Parasha „WaJera“: Tora Abschnitt „und Er erschien“

24. Oktober – 30. Oktober 2021 /18. – 24. Cheschwan, 5782

1. Buch Mose,  Genesis 18:1 – 22:24

Zusammenfassung

Der Abschnitt WaJera (und Er erschien) beginnt mit der Geschichte der drei Engel, die zu Abraham kommen und Sarah sagen, dass sie einen Sohn bekommen wird. Sarah lacht darüber, weil sie nicht glauben kann, dass sie in ihrem Alter noch einen Sohn empfangen könnte. Dennoch bekommt sie einen Sohn, namens Jizchak (Isaak), nach dem hebräischen Wort Zchok , was Lachen bedeutet.

Die Engel setzen ihren Weg fort, um die Städte Sodom und Gomorra, in denen viel gesündigt wird, zu zerstören. Lot und seine Familie können entkommen, doch Lots Frau gehorcht den Befehlen der Engel, sich nicht umzudrehen, nicht und erstarrt zur Salzsäule. Lot und seine beiden Töchter schafften es bis zu einer Höhle. Nach diesem Ereignis sind sich Lots Töchter sicher, dass sie die einzigen Überlebenden auf der Welt sind, und so überreden sie ihren Vater, Nachkommen mit ihnen zu zeugen.

Später im Abschnitt vertreibt Abraham auf Sarahs Bitte hin Hagar und Ismael in die Wüste. Der Schöpfer befiehlt Abraham, seinen Sohn Isaak zu opfern, und erst im letzten Augenblick verhindert ein Engel die Hinrichtung. Abraham nimmt einen Widder, den er im Dickicht gefunden hat, und opfert ihn anstelle seines Sohnes.

Kommentar von Rav Michael Laitman

In „Einführung in das Buch Sohar“ beschreibt BAAL HASULAM, was die Wahrnehmung der Realität bedeutet. In der Erklärung erläutert er, wie der Mensch die Realität, in der er lebt, wahrnimmt und wie der Ort, an dem er sich befindet, im Menschen als ein Bild von Emotionen dargestellt wird, die er als fest, gasförmig, flüssig usw. wahrnimmt.

Der Sohar und die Weisheit der Kabbala erklären, dass ein Mensch aufgrund der Art und Weise, wie er die Realität mit seinen Eigenschaften und Sinnen wahrnimmt, auf etwas, das sich scheinbar außerhalb von ihm befindet, reagiert. Allerdings muss sich der Mensch, um sich zu einer höheren Wahrnehmung der Realität, die über seinen angeborenen Sinnen liegt, zu erheben, einen neuen Sinn für die Höheren Welten aneignen. Nur auf diese Weise kann er diese enthüllen.

Das Buch Sohar ist in der „Sprache der Zweige“ geschrieben. Das bedeutet, es werden Begriffe dieser Welt verwendet, deren spirituellen Wurzeln beschreiben, wie ein Mensch eine neue, höhere Form der Welt, erlangen und sich von ihr beeinflussen lassen kann. Manchmal erscheinen Beschreibungen wie z.B. eine Salzsäule, die Zerstörung von Sodom und Gomorra oder die Geschichte von den drei Engeln real, da „ein Vers das Wörtliche nicht erweitert “ (Masechet Jebamot, 24a). Man sollte sich aber bemühen, diese Geschehnisse als Beziehungen zwischen den einzelnen Teilen der einen, gemeinsamen Seele zu sehen.

Die Ereignisse in diesem Abschnitt sind nicht nur Erzählungen. Es sind Quellen für das Erreichen der Verbindungen zwischen den Menschen. Sie zeigen demjenigen, der zu einer neuen Wahrnehmung der Realität aufsteigen möchte, wie er seine Verlangen, Eigenschaften, Kräfte und die Verbindungen mit anderen überprüfen kann, um daraus die wirkliche Wahrnehmung der Realität zu entwickeln. 

Mit Hilfe jedes einzelnen Tora Abschnitts kann der Mensch aufsteigen, bis er zum Eingang des Landes Israel kommt, wo er in Dwekut (Anhaftung) an die höhere Kraft ist und all seine Verlangen darauf ausgerichtet sind, zu geben. In diesem Zustand kann er mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Die Tora beinhaltet das korrigierende Licht, wodurch der Mensch vom “Empfang der Tora“ bis zum “Einzug in das Land Israel“ vorankommt. Dort kann er mit der gesamten Schöpfung, mit all seinen Verlangen, auf richtige Art und Weise handeln. Das Wort Erez (Land) kommt vom Wort Razon (Verlangen), und das Wort Ysrael (Israel) von den Worten Yashar El (direkt zu Gott). [An diesem Punkt, Erez Ysrael (Land Israel) ist der Mensch im Verlangen direkt zu Gott.]

Die im Abschnitt beschriebenen “drei Engel“ sind drei Kräfte, auch “Linien“ genannt, die im Menschen existieren: rechts, links und in der Mitte. Durch sie kommt er voran. Abraham steht für die rechte Linie. Auch er hat auf der rechten Seite eine Klipa (Schale), welche Hagar oder Ismael genannt wird, und auf der linken Seite die Klipa, namens Isaak oder Esau. Mit diesen beiden Kräften erreicht der Mensch am Ende des Korrekturprozesses die mittlere Linie, die Jakob symbolisiert.

Der Mensch sortiert all seine spirituellen Kräfte nach Eigenschaften. Es gibt jene, die auf das Geben, und jene, die auf das Empfangen ausgerichtet sind. Dazwischen, In der Mitte, ist die harmonische Verbindung dieser Kräfte. Die Mittlere Linie ist die Kraft Chessed (Barmherzigkeit), rechts, ist die Kraft Abraham, und links die Kraft von Gwura, ist Isaak. Zusätzlich sind die Kräfte des Engel Michael auf der rechten und jene vom Engel Gabriel auf der linken Seite.

Ein Mensch muss die “Grobheit“ seiner Verlangen prüfen, und entscheiden, mit welchen er handeln kann, um zu geben. Zwar ist jede Mizwa (Gebot) auf dem Weg auf „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ausgerichtet, dennoch muss der Mensch all seine Verlangen danach analysieren, ob er mit ihnen die Liebe zu anderen, also das Geben, erreichen kann. Kann er es nicht, darf er sie nicht benutzen, bis er den nächsten, dafür geeigneten Zustand erreicht hat.

[…] Der Mann symbolisiert dabei die Kraft des Gebens, während die Frau die Kraft des Empfangens darstellt. Da es für Abraham in diesem Tora Abschnitt nicht möglich ist, mit den Verlangen, welche Lot genannt werden, zu handeln, erstarrt Lots Frau nach dessen Prüfung zu einer Salzsäule. (Salz dient in der physischen Welt dazu, Essen zu würzen. Ohne Salz wäre Essen geschmacklos. Salz, das im Wesentlichen ein Mineral ist, wird aus dem Boden gewonnen und ist völlig leblos, gehört also der unbelebten Stufe an.)

Auf diese Weise prüft der Mensch immer mehr Stufen seiner Verlangen. Beim “Binden“ von Isaak z.B. wird geprüft, wie man die linke Linie durch festbinden daran hindert, ihre Kräfte voll auszuschöpfen. Abraham, die Kraft der rechten Linie, hält jene der linke Linie fest und sperrt sie ein, um zu verhindern, dass sie benutzt wird. Er tut dies, indem er seinen eigenen Teil der tierischen Stufe “abschneidet“, aber jenen der sprechenden, also der höheren Stufe, belässt. Der Rest kann er, wie in der Erzählung beschrieben, als Opfergabe darbringen.

Eine andere Form der Prüfung besteht in der Vertreibung jenes Teiles der rechten Linie, welcher sich nicht mit der linken Linie verbinden kann. Dies wird durch die Vertreibung von Hagar und Ismael dargestellt. Durch ernsthafte, innere Arbeit prüft der Mensch, mit welchen Kräften der Seele es möglich ist, zu handeln und so von Abschnitt zu Abschnitt, von Stufe zu Stufe voranzukommen.

Was die heutige Zeit betrifft, so ähnelt sie dem Zustand „lass meins meins sein und lass deins deins sein“ von Sodom und Gomorrah. In den westlichen Staaten gibt es Demokratie und die Freiheit des Einzelnen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Es ist sicher, dass die Menschen so niemals eine Verbindung erreichen werden, in der “ich mich um dich sorge und du dich um mich sorgst”. In der heutigen Welt gibt keine emotionale Verpflichtung, deshalb auch keine Hilfe und demzufolge auch keine Verbindung. Es ist genau wie in Sodom und Gomorra.

Wie bereits erwähnt, ist die einzige Möglichkeit für einen Mensch auf dem Weg der Korrektur der Seele voranzukommen, jene, seine Beziehungen zu anderen Menschen zu ändern. Die Beziehungen müssen auf Verbundenheit ausgerichtet sein. „Lass meins meins sein, lass deins deins sein“ ist die Regel der Sodomiten. Auf den ersten Blick scheint dies eine ehrbare Haltung zu sein. Doch wenn man sich nicht in die “Angelegenheiten des Nachbarn“ einmischt, widerspricht diese dem Ziel der Schöpfung.  Dieses besteht darin, „wie ein Mensch mit einem Herzen“ (RASCHI, Exodus, 19b) zu sein, sich also mit dem einen, einzigen System zu verbinden. Deshalb präsentiert die Natur der Menschheit heute ein integrales, kreisförmiges System, in dem alle unweigerlich miteinander verbunden sind. Dies entspricht dem absoluten Gegenteil der Regel der Sodomiten.

Der Abschnitt WaJera lehrt, was aus dem Zustand in Sodom und Gomorra gewonnen werden kann, selbst wenn Lots Frau, ihre beiden Töchter und Lot selbst sich dem Menschen in den Weg stellen. Es spielt keine Rolle, dass ein Mensch diese Verlangen, welche die Sünden, die in der Höhle stattfinden, darstellen immer wieder korrigieren muss. Wichtig ist, wie zu Beginn dieses Tora Abschnitts beschrieben wird, dass er, um sich zu korrigieren, die Regel „lass meins meins sein und lass deins deins sein“ ablegt.

Heute befindet sich die Welt genau in der gleichen Situation. Die Dysfunktionalität der sodomitische Regel „lass meins meins sein und lass deins deins sein“ zeigt sich heute sowohl im Niedergang des Kommunismus, als auch im ausufernden Kapitalismus. Deshalb muss sich jeder einzelne Mensch dazu entschließen, die bisherigen Beziehungen zwischen sich und anderen Menschen, welche auf Geben und Nehmen in egoistischer Weise beruhen, zu beenden. Stattdessen muss ein System aufgebaut werden, das dem integralen System ähnelt, welches man derzeit weltweit beobachten kann. Ein System, in dem jeder von jedem abhängig ist. Eine Abhängigkeit, wie in einer Familie, in der es keine monetären, sondern nur emotionale Berechnungen gibt. Sodass sich die Menschen einander annähern und „wie ein Mensch mit einem Herzen“ werden können.

In diesem Prozess, muss der Mensch Sodom verlassen, jedoch ohne es auszulöschen. Vielmehr muss er es ins Gegenteil kehren und aus seinen bisherigen Erkenntnissen neu aufbauen, denn diese Welt wurde nicht umsonst erschaffen. Selbst das, was als das Schlimmste erscheint, kann sich in etwas Gutes verwandeln, je nachdem, mit welcher Absicht es genutzt wird. Betrachtet man z. B. eine giftige Schlange. Sie ist das Symbol der Medizin, denn, viele Gifte werden verwendet, um Medikamente herzustellen. 

Im Buch Sohar steht geschrieben, dass wenn die Liebe die Seele gebären will, die Schlange kommt und sie beißt, und erst dann kann sie gebären. Es ist unmöglich, irgendetwas zu gebären, sei es eine neue Stufe oder eine neue Seele, ohne den “Biss der Schlange“.

Die Welt befindet sich heute in einer besonderen Situation, an einem Wendepunkt. Es ist vergleichbar mit der Drehung eines Babys vor der Geburt, von einer Position, in der der Kopf nach oben zeigt, zu einer Position, in der Kopf nach unten zeigt. So kommt der Mensch von der einen Welt in die andere. Diese Umkehr symbolisiert seine Einstellung gegenüber der Welt. Alles wird auf den Kopf gestellt.

Genau diese Umkehr muss die Menschheit in ihren Beziehungen zueinander durchlaufen. Sie muss Sodom und Gomorra, „lass meins meins sein, lass deins deins sein“ ins Gegenteil umkehren. Wenn ein Mensch das erkennt und versucht es zu verstehen, kann er diese Aufgabe mühelos bewältigen. Andernfalls erlebt er sie als Bedrängnis durch die Kräfte der Natur von außen.

Diese Haltung wird „Barmherzigkeit verlangen“ genannt. Dies ist aber noch keine Handlung der Liebe.[…] Aber zumindest diese Haltung muss die Menschheit erlangen. Die Menschheit wird deshalb zuerst durch Zwang den Weg der Korrektur beginnen. Sie spürt dies heute durch die weltweiten Krisen und Probleme. Dieser Zustand wird “die Tage des Messias“ genannt. In dieser Zeit wird eine neue Welt geboren.

Fragen und Antworten

Der Zustand von Sodom und Gomorra im Sinne von „lass meins meins sein und lass deins deins sein“ scheint besser zu sein als die heutige Situation der Welt . Zumindest bestehlen sich die Menschen dort nicht. Ist es heute wirklich schlimmer als in Sodom und Gomorra?

Die heutige Situation ist viel schlimmer. Die westliche Ideologie besagt genau das „lass meins meins sein, lass deins deins sein“. Man soll sich nicht in die Angelegenheiten anderer einmischen, denn die Privatsphäre und Individualität des Einzelnen wird als so wichtig angesehen, was zur heutigen wahrhaft widrigen Situation geführt hat. Die Menschheit muss dies überwinden und weitergehen. Das Fortschreiten auf dem Weg zu einer neuen Welt kann nicht aufgehalten werden, denn es ist von der Natur so vorgesehen.

Muss man die Verlangen andere fühlen, um in die neue Welt aufzusteigen?

Das ist der eigentliche Grund, warum der Mensch durch die Wüste gegangen ist. Die gesamten vierzig Jahre in der Wüste sind Phasen, in denen er sich über sein Ego erheben muss und versuchen soll, nicht schlecht gegenüber anderen zu sein. Dies manifestiert sich in all den Sünden, welche die Kinder Israels in der Wüste begehen. Jede Sünde hat ihre eigene Korrektur, immer wieder aufs Neue und ohne Unterlass.

Der ganze beschriebene Prozess ist die Enthüllung der groben und verdorbenen Verlangen, über die sich die Kinder Israels erheben müssen. Denn „was dir selbst verhasst ist, das tue deinem Nächsten nicht an“. Damit kann der Mensch beginnen. So muss ein Mensch mit dem Rest der Welt umgehen. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe, denn er muss sich über seine Verlangen, über seine Natur erheben.

Warum befiehlt der Schöpfer Abraham, seinen Sohn zu töten?

Das “Töten“ bezieht sich auf das “Töten“ der eigenen Einstellung gegenüber dem Leben, welche darin besteht, die Welt “zu genießen“. Sie “zu genießen“ bedeutet, es zu genießen, die ganze Welt auszubeuten.

Sohar für Alle, WaJera (und Er erschien), Artikel 490

Und Gott prüfte Abraham

Es hätte sicherlich Abraham heißen müssen, denn er musste in Din eingeschlossen werden, weil es vorher kein Din in Abraham gab. Er war ganz Chessed. Doch nun vermischte sich Wasser mit Feuer, Chessed mit Din. Bis anhin war Abraham unvollständig. Er wurde gekrönt, um das Urteil zu fällen und Din an seiner Stelle zu korrigieren, da die Erleuchtung von Chochma nur in der linken Linie vorhanden ist. Bevor Abraham in die linke Linie Isaaks eingeschlossen wurde, war er also unvollständig, d.h. ihm fehlte die Erleuchtung durch Chochma. Und durch das “Binden“ wurde Isaak verbunden und  so mit der Erleuchtung von Chochma gekrönt und damit vervollständigt. Deshalb steht geschrieben, dass er [Abraham] durch das “Anbinden“ um das Urteil zu fällen, gekrönt wurde. So wurde Din korrigiert, d.h. das Linke wurde an seinem Platz erleuchtet, indem es an Abrahams Platz, in Chessed, eingeschlossen wurde.“

Hier scheint es aus Sicht der Schöpfung, in Bezug zur Höheren Kraft, dem Schöpfer, ein Problem zu geben. Denn, einerseits musste die Höhere Kraft etwas außerhalb von sich selbst erschaffen, eine Niwra (Kreatur), vom Wort bar, außerhalb der eigenen Stufe. Andererseits musste Sie, um dem Geschöpf Gutes zu tun, es auf eine Stufe erheben, auf der das Geschöpf in jeder Hinsicht genau wie die Höhere Kraft selbst ist. Wie können diese zwei Gegensätze, in einer Person verschmelzen, wenn sie einerseits der Höheren Kraft des Gebens ähnlich sein soll, Ihr andererseits aber völlig entgegengesetzt ist?

Dazu ist es notwendig im Menschen alle Verlangen zu erwecken, deren Natur jener der Höheren Kraft entgegengesetzt sind. Diese 613 Verlangen des Menschen werden schlussendlich durch die 613 Lichter der Tora, welche „613 Wege der Tora“ genannt werden, aufgebaut und schlussendlich  korrigiert. Wenn ein Mensch beginnt, mit diesen Verlangen zu arbeiten, zu empfangen, weil er der Höheren Kraft geben möchte, dann korrigiert er sie hin zum Empfangen um zu geben. Das wird wahres Geben genannt.

Sobald der Mensch sich über sein Verlangen erhebt, welches er nicht benutzen will, muss er es einer umfassenden Korrektur unterziehen. Dies wird in der Erzählung zu Beginn durch Abrahams Korrektur in Bezug auf Isaak beschrieben. Die Prüfung, wie viel der Mensch empfangen kann, erfolgt durch die Mittlere Linie. Mit anderen Worten, während er Stufen um Stufe (der Leiter) aufsteigt, prüft er ständig, wie er seinen Willen zu Empfangen einsetzen kann, um so viel wie möglich zu geben.

Dabei weiß der Mensch, dass er ein Verlangen hat, das „Lots Frau“ genannt wird. Dieses muss er „zurückstellen“. Hier symbolisiert Salz etwas, das nicht schlecht wird und man noch nach langer Zeit verwenden kann. Genauso kann der Mensch auch alle Unterscheidungen in sich, all seine Verlangen, nach längerem Zurückstellen wieder verwenden.

Zu diesem Zeitpunkt schließt ein Mensch einen Bund mit der Höheren Kraft, welcher die “Beschneidung, die Entblößung und den Blutstropfen“ symbolisieren. Er nutzt das gröbste, größte Verlangen seiner Seele (die Vorhaut) nicht, sondern hebt sie für das Ende der Korrektur auf. Dann hat er die nötige Kraft, sie, um anderen Gutes zu tun, richtig zu nutzen. Würde er sie jetzt benutzen, würde er anderen nur schaden. Deshalb macht er vorher alle Korrekturen, die „Lots Frau“ genannt werden.

Eine “Frau“ meint den Wille zum Empfangen, das Ego eines Menschen. Dieser Mensch ist auf jene Verlangen zu geben ausgerichtet, welche mit dem Willen zu empfangen verbunden werden können. Dies symbolisiert „Lot und seine Frau“. Lot ist das Verlangen zu geben. Der Wille zu Empfangen, seine Frau, kann jedoch nicht mit ihm zusammenarbeiten, weshalb der Mensch sie vorübergehend „erstarren lassen“ muss, und das Verlangen zu geben „reitet über sie hinweg“ bis zur nächsten Stufe, auf der es wieder erwacht.


Lexikon Parasha WaJera

Engel: Ein Engel ist eine Kraft der Natur, wie z.B. die Schwerkraft oder der Elektromagnetismus. Ein Engel ist eine Kraft der menschlichen Seele. Zu den Kräften der Seele gehören auch die rechte, die linke und die Mittlere Kraft, oder die Kräfte mit den Namen Gabriel, Michael, Uriel, Raphael und so weiter.

Lachen: Das “Lachen” ist die Verbindung zu einer Höheren Stufe, zu der ein Mensch mit seinem Wissen und Verstand noch keinen Zugang hat. Ein Mensch lacht, wenn er im Augenblick keine Zeit hat, Dinge zu hinterfragen, die er nicht versteht.

Sodom und Gomorra: Dies sind Verlangen, die eine Einstellung gegenüber anderen ausdrücken, die „lass meins meins sein und lass deins deins sein“ genannt wird. Diese Einstellung ist nicht verbindend, daher kann ein Mensch, wenn er die nächste Stufe erreicht, zu Beginn der Verbindung mit anderen, nicht mit ihnen arbeiten. Er muss diese Orte verlassen, sich aber verpflichten, die Verlangen von dort, welche zu ihm gehören, mitzunehmen. Dies Verlangen werden in der Erzählung “Lot” genannt. Auf der nächsten Stufe kommt das Höhere Licht und beginnt, sich um die Seele des Menschen zu kümmern, und korrigiert diese Verlangen, sodass der Mensch sie später für weitere Stufen nutzen kann.

nicht zurückschauen: Es scheint einfach zu sein, nicht zurückzuschauen. Die Vergangenheit soll ruhen, was geschah, sollte geschehen, denn „es gibt niemanden außer Ihm“ (Deuteronomium, 4:35), „Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte“ (Jesaja, 44:6). Der vorangegangene Augenblick lag nicht in der Hand des Menschen. Es musste so geschehen, wie es geschah. Der Mensch darf nichts bedauern, denn alles kommt von der Höheren Kraft. Er darf nicht zurückschauen, nur nach vorne.

Salzsäule: Sie steht für ein Verlangen, das ein Mensch noch immer nicht benutzen kann. Ein Verlangen, das er zurückgestellt hat, bis es an der Reihe ist. Dazu gehören auch all die Verlangen, die ein Mensch “abschneidet“ und wegwirft wie Ismael, Esau, Sodom und Gomorra, und so weiter. Jedes vorkommende Ereignis, bei dem z.B. Könige oder Völker getötet werden, spricht im spirituellen von Korrekturen dieser Verlangen des Menschen. All diese Verlangen erwachen um nach einiger Zeit, vor allem gegen Ende der Korrektur, richtig genutzt zu werden.

Vertreibung: Dies meint ein Verlangen, das im Moment nicht benutzt wird. Indem es nicht benutzt wird, wird es vertrieben.

binden: Das bedeutet, ein Verlangen auf eine bestimmte Art einzuschränken, damit es nach einiger Zeit doch noch genutzt werden kann. Es bedeutet dasselbe, wie wenn der Mensch zuerst das ganze Licht von Ejn Sof (Unendlichkeit) in der Welt der Akudim (Gebunden) einschließt, oder wie die “vier Arten” (eine Zitrone, ein Palmzweig, drei Myrthenzweige und zwei Weidenzweige) an Sukkot.

Sohar für Alle, WaJera (und Er erschien), Punkt 54

Und siehe da, drei Männer 

„Alle drei Engel werden gebraucht. Einer ist dafür da, den Menschen von der Beschneidung zu heilen, das ist Raphael, der Heiler. Einer sagt Sarah, dass sie einen Sohn gebären wird. Das ist Michael, denn er ist über die rechte Linie ernannt und alle Segnungen und das Gute der rechten Linie wurden in seine Hände gegeben.“

Einladung zu „Fragen und Antworten rund um die Weisheit der Kabbala – mit Eli & Boris“

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Eli & Boris

Parasha „Lech Lecha“: Tora-Abschnitt „Gehe für dich“

18. Oktober – 23. Oktober 2021 /11. – 17. Cheschwan, 5782

1. Buch Mose,  Genesis 12:1 – 17:27

Zusammenfassung

Der Abschnitt „Gehe für dich“ beginnt damit, dass Abram befohlen wird, in das Land Kanaan auszuziehen. Als Abram das Land Kanaan erreicht, zwingt Hunger ihn und seine Sippe, nach Ägypten hinabzusteigen. Dort entführen die Diener des Pharaos seine Frau, die schöne Sarai. Abram gibt sie im Haus des Pharaos als seine Schwester aus, weil er um sein Leben fürchtet. Der Schöpfer bestraft den Pharao mit Plagen und er ist gezwungen, Sarai Abram zurückzubringen.

Als Abram nach Kanaan zurückkehrt, kommt es zu einem Kampf zwischen den Hirten von Lots Vieh und den Hirten von Abrams Vieh. Daraufhin trennen sich die Wege Abrams und Lots.

Danach entsteht ein Krieg zwischen den vier Königen den Reihen der babylonischen Herrscher und fünf Königen aus dem Land Kanaan. Lot wird gefangen genommen, und Abram macht sich auf, ihn zu retten.

Der Schöpfer schließt mit Abram einen Bund, den „Bund der Teile“ (oder „Bund zwischen den Teilen“). Der Bund beinhaltet auch die Verheißung des Fortbestands seiner Nachkommenschaft und das Versprechen des Landes Kanaan.

Sarai kann keine Kinder bekommen, also bietet sie Abram ihre Magd Hagar an, und sie bekommen ein Kind namens Ismael.

Abram schließt den Bund der Beschneidung mit dem Schöpfer. Er erhält den Befehl, sich selbst und alle männlichen Mitglieder seines Haushalts zu beschneiden. Sein Name ändert sich daraufhin von Abram zu Abraham, und der Name seiner Frau von Sarai zu Sarah.

Am Ende des Abschnitts sagt der Schöpfer Sarah voraus, dass sie nun doch einen Sohn, der Isaak heißen soll, gebären wird.

Kommentar von Rav Michael Laitman

Alle Vorkommnisse, welche im Abschnitt beschrieben werden, spielen sich im Menschen ab. In Wirklichkeit existiert die vom Menschen wahrgenommene Realität nicht, also auch nicht die Geschichte oder Geographie, oder die Handlungen in diesem Abschnitt. Alles sind Ereignisse, die der Mensch in sich, durch sein Ego wahrnimmt. 

Die Weisheit der Kabbala erklärt, dass die Wahrnehmung der Realität eine tiefgründige Angelegenheit ist, welche mit der innersten Psychologie, den Sinnen und der physischen Struktur des Menschen zusammenhängt.

In der Tora wird die wahre Entwicklung des Menschen beschrieben. All die Personen und Ereignisse, welche darin vorkommen, beschreiben die spirituellen Kräfte des Menschen. Abram zum Beispiel, ist die Absicht, sich hin zur Spiritualität zu entwickeln, das Verlangen, sich der Höheren Kraft anzunähern und sie zu erkennen.

Die Geschichte von Abram beschreibt die Offenbarung, dass in Wirklichkeit nur die eine, weltlenkende Kraft und jenes Verlangen, welches diese Kraft enthüllen will existiert. Jeder Mensch, der dieses Verlangen verspürt, herauszufinden, wer sein Schicksal lenkt und sich fragt, was der Sinn seines Lebens ist, befindet sich am selben Punkt wie Abram. Dann wirkt die Kraft Abrams in diesem Menschen.

Während Abram darüber nachdenkt, was zu tun ist, spürte er, dass er in den nächsten Zustand übergehen muss. Die Natur, die Höhere Kraft treibt ihn vorwärts, indem Sie ihm sagt: „Geh, für dich, aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde!“ Wohin soll er gehen? Dorthin, wohin ihn die Höhere Kraft hinführen wird. Dort wird der Mensch das Gleichgewicht finden, und sich selbst verwirklichen können.

Es steht geschrieben, dass Abram dies tatsächlich tut und mit seinem gesamten Hausstand und Tausenden von Menschen, Babylon verläßt. Er zieht mit ihnen ins Land Kanaan und gründet dort das „Haus Abrams“. Dadurch erlangt er auch ein neues Verlangen, welches “Kanaan genannt wird.

Das hebräische Wort Erez (Land) wird vom Wort Razon (Verlangen) abgeleitet. Abram stellte fest, dass dieses Verlangen ihn nicht ausreichend voranbringt. Er verspürt Hunger und weiß nicht, was ihn an diesem Punkt im Land Kanaan ernähren und halten könnte. Da das Land Kanaan ein gebender Zustand ist, entsteht dadurch, dass Abram noch nicht gebend sein kann, eine neue Situation. Diese drängte ihn dazu, sich an den Willen zu empfangen zu klammern, was dazu führt, dass er nach Ägypten absteigt.

Hier erwacht ein großes, neues Verlangen. Der Mensch fühlt, dass weitere Schritte notwendig werden um dem immer größer werdenden Ego, welches sich vom Zustand „Babylon ist nicht genug“ entfernt, entgegenzuhalten. Das wachsende Ego verlangt nach mehr Erfüllung. Das erweckt in einem Menschen die Angst, dass wenn er mit der Absicht um zu geben, „Abram“, handelt, er sein größer werdendes Ego nicht befriedigen und dadurch seine Absicht nicht aufrecht erhalten kann.

Deshalb möchte der Mensch nicht mit dem Ego, dem Hindernis, das in ihm entsteht, arbeiten. Ein kleines Verlangen in ihm lässt diesem Menschen sagen „das ist meine Schwester, nicht meine Frau“. Er ist also bereit, sich vom ganzen Verlangen, Sarai, zu trennen und nur in der Absicht zu geben zu verbleiben, welche Abram genannt wird.

Aufgrund des wachsenden Egos fehlt dem Menschen das Gefühl der Erfüllung. Ganz im Gegenteil, er fühlt sich zunehmend unvollkommen und leer. Der Pharao in ihm fragt: „Was habe ich davon?“ Der gegenwärtige Zustand erscheint ihm schlimmer als jener vorher. Dies ist der Zustand, als der Pharao Abram auffordert, das Verlangen, Sarai, zurückzunehmen, weil er mit ihm nicht umgehen kann. Der Pharao will in der Körperlichkeit verbleiben, im Zustand wie vorher. Das Verlangen, Sarai, dehnt sich jedoch von der Spiritualität aus.

Diese beiden Kräfte befinden sich in einem ständigen Kampf. Sie wechseln sich ab. Abram erhebt sich und fällt, und dann erhebt sich der Pharao und fällt wieder. Wie beim Gehen, einmal geht man mit dem rechten, einmal mit dem linken Fuß vorwärts. Dabei ist es nicht wichtig, wie man diese Kräfte nennt, denn sie haben, je nach Stufe, unterschiedliche Namen.

Als Abram und sein Gefolge in das Land Kanaan zurückkehren, kommt es zu einem Streit zwischen den Hirten von Lots Vieh und jenen von Abrams Vieh. Das Wort “Lot“ bedeutet im Hebräischen “Fluch“. In diesem Zustand entsteht die Frage, welchen Weg, den des Empfangens oder den des Gebens, man einschlagen soll. Wieder wird der Mensch verwirrt und weiß nicht, was er tun soll. Trotz allem entscheidet er sich dafür, zwischen den beiden Kräften, dem Empfangen und dem Geben, zu wählen.

Während der spirituellen Entwicklung des Menschen gibt es viele Ereignisse, bei denen ein Mensch sein Ego betrachten muss, um zu erkennen, dass es sich in ihm erhebt. Dann darf er mit der Lenkung des Bösen, seines Verlangens, nicht einverstanden sein. Zerstören darf er es aber auch nicht. Vielmehr muss er sich von ihm lossagen, so wie Abram sich von Lot trennte. Später rettet er ihn aber wieder aus Sodom.

Dies sind die beiden Veränderungen, die im Menschen erfolgen. Er benutzt seine bösen Kelim (Gefäße) und Eigenschaften ebenso wie seine guten. Auch all seine Gedanken braucht er, um aus ihnen zu lernen.

Als Abram den Streit mit den Hirten über Lots Vieh beendet, führt er Krieg gegen die vier Könige, die in diesem Land leben. Wieder zeigt sich, dass der Mensch sich, während seiner Entwicklung, in einem ständigen Kampf befindet. Obwohl die Könige, die großen Verlangen des Menschen nicht erlauben, das Land Kanaan zu betreten, möchte der Mensch diese spirituelle Stufe erreichen. Denn auf dieser kann er beginnen, die Höhere Kraft, die Ewigkeit und Vollkommenheit der Natur zu erfassen. Im jetzigen Zustand ist ihm das noch nicht möglich, denn diese Malchujot (Könige) versperren den Weg.

Nach diesem Krieg erscheint der Schöpfer Abram und sagt ihm, dass er einen Bund mit ihm schließt, sodass dieses Land ihm, der Eigenschaft Abrams, gehören wird, welche durch die Eigenschaft des Pharaos, die Kämpfe mit den Königen und durch die Eigenschaft Lots wächst und sich entwickelt. Jetzt ist die Eigenschaft Abrams groß und stark genug, um mit in das Land Kanaan einzuziehen. Diese Eigenschaft ermöglicht es nun, den Sinn der Schöpfung, die Offenbarung der Höheren Kraft und Dwekut (Anhaftung) an Sie zu erreichen.

Um tatsächlich die nächste Stufe zu erreichen, den Kontakt mit der Höheren Kraft, braucht ein Mensch eine Eigenschaft, welche die nächste Stufe (er)zeugt. Der Mensch schafft diese neuen Zustände, aber Sarai, der Wille zu empfangen, kann noch nicht diese Kraft sein, welche unter der Eigenschaft von Abram gebiert. Die Eigenschaft Abrams ist in ihrer Absicht zu geben noch zu schwach und kann sich nicht von Sarai, dem Willen zu empfangen, befreien. Mit der Kraft des Guten, der rechten Linie, mit dem Teil, der Hagar heißt, ist dies aber möglich. Der Nachkomme der daraus ensteht ist Ismael, eine Kraft, die zur rechten Linie von Bina gehört. Sie wird die Klipa (Hülle, Schale) der rechten Linie genannt.

Am Ende, nach dem Bund und den zahlreichen Korrekturen, erreicht Abram einen Zustand, in dem er auch mit Sarai, dem ganzen Willen zu empfangen, arbeiten kann. Das ist der Zeitpunkt, an dem Sarai gebiert, und dies ist der Grund für die große Freude am Ende dieses Abschnitts.


Fragen und Antworten

Abram wird aufgefordert, von Babylon nach Kanaan zu ziehen. Was bedeutet es, von einem Verlangen zum nächsten zu ziehen, und wie fühlt es sich im Land Kanaan an?

Der Mensch befindet sich in einem Prozess ständiger Veränderung, nur ist er sich dessen nicht bewusst. Die Tora spricht von den Veränderungen, die ein Mensch, nachdem er sich entschieden hat, seine Verlangen wirklich zu ändern, bewusst durchläuft. Der Wille zu empfangen ist die Substanz des Menschen. Er wechselt von einem Verlangen zum nächsten, von Land zu Land. Es gibt eine Regel, die besagt: „Wechsel des Ortes, Wechsel des Glücks“. Ein „Ort“ ist das Verlangen, von dem aus der Mensch die Welt betrachtet. Das Verlangen ist alles, es ist die Grundlage, von der aus ein Mensch jede Handlung beginnt.

Jeder Name oder jedes Wort, das erwähnt wird, bezeichnet  ein Verlangen. In der Weisheit der Kabbala spricht man von Awiut (Grobheit), Massach (Schirm) und Reshimot (Erinnerungen), die den Zustand der Neshama (Seele) bestimmen. Auch in diesem Tora Abschnitt geht es um diese Veränderungen, welche ein Mensch durchläuft, nur ihre Bezeichnung ist eine andere.

„Gehe für dich“ bedeutet, dass ein Mensch immer das Gefühl haben sollte, dass der Anfang des Pfades Jessod , das Fundament ist, und dass er gerade dadurch vorankommt, dass er von einem Zustand zum nächsten wechselt. Der Mensch muss die in der Tora beschrieben Anweisungen befolgen und sich von Zustand zu Zustand bewegen, bis zum Ende seiner Korrektur. Daher meint „gehe für dich“ die Handlung, welche die Höhere Kraft von einem Menschen erwartet.

Das bedeutet, dass der Mensch nur dann vorankommen kann, wenn er versteht, dass Veränderung nur durch Verbindung geschehen kann. Der Unterschied zwischen den spirituellen Stufen besteht nur darin, dass alles immer mehr miteinander verbunden wird.  Um das Ziel zu erreichen müssen alle Teile miteinander verbunden werden. Nichts wird ohne Grund erschaffen. Der Mensch braucht alle spirituellen Kräfte: Pharao, Lot, das Vieh Abrams, Lots Vieh, die Könige im Land, Bileam, Balak, Haman, die Bösen, sowie die Gerechten. Das was die Tora lehrt, ist, wie die Menschen all ihre spirituellen Kräfte miteinander verbinden und so ein vollständiges Individuum werden können.

Welche Bedeutung hat das Land Kanaan in Bezug auf die Verlangen?

Kanaan ist das Land, das dem Land Israel vorausgeht. Es ist eine Stufe, die sich vor dem Land Israel befindet.

Ist ein Mensch bereits auf dem Weg zur Spiritualität, wenn der Punkt in seinem Herzen erwacht?

Ja. Wenn der Punkt im Herzen eines Menschen erwacht, kann er nicht weiter in „Babylon“ verbleiben. Er muss Babylon verlassen um auf die Stufe des Landes Kanaan aufzusteigen. Mit Hilfe anderer Menschen, die sich ihm anschließen, also den Verlangen, mit denen er zusammenarbeitet, kommt er voran. So steigt er zur nächsten Stufe auf, wo er in Richtung des Gebens und Chessed (Barmherzigkeit) denkt. In jene Richtung, die Abram symbolisiert.

Sohar für Alle, Lech Lecha (Gehe für dich), Punkt 28

Gehe für dich, um dich selbst zu korrigieren

Da der Schöpfer sein Erwachen und sein Verlangen sah, offenbarte Er sich ihm sofort und sagte zu  ihm: „Gehe für dich, um dich selbst zu erkennen und dich zu korrigieren.” Das heißt, der Mensch sollte aufhören, die Höheren Kräfte abzuwägen. Stattdessen soll er MAN erheben und einen starken Siwug (Kopplung) auf dem Massach (Schirm), der ihm erschienen ist, machen. Dadurch wird er mit der Vergrößerung von Daat (Wissen) für sich selbst belohnt und korrigiert sich selbst.

Das Erreichen einer höheren Stufe geschieht durch die Awiut (Grobheit) des neuen Verlangens und die Absicht sich über dies Verlangen zu erheben. Wenn ein Mensch einen Siwug de Hakaa (Kopplung des Schlagens) durchführt, erreicht er die Offenbarung des Höheren Lichts im selben Maße, in dem der Siwug (Kopplung) erfolgte.


Was bedeutet es, dass der Schöpfer “sein Erwachen sah”?

Der Mensch empfängt das Erwachen, weil es so im Schöpfungsplan vorgesehen ist. Für jeden Menschen ist eine Zeit vorbestimmt, in der er zu erwachen beginnt. Die Kraft, die alle Seelen antreibt, dreht sich wie ein Zahnrad und zwingt jeden Menschen sich fortzubewegen. Plötzlich erwacht der Mensch und will von der Kraft geführt werden. Ein Mensch wird ein-, zwei- oder dreimal im Leben zur Spiritualität hingeführt. Er muss darauf reagieren, die Initiative ergreifen und sich so selbst weiterentwickeln.

Was geschieht, wenn ein Mensch feststellt, dass er nicht mehr vorankommt?

Wenn der Mensch spürt, dass er im Spirituellen nicht vorankommt, bedeutet das, dass er wieder in das egoistische Verlangen, zum Pharao, zurückfällt. Er steigt wieder nach Ägypten hinab.

Dies ist nicht schlimm, das muss so sein. Sein Ego wird größer und so kann er vorankommen. Das ist seine einzige Aufgabe. Die Substanz der Schöpfung ist der große Wille zu empfangen. Ohne ihn, ohne Pharao, würde er den Berg Sinai (Hass) nie erreichen.

Ein Mensch braucht den „Berg“ des Bösen, des Hasses, den er vom Pharao bekommt. Das ganze Verlangen in ihm, wird zu einem Berg, an dessen Fuss der Mensch seinen ganzen Hass anderen gegenüber spürt. An diesem Punkt sagt er: „Ich brauche die Tora, ich habe keine andere Wahl. Ich brauche die Hilfe der Kraft, die ‚das korrigierende Licht‘ genannt wird, damit ich mich korrigieren kann.“ Ein Aufstieg erfolgt immer von zwei Seiten: auf der einen Seite wächst das egoistische Verlangen; auf der anderen Seite muss der Mensch die Absicht zu geben aufbringen.

Was ist die Klipa (Hüllen, Schalen) der rechten Linie, und wie kommt es, dass Abram, die Eigenschaft von Chessed (Güte, Barmherzigkeit) eine Klipa zeugte?

Abrams Eigenschaft von Chessed (Güte, Barmherzigkeit) beginnt erst an diesem Punkt. Er ist noch nicht vollständig korrigiert. Das heißt, dies ist das erste Verlangen eines Menschen, welches rein, ohne Awiut (Grobheit), ist. Wenn der Mensch sich mit der Awiut verbindet, um voranzukommen, verbinden sich durch die Prüfungen des Verlangens, die rechte und die linke Linie. Der Mensch muss prüfen und aussortieren, mit welchen Verlangen er arbeiten kann und mit welchen nicht. Dies Arbeit muss er auch später immer wieder tun, um weitere Stufen zu korrigieren. Zum Beispiel wenn sich die Bedingungen ändern, als er mit Hagar, einem Teil seines Verlangens, einen Sohn zeugt. 

Aus Sarai wird Sarah, und aus Abram wird Abraham. Dies sind nicht nur andere Namen. Durch die Korrekturen erreicht ein Mensch einen Zustand, in dem er mit einem neuen, anderen Verlangen, Sarah, und einer neuen, anderen Absicht, Abraham, handelt. Der Beginn der Nation wird gezeugt.

Ist Isaak der Anfang der Nation?

Nicht nur Isaak. Es gibt insgesamt drei Linien: die linke, die rechte und die mittlere Linie, welche für Israel steht. Außerdem gibt es zwei Klipot (Hüllen/Schalen): Ismael auf der rechten und Esau auf der linken Seite. Diese sind nicht unvollkommen, sondern müssen zu gegebener Zeit korrigiert werden.

Die Klipa (Hülle, Schale) der rechten Linie, Ismael, muss bis heute immer noch gegen die Verlangen kämpfen?

Dies wird es bis zum Ende der Korrektur so bleiben. Bis alle Menschen sich miteinander vereinen und zu “einem Menschen mit einem Herz“ verbinden.

Bedeutet Beschneidung das „Einschneiden“ des Verlangens?

Ja, doch die Beschneidung umfasst mehr als eine Einschneidung. Sie meint auch die Klipot (Hüllen, Schalen), die Verlangen, mit denen ein Mensch noch nicht arbeiten kann. Für den Moment sind es noch Klipot, bis sie korrigiert und zur Kedusha (Heiligkeit) werden. Das Problem ist, dass der Mensch mit diesen großen Verlangen nicht arbeiten kann. Wenn er durch das erfüllen dieser verlangen Freude empfängt, nutzt er diese für sich selbst, anstatt sie zu geben.

Was bedeutet, “einen Bund mit dem Schöpfer zu schließen“?

Einen Bund mit der Höheren Kraft, dem Schöpfer, zu schließen, bedeutet, dass ein Mensch das erforderliche Versprechen gibt. Der Bund ist eine besondere, innere Ausrichtung. Sie erlaubt es dem Menschen, sich mit seinen Kräften in eine Position zu bringen, durch die er, sofern er den Bund einhält, auf den zukünftigen Stufen keine Fehler macht wird.

Hilft die Höhere Kraft dem Menschen durch diesen Bund?

Ein Bund bedeutet, dass die Höhere Kraft einen Menschen hilft. Es ist die Natur, der Schöpfer. „Ich, der Herr, ändere mich nicht“ bedeutet, dass der Mensch nun das Prinzip realisiert. Wenn er sich daran hält, kann er dadurch jeden Fehler, jede Abweichung vom Weg und jede Sünde vermeiden. 

Der spirituelle Fortschritt führt immer zu einer Stufe, welche der Mensch noch nicht kennt. Deshalb musst er überzeugt sein, dass er dabei nicht scheitert und vorankommt. Der Bund ist die Kraft, die ihn sicher von einer Stufe zur nächsten bringt.

Es gibt zwei Bünde: den “Bund der Teile” und den “Bund der Beschneidung”. Die Beschneidung ist in der physischen Welt bis zum heutigen Tag ein jüdisches Gebot.Die Meinungen dazu sind unterschiedlich. Was ist die spirituelle Wurzel der Beschneidung?

Die Wurzel liegt im Verlangen, den Willen zu empfangen zu überwinden, der nicht korrigiert werden kann. Das geschieht ständig, wie z.B. bei Sarah oder Hagar. Jedes Mal hinterfragt der Mensch den Willen zu empfangen, der sich einerseits vergrößert, und andererseits muss etwas von ihm „abgeschnitten“ werden. Dies ist das Ende eines Parzuf (Gesicht). Der Mensch muss sich entscheiden, dass er mit diesem Teil kann im Moment nicht arbeiten kann. Davon sprechen auch die positiven (“tun”) und negativen („nicht tun“) Mizwot (Gebote). Warum etwas „nicht tun“? Weil es ein Teil des  Willens zu empfangen ist, den der Mensch noch nicht nutzen kann.

Deshalb muss er in jeder Situation wählen, welches Verlangen er benutzt, und welches er nicht benutzen kann. Der Ort der Prüfung wird „Rosh (Kopf) des Parzufs“ genannt.und Dies ist die wichtigste Prüfung, die ein Mensch vor jeder Entscheidung durchführen muss.

Ist die “Vorhaut” das Verlangen, das ein Mensch nicht nutzen kann?

Ja, die Vorhaut, das Aufdecken und der Blutstropfen. Das sind alles Korrekturen, die in die Intensität des Verlangens und seine Natur eingreifen. Mit ihnen kann der Mensch weder zum Wohl anderer, noch zu seinem eigenen Nutzen handeln, da er sich in der Spiritualität befindet. Er benutzt sie deshalb nicht. Die Entscheidung, sie nicht zu benutzen, wird „Beschneidung“ genannt.

In der Erzählung wird Lot gefangen genommen. Wer hat ihn gefangen genommen und was ist mit Gefangenschaft gemeint?

Er wurde vom egoistischen Verlangen, von Sodom, gefangen genommen. Sodom ist im Vergleich zu dem Zustand, in dem die Welt sich heute befindet, ein Zustand großer Rechtschaffenheit. Die “Sodomitische Regel” ist die Rechtschaffenheit.

Sie meinen, die Menschheit ist schlimmer als die Regel der Sodomiten?

Ja. Die Regel der Sodomiten lautet: „Meins ist meins und deins ist deins“, ich fasse dich nicht an, und du fasst mich nicht an. Selbst wenn ein Mensch etwas von einem anderen stehlen könnte, würde er es nicht tun. Auch wenn er ihn ausnutzen kann, vermeidet er es. Er verkauft ihm nichts Schlechtes und beeinflusst ihn nicht durch Werbung. Kurz gesagt, keiner beutet den anderen aus.

Die Regel der Sodomiten scheint gar nicht so schlecht zu sein.

Gewiss. Wenn die Menschheit heute unter der Regel der Sodomiten leben würde, wäre das ein Fortschritt für sie. Nicht umsonst wurde Lot in der Erzählung vor. Er steht Abram nahe, die zwei Eigenschaften sind nicht so weit voneinander entfernt. Abram kam, um ihn zu retten, weil die Eigenschaft von Sodom notwendig ist, um eine Korrektur zu erreichen. Deshalb prüft Abram, als er nach Sodom kommt, welche Verlangen gerettet werden können, während der Rest, der nicht geprüft werden kann, durch das Verderben von Sodom gehen muss.

Botschaft des Abschnitts

Die Essenz dieses Abschnitts lautet: „Gehe für dich“. Ein Mensch entwickelt sich nur durch die Veränderung seiner Verlangen, von Zustand zu Zustand. Jeden Augenblick prüft und hinterfragt er seine Verlangen, um zu entscheiden, welche Verlangen er braucht kann und welche nicht, welche er „tötet“ und welche er von sich „abschneidet“.

Der Mensch prüft immer, was ihn zur Liebe zum Nächsten und zur Liebe zur Höheren Kraft bringen kann. „Gehe für dich“ ist der Weg, der ihm führt. Es ist der einzige Weg, welcher der Mensch gehen kann.

 


Lexikon Parasha Lech Lecha

Gehe für dich: Ein Mensch muss sich von seinem Verlangen lösen, gleichgültig wie angenehm es für ihn erscheinen mag. Er muss einen neuen Zustand, eine neue Stufe erreichen. „Geh für dich“,  bedeutet immer, dass der Mensch sich auf dem Weg nach Oben befindet.

Kanaan: Mit Land Kanaan ist das Land Israel, welches noch nicht vollständig korrigiert ist gemeint.

Hunger: Für Hunger gibt es zwei Bedeutungen: Einmal bedeutet es, dass ein Mensch, wenn er ein Ägypter (Ungläubiger) ist, seinen Willen zu empfangen nicht befriedigen kann. Oder, wenn er ein Jude (Gläubiger) ist, bedeutete es, dass er sein Verlangen zu geben nicht erfüllen kann er aber die Verschmelzung mit der Höheren Kraft sucht.

Schwester: Es gibt mehrere Bezeichnungen, die für den Willen zu empfangen verwendet werden. Neben dn Begriffen „Frau“ und „Magd“ gehört auch “Schwester“ dazu. Ausgehend vom Geschriebenen: „Sprich zur Weisheit: ‚Du bist meine Schwester’“. (Sprüche, 7:4) bezeichnet das Wort Schwester den Willen zu empfangen, welcher der Mensch mit der Füllung von Chochma (Weisheit) verwenden kann.

Eine Magd und eine Frau: Eine Magd beschreibt einen Menschen, der das Verlangen zu geben nutzt, um zu geben. Eine Frau meint einen Menschen, der durch das Geben bereits eine Erfüllung findet, wodurch es möglich ist, Kinder zu gebären.

Fruchtbarkeit, Geburt: Beide Worte beziehen sich auf den Zeitpunkt, zu welchem ein Mensch die nächste Stufe, den nächsten Zustand zeugen, hervorbringen kann.

Bund: Ein Bund besteht dann, wenn der Mensch Willenskraft, Erkenntnis, das Gefühl und die Unterstützung erhält, welche er braucht, um von diesem Zustand, ohne zu versagen, in den nächsten wechseln kann. Dann wenn Liebe zwischen Menschen besteht, schließen sie einen Bund, um auch morgen, in einem anderen Zustand, in Verbundenheit zu verbleiben. Wenn der Mensch dies wirklich will, hilft der Bund dabei. Der Bund ist die Kraft der Natur, die hilft, den Zustand der Verbundenheit zu erhalten.

Dargot 919: Die Umgebung betreffend – Ein Kommentar von Dr. Laitman

Zu diesem Artikel von Rabash: Dargot 919: Die Umgebung betreffend

Aus dem Unterricht vom 6 Oktober 2021:

„Und er nahm sechshundert erlesene Wagen.“ Wem gehörten sie? Wenn du sagst, dass sie aus Ägypten waren, wurde bereits gesagt: „Das ganze Vieh Ägyptens ist gestorben.“ Wenn du sagst, dass sie vom Pharao waren, wurde schon gesagt: „Die Hand des Ewigen liegt auf deinem Vieh.“ Wenn du sagst, dass sie aus Israel waren, wurde bereits gesagt: „Auch unser Vieh wird mit uns gehen.“ Vielmehr waren es diejenigen, „die das Wort des Schöpfers fürchten, sind von den Knechten des Pharaos“. So lernen wir, dass diejenigen, die das Wort des Schöpfers fürchten, ein Hindernis für Israel sind“ (Midrash Tanchuma, BeShalach). Weiterlesen

Parasha „Noah“: Tora-Abschnitt „Noah“

10. Oktober – 17. Oktober 2021 /04. – 10. Cheschwan, 5782

1. Buch Mose,  Genesis 6:9 – 11:32

Zusammenfassung

Der Tora Abschnitt Noah handelt von der Menschheit, die sündigt, worauf der Schöpfer eine Sintflut über die Welt bringt. „Noah, ein gerechter Mann, war untadelig unter seinen Zeitgenossen; Noah wandelte mit Gott.“ (Genesis 6,9). Deshalb ist er der Auserwählte, der die Sintflut überlebt.

Er überlebte sie aber nicht allein. Ihm wird befohlen, eine Arche zu bauen und zusammen mit seiner Sippe und jeweils einem Paar jedes Tieres, in die Arche zu ziehen und vierzig Tage und vierzig Nächte, bis zum Ende der Sintflut, in der Arche zu bleiben.

Danach schließt der Schöpfer mit Noah und seiner Sippe einen Bund. Dieser ist die Voraussetzung dafür, dass die Sintflut nie wiederkehren wird. Als Zeichen dieses Bundes setzt Er den Regenbogen an den Himmel.

Das Ende des Abschnitts spricht vom Turm zu Babel. Einige Menschen entschließen sich, einen Turm zu bauen, dessen Spitze bis in den Himmel reicht. Aus diesem Grund verwirrt der Schöpfer ihre Sprache, sodass sie einander nicht mehr verstehen und verstreut sie über die ganze Welt.

Kommentar von Rav Michael Laitman

Der umfangreiche Abschnitt Noah ist intensiv und enthält viele, detailliert beschriebe Ereignisse. In diesem Abschnitt wird der Beginn des spirituellen Weges, die wichtigste Phase in der Entwicklung eines Menschen, beschrieben.

Am Anfang des spirituellen Weges findet eine schnelle Entwicklung statt, im Gegensatz zur späteren Phase, in welcher der Mensch mit den Korrekturen all seiner Eigenschaften beginnt. Je fortgeschrittener der Weg ist, desto spezifischer müssen die Zustände betrachtet werden um sie korrigieren zu können. Dies wird in den kommenden Abschnitten der Tora deutlich.

Die Entwicklung des Menschen verläuft ausschließlich über seinem egoistischen Willen zu empfangen, welchen er in das Geben ändern muss. Heute befindet sich die ganze Menschheit in einem Zustand, in dem sie beginnen muss, mit ihrem Ego in der richtigen Verbindung zueinander zu arbeiten. Die Arbeit gegen das Ego ist immer eine anstrengende Arbeit und erscheint einem wie Wellen auf einem großen Meer, genannt Malchut von Ejn Sof (Königreich der Unendlichkeit).

Bei jedem Schritt offenbart sich das Ego mehr. Zunächst weiß der Mensch nicht, was er tun soll. Es bleibt ihm nur die Möglichkeit, sich in der Arche, vor seinen egoistischen Eigenschaften zu verstecken. Dies ist jedoch nicht bloß eine Flucht, es ist auch eine Korrektur. Der Mensch baut sich eine Art Blase, mit all seinen gebenden Eigenschaften, und versteckt sich darin vor seinen egoistischen Eigenschaften. So kommt er voran.

Während der detaillierten Enthüllung des gesamten Egos, begibt er sich immer wieder in die Arche, in der er die Korrekturen vornehmen kann. Indem er sein Ego nicht benutzt, erhebt er sich darüber. Sinnbildlich kann der Mensch sich durch die Arche, von der ihn umgebenden Welt, in der furchtbare Dinge geschehen, zurückziehen. Seine egoistischen Verlangen schlagen wie Wellen heftig gegen den Rumpf der Arche und versuchen ihn, an die verschiedensten Orte und in verschiedenste Richtungen, in die Abgründe des Meeres zu ziehen. Der Mensch verbleibt aber in der Arche und konzentriert sich auf seinen Wunsch, in der Eigenschaft des Gebens zu verbleiben.

Der Zustand der Arche dauert vierzig Tage und vierzig Nächte. Das ist die Unterscheidung zwischen Malchut und Bina, denn die ganze Malchut, alle Verlangen, sind in Bina eingeschlossen. Der Mensch prüft sich selbst durch den Raben, doch der Rabe gibt ihm keine Antwort. Die Antwort erhält er von der Taube, denn sie kommt von der rechten Seite, der Seite der Rachamim (Gnade), oder des Friedens.

Bekommt ein Mensch durch die Taube die Antwort, dass nun all seine Verlangen von der Eigenschaft des Gebens kontrolliert werden, ist das ein Zeichen dafür, dass er die Sintflut überstanden hat. Es bedeutet, dass all seine Verlangen und Eigenschaften,“seine Linie“, die Familie in der Arche, die erste Stufe der Korrektur durchlaufen hat und nun mit den weiteren Korrekturen fortfahren kann. Der Zweck dieses Prozesses besteht darin, dass der Mensch seine egoistische, zerbrochene Seele in jenen Zustand korrigiert, in dem sie sich in völliger Gleichheit mit der Form mit der Höheren Kraft, dem reinen Geben und in Dwekut (Verschmelzung, Anhaftung) mit Ihr, befindet.

Tritt ein Mensch aus der Arche an Land und an die Luft, ist dies der Zustand, in dem die Höhere Kraft mit ihm einen Bund schließt. Ein Bund, der alles umfasst, was der Mensch noch durchleben wird. Der Bund soll dem Menschen in Zukunft, wenn ähnliche Ereignisse eintreten, daran erinnern, dass er sich nicht selbst korrigieren kann und dass er jene Kräfte, die er in der Vergangenheit genutzt hat, wieder zu Hilfe nehmen muss.

Das Zeichen des Regenbogens am Himmel erinnert den Menschen an Situation, in der er sich befindet und dies ist für ihn unangenehm. Es ist wie in einem Streit, bei dem man sich erinnert, dass eine Freundschaft bestand und dann um derentwillen wieder Frieden schließt. Der Regenbogen, der Bund, ein Verpflichtung, also kein gutes Zeichen. Er steht für den Eintritt in eine Zeit der Schwäche, in der dem Menschen weitere Schwierigkeiten bevorstehen, für die er die Hilfe der Höheren Kraft braucht, um voranzukommen.

Die Phase von Noah ist der Beginn einer neuen Zeit. Von Adam bis Noah, sind es zehn Generationen, die zehn Sefirot und weiter gibt es nochmals zehn Generationen von Noah bis Abraham. Im Menschen befinden sich viele Verlangen, die sich entwickeln und offenbaren, bis er sein eigenes Ego vollkommen aufdeckt. Es scheint, als ob der Mensch dabei das Geben vergisst, welches er in der Arche gelernt hat. Er kann seine Verlangen zu empfangen nicht mehr mit Chassadim (Güte), der Eigenschaft von Chessed (Barmherzigkeit), also mit Liebe zu anderen bedecken, wie in Noahs Familie in der Arche. In der Arche ist die ganze Welt eine Familie. Dort sind alle unter dem Schirm von Chassadim, unter der Liebe, und arbeiteten zusammen in gegenseitiger Bürgschaft.

Heute wächst das egoistische Verlangen im Menschen und führt ihn nach Babel, in einen Zustand, in dem er sein Ego anwachsen sieht und all seine Verlangen  befriedigen und alles kontrollieren will. Nimrod, sein großes Ego beherrscht ihn und ist zu allem bereit. Nimrod macht es nichts aus, sich vor Götzen zu verneigen, denn alles was er will, ist die Gegenwart und die Zukunft zu beherrschen. Er will nicht, dass die Eigenschaft des Gebens sich über ihn erhebt, es nur an der Eigenschaft des Empfangens interessiert. So wie es sich in der heutigen Welt darstellt.

All das Beschriebene, geschieht gemäß der Regel: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen und für ihn, habe Ich die Tora als Gewürz erschaffen“ (Kiduschin, 30b), denn „das Licht in ihr korrigiert ihn“. Mit anderen Worten, ein Mensch muss das Böse in sich enthüllen, und dadurch findet er das Gegenmittel. Er will nicht im Bösen verbleiben, deshalb will er das Licht erlangen, das ihn korrigiert. Es ist ein besonderes Licht. Die Weisheit der Kabbala lehrt, wie ein Mensch das Licht erlangen und sich mit seiner Hilfe korrigieren kann.

Alle Ereignisse in der Tora vor der Zeit Noahs, wie z.B. jene von Kain und Abel, beschreiben die Vergrößerung des Egos. Der Sohar klärt den Menschen über die wahre Bedeutung der Erzählungen in der Tora auf. Er eröffnet dem Menschen, was in der Tora angedeutet wird. Nicht umsonst wird die Weisheit der Kabbala die „Weisheit der Wahrheit“ genannt.

Die Tora spricht von der zerbrochenen Seele und davon, wie der Mensch sie entdecken kann. Er muss die Seele auf allen Stufen ihrer Awiut (Dicke) enthüllen, in jedem Stadium ihres Zerbrechens, und dementsprechend korrigieren. Durch die korrigierte Seele spürt der Mensch das spirituelle Leben und will in ihm verbleiben. Wie geschrieben steht: „Du wirst deine Welt in diesem Leben sehen“ (Berachot, 17a). Der Mensch muss die spirituelle Welt enthüllen, den Schöpfer und das „Ich“,welches sich in der spirituellen Welt befindet. Dies muss er im hier und jetzt tun, während er in dieser Welt lebt.

Um die Höhere Welt zu erreichen, muss der Mensch zunächst die zerbrochene Seele enthüllen. Dies ist der Prozess, der die Seele auf der linken Linie entwickelt. Das bedeutet, im Laufe der zehn Generationen von Adam bis Noah entwickelt sich ein großes Verlangen zu empfangen. Wenn der Schöpfers entscheidet, das Mensch die linke Linie abschließen kann, erscheint die rechte Linie und korrigiert die linke. Die linke Linie ist die verdorbene, zerbrochene Malchut (Königreich), während die rechte Linie die Eigenschaft von Bina (Barmherzigkeit) ist, die Eigenschaft des Gebens und der Liebe.

Danach folgen zehn neue Generationen, die zehn Sefirot von Noah bis Abraham. Sie korrigieren die vorangegangenen Generationen von Adam bis Noah, also die zehn Sefirot von Or Yashar (Direktes Licht) und die zehn Sefirot von Or Choser (Reflektiertes Licht). Abraham folgt diesen zwanzig Generationen und empfängt den Beginn der Seele auf einer Stufe, auf welcher der Sinn hinter allem bereits erkannt und verstanden werden kann. Deshalb zerbricht er in der Erzählung die Götzenstatuen und beginnt, gegen sein eigenes, großes Ego, welches ihm als Nimrod und Babylon erscheint, zu kämpfen. So beginnt auch der Mensch sich, mit Nimrod auf der linken und Abraham auf der rechten Seite, für die Korrektur der Seele anzustrengen.

All diese Ereignisse beschreiben, was mit der Seele jedes Menschen geschieht. Die Tora spricht davon, welche Phasen der Mensch durchläuft und wie er die Seele allmählich bewusst enthüllt kann.


Fragen und Antworten

Ist die Sintflut ein Unglück? Wörter wie „Tsunami“ und „Flut“ lösen in einem Menschen Angst aus.

Auch in der Spiritualität ist damit ein schlechter Zustand gemeint. Sintflut bedeutet „böse Wasser“, Gwurot (Urteile).  Eigentlich ist Wasser Chassadim (Güte), aber wenn es mit dem Ego verbunden ist und von ihm kontrolliert wird, wird es zum “bösen Wasser“.

In diesem Abschnitt, wird beschrieben, dass die Höhere Kraft entschied, die Menschen zu verwirren. Sie bringt sie dazu, zu sündigen, und bestrafte sie dann vermeintlich.

Natürlich geschieht nichts ohne die Höhere Kraft, denn „es gibt nichts außer Ihm“. Entscheidend ist, wie der Mensch auf die Ereignisse reagiert; ob er sie annimmt und mit ihnen arbeitet. In jeder Situation muss er mit der Höheren Kraft verbunden sein und versuchen, Sein Handeln zu verstehen. Ähnlich wie in der materiellen Welt, wenn eine Mutter mit ihrem Kind spielt. Die Mutter möchte, dass das Baby sie versteht und sich so verhält, wie sie es ihm vormacht. Natürlich befindet sich die Höhere Kraft hinter all den Ereignissen. Die Frage ist also, ob der Mensch dies weiß und in jedem Augenblick richtig darauf reagieren kann.

Kann ein Mensch wie dieses Baby handeln?

Wenn man Babys betrachtet, kann man sehen, dass sie nie Ruhe geben. Sie sind ständig bestrebt, die Welt zu begreifen, sie zu untersuchen und aus ihr zu lernen. In der Kindheit wird das Wesen des Menschen gebildet. Sie symbolisiert die Zeit der Korrekturen eines Menschen. 

Die Phasen, die ein Mensch durchläuft, das “böse Wasser“, auch Noah und Abraham, versetzen ihn in schreckliche Unruhe. Aber letzten Endes muss jeder Mensch sie durchlaufen. Er durchläuft all diese Stadien, um die Seele zu korrigieren. Die ganze Tora, von Bereshit (Im Anfang) bis zu Israel (direkt zu Gott), ist dafür geschrieben, damit ein Mensch diese Phasen seiner inneren Arbeit durchlaufen kann. Wenn er die Seele korrigiert, betritt er die Höhere Welt.

Was ist die Arche, und wie kann der Mensch in sie eintreten?

Die Arche ist die Eigenschaft von Bina. In der Wissenschaft der Kabbala wird erklärt, wie Bina aufgebaut ist, welche Eigenschaften sie hat, wie die Sefirot, GaR von Bina und SaT von Bina, miteinander verbunden sind, also die ersten drei Sefirot, Keter, Chochma und Bina, und dann die sieben unteren Sefirot, Chessed, Gwura, Tiferet, Nazach, Hod, Jessod und Malchut. Außerdem werden die drei Teile von Bina, der Teil, der zu den oberen Sefirot gehört, jener, der zu Bina selbst gehört, und der Teil, der zu den unteren Sefirot gehört, erwähnt. Bina ist die Eigenschaft, die von Oben empfängt und sich selbst aufbaut, um nach unten weiterzugeben können. Wie eine Mutter, die von ihrem Mann empfängt und das, was sie empfängt, in etwas umwandelt, das für ihr Kind geeignet ist.

Was bedeutet es, sich in Bina zu befinden?

In Bina zu sein bedeutet, die Höhere Erleuchtung zu empfangen. Alles kommt vom Einfluss des Höheren Lichts, und ein Mensch kann es nicht selbst, oder in sich selbst, finden. Ein Mensch, der diese Erleuchtung von innen empfängt, fühlt, dass er sich unter einer besonderen Kraft befindet, sodass das Ego ihn nicht verletzen oder vom Weg abbringen kann. Der Mensch ist durch die Kraft vollkommen geschützt, als würde er sich in einer Blase, befinden. Dies ist noch nicht die Vollendung, denn der Mensch befindet sich in dieser Blase wie ein Baby im Mutterleib. Dann öffnet sich aber der “Mutterleib“ und der Mensch wird geboren.

Sobald ein Mensch geboren ist, stellt er fest, dass sein Ego extrem gewachsen ist. Dies symbolisiert der Zustand von Babylon. In dem Zustand wachsen Nimrod (Ego) aber auch Abraham (Chessed) in ihm.

Anfänglich wird Abraham von Nimrod gelenkt. Sobald er jedoch erkennt, dass das Ego ihm schadet und er sich von ihm trennen muss, verlässt Abraham Nimrods Einfluss und versucht, seine Eigenschaft von Chessed zum Herrscher über sein Ego zu machen. Auch wenn er das zu diesem Zeitpunkt nicht kann, weil er sich zuerst von ihm lösen muss, entkommt er und wendet sich in Richtung des Landes Kanaan.

Wofür steht der Turm zu Babel in der Erzählung und in dieser Welt?

Der Turm zu Babel ist das Ego, das im Menschen erscheint, ihn erdrückt und ihn nicht mehr leben lässt. Auf der einen Seite gibt es Nimrod, der mit dem Turm so hoch wie der Himmel wachsen will, auf der anderen Seite gibt es Abraham, der sieht, dass dies nicht möglich ist.

Zu diesem Zeitpunkt trennen sich ihre Wege. Die meisten Eigenschaften des Menschen folgen dem Ego, Nimrod, und die Eigenschaften, die von dem Turmbau zu Babel ablassen und von Abraham korrigiert werden können, sind Abrahams Eigenschaften. Diese beginnt ein Mensch nun zu korrigieren.

Diese Eigenschaften “reisen in das Land Kanaan“, was die teilweise Korrektur der Seele bedeutet.

Heute, geschichtlich gesehen fast 4.000 Jahre später, treffen die „Nachkommen Abrahams“ und die „Nachkommen Nimrods“ wieder aufeinander, um eine gemeinsame Verbindung herzustellen. Sie bauen wieder den Turm zu Babel, das globale Finanz- und Wirtschaftsimperium, und während auf der einen Seite alles zusammenbricht, versuchen die „Nachkommen Abrahams“ die Korrektur durchzuführen. Doch bislang stoßen sie bei den Menschen auf taube Ohren.

Die Menschheit hat keine Wahl, denn der ganzen Prozess, der im Buch Sohar beschrieben ist, ist so vorbestimmt. Die Korrektur muss vollendet werden, und es ist Zeit, dass Abraham über Babylon, das Ego, zu herrschen beginnt.

Die Mächtigen der Welt denken nicht daran, den Menschen zu verändern, sondern wollen die Wirtschafts- und Finanzsysteme nur so zu verändern, dass das Ego noch mehr angefeuert wird. Sie denken nicht weiter. Sie denken nicht einmal daran, sich wie Noah, in eine Blase des gegenseitigen Gebens zu begeben und den Kontakt mit dem Ego zu vermeiden. Sie wollen die Kriege und den Wettbewerb nicht beenden, denn ihr einziges Interesse besteht darin, davon zu profitieren. Das heutige Finanzsystem ist ein Abbild der egoistischen Verbindungen zwischen den Menschen. Deshalb gibt es all die Krisen. Alles, was ein Mensch tun kann ist, daraus zu lernen.

Die aktuelle Krise wird die letzte sein, denn die Gesamtheit der egoistischen Verbindungen zwischen den Menschen ist erreicht, und nun beginnt das darauf aufgebaute System zusammenzubrechen. Die Botschaft über die Wichtigkeit der Verbindung und Einheit kann sich nun verbreiten, indem viele Menschen über die Krise und ihre Ursachen sprechen. Es ist möglich, dass diese Phase zur Korrektur führt, doch auch das Gegenteil kann passieren und sie kann zu einem Krieg führen. Es hängt von jenen Menschen ab, die sich auf Abrahams Seite befinden.

Die heutigen Menschen setzen somit den Bau des Turms zu Babel fort?

Ein Teil der Menschheit zählt zu den “Nachkommen Abrahams“, die Babylon verlässt und mit Abraham in das Land Kanaan zieht. Der andere Teil, die Egoisten, die sich nicht korrigieren wollen, sind Teil von “Nimrods Nachkommen“ aus Babylon. Ein Mensch muss durch diese Phase der vollkommenen Erkenntnis des Bösen, welche den Krieg von Gog und Magog darstellt, gehen. Danach kann die vollständige Korrektur der einen, gemeinsamen Seele erreicht werden.

Ist mit der “Verwirrung der Sprachen” z.B. auch das disfunktionale Finanzsystem gemeint?

Die “Verwirrung der Sprachen” existiert seit Babylon bis zum heutigen Tag. Das eine, große Ego ist in tausende Teile zerbrochen, in all seine Verlangen, und jeder Teil rechtfertigt sich selbst und will alles an sich reißen. Das heutige Finanzsystem ist ein äußeres Erscheinungsbild der Verwirrung der Sprachen.

Sohar für Alle, Noah, Punkt 243

Und der Herr roch den süßen Geschmack

„Nach der Sintflut: ‚Ich werde es nicht wieder tun‘, denn nun ist die Offenbarung des Bösen vollendet. Ich brauche kein Feuer mehr hinzuzufügen, um das Din (Gericht) zu offenbaren, denn das Böse ist ausreichend enthüllt. Denn das Verlangen im Herzen des Menschen ist von Jugend an böse. Er wird dafür nicht gescholten, denn alle Strafen des Schöpfers sind nur Korrekturen.“

Wenn ein Mensch das Leben wirklich auf „denn alle Strafen des Schöpfers sind nur Korrekturen“ beziehen möchte, muss er nur wissen, wie er sich in dieses System einfügen kann, sei es auch nur ein wenig, um dann plötzlich die Fülle des spirituellen Lebens zu entdecken.


Lexikon Parasha Noah

Noah: „Noah, ein gerechter Mann, war untadelig unter seinen Zeitgenossen; Noah wandelte mit Gott“ (Genesis 6,9) bedeutet die Eigenschaft des Gebens, die zu diesem Zeitpunkt in einem Menschen erscheint. Noah ist rechtschaffen, von der rechten Seite, Chessed (Güte) in Bezug auf die egoistischen Wünsche und im Gegensatz zur Flut.

Sintflut: Einerseits besteht die Sintflut aus Wasser, Or Chassadim (Licht der Güte). Andererseits ist sie auch die Kraft von Gwura (Stärke, Urteil), die Kraft des Feuers, eine zerstörerische, egoistische Kraft. Sie symbolisiert die falsche Verbindung zwischen links und rechts, wobei links, das Ego, rechts, das Wasser, Or Chassadim, dominiert.

Arche: Die Arche ist die Eigenschaft von Bina, des Gebens, auch Or Chassadim (Licht der Güte). Sie ist wie eine Mutter, die sich um jeden kümmert, der zu ihr kommt oder unter ihrem Einfluss steht.

Vierzig Tage und vierzig Nächte: Dieser Zeitraum steht für die Entfernung zwischen Malchut und Bina. Bina wird auch „abschließendes Mem“ genannt. Mem (13.Buchstabe im Hebräischen Alphabet) entspricht der Zahl vierzig in der Gematria. Der Aufstieg von der Eigenschaft des Empfangens zur Eigenschaft des Gebens, von Malchut zu Bina, bedeutet einen Aufstieg zur Stufe von vierzig.

Rabe und Taube: Der Rabe ist jener Teil der linken Eigenschaften, welcher der Korrektur bedarf. Im Gegensatz dazu steht die Taube für die rechten Eigenschaften. Wenn also die Taube anstelle des Raben handelt und sie mit einem Olivenzweig zurückkehrt, dann ist die Korrektur abgeschlossen, und das Ego steht vollständig unter der Herrschaft des Gebens.

Olivenzweig: In der physischen Welt wird die Olive für viele Dinge verwendet, zum Beispiel für Lampenöl. Das Öl selbst ist eine der Grundlagen des Lebens. Es symbolisiert das Or Chochma (Licht der Weisheit), welches sich im Or Chassadim (Licht der Güte) befinden kann, wenn der Mensch einen Zustand, indem er sich weiter entwickeln kann, befindet. Seine Entwicklung findet durch das Or Chochma statt, die Korrektur erfolgt jedoch durch das Or Chassadim. Dies sind immer zwei sich entgegengesetzte Kräfte.

Regenbogen: Der Regenbogen steht für den Bund zwischen der Höheren Kraft und dem Menschen. Schließt ein Mensch einen Bund mit jemandem, tut er dies nicht, weil er sich momentan in einem guten Zustand befindet. Denn in diesem Zustand bedarf es keines Bundes. Der Bund wird für morgen, eine Zeit in der er sich nicht in einem guten Zustand befindet. Ein Mensch rechnet damit und weiß, dass sich die Beziehung verschlechtern könnte, und deshalb zwingt er sich durch das Eingehen eines Bundes, die gute Beziehung aufrechtzuerhalten.

Im Hebräischen wird ein Regenbogen „ein Bogen über der Wolke“ genannt. Die Wolke symbolisiert eine schlechte Situation, doch der Bogen, die Verbindung, die sich über der Wolke befindet, verbindet auf eine Weise, die es ermöglicht, weiterzumachen. Dies ist ein ewiger Bund, welcher unerlässlich ist.

Turm zu Babel: Er symbolisiert das große Ego, das sich zur Zeit Nimrods vergrößert. Das Ego wächst ständig. Zu Noahs Zeit zeigt es sich in der Flut, welche “Wasser mit Gwura“ meint, dann im Turmbau zu Babel, und schlussendlich erscheint das Ego in der Form des Pharaos, der Römer und Griechen. Es wird immer größer und trägt dabei verschiedene Gesichter.

07. Oktober 2021, Gute-Nacht-Text

Ich bin froh, dass ich in einer solchen Generation geboren wurde, in der es erlaubt ist, die Weisheit der Wahrheit zu verbreiten. Und wenn du mich fragst, woher ich weiß, dass es bereits möglich ist, werde ich dir antworten: weil ich die Erlaubnis erhalten habe, es offenzulegen. Und siehe „[Tore] der Sprüche von Raschbi“ [Schriften von Rabbi Shimon Bar Yochai], dort nennt er diesen Weg „die Gewährung der Erlaubnis“. Und das ist es, was der Schöpfer mir in vollem Umfang gegeben hat. Wie es bei uns üblich ist, hängt es nicht von der Größe des Weisen selbst ab, sondern vom Zustand der Generation. Wie unsere Weisen sagten: „Der kleine Samuel war würdig […], aber seine Generation war dessen nicht würdig.“ Und deshalb habe ich gesagt: es ist alles verbunden mit meiner Generation, was mir bei der Offenbarung dieser Wissenschaft gewährt wurde.  

 

Baal HaSulam, „Die Lehre der Kabbala und ihr Wesen“

Dargot 919: Die Umgebung betreffend

„Und er nahm sechshundert erlesene Wagen.“ Wem gehörten sie? Wenn du sagst, dass sie aus Ägypten waren, wurde bereits gesagt: „Das ganze Vieh Ägyptens ist gestorben.“ Wenn du sagst, dass sie vom Pharao waren, wurde schon gesagt: „Die Hand des Ewigen liegt auf deinem Vieh.“ Wenn du sagst, dass sie aus Israel waren, wurde bereits gesagt: „Auch unser Vieh wird mit uns gehen.“ Vielmehr waren es diejenigen, „die das Wort des Schöpfers fürchten, sind von den Knechten des Pharaos“. So lernen wir, dass diejenigen, die das Wort des Schöpfers fürchten, ein Hindernis für Israel sind“ (Midrash Tanchuma, BeShalach). Weiterlesen

06. Oktober 2021, Gute-Nacht-Text

Es heißt: „Und nun, wenn ihr auf Meine Stimme hört und euch an Meinen Bund haltet“, mit anderen Worten: „Schließt einen Bund mit dem, was Ich euch hier sage“. Das bedeutet, „ihr sollt Mir eine auserwählte „Segula“ von allen Völkern sein“. Mit anderen Worten: „Ihr sollt für Mich ein „besonderes Mittel“, eine „Segula“, von allen Völkern sein, denn durch euch werden Funken der Erleuchtung und Reinigung zu allen Völkern und Nationen der Welt gelangen. Denn noch sind nicht alle Völker der Welt bisher bereit dafür. Und in jedem Fall brauche Ich ein Volk, mit dem Ich jetzt beginnen kann, das eine auserwählte „Segula“ für alle Nationen sein wird. Und anschließend sagt Er: „Denn die ganze Erde ist Mein.“ Das heißt, alle Völker der Erde gehören Mir, wie auch ihr, und sind dazu bestimmt, sich Mir anzuheften […].

„Doch jetzt, da sie noch nicht fähig sind, diese Aufgabe zu erfüllen, brauche Ich ein auserwähltes Volk.“

Baal HaSulam, „Die Bürgschaft“, P. 28

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Parasha „Bereshit“: Tora-Abschnitt „Im Anfang“

Zusammenfassung

Bereshit (Im Anfang) ist der erste Abschnitt der Tora (Pentateuch oder der Fünf Bücher Moses). Darin wird die Erschaffung der Welt in sechs Tagen und die Ruhe am siebten Tag geschildert. Es wird beschrieben, wie der “Mann“ erschaffen wird und im Garten in Eden ankommt. Auch die Erschaffung der “Frau“ und die darauf folgende Sünde am Baum der Erkenntnis, sowie die Geburten von Kain und Abel werden dargestellt. Danach werden die Generationen von Kain bis Lamech, sowie die zehn Generationen von Adam bis Noah und deren Verderben beschrieben. Der Abschnitt endet mit der neuen Hoffnung durch die Geburt Noahs. Weiterlesen

Dargot 799: Die Geburt des Mondes

Die Geburt des Mondes. Moses war verwirrt.

Der Mond wird Malchut genannt. Es wird „die Erneuerung des Mondes“ genannt, weil wir die Last des Himmelreichs jeden Tag aufs Neue auf uns nehmen müssen. Die Bürde des vergangenen Tages genügt nicht, denn jedes Mal, so sagt ARI, müssen wir die Funken, die zu BYA abgestiegen sind, zur Kedusha [Heiligkeit] erheben. Wenn also ein Mensch immer wieder eine neue Last auf sich nimmt, nimmt er jedes Mal einen Teil der Trennung und fügt sie der Gesamtheit der Kedusha hinzu. Weiterlesen

Die Tora

Auch: „Pentateuch[1]“ oder die „Fünf Bücher Moses“

Die Tora ist das populärste Buch aller Zeiten. Sie ist die Grundlage der Philosophie, der Ethik und der Ökonomie, aber auch unerschöpfliche Quelle für alle Künste. Sehr wahrscheinlich ist sie in schriftlicher Form etwa im 5. Jh. vor unserer Zeitrechnung entstanden. Die ältesten, mündlich überlieferten Inhalte reichen jedoch zurück bis 1500 v. u. Z.[2].

Die Tora ist ein besonderes Buch. Was ihre Einzigartigkeit tatsächlich ausmacht ist den meisten Menschen jedoch bis jetzt verborgen. Moses ist darin der Hauptakteur. Wer die Tora geschrieben hat, ist allerdings nicht belegt. Aus kabbalistischer Sicht ist aber sicher, dass die federführende Kraft dahinter, die Höhere Kraft, auch Schöpfer genannt, ist.

Die Essenz dieses Buches ist daher die Enthüllung der Höheren Kraft. In der Tora, sowie auch in Büchern von anderen Kabbalisten – jenen Menschen, denen sich die Höhere Kraft offenbart hat – wird nur darüber gesprochen, wie der Menschen in dieser Welt und in diesem Leben diese Kraft enthüllen kann. Deshalb sind alle diese Bücher “heilig“. Im Hebräischen heißt “heilig“ kadosh, was „getrennt“, „freistehend“ bedeutet, denn die spirituelle Welt ist vom Menschen vollkommen getrennt. Das bedeutet, dass die Tora etwas besonderes ist, das sich jenseits der Wahrnehmung durch die fünf Sinne des Menschen befindet.

Alle kabbalistischen Bücher, auch jene, die später noch geschrieben wurden (Sohar, Talmud, etc.), sind der jeweiligen Zeit angepasste Anleitungen, sodass der Mensch die “Wegbeschreibung“ der Tora verstehen lernt. 

Auf diesen Wegbeschreibungen beruht auch die Wissenschaft der Kabbala. Ein Kabbalist forscht wie ein Wissenschaftler immer weiter, tiefer, und detaillierter. Der Unterschied zu den Wissenschaften dieser Welt besteht darin, dass die Kabbala von jedem, der sie erforschen will, Selbstreflexion und Veränderungswillen fordert. Er muss ein neues Sinnesorgan ausbilden, womit er die Höhere Kraft und somit auch die Höhere Welt wahrnehmen kann. Erst dadurch kann er die Höhere Welt erforschen.

Wird der Mensch durch das Lesen der Tora beeinflusst?

Um die Tora zu lesen und den tieferen Sinn darin wahrzunehmen und zu verstehen, was sich hinter den Worten verbirgt, braucht es so etwas wie ein “Lexikon“. Dieses Lexikon ist die Weisheit der Kabbala. Durch die Anleitung dieser Wissenschaft lernt der Mensch, wie er hinter den Worten der Geschichte das Netz der Kräfte, die diese Welt regieren, erkennen kann. Dadurch beginnt er sein eigenes Inneres wahrzunehmen und es in dieses Netz einzufügen. Es gleicht der Wahrnehmung des Puppenspielers anstelle der Puppen. Schlussendlich versteht der Mensch die Absicht des Puppenspielers und die Choreografie der von ihm ausgehenden Kräfte und offenbart damit die Quelle, welche „Schöpfer“ genannt wird. 

Zusammengestellt aus Medien von RAV Michael Laitman

[1] Was ist der Pentateuch?

[2] Wikipedia Tora

Virtueller Kabbala La’am Kongress 25.-26. September 2021

Kongress Thema: „Eintritt in die Empfängnis“


Zu den Kongress Seiten:

Dort findest du alles – von der Registrierung bis zum Stundenplan.

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Achtung! Die angegebenen Zeiten entsprechen der Zeitzone von Israel.

Zu den Texten für die Lektionen.

Kongressgebühr: Die Kongressgebühr beträgt 25 EUR. 100% Rabatt gibt es für alle, die die Virtual Home-Benutzergebühr bezahlen.

Freier Eintritt für alle Studenten der bezahlten Kurse und Programme von KabU, MAK, Campus Kabbalah, „Nekuda She BaLev“, Kabbalah Academy in Europe, Centro de Estudios.

Die Lektionen des Kongress können auch über Kabbala TV live verfolgt werden.

Sukkot aus kabbalistischer Sicht

Nach jüdischer Tradition wird Sukkot sieben Tage lang gefeiert. Diese Feiertage sollen an die Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste nach ihrem Auszug aus Ägypten erinnern, aber auch daran, die Ernte zu würdigen. Bekannte Rituale, die dabei ausgeführt werden, sind der Bau der Laubhütte oder das Sprechen des Segens über die vier (Pflanzen) Arten: eine Zitrusfrucht, ein Palmzweig, drei Myrthenzweige und zwei Weidenzweige.

Viele dieser Rituale haben ihren Ursprung in der Tora und beinhalten deshalb eine kabbalistische Bedeutung.

Sukka, eine provisorische Laubhütte

Am ersten Tag des Festes wird unter großer, gemeinsamer Anstrengung, eine Sukka mit einem Shach, einem Dach aus Pflanzenabfällen, gebaut. Die Sukka, symbolisiert die gemeinsame Seele des Menschen, Adam HaRishon, den Ort der Einheit und der Verbindung. Diese gemeinsame Tätigkeit soll Vertrauen geben, dass die Menschheit von der verbindenden Kraft der Natur gehalten wird. Ein Shach zu errichten bedeutet, der Idee der Einheit “wie ein Mensch mit einem Herzen” zu sein, zuzustimmen. Es soll alle Menschen, über sämtliche Unterschiede hinweg, verbinden.

Die Sukka ist nur eine vorübergehende, provisorische Behausung. Verbinden sich die Menschen unter dem Shach, werden sie vom Höheren Licht beeinflusst. Die Menschen sitzen gemeinsam im Schatten der Sukka und denken an ihre Verbindung und die Einheit. Jeder muss sich bemühen, der perfekten und alles verbindenden, in der Natur existierenden Form des Lichtes, zu gleichen. Der Schatten, d.h. die egoistischen, trennenden Verlangen eines jeden, werden respektiert. Gleichzeitig muss dem Menschen bewusst sein, dass sich alle Menschen über ihre Egos hinweg verbinden müssen. Mit dem Shach aus Pflanzenresten – symbolisch für das altruistische Konzept, welches für den Egoismus ohne Wert ist – werden die Egos bedeckt. Das heißt, sie werden mit dem Vorhaben andere zu lieben, korrigiert. Der Egoismus befindet sich unter dem Shach, darüber ist die Einheit, die Verbindung. Das Shach stellt aber auch den gemeinsamen Wunsch zu lieben, zu geben, und die Verbindung zwischen allen Menschen zu erreichen, dar.

Es ist kein Zufall, dass das „Laubdach“ mit Pflanzenabfällen der Brot- und Weinherstellung bedeckt wird. Der Begriff “Abfall“ drückt die anfängliche Abneigung gegenüber der Einheit zwischen allen Menschen aus, denn der Mensch nimmt die Einheit als absolut unnötig wahr. Aber genau diesen “Abfall“ muss der Mensch über sein eigenes “Ich“ und diese Welt erheben, also das Geben über das Nehmen stellen.

Auch das“Brot“ symbolisiert eine besondere Kraft, welche das “Licht von Chassadim“ genannt wird. “Wein“ stellt eine andere Kraft, das “Licht von Chochma“, dar. Diese beiden Kräfte beeinflussen das Ego des Menschen auf verschiedene Weise hin zur Korrektur.

Minim, vier Pflanzenarten

Während eines festlichen Rituals werden vier Pflanzenarten, Weide, Myrthe, Palmblatt und Zitrusfrucht, in die Hände genommen. Dies bedeutet, dass der Mensch nur durch die Überwindung von vier Zuständen zur Verbindung mit anderen Menschen gelangen kann. “In die Hände nehmen“ drückt aus, dass der Mensch den Prozess des Übergangs zum korrigierten Zustand, mit Hilfe der Kabbala, selber kontrollieren und steuern kann.

Die Pflanzenarten symbolisieren die vier Zustände auf dem Weg vom “unkorrigierten Menschen“ zum “korrigierten Menschen“. Sie sagen auch etwas über die Einstellung des Menschen gegenüber den Werten der Verbindung aus.

Arava (Weide) – hat keinen Geschmack und keinen Geruch. Das meint, die Bedeutung der Verbindung wird vom Verstand nicht wahrgenommen und nicht gespürt.

Adas (Myrthe) – hat keinen Geschmack, aber einen Geruch. Der Verstand stimmt der Verbindung zu, aber es gibt kein Gefühl dazu.

Lulav (Palmenzweig) – hat einen Geschmack, aber keinen Geruch. In diesem Zustand gibt es ein Gefühl bezüglich der Verbindung, aber der Verstand akzeptiert es nicht.

Etrog (Zitrusfrucht) – hat einen Geschmack und einen Geruch. Der Verstand und das Gefühl stimmen der Verbindung zu.

Wenn der Mensch willig ist und sich sogar darüber freut, dass er im Schatten der Hütte sitzen bleiben muss, um in seinem Innern das Verlangen zu Geben zu erschaffen, dann kommt das Licht des Sukkot Festes zu ihm.

Aus Texten von RAV Michael Laitman

Parasha „Ha`asinu“: Tora-Abschnitt „höret“

Zusammenfassung

Der Abschnitt Ha’asinu (höret) beschreibt den Einzug in das Land Israel. Moses beginnt mit einem Lied, das dem Volk als Erinnerung dienen soll, wenn es in Zukunft die Arbeit für den Schöpfer nicht ausführt. Das Lied preist die Lenkung des Schöpfers und Seine Erwählung des Volkes Israel. Es beschreibt das starrsinnige Volk Israel, welches sich der Götzenanbetung zuwendet.

Danach folgt eine Erklärung der Bestrafung für die Götzenanbetung und die Aussage, dass der Schöpfer dem Volk Israel in einem solchen Fall nicht helfen wird. In dem Maße jedoch, in dem Israel Buße tut, wird der Schöpfer es vor all seinen Feinden retten.

Als Moses sein Lied zu Ende gesungen hat, befiehlt ihm der Schöpfer, auf den Berg Nebo zu steigen und von dort auf das Land Israel zu schauen. Er weist Moses darauf hin, dass er sterben wird, denn ihm wird der Einzug in das Land Israel verwehrt.

Kommentar von Rav Michael Laitman

Die Tora birgt in sich alle Geheimnisse der Welt. Sie ist eine Anleitung und zeigt, wie ein Mensch sich verhalten soll, um spirituell voranzukommen. Sie spricht von der gesamten Schöpfung. Sie hilft dem Menschen, mit Schwierigkeiten umzugehen und zeigt ihm, was er tun soll.

Die Frage, die sich nun stellt, ist, warum die Tora diese Anleitung vor dem Einzug in das Land Israel beendet. Dies ist so, da sich die Kämpfe, Probleme und Schwierigkeiten, welche dem Volk bei der Überwindung von all dem bevorstehen – besonders die in diesem Abschnitt beschriebenen – bereits im Menschen existieren. Das Volk hat einen Zustand erreicht, in dem es bereit ist, in das Land Israel einzuziehen und sich über alle Probleme zu erheben und dadurch voranzukommen. Durch diesen Kampf nimmt das Volk das Land Israel in Besitz. Im Tora Abschnitt wird von den Verlangen, den Kräften gesprochen, die durch das Licht korrigiert werden, durch das, was das Volk in der Wüste durchlaufen und getan hat, um dadurch bereit zu sein, in das Land Israel einzuziehen.

Das Lied Ha’asinu preist den Schöpfer, die Kraft des Gebens. Es betont, dass der Mensch immer daran denken muss, alles, was ihm widerfährt, in den richtigen Zusammenhang zu setzen. Es preist den Nutzen der Nächstenliebe, welche die große Regel der Tora ist und für die ein Mensch alle Handlungen ausführen soll. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist mehr als nur eine Maxime. Es muss die Absicht jeder einzelnen Handlung sein, die Regel, in der alle Anstrengungen des Menschen mit eingeschlossen sind.

Das Lied lobt das Volk Israel, die inneren Verlangen, die sich erheben wollen, um wie der Schöpfer, gebend, mit der Absicht um zu geben zu sein. Schlussendlich sogar, um zu empfangen mit der Absicht geben zu können. Das Lied preist all diese Verlangen, die „das Volk Israel“ genannt werden, weil sie sehr groß und deshalb am wichtigsten sind.

Der Mensch soll immer bedenken, dass nur der Schöpfer ihn Handlungen des Gebens tun lassen kann. Das heißt, wenn ein Mensch auf seinem Weg Hilfe oder einen Segen erhalten will, wird er sie nur dann bekommen, wenn er auf die Eroberung des Landes Israel ausgerichtet ist. Er muss all seine egoistischen Verlangen, die ihn aktuell beherrschen, erkennen und sie in die Absicht zu geben verwandeln.

Auch in dieser Welt kann das beobachtet werden. Ein Mensch wird mit seinem eigenen verdorbenen System konfrontiert, der aktuellen globalen Krise, die nur durch die Verbindung zwischen allen Menschen beendet werden kann. Das ist der einzige Weg, wie er sich über die gesamte Krise erheben und das erbauen kann, was das „spirituelle Land Israel“ genannt wird.

Das Überwinden der Krise ist der Auszug aus Ägypten, der durch die großen Probleme, durch die Ungewissheit, das Unverständnis und die Orientierungslosigkeit geschieht, ähnlich dem Zustand in der Wüste. Ein Mensch weiß nicht, wohin er geht und wie er dorthin gelangen soll. Er hat keine klaren Ziele, er weiß nicht, was er tun soll und dennoch erreicht er das Land Israel. Er durchquert die Wüste und gibt alles aus dem Wunsch heraus auf, wirklich in der Absicht um zu geben zu sein, in der Einheit mit allen. Erez, Land, kommt von dem Wort Razon, Verlangen. Wenn alle Verlangen der Menschen darauf ausgerichtet sind und sie das Netz der Verbindungen zwischen ihnen – das Kli namens Erez Ysrael (Land Israel) – bilden, dann spricht man von Yashar El (direkt zu Gott).

Es steht geschrieben, dass sobald die Menschheit den Prozess der Korrekturen und Prüfungen abgeschlossen hat, sich das Land Israel in der ganzen Welt als „Das Land der Schönheit“ ausbreiten wird.[1] Am Ende werden sich alle Verlangen der Menschheit vereinen –  „wie ein Mensch mit einem Herzen“. Das beschreibt das große Lied Ha’asinu.

Entwickelt sich die Menschheit nicht in diese Richtung, werden Probleme und Schwierigkeiten auf sie zukommen. Diese werden sie gezwungenermaßen verändern, und gnadenlos und ohne die Unterstützung der Höheren Kraft zum vorgesehenen Ziel führen. Dabei wird den Menschen jedesmal gezeigt, wo sie sich irren und wie sie sich weiterentwickeln sollen.

Moses im Menschen ist nur ein “Betrachter“. Mehr kann er nicht tun. Er macht nur die grundlegende Korrektur, indem er das Land Israel betrachtet. Moses wird der „treue Hirte“ genannt, die reine Eigenschaft des Gebens. Deshalb sieht er das Land Israel nur durch das Licht, welches sich in GaR von Bina befindet. Durch sein Betrachten kann er dem Volk Israel helfen und ihnen den Weg ebnen.

Das Betrachten betrifft die Korrekturen. Moses ist der Rosh (Kopf) der jeweiligen Stufe. Nur mit Hilfe seiner Kraft kann ein Mensch das Land Israel betreten und beginnen, es zu erobern.


Fragen und Antworten

Der Name des Abschnitts lautet Ha’asinu (höret). Was bedeutet Ha’asinu und was ist mit Gesang gemeint?

Die Kelim (Gefäße) des Menschen sind jene des “Hörens” und “Sehens”. [Vor dem Erreichen des Landes Israel gibt es noch kein Kli (Gefäß) des “Sehens”]. “Hören” ist die Stufe von Bina, und “Sehen” die Stufe von Chochma. Erst wenn der Mensch das Land Israel erreicht, können beide zusammen zu Keter aufsteigen.

Der Mensch befindet sich in Malchut, also muss Malchut zuerst zu Bina aufsteigen. Indem der Mensch durch die Wüste geht, steigt er zu Bina auf. Die Kraft des Gebens (Moses) geht voraus, der Mensch folgt ihr und strebt, entgegen seines Willens danach, mit ihr zu sein.

Dieser Zustand ist wirklich wie eine Wüste: trocken, leer, menschenfeindlich, einsam und alles ist schwierig. Und doch ist dies der einzige Weg, um die Kraft des Gebens, über dem Willen zu empfangen, zu erhalten.

Der Mensch ist so erschaffen, dass er das Leben genießen will. Deshalb strebt er danach, sich selbst zu “füllen”. Dabei will er keine Rücksicht auf andere nehmen. Sein Wille zu empfangen verlangt die ganze Welt zu besitzen, denn er ist der Wichtigste, außer ihm und der Höheren Kraft, die ihm dienen soll, gibt es nichts.

Dies muss der Mensch nun ins Gegenteil korrigieren. Er soll sich so entwickeln, dass sein ganzes „Selbst“, seine Verlangen, Gedanken, Eigenschaften und alles, was sich in ihm und um ihn herum befindet, darauf ausgerichtet sind, anderen zu geben. Diese Korrektur erlaubt es ihm, sich in das große Kli, in welchem alle Teile der Seele des Menschen verbunden sind, zu integrieren und sein spirituelles Leben in der spirituellen Welt zu enthüllen, in der er in die unermessliche Höhere Kraft, genannt „Schöpfer“, eingeschlossen ist. Dann wird er fühlen, dass er sich nicht mehr auf der tierischen Stufe, sondern auf einer anderen Ebene der Existenz befindet.

Er erwirbt die Kraft des Glaubens, was „Sprechen“ genannt wird. Durch die Absicht, nur zu geben und sich mit anderen zu verbinden lernt er Wege des Gebens und Verbindungen zu finden, welche er noch nicht aktiviert hat.

In der Wüste braucht der Mensch die Kraft von Moses, die wie die Sonne ist und Josua, mit dem er in das Land Israel einzieht, welcher wie der Mond ist. Wenn ein Mensch sich von Ägypten lossagt, erkennt er seine egoistischen Verlangen und erreicht so die Stufe von Bina, auch genannt Osen (Ohr), und kann nun “hören”.

Moses, durch den die Stufe auf dem Berg Sinai begann, ist auch derjenige, der sie auf seiner letzten Etappe beim Einzug in das Land Israel auf dem Berg Nebo beendet. Ha’asinu beschreibt das Weitergeben der Kraft Moses‘, die ein Mensch in den vierzig Jahren der Wüste schrittweise erworben hat.

“Vierzig“ bedeutet, dass er auf die Stufe “Vierzig“, die Stufe von Bina, aufgestiegen ist. Deshalb raten die Weisen, dass ein Mensch die Tora (Kabbala) nicht vor dem Alter von vierzig Jahren studieren soll. Dies meint, dass bevor ein Mensch nicht die Stufe von Bina, die “Vierzig“, erreicht hat, er noch nicht sehen oder erkennen, kann. Bis dahin hat er nur das Hören erlangt, nicht aber das Sehen und somit kann er die Tora, „die Offenbarung des Schöpfers“ noch nicht erreichen.

Ist Ha’asinu der Abschluss der Stufe von Bina?

Abschluss meint die Verbindung aller Stufen der Wüste, die dem Volk Israel gemeinsam gegeben werden und es darauf vorbereiten, aus der Wüste in das Land Israel einzuziehen.

Sohar für Alle, Ha’asinu (Höret), Punkt 22

Moses offenbart an dem Tag, als er aus der Welt schied

 „Zu der Zeit, als Moses sprach: ‚Höret, ihr Himmel, ich will reden‘, da bebten die Welten. Eine Stimme erschien und sagte: ‚Moses, Moses, warum erschreckst du die Welt? Du bist der Sohn des Menschen, und deinetwegen wird die Welt erbeben.‘ Er fing an und sagte: ‚Denn ich werde den Namen des Herrn rufen.‘ Da wurden sie stumm und hörten auf seine Worte.“

Hier endet Moses Aufgabe, und er übergibt die Führung an Josua, die Stufe des Mondes. Josua kann nicht aus sich selbst geben, sondern nur, was er von Moses empfangen hat. Josua bekommt von Moses die Kraft des Gebens, weil er ihm treu ergeben ist. In der Erzählung will Josua nicht Wissen erlangen, sondern nur Moses dienen.

Daraus lässt sich schließen, dass, wenn der Mensch der Welt dient, er aufsteigen und die ganze Schöpfung bekommen wird. Dies ist die Rolle des “Volkes Israel“, „ein Licht für die Völker“ in dieser Welt zu sein. Sich zu korrigieren und dadurch „ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk“ (Exodus 19,6) zu werden.

Auf der Stufe der Wüste korrigiert sich der Mensch und bereiten sich darauf vor, anderen zu dienen, gemeint ist anderen zu geben. Er beginnt die Arbeit mit den Verlangen zu empfangen, und verwandeln sie in die Arbeit, mit der Absicht zu geben. Die in diesem Abschnitt beschriebenen Stufen zeigen, wie er mit den “Völkern der Welt“, also mit der Verlangen der ganzen Menschheit, arbeitet kann.

Was bedeutet es, dass der Schöpfer dem Volk Israel im Kampf gegen seine Feinde hilft oder eben nicht hilft? Wie erkennt dies der Mensch?

Eigentlich befindet sich die Welt konstant im Zustand, in dem alles mit Licht erfüllt ist und der Schöpfer allgegenwärtig ist. Allerdings ist das vor dem Menschen verborgen, weil er es mit seinen unkorrigierten Kelim (Gefäßen), mit seinem Verlangen und Gedanken, nicht erkennen kann. Je weiter er in der Korrektur voranschreitet und mit anderen Menschen in Liebe und Einheit durch das Geben verbunden ist, desto mehr enthüllt er die Kraft, die Licht, mit der  die ganze Realität erfüllt ist.

Ob der Schöpfer hilft oder nicht, hängt also von der Absicht des Menschen ab. Wenn sich ein Mensch Richtung Schöpfer bewegt, sich bemüht, Ihm ähnlich zu sein, enthüllt der Schöpfer Sich, gemäß den Gesetzen der Gleichheit der Form, in dem Maße, in dem die Form des Mensch mit der Form des Schöpfers übereinstimmt. Ähnlich wie in dieser Welt ein Radioempfänger: Wenn er auf die richtige Wellenlänge eingestellt ist, hört man, was auf dieser Frequenz gesendet wird.

Genügt es, dies zu wollen, oder muss man auch danach handeln?

Ein Mensch muss bestimmte Handlungen ausführen, aber nicht, um auszudrücken, dass er wirklich für den Schöpfer arbeiten will, sondern um dadurch zu erreichen, dass er dies wirklich will. Es reicht also, zu wollen, aber es genügt nicht, zu sagen, dass man es will. Es dürfen nicht nur leere Worte sein, sondern in den Worten muss auch die Entscheidung, diesen Wunsch zu wollen enthalten sein. Der Mensch muss wollen, dass dies geschieht.

Wenn ein Mensch sich mit anderen verbinden möchte, in „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, dann muss er sich Gedanken dazu machen, wie er seine gesamte Realität so nutzen kann, um den anderen zu geben. Bis er es zugunsten aller Menschen anwenden kann. Das ist das Gegenteil davon, wie Menschen aktuell miteinander umgehen. Alle nutzen ihre gesamte Umgebung zugunsten ihrer selbst.

Muss der “Nächste“ wichtiger als das eigene “Ich“ werden?

Das ist die Bedeutung von „wie dich selbst“. So wie eine Mutter für ihr Baby fühlt.

Braucht es dazu die Absicht? Ist es nicht genug, anderen physisch alles zu geben, was ich habe?

In der Spiritualität geht es nicht um die physische Welt. Sie ist dabei völlig unbedeutend. Es geht um die Verbindung der Herzen, der Seelen, der Emotionen, denn die gesamte Realität, die gesamte geschaffene Materie, besteht aus Verlangen. Ein Verlangen beinhaltet auch die Ausrichtung und die Art und Weise wie es genutzt wird. Ein Mensch braucht also nichts anderes zu tun, als mit der richtigen Absicht zu wollen, wie geschrieben steht: Der Herr wird es für mich vollbringen“ (Psalm 138,8).

Die Höhere Kraft, die sich zwischen den Menschen enthüllt, bildet das Netzwerk. Dies ist die Arbeit der Höheren Kraft. Ein Mensch braucht keine Handlungen zu vollbringen. Es geht dabei um sein Inneres, da braucht es keine physischen Handlungen. Er kann nichts weiter tun, außer zu bitten, dass die Höhere Kraft es für ihn tut. Auch das Volk Israel, das sich auf dem Weg durch die Wüste in verschiedenen Handlungen irrt, weiss nicht, wie es bitten, fordern und dadurch dann enthüllt soll.

Hier gibt es ein erzieherisches Element. Die Höhere Kraft erklärt dem Volk Israel, dass sie weiß, dass sie auf ihrem Weg sündigen werden. Sie schickt voraus, dass sie dafür bestraft werden und dann Buße tun werden. Wozu soll das gut sein?

Dies würde bei der Erziehung eines Kindes nicht funktionieren. Ihm wird erklärt, dass, wenn es dies oder das tut, dies das Beste für es ist und dabei wird ihm ein persönliches Beispiel gegeben. Macht das Kind einen Fehler, lässt man es verstehen, dass es ein Fehler war. Man sagt ihm nicht, dass man weiss, dass es Fehler machen und es dafür bestraft wird, und es dies bereuen und es ihm dadurch später gut gehen wird. Diese Worte wären für das Kind nicht hilfreich.

Ein Mensch muss nicht “gut“ sein. Rabbi Akiva wusste bereits im Voraus von der Zerstörung des Tempels, und so lacht er, als die Zerstörung schließlich stattfand. Auch Jakob wollte seinen Söhnen erzählen, was mit ihnen geschehen wird. Und Rabbi Schimon wusste, dass er ein Buch schreiben würde, für welche Zeit und was auf dem Weg dahin passieren würde. Auch ein Mensch muss diese Prozesse durchleben. Nimmt anerkennt er dies, beginnt er zu entdecken, dass sich alles direkt vor ihm befindet und für ihn vorbereitet wurde.

Natürlich macht er bei jedem Schritt Fehler, und jeder dieser Fehler wird die Sünde von Adam HaRishon, alle 613 Verlangen, enthüllen. Der Fehler des Menschen besteht darin, dass er nicht bittet und von der Höheren Kraft, dem Schöpfer, nichts fordert. Indem ein Mensch sich so sehr, wie es ihm möglich ist, mit anderen verbindet, erkennt er, wie groß sein Hass gegenüber Ihnen ist und wie sehr er sie ablehnt. Deshalb muss er vom Schöpfer fordern, dass Er die Verbindung schafft. Versucht er es selbst, wird das Ergebnis sein Verderben sein, denn er enthüllt das Gegenteil und wird davor fliehen.

Dabei gibt es ein erzieherisches Element. Die Höhere Kraft erklärt dem Volk Israel, dass klar ist, dass es auf seinem Weg sündigen wird und schickt voraus, dass es dafür bestraft und dann Buße tun wird. Wozu soll das gut sein?

Bei der Erziehung eines Kindes würde dies nicht funktionieren. Ihm wird erklärt, dass, wenn es dies oder das tut, dies das Beste für es ist und dabei wird ihm ein persönliches Beispiel gegeben. Macht das Kind einen Fehler, lässt man es verstehen, dass es ein Fehler war. Man sagt ihm nicht, dass man weiss, dass es Fehler machen und es dafür bestraft wird, und es dies bereuen, es ihm dadurch aber später gut gehen wird. Diese Worte wären für das Kind nicht hilfreich.

Ein Mensch muss nicht “gut“ sein. Rabbi Akiva wusste bereits im Voraus von der Zerstörung des Tempels, und so lacht er, als die Zerstörung schließlich stattfand. Auch Jakob wollte seinen Söhnen erzählen, was mit ihnen geschehen wird. Und Rabbi Schimon wusste, dass er ein Buch schreiben würde, für welche Zeit und was auf dem Weg dahin passieren würde. Auch ein Mensch muss diese Prozesse durchleben. Nimmt anerkennt er dies, beginnt er zu entdecken, dass sich alles direkt vor ihm befindet und für ihn vorbereitet wurde.

Natürlich macht er bei jedem Schritt Fehler, und jeder dieser Fehler wird ein Teil der Sünde von Adam HaRishon, schlussendlich alle 613 Verlangen, enthüllen. Der Fehler des Menschen besteht darin, dass er nicht bittet und von der Höheren Kraft, dem Schöpfer, nichts fordert. Indem ein Mensch sich so sehr, wie es ihm möglich ist, mit anderen verbindet, erkennt er, wie groß sein Hass gegenüber ihnen ist und wie sehr er sie ablehnt. Deshalb muss er vom Schöpfer fordern, dass Er die Verbindung erschafft. Versucht er es selbst, wird das Ergebnis sein Verderben sein, denn er enthüllt das absolute Gegenteil und wird davor fliehen.

Ein Mensch braucht keine Angst davor zu haben, sein großes Ego, zu offenbaren. Er muss sich auch nicht vor anderen “Göttern“, seinen Verlangen, verbeugen. Anstatt wegzulaufen, muss er nur um die Korrektur bitten. Tut er das, kann er nichts falsch machen. Natürlich wird er trotzdem Fehler begehen, weil sein Kontakt zum Schöpfer noch nicht vollkommen ist. Aber Alles was er tun muss ist, sich für die Annäherung an die Höhere Kraft anzustrengen. Auch nach großen Anstrengungen und enormer Arbeit wird er sich immer noch irren, dabei aber seine zerbrochene Seele enthüllen und lernen, dass er das Ziel ohne Hilfe nicht errichten kann. Erst dann erkennt er das wahre “Böse”.

Er enthüllt das absolut “Böse“, welches sich im vollständigen “Zerbrechen der Seele” zeigt. Dafür braucht der Mensch das Licht, die Offenbarung des Schöpfers. Sobald er Licht erhält, beleuchtet dies den “Ort der Zerstörung“, das, was der Schöpfer korrigieren muss. Das alles ist genau für diesen Menschen vorbereitet. Es wird so oder so stattfinden. Von der Enthüllung des großes Ego bis zum “Ort des Zerbrechens“ und dessen Korrektur.

Moses geht auf den Berg Nebo und schaut auf das Land Israel. Es wird ihm aber nicht erlaubt, es zu betreten. Das klingt grausam, denn er durfte die Schönheit aus der Ferne sehen, sie aber nicht erreichen. Was ist die Bedeutung des Aufstiegs auf den Berg Nebo

Der Schöpfer sagt Moses voraus, dass er und das Volk sich dem Land Israel nähern, er sterben wird und Josua seine Aufgabe übernimmt. Das klingt grausam, aber die Stufe von Moses steht nicht in direktem Zusammenhang mit dem Land Israel am Ende der Korrektur. Moses repräsentiert das gesamte Licht, wie die Sonne. Aber nun muss das Land Israel erobert und korrigiert werden. Nur die Kraft des Gebens kann das Land Israel betreten. Sie ist Josua, das Licht des Mondes. Indem diese Kraft, in das Land eingelassen und korrigiert wird, endet auch Josuas Aufgabe. Dies ist dann das Ende der Korrektur.

Sobald das Volk Israel das Land Israel betritt, gibt es nur Zerstörung, Verbannung und Exil. Nach einiger Zeit kommt das Volk zur Besinnung und kehrt in das Land Israel zurück. Erst jetzt kann es alle Korrekturen vollziehen. Nun erreicht es einen Zustand, in dem es Offenbarungen des echten Landes Israel erhält, das Verlangen zu empfangen mit der Absicht um zu geben. Zu diesem Zeitpunkt erreicht ein Mensch einen Zustand, der als „ein mutiger Mann von Kabzeel(Rav Pe’alim Mekatze’el)“ (Samuel 2, 23:20) bekannt ist.

Alle Korrekturen, welche die Menschheit im Laufe der Generationen durchläuft, werden dann in einer einzigen Korrektur zusammengeführt. Das Netz der Verbindungen zwischen allen Seelen wird erscheinen, und alle werden wirklich verbunden sein. Die wird der Punkt sein, an dem die „zwei große Lichter“ (1. Mose 1,16), die Kraft von Moses, das Licht der Sonne, und Josua, die Kraft des Mondes, zusammenstoßen. Dann erreicht der Mensch erreicht einen unendlichen Tag, an dem alles gut sein wird.

Die aktuelle Situation auf der Welt scheint schlimmer zu sein, als je zuvor. Wurden auf dem Weg bis hierhin überhaupt Korrekturen gemacht?

Bisher haben die Menschen sich nur vorbereitet. Sie haben noch keine Korrekturen durchgeführt, und noch nicht alles “Böse“ enthüllt. Erst jetzt, durch die immer häufiger stattfindenden Krisen, beginnen sie, diese zu offenbaren. Die “Böse“und die Korrektur liegen nahe beieinander, sie sind miteinander verbunden. Wenn die Menschen es sich wünschen würden, könnten sie all diese Leiden sehr schnell durchlaufen. Sie müssen nicht gezwungenermaßen  lange andauern.

Können die Menschen das beeinflussen? Es scheint, als ob der Schöpfer alles tut.

Alles hängt von der Bitte des Menschen an den Schöpfer ab. Dadurch beschleunigt er die Zeit. Es steht geschrieben, dass “Israel die Zeit heiligt“(Masechet Berachot, 49a). Sie müssen den Schöpfer „rufen“. Die Kraft des Gebens befindet sich zwischen den Menschen. Es scheint als verborgenes Licht, das immer präsent ist, und zu dem ein Mensch rufen muss, damit es ihn korrigiert.

Fazit:

Die Menschen brauchen die Verbindung untereinander in Form von „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Das ist die Korrektur, die sie vornehmen müssen. Es ist nicht einfach, aber es ist die wichtigste Aufgabe, die große Regel der Tora. Die gesamte Realität muss sich verbinden. Heute erkennt ein Mensch, dass er die Verbindung braucht. Die ganze Welt braucht sie, denn das ist der einzige Weg, um aus all den heutigen Krisen herauszukommen.

Die Menschheit befinden sich in einem zerbrochenen Zustand, was kabbalistisch gesehen, gut ist. Die Menschen befinden sich darin, das Negative in sich zu enthüllen. Sie brauchen nur den Schöpfer um Hilfe zu bitten. Nur wenn sie mit gemeinsamer Kraft versuchen, sich zu verbinden, dann offenbart sich der Schöpfer. Dies wird als spirituelles, vollkommenes und friedvolles Leben in unendlicher Harmonie, von allen, hier und jetzt, wahrgenommen. 

[1] Und ich bin herabgekommen, um sie zu erretten aus der Hand der Ägypter und sie aus diesem Land zu führen in ein gutes und weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließt; es ist das Schönste aller Länder.

 


Glossar Parasha Ha`asinu

törichtes Volk: Ein Mensch hat Panim, eine vordere und Achoraim, eine hintere Seite. Achoraim einer Stufe sind jeweils die gröbsten Kelim (Gefäße), die egoistischsten Verlangen zu empfangen. “Töricht“ meint, dass dies größten, gröbsten Verlangen schwierig zu korrigieren sind. Diese Verlangen treten gerade im Volk Israel auf und nicht in anderen Völkern.

Obwohl “Böses“ in jedem Menschen existiert, ist der Egoismus in Menschen, die sich korrigieren möchten, also jene die zum Volk Israel gehören, überaus stark ausgeprägt. Das Volk Israel existiert um diese großen Korrekturen zu erreichen. Es muss die schlimmsten Kelim (Gefäße des Empfangens) miteinander verbinden und deshalb hinterfragt das starkes Ego dies immer wieder. Deshalb wird es ein “törichtes Volk“ genannt. Dies kann nicht umgangen werden.

Ein gewöhnlicher Mensch gilt nicht als töricht. Nur jene Menschen, die den Weg der Korrekturen gehen wollen, deren Herz wird verhärtet und sie entdecken zunehmend den Bösen Trieb, wie geschrieben steht: Wer größer ist als sein Freund, dessen Trieb ist auch größer als jener des Freundes“ (Babylonischer Talmud, Masechet Sukka, Kapitel 5, 52a).

Lenkung durch den Schöpfer: Die Lenkung durch den Schöpfer bedeutet, dass ein Mensch erkennt, dass es außer dem Schöpfer nichts anderes gibt. Auf dem Weg dies zu glauben, muss ein Mensch einen “Katalysator“ zwischen seine Handlungen und die Handlungen des Schöpfers bringen. Die Bitte, dass es geschehen möge. Ohne die Bitte des Menschen wird es nicht geschehen. In Wahrheit beginnt und beendet der Schöpfer alle Zustände  des Menschen. In der Zeit zwischen den Zuständen kann der Mensch nur bitten. Ein Mensch muss wissen, worum er bittet und wie er die Bitte an den Schöpfer richten muss. So weiß der Schöpfer, dass der Mensch das ganze System und auch den Schöpfer erkennt.

Bestrafung: Die Unfähigkeit zu geben, wird als Strafe betrachtet. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn einem Menschen das Geben verwehrt wird.

Berg Nebo: Dies ist der Ort von Bina, der Ort von Moses. An diesem Ort befindet sich die Kraft Moses, bis sie die vollständige Erlösung erreicht hat, und dann erscheint sie.

“über das Land schauen“: Dies ist die Korrektur des Sehens, genannt „Schauen“. Histaklut (Schauen) von Eynaim in ACHAP ist das, was Mose tut. Auf diese Weise führt er Korrekturen des Landes Israel durch, damit das Volk Israel mit seinem Segen, seiner Kraft, das Land Israel betreten kann und die Korrekturen fortsetzen kann. Josua geht bereits mit der Kraft von Mose und führt das Volk an.

Götzendienst: Ein Götzendienst ist es dann, wenn ein Mensch sich selbst oder irgendeine andere Kraft in der Welt als wichtig erachtet, und nicht die eine, gebende Kraft, welche zwischen den Menschen verborgen ist und offenbart werden muss. Um korrigiert zu werden, muss er sich an die Höhere Kraft wenden und Sie bitten, Sich zu offenbaren.

16. September 2021, Gute-Nacht-Text

Ein Gebet muss ernst gemeint sein. Das heißt, dass der Mensch selbst spürt, dass er keinen Glauben über dem Verstand hat, was bedeutet, dass sein Wissen ihn nicht verpflichtet zu geben. Und der Mensch versteht, dass das Hauptziel sein sollte, Anhaftung (Dwekut) zu erlangen. Und da sich der Verstand dagegen sträubt, und er sich diesem Wissen widersetzt, ist das eine sehr bedeutende Arbeit. 

Denn er bittet Schöpfer, Er möge ihm eben das geben, dem sich alle seine Organe widersetzen. Daraus folgt, dass jedes Gebet, das er zum Schöpfer erhebt, eine besondere Arbeit bedeutet. Deshalb wird das Gebet „Arbeit im Herzen“ genannt, was bedeutet, dass er sich seinem Wissen und Verstand entgegen stellen will, die ihm das Gegenteil sagen.

Und deshalb heißt es auch nicht „Arbeit des Verstandes“, denn als Arbeit des Verstandes bezeichnet man, dass ein Mensch Anstrengungen unternimmt, mit seinem Verstand und im Wissen etwas zu begreifen. Hier jedoch will er nicht mit seinem Verstand verstehen, also will er nicht dem Schöpfer dienen, wenn er im Zustand des Wissens ist. Vielmehr möchte er gerade im Glauben über dem Verstand dem Schöpfer dienen. Deshalb wird dieses Gebet „Arbeit im Herzen“ genannt.

RABASH, 1987/25, “Was ist Ernsthaftigkeit in der spirituellen Arbeit?”

Wie kann man im Abstieg glücklich sein?

Frage an Dr. M. Laitman: Wie kann man glücklich sein und sich beim Abstieg mit dem Schöpfer verbunden fühlen?

Antwort: Während des Abstiegs kann sich der Mensch nicht über das freuen, was er fühlt, weil er einerseits den Mangel an Erfüllung spürt. Andererseits, versteht er in seinem Verstand, dass dieser ganze Abstieg dazu dient, Gefäße zu erhalten, zu denen er später aufsteigen kann, und er ist dankbar dafür, dass er sie hat.

So wie Rabashs Beispiel, in welchem der Vater stirbt und dem Sohn eine große Fabrik hinterlässt. Der Sohn hatte vorher Spaß, aber jetzt muss er lernen. Ihn erwartet also einerseits harte Arbeit, aber andererseits hat er großen Besitz bekommen und kann dementsprechend große Dinge erreichen. Er kann sich als Manager, als Produzent, als jemand, der in seinem Leben etwas in der Welt tut, fühlen. Es kommt also darauf an, wie wir es fördern.

Angenommen ich bin ein gewöhnlicher Mensch und ich habe kein Ziel und ich bin nicht daran gebunden und jedes einzelne Problem, das sich in der Welt zeigt, sehe ich als Katastrophe. Nehmen wir das Klima, die Hitze, wir haben die Pandemie, und wir haben den Winter vor uns. All das kann man als Fluch sehen.

Wenn ich andererseits verstehe, dass all diese Dinge kommen, um mich zur Verbindung zu erwecken, damit ich verstehe, wie ich die höhere Kraft beeinflussen muss, die das ganze Klima, unser ganzes Leben, den ganzen Aufstieg und den ganzen Abstieg, die internationalen Beziehungen und den Aktienmarkt und alles regiert.

Wenn ich weiß, wie ich die höhere Kraft beeinflussen kann, dann wird mir die Möglichkeit gegeben, näher zu kommen und Einfluss zu nehmen, und dafür sollte ich dankbar sein. Ich werde in der Lage sein, die gesamte Realität und die ganze Welt zu verändern.

Es hängt alles davon ab, wie ein Mensch zu dem steht, was ihm widerfährt, mit wem er in Kontakt ist, mit wem er sich verbindet. Ich sehe in keinem Zustand etwas, das nicht erforderlich oder schlecht ist – wir steigen in der Spiritualität immer auf, wir gehen nie zurück und so müssen wir arbeiten.

Jom Kippur aus kabbalistischer Sicht

Der Feiertag Jom Kippur, Versöhnungstag oder “Tag des Gerichts“, findet zehn Tage nach Rosh HaShana, dem “Anfang des Jahres“ statt. Aus kabbalistischer Sicht ist Jom Kippur der Tag, an dem ein Mensch seine Taten des vergangenen Jahres bewerten soll. Dabei entdeckt er, dass, als ihm die Gelegenheit gegeben wurde, er zu wenig Anstrengungen unternommen hat, um sich der Höheren Kraft anzunähern. Dafür bittet er nun um Vergebung.

RABASH beschreibt in vielen Artikeln, dass der Mensch entsprechend seinem inneren Zustand, ohne jegliche Verbindung mit dem kalendarischen Feiertag, zum “Tag des Gerichtes“ kommen kann. Alle Menschen durchlaufen in ihrer persönlichen spirituellen Entwicklung verschiedene Prozesse. Aufstiege in diesen Prozessen, werden auch als Rosh HaShana oder Jom Kippur bezeichnet. Jom Kippur ist ein sehr hoher Zustand. Es bedarf der Einwirkung eines gewaltigen, Höheren Lichtes auf den Menschen, damit diese Stufe in ihm enthüllt wird.

Die Erzählung von Jona

In der Erzählung von Jona wird einer dieser Prozesse beschrieben. Jona wird vom Schöpfer, der Höheren Kraft, beauftragt, in die heidnische Stadt Ninive zu gehen, um deren Bewohner zum Geben zu erwecken. Jona entscheidet sich aber, vor dieser Aufgabe und damit vor dem Schöpfer davonzulaufen. Er flüchtet auf ein Schiff, um zu entkommen. Der Schöpfer ruft daraufhin einen Sturm hervor. Die Seeleute suchen den Grund für diesen Sturm, diese Strafe, und erkennen, dass Jona daran schuld ist. Sie werfen ihn ins Meer und er wird von einem Wal verschluckt. Das ist seine Rettung. Der Wal bringt ihn nach drei Tagen, in denen er Zeit hat, sich selbst und seine Absichten zu überprüfen, an die Küste vor der Stadt Ninive. Der geläuterte Jona nimmt seinen Aufgabe nun wahr und geht in die Stadt Ninive. Überzeugt durch seine Reden und Erklärungen lassen die Menschen von Ninive von ihren egoistischen Absichten ab und erreichen dadurch die Nächstenliebe. 

Der Schöpfer schickt Jona, “den Punkt im Herzen“, der das Geben und die Wurzel der allgemeinen Seele symbolisiert, in diese Welt. Die Seeleute in der Erzählung, d.h. die Umgebung des Menschen, sind Beauftragte des Schöpfers.
Mit Jona ist also die Seele gemeint, die in den Körper des Menschen in diese Welt absteigt. Der Mensch in dieser Welt gleicht dem Schiff auf dem tosenden Meer. Die Seele kommt in den Körper, um ihre Korrektur, im Zusammenhang mit anderen Seelen, zu erreichen. Nur aufgrund des egoistischen Verlangens der Geschöpfe kann die Seele korrigiert werden. Dabei nutzt die Seele ihren Egoismus und die Trennung von anderen Menschen und entwickelt aus “dem Punkt im Herzen“, der sie mit der Höheren Welt verbindet, die Anhaftung an die Höhere Kraft, den Schöpfer und damit die Eigenschaft des Gebens und der Liebe.

In der Erzählung soll Jona seine egoistischen Verlangen erwecken, um sie zu korrigieren. Er muss sich mit allen Seelen in der Stadt Ninive verbinden und sie zur Korrektur anregen. Dadurch können sie das “Böse“ in das “Gute“, in die Liebe zum Nächsten, umwandeln. Andernfalls würden sie in der Eigenliebe und im Hass verbleiben, was sie in den Tod führen würde.

Kabbalistische Umsetzung

In dieser Welt muss der Mensch dazu die Hilfe des Höheren Lichts anziehen. In jenem Maße, in dem er um das korrigierende Licht bittet, erhebt die Höhere Kraft diesen Teil des Verlangen zu empfangen, in eine Handlung des Gebens. Der “Punkt im Herzen“ verursacht, durch sein Verlangen zu geben eine Gegenreaktion. Es entstehen immer größere egoistische Verlangen in diesem Menschen. Darum muss er jene Verlangen, die noch nicht für das Geben geeignet sind, zurückstellen. Er muss eine Beschränkung durchführen. Dieser Prozess geschieht entsprechend der Stufen der spirituellen Welt, 125 Mal, bis das vollkommene Geben erreicht ist. So korrigiert der Mensch schlussendlich alle Verlangen, für sich zu empfangen, zu Verlangen, anderen zu geben. Dadurch tritt er in die Welt der Höheren Kraft ein, in die Empfindung der Welt mit der Eigenschaft des Gebens, die als ewige und vollkommene Existenz empfunden wird.

Die Erzählung von Jona verdeutlicht, dass die Höhere Kraft den Menschen in dieser Welt zwingen wird, entweder den guten Weg oder den Weg der Leiden, welcher sich wie der Tod anfühlen wird, zu wählen. An Jom Kippur wird gefeiert, weil der Mensch die Möglichkeit der Wahl bekommt, wie beschrieben steht „so erwähle nun das Leben“(1). Dabei ist das Wichtigste, die Höher Kraft um Hilfe zu bitten, denn nichts in der Welt geschieht ohne die Kraft des Höheren Lichts.

Aus Unterrichten von RAV Michael Laitman

(1) Deuteronomium, 30,19: Ich nehme heute Himmel und Erde gegen euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt; so erwähle nun das Leben, damit du lebst, du und dein Same.