Parasha „Shlach Lecha“: Tora-Abschnitt „entsende“

4. Buch Mose, Numeri 13:1-15:41

6.-12. Juni 2021 /  26. Siwan – 2. Tammus, 5781


Zusammenfassung

Der Abschnitt beginnt damit, dass Moses die zwölf Oberhäupter der Stämme aussendet, um das Land Israel auszukundschaften, es zu prüfen und um sich darauf vorzubereiten, es zu besetzen.

Die Kundschafter kehren zurück und beschreiben ein Land, in dem Milch und Honig fließen, das aber von Riesen bewohnt wird. Das macht es dem Volk unmöglich, in das Land einzuziehen, es in Besitz zu nehmen und darüber zu herrschen. Ihre Worte verbreiten Angst im Volk, nur nicht bei Josua Ben Nun und Kaleb Ben Jepunne. Das erzürnt den Schöpfer und er will das ganze Volk vernichten. Moses betet und bittet um Gnade für das Volk. Daraufhin sterben nur die zehn Kundschafter, die über das Land lästerten, durch eine Plage. Die anderen beiden, Josua Ben Nun und Kaleb Ben Jepunne, begleiten das Volk weiter.

Im weiteren Verlauf des Abschnitts geraten die Kinder Israels erneut ins Wanken und versuchen, wieder nach Ägypten zurückzukehren. Am Ende bereuen sie ihren Entschluss und kehren wieder um. Danach begeht das Volk Israel einen weiteren Fehler: Sie ziehen ohne Befehl in den Kampf, versuchen das Land in Besitz zu nehmen und scheitern aber daran. Der Abschnitt endet mit der Anweisung, weitere vierzig Jahre in der Wüste zu verbringen, bis die gesamte Generation der Kundschafter gestorben ist – außer Josua Ben Nun, der nun das Volk in das Land Israel führen soll.


Kommentar von Rav Michael Laitman

Wir müssen uns von unserem Willen zu empfangen, von unserem Ego, hin zu einem Zustand entwickeln, in dem wir „das Volk Israel“ werden, wo wir alle Yashar El (direkt zum Schöpfer) sind und die Eigenschaft des Schöpfers besitzen, welche das Geben bzw. die Liebe ist. Wir werden uns alle in Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“(1) befinden, weil wir keine andere Wahl haben. Wir dürfen uns nicht von unserem Verstand leiten lassen, der uns ständig befiehlt, voranzukommen oder zurückzugehen. Vielmehr müssen wir dagegen kämpfen und währenddessen prüfen, ob wir das Richtige tun und ob der Weg der richtige ist.

Der Abschnitt erklärt, dass wir nicht wissen können, was wir tun oder wo wir beginnen sollen. Das ist für uns ein Problem, weil wir es gewohnt sind, nach dem Prinzip zu arbeiten: Ein Richter hat nur das, was seine Augen sehen.“(2) Bis jetzt glaubten wir zu wissen, dass wir dann vorankommen, wenn wir unserer Natur folgen, entsprechend unseren Kelim (Gefäßen), indem wir unseren Verstand und unser Herz einsetzen.

Der Schöpfer erwartet aber von uns, dass wir uns entwickeln und dafür etwas tun. Doch wie können wir etwas tun, wenn wir nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden können? Wenn wir nicht wissen, ob wir vorwärts in den Kampf ziehen oder zurück nach Ägypten fliehen sollen. Wir denken, dass es im Land Israel Riesen gibt. Doch weil es dort auch Früchte gibt, können wir nicht sagen, wer dort regiert, also welche Verlangen, oder wie groß sie sind. Daher erklärt der Abschnitt Shlach Lecha (entsende), wie wir richtig vorankommen.

Es wird vom Menschen gefordert, dass er den Weg mit seiner Vernunft prüfen muss und erkennen soll, wie er in der spirituellen Entwicklung vorankommt. Die ganze Tora spricht nur von der spirituellen Entwicklung vom Zustand des Egoismus in den der Liebe zu anderen, wie es geschrieben steht: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Das ist eine große Regel in der Tora.“(3) Deshalb müssen wir von dem ausgehen, was unsere Augen sehen und unser Ego prüfen.

Wir müssen erkennen, wie sehr wir andere eigentlich hassen, sie wegstoßen, und nur an uns selbst denken. Wir sind so von ihnen isoliert, dass wir nicht an ihr Wohl denken können. Unsere Aufgabe ist es deshalb, uns vorzustellen, was Liebe ist, ob und wie sehr wir andere lieben, wie sehr wir an andere denken und uns mit ihnen verbinden können. Das verlangt in der materiellen Welt auch die aktuelle globale Krise von uns.

Wir spüren, dass wir vor einer großen Aufgabe stehen. Deshalb wird die Weisheit der Kabbala nun bekannter, damit wir erfahren, wie wir um Hilfe bitten können, um die Stufe der Verbindung und der echten Liebe zu anderen zu erreichen. Ohne sie werden wir in dieser sich immer rasanter entwickelnden Welt nicht überleben. Die Zeit ist gekommen, die Tora zu erfüllen.

Das ist der Grund, warum wir das Land Israel betreten und uns nach dem Exil und all den Vorbereitungen, die wir im Laufe der Geschichte erleben, dort niederlassen.

Heute müssen wir wie Kundschafter sein, die Bedeutung von „Kundschafter sein“ und die Bedeutung von „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ hinterfragen, um zu sehen, ob wir dies schaffen können oder nicht, und was wir tun müssen, um die Liebe zum Nächsten zu erreichen. Wenn wir unseren aktuellen Zustand mit dem Zustand vergleichen, den wir erreichen müssen, stellen wir fest, dass wir ihn nicht erreichen können.

Und das ist das Problem der Kundschafter. Ihnen wurde nicht gesagt, dass sie, außer zu prüfen und zu erkennen, dass sie es nicht schaffen können, nichts tun müssen. Doch sie wollen so sehr fühlen, dass der Zustand der Liebe zu anderen erreicht werden muss, weil dies der Wille des Schöpfers ist. Genau so sollte unsere gesamte Entwicklung verlaufen.

Wir müssen eines der zwei Dinge erkennen: Das erste ist, dass wir die Liebe zum Nächsten nicht erreichen können, ohne sie aber nicht leben können. Das zweite ist, dass wir sie deshalb trotzdem erlangen müssen.

Durch den Glauben über dem Verstand können den notwendigen Hilferuf an den Schöpfer richten und dadurch kommt das korrigierende Licht zu uns. So wie geschrieben steht: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; ich habe für ihn die Tora als Gewürz erschaffen“(4), weil „das Licht in ihr ihn korrigiert“(5). Das Licht, das in der Tora existiert, wird durch das richtige Studium der Weisheit der Kabbala, zu uns kommen und uns korrigieren. Deshalb gibt es keinen Grund, nach Ägypten zurückzukehren oder zu jammern, dass wir es nicht schaffen, denn „es steht euch nicht zu, die Arbeit zu vollenden, noch habt ihr die Wahl, von der Arbeit abzulassen.“(6) Wir sollen nur so handeln, wie geschrieben steht: „Alles, was deine Hand zu tun vorfindet, das tue mit deiner ganzen Kraft.“ (Prediger 9:10). Und sobald wir einen Punkt erreichen, an dem wir völlig verzweifelt sind, „wird der Herr für euch kämpfen“ (2. Mose 14,14).

Deshalb brauchen wir nicht in den Kampf zu ziehen und zu denken, dass wir ihn aus eigener Kraft gewinnen können. Wer sind wir denn schon? Vor uns steht das gewaltige, trennende Ego und hält uns auf, wie „jene Riesen, die im Land Israel leben“(7). In Wahrheit sind es unsere eigenen Verlangen, die uns dort gegenüberstehen, und wir können sie nicht besiegen.

Obwohl wir wissen, dass wir sie nicht überwinden können, müssen wir uns ihnen dennoch stellen. Und wir müssen uns zum Glauben erheben, zu der großen Kraft der Bitte, bis das Licht kommt und diese feindseligen Verlangen in Verlangen des Landes Israel korrigiert. Dies ist in der Tat ein Dilemma, auf das wir uns vorbereiten müssen, da es jedes Mal vor einer neuen Stufe auftritt. Der innere Kampf richtet sich gegen unsere Verlangen und Eigenschaften, denn „das Trachten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an“ (1. Mose 8,21). Wir alle werden mit einem Ego geboren, das im Verlauf unserer Entwicklung immer größer wird. Während unseres spirituellen Aufstiegs, vergrößert es sich noch mehr, so wie es geschrieben steht: „Wer sich größer als sein Freund sieht, dessen böser Trieb ist auch größer.“(8) Deshalb können wir das ständig wachsende Ego nicht bekämpfen.

Wenn wir uns jedoch in der richtigen Umgebung befinden und uns annullieren, indem wir die Menschen um uns als die Größten der Generation betrachten, beginnt sich die Wichtigkeit des Ziels von ihnen auf uns zu übertragen. Die Freunde geben uns das Gefühl, dass es möglich ist, eine Sehnsucht zu entwickeln um zu einem echten Gebet zu gelangen, zum „Tor der Tränen“.

Wir tun dies, obwohl wir wissen, dass wir diese innere Korrektur nicht selbst erreichen können und dass nur der Schöpfer sie in uns vollenden kann, wenn wir richtig bitten und uns das Ziel wichtiger ist als alles andere. Deshalb arbeiten wir in einer Gruppe, denn nur so können wir die Kraft aufbringen, auf dem richtigen Weg zu bleiben und voranzukommen.


Fragen und Antworten

Es braucht Zeit, bis man eine neue Umgebung annehmen kann.

Es sind zwar viele innere Kämpfe und Hindernisse zu überwinden, doch fühlt es sich nicht immer wie ein Kampf an. Das heißt, wir erleben unterschiedliche Zustände. Manche sind gut, manche nicht und manche lassen uns machtlos sein. Es kommt auf die Geschwindigkeit des Fortschritts und die Zeit an, die wir ihm widmen.

 

Was sind die Kundschafter? Wen täuschen sie?

Die Kundschafter befinden sich in unserem Inneren. Wenn wir wissen wollen, wie wir mit ihnen vorankommen können, müssen wir unseren Weg prüfen. Dann dürfen wir jedoch nicht mit den Kundschaftern gehen, uns für sie entscheiden oder auf sie hören, da wir den Weg ja nur mit unseren fünf egoistischen Sinnen prüfen können.

 

Mit anderen Worten, wir sollten unseren Gedanken und Gefühlen nicht trauen?

Natürlich nicht, wie kann man das, was man denkt und fühlt, für wahr halten? Nehmen wir an, wir sind auf einer bestimmten Stufe und müssen zu einer Höheren aufsteigen. Dieser Unterschied zwischen den Stufen bedeutet, dass wir ein völlig anderes Leben, einen anderen Verstand und ein anderes Herz erlangen werden. Wie sollen wir also ohne Hilfe von Stufe zu Stufe aufsteigen, wenn wir nicht einmal wissen, wie die nächste Stufe aussieht, weil sie sich auf einer anderen spirituellen Ebene befindet? Auf dieser Ebene sind Eigenschaften und Gedanken anders, die Wahrnehmung der Realität ist anders, und auch die Sicht auf die materielle Welt ist eine andere.

 

Wann verstehen wir, dass wir eine Stufe aufgestiegen sind?

Wir verstehen es erst, wenn wir dort angekommen sind. Die Frage ist, wie können wir sie erreichen? Die Verlangen und die Früchte im Land Israel sind sehr groß, alles ist erhaben. Von unserem Zustand aus, können wir aus eigener Kraft nicht aufsteigen, denn nur das Höhere Licht, welches das Ego erschaffen hat, kann den Zustand korrigieren.

Deshalb steht geschrieben: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; ich habe für ihn die Tora als Gewürz erschaffen“, weil „das Licht in ihr ihn korrigiert.“ Das heißt, nur durch das Licht werden wir korrigiert. Und sobald wir korrigiert sind, steigen wir auf eine Höhere Stufe auf.

 

Was bedeutet es, dass zehn der Kundschafter etwas behaupten und zwei davon etwas anderes sagen? Das ist sehr verwirrend.

Die Kundschafter sind unsere Eigenschaften. „Der Mensch ist eine kleine Welt.“(9) Alle Abschnitte in der Tora befassen sich mit der Entwicklung der Seele des Menschen. Dieser Abschnitt beschreibt die Kundschafter, von denen zehn auf die eine Art denken und zwei auf die entgegengesetzte. Dies ist jedoch eine gute Situation, wenn die Seele sich auf dem richtigen Weg befindet. Deshalb sind zehn dagegen und zwei dafür.

 

Woher wissen wir, auf welche wir hören sollten?

Das ist ein Problem. Wir sollen Fehler machen, denn es steht geschrieben: „Ein Mensch kann die Worte der Tora nicht verstehen, wenn er nicht an ihnen gescheitert ist“(10) und: „Denn kein Mensch auf Erden ist so gerecht, dass er nur Gutes tut und niemals sündigt“ (Prediger 7,20). Bei jedem Schritt sündigen wir, fallen in die Niedrigkeit zurück und erkennen unser eigenes Böse. Unser Mangel an Fortschritt, ist nur uns selbst verschuldet. Wir verstehen, dass wir selbst unser Leben „bitter“ machen, als würden wir uns sogar in die entgegengesetzte Richtung bewegen. Das ist ein Zeichen, dass wir richtig vorankommen. Von da aus können wir wieder weitergehen. Das heißt, wir müssen alles durchlaufen, das in der Tora beschrieben wird, all die Fehler, die Probleme und Hindernisse, die auf dem Weg liegen.

 

Können wir das vermeiden?

Wir können es nicht vermeiden. Wir müssen unseren Bösen Trieb gründlich untersuchen und jedes Mal, wenn wir nicht vorankommen, um Hilfe bitten. Wenn wir das „Bittere“ nicht schmecken, verlangen wir auch nicht nach dem Licht, das unser Böses korrigiert. Das Licht korrigiert es, und wir erhalten dadurch einen Teil unserer Seele. Das Böse wird zusammen mit dem Licht, das es korrigiert und den Mangel erfüllt, „Seele“ genannt. Dies ist die einzige Möglichkeit, eine „Seele“ zu bekommen. Davor besitzen wir keine.

 

Bedeutet das „ein Land, in dem Milch und Honig fließen“?

Ja. Erez (Land) bedeutet Razon (Verlangen), ein Verlangen, in dem „Milch und Honig fließen“. Das ist die Stufe von Bina, das Licht von Chassadim, das Verlangen zu geben gefüllt mit dem Licht von Chochma, was Erlangung, Annäherung an den Schöpfer bedeutet.

 

Warum erzählen die Kundschafter von den Völkern, die im Land leben?

Dies sind unsere Verlangen, die wir in den drei Linien korrigieren müssen. Wir müssen sie in den zwölf Stämmen korrigieren – Yud-Hej-Waw-Hej in drei Linien, damit es zu Yud-Hej-Waw-Hej mal drei wird.

 

Das auszukundschaftende Land wird „Land Kanaan“ genannt. Aber hat Moses sie nicht in das Land Israel geführt?

Bevor das Land „Land Israel“ genannt wird, ist es das „Land Kanaan„. Das „Land Kanaan“ war wiederum zuvor Ägypten und dann die Wüste. Hier handelt es sich immer um das gleiche Verlangen – es gibt nur dieses eine – aber immer auf einer anderen Stufe. Es wird je nach seiner Verdorbenheit oder Korrektur anders genannt.

 

Ist “Kanaan“ ein Verlangen, das geprüft wird, bevor es zu  Israel wird?

Bevor man ein Verlangen richtig überwindet, korrigiert, wird es immer „Land Kanaan“ genannt.

 

Was sind die großen Früchte?

„Früchte“ erhält ein Mensch als Belohnung für seine Arbeit. Die Frucht ist der Geschmack der Absicht einer Handlung um des Gebens willen. Sie wird im Willen zu empfangen gefühlt. Das sind wirklich riesige Früchte, 620 Mal größer als der Genuss, den man im unkorrigierten Verlangen erhalten hat. Wir schmecken den Genuss, die Freude, weil wir vorankommen und beginnen zu verstehen, was es bedeutet zu geben. Dies ist die Empfindung des Schöpfers im korrigierten Verlangen.

 

Die Kinder Israels sind noch im Willen zu empfangen, und doch wird ihnen von Früchten erzählt, die im Verlangen zu geben existieren. Wie können sie verstehen, was sie sind und wie gut sie schmecken?

Wenn ein Mensch vor der nächsten Stufe steht, die er aufsteigen soll, ist es möglich, diese Stufe „aus der Ferne“ zu sehen, ähnlich wie Moses, der das Land Israel vom Berg Nebo aus sah.

 

Was bedeutet es, dass uns das Gute, das wir schmecken, wieder genommen wird, damit wir die nächste Stufe erreichen wollen?

Ein Mensch kann diese Früchte zwar nehmen, sie „auf dem Rücken tragen“ und „besitzen“, aber nicht „schmecken“. Er hat noch kein Kli (Gefäß), welches er mit all der Fülle, Errungenschaft und Freude füllen kann, die sich in einer korrigierten Seele im Verlangen zu empfangen mit der Absicht zu geben befinden.

 

Das klingt wie ein großes Versprechen. Warum sollte jemand davor weglaufen wollen?

Das bedarf großer, schwieriger Korrekturen, die unüberwindbar wirken. Die Belohnung dafür ist groß, aber sie erfordert einen Kampf gegen riesige Verlangen, gegen all jene Völker, die im Land Israel wohnen. Doch hier handelt es sich nicht um einen Kampf, den man alleine führt, vielmehr führt ihn das Licht. Es ist schwer zu verstehen, dass nicht wir das Verlangen korrigieren. Die Kinder Israels wollen eigenständig vorankommen, was sich als Fehler erweist. Nach Ägypten zurückkehren ist ebenfalls ein Fehler, genauso wie alleine, ohne die Hilfe des Lichts, in das Land Israel zu ziehen.

 

Was sollen wir dann machen?

Aufschreien und die Höhere Kraft um Hilfe bitten.

 

Woher nimmt man die Kraft, zu ertragen, dass man nicht kämpfen und auch nicht weglaufen kann? Ist es die Gruppe, die uns diese Kraft gibt?

Ja, die Kraft der Arwut (gegenseitige Bürgschaft). Der Schöpfer zerbrach die „eine Seele“, die er erschuf, in unzählige Teile. Außerdem hat der Schöpfer nichts erschaffen. Er tat es, damit wir uns, als eigene, unabhängige Teile mit dem Rest der Teile verbinden (sie durch Korrektur erwerben) wollen, um so dem Schöpfer ähnlich zu werden. Jeder von uns wird diese „eine Seele“ erlangen. Jeder wird die Stufe des Schöpfers erlangen und in Dwekut (Anhaftung) mit Ihm sein. Die ganze Arbeit besteht darin, immer mehr Teile dieser Seele – welche nicht Teil unserer eigenen Seele zu sein scheinen –  zu erwerben und somit zu verbinden. Das Mittel dazu ist die Gruppe, wie geschrieben steht: „Entweder die Liebe zum Freund oder der Tod.“(11) Wenn wir uns mit Menschen verbinden, die das gleiche Ziel haben, bilden wir eine Einheit. Diese Einheit vergrößert die Wichtigkeit des Ziels, bis wir bereit sind, darum um Hilfe zu bitten. Dann erhalten wir das Licht und die Korrektur.

 

Der Schöpfer wollte das Volk Israel vernichten und Moses betete für sie. Was ist damit gemeint?

Das ist ein innerer Kampf. Moses ist der Punkt, der uns vorwärts zieht, der Punkt von Bina. Er ist der „treue Hirte“. Wir kommen nur im Glauben voran, mit der Kraft des Gebens. Der Begriff „Glaube“ bezieht sich nicht auf blindes Vertrauen, in dem wir tun, was uns gesagt wird ohne nachzudenken. Vielmehr ist „Glaube“ die Eigenschaft des Gebens. Wenn man bereit ist, jedem zu geben, wie geschrieben steht: „Was dir selbst verhasst ist, das tue auch deinem Freund nicht an“(12) und „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Das bedeutet, alles zu geben, was wir haben. Das ist das Ziel, welches wir erreichen müssen. Moses ist der Punkt in jedem von uns, das „spirituelle Gen“, das uns zu dieser Eigenschaft hinzieht. Es entwickelt sich stufenweise in uns und durch Moses erreichen wir das Land Israel.

 

Warum starben die zehn Kundschafter?

Es geht hier nicht um Leben und Tod im physischen Sinne. Ihr Tod bedeutet, dass ihre Aufgabe beendet ist, weil ein Vorankommen in der Form, die sie darstellen, nicht möglich ist. Alles sind Eigenschaften in uns. Mit den Eigenschaften, die Josua und Kaleb darstellen, können wir voranzukommen, aber nicht mit den anderen Eigenschaften. Josua und Kaleb sind zwei Linien oder Eigenschaften.

Im Sohar für alle, Shlach Lecha (entsende), Artikel 67 steht geschrieben:

Die Kundschafter rebellieren nicht gegen den Schöpfer. Es ist uns nicht gestattet, gegen die Tora zu rebellieren, denn die Tora verlangt keinen Reichtum oder Gefäße aus Silber und Gold. Und du, fürchte dich nicht vor den Menschen des Landes, denn wenn ein zerbrochener Körper sich mit der Tora beschäftigt, wird er Heilung für alles finden.

Denn es steht geschrieben: „Und Gesundheit für ihr ganzes Fleisch.“ Alle, die einen Menschen verleumden, verwandeln sich in seine Helfer und verkünden: „Macht Platz für diesen und jenen, den Diener des Königs!“ Mit anderen Worten: Niemand soll ihn daran hindern, zum König zu kommen, um ihm zu dienen.

Es ist unmöglich die nächsten Stufe, das Land Israel, zu erreichen, wenn man sie nicht als eine große, erhabene Stufe, die Stufe von Bina sieht. Wenn wir die Stufe des Landes Israel betreten und sie in Besitz nehmen, wird sie zu Keter (Krone), was die Welt von Ejn Sof (Unendlichkeit) bedeutet.

Wenn wir sehen, welche Früchte dort wachsen und wie unfähig wir sind, sie zu erreichen, betreten wir die Wüste. Wir können die Wüste nicht umgehen. Vierzig Jahre ist die Entfernung zwischen Malchut und Bina, die Entfernung des Aufstiegs zu dieser Stufe.

Nach vierzig Jahren sind wir bereit, die Eigenschaft des Gebens zu erlangen und können beginnen, das Ego in der Absicht empfangen um zu geben, zu verwenden, es zu korrigieren, gemäß der Stufe des Landes Israel. Nach der Wüste betreten wir das Land Israel, wo Kämpfe um die Inbesitznahme des Landes stattfinden.

Dort verwandeln wir das Verlangen zu empfangen in das Verlangen um zu geben. In den ganzen vierzig Jahren der Wüste haben wir nur die Absicht zu geben, um zu geben erlangt. Das heißt, wir haben uns nur so weit korrigiert, dass wir anderen keinen Schaden zufügen. Aber sobald wir das Land Israel betreten, können wir anderen Gutes tun, was „Empfangen, um zu geben“ ist.

 

Warum hat der Schöpfer die Menschen nicht selbst gewinnen lassen? Immerhin erweckte Er in ihnen ein gewisses Verlangen und dann hinderte Er sie scheinbar daran es zu nutzen?

Der Schöpfer hält niemanden davon ab das Verlangen zu nutzen. Er zeigt nur, wie unvorbereitet die Menschen noch sind, um das Land Israel zu betreten. Wenn sie jedoch erkennen, dass sie unvorbereitet sind, verstehen sie, welche Kelim(Gefäße) sie erwerben müssen, um voranzukommen. Dies sind die vierzig Jahre in der Wüste, die großen Korrekturen, denen wir uns stellen müssen, und die wir nicht vermeiden können.

 

(1) Jerusalemer Talmud, Seder Nashim, Masechet Nedarim, Kapitel 9, S. 30b.

(2) Babylonischer Talmud, Masechet Baba Batra, 131a; Masechet Sanhedrin, 6b.

(3) Jerusalemer Talmud, Seder Nashim, Masechet Nedarim, Kapitel 9, S. 30b.

(4) Babylonischer Talmud, Masechet Kidushin, 30b.

(5) Midrasch Rabah, Eicha, Einleitung, Absatz 2.

(6) Mischna, Seder Nezikin, Masechet Avot (auch bekannt als Pirkey Avot), Kapitel 2, Mischna 16.

[7] Deuteronomium 1:28. 8) Babylonischer Talmud, Masechet Sukkah, 52a.

(9) Midrasch Tanchuma, Pekudei, Punkt 3.

(10) Babylonischer Talmud, Masechet Gitin, 43a.

 (11) Babylonischer Talmud, Masechet Taanit, 23a.

 (12) Masechet Shabbat, 31a.


Glossar Shlach Lecha (entsende)

Land Kanaan

Wir sind in Verlangen versunken. Alles, was wir haben, ist ein Verlangen. Dieses müssen wir nutzen, nicht um anderen zu schaden, sondern um anderen Gutes zu tun. Das „Land Kanaan“ ist dieses noch unkorrigierte Verlangen, welches aber bereit ist, korrigiert zu werden.

 

Vierzig Tage

„Vierzig Tage“ ist das Verlangen von Bina. Der Abstand zwischen Malchut und Bina ist “vierzig“. Es ist der Abstand zwischen dem Ego und Bina, der Stufe des Gebens.

 

Wo Milch und Honig fließen

„Milch und Honig“ stehen für die Fülle, die wir durch das korrigierte Verlangen erhalten.

 

Amalek

„Amalek“ ist die Wurzel allen Übels, es ist die Absicht zu empfangen, um zu empfangen, unsere Natur.

 

Josua Ben Nun

Nun“ ist der hebräische Zahlenwert fünfzig. Es ist die fünfzigste Stufe, fünfzig Tore von Bina. „Josua“ ist wie Moses, eine ziehende Kraft. Moses vollendete die vierzigste Stufe, und beim Eintritt in das Land Israel stirbt er. Josua wird sein Nachfolger. Er rettet die Kinder Israels und bringt sie zur fünfzigsten Stufe, zu den Toren von Bina.

 

Kundschafter, Eigenschaft des Kundschafters

Die Eigenschaft des Kundschafters ist unser egoistisches Verlangen zu empfangen, welches ständig versucht, alles für sich selbst zu nehmen, anstatt zu geben und sich über das Empfangen zu erheben.

 

Generation der Wüste

Die „Generation der Wüste“ sind unsere eigenen Verlangen, die alle mit ihrer Absicht zu empfangen sterben müssen. Die Absicht zu empfangen muss sterben, nur die Wünsche mit der Absicht zu geben, betreten das Land Israel. Das ist der Grund, warum die ganze „Generation der Wüste“ in der Wüste sterben musste.

 

Plagen

„Plagen“ sind die größten und wichtigsten Korrekturen, die über uns kommen. Plötzlich korrigieren wir viele Verlangen und Eigenschaften auf einmal, die uns dem Ziel näherbringen. Dadurch fühlen wir uns dem Schöpfer näher. So erreichen wir allmählich Israel.

 

In Besitz nehmen

Das „in Besitz nehmen“ des Landes folgt in der Erzählung im Anschluss an diesen Abschnitt, als die Kundschafter auszogen, um zu erkunden. Das Wort Erez (Land) kommt von dem Wort Razon (Verlangen). Wir nehmen den egoistischen Willen zu empfangen, den wir in der Wüste in Richtung Geben korrigiert haben. Dieses Verlangen wurde nun zu einer Gabe. Das bedeutet, dass man jetzt von anderen nur empfängt, um ihnen damit Genuss zu bereiten. Auf diese Weise freuen sich die anderen und auch der gebende Mensch selbst. Alle genießen dabei, einander zu geben. Diese Beziehung bedeutet, mit dem Schöpfer in Dwekut, in Anhaftung an Ihn, in der Welt von Ejn Sof (Unendlichkeit) zu sein. Doch selbst wenn es die Welt Ein Sof ist, müssen wir den Schöpfer hier in dieser Welt versuchen zu offenbaren.

 

Trauben, Rebe

„Wein und Rebe“ sind die Stufen von Chochma. Es ist das gleiche Licht, die Enthüllung und die Empfindung des Schöpfers, das sich in das Licht des Gebens, das Licht Chassadim, einkleidet.

Im Sohar, in Fliegende Buchstaben, steht geschrieben:

Wenn die Buchstaben fliegen, sieht der Mensch eine Schrift in der Luft, die aus großen Buchstaben besteht, welche Bina sind, fürs Erste. Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.“ Diese Worte sind aus Bina, aus großen Buchstaben. Danach schlugen sie kleine Buchstaben, Malchut stieg auf und schlug Bina, was sie verkleinerte. Dies ist das Yud, das in das Licht eintrat und Awir (Luft) schuf. Sie fliegen, und der Vers:Und Gott sprach: ‚Es werde Licht‘, und es ward Licht. Und Gott sah das Licht, das gut war“, erscheint von ihnen.

Im Sohar für alle, Shlach Lecha (entsende), Artikel 153 :

Danach schlagen die kleinen Buchstaben noch einmal auf die großen Buchstaben, was bedeutet, dass Malchut noch einmal zu Bina aufsteigt und sie verkleinert. Dann erscheinen in ihnen die Worte: Und Gott sprach: ‚Es werde ein Firmament‘ “, sowie das gesamte Werk der Schöpfung. Die Werke dieser Buchstaben sind große Wunder und Freude für die Armen. Glücklich sind die Menschen, die das alles erwarten.

Fazit

Der Mensch muss sich anstrengen, nur dann erreicht er das Land Israel. Dies ist das Ziel der Schöpfung und es ist wirklich wie ein Land, in dem „Milch und Honig fließen“.

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar