Parasha Nasso, Tora-Abschnitt „erhebe“

23.-29. Mai 2021/11. – 18. Siwan, 5781

4. Buch Mose, Numeri 4:21-7:89

Zusammenfassung

Dieser Wochenabschnitt beschreibt die Vorbereitungen der Kinder Israels auf die Reise vom Berg Sinai in das Land Israel. Der Großteil der Arbeit dreht sich um die Stiftshütte. Die Volkszählung im Stamm Levi wird fortgesetzt, und es gibt eine Beschreibung der Verteilung der Aufgaben zwischen den Familien Levi, Gerschon, Khat und Merari. Der Schöpfer gibt den Befehl, als Vorbereitung für die Weihe der Stiftshütte das unreine Volk aus dem Lager zu schicken.

Danach erzählt der Abschnitt von verschiedenen Situationen, in denen das Volk die Hilfe der Priester und der Stiftshütte benötigt. Diese Geschehnisse stehen im Zusammenhang mit negativen Handlungen wie Diebstahl, einem Menschen, der vergeblich auf den Namen des Schöpfers schwört und dafür ein Opfer darbringen muss, und einer Frau, die sich verirrt hat und des Ehebruchs verdächtigt und deshalb zum Priester gebracht wird. Es gibt auch positive Vorkommnisse, wie die Geschichte des Eremiten, in welcher die Gesetze beschrieben werden, die ein Mensch, der ein Gelübde ablegt, auf sich nehmen muss, sowie der Segen der Priester, welchen sie an das Volk weitergeben.

Das Ende des Abschnitts behandelt die Gaben der Priester und die große Feier – die Weihe der Stiftshütte. Der Teil endet mit dem Abschluss der Vorbereitungen, nach der das Volk Israel in das gelobte Land aufbrechen kann.

Kommentar von Rav Michael Laitman

Die Tora spricht nur über unsere Seele und wie wir sie korrigieren sollen. Wir korrigieren nicht den Körper, denn der Körper ist das Tierische in uns und handelt entsprechend seiner Natur. Wir müssen den Lohn vom Allmächtigen in den Höhen“ (Hiob 31:2) erwecken, welcher unsere Seele ist.

Wir tun dies so, wie es geschrieben steht: Ich habe den bösen Trieb erschaffen; ich habe für ihn die Tora als Gewürz erschaffen“(1), weil das Licht in ihm es korrigiert“(2). Wenn wir beginnen, uns unter der Bedingung Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“(3) mit anderen zu verbinden, stellen wir fest, wie abstoßend wir diese Handlung finden. Wir wollen uns nicht verbinden, sondern wir wollen nur zu unserem eigenen Nutzen empfangen. 

Das ist unsere Natur, wie der Schöpfer sagte: Ich habe den bösen Trieb erschaffen.“ Je länger wir jedoch die Kabbala studieren und versuchen, uns einander anzunähern, desto mehr entdecken wir unser Unvermögen, uns mit anderen zu verbinden. Wir fangen an, unsere Natur als schlecht zu empfinden, als böse Neigung. Dann brauchen wir das korrigierende Licht, um das zu korrigieren.

Wenn wir die Weisheit der Kabbala mit der richtigen Gruppe studieren, mit Menschen, welche den guten Trieb, die Offenbarung des Schöpfers, erlangen und sich ändern und verbessern wollen, dann entdecken wir eine ganz neue Welt in uns. Wir finden verschiedene Schichten, Stufen und Teile. Tatsächlich sind die Priester, die Leviten, Israel und die ganze Welt mit ihren unbelebten, pflanzlichen, tierischen und sprechenden Teilen in allen unseren egoistischen Verlangen enthalten.

Die Tora sagt uns, wie, in welchem Zusammenhang und in welcher Reihenfolge wir den bösen Trieb in einen guten Trieb verwandeln. Das ist unsere Aufgabe in dieser Welt. Die Tora lehrt uns, wie wir das korrigierende Licht nutzen, welche Teile des bösen Triebes zuerst behandelt werden sollten und welche später.

Dieser Prozess gleicht dem, wenn ein Arzt zu einem Patienten sagt: Zuerst kümmern wir uns um die eine Sache, dann um die andere.“ Wenn ein Patient ein Herzproblem hat, ist das die dringendste Angelegenheit, auch wenn dem Patienten eine Wunde am Bein mehr plagt. Hier wird der Arzt sagen warten Sie, wir werden uns darum kümmern, aber es ist nicht Ihr dringendstes Problem“. Das Gleiche gilt für unsere Korrektur.

Die Tora lehrt uns, jedes Detail zu prüfen, es zu korrigieren, alle korrigierten Teile miteinander zu verbinden, oder sich vorübergehend von Wünschen zu trennen, die noch nicht korrigiert werden können, weil sie zu groß sind, so dass wir sie vorerst verbergen müssen. Wir nähern uns der Verbindung mit anderen, um das Kli (Gefäß) der Seele zu entdecken, wodurch wir das Höhere Licht, den Schöpfer, genannt Bo Re’eh (komm und sieh), erkennen. Wir offenbaren allmählich eines nach dem anderen durch Ursache und Wirkung.

Im vorherigen Abschnitt wurde über die Einteilung des menschlichen Verlangens in Stämme, Priester, Leviten und Israel gesprochen. Wer sind die Priester und was ist ihre Rolle im Volk? Wie sollte sich das Volk in zwölf Stämme einteilen? Warum sind es gerade zwölf, drei Linien und HaWaYaH, dreimal HaWaYaH, welche die vier Buchstaben, die die zwölf Teile des Willens zu empfangen bilden? 

Hier ist von der nächsten Stufe der Korrektur der Seele die Rede. Von einem Menschen, der die Seele korrigieren will, da sie der Lohn vom Allmächtigen in den Höhen“ ist. Der Schöpfer ist gut und Gutes tuend. Ein Mensch, der mit dem guten Trieb statt mit dem bösen arbeiten will, tut es, indem er die Form des Schöpfers – das Geben erlangt. Deshalb heißt es komm und sieh“.

Dieser Abschnitt beschreibt, wie wir das erlangen können. Die Stiftshütte ist etwas Magisches und Unbekanntes, ein besonderer Ort in unserem Willen zu empfangen. Es gibt nichts anderes als den Willen zu empfangen. Die ganze Schöpfung ist der Wille zu empfangen, doch in jedem Verlangen von uns ist ein besonderer Platz, durch welchen wir mit dem Höheren Licht verbunden sind. Wir bringen unsere Verlangen dorthin, als gingen wir zu einem Arzt. Die Stiftshütte wird ein Heilmittel für die zerbrochenen Herzen“(4) genannt, und die Verlangen werden dort vom Licht korrigiert. Die Stiftshütte ist der wichtigste, zentrale Ort, an dem unsere Verlangen korrigiert werden.

Fragen und Antworten

Muss das jeder von uns einzeln tun?

Ja, jeder muss dies tun. Deshalb besteht unsere Arbeit hauptsächlich darin, Opfer zu bringen. Davor untersuchen wir, was koscher (passend/richtig) ist, wie es gemacht werden kann, was in uns ein Levit, ein Priester, Israel, Völker der Welt, Klipot (Schalen/Hüllen) und was unbelebt, pflanzlich, tierisch oder sprechend ist. Wir müssen lernen, unsere Verlangen zu sortieren und zu ordnen. Am Ende aller Prüfungen bringt ein Mensch ein Opfer. Das Wort Korban (Opfer/Opfergabe) kommt von dem Wort Karow (nah). Wenn man seinen Willen zu empfangen in der Stiftshütte korrigiert, ist das der Punkt, an dem man sich dem Schöpfer annähert.

Es ist eine wahrhaft heilige Arbeit, denn die Priester sind die reine Eigenschaft des Gebens in einem Menschen. Der Hohepriester ist GaR, also das Haupt“ dieser Eigenschaft in uns. Dies ist die Kraft in uns, die Priester genannt wird. Sie ist es auch, die alle darunter liegenden Stufen des Willens zu empfangen korrigieren kann. Deshalb gibt es auch eine Abhandlung darüber, was mit Teilen des Willens zu empfangen zu tun ist, wie z.B. eine unkorrigierte Frau, ein unkorrigierter Mann, oder andere Probleme, die während des Prozesses der Korrektur entstehen. 

Unser ganzer Fortschritt auf dem Weg der Korrektur ähnelt einem Aufenthalt in der Wüste. Wir entdecken unseren bösen Trieb – dass er ein rein egoistisches Verlangen ist – und wir können davon keine Lebenskraft erhalten. Deshalb fühlen wir uns in ihm wie in der Wüste. Wir werden alle nur vom Höheren Licht ernährt und am Leben erhalten, das Manna vom Himmel genannt wird; dadurch kommen wir voran.

Die Wüste könnte eigentlich eine kurze Phase in diesem Prozess sein. Es steht geschrieben, dass sie in drei Tagen hätte durchquert werden können, doch dann hat es vierzig Jahre gedauert. Weshalb dauert dieser Prozess so lange?

Die drei Tage sind das, was es braucht, um die Drei Linien zu erhalten. Vierzig Jahre ist der Aufstieg von Malchut zu Bina, welcher vierzig Stufen“ genannt wird. Es sind nicht vierzig Jahre im weltlichen Sinne; die Tora bezieht sich nicht auf Jahre, wie wir es tun. Vielmehr beschreibt sie Stufen. Ein Mensch, der die Stufe des Willens zu empfangen, welche Bina genannt wird, erreicht, steigt zur Stufe der Eigenschaft des Gebens auf und ist vollkommen eingetaucht in das Verlangen zu geben. Obwohl der Wille zu empfangen noch nicht korrigiert wurde, in seinem Inneren genauso brennt“ wie zuvor, friert“ dieser Mensch ihn ein, er schränkt ihn ein, indem er dieses Brennen“ im seinem Inneren festhält. Es gleicht einer Truhe mit explosivem Inhalt. Man schließt den Deckel und setzt sich drauf. Ein solcher Mensch kontrolliert alle seine egoistischen Verlangen, und das nennt man, zur Stufe von Bina aufzusteigen und damit bereit zu sein, das Land Israel zu betreten.

Über den Vulkan“ aufzusteigen bedeutet, sich über die großen Verlangen zu erheben, über all die großen Kelim (Gefäße), die wir aus Ägypten mitgebracht haben. Jedes Mal, wenn wir in der Wüste das Böse in uns entdecken, können wir davon ausgehen, dass wir gesündigt, also den Willen zu empfangen benutzt haben. Während dieses Prozesses, in dem wir immer wieder vom Weg abkommen und sündigen, kümmern sich die Stufen Moses und Aaron in uns um diese Angelegenheiten.

Mit anderen Worten, man entdeckt alle verdorbenen Gedanken und Verlangen im eigenen Verstand und Herzen. Man ist ständig auf der Suche nach der richtigen Absicht. Man bemüht sich darum, sich mit der Umgebung bzw. mit der Gruppe, in der man sich befindet, zu verbinden, und sich dadurch dem Höheren Licht, dem Schöpfer, anzunähern. So erkennt man, wie man sich mit den äußeren Teilen verbindet, sich ihnen annäher kann, und durch sie geheiligt wird. 

Wir sagen immer wieder, dass das einzige, was wir korrigieren müssen, unsere Verbindungen zu anderen Menschen sind. Doch alles, was hier beschrieben wird, scheinen Vorgänge zu sein, die in uns stattfinden. Wenn wir sagen, dass die Vorbereitungen abgeschlossen sind und wir uns auf den Weg machen können, hat dies dann der Mensch als Einzelner erreicht?

Dieser Mensch hat die Vorbereitungen mit all seinen Verlangen abgeschlossen, sie geordnet und sortiert und ist bereits für seinen Kampf gegen den Willen zu empfangen gerüstet. Jetzt kann er sich auf den Weg machen und neue Verlangen entdecken, die ihm zeigen, wie man sich in der Wüste verhalten soll.

Mit wem macht man sich auf den Weg?

Man macht sich mit den eigenen Verlangen auf den Weg, die bereits für diesen Prozess vorbereitet sind, nämlich die Priester, die Leviten, Israel, die Stämme – mit der Einteilung, die im vorangegangenen Tora Abschnitt vorgenommen wurde. Nachdem man sich um alle seine Verlangen gekümmert hat, macht man sich mit ihnen auf den Weg. Mit anderen Worten ist man nun bereit, mit all seinen Verlangen, die man „in der Truhe in Schach hält“, in das Land Israel, welches Bina ist, einzuziehen. Mit all diesen Verlangen, den Frauen, Kindern und allen Männern macht man sich auf den Weg. Auch Tiere werden mitgenommen, d.h. alle Verlangen, die gesamte innere Welt. Von hier aus gelangt man zum vollständigen Geben, zur Eigenschaft von Elokim, genannt Bina.

Was ist das Maß der Abhängigkeit zwischen Freunden, wenn sie unterschiedlich weit in den Vorbereitungen hin zum Willen zu Geben sind? Kann das bremsen oder zurückhalten?

Das hat nichts mit den Freunden zu tun. Es ist die eigene, innere Arbeit. Die Freunde können nur äußerlich helfen. Sie können an die Wichtigkeit des Ziels erinnern, das Land Israel zu erreichen und im Zustand von Yashar El (direkt zum Schöpfer) zu sein. Darauf müssen alle Verlangen ausgerichtet sein. Freunde können uns helfen, unser Verlangen zu erhöhen, den gesamten bösen Trieb in einen guten Trieb zu korrigieren. So können sie uns indirekt helfen, weiterzumachen und Kraft dafür aufzubringen.

Müssen einige Prüfungen, die wir durchführen, mit Hilfe der Freunde gemacht werden?

Alle Prüfungen sind innere Arbeit. Andere Menschen sollten die Arbeit, die jeder von uns in seinem Innern tut, nicht kennen.

Was sind unreine Menschen, oder eine Frau, die sich verirrt hat?

Wir alle haben diese Verlangen, daher enthüllen wir sie. Die Tora spricht davon, was in uns existiert. Sie eröffnet uns unser persönliches Inneres und erklärt, was wir darin finden können: Verlangen, Eigenschaften und Gedanken. Sie erklärt auch, wie wir damit arbeiten sollen. Wir müssen all diese Eigenschaften und Verlangen dazu bringen, sich mit dem Schöpfer zu verbinden, wie geschrieben steht: Kehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott“ (Hosea 14,2). Es geht um den spirituellen Aufstieg, die innere Erhebung über unsere egoistischen Eigenschaften.

Meine Gedanken kommen zu mir. Ist es der Schöpfer, der sie sendet?

Alles wird uns gesandt. Der Schöpfer sagt: Ich habe den bösen Trieb erschaffen.“ Aber darum müssen wir uns nicht kümmern, denn dies ist Sein Problem“. Alles, was wir tun müssen, ist zu bitten, dass das korrigierende Licht kommt und unseren bösen Trieb in einen guten verwandelt. Das ist unsere ganze Arbeit, unser ganzes Leben dient diesem Zweck.

Wenn ich zum Beispiel in mir die Eigenschaft entdecke, die man eine verirrte Frau“ nennt, was bedeutet es dann, dass ich sie zum Priester bringe? Was macht der Priester?

Es bezieht sich auf das, was wir opfern. In diesem Fall opfern wir ein Verlangen, das verirrte Frau“ genannt wird. Eine Frau, die sich verirrt hat, ist ein Verlangen zu empfangen, das nicht arbeiten will um zu geben, sondern nur um zu empfangen. Es ist ein Verlangen, welches das Licht Chochma (Weisheit) von Oben nach unten ziehen will, anstatt von unten nach Oben. Mit anderen Worten, es will nicht im Geben und der Liebe für andere arbeiten, sondern für sich selbst empfangen. Es ist ein egoistisches Verlangen auf der Stufe einer Frau.

Es gibt einen Ehemann, eine Ehefrau, und es gibt die Völker der Welt. All das sind Verlangen in uns. Die Verlangen erscheinen plötzlich als etwas, das nur für sich selbst empfangen will, etwas, das nicht die Absicht hat, sich jemals dem Schöpfer, den anderen oder dem Willen zu geben anzunähern. Wenn wir merken, dass wir so sind, gleichen wir einer verirrten Frau.

Angenommen, jemand fragt: Was ist eine Frau, die Ehebruch begeht?“ Man könnte sagen, dass es auch männliche Ehebrecher gibt. Außerdem ist Ehebruch heute sehr weit verbreitet.

Männer und Frauen sind in diesem Fall unsere eigenen Verlangen. Diese Ereignisse spielen sich nicht in der materiellen Welt ab. Man kann nicht sagen, dass in unserer Welt die Männer oder die Frauen etwas Falsches tun. Es sind Prozesse in unserer inneren Welt und sowohl die Männer, als auch die Frauen symbolisieren unsere eigenen Verlangen.

Die Frau steht für einen großen Mangel, während der Mann mehr zu Massachim (Schirme) neigt, zur Kraft der Überwindung. Wenn ein Mensch diese Unterscheidungen in sich entdeckt, hat das nichts mit der materiellen Welt zu tun. Schließlich geht es um die eigenen Verlangen, und es spielt keinen Rolle, wie sie genannt werden, Frau, Mann, Priester, Levit, Israel oder Völker der Welt. Sie alle müssen nach Stufen und Eigenschaften geordnet werden, um zu erkennen, was nach der Tora (von Hora’a – Anweisung) zu tun ist. Das heißt, was als nächstes in mir korrigiert werden soll.

Gibt es irgendeine Verbindung zwischen dem Besprochenen und den Beziehungen der Menschen in unserem Alltag?

Da gibt es überhaupt keine Verbindung. Sie könnten auf der Straße einen Menschen treffen, der böse oder töricht oder auch klug zu sein scheint, oder sich als vollkommener Gerechter darstellt. Doch über das Innere dieses Menschen kann man nichts aussagen.

Aus dem Sohar:

Eine Frau, die sich verirrte

Warum sollte ein Mann seine Frau zu einem Priester bringen und nicht zu einem Richter? Der Richter ist der Trauzeuge der Königin und korrigiert die Malchut für einen Siwug [Paarung] mit Seir Anpin. Daher gehört die Korrektur des Fehlers der verirrten Frau, die Malchut erreicht, zu ihm. …Nur der Priester ist dazu geeignet. Es ist die Eigenschaft von Bina, die starke Eigenschaft des Gebens. Priester haben einen besonderen Charakter. Es ist ein so mächtiges und starkes Verlangen, und so korrigiert, um zu geben, dass es alle kleinen, verdorbenen Verlangen zu sich hinzufügen kann und damit korrigiert … denn er ist der Trauzeuge der Königin. Auch werden alle Frauen in der Welt von der Versammlung Israels gesegnet … während der Priester dazu bestimmt ist, die Worte der Königin, Malchut, zu korrigieren und er kann alles erkennen, was sie braucht. Deshalb ist nur der Priester dessen würdig, und kein anderer.“

Sohar für alle

Nasso (erhebe), Punkt 61

Wir haben über die Stärke des Priesters gesprochen, aber dieser Teil erwähnt auch Eremiten und sogar Regeln über sie. Was ist ein Eremit?

Ein Eremit ist jemand, der sich selbst einschränkt. Wenn z.B. ein Mensch, der 150 kg wiegt, das Essen einschränkt, macht das diesen Menschen zu einem Eremiten? 

So ähnlich ist es, wenn wir sehen, dass wir mit der Offenbarung des Schöpfers und mit den großen Freuden, die offenbart werden, nicht arbeiten können. Denn wir würden alles für uns selbst empfangen und dadurch wieder zum Egoisten werden. Deshalb begrenzen wir uns und lehnen diese Freuden ab. In der Weisheit der Kabbala wird das als das Licht Chochma nicht anziehen“ bezeichnet. Eine solcher Mensch berührt sinnbildlich keine Trauben“ oder Traubenprodukte“, wie z.B. Wein“. Dies wird als das Verhalten eines Eremit bezeichnet. Für einen Priester gilt dies jedoch nicht, ihm ist es erlaubt, davon zu trinken.

Dies sind Arten der Korrektur, die jeder in den einigen Verlangen erfahren muss. Durch sie korrigieren wir das Verlangen zu empfangen und schreiten voran. In diesem Zustand wissen wir bereits, wie wir das Licht Chochma von unten nach Oben nutzen und empfangen können. All die Dinge sind nur verboten, weil man nicht stark genug ist, sie um des Gebens willens zu nutzen.

Angenommen, jemand bietet mir eine Schachtel Pralinen an, und ich mag Süßigkeiten wirklich gerne. Obwohl ich sie auch weiterschenken könnte, sage ich: Gib sie mir nicht.“ Das nennt man ein Eremit sein“. Durch diesen Verzicht bekomme ich einen größeren Massach (Schirm). Dadurch habe ich nun ein größeres Maß an Liebe für jemanden, als das Maß meiner Liebe zu Süßigkeiten. Deshalb kann ich dann sagen Gib sie mir“, weil ich nun bereit bin, eine Handlung des Gebens zu vollziehen, um das Licht dieses Genusses an einen anderen weiterzugeben.

In unserer Welt sprechen Kabbalisten davon, dass ein Mensch das Leben genießen, heiraten und ein normales Leben führen soll. Das heißt, wir können alles tun, solange wir diese Freuden auf eine spirituelle Ebene bringen und sie nicht nur auf der körperlichen verbleiben. Denn auf der körperlichen Ebene können wir nicht die ganze Fülle des Leben genießen.

Die Tora lehrt uns, wie wir uns auf eine Stufe der Genüsse erheben können, auf welcher alle Genüsse durch uns hindurch zu anderen fließen und deshalb wieder zu uns zurückkehren. Dies wird spirituelles Leben“ genannt. Es ist unendlich und vollkommen. Das ist es, wohin wir aufsteigen werden. 

Wenn man aber alles, was man zu verdienen glaubt, für sich selbst beansprucht, stoppt das sofort diesen Rückfluss der Genüsse und lässt einen mit nichts zurück, bis man spirituell stirbt“. Wenn man jedoch in den Kreislauf dieses Energieflusses, des Wissens und der Empfindung eintritt, wird man als Mensch betrachtet, der ein spirituelles Leben“ führt.

Was ist ein Segen in der Spiritualität?

Ein Segen in der Spiritualität ist eine Kraft, die auf der Stufe von Bina existiert und die niederen Verlangen beeinflusst, sie segnet und sie auf die Stufe von Bina erhebt. Ein Segen ist die Stufe des Gebens, Bina. Es ist die Fähigkeit, zu geben.

(1) Babylonischer Talmud, Masechet Kidushin, 30b

(2) Babylonischer Talmud, Masechet Kidushin, 30b

(3) Jerusalemer Talmud, Seder Nashim, Masechet Nedarim, Kapitel 9, S. 30b

(4) Sohar, Hayei Sarah (Das Leben Sarahs)

 

Berg Sinai

Das Wort Berg, hebräisch har, bedeutet Zweifel/Einspruch“ und Syna, Hass“. Wenn ein Mensch all das Böse in sich entdeckt, steht er sinnbildlich am Fuß des Berges Sinai, vor dem Berg des Hasses. Doch das erkennt man erst, wenn der Punkt im Herzen – die Kraft Moses im Menschen – diesen Berg besteigt. Durch das Überwinden der Distanz zwischen dem Fuß des Berges und seinem Gipfel schafft er die Voraussetzung, um die Tora zu empfangen. Denn dieser Mensch fühlt, dass er sich korrigieren muss, weiß aber nicht, wie er das tun soll. Solch ein Mensch wird würdig, das korrigierende Licht zu empfangen, welches Tora genannt wird.

Familie

Eine Familie ist der ganze Mensch“, der aus einem Mann, einer Frau, Kindern, einem Haus und der ganzen Welt besteht. Eine Familie ist ein vollständiges Kli.

Unrein

Unrein ist jemand, der von der Liebe zu sich selbst durchdrungen ist. Solch ein Mensch verunreinigt alles, was er berührt, denn all seine Gedanken und Taten dienen nur der Befriedigung seiner eigenen Verlangen, anstatt sich zu wünschen, anderen zu geben. Umgekehrt wird das Geben an andere Kedusha (Heiligkeit/Reinheit) genannt.

Das Lager oder das Außerhalb-des-Lagers-Sein

Ein Lager ist ein Teil im Willen zu empfangen, den ein Mensch wahrnimmt und erkennt, dass er sich nur mit der Absicht zu geben weiterentwickeln kann. Ein Lager ist daher ein korrigiertes Verlangen.

Weihe der Stiftshütte

Die Weihe findet statt, nachdem ein Mensch die Stiftshütte errichtet hat. Diesen Zustand erreicht man, wenn man das Verlangen zu geben gefestigt hat. 

Gabe

In dem Maße, in dem man den Willen für sich selbst zu empfangen aufgeben kann, gibt man dem Priester – der eigenen Annullierung oder der Eigenschaft zu geben – ein Geschenk. In dem Maße, in dem man sich auf die Stufe des Priesters – auf den Wunsch zu geben, bezieht – erhält man im Gegenzug einen Segen dafür und hat dadurch diesen Wunsch geheiligt.

Segen

Ein Segen bedeutet, dass das korrigierende Licht sich in den Willen zum Empfangen ergießt und ihn dahingehend korrigiert, dass er nun die Absicht hat, zu geben. Dies ist die Korrektur.

Segen der Priester

Der Segen der Priester ist das Licht, das von der Stufe Bina zur Stufe von Malchut hinab scheint und sie korrigiert. Malchut beginnt, sich zur Stufe von Bina zu beziehen. Ein Priester ist die Stufe von Bina. Es ist nicht nur die Korrektur des Willens zu empfangen, so dass er sich auf den Willen zu geben ausrichtet, sondern er nähert sich auch der Stufe des Schöpfers an. Ein Priester ist die Stufe von Elokim, Bina, der Barmherzigkeit, des Gebens. Priester haben keine Familie, keine Notwendigkeit etwas zu korrigieren; sie sind auf der Stufe des Willens zu geben und damit ganz in Barmherzigkeit. Daher erhält Malchut, wenn sie sich darauf ausrichten kann, einen Segen der Priester, welcher die Korrektur ist.

Falscher Schwur

Ein falscher Schwur ist, wenn ein Mensch sich mit der Stufe Bina verbindet und ihre Kraft erhält. Dann benutzt er diesen Segen, das Verlangen zu geben, mit der Absicht, für sich zu empfangen. Das heißt, dieser Mensch ist zwar bereit zu geben, zieht daraus aber einen Nutzen für sich selbst.

Aus dem Sohar: 

Warum bin ich gekommen und es gibt niemanden

Wie sehr werden die Israeliten vom Schöpfer geliebt? Wo immer sie sind, der Schöpfer ist bei ihnen. Denn Er entfernt Seine Liebe nicht von ihnen, wie geschrieben steht: Und sie sollen Mir einen Tempel machen, damit Ich unter ihnen wohne (Exodus 25:8).

Sohar für Alle

Nasso (erhebe), Punkt 105

Und sie sollen Mich zu einem Tempel machen, damit Ich unter ihnen wohne bedeutet: Wenn man den Willen zu empfangen zu einem Tempel macht, wird man dort den Schöpfer finden.

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