) bedeutet Yashar El (direkt zum Schöpfer), also sind wir in diesem Zustand nur auf die Offenbarung der Shechina (Göttlichkeit) ausgerichtet.

Dafür müssen wir die Weisheit der Kabbala nutzen. Die Kabbala ist die Methode, um den Schöpfer den Geschöpfen in dieser Welt zu offenbaren. Das Land Israel zu erreichen bedeutet, unser Verlangen so zu korrigieren, um den Schöpfer – die spirituelle Welt – hier und jetzt zu enthüllen, wie es geschrieben steht: „Du wirst deine Welt in deinem Leben sehen.“(2)

Die Tora ist die Anleitung dazu. Sie sagt uns, wie wir die Wüste in Frieden durchqueren können und die Offenbarung der Shechina (Göttlichkeit) erreichen, wenn wir den im Abschnitt beschriebenen Stufen folgen. Dies ist der Zweck unseres Lebens und wir wurden dafür erschaffen; wir sind dazu bestimmt, dieses Ziel zu erlangen. Daher sollten wir alle Regeln und Ratschläge des jeweiligen Abschnitts als innere Korrekturen sehen, die wir durchlaufen müssen.

Meine zwölf Stämme sind mein eigener Wille zu empfangen. Sie sind meine inneren Eigenschaften, die nach Yud-Hej-Waw-Hej, nach den drei Linien geordnet werden müssen. Es ist die Struktur meiner Seele – CHaBaD-CHaGaT-NeHJ (Chochma, Bina, Daat, Chessed, Gwura, Tiferet, Nezach, Hod, Jessod). Der Priester, Levi, und Israel sind CHaBaD. Abraham, Isaak und Jakob, Moses, Aaron, Josef und David sind die Struktur der Eigenschaften der Seele. Dementsprechend sollte sich jeder von uns „erbauen“.

In dem Maße, in dem wir unsere Verlangen korrigieren, erreichen wir allmählich einen Zustand, in dem wir die Stufen des durch die Wüste Ziehens erkennen. In diesem Prozess erlangen wir die Eigenschaft des Gebens – Bina. Nach Abschluss des Prozesses erreichen wir den Zustand von Moses, dem treuen Hirten. Das bedeutet, dass wir zur Stufe des Glaubens, des Gebens und der Vollkommenheit aufsteigen. Wenn Moses in uns stirbt, also sein Werk endet, bleibt diese Stufe auf der anderen Seite des Jordans. Das ist der Zeitpunkt, an dem wir in das Land Israel einziehen und beginnen, es in Besitz zu nehmen.

Sowohl in der Wüste, als auch bei der Inbesitznahme des Landes Israel gibt es Klipot (Schalen/Hüllen) und Kämpfe. In der Wüste haben wir nur die neue Eigenschaft des Gebens über unserem Willen zu empfangen erworben. Wir erhoben uns über den Willen zu empfangen. Aber im Land Israel müssen wir das Land in Besitz nehmen. Wenn wir das Land Israel betreten, kehren wir buchstäblich unseren Willen zu empfangen in den Willen zu Geben um. Diese Inbesitznahme bedeutet, unser Ego in Richtung Geben und Liebe zu „bewegen”.

Dieser Wochenabschnitt erklärt die Herangehensweise an die ersten großen Korrekturen, die wir auf unserem spirituellen Weg erfahren. Der gesamte Prozess unserer Korrektur teilt sich in zwei Teile: die Wüste und das Land Israel. Unsere Reise durch die Wüste während der vierzig Jahre ist der Aufstieg von Malchut zu Bina, symbolisiert durch den Buchstaben Mem (40), der in der Gematria (Zahlenwerte, die jedem Buchstaben des hebräischen Alphabets zugeordnet sind) 40 bedeutet.

Von Bina steigen wir zur Stufe Keter auf, besetzen das Land Israel und erbauen den Tempel. Das ist der Zeitpunkt, an dem das Herz zu einem Kli (Gefäß) für das Empfangen des Lichts – der Offenbarung der Shechina – wird. Dies wird Beit HaMikdash (Haus der Heiligkeit, oder einfach Tempel) genannt.


FRAGEN UND ANTWORTEN

Warum beginnt dieser Wochenabschnitt mit der Notwendigkeit, Oberhäupter für die Stämme zu ernennen und alle Menschen ab zwanzig Jahren zu zählen?

Dies bezieht sich auf einen Menschen, der vor der Wahl steht, welchen Prinzipien er folgen soll. Wir haben hauptsächlich das Verlangen zu empfangen, doch in uns ist auch ein winziges Verlangen zu geben, das wir von der Höheren Kraft erhalten haben. Es wird als Teil der Heiligkeit von Oben  betrachtet (Hiob 31, 2) und ist der Anfang der Seele.

Wir nutzen den Beginn unserer Seele als „Haupt” und beginnen dadurch, unseren allgemeinen egoistischen Willen in Richtung Geben, Nächstenliebe (liebe deinen Nächsten wie dich selbst (3); tue anderen nicht an, was dir verhasst ist (4)) und Arvut (gegenseitige Bürgschaft) zu verändern. Dies wird unser riesiges Verlangen zu empfangen richtig ordnen. Dies erfolgt in einer Aufteilung in Stämme, Tausender und Zehner. Diese Aufteilung geschieht auch innerhalb der einzelnen Stämme – Priester, Leviten und Israel.

Die Priester und die Leviten, die ihnen helfen, sind von den Stämmen getrennt. Sie dienen nur den spirituellen Bedürfnissen. Deshalb werden sie als das „kollektive Haupt“ betrachtet. Durch diese innere Analyse unterscheiden wir, was wichtig ist und was nicht, und korrigieren uns allmählich, wobei sich das Sekundäre mit dem Primären verbindet und ihm folgt.

Momentan können wir diese Aufteilung nicht spüren, aber wenn wir an uns arbeiten, werden wir fühlen, dass der Wille zu empfangen nicht nur ein Verlangen ist, sondern auch aus zwölf Stämmen besteht: Männer, Frauen, Kinder, Tiere, Wüste und andere Teile, sogar die ganze Welt.

Wir entdecken, dass der Wille zu empfangen in Stufen eingeteilt ist: Unbewegt, pflanzlich, tierisch und sprechend. Das Unbewegt, Pflanzliche und Tierische ist die uns umgebende Welt, und das Sprechende sind die Menschen. Bei den Verlangen der menschlichen Stufe haben wir die freie Wahl: Wir können sie steuern. Deshalb sollten wir unsere Verlangen klären und uns weiterentwickeln. In uns existieren nur Verlangen und Anweisungen. Die Anweisungen sind die Tora – die Weisheit der Kabbala als innere Tora

Wir ordnen unsere Verlangen derart, dass jedes zur sprechenden Stufe gehörende und aus Ägypten mitgebrachte Verlangen zu einem Kli korrigiert wird, das zum Land Israel (zum Tempel) gehört und vollständig für das Geben und die Liebe arbeitet.


Aus dem Sohar 

Die Zählung und die Berechnung

„Und doch war die Welt nicht in ihrer Wurzel verwurzelt, bis Jakob zwölf Stämme und siebzig Seelen zeugte und die Welt gepflanzt war. Sie wurde aber nicht vollendet, bis Israel die Tora empfing und die Stiftshütte errichtet worden war. Dann blieben die Welten bestehen und wurden vollendet, und die Obere und Untere wurden beseelt.”


Aus dem Sohar 

Sohar für alle, BaMidbar (In der Wüste), Punkt 6

Abraham, Isaak und Jakob sind die drei Linien. Die Rechte Linie ist Abraham, und seine Klipa (Schale/Hülle) ist Ismael. Die Linke Linie ist Isaak, und seine Klipa ist Esau. Die Mittlere Linie ist Israel, und seine Klipa, die gewöhnlich als gemischte Schar bezeichnet wird. Wir müssen diese Ordnung mit Hilfe der Tora bewältigen, und zwar durch das richtige Studium der Weisheit der Kabbala. In ihr ist das Licht verborgen, denn dies ist die Tora des Lichts, wie es geschrieben steht: „Das in ihr wohnende Licht wird sie korrigieren.“(5)

Wenn wir  wirklich an uns arbeiten und uns so ausgerichtet und korrigiert sehen wollen, wie es die Tora in den drei Linien beschreibt, müssen wir studieren, damit das Licht uns beeinflussen kann. Auf der linken Seite haben wir das Ego und auf der rechten Seite das Licht der Tora, das uns korrigiert. Je mehr das Licht der Tora unser Ego gemäß unserer Anstrengung korrigiert, desto größer wird die Mittlere Linie. Sie beinhaltet diese beiden Kräfte und unterwirft das Ego der Herrschaft des Lichts. So wird ein Kli erbaut, in dem sich die Kraft des Schöpfers – die Höhere Kraft – offenbart.

Wir fügen unserer Korrektur ständig Ego hinzu, indem wir das nächst größere Licht verwenden, das erscheint. Auf diese Weise steigen wir in der Mittleren Linie auf, der Linie Jakobs. Daher gibt es vor der Ankunft von Jakob keine Gleichheit zwischen dem Menschen und der Höheren Kraft bzw. der Höheren Welt. Sobald der Mensch den inneren Abraham, Isaak und Jakob in die Reihenfolge dieser drei Linien bringt, beginnt er, mit der Höheren Kraft übereinzustimmen und mit ihr in Einklang zu arbeiten.


Was muss man tun, bis sich diese Wahrnehmungen entwickeln?

Wir müssen versuchen, das, was die Kabbalisten für uns schreiben, genau zu befolgen: Studiere nur in einer Gruppe, in der es Freundesliebe gibt. Und unsere drei Hauptquellen sind das Buch Sohar, die Schriften von ARI und von Baal HaSulam. Innerlich müssen wir nur dem folgen, was in diesen Büchern geschrieben steht.


Warum wurde Israel befohlen, Männer zu berufen, die im Heer dienten und zwanzig Jahre alt oder älter waren?

Zwanzig Jahre alt zu sein bedeutet in der Spiritualität, dass ein Mensch bereit ist, sich um eine eigene Wohnung oder ein Grundstück zu kümmern. Ibur (Empfängnis), Yenika  (Saugen/Säugling) und Mochin (Erwachsensein/Reife) sind die drei Phasen, durch welche wir wachsen. Es ist wie bei einem Fötus, der nach neun Monaten geboren wird. Die Stufen des spirituellen Wachstums sind identisch – vom Säuglingsalter bis zur Reife. Das spirituelle Säuglingsalter endet mit dreizehn Jahren.

Ibur ist in der Spiritualität eine sehr hohe Stufe: Der Mensch ist vor dem Höheren völlig annulliert und in Ihn eingeschlossen wie ein Tropfen Sperma, während der Höhere ihn nährt. Damit das Licht uns beeinflussen kann, müssen wir uns selbst so annullieren, als existierten wir nicht.

Wenn wir das Licht anziehen wollen, damit es uns erhöht, müssen wir mit einer Gruppe lernen und Teil von ihr sein; wir müssen wollen, dass die gute Umgebung und das Licht, das durch sie erscheint, uns beeinflusst. Auf diese Weise gehen wir in Stufen voran, die vielleicht weniger als neun Monate dauern. Alles hängt von unseren Anstrengungen ab.

Wenn wir geboren werden, ist unser Wille zu empfangen bereits größer. Wir entwickeln unser Bewusstsein und Verständnis, bis wir dreizehn Jahre alt sind, und von da an weiter bis zum Alter von zwanzig. Mit zwanzig Jahren sind wir nicht nur erwachsen, sondern können Besitzer unseres Landes sein. Land bezieht sich auf den größten, niedrigsten, grundlegendsten Willen zu empfangen. Von nun an sind wir für jede innere Korrektur bereit.


Gibt es eine Verbindung zwischen den spirituellen Stufen von Levi (Levite) und Cohen (Priester) und Menschen, deren Nachname so lautet?

Nein, die Rollen von Levi und Cohen werden entsprechend der spirituellen Stufe eines Menschen erscheinen und nicht durch seinen Nachnamen. In der Spiritualität zeigt der Sohn eines Menschen die Folge seiner spirituellen Stufe an, weil die Weisheit der Kabbala nur über spirituelle Stufen spricht. In der physischen Welt können wir nicht wissen, wer ein Priester, ein Levit oder ein Israelit ist. Es wird sich zu gegebener Zeit offenbaren.

Der Bau des Tempels wird erst dann möglich, wenn wir uns selbst korrigieren und den Tempel in unseren Herzen neu errichten. Dann werden wir wie Bezalel in der Lage sein, die äußere Struktur aus unserer Erkenntnis und unserem Verständnis heraus zu bauen. Wenn unsere Herzen mit dem Licht Chochma (Weisheit) erfüllt sein werden und sich uns die Shechina enthüllt – wenn wir also weise geworden sind – werden wir spüren, was wir äußerlich zu tun haben. Im Tempel werden je nach Stufe, auf der man sich befindet, Priester, Leviten und Israel sein.


Dieser Abschnitt konzentriert sich auf den Stamm Levi; was ist so besonders an ihm?

Es steht über Israel in Bezug auf die Nationen der Welt geschrieben: „Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein“ (Exodus 19,6). Im Grunde genommen sind wir in dieser Welt nur dazu verpflichtet, das Negative zu erkennen, sensibel für das Böse zu werden und es zum Guten zu korrigieren. In dem Maße, wie wir erkennen, dass die menschliche Natur böse ist, wollen wir uns von ihr befreien. Die Herausforderung liegt in der Bildung bzw. Erziehung – von uns selbst und von anderen.

Deshalb ist die einzige Aufgabe der Priester und Leviten, das Volk zu erziehen. Die Priester verbinden sich mit einer Höheren Stufe und bringen von dort das korrigierende Licht, um es den Leviten weiterzugeben, die es dann dem Volk weitergeben. So teilt sich jede Stufe bzw. jeder spirituelle Parzuf in drei Teile – CHaBaD, CHaGaT, NeHJ die Priester, Leviten und Israel sind.

Leviten haben kein Los, weil der Schöpfer ihr Los ist. Sie sind in Dwekut (Anhaftung) mit der Höhere Kraft. Sie haben kein Verlangen, für sich selbst zu empfangen, das sie korrigieren müssten. Sie haben eine Stufe der Korrektur erreicht, an der ihr Wille zu empfangen ganz auf das Geben ausgerichtet ist. Aus diesem Grund sind sie mit der Höheren Kraft verbunden. Durch die Leviten können auch wir, Israel, die wir uns auf einer niedrigeren Stufe befinden, das Licht und die Ausrichtung zum Aufstieg empfangen.


Hat die Reihenfolge der Abschnitte aus der Tora eine Bedeutung, und wenn ja, betrifft sie unsere spirituelle Entwicklung?

Ja, die Reihenfolge entspricht der Aufteilung unserer Welt. In unserer Welt gibt es wie auch in der spirituellen Welt, Begriffe und Jahreszeiten, die in Abschnitte unterteilt sind. Alles hat seine eigene Kraft. Deshalb hat auch jede Woche ihren eigenen Abschnitt, in welchem eine besondere Kraft von Oben wirkt. Wenn wir von Abschnitt zu Abschnitt gehen, korrigieren wir uns.

Dieser Zustand tritt entsprechend Wurzel und Zweig auch in unserer Welt auf. Man darf die Abschnitte nicht vermischen. Jeder Abschnitt muss zu seiner Zeit gelesen werden. So kann man weder den jetzigen Abschnitt BaMidbar (In der Wüste) an Rosh HaShana (Neujahrsabend im jüdischen Kalender) lesen, noch kann man im Winter einen Abschnitt lesen, der im Sommer gelesen werden soll.


Manchmal fühlt es sich an, als wäre der Abschnitt für uns nicht mehr relevant.

Wir behandeln die Abschnitte nicht als etwas, das in der Vergangenheit liegt. Die Tora ist das Gesetz des Lebens. Um die Quelle des Lebens zu erreichen, müssen wir sie an uns selbst anwenden. Die Tora wurde uns nur gegeben, um den Schöpfer zu offenbaren und uns an Ihn anzuhaften.


Was bedeutet die Aufregung rund um die Stiftshütte: Das Aufstehen, das Weggehen, das um sie Herumgehen und um sie Herumstehen?

Die Stiftshütte ist das heilige, korrigierte Kli in uns. Ich richte alle meine Wünsche, Unterscheidungen, Neigungen und Eigenschaften auf einen Zustand des Gebens aus, ähnlich dem Schöpfer bzw. der Kraft des Gebens. Ich versuche, mich zu korrigieren und in einen Zustand zu bringen, wo mein Kern, meine Hoffnung, mein ganzes Wesen etwas in sich hat, das der Höheren Kraft gleicht. Dann wird mich das Höhere Licht in diesem Zustand korrigieren.

Die Stiftshütte ist eigentlich die Seele des Menschen. Wenn ich von meinem ganzen egoistischen Willen zu empfangen einen Teil so korrigiere, dass er auf das Geben ausgerichtet ist, spüre ich in diesem Teil den Schöpfer. Dieser Teil wird Seele genannt, und was ihn erfüllt, ist die Offenbarung des Schöpfers. Die Arbeit der Korrektur macht uns zu einer Stiftshütte und umgibt uns. Tatsächlich müssen wir zu einem Tempel werden.


Was oder wer ist der Hirte in dem Abschnitt?

Das ist die Stufe Moses, der treue Hirte. Diese Stufe muss man in jedem Moment wählen. Bei jeder Rast muss ich wählen, was mich wohin führt, was mein Leben ist, wer mein Hirte ist und wem meine Verlangen und Gedanken folgen.

Unsere Korrektur ist es, auf einem Weg zu gehen, der als „die Tora, Israel und der Schöpfer sind eins” bekannt ist. Wenn wir Israel sein wollen, müssen wir dem Licht folgen, das uns korrigiert. Wenn wir ihm folgen, bringt uns das Licht zur Eigenschaft des Schöpfers, wie es geschrieben steht: „Kehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott“ (Hosea 14,2).

Ich muss mich entscheiden, dass ich diese Eigenschaft des Gebens und der absoluten Liebe besitzen will. Das ist der einzige Grund, warum uns die Tora gegeben wurde, und das ist es, was wir durch sie empfangen. Es wurde darüber gesagt: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, ich habe dafür die Tora als Gewürz erschaffen“, denn „das Licht in ihr wird ihn korrigieren”. Was uns korrigiert, ist der Schöpfer, die Eigenschaft des Gebens und der Liebe, die wir erwerben. Wir nennen sie auch Bore (Schöpfer), von den Worten Be Re’eh, „komm und sieh!“. Wir erlangen diese Eigenschaft in uns und nicht außerhalb von uns.


Wird uns diese Lenkung unsere Welt in einem korrigierten Zustand erscheinen lassen und wenn ja, wie?

Diese Lenkung ist bereits heute in unserer Welt erkennbar. Die Welt steckt in einer globalen Krise, in dem Gefühl, dass wir uns wirklich in einer Wüste befinden. Diese Wüste wird uns dazu drängen, uns in Richtung des inneren Landes Israel zu entwickeln, denn das ist der ganze Zweck dieser globalen Krise.

(1) Babylonischer Talmud, Masechet Kidushin, 30b.

(2) Babylonischer Talmud, Masechet Berachot, 17a

(3) Jerusalemer Talmud, Seder Nashim, Masechet Nedarim, Kapitel 9, S. 30b

(4) Masechet Shabbat, 31a.

(5) Midrash Rabah, Eicha, Anweisungen, Abschnitt 2.

 


GLOSSAR

Das Allerheiligste    Es ist GaR (Gimel Rishonot – die oberen drei Sefirot) von Bina, die absolute Eigenschaft des Gebens.

Fahne    Ein Fahne steht für die Aufgabe, die ich übernehmen muss. Jeder Teil und jede Gruppe in den zwölf Stämmen hat seine eigene Fahne, welche anzeigt, wie jeder Teil vorankommen kann, um sich zu korrigieren. Die Fahne ist für jeden Stamm einzigartig, daher bleibt die Einteilung in zwölf Stämme bestehen, auch nachdem sie den korrigierten Wunsch, das Land Israel, erreicht haben.

Heer    Das Heer sind alle Verlangen, die sich dem Oberhaupt, dem Glauben, dem Hirten, anschließen können.

Land Israel    Das Land Israel ist das korrigierte Verlangen. Es ist vollständig Yashar El (direkt zum Schöpfer) und zielt darauf ab, dem Schöpfer Zufriedenheit zu schenken, im gleichen Maße wie Er uns beschenkt. In diesem Zustand sind wir beide in Dwekut (Anhaftung) und geben uns gegenseitig.

Leviten    Die Leviten sind die Assistenten der Priester. Ihre Aufgabe ist es, den heiligen Teil im Menschen mit dem verdorbenen Teil zu koordinieren. Das Ziel ist, den verdorbenen Teil zu korrigieren, indem man ihn durch eigene Anstrengungen mit dem heiligen Teil verbindet.

Rast    Während wir uns von Etappe zu Etappe bewegen, müssen wir Halt machen, wie an Chanukka. Es gibt viele Haltestellen auf der Reise in der Wüste, eigentlich mehr als Reisen selbst. Solche Stopps sind Aufstiege und Abstiege, das Heranziehen des Lichts Chassadim gegenüber dem Licht von Chochma.

Stämme    Die Stämme sind Teil des Verlangens zu empfangen. Dieses ist in CHaBaD, CHaGaT, NeHJ unterteilt. In allen ist HaWaYaH – und dieses mal drei ergibt zwölf. Unser allgemeines Verlangen zu empfangen ist in zwölf Teile unterteilt, welche – wenn korrigiert – „Stämme” genannt werden.

Stiftshütte    Die Stiftshütte ist der Ort, an dem das Verlangen zu empfangen zum Verlangen zu geben korrigiert wird. Dies ist der beste und wichtigste Ort für uns.

Wüste    Die Wüste ist das Verlangen zu empfangen, das korrigiert werden muss. In diesem Zustand sehe ich noch Schlangen, Skorpione, also Probleme und habe nichts, womit ich meine Seele nähren kann. Ich muss die Wüste in das Land Israel verwandeln. Ich ziehe zwar von der Wüste in das Land Israel, aber in Wirklichkeit ist es Ägypten, das zur Wüste wurde, und die Wüste wird dann zum Land Israel. Ich bleibe in meinen Verlangen, korrigiere sie aber immer weiter, bis zum Ende der Korrektur.

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