Parasha BeHa’alotcha: Tora-Abschnitt „Wenn du die Lampen anzündest“

30. Mai-05. Juni 2021 / 19.-25. Siwan 5781

4. Buch Mose, Numeri 8:1-12:16

Zusammenfassung

Der Abschnitt, BeHa’alotcha (Wenn du die Lampen anzündest), findet ein Jahr nach dem Empfangen der Tora statt. Das Volk Israel macht sich auf die Reise und hält eine besondere Zeremonie zur Weihe des Altars ab. Der Abschnitt beschreibt detailliert die Gesetze bezüglich der Opfergabe des zweiten Pessach für all jene, die zu weit entfernt waren, um an Pessach teilzunehmen.

Der Abschnitt spricht von der Stiftshütte, über der ständig eine Wolke steht. Sie ist ein Zeichen für die Kinder Israels, wann sie sich erheben und auf den Weg machen, und wann sie sich niederlassen müssen. Der Abschnitt erzählt auch von den zwei silbernen Trompeten, die benutzt wurden, um das Volk in Kriegszeiten zu versammeln, wenn sie an den Shabbatot, an Festen und zu besonderen Anlässen ein Opfer darbrachten.

Gegen Ende des Abschnitts finden mehrere Ereignisse statt, die auf die Zunahme des Egoismus hinweisen. Die Bösen (die egoistischen Eigenschaften) im Volk beschweren sich über Moses und den Schöpfer, und ein verzehrendes Feuer wird zu ihnen am Rande des Lagers geschickt. Der Pöbel, eine Gruppe von Proselyten, welche sich den Kindern Israels beim Auszug aus Ägypten angeschlossen haben, beschweren sich über ihren Zustand, und der Schöpfer lässt Wachteln auf das Lager regnen. Wer sich lustvoll auf die Wachteln stürzt, wird zu Tode gebracht. Deshalb wird der Ort „die Gräber der Gier“ genannt.

Am Ende des Abschnitts geht es um Mirjam – die Schwester von Moses und Aaron – welche Moses verleumdet. Sie sagt zu Aaron: „Der Schöpfer ist mir und auch dir erschienen, weshalb ist dann Moses der Anführer? Warum hören wir nur auf ihn?“ Sie wird dafür mit Lepra bestraft, und das Volk wartet sieben Tage lang, bis sie zurückkehrt.

Kommentar von Rav Michael Laitman

Alle Ereignisse sind spirituelle Zustände in uns. Jeder Mensch muss sich selbst korrigieren um die „Gleichheit der Form“ mit dem Schöpfer zu erreichen, wie geschrieben steht: „Kehr um, Israel, bis zum Herrn, deinem Gott“ (Hosea 14,2). Der Text spricht nur über die spirituelle Korrektur. Es geht nicht darum, die Wüste zu durchqueren, den Jordan zu erreichen, ihn zu überqueren und in das Land Israel einzuziehen. Vielmehr geht es um das spirituelle Aufsteigen, wie in BeHa’alotcha (Wenn du die Lampen anzündest) beschrieben.

Aufsteigen bezieht sich auf den Aufbau der Seele. Jeder von uns baut allmählich seine oder ihre eigene Seele auf, die „das Erbteil vom Allmächtigen in den Höhen“(Hiob 31:2) genannt wird. Man beginnt die spirituelle Arbeit, will sich selbst neu erbauen und das Geben an andere und die Liebe, die Verbindung mit allen erreichen, weil diese Handlungen uns zur Ähnlichkeit mit dem Schöpfer bringen, wie es geschrieben steht: „Von der Nächstenliebe zur Liebe zu Gott“(1), von der Liebe zu den Menschen zur Liebe zum Schöpfer.

Wir erreichen diese Liebe in Stufen, selbst wenn dies uns abstösst, weil wir dieser Liebe entgegengesetzt sind. Dies sind die Stufen, die in allen Tora Abschnitten beschrieben werden. Zu Beginn spricht die Tora nur davon, dass im Menschen ein Funke entzündet wird, den man den „Punkt im Herzen“ nennt. Durch diesen Funken beginnt unsere Korrektur. Die Tora beschreibt den Weg, den wir bis zur Endkorrektur gehen müssen, durch das, was am Ende der Tora (Pentateuch)„vor den Augen von ganz Israel“ (Deuteronomium 34,12) genannt wird.

Wenn wir also die Arbeit der Korrektur beginnen, entdecken wir in uns sofort verschiedene Arten von Problemen. Im Tora – Abschnitt steht geschrieben, dass ein Jahr nach all den Vorbereitungen, als die Kinder Israels aufbrechen wollten, Probleme im Lager entstanden. Wir beginnen diese Probleme erst nach all unseren Vorbereitungen zu erkennen, dann, wenn wir für den spirituellen Aufstieg bereit sind. Dann stoßen wir auf viele Hindernisse, wie Gedanken und Verlangen, welche sich dem spirituellen Aufstieg widersetzen.

Die Hindernisse, die entstehen, sind im spirituellen Sinne Enthüllungen der egoistischen Verlangen und Gedanken des Verstandes und des Herzens, die wir korrigieren müssen. Durch diese Korrektur steigen wir spirituell auf. Daher sollen wir sie nicht als Hindernisse betrachten, sondern als ein Mittel für den Aufstieg, wie ein Sprungbrett. Wir können an uns selbst und an unseren kabbalistischen Gruppen überall auf der Welt beobachten, dass die Probleme in dem Moment beginnen, in dem alles geregelt ist, jeder bereit ist, sich bemüht und zu beginnen versucht, vom Zentrum der Gruppe aus zu handeln und unsere Verbindungen zu korrigieren. Das ist der Moment, in dem die Probleme entstehen. Doch dies ist der richtige, der einzige Weg, um aufzusteigen.

Die Probleme enthüllen verschiedene Verlangen in uns. Unser gesamtes Verlangen ist in viele Schichten aufgeteilt, daher ist es nicht verwunderlich, dass plötzlich „Menschen“ erscheinen, gemeint sind damit Verlangen in uns. Israel als Ganzes wird Adam genannt. Er schließt alles in uns ein, auch die Völker der Welt. Allerdings ist Israel das Verlangen, mit dem wir arbeiten können, während die Völker der Welt „eingefroren“ bleiben, weil wir noch nicht bereit sind, mit ihnen zu arbeiten.

Selbst wenn wir nur mit den Verlangen arbeiten wollen, mit denen wir spirituell aufsteigen können, erkennen wir, dass es nicht einfach ist. Alle Verlangen, die während des Auszuges aus Ägypten nicht korrigiert werden konnten, können jetzt „geopfert“ werden. Das ist die Aufgabe am zweiten Pessach. „Opferung“ bedeutet, dass wir unsere Verlangen zur Eigenschaft des Gebens hin lenken, die Kedusha (Heiligkeit), Geben, oder die Liebe zu anderen genannt wird.

Der Mensch sollte lernen, seine Verlangen in jene zu ordnen, die bereit sind, korrigiert zu werden, und jene, die noch nicht dafür bereit sind. Das Gleiche gilt für die Gedanken, die Arbeit im Zelt der Begegnung und in der Stiftshütte. Dies ist die Arbeit der Prüfung der Verlangen und deren Korrektur.

Die Arbeit mit den Opfergaben und den damit verbundenen Mizwot (Gebote) ist die wichtigste, weil die Mizwot Anweisungen enthalten, wie man jedes Verlangen vom Rest der Verlangen trennt, wie man es bearbeitet und versteht, was es bedeutet, und wie möglich oder unmöglich es ist, mit ihm in der Arbeit voranzukommen.

Die einzige Möglichkeit voranzukommen besteht darin, unsere egoistischen Verlangen in Verlangen um zu geben und der Liebe zu verwandeln. Bei diesem Prozess gibt es immer wieder Probleme, wie Lepra oder Plagen, wie sie bei Mirjam oder den Menschen, die Fleisch wollten, beschrieben werden. Dies geschieht, weil sich unser Verlangen in Unbelebtes, Pflanzliches, Tierisches und Sprechendes aufteilt. „Sprechend“ bezieht sich auf verschiedene Menschen, welche in der Tora erwähnt werden: Priester, Leviten und Israel. Doch wir entdecken, dass es auch Fremde, Proselyten, die gemischten Massen und andere gibt, die scheinbar nicht zum Volk Israel gehören, sich ihm aber dennoch anschließen.

Diese Klärungen und Prüfungen finden nicht alle auf einmal beim Auszug aus Ägypten statt, sondern später, wenn wir erkennen, dass es mehr zu korrigieren gibt. Wir müssen den zu opfernden Teil vom Rest unserer Verlangen trennen, die wir vorübergehend  „auf Eis gelegt“ haben. Einige dieser Verlangen können korrigiert werden, und durch sie ist es möglich, etwas zu opfern und vorankommen. Durch dieses Geschenk wird es möglich, die Leiter hochzusteigen. Mit einigen Verlangen ist dies noch nicht möglich.

Die Verlangen, die schon im Geben sein können, also um des Gebens willen empfangen, sind bereits erwacht. Das Licht leuchtet in ihnen, wie es geschrieben steht: „Wenn du die Lampen anzündest“ (Numeri 8,2). Es gibt klare Hinweise während des Prüfens der Verlangen, die uns zeigen, wann welche Handlungen zu tun sind. Wenn wir uns unter einer Wolke befinden, ist das die Vorbereitung. Wenn die Wolke erwacht, zeigen sich die Last und die Prüfungen in uns und dadurch können wir voranschreiten. In der ganzen Tora geht es nur darum, wie man den Willen zu empfangen korrigiert, welche Teile davon, und wie dies anschließend überprüft werden kann.


Fragen und Antworten

Was ist das zweite Pessach? Führen Verlangen, die wir nicht wahrgenommen haben, plötzlich zu einer größeren Erkenntnis und wir entdecken, dass auch sie es verdienen, sich zu zeigen?

Das ist keine größere Erkenntnis, aber eine genauere, präzisere. Wir erkennen, dass jene Verlangen, mit denen wir dachten aus Ägypten auszuziehen, das Geben nicht wirklich zulassen. Erez (Land) bedeutet Razon (Verlangen), und Ysrael (Israel) bedeutet Yashar El (direkt zum Schöpfer). Nachdem wir ein paar Schritte vorwärts gegangen sind, entdecken wir noch eine Unreinheit in uns, die wir vorher nicht wahrgenommen haben. Erst durch unseren Fortschritt offenbaren sich Verlangen, die uns am Vorankommen hindern, also klären und korrigieren wir sie.

Das tun wir in Stufen. Man kann Verlangen zerstören, töten, trennen oder auf bestimmte Weise korrigieren, ähnlich der Arbeit mit den Opfergaben. Wir teilen unsere Verlangen in unbelebte, pflanzliche, tierische und sprechende auf und ordnen sie auf der Stufe des „Sprechenden“ in Priester, Leviten und Israel. Wir sollten auch an den Pöbel denken, die Proselyten und die Völker der Welt und an die verschiedenen Heiden, die in uns erwachen.

Es gibt primäre Verlangen auf der tierischen Stufe, weil die Seele aus Shoresh (Wurzel), Neshama (Seele), Guf (Körper), Lewush (Kleidung) und Heichal (Haus/Halle) besteht, oder auch Moach (Mark), Azamot (Knochen), Gidin (Sehnen), Bassar (Fleisch) und Or (Haut), je nachdem, wie wir sie aufteilen. Wenn wir uns auf Moach, Azamot, Gidin, Bassar und Or beziehen, können wir Or nicht korrigieren. Die Korrektur von Or wird als die Herstellung von „Pergament“ bezeichnet, auf welchem das Buch Tora geschrieben ist. Das Or wird in zwei Teile aufgeteilt – der äußere Teil [der Haut] und der innere Teil [der Haut], genannt Duchsustus. Auf diese Weise erreicht es die Korrektur.

Vorher müssen wir das Kli (Gefäß) von Bassar auf der tierischen Stufe korrigieren. Dies ist unsere Hauptarbeit, die wir auf dem Altar ausführen. Es befinden sich sowohl „Salz“ als auch „Wasser“ und andere Dinge auf dem Altar, aber das bedeutendste ist Bassar (Fleisch). Dies ist das Kli (Gefäß), mit dem wir unseren Willen zu empfangen korrigieren, was das Wichtigste ist. „Fleisch“ ist „rot“, was bedeutet, dass seine Struktur der große Wille zu empfangen ist, daher findet die Arbeit mit den Opfergaben, wie es die Tora beschreibt, hauptsächlich im Kli von Bassar statt.

Davor kennt ein Mensch diese Verlangen nicht oder hält es nicht für notwendig, sie zu korrigieren. Ein Mensch kann nur verstehen, wenn er jede Stufe in der richtigen Reihenfolge durchläuft, am richtigen Ort eine Rast macht, dort alle Lager vorbereitet, jedes mit seiner eigenen Fahne, und jedes an seinem Platz. Nehmen wir das ganze Volk Israel, welches nach Platz und Form in Lager und Stämme aufgeteilt ist, kommen wir entweder voran oder bleiben stehen. Anstatt sich im Zelt der Begegnung einzufinden, stehen alle Verlangen um das Zelt herum. Die Leviten, die Priester und das ganze Lager beschreiben dabei die Struktur der Seele.

Immer wieder erscheinen größere Probleme im Lager – wie äußere Gedanken und Verlangen, die sich den Reihen anschließen wollen, Stämme, welche auf dem Weg angreifen, oder Menschen in der Wüste, die ihre Verlangen noch nicht in das Verlangen korrigiert haben, das ganz Yashar El (direkt zum Schöpfer ausgerichtet) ist, welches auch als das Land beschrieben wird, in dem Milch und Honig fließen. Was bedeutet, dort gibt es das Licht von Chassadim und das Licht von Chochma, während in der Wüste alles trocken ist – es gibt kein Wasser, welches das Licht von Chassadim ist – daher ist alles nur eine Prüfung.

 

Die Wolke, die vor dem Lager stand, und wenn die Kinder Israels ruhen, ruht auch sie  ist eine der vielen physische Beschreibungen in der Erzählung. Was bedeutet sie?

Damit ist die Verhüllung gemeint. Wir sehen nur unser Maß an Verhüllung von der Offenbarung des Schöpfers. Wenn die Wolke, d.h. die Verhüllung von uns weicht, schreiten wir voran. Wenn die Verhüllung auf uns herabsinkt, senken wir unsere Köpfe, sitzen da und prüfen. In der Tat wurde der größte Teil der vierzig Jahre in der Wüste damit verbracht, zu sitzen und zu prüfen, nur um sich dann ein wenig vorwärts zu bewegen, und dann wieder anzuhalten und sich wieder zu überprüfen.

 

Warum steht geschrieben, dass die Wolke vor dem Lager steht?

Wir folgen den Verhüllungen, weil wir erkannt haben, dass wir nur durch sie den Prozess, den wir durchlaufen, aufdecken können.

 

Was ist die Verhüllung in Bezug auf uns?

Verhüllung besteht dann, wenn ein Mensch in seinem Willen zu empfangen in der Verhüllung sein will, wie geschrieben steht, „bei den Bescheidenen ist die Weisheit“ (Sprüche 11:2), oder Safra de Zniuta (Buch der Demut, Teil des Sohars), was bedeutet, dass sie eine Offenbarungen erhalten. Safra bedeutet Buch auf Aramäisch, und ein Buch bedeutet Enthüllung, wie Megilla (Schriftrolle), vom hebräischen Wort Gilui (Enthüllung). Wenn man die eigenen Verlangen annulliert, indem man damit einverstanden ist, vom Schöpfer eine Verhüllung zu erhalten, ist das der Moment, in dem man Fortschritte in der Arbeit macht.

Das widerspricht dem gesunden Menschenverstand, denn was bedeutet es, im Geben zu sein? Das ist dann, wenn ein Mensch keine Enthüllung fordert und sie sogar ablehnt. Dadurch schreitet er mit Hilfe des Or Choser (Reflektierendes Licht) voran, denn wir befinden uns im Zustand der vierzig Jahre in der Wüste.

 

Was bringt uns das?

So steigt Malchut zu Bina auf. Wir erwerben die Eigenschaften von Bina, die Eigenschaft des Gebens im Kli von Malchut. Durch die Eigenschaft des Gebens können wir mit geschlossenen Augen der Verhüllung, der Wolke, folgen, bis wir den Eingang zum Land Israel erreichen. Wenn wir das Land Israel in Besitz nehmen, beginnt das Licht Chochma, welches wir während der vierzig Jahre in der Wüste erworben haben, durch das Licht von Bina zu leuchten. Dies ist der Zeitpunkt, an dem wir zu „sehen“  beginnen.

Das Land Israel ist ein Ort, an dem der Schöpfer gegenwärtig ist. Ein Verlangen, das vom Schöpfer ausgefüllt wird, wenn man Ihn enthüllt hat. Bevor Malchut zu Bina aufsteigt, erhält man eine Verhüllung und willigt trotzdem ein, nur um des Gebens willen zu arbeiten, ohne etwas dafür zu bekommen.

 

Woher bekommen wir die Kraft, trotz dieser Verhüllung weiter zu gehen?

Die Kraft wird uns von Oben, von der Höheren Kraft, gegeben. Es ist die Kraft des Lichts, die beim Empfangen der Eigenschaft des Gebens entsteht. Das Problem dabei ist, dass Spiritualität nicht wie das Materielle ist, wo wir das Gefühl haben, das alles in unseren Händen liegt, in unseren Gefäßen des Empfangens, und wir auf diese Weise vorankommen. Für uns ist es einfacher auf diese Weise voranzukommen, denn so bleiben wir im Ego. Aber im Spirituellen kommen wir egoistisch nicht voran. Vielmehr müssen wir von Oben Kräfte empfangen – ein Verlangen, welches „ein neues Land“ oder „ein neuer Himmel“ genannt wird. Alles daran ist neu. „Durch die Wüste zu gehen“ bedeutet, dass wir in unserem Willen zu empfangen keine Antworten und keine Erfüllung finden können.

 

Was also motiviert uns? Warum machen wir Fortschritte?

Die Motivation entsteht, wenn wir beginnen zu fühlen, dass wir der Höheren Kraft folgen, wenn wir bereit sind, der Wolke, der Verhüllung, mit geschlossenen Augen zu folgen. Dieser Zustand ist gut und wir machen Fortschritte.

 

Was bedeutet es, „mit geschlossenen Augen“ zu gehen?

Mit „geschlossenen Augen“, also im Dunkeln zu gehen bedeutet, dass wir nicht rechtfertigen können, warum wir um des Gebens willen arbeiten sollen, weder in unserem Verstand noch in unserem Herzen. Unsere „Hände“, die körperlichen, egoistischen Kelim (Gefäße), sind der Ort, wo wir im Herzen fühlen und im Verstand verstehen. Nun wünschen wir uns die Möglichkeit, uns über diese weltlichen Kelim zu erheben und auf eine höhere Ebene aufzusteigen. Dort existieren wir in ganz anderen Kelim als denen, die wir jetzt verstehen und fühlen können.

 

Woher wissen wir, dass wir dadurch einen Fortschritt machen werden?

Die Wolke, die Verhüllung, zeigt uns den Weg. Jedoch nur in dem Maße, in dem wir bereit sind, Opfer zu bringen. Das heißt, ein Mensch opfert Teile des Bassars (Fleisches). Ist ein Mensch bereit zu opfern, also nicht auf diese Verlangen zu hören, bedeutet das, dass er auch bereit ist, sie ohne Bedingung zu annullieren. Als Ergebnis dieser Opfer, wird sich dieser Mensch der Höheren Kraft annähern. Korban (Opfer) stammt vom hebräischen Wort Karow (nahe). Auf diese Weise nähern wir uns der Eigenschaft des Schöpfers an, dem reinen Geben, Bina.

 

Welche Bedeutung haben die Ereignisse rund um die Prophetin Mirjam? Sie beschwert sich, zurecht, über die alleinige Führung durch Moses. Warum sollte nur Moses führen?

Moses, die Eigenschaft von Bina, ist perfekt, vollständig, also GaR von Bina. Alle anderen Verlangen, wie auch Mirjam, sind dies nicht.

 

Wie spricht der Schöpfer zu Moses, und wie hat Moses zu ihm gesprochen?

Dies bedeutet Enthüllung. Im Spirituellen haben wir kein Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Fühlen. Vielmehr gilt: „Schmeckt und seht, dass der Herr gütig ist“ (Psalm 34,9). Ein Mensch „schmeckt“ in diesem Zustand nicht in seinem Mund, sondern er bekommt einen Geschmack in den neuen Kelim (Gefäße), die ihm gegeben werden.

 

Schmeckt der Mensch über die fünf physischen Sinne hinaus?

Es gibt Chochma, Bina, Seir Anpin, und Malchut, Jud-Hej-Waw-Hej. Chochma ist das Sehen, Bina das Hören. Einige Propheten sagten: „Ich sah“, andere sagten: „Ich hörte“. Der Schöpfer sprach zu Moses. Moses ist die Stufe von Bina, GaR von Bina, reine, treue (gebende) Bina. Moses war treu, er war auf der Stufe des Glaubens. Deshalb hörte er. Er befindet sich in erster Linie auf der Stufe des Hörens, welche die Stufe von Bina ist. So ist ihm der Schöpfer erschienen.

 

Wusste Mirjam das nicht? Was ist die Strafe, die sie bekam? Wir wissen, dass es im spirituellen Sinne keine Bestrafungen gibt, wie kommt es also, dass sie nachdem sie Lepra bekam, verstanden hat?

Alle Bestrafungen sind Korrekturen. Als Mirjam krank wird und sieben Tage außerhalb des Lagers sitzt, wartet das ganze Lager auf ihre Rückkehr, und erst dann ziehen sie in der Wüste weiter. „Als sie gingen“ bedeutet, dass sie sich korrigiert hatten. Die Nukwa (weiblich) ist ein Mangel, der Moses gegenüber steht. Sie spricht nicht auf der Stufe GaR von Bina, wie es Moses tut, sondern von der Stufe WaK von Bina. Das heißt, die ganze Stufe ist mit diesem Hören verbunden. Der Schöpfer spricht zu jedem. Aber Moses versteht auch, was ihm offenbart wird, weil er sich in dem Teil von Bina (in GaR) befindet, in welchen sich das Licht von Chochma (Weisheit) einkleidet.

 

Aaron und Mirjam befinden sich nicht in GaR von Bina?

Nein, deshalb gilt Moses als „der Verwalter des Hauses des Schöpfers“, denn es steht geschrieben: „Er ist treu in meinem ganzen Haus“ (Numeri 12,7).

 

Mirjam ist eine Frau, und fast immer sind es in der Tora Männer, die führen.

Das stimmt nicht ganz. Frauen existieren auf jeder Stufe und jeder Handlung, aber sie werden nicht erwähnt. Abraham z.B. zeugte Isaak, aber er hatte auch Töchter.

 

Bezieht es sich, wenn in der Tora Et (die) steht, auf eine Frau?

Ja, natürlich. Die Frau ist der wichtigste Teil der Tora. Die Frau trägt den Mangel (Verlangen), den der Mann korrigieren muss. Wir sprechen mehr über den Mann als über die Frau, weil der männliche Teil der Massach (Schirm) ist, welcher das Or Choser (reflektierendes Licht) bringt, welches den Siwug de Hakaa (Kopplung/Paarung) auf dem Mangel der Frau hervorruft. In diesem Tora Abschnitt wird deutlich, dass es ohne die Prophetin Mirjam nicht möglich wäre, sich dem Schöpfer anzunähern. Mit anderen Worten, sie befindet sich auf der Stufe von Bina, der Stufe der Enthüllung des Schöpfers.

 

Ist der Schöpfer das in uns, was uns bestraft?

Alles ist in uns. Der Mensch ist eine kleine Welt, die die vollständige Korrektur erreichen muss.

 

(1) Rav Yehuda Ashlag (Baal HaSulam), Die Schriften von Baal HaSulam, “Die Liebe zum Schöpfer und die Liebe zu den Geschöpfen“, S. 482


Fazit

Der Tora-Abschnitt, BeHa’alotcha (Wenn du die Lampen anzündest), beschäftigt sich mit dem „Sehen“, dem Erkennen aller Verlangen des Menschen. Wir müssen den Menschen als Menora sehen, welche in viele Teile aufgeteilt ist. Menora steht sinnbildlich für die Seele. Wir müssen alle ihre sieben Eigenschaften „entzünden“, mit dem Höheren Licht erleuchten, was das Geben an andere, die Liebe, ist.

Aus dem Sohar „Und die Wasser wurden süß gemacht“. In den Geheimnissen, die durch euch offenbart werden, „wurden die Wasser süß gemacht.“ Wie das Salz, welches das Fleisch süß macht, werden sie durch die Geheimnisse, die durch euch offenbart werden, versüßt. All diese Fragen und der Streit der bitteren Wasser in der mündlichen Tora werden wieder zu den süßen Wasser der Tora werden. Und eure Qualen werden euch süß sein durch diese Geheimnisse, die durch euch offenbart werden. Und alle eure Mühen werden zu euch zurückkehren wie flüchtige Träume. Ein Traum, im Hebräischen, besteht aus den Buchstaben des Wortes „Salz“, die vertauscht wurden. Wie das „Salz“ das „Fleisch“ versüßt, so versüßt es die Leiden.


Glossar – BeHa’alotcha (Wenn du die Lampen anzündest)

Zweites Pessach

Das „zweite Pessach“ bezieht sich auf Verlangen, die ein Mensch für unmöglich oder für nicht notwendig zu korrigieren hält, also, dass er sie nicht opfern kann. Es sind Verlangen, die man noch nicht erkannt hat. Sie können jedoch später, in einem fortgeschrittenen Stadium des Prozesses, dem „zweiten Pessach“, korrigiert werden.

 

Wolke

Eine „Wolke“ ist eine Verhüllung, die entweder vom Schöpfer kommt, der sich vor uns verbirgt, oder von uns, um uns vor ihm zu verbergen. Letzteres wird „Wolken der Herrlichkeit“ genannt.

 

Trompeten aus Silber

Die beiden Kräfte, die gebende und die empfangende, welche der Mensch entdeckt und durch die er vorankommt, werden „Trompeten aus Silber“ genannt. Diese Kräfte ziehen uns abwechselnd von rechts (gebend) und von links (empfangend) vorwärts.

 

Silber

„Silber“ ist die Stufe von Bina, „Gold“ ist die Stufe von Chochma.

 

Pöbel 

Der „Pöbel“ ist eine Art von Verlangen zu empfangen, das man entdecken muss. Es ist mit der Absicht zu empfangen „infiziert“.

 

Proselyt

Ein „Proselyt“ ist ein Verlangen zu empfangen, das sich „bekehrt“ hat und bereit ist, sich korrigieren zu lassen und sich Israel anzuschließen.

 

Wachtel

„Wachteln“ sind edle (feine) Verlangen, eine Art von Verlangen auf der tierischen Stufe, von der aus wir ein Opfer darbringen können.

 

Mirjam

„Miriam“ ist eine Form des Willens zu empfangen in uns, welche Moses gegenübersteht. Auch Moses entdeckt diesen Teil in sich. Mit anderen Worten, die Stufe in uns, die Moses genannt wird, entdeckt eine bestimmte Eigenschaft durch Nukwa (weiblich), „Mirjam“, welche noch der Korrektur bedarf. Moses kann sich dadurch jedes Mal mit dem Volk erheben. Er ist eine Erkenntnis in der Seele und daher wird mit jeder Erkenntnis auch die Erkenntnis der Stufe von Moses korrigiert.

Alle diese Begriffe und jede dieser Stufen symbolisiert unseren wachsenden egoistischen Willen zu empfangen. Wir korrigieren ihn mit der Absicht um zu geben, um damit anderen und dem Schöpfer zu dienen.

 

Anführer

Ein „Anführer“ ist die reine Eigenschaft des Gebens. Ihr folgt der Mensch und will sich an ihr festhalten, um so das Ziel zu erreichen.

 

Lepra

„Lepra“ ist eine Krankheit. also ein Verlangen des Menschen, in der Absicht zu empfangen, welche sich auf der letzten und schlimmsten (äußersten, am weitesten vom Schöpfer entfernten) Stufe, der „Haut“, zeigt.

 

Unreinheit

Die „Unreinheit“ ist eine Kraft, die nur arbeitet um zu empfangen, die egoistische Kraft, die in uns erscheint.

 

Korban (Opfer/Opfergabe)

Ein Korban ist ein Wille zu empfangen, welchen der Mensch korrigiert und dadurch karo (nahe/nah) zum Schöpfer kommt.

 

Mund

Es gibt den Siwug (Kopplung/Paarung) „Mund zu Mund“, und einen Siwug „Mund zu Ohr“. „Mund zu Mund“ bedeutet Geist mit Geist, wenn also zwei Seelen, oder der Schöpfer und die eine Seele, in dieser Art von Verbindung sind.

 

Bestrafung

Eine „Bestrafung“ ist eine Korrektur. Die „Bestrafung“ besteht darin, wenn ein Mensch sich unfähig fühlt, sein Verlangen zu nutzen, um zu geben. Es bedeutet nicht, unfähig zu sein zu empfangen. Vielmehr ist die „Bestrafung“ die Erkenntnis der Unfähigkeit, geben zu können. Die „Bestrafung“ führt jedoch zur Korrektur, weil der Mensch erkannt hat, was er in diesem Verlangen korrigieren muss, und somit eine Mizwa (Gebot/Korrektur) erreicht hat. Eine Mizwa ist eine Handlung des Gebens, der Liebe.

 

Menora (Lampe)

Die Menora symbolisiert die Seele. Sie steht für die sieben Sefirot der Seele, von denen wir wissen müssen, wie wir sie entzünden (erlangen) können, auf welche Weise und in welcher Reihenfolge.

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