Parascha Ha’asinu / Tora Abschnitt “Höret“

5. Buch Mose,  Deuteronomium 32:1-32:52

Zusammenfassung

Der Abschnitt Ha’asinu (Höret) beschreibt den Einzug in das Land Israel. Moses beginnt mit einem Lied, das dem Volk als Erinnerung dienen soll, wenn es in Zukunft die Arbeit für den Schöpfer nicht ausführt. Das Lied preist die Lenkung des Schöpfers und Seine Erwählung des Volkes Israel. Es beschreibt das starrsinnige Volk Israel, welches sich der Götzenanbetung zuwendet.

Danach folgt eine Erklärung der Bestrafung für die Götzenanbetung und die Aussage, dass der Schöpfer dem Volk Israel in einem solchen Fall nicht helfen wird. In dem Maße jedoch, in dem Israel Buße tut, wird der Schöpfer es vor all seinen Feinden retten.

Als Moses sein Lied zu Ende gesungen hat, befiehlt ihm der Schöpfer, auf den Berg Nebo zu steigen und von dort auf das Land Israel zu schauen. Er weist Moses darauf hin, dass er sterben wird, denn ihm wird der Einzug in das Land Israel verwehrt.

Kommentar von Rav Michael Laitman

Die Tora birgt in sich alle Geheimnisse der Welt. Sie ist eine Anleitung und zeigt, wie ein Mensch sich verhalten soll, um spirituell voranzukommen. Sie spricht von der gesamten Schöpfung. Sie hilft dem Menschen, mit Schwierigkeiten umzugehen und zeigt ihm, was er tun soll.

Die Frage, die sich nun stellt, ist, warum die Tora diese Anleitung vor dem Einzug in das Land Israel beendet. Dies ist so, da sich die Kämpfe, Probleme und Schwierigkeiten, welche dem Volk bei der Überwindung von all dem bevorstehen – besonders die in diesem Abschnitt beschriebenen – bereits im Menschen existieren. Das Volk hat einen Zustand erreicht, in dem es bereit ist, in das Land Israel einzuziehen und sich über alle Probleme zu erheben und dadurch voranzukommen. Durch diesen Kampf nimmt das Volk das Land Israel in Besitz. Im Tora Abschnitt wird von den Verlangen, den Kräften gesprochen, die durch das Licht korrigiert werden, durch das, was das Volk in der Wüste durchlaufen und getan hat, um dadurch bereit zu sein, in das Land Israel einzuziehen.

Das Lied Ha’asinu preist den Schöpfer, die Kraft des Gebens. Es betont, dass der Mensch immer daran denken muss, alles, was ihm widerfährt, in den richtigen Zusammenhang zu setzen. Es preist den Nutzen der Nächstenliebe, welche die große Regel der Tora ist und für die ein Mensch alle Handlungen ausführen soll. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist mehr als nur eine Maxime. Es muss die Absicht jeder einzelnen Handlung sein, die Regel, in der alle Anstrengungen des Menschen mit eingeschlossen sind.

Das Lied lobt das Volk Israel, die inneren Verlangen, die sich erheben wollen, um wie der Schöpfer, gebend, mit der Absicht um zu geben zu sein. Schlussendlich sogar, um zu empfangen mit der Absicht geben zu können. Das Lied preist all diese Verlangen, die “das Volk Israel“ genannt werden, weil sie sehr groß und deshalb am wichtigsten sind.

Der Mensch soll immer bedenken, dass nur der Schöpfer ihn Handlungen des Gebens tun lassen kann. Das heißt, wenn ein Mensch auf seinem Weg Hilfe oder einen Segen erhalten will, wird er sie nur dann bekommen, wenn er auf die Eroberung des Landes Israel ausgerichtet ist. Er muss all seine egoistischen Verlangen, die ihn aktuell beherrschen, erkennen und sie in die Absicht zu geben verwandeln.

Auch in dieser Welt kann das beobachtet werden. Ein Mensch wird mit seinem eigenen verdorbenen System konfrontiert, der aktuellen globalen Krise, die nur durch die Verbindung zwischen allen Menschen beendet werden kann. Das ist der einzige Weg, wie er sich über die gesamte Krise erheben und das erbauen kann, was das “spirituelle Land Israel“ genannt wird.

Das Überwinden der Krise ist der Auszug aus Ägypten, der durch die großen Probleme, durch die Ungewissheit, das Unverständnis und die Orientierungslosigkeit geschieht, ähnlich dem Zustand in der Wüste. Ein Mensch weiß nicht, wohin er geht und wie er dorthin gelangen soll. Er hat keine klaren Ziele, er weiß nicht, was er tun soll und dennoch erreicht er das Land Israel. Er durchquert die Wüste und gibt alles aus dem Wunsch heraus auf, wirklich in der Absicht um zu geben zu sein, in der Einheit mit allen. Erez, Land, kommt von dem Wort Razon, Verlangen. Wenn alle Verlangen der Menschen darauf ausgerichtet sind und sie das Netz der Verbindungen zwischen ihnen – das Kli namens Erez Ysrael (Land Israel) – bilden, dann spricht man von Yashar El (direkt zu Gott).

Es steht geschrieben, dass sobald die Menschheit den Prozess der Korrekturen und Prüfungen abgeschlossen hat, sich das Land Israel in der ganzen Welt als “Das Land der Schönheit“ ausbreiten wird.[1] Am Ende werden sich alle Verlangen der Menschheit vereinen –  “wie ein Mensch mit einem Herzen“. Das beschreibt das große Lied Ha’asinu.

Entwickelt sich die Menschheit nicht in diese Richtung, werden Probleme und Schwierigkeiten auf sie zukommen. Diese werden sie gezwungenermaßen verändern, und gnadenlos und ohne die Unterstützung der Höheren Kraft zum vorgesehenen Ziel führen. Dabei wird den Menschen jedesmal gezeigt, wo sie sich irren und wie sie sich weiterentwickeln sollen.

Moses im Menschen ist nur ein “Betrachter“. Mehr kann er nicht tun. Er macht nur die grundlegende Korrektur, indem er das Land Israel betrachtet. Moses wird der “treue Hirte“ genannt, die reine Eigenschaft des Gebens. Deshalb sieht er das Land Israel nur durch das Licht, welches sich in GaR von Bina befindet. Durch sein Betrachten kann er dem Volk Israel helfen und ihnen den Weg ebnen.

Das Betrachten betrifft die Korrekturen. Moses ist der Rosh (Kopf) der jeweiligen Stufe. Nur mit Hilfe seiner Kraft kann ein Mensch das Land Israel betreten und beginnen, es zu erobern.


Fragen und Antworten

Der Name des Abschnitts lautet Ha’asinu (höret). Was bedeutet Ha’asinu und was ist mit Gesang gemeint?

Die Kelim (Gefäße) des Menschen sind jene des “Hörens” und “Sehens”. [Vor dem Erreichen des Landes Israel gibt es noch kein Kli (Gefäß) des “Sehens”]. “Hören” ist die Stufe von Bina, und “Sehen” die Stufe von Chochma. Erst wenn der Mensch das Land Israel erreicht, können beide zusammen zu Keter aufsteigen.

Der Mensch befindet sich in Malchut, also muss Malchut zuerst zu Bina aufsteigen. Indem der Mensch durch die Wüste geht, steigt er zu Bina auf. Die Kraft des Gebens (Moses) geht voraus, der Mensch folgt ihr und strebt, entgegen seines Willens danach, mit ihr zu sein.

Dieser Zustand ist wirklich wie eine Wüste: trocken, leer, menschenfeindlich, einsam und alles ist schwierig. Und doch ist dies der einzige Weg, um die Kraft des Gebens, über dem Willen zu empfangen, zu erhalten.

Der Mensch ist so erschaffen, dass er das Leben genießen will. Deshalb strebt er danach, sich selbst zu “füllen”. Dabei will er keine Rücksicht auf andere nehmen. Sein Wille zu empfangen verlangt die ganze Welt zu besitzen, denn er ist der Wichtigste, außer ihm und der Höheren Kraft, die ihm dienen soll, gibt es nichts.

Dies muss der Mensch nun ins Gegenteil korrigieren. Er soll sich so entwickeln, dass sein ganzes “Selbst“, seine Verlangen, Gedanken, Eigenschaften und alles, was sich in ihm und um ihn herum befindet, darauf ausgerichtet sind, anderen zu geben. Diese Korrektur erlaubt es ihm, sich in das große Kli, in welchem alle Teile der Seele des Menschen verbunden sind, zu integrieren und sein spirituelles Leben in der spirituellen Welt zu enthüllen, in der er in die unermessliche Höhere Kraft, genannt “Schöpfer“, eingeschlossen ist. Dann wird er fühlen, dass er sich nicht mehr auf der tierischen Stufe, sondern auf einer anderen Ebene der Existenz befindet.

Er erwirbt die Kraft des Glaubens, was “Sprechen“ genannt wird. Durch die Absicht, nur zu geben und sich mit anderen zu verbinden lernt er Wege des Gebens und Verbindungen zu finden, welche er noch nicht aktiviert hat.

In der Wüste braucht der Mensch die Kraft von Moses, die wie die Sonne ist und Josua, mit dem er in das Land Israel einzieht, welcher wie der Mond ist. Wenn ein Mensch sich von Ägypten lossagt, erkennt er seine egoistischen Verlangen und erreicht so die Stufe von Bina, auch genannt Osen (Ohr), und kann nun “hören”.

Moses, durch den die Stufe auf dem Berg Sinai begann, ist auch derjenige, der sie auf seiner letzten Etappe beim Einzug in das Land Israel auf dem Berg Nebo beendet. Ha’asinu beschreibt das Weitergeben der Kraft Moses‘, die ein Mensch in den vierzig Jahren der Wüste schrittweise erworben hat.

“Vierzig“ bedeutet, dass er auf die Stufe “Vierzig“, die Stufe von Bina, aufgestiegen ist. Deshalb raten die Weisen, dass ein Mensch die Tora (Kabbala) nicht vor dem Alter von vierzig Jahren studieren soll. Dies meint, dass bevor ein Mensch nicht die Stufe von Bina, die “Vierzig“, erreicht hat, er noch nicht sehen oder erkennen, kann. Bis dahin hat er nur das Hören erlangt, nicht aber das Sehen und somit kann er die Tora, “die Offenbarung des Schöpfers“ noch nicht erreichen.

Ist Ha’asinu der Abschluss der Stufe von Bina?

Abschluss meint die Verbindung aller Stufen der Wüste, die dem Volk Israel gemeinsam gegeben werden und es darauf vorbereiten, aus der Wüste in das Land Israel einzuziehen.

Sohar für Alle, Ha’asinu (Höret), Punkt 22

Moses offenbart an dem Tag, als er aus der Welt schied

 „Zu der Zeit, als Moses sprach: ‚Höret, ihr Himmel, ich will reden‘, da bebten die Welten. Eine Stimme erschien und sagte: ‚Moses, Moses, warum erschreckst du die Welt? Du bist der Sohn des Menschen, und deinetwegen wird die Welt erbeben.‘ Er fing an und sagte: ‚Denn ich werde den Namen des Herrn rufen.‘ Da wurden sie stumm und hörten auf seine Worte.“

Hier endet Moses Aufgabe, und er übergibt die Führung an Josua, die Stufe des Mondes. Josua kann nicht aus sich selbst geben, sondern nur, was er von Moses empfangen hat. Josua bekommt von Moses die Kraft des Gebens, weil er ihm treu ergeben ist. In der Erzählung will Josua nicht Wissen erlangen, sondern nur Moses dienen.

Daraus lässt sich schließen, dass, wenn der Mensch der Welt dient, er aufsteigen und die ganze Schöpfung bekommen wird. Dies ist die Rolle des “Volkes Israel“, “ein Licht für die Völker“ in dieser Welt zu sein. Sich zu korrigieren und dadurch “ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk“ (Exodus 19,6) zu werden.

Auf der Stufe der Wüste korrigiert sich der Mensch und bereiten sich darauf vor, anderen zu dienen, gemeint ist anderen zu geben. Er beginnt die Arbeit mit den Verlangen zu empfangen, und verwandeln sie in die Arbeit, mit der Absicht zu geben. Die in diesem Abschnitt beschriebenen Stufen zeigen, wie er mit den “Völkern der Welt“, also mit der Verlangen der ganzen Menschheit, arbeitet kann.

Was bedeutet es, dass der Schöpfer dem Volk Israel im Kampf gegen seine Feinde hilft oder eben nicht hilft? Wie erkennt dies der Mensch?

Eigentlich befindet sich die Welt konstant im Zustand, in dem alles mit Licht erfüllt ist und der Schöpfer allgegenwärtig ist. Allerdings ist das vor dem Menschen verborgen, weil er es mit seinen unkorrigierten Kelim (Gefäßen), mit seinem Verlangen und Gedanken, nicht erkennen kann. Je weiter er in der Korrektur voranschreitet und mit anderen Menschen in Liebe und Einheit durch das Geben verbunden ist, desto mehr enthüllt er die Kraft, die Licht, mit der  die ganze Realität erfüllt ist.

Ob der Schöpfer hilft oder nicht, hängt also von der Absicht des Menschen ab. Wenn sich ein Mensch Richtung Schöpfer bewegt, sich bemüht, Ihm ähnlich zu sein, enthüllt der Schöpfer Sich, gemäß den Gesetzen der Gleichheit der Form, in dem Maße, in dem die Form des Mensch mit der Form des Schöpfers übereinstimmt. Ähnlich wie in dieser Welt ein Radioempfänger: Wenn er auf die richtige Wellenlänge eingestellt ist, hört man, was auf dieser Frequenz gesendet wird.

Genügt es, dies zu wollen, oder muss man auch danach handeln?

Ein Mensch muss bestimmte Handlungen ausführen, aber nicht, um auszudrücken, dass er wirklich für den Schöpfer arbeiten will, sondern um dadurch zu erreichen, dass er dies wirklich will. Es reicht also, zu wollen, aber es genügt nicht, zu sagen, dass man es will. Es dürfen nicht nur leere Worte sein, sondern in den Worten muss auch die Entscheidung, diesen Wunsch zu wollen enthalten sein. Der Mensch muss wollen, dass dies geschieht.

Wenn ein Mensch sich mit anderen verbinden möchte, in “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, dann muss er sich Gedanken dazu machen, wie er seine gesamte Realität so nutzen kann, um den anderen zu geben. Bis er es zugunsten aller Menschen anwenden kann. Das ist das Gegenteil davon, wie Menschen aktuell miteinander umgehen. Alle nutzen ihre gesamte Umgebung zugunsten ihrer selbst.

Muss der “Nächste“ wichtiger als das eigene “Ich“ werden?

Das ist die Bedeutung von “wie dich selbst“. So wie eine Mutter für ihr Baby fühlt.

Braucht es dazu die Absicht? Ist es nicht genug, anderen physisch alles zu geben, was ich habe?

In der Spiritualität geht es nicht um die physische Welt. Sie ist dabei völlig unbedeutend. Es geht um die Verbindung der Herzen, der Seelen, der Emotionen, denn die gesamte Realität, die gesamte geschaffene Materie, besteht aus Verlangen. Ein Verlangen beinhaltet auch die Ausrichtung und die Art und Weise wie es genutzt wird. Ein Mensch braucht also nichts anderes zu tun, als mit der richtigen Absicht zu wollen, wie geschrieben steht: Der Herr wird es für mich vollbringen“ (Psalm 138,8).

Die Höhere Kraft, die sich zwischen den Menschen enthüllt, bildet das Netzwerk. Dies ist die Arbeit der Höheren Kraft. Ein Mensch braucht keine Handlungen zu vollbringen. Es geht dabei um sein Inneres, da braucht es keine physischen Handlungen. Er kann nichts weiter tun, außer zu bitten, dass die Höhere Kraft es für ihn tut. Auch das Volk Israel, das sich auf dem Weg durch die Wüste in verschiedenen Handlungen irrt, weiss nicht, wie es bitten, fordern und dadurch dann enthüllt soll.

Hier gibt es ein erzieherisches Element. Die Höhere Kraft erklärt dem Volk Israel, dass sie weiß, dass sie auf ihrem Weg sündigen werden. Sie schickt voraus, dass sie dafür bestraft werden und dann Buße tun werden. Wozu soll das gut sein?

Dies würde bei der Erziehung eines Kindes nicht funktionieren. Ihm wird erklärt, dass, wenn es dies oder das tut, dies das Beste für es ist und dabei wird ihm ein persönliches Beispiel gegeben. Macht das Kind einen Fehler, lässt man es verstehen, dass es ein Fehler war. Man sagt ihm nicht, dass man weiss, dass es Fehler machen und es dafür bestraft wird, und es dies bereuen und es ihm dadurch später gut gehen wird. Diese Worte wären für das Kind nicht hilfreich.

Ein Mensch muss nicht “gut“ sein. Rabbi Akiva wusste bereits im Voraus von der Zerstörung des Tempels, und so lacht er, als die Zerstörung schließlich stattfand. Auch Jakob wollte seinen Söhnen erzählen, was mit ihnen geschehen wird. Und Rabbi Shimon wusste, dass er ein Buch schreiben würde, für welche Zeit und was auf dem Weg dahin passieren würde. Auch ein Mensch muss diese Prozesse durchleben. Nimmt anerkennt er dies, beginnt er zu entdecken, dass sich alles direkt vor ihm befindet und für ihn vorbereitet wurde.

Natürlich macht er bei jedem Schritt Fehler, und jeder dieser Fehler wird die Sünde von Adam HaRishon, alle 613 Verlangen, enthüllen. Der Fehler des Menschen besteht darin, dass er nicht bittet und von der Höheren Kraft, dem Schöpfer, nichts fordert. Indem ein Mensch sich so sehr, wie es ihm möglich ist, mit anderen verbindet, erkennt er, wie groß sein Hass gegenüber Ihnen ist und wie sehr er sie ablehnt. Deshalb muss er vom Schöpfer fordern, dass Er die Verbindung schafft. Versucht er es selbst, wird das Ergebnis sein Verderben sein, denn er enthüllt das Gegenteil und wird davor fliehen.

Dabei gibt es ein erzieherisches Element. Die Höhere Kraft erklärt dem Volk Israel, dass klar ist, dass es auf seinem Weg sündigen wird und schickt voraus, dass es dafür bestraft und dann Buße tun wird. Wozu soll das gut sein?

Bei der Erziehung eines Kindes würde dies nicht funktionieren. Ihm wird erklärt, dass, wenn es dies oder das tut, dies das Beste für es ist und dabei wird ihm ein persönliches Beispiel gegeben. Macht das Kind einen Fehler, lässt man es verstehen, dass es ein Fehler war. Man sagt ihm nicht, dass man weiss, dass es Fehler machen und es dafür bestraft wird, und es dies bereuen, es ihm dadurch aber später gut gehen wird. Diese Worte wären für das Kind nicht hilfreich.

Ein Mensch muss nicht “gut“ sein. Rabbi Akiva wusste bereits im Voraus von der Zerstörung des Tempels, und so lacht er, als die Zerstörung schließlich stattfand. Auch Jakob wollte seinen Söhnen erzählen, was mit ihnen geschehen wird. Und Rabbi Schimon wusste, dass er ein Buch schreiben würde, für welche Zeit und was auf dem Weg dahin passieren würde. Auch ein Mensch muss diese Prozesse durchleben. Nimmt anerkennt er dies, beginnt er zu entdecken, dass sich alles direkt vor ihm befindet und für ihn vorbereitet wurde.

Natürlich macht er bei jedem Schritt Fehler, und jeder dieser Fehler wird ein Teil der Sünde von Adam HaRishon, schlussendlich alle 613 Verlangen, enthüllen. Der Fehler des Menschen besteht darin, dass er nicht bittet und von der Höheren Kraft, dem Schöpfer, nichts fordert. Indem ein Mensch sich so sehr, wie es ihm möglich ist, mit anderen verbindet, erkennt er, wie groß sein Hass gegenüber ihnen ist und wie sehr er sie ablehnt. Deshalb muss er vom Schöpfer fordern, dass Er die Verbindung erschafft. Versucht er es selbst, wird das Ergebnis sein Verderben sein, denn er enthüllt das absolute Gegenteil und wird davor fliehen.

Ein Mensch braucht keine Angst davor zu haben, sein großes Ego, zu offenbaren. Er muss sich auch nicht vor anderen “Göttern“, seinen Verlangen, verbeugen. Anstatt wegzulaufen, muss er nur um die Korrektur bitten. Tut er das, kann er nichts falsch machen. Natürlich wird er trotzdem Fehler begehen, weil sein Kontakt zum Schöpfer noch nicht vollkommen ist. Aber Alles was er tun muss ist, sich für die Annäherung an die Höhere Kraft anzustrengen. Auch nach großen Anstrengungen und enormer Arbeit wird er sich immer noch irren, dabei aber seine zerbrochene Seele enthüllen und lernen, dass er das Ziel ohne Hilfe nicht errichten kann. Erst dann erkennt er das wahre “Böse”.

Er enthüllt das absolut “Böse“, welches sich im vollständigen “Zerbrechen der Seele” zeigt. Dafür braucht der Mensch das Licht, die Offenbarung des Schöpfers. Sobald er Licht erhält, beleuchtet dies den “Ort der Zerstörung“, das, was der Schöpfer korrigieren muss. Das alles ist genau für diesen Menschen vorbereitet. Es wird so oder so stattfinden. Von der Enthüllung des großes Ego bis zum “Ort des Zerbrechens“ und dessen Korrektur.

Moses geht auf den Berg Nebo und schaut auf das Land Israel. Es wird ihm aber nicht erlaubt, es zu betreten. Das klingt grausam, denn er durfte die Schönheit aus der Ferne sehen, sie aber nicht erreichen. Was ist die Bedeutung des Aufstiegs auf den Berg Nebo

Der Schöpfer sagt Moses voraus, dass er und das Volk sich dem Land Israel nähern, er sterben wird und Josua seine Aufgabe übernimmt. Das klingt grausam, aber die Stufe von Moses steht nicht in direktem Zusammenhang mit dem Land Israel am Ende der Korrektur. Moses repräsentiert das gesamte Licht, wie die Sonne. Aber nun muss das Land Israel erobert und korrigiert werden. Nur die Kraft des Gebens kann das Land Israel betreten. Sie ist Josua, das Licht des Mondes. Indem diese Kraft, in das Land eingelassen und korrigiert wird, endet auch Josuas Aufgabe. Dies ist dann das Ende der Korrektur.

Sobald das Volk Israel das Land Israel betritt, gibt es nur Zerstörung, Verbannung und Exil. Nach einiger Zeit kommt das Volk zur Besinnung und kehrt in das Land Israel zurück. Erst jetzt kann es alle Korrekturen vollziehen. Nun erreicht es einen Zustand, in dem es Offenbarungen des echten Landes Israel erhält, das Verlangen zu empfangen mit der Absicht um zu geben. Zu diesem Zeitpunkt erreicht ein Mensch einen Zustand, der als “ein mutiger Mann von Kabzeel(Rav Pe’alim Mekatze’el)“ (Samuel 2, 23:20) bekannt ist.

Alle Korrekturen, welche die Menschheit im Laufe der Generationen durchläuft, werden dann in einer einzigen Korrektur zusammengeführt. Das Netz der Verbindungen zwischen allen Seelen wird erscheinen, und alle werden wirklich verbunden sein. Die wird der Punkt sein, an dem die “zwei große Lichter“ (1. Mose 1,16), die Kraft von Moses, das Licht der Sonne, und Josua, die Kraft des Mondes, zusammenstoßen. Dann erreicht der Mensch erreicht einen unendlichen Tag, an dem alles gut sein wird.

Die aktuelle Situation auf der Welt scheint schlimmer zu sein, als je zuvor. Wurden auf dem Weg bis hierhin überhaupt Korrekturen gemacht?

Bisher haben die Menschen sich nur vorbereitet. Sie haben noch keine Korrekturen durchgeführt, und noch nicht alles “Böse“ enthüllt. Erst jetzt, durch die immer häufiger stattfindenden Krisen, beginnen sie, diese zu offenbaren. Die “Böse“und die Korrektur liegen nahe beieinander, sie sind miteinander verbunden. Wenn die Menschen es sich wünschen würden, könnten sie all diese Leiden sehr schnell durchlaufen. Sie müssen nicht gezwungenermaßen  lange andauern.

Können die Menschen das beeinflussen? Es scheint, als ob der Schöpfer alles tut.

Alles hängt von der Bitte des Menschen an den Schöpfer ab. Dadurch beschleunigt er die Zeit. Es steht geschrieben, dass “Israel die Zeit heiligt“(Masechet Berachot, 49a). Sie müssen den Schöpfer “rufen“. Die Kraft des Gebens befindet sich zwischen den Menschen. Es scheint als verborgenes Licht, das immer präsent ist, und zu dem ein Mensch rufen muss, damit es ihn korrigiert.

Fazit:

Die Menschen brauchen die Verbindung untereinander in Form von “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Das ist die Korrektur, die sie vornehmen müssen. Es ist nicht einfach, aber es ist die wichtigste Aufgabe, die große Regel der Tora. Die gesamte Realität muss sich verbinden. Heute erkennt ein Mensch, dass er die Verbindung braucht. Die ganze Welt braucht sie, denn das ist der einzige Weg, um aus all den heutigen Krisen herauszukommen.

Die Menschheit befinden sich in einem zerbrochenen Zustand, was kabbalistisch gesehen, gut ist. Die Menschen befinden sich darin, das Negative in sich zu enthüllen. Sie brauchen nur den Schöpfer um Hilfe zu bitten. Nur wenn sie mit gemeinsamer Kraft versuchen, sich zu verbinden, dann offenbart sich der Schöpfer. Dies wird als spirituelles, vollkommenes und friedvolles Leben in unendlicher Harmonie, von allen, hier und jetzt, wahrgenommen. 

(1) Und ich bin herabgekommen, um sie zu erretten aus der Hand der Ägypter und sie aus diesem Land zu führen in ein gutes und weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließt; es ist das Schönste aller Länder.

 


Glossar Parascha Ha`asinu

törichtes Volk: Ein Mensch hat Panim, eine vordere und Achoraim, eine hintere Seite. Achoraim einer Stufe sind jeweils die gröbsten Kelim (Gefäße), die egoistischsten Verlangen zu empfangen. “Töricht“ meint, dass dies größten, gröbsten Verlangen schwierig zu korrigieren sind. Diese Verlangen treten gerade im Volk Israel auf und nicht in anderen Völkern.

Obwohl “Böses“ in jedem Menschen existiert, ist der Egoismus in Menschen, die sich korrigieren möchten, also jene die zum Volk Israel gehören, überaus stark ausgeprägt. Das Volk Israel existiert um diese großen Korrekturen zu erreichen. Es muss die schlimmsten Kelim (Gefäße des Empfangens) miteinander verbinden und deshalb hinterfragt das starkes Ego dies immer wieder. Deshalb wird es ein “törichtes Volk“ genannt. Dies kann nicht umgangen werden.

Ein gewöhnlicher Mensch gilt nicht als töricht. Nur jene Menschen, die den Weg der Korrekturen gehen wollen, deren Herz wird verhärtet und sie entdecken zunehmend den Bösen Trieb, wie geschrieben steht: Wer größer ist als sein Freund, dessen Trieb ist auch größer als jener des Freundes“ (Babylonischer Talmud, Masechet Sukka, Kapitel 5, 52a).

Lenkung durch den Schöpfer: Die Lenkung durch den Schöpfer bedeutet, dass ein Mensch erkennt, dass es außer dem Schöpfer nichts anderes gibt. Auf dem Weg dies zu glauben, muss ein Mensch einen “Katalysator“ zwischen seine Handlungen und die Handlungen des Schöpfers bringen. Die Bitte, dass es geschehen möge. Ohne die Bitte des Menschen wird es nicht geschehen. In Wahrheit beginnt und beendet der Schöpfer alle Zustände  des Menschen. In der Zeit zwischen den Zuständen kann der Mensch nur bitten. Ein Mensch muss wissen, worum er bittet und wie er die Bitte an den Schöpfer richten muss. So weiß der Schöpfer, dass der Mensch das ganze System und auch den Schöpfer erkennt.

Bestrafung: Die Unfähigkeit zu geben, wird als Strafe betrachtet. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn einem Menschen das Geben verwehrt wird.

Berg Nebo: Dies ist der Ort von Bina, der Ort von Moses. An diesem Ort befindet sich die Kraft Moses, bis sie die vollständige Erlösung erreicht hat, und dann erscheint sie.

“über das Land schauen“: Dies ist die Korrektur des Sehens, genannt “Schauen“. Histaklut (Schauen) von Eynaim in ACHAP ist das, was Mose tut. Auf diese Weise führt er Korrekturen des Landes Israel durch, damit das Volk Israel mit seinem Segen, seiner Kraft, das Land Israel betreten kann und die Korrekturen fortsetzen kann. Josua geht bereits mit der Kraft von Mose und führt das Volk an.

Götzendienst: Ein Götzendienst ist es dann, wenn ein Mensch sich selbst oder irgendeine andere Kraft in der Welt als wichtig erachtet, und nicht die eine, gebende Kraft, welche zwischen den Menschen verborgen ist und offenbart werden muss. Um korrigiert zu werden, muss er sich an die Höhere Kraft wenden und Sie bitten, Sich zu offenbaren.

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