Parasha „Balak“ – Tora-Abschnitt „Balak“

4.Buch Mose, Numeri 22:2-25:9

Tora Wochenabschnitt | 27. Juni – 03.Juli 2021 / 17 Tammus – 23 Tammus, 5781

Zusammenfassung

Der Abschnitt „Balak“ beginnt mit der Besetzung des Landes der Amoriter durch das Volk Israel. Balak, der König von Moab, erkennt, dass die Kinder Israels sich ihm nähern und bereitet sich darauf vor, dem Volk, welches aus Ägypten kommt, zu begegnen. Er schickt Boten zu Bileam, dem Sohn des Beor – der für seine große Weisheit und die Kraft seiner Flüche berühmt war – und bittet ihn, das Volk Israel zu verfluchen.

Bileam macht sich auf den Weg ins Land Moab, nachdem er die harte Bedingung akzeptiert hat, nur das zu sagen, was der Schöpfer ihm erlauben wird. Auf dem Weg bleibt seine Eselin stehen. Bileam schlägt sie, aber die Eselin bewegt sich nicht. Er aber sieht den Engel nicht, welcher die Eselin veranlasst anzuhalten. Die Eselin öffnet ihr Maul und spricht zu ihm, und anstatt Israel zu verfluchen segnet er sie.

Balak ist zornig auf Bileam. Als Ausgleich dafür gibt ihm Bileam den Hinweis, dass Israel eine Schwachstelle hat: die Töchter der Moabiter. Balak sendet die Töchter der Moabiter aus, und das Volk Israel treibt so viel Unzucht mit ihnen, so dass sogar Simri, der Sohn des Salus, einer der Anführer des Stammes Simeon, eine Midianiterin zur Frau nimmt.

Diese Situation lässt Pinchas, dem Sohn des Eleasar, keine andere Wahl. Er nimmt einen Speer und ersticht die Midianiterin und Simir und beendet so die Plage, die sich im Land ausgebreitet hat und vierundzwanzig Tausend Menschenleben forderte.

Kommentar von Rav Michael Laitman

Diese Geschichte findet nicht auf der physischen Ebene statt. Sie handelt nicht von einem Prozess, der sich zwischen zwei Völkern abspielt, sondern von einem inneren Prozess der Korrektur, den ein Mensch erfährt. Die Geschichte selbst will uns zeigen, wie man den Bösen Trieb korrigieren kann. Es ist keine Erzählung über Kinder oder Erwachsene, noch ist es eine Geschichte über Völker, Länder, Kriege, Prostituierte oder Eselinnen. Alles, was beschrieben wird, ist die Korrektur des Bösen Triebes. Das ist das Einzige, wovon die Tora (Pentateuch) vom Anfang – von Adam, welcher die Korrektur begann – bis zu ihrem Ende, dem Ziel der Schöpfung, spricht.

Der Text spricht von einem Menschen, der diesen Weg in den Zuständen von Adam HaRishon (Adam), über Abraham und Moses gegangen ist und den ganzen Prozess der Korrektur von Ägypten bis in der Wüste erfahren hat. Während der stufenweisen Korrektur seines Verlangens nähert sich ein Mensch schrittweise dem Land Israel, bis er vor der „Besetzung“ des Landes steht.

Die „Wüste“ ist ein Verlangen, das ein Mensch noch nicht richtig nutzen und deshalb die Früchte seiner Anstrengungen nicht sehen kann. Diese Korrekturen muss ein Menschen durchlaufen, um als „Land Israel“ bezeichnet werden.

Die Kundschafter entdeckten, dass das Land Israel ein Verlangen ist, das schöne Früchte hervorbringt , wenn es ganz auf den Schöpfer ausgerichtet ist (heb.Israel bedeutet Yashar El, direkt zu Gott). Ein Mensch, der sich dieser Korrektur annähert, erwirbt zunächst das Land der Amoriter, gefolgt vom Land Moab, das immer eine höhere  Stufe darstellt. Das egoistische Verlangen des Menschen, Balak, des Königs von Moab, beginnt sich dagegen  aufzulehnen, weil es nicht korrigiert werden will.

All unsere Verlangen werden zunächst vom Bösen Trieb beherrscht, wie es geschrieben steht: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen.“ Deshalb sucht das Verlangen, das in diesem Abschnitt und Zustand „Balak“ genannt wird, nach einem Weg, sich zu widersetzen. Hier handelt es sich um den Widerstand, der sich in einem Menschen erhebt, weil er entgegen seinen Bösen Trieb versucht, seine Verlangen eines nach dem anderen zu korrigieren, Stufe für Stufe, bis alle Verlangen Yashar El sind, direkt zum Schöpfer, also im Wunsch, dem Schöpfer zu geben.

Das Verlangen „Balak“, kann von sich aus nichts tun. Ein Verlangen ist lediglich ein Verlangen, ohne eigene Kraft. Die Kraft befindet sich in der Absicht, die das Verlangen lenkt und mit ihm arbeitet. Das Verlangen wird Balak genannt, und die Absicht wird Bileam genannt. Die Absicht, das Geben zu benutzen, nur um dadurch zu empfangen, wird „Fluch“ genannt. Auf diese Weise wirkt der Böse Trieb in seiner stärksten Form.

Deshalb lädt Balak (das Verlangen) Bileam (die Absicht) ein und sagt zu ihm: „Komm, lass uns zusammenarbeiten.“ In der Zwischenzeit bricht ein Konflikt zwischen der Substanz (Eselin) und dem Engel (dem “sprechenden”Menschen) aus, welcher direkt zum Schöpfer strebt und sich auf den Erfolg in der Arbeit ausrichtet. Auf der einen Seite befindet sich im Menschen die nächste Stufe, Moab, der Wille in Moab zu empfangen, was hier Balak darstellt. Auf der anderen Seite hat der Mensch die Absicht, das Verlangen zu empfangen zu kontrollieren, das ist Bileam. Dadurch wird ihm der eigentliche egoistische Genuss zuteil. Er nutzt hier das Geben mit der Absicht um zu Empfangen, wodurch er Genuss erlangt.

Die innere Substanz auf dieser Stufe, die Eselin, kann nicht vorankommen, weil sie den Widerstand erkennt, den Engel, der vor ihr steht und sie nicht vorankommen lässt. Der Engel ist die Hilfe von Oben. Der Mensch kann es jedoch nicht erkennen, weil er sich auf der Stufe von Balak und Bileam befindet. Mit anderen Worten, der Böse Trieb kann unsere Absicht nicht mehr beeinflussen, weil die vorherige Stufe, der Amorit, korrigiert worden ist. Es gibt also keinen Grund, warum wir jetzt wieder auf die untere Stufe absteigen sollten, aber trotzdem können wir mit der richtigen Absicht nicht vorankommen.

In diesem Zustand befindet sich der Mensch in einer Position, in der er mit der Absicht keine Fehler macht. Das Volk Israel steht vor der nächsten Stufe, kann aber nicht weiter vorankommen. Sie sind durch Bileam und Balak blockiert.

Nach Bileams Segen kann Israel nicht  vorankommen, weil der Segen nichts hatte, worauf er sich stützen kann. Nur wenn der Segen auf dem Willen zu empfangen der nächsten Stufe „reitet“,  ist ein Vorankommen möglich. „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, ich habe für ihn die Tora als Gewürz erschaffen“, denn „das Licht in ihr korrigiert ihn.“ So wird unser Verlangen größer und wir kommen voran, indem dieses Verlangen korrigiert wird, um zu geben. So setzen wir dies Stufe für Stufe fort.

Deshalb kann man nichts auf der nächsten Stufe tun. Man kommt voran, indem man scheitert. Dieses Scheitern wird nicht durch die falsche Absicht verursacht. Man ist in der Absicht geben zu wollen. Vielmehr liegt es am stärker gewordenen Willen der Linken Linie, dem Empfangen.

Deshalb rät Bileam Balak, das Volk zum Scheitern zu bringen, indem er den Bösen Trieb, hier „Frauen“ genannt, in ihnen vergrößert.

Die Mängel beginnen mit der Verhärtung der Herzen der Kinder Israels, mit einem Verlangen, das nun egoistischer und mehr auf sich selbst gerichtet ist. Dieses Verlangen wird als „unzüchtige Frau“ bezeichnet. Eine „Frau“ hat zwei „Richtungen“: entweder die einer Gerechten oder die einer Unzüchtigen. Das heißt, entweder um zu geben oder um zu empfangen. Durch diese zwei Eigenschaften in einem ist es möglich, einen Menschen zum Straucheln und zu Fall zu bringen. Dann kann man weitergehen, denn es ist tatsächlich so, dass man ohne zu fallen nicht vorankommt.

Die Tora beschreibt die Stufen, welche wir alle durchlaufen müssen. Alle Handlungen und Namen, die sich in der Tora befinden, sind heilig. In einem jüdischen Gottesdienst wird unter anderem ein Wort im Buch Tora geküsst, und dem Wort, das geküsst wird, keine Beachtung geschenkt. In diesem Wort könnte sich sowohl Balak als auch Bileam befinden, und dennoch küssen und segnen wir die Tora.

Alle Stufen des Fortschritts dienen unserer Korrektur. Auf allen Stufen unseres Weges gibt es Zustände wie Bileam, Balak, die Länder, die Midianiter und ihre Frauen, die wir erreichen, und die wir dort korrigieren können.

Wenn wir die Verlangen zu empfangen mit der Absicht zu empfangen töten, töten wir damit auch die Absicht. Zusammen mit diesen Verlangen sollten wir die Verbindung zwischen Israel und Midian töten, die die Stufe von vierundzwanzig Tausend (zwölf und zwölf) darstellt, entsprechend den 12 Stämmen, im direkten Licht und jenen im reflektierenden Licht. Die „Tausend“ entspricht der Größe der Hohen Stufe von Zwölf und Zwölf auf der Stufe von Seir Anpin. Wenn man zur Hohen Stufe von Arich Anpin aufsteigt, wird es „eintausend“ genannt.


Fragen und Antworten

Was ist der Unterschied zwischen einem Segen und einem Fluch?

Ein Segen ist eine Handlung, die ein Mensch ausführen kann, eine Handlung, die darauf ausgerichtet ist, zu geben. Ein Fluch hingegen ist eine Handlung, um zu empfangen. Wir sollten beachten, dass eine Handlung um zu empfangen notwendig ist, weil wir ohne sie den Bösen Trieb niemals offenbaren würden. Auf jeder Stufe findet ein Prozess der Enthüllung des Bösen und dessen Korrektur durch die Tora statt. So werden wir korrigiert und steigen zur nächsten Stufe auf. Es steht geschrieben: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, ich habe für ihn die Tora als Gewürz erschaffen.“

Sobald der Mensch sich auf einer neuen Stufe befindet, wiederholt sich das Links-Rechts-Mitte-„Ritual“, was ein Fluch bedeutet. Abschliessend wird er korrigiert und steigt auf die nächste Stufe. Die Korrektur ohne Flüche, ohne den Bösen Trieb, ist nicht möglich. Ohne die „Hölle“ kann man nicht zur Stufe „Himmel“ aufsteigen.

Pinchas, der Sohn des Priesters Elasar, ist er eine Kraft oder das Licht?

„Pinchas“, Sohn des Eleazar ist die höchste Stufe, die erscheint. Das Licht vollzieht die Korrektur mit Hilfe des Kli (Gefäß). Alles geschieht in den Kelim (Gefäße). Selbst wenn wir von „Lichtern“ sprechen, meinen wir hier den gefüllten Teil der Kelim.

Als Beispiel können wir dafür in der materiellen Welt die Elektrizität nehmen. Strom fließt durch eine Lampe, wir können ihn nicht fühlen, aber wir nehmen die Wirkung wahr. Mit anderen Worten, wir können nur die Erscheinungsformen der Kräfte wahrnehme und nicht die Kräfte selbst. Sie müssen sich durch die Substanz „ausdrücken“.

In dieser Geschichte heißt diese Kraft Pinehas, sie ist der Sohn des Priesters Eleasar. Von ihm erhalten wir alle auf dieser Stufe notwendigen Korrekturen.

Kann ein Mensch einen anderen Menschen verfluchen oder einen bösen Blick auf ihn werfen?

Wenn wir über unsere materielle Welt sprechen, ungeachtet dieses Tora Abschnitts, dann natürlich. All unsere Verlangen, unsere Gedanken haben eine Auswirkung, selbst die kleinsten. Wir Menschen sind verbunden, so auch unsere Gedanken. In der jetzigen Zeit erkennen wir, dass wir in einem globalen und ganzheitlich verbundenen Netzwerk leben.

Beispielen belegen, dass Menschen an einem Ende der Welt an etwas denken und Menschen am anderen Ende der Welt zur gleichen Zeit an dasselbe. Dies kann auch bei bei Affen beobachtet werden. Das Buch „Der hundertste Affe“ beschreibt eine Studie, die an Makaken Affen auf einer Insel bei Japan im Jahr 1952, durchgeführt wurde. Die Wissenschaftler beobachteten, dass einige der Affen lernten, Süßkartoffeln zu waschen – ein Verhalten, das sich daraufhin im Rudel ausbreitete. Sobald es sich unter einer kritischen Anzahl von Affen – dem sogenannten hundertsten Affen – verbreitet hatte, griff dieses Verhalten sofort auch auf Affen von benachbarten Inseln über.

 

Aus dem Sohar für alle, Neuer Sohar, Balak, Artikel 60-61:

Fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob

„Der böse Balak ist weise auf allen Höheren Stufen, auf welchen er Bande knüpft, und dadurch mit Hexerei und Zauberei, im Bezug auf die nächst Höhere Stufe, die niederen Stufen beherrscht.[…] Balak und Bileam sprechen zu ihm: ‘Wir Hexen, Zauberer und Wahrsager haben allezeit gewisse Stufen und gewisse Engel, welche den Hexen und Zauberern bekannt sind. Aber von nun an solltest du woanders, höher, suchen‘.“

Ein Mensch kennt nur seine eigene Stufe, und das ist die Stufe von Balak. Hier herrscht Balak über den Teil, der Moab genannt wird. Der Wille zu empfangen um zu empfangen, der in einem Menschen von einer Stufe zur nächsten um des Empfangens willen wirkt und wächst, wird Moab genannt.

[…]

Werden wir, wenn wir in unserem Studium vorankommen, in der Lage sein, in unserem Innern den Moab zu erkennen? 

Auch ohne das Lesen des wöchentlichen Tora Abschnitts können wir die Tora in uns entdecken. Auf diese Art enthüllten es die Kabbalisten und schrieben darüber – sie fühlten es in sich. Die Tora kommt aus dem Willen zu empfangen, der stufenweise korrigiert wird.

Wenn ein Mensch die Eigenschaft Balak in sich enthüllt, entdeckt er dann auch die „sprechende Eselin“?

Dieser Mensch wird genauso sprechend, wie es in der Tora beschrieben steht, und er wir gleichzeitig den wahren Sinn aller Einzelheiten offenbaren.

Was bedeutet es, dass eine “Eselin in einem Menschen spricht?

Es ist der Wille zu empfangen. Die „Eselin“ ist das Weibliche des „Esels“. Von den zehn Sefirot von Malchut sind neun der „Esel“ und die zehnte ist die „Eselin“.

Ist es gerade der Wille zu empfangen, der den Engel wahrnimmt?

Ja.

Ist der Wille zu empfangen unfähig zu sehen? Ist er blind?

Es ist gerade der Wille zu empfangen der die Handlung vollzieht und wahrnimmt, entweder im Willen zu empfangen oder im Willen um zu geben. Dies ist der Ort, an dem alle Aktionen der Kräfte stattfinden und deshalb konzentrieren sich alle korrigierenden oder verderbenden Kräfte dort.

Wird deshalb gesagt, dass der „Messias auf einem „weißen Esel“ reiten wird?

Ein „weißer Esel“ bedeutet, dass ein Mensch den Esel „weiß“ machen muss. Erst dann wird er es fühlen.

Was bedeutet „weiß machen“?

Es bedeutet, dass ein Mensch die Substanz „so rein wie weiß“ macht, also korrigiert um zu geben. Das wird „weiß“ genannt. Hier findet mit Bileam ein ungewöhnlicher Prozess statt. Vom Wille zu empfangen, um zu empfangen, bis zum Willen zu geben, um zu empfangen. Bileam will am Anfang fluchen, aber dann schwört er, dass er nur noch nach dem Befehl des Schöpfers handeln wird und schlussendlich segnet er. Dann handelt Bileam mit der Absicht um zu geben.

Wurde er korrigiert?

Nein, denn auf der nächst höheren Stufe ist er dazu nicht fähig. Tatsächlich führt Bileam hier keine Handlungen aus, auch nicht Balak und auch der Schöpfer nicht. Nur Israel handelt.

Das heißt, dass im dem Augenblick, wenn man die nächste Stufe erreichen will, der Segen vor einem liegt und man vorankommen kann. Doch die Kraft dazu kann man nicht aufbringen.

Man muss erkennen, dass man bis zu dem Zustand in dem man völlig ratlos ist, nicht vorankommen kann, indem man Bileam, Balak, den Schöpfer, die Eselin oder irgendeinen anderen Faktor benutzt, da man nicht weiss, wie man den nächsten Schritt tun soll. Man muss dieses Verlangen, welches „Moab“ genannt wird, aufbauen, weiss aber nicht wie. Die Kinder Israels müssen das Land „Moab“ erobern. Dafür muss ein neuer Zustand erscheinen, und er erscheint nur, wenn sie sich mit den „Frauen Moabs“ verbinden.

Ein Mensch muss die „Frauen“ dieser Stufe aufnehmen, welche für die Mängel stehen. Wenn er diese Verlangen aufnimmt, gibt es reichlich Substanz, um damit zu arbeiten und weitergehen zu können. Sobald ein Mensch sich mit der gesamten Substanz verbindet, erscheint die Korrektur, die „das Töten der Absicht zu empfangen“ genannt wird. Wir korrigieren den Willen zu empfangen in die Absicht zu geben. Diese Handlung wird „das Besetzen von Moab“ genannt.

Hinsichtlich unserer Welt zeigt sich hier eine Parallele zum sexuellen Aspekt. Auf der einen Seite ist das sexuelle Verlangen etwas gutes, natürliches, auf der anderen Seite scheint hier das Verlangen nach den midianitischen Frauen etwas negatives zu sein. Hier wird nicht von Moral oder Ethik gesprochen. Spirituell gesehen gehört die Sexualität in unserer Welt zur tierischen Stufe. In diesem Abschnitt wird die Sexualität, indem der Anführer eine midianitische Frau in das Zelt bringt, als Verfehlung dargestellt.

Dies erscheint uns zugegebenermassen als negativ. Aber alle hier beschriebenen Vorkommnisse sind notwendige Schritte auf dem Weg zum Ziel. Ohne sie können wir nicht erfolgreich sein. Es steht geschrieben: „Es gibt keinen Gerechten auf Erden, der Gutes tut, und keine Sünden begeht.“ Das bedeutet, wir müssen Sünden begehen. Auch wenn wir es nicht wollen, wir haben keine Wahl.

In der Abfolge der Stufen steigt der Mensch immer zuerst ab und dann auf. Den Abstieg können wir nicht nach unserem Willen beeinflussen, auch wenn wir wissen, das wir so den Aufstieg erreichen können.

Daher konnte Israel nicht von sich aus beabsichtigen, sich mit den Midianiterinnen zu vereinen. Sie hatten einfach keine Wahl, weil sich ein Mensch mit allen „Frauen“ der nächst höheren Stufe vereinen muss. Sich zu vereinen bedeutet, sich auf der Stufe des Weiblichen zu befinden, also in Malchut der nächsten Stufe. Dies ist die  „unzüchtige Frau“, die vollkommen in ihre Absicht zu empfangen eingetaucht ist, welche anschließend korrigiert werden kann.

Wenn der Mensch von eine Stufe zur nächsten aufsteigt, muss er zunächst verzweifeln und dann um Hilfe bitten. Natürlich existiert eine Kraft, welche dabei hilft und die nächste Stufe dann auch offenbart, aber wir vergessen dies auf unserem Weg von Stufe zu Stufe immer wieder.

Warum vergessen wir das immer wieder? Und warum fällt uns der Weg immer schwerer? Wenn wir die Erkenntnis einmal gewonnen haben, sollte es uns doch leichter fallen.

Der Grund dafür liegt darin, dass wir die Hilfe zwar bekommen haben, aber in der Sünde, die wir anschließend korrigiert haben. In der neuen Sünde nehmen wir nichts mehr wahr. Alles, was wir zuvor erreicht haben, gehört der Vergangenheit an, und es hat den Anschein, als hätten wir alles vergessen, weil wir von unten nach oben aufgestiegen sind. Dabei vergessen wir nicht wirklich, aber das, was wir auf der letzten Stufe erfahren haben, können wir einfach nicht für die nächste Stufe verwenden, weil alles vollkommen neu ist.

Warum wird während der Korrektur des „Tötens des Midianiters“ auch der Anführer des Stammes Simeon getötet? Er gehörte doch zu Israel und sollte korrigiert werden?

Er gehört der vorangegangenen Stufe an.

Er kann die neue Stufe also nicht erreichen?

Er kann sie nicht erreichen, weil er sich mit ihr verbunden hat, und sie sich beide in der Absicht zu empfangen befinden. Also müssen beide korrigiert werden. Es wird nicht nur der Böse Trieb korrigiert, sondern auch die Kraft, die zum Bösen Trieb hinabsteigt und sich mit ihm verbindet. Dann steigen beide gemeinsam auf.

Ein Mensch, der absteigt, steigt ganz in die Absicht zu empfangen bis zur Klipa (Schale/Hülle) hinab, zusammen mit all dem zuvor Erreichten. Danach kommt das Licht und rettet sie beide, was bedeutet, es „tötet sie“, da sich beide in der Absicht zu empfangen befinden.


Glossar Parasha Balak

König: Er ist die Kraft, die über eine Stufe herrscht.

Die Boten: Sie sind die Kräfte, mit denen Handlungen auf einer bestimmten Stufe, in einem bestimmten Zustand eines Menschen, ausgeführt werden. Der Zustand eines Menschen wird „Stufe“ genannt. Derjenige, der über die Stufe herrscht, wird der „König der Stufe“ genannt, welcher normalerweise die Sefira (Erleuchtung) darstellt, die wir Keter (Krone) nennen. Die acht Sefirot von Chochma bis Jessod sind die „Boten“, die Kräfte, die auf dieser Stufe wirken. Die unterste Sefira Malchut ist jene, die korrigiert werden muss.

Fluch: Die egoistische Kraft, die um des Empfangens willen arbeitet, herrscht über den Menschen und wirkt auf ihn wie ein Fluch.

Eselin: Unsere Substanz ist das „Weibchen des Esels“. Es ist der wahre Wille zu empfangen, der die Kräfte in uns spürt und sie unterscheidet. Sie ist der Wille zu empfangen. Von den zehn Sefirot von Malchut sind neun der „Esel“ und die zehnte ist die „Eselin“.

Engel: Er ist die Kraft, die auf einer Stufe wirkt und vom Herrscher, von Keter, dem König, gelenkt wird.

Blockierte Straße: Auf seinem Weg erhält der Mensch durch die „blockierte Straße“ die Möglichkeit, seinen Willen zu korrigieren und mit der richtigen Absicht die nächst höhere Stufe, größere Dwekut (Anhaftung) an den Schöpfe und größere Erkenntnis der spirituellen Wahrnehmung zu erreichen. Allerdings kann er sie in diesem Zustand nicht offenbaren. Auf diese Weise ist es nicht möglich, voranzukommen. Deshalb erkennt dann der Mensch, dass er eine neue Substanz braucht, um die nächst höhere Stufe zu erreichen.

Vom Weg abkommen: Der Mensch befindet sich auf dem Weg des Gebens, doch plötzlich passiert etwas und der Mensch erkennt, dass er vom Weg abgekommen ist. Die Erkenntnis selbst ist bereits eine Korrektur.

Wie kann das Erkennen der Abweichung vom Weg eine Korrektur darstellen?

Durch die Erkenntnis der Abweichung erkennt der Mensch, wie er den Weg richtig fortsetzen muss. Unsere Anstrengung, die auf das Ziel ausgerichtet ist, gleicht einer Lenkrakete. Die Rakete muss ständig ihre Abweichungen erkennen und sie korrigieren. Wenn sie sich stur auf einer geraden Linie bewegen würde, könnte sie ihr Ziel nicht erreichen. Ähnlich ist es im spirituellen Sinne: Wir können uns nicht auf einer geraden Linie auf das Ziel hin bewegen. Vielmehr müssen wir ständig unsere Abweichungen erkennen und diese überprüfen und korrigieren. Nur auf diese Weise kommen wir dem Ziel näher.

Schwur: Wenn der Wille zu empfangen, Malchut, sich mit Keter auf der gleichen Achse befindet und er bereit ist, dem Willen von Keter über seinem eigenen Verstand zu folgen.

 

Aus dem Sohar für alle, Neuer Sohar, Balak, Punkt 6:

Der Schöpfer spielt im Garten Eden mit den Gerechten

„Sobald der Schöpfer […] mit ihnen und mit all ihren Geheimnissen der Weisheit spielt, erscheint Er vor ihnen und sie sehen Seine Güte. Dann jubeln sie alle vor großer Freude, sodass sich die Helligkeit und ihr Licht ausbreiten. Von da an trägt die Helligkeit und das Licht ihrer Freude Früchte und Knospen, welche die Seelen in der Welt sind, und diese Früchte sind unter den Flügeln der Göttlichkeit, bis die richtige Zeit kommen wird.“

Wir sind die zerbrochenen Seelen in den Welten Brija, Yezira und Assija dieser Welt. Wir müssen uns zum Zustand von Malchut von Azilut erheben, zu jener Göttlichkeit, jener Korrektur, indem wir unsere Seelen zu einer Einheit in gegenseitiger Bürgschaft verbinden. Auf dem Weg dorthin werden wir die Wüste Sinai und das Land Israel besetzen.

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