16. April 2023, Gute-Nacht-Text
Jeder sollte selbst große Anstrengungen unternehmen, damit in seinem Herz die Liebe zu den Freunden geboren wird.
Jeder sollte selbst große Anstrengungen unternehmen, damit in seinem Herz die Liebe zu den Freunden geboren wird.
Obwohl die Tugenden deines Freundes nicht so sind, wie du es gerne hättest, musst du ihn tolerieren und lieben, um des Schöpfers willen, der ihn so erschaffen hat.
Wir müssen uns bewusst machen, dass uns das Gebot der Liebe zu Freunden gegeben wurde, um durch dieses zu lernen, die Würde des Königs nicht zu verletzen. Anders gesagt, wenn es nicht unser einziger Wunsch ist, nur dem Schöpfer Genuss zu bereiten, wird der Mensch die Würde des Königs verletzen, und das heißt, dass er die Kedusha (Heiligkeit) den Äußeren überlässt. Daher dürfen wir die Wichtigkeit der Arbeit der Freundesliebe nicht geringschätzen, denn dadurch wird der Mensch lernen, aus seinem Egoismus herauszutreten und sich auf den Weg der Nächstenliebe zu begeben. Und sobald der Mensch seine ganze spirituelle Arbeit in der Freundesliebe abschließt, kann er der Liebe zum Schöpfer würdig werden.
Der Mensch sollte sich sehr anstrengen, seine Eigenschaften zu überwinden, um sie zum Wohle des Nächsten umzuwandeln, und würdig zu sein, mit diesen Eigenschaften für den Schöpfer zu arbeiten. Denn wenn ein Mensch bereits in seinen Eigenschaften korrigiert worden ist, so dass er zum Wohle des Nächsten arbeiten kann, ist er fähig, am Glauben an den Schöpfer zu arbeiten. Denn nun ist er bereit, des Glaubens würdig zu sein, denn dann hat er bereits die Gleichheit der Form, die „Verschmelzung mit Seinen Eigenschaften“ genannt wird, entsprechend der Aussage: „Wie er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“.
Ich beauftrage euch, dass ihr anfangt, einander mit aller Kraft zu lieben, euch in die Leiden der Freunde einzufühlen, euch an den Freuden der Freunde zu erfreuen, so sehr das möglich ist. Ich hoffe, dass ihr diese meine Worte befolgt und in vollem Umfang und in Vollkommenheit einhaltet.
Lasst mich euch an die Gültigkeit der Liebe zu den Freunden erinnern, jetzt und zu jeder Zeit, denn genau darauf basiert unser Existenzrecht, und danach wird unser baldiger Erfolg bemessen. Wendet euch deshalb von allen unwirklichen Verpflichtungen ab und denkt nur daran, Taktiken zu entwickeln, um eure Herzen wirklich miteinander zu vereinen, damit die Worte „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ in euch wahr werden, denn der Vers geht nicht über das Wörtliche hinaus, und ihr werdet durch den Gedanken der Liebe gereinigt, die alle Mängel bedeckt. Und prüft mich darin und fangt an, euch in wahrer Liebe zu verbinden, dann werdet ihr sehen, dass „der Gaumen schmecken wird“.
Es steht geschrieben: „der Schöpfer ist eins und Israel sind eins“; daher haften sie am Schöpfer, denn dem Einen ist es angenehm, sich an den einen anzuhaften. Und wann wird das sein? Es geschieht, wenn Israel sich verbünden und in vollständiger Einheit zusammen sind, zu dieser Zeit werden sie als eins betrachtet und der Schöpfer weilt unter ihnen, denn Er ist einer. Aber wenn ihre Herzen sich unterscheiden und sie voneinander getrennt sind, können sie nicht an dem Einen haften und der Schöpfer ist nicht unter ihnen. Stattdessen gibt es Platz für andere Götter. Dies wird im Vers „und ihr, die ihr verschmolzen seid“ gesagt, was bedeutet, wenn ihr aneinander angehaftet und miteinander vereint seid, „werden alle leben“. Da sie alle in einer Einheit sind, ist es dem Einen angenehm, zu verschmelzen mit dem geeinten, und der Eine, der Schöpfer, weilt unter ihnen.
Degel Machane Ephraim, WaEtchanan [Und ich flehte]
Nachdem der Mensch von seinem Nächsten ein Gewand der Liebe erhalten hat, empfindet er Freude nur noch aufgrund der Liebe zum Nächsten und vergisst die Eigenliebe. Und dann beginnt jeder der beiden, nur noch zu genießen, dass er sich um seinen Freund kümmert. Und er hat keinen Platz, sich um sich selbst zu sorgen, denn ein Mensch kann sich nur dort anstrengen, wo er Genuss empfangen wird. Und da er damit befasst ist, seinen Nächsten zu lieben, und gerade daraus Freude schöpft, kann er kein Vergnügen daran haben, sich um sich selbst zu kümmern.
Jemand, der wirklich dem Schöpfer dienen will, sollte alle Geschöpfe umfassen, sich mit allen Seelen verbinden, sich in sie einbeziehen und sie in ihn. Das heißt, man sollte für sich nur das übrig lassen, was für die Verbindung mit der Shechina [Göttlichkeit] benötigt wird. Dazu braucht es Verbindung mit allen Menschen, allen Geschöpfen, und es sollte alles für die Korrektur der Shechina zu ihrer Wurzel erhoben werden.
Es steht geschrieben: „Und das Volk lagerte, wie ein Mann mit einem Herzen.“ Das bedeutet, dass sie alle ein Ziel hatten, nämlich dem Schöpfer zu dienen. Wir sollten verstehen, wie sie als „ein Mann mit einem Herzen“ sein konnten, denn wir wissen, dass unsere Weisen sagten: „So wie ihre Gesichter einander nicht ähnlich sind, so sind auch ihre Ansichten einander nicht ähnlich“, wie konnten sie also als „ein Mann mit einem Herzen“ sein? Die Antwort ist: Wenn wir sagen, dass jeder für sich selbst sorgt, ist es unmöglich, „wie ein Mann“ zu sein, da sie einander nicht ähnlich sind. Wenn sie jedoch alle ihr Selbst annullieren und sich nur um das Wohl des Schöpfers sorgen, haben sie keine individuellen Ansichten mehr, weil sich alles Einzelne annullierte und sie der Macht des Einzigen beigetreten sind.
Das Wichtigste für den Aufstieg und die Vollkommenheit der Seele ist, dass alle Seelen sich ineinander einschließen und eins werden, denn dann erheben sie sich zur Kedusha [Heiligkeit]. Weil die Kedusha eins ist, hängt das Gebet, die Eigenschaft Seele, in erster Linie von der Verbindung der Seelen ab. Aus diesem Grund ist das gemeinschaftliche Gebet am wichtigsten, nicht in Abgeschiedenheit. Keiner sollte für sich allein sein, dies wäre das Gegenteil von Kedusha. Vielmehr müssen wir die heilige Gemeinschaft vereinen und eins werden, dies ist das gemeinschaftliche Gebet.
Man muss immer für seinen Freund beten, da man nicht viel für sich selbst tun kann, denn „man rettet sich nicht selbst aus der Gefangenschaft“. Aber wenn man für seinen Freund bittet, wird das Gebet schnell erhört. Darum sollte jeder für seinen Freund beten. Und so arbeitet jeder am Wunsch des anderen, bis alle beantwortet sind. Deshalb hieß es: „Israel sind Arevim [verantwortlich/süß] füreinander“, denn in den Gebeten, die sie füreinander beten, mäßigen [versüßen] sie einander, und dadurch werden sie erhört. Und die Essenz des Gebets liegt im Gedanken, denn das Gebet kann in Gedanken leicht angenommen werden.
Die Bedeutung des Gebets in der Gemeinschaft besteht darin, dass es einem allein nicht erlaubt ist, die Gemeinschaft zu verlassen und für sich selbst etwas zu erbitten, selbst dann, wenn es um des Schöpfers Willen ist, sondern nur für die gesamte Gemeinschaft. […] Denn derjenige, der die Gemeinschaft verlässt, indem er etwas für seine eigene Seele erbittet, errichtet nichts, sondern trägt im Gegenteil zum Untergang seiner Seele bei, denn es heißt: „jeder, der stolz ist …“. Es ist somit unmöglich, sich jemanden vorzustellen, der die Gemeinschaft ohne das Gewand des Stolzes verlässt, und wehe ihm, weil er die Zerstörung seiner Seele verursacht. […] Und während der Arbeit, wenn ein Mensch für sich allein betet, zieht er sich unbeabsichtigt aus der Gemeinschaft zurück und zerstört damit seine Seele. Und ein jeder muss mit aller Kraft ganz Israel versammeln, in allen Anrufungen an den Schöpfer, in Gebet und Arbeit […], und lass ihn sich in die Wurzel von ganz Israel einschließen.
Der Mensch sollte glauben, dass „es keinen anderen außer Ihm gibt“, was bedeutet, dass es der Schöpfer ist, der ihn zwingt, die guten Taten zu vollbringen. Aber weil ein Mensch noch nicht würdig ist zu wissen, dass es der Schöpfer ist, der ihn verpflichtet, kleidet sich der Schöpfer in Kleider aus Fleisch und Blut, durch die der Schöpfer diese Handlungen ausführt. Auf diese Weise handelt der Schöpfer in der Gestalt von Achoraim [der Rückseite].
Mit anderen Worten, ein Mensch sieht die Gesichter der Menschen, aber er sollte glauben, dass hinter ihnen der Schöpfer steht und diese Handlungen ausführt. Das heißt, hinter dem Menschen steht der Schöpfer und zwingt ihn, die Taten auszuführen, die der Schöpfer will. Daraus folgt, dass der Schöpfer alles vollbringt, aber ein Mensch beurteilt, wie er es sieht, und nicht so, wie er es glauben sollte.
Ihr solltet wissen, dass Liebe durch Taten erkauft wird. Jedes Geschenk, dass ihr euren Freunden gebt, ist wie ein Pfeil oder eine Kugel, die ein Loch in das Herz eures Freundes macht. Und obwohl das Herz eures Freundes wie Stein ist, bildet doch jede Kugel ein kleines Loch. Und aus vielen Löchern entsteht ein leerer Raum, den die Liebe des Gebers der Geschenke ausfüllen kann.
Durch die Wärme dieser Liebe werden die Funken der Liebe eures Freundes angezogen, und sie verweben sich zusammen zu einem Gewand der Liebe, das euch beide umhüllt. Das bedeutet, dass eine vereinte Liebe euch umgibt. Weil das Gewand, das euch beide bedeckt, ein einziges Gewand ist, werdet ihr zu einem Ganzen, ihr beide seid dadurch aufgehoben.
Sobald ich die oben genannte Kleidung bereits habe, fangen gleich die Funken der Nächstenliebe an, in mir zu leuchten, und das Herz beginnt, sich zu sehnen und mit meinen Freunden zu vereinigen, und mir scheint, als würden meine Augen meine Freunde erblicken, und als würden meine Ohren ihre Stimmen vernehmen, und [als würde] mein Mund mit ihnen sprechen; als würden meine Arme sie umarmen, als würden meine Füße in Liebe und in Freude mit ihnen im Kreise tanzen. Ich verlasse meine physischen Grenzen und vergesse, dass es einen großen Abstand zwischen mir und meinen Freunden gibt, und das ausgestreckte Land von vielen Kilometern kann uns nicht trennen, als würden meine Freunde in meinem Herzen stehen und alles sehen, was sich dort abspielt. Ich fange an, mich meiner kleinlichen Taten gegenüber meinen Freunden zu schämen. Ich verlasse dann einfach die physischen Gefäße, sodass es in meinen Augen erscheint, als gäbe es keine andere Wirklichkeit in der Welt als mich und meine Freunde. Und danach wird auch das „Ich“ aufgehoben und geht in der Gesamtheit der Freunde auf, bis ich da stehe und verkünde, dass es keine Wirklichkeit in der Welt gibt, außer der Freunde.
Man muss die Liebe zu Freunden in seinem Herzen offen zeigen, denn die Äußerung dieses Gefühls kann die Herzen der Freunde erwecken, damit auch sie spüren, dass jeder einzelne sich in der Liebe zu Freunden übt. Als Ergebnis davon wird jeder eine stärkere Kraft erhalten, die Freundesliebe intensiver auszuüben, weil die Kraft der Liebe jedes Mitglieds sich mit der Kraft der anderen zusammenschließt.
Das Wichtigste ist die wahre Verbindung, in Liebe und mit Wertschätzung, zwischen den Freunden. Diese führt zu Erlösung und zur Versüßung aller Urteile. Wenn die Freunde sich in Liebe und Freude versammeln, werden dadurch alle Urteile aufgehoben und durch Gnade versüßt. Durch diese Verbindung wird sich vollständige Barmherzigkeit und Chassadim (Güte) in der Welt offenbaren.
„Wie gut und angenehm ist es für Brüder, wenn sie auch zusammensitzen.“ Dies sind Freunde, die zusammen sitzen und nicht voneinander getrennt sind. Auf den ersten Blick sind es Menschen, die miteinander Krieg führen und sich gegenseitig umbringen wollen. Doch dann besinnen sie sich und kehren zusammen zur brüderlichen Liebe zurück.
Der Schöpfer sagt über sie: „Seht, wie gut und angenehm es ist, dass Brüder auch zusammen sitzen.“ Das Wort „auch“ schließt die Shechina mit ein. Auch hört der Schöpfer ihre Worte und Er ist zufrieden und hat Freude an ihnen.
Durch die Reibung der Herzen, selbst der stärksten, strahlt jeder Wärme aus den Wänden seines Herzen aus, und die Wärme entzündet Funken der Liebe, bis sich daraus die Kleidung der Liebe formt. Dann sind beide mit der gleichen Decke bedeckt, eine einzige Liebe umringt und ummantelt sie also, denn es ist bekannt, dass Dwekut (Anhaftung) zwei Dinge zu einem Ganzen vereint.
Und während der Mensch beginnt, die Liebe seines Freundes zu spüren, erwachen in ihm Freude und Genuss. Denn dies ist die Regel: Eine Neuerung ist unterhaltsam. Dass der Freund ihn liebt, ist nämlich eine neue Sache für ihn, da er immer weiß, dass nur er allein für sein Wohl sorgt, und dass es ihm gut gehe. Sobald er aber entdeckt, dass sein Freund sich um ihn sorgt, erweckt dies maßlose Freude in ihm, und schon kann er nicht mehr für sich selbst sorgen, denn der Mensch kann nur da Anstrengungen unternehmen, wo er Genuss verspürt. Da er jedoch beginnt, es zu genießen, für seinen Freund zu sorgen, hat er keinen Raum mehr, sich um das Eigene zu kümmern.