1989/1 Was bedeutet es, mögen wir in der Arbeit der Kopf und nicht der Schweif sein?

Artikel Nr. 1, 1989/90

Die Weisen sagten[1], „Seid der Schweif der Löwen und nicht der Kopf der Füchse.“ Was bedeutet es, wenn wir sagen „Mögen wir der Kopf und nicht der Schweif sein“? Die Reihenfolge der Arbeit ist: Wenn wir den Weg der Korrektur gehen wollen, der auch „um zu geben“ genannt wird, dann soll die Grundlage unserer Arbeit im Glauben über dem Verstand sein. Wenn also der Körper sieht, dass der Mensch sich anstrengt, um für den Schöpfer und nicht zum eigenen Vorteil zu arbeiten, stellt er die Frage des verdorbenen Pharao, der nach dem „Wer [ist der Schöpfer]“ fragt, ähnlich der Sünder, die fragen: „Was soll diese Arbeit dir bringen?“.

Es ist klar, dass wir die Fragen mit dem Kopf bzw. mit dem Intellekt beantworten müssen, und nicht so tun dürfen, als besäßen wir keinen Intellekt. Das bedeutet, wir müssen in die Frage eintauchen und untersuchen, was wir aus dem Verstand heraus auf diese Fragen antworten. Darüber sagten sie, dass wir dem Körper antworten müssen, dass er in Bezug auf die Vernunft recht hat und man daher nichts antworten kann. Doch der Weg der Tora bedeutet, dass wir über dem Verstand und über dem Intellekt gehen sollen. Wir müssen es daher so deuten, das wir ein Schweif der Löwen sein sollen und nicht ein Kopf der Füchse.

Wenn also der Körper mit den Fragen „wer?“ und „was?“ kommt, beantworte sie nicht aus dem Verstand heraus. Also nicht mit dem Intellekt und der Vernunft, sondern sei ein Schweif für die Löwen. Denn ein Löwe wird Chessed genannt, da es in der Höheren Struktur den Löwen und den Ochsen gibt, die Chessed und Gwura symbolisieren und einen Adler, der Tiferet symbolisiert.

Und der Mensch sagt zu den Füchsen: „Da deine Fragen aus dem Intellekt heraus entstehen, und ein Fuchs als schlau angesehen wird, werden sie Füchse genannt.“ Und ein Mensch sollte antworten: „Ich antworte dir nicht aus dem Verstand heraus und mit Vernunft. Vielmehr folge ich den Löwen, wie der Schweif dem Kopf folgt. Und ich habe keinen Kopf, sondern werde von der Eigenschaft Chessed angezogen, welches bedecktes Chassadim ist.“ Obwohl er also nicht sieht, dass es Chassadim ist, da es vor ihm verborgen ist, glaubt er dennoch über dem Verstand, dass es sich um Chassadim handelt. Das wird „Seid ein Schweif für die Löwen“ genannt.

Er sagt also, dass er von der Eigenschaft Chessed angezogen wird, die nur „um zu geben“ bedeutet. Und ein Mensch sollte sagen: „Da er über dem Verstand glaubt, dass der Schöpfer mit der Eigenschaft der Güte über die Welt wacht, dass er Gut ist und Gutes tut, ist er dennoch überzeugt, dass die Verhüllung der Vorsehung, die er bemerkt, die man mit dem menschlichen Auge anders beurteilen würde, notwendig ist und dass der Schöpfer es so will, weil es im Interesse des Menschen ist. Er kann alles im Glauben über dem Verstand empfangen, denn dadurch kann er aus der Eigenliebe austreten und für den Schöpfer arbeiten.

Würde sich die Vorsehung allen schon vor der Erlangung der Gefäße des Gebens enthüllen, wäre es unmöglich, das Gute um des Gebens willen zu empfangen. Doch sobald ein Mensch jede Anstrengung unternommen hat, um die Gefäße des Gebens zu erlangen, kann er das Licht und den Genuss um des Gebens willen entsprechend seiner Korrektur empfangen.

Wir wissen, was unsere Weisen sagten. „Alles liegt in den Händen des Schöpfers, außer der Ehrfurcht vor dem Schöpfer“. Das bedeutet, dass der Schöpfer alles gibt außer der Ehrfurcht vor dem Schöpfer. Sie gibt der Schöpfer uns nicht. Und wir sollten fragen: „Warum gibt Er uns die Ehrfurcht nicht?“ Doch zunächst müssen wir die Bedeutung der Ehrfurcht vor dem Schöpfer verstehen.

Es wird in der Einführung in das Buch Sohar erklärt, dass „Ehrfurcht“ bedeutet, dass der Mensch fürchtet, seine Anstrengung für den Schöpfer zu vermindern. Daher hat er Angst davor, das Gute zu empfangen. Wie geschrieben steht: „Und Moses verbarg sein Gesicht, da er fürchtete, zu sehen.“ Und unsere Weisen sagten, dass Moses durch das Verbergen seines Gesichts mit „und er sah das Bild des Schöpfers“ belohnt wurde, der Übereinstimmung der Form mit Ihm.

Es folgt, dass wir nur das Geben dem Schöpfer zuschreiben, doch „nicht zu geben“ gehört nicht zum Schöpfer. Daher sagen wir, dass die Ehrfurcht vor dem Schöpfer zu den Geschöpfen gehört, die aufhören zu empfangen, solange sie nicht sicher sind, dass ihre Arbeit ausschließlich um des Schöpfers willen ist. Und darin liegt die ganze Arbeit der Geschöpfe: Über dem Verstand zu arbeiten. Und es ist unmöglich, irgendetwas ohne Glauben an die Weisen zu tun, die uns die Reihenfolge der Arbeit vorgaben.

Und sobald ein Mensch seine Arbeit als „Schweif für die Löwen“ annimmt, also den Weisen folgt und sich nach ihren Vorgaben richtet, gleicht das den Worten unserer Weisen: „Seid Staub unter den Füßen der Weisen.“ Das wird gedeutet „Folge ihnen!“ Denn jemand der geht, wirbelt mit den Füßen Staub auf. Und jemand der folgt, wird mit dem Staub erfüllt, den der Vorgänger durch sein Gehen aufgewirbelt hat.

Wir müssen verstehen, was unsere Weisen uns mit dieser Allegorie sagen wollen. Wir deuten es so: Wenn jemand dem Glauben an die Weisen folgt, blickt er auf deren Weg. Sie sagen, dass man über dem Verstand gehen müsse. Dann versucht der Mensch herauszufinden, ob er wirklich würdig ist, dem Weg der Weisen zu folgen. Das bedeutet, dass der Weise mit seinen Füßen Staub aufwirbelt, der jenen, die ihm folgen, in die Augen gelangt. Wenn daher ein Mensch den Weg der Weisen gehen will, wird uns gesagt, dass er das mit geschlossenen Augen tun müsse. Sonst gelangt Staub in seine Augen. Also etwas, das nicht wichtig ist. Das wird Staub genannt und es gibt nichts niedrigeres. Und da der Mensch über Vernunft und Intellekt verfügt, um alles entsprechend der Vernunft zu verstehen, wird uns gesagt, den Glauben an die Weisen anzunehmen.

Doch ein Mensch will diesen Weg verstehen. Aber solange ein Mensch unter der Kontrolle des Verlangens für sich selbst zu empfangen gefangen ist, weiß er nichts über Gut und Böse, sondern muss alles entsprechend den Vorgaben der Weisen akzeptieren. Und wenn nicht, gelangt Staub in die Augen und man kann den Weg nicht fortsetzen. Doch wenn er die Worte der Weisen nicht kritisiert und sie nicht innerhalb des Verstandes annehmen will, werden wir besonders dadurch mit der Erkenntnis von „Da’at der Kedusha“ – Heiligkeit belohnt.

Denn das ganze Thema der Arbeit über dem Verstand betrifft uns, weil wir vollkommen in der Eigenliebe versunken sind. Durch die Arbeit über dem Verstand allerdings werden wir der Gefäße des Gebens würdig. Und dann erscheinen das Licht und der Genuss in den Gefäßen des Gebens. Der Heilige Sohar nennt das: „Da’at (Verstand) breitet sich aus und erfüllt Räume und Paläste.“ Wenn also die Gefäße richtig angeordnet sind, breitet sich Da’at in den inneren und äußeren Gefäßen aus.

Und nun kommen wir zum Ursprung zurück, wo wir sagten: „Mögen wir der Kopf und nicht der Schweif sein.“ Da bekannt ist, dass es einen Schöpfungsplan und eine Reihenfolge der Korrektur gibt, sollen wir Gefäße des Gebens erlangen, denn sonst ist es unmöglich, Licht und Genuss zu empfangen. Die Vorgabe ist „Sei ein Schweif für die Löwen“, denn daraus folgt „Alles erfolgt über dem Verstand“.

Sobald man die Gefäße des Gebens erlangt hat, wird man des Verstandes der Heiligkeit würdig, der auch „Vernunft der Heiligkeit“ genannt wird. Wie im Heiligen Sohar geschrieben steht: „Da’at (Verstand) breitet sich aus und erfüllt Räume und Paläste.“ Denn durch den Verstand der Heiligkeit wird der Menschen mit Rosh (Verstand) belohnt.

Wenn wir daher den Schöpfer bitten und sagen „Möge ein Wunsch sein“ dann erbitten wir damit das Wissen um den Schöpfungszweck, der der Grund und der Kopf ist. Dass wir also der Kopf und nicht der Schweif sein mögen. Dass wir also nicht der Schweif der Sitra Achra sein mögen, die keinerlei Verstand besitzt. Wie geschrieben steht: „Ein anderer Gott ist unfruchtbar und trägt keine Früchte“. Vielmehr werden wir mit Verstand belohnt, welcher die Früchte bedeutet, die jemand bekommt, sobald er Gefäße des Gebens erlangt hat. Dies sind die Gefäße für den Empfang der Fülle und des Genusses, die Er seinen Geschöpfen schenkt.

Solange der Mensch noch nicht mit dem Verstand der Heiligkeit belohnt wurde, der auch Rosh oder Kopf genannt wird, heißt das, dass er noch nicht von den Gefäßen der Selbstliebe gereinigt wurde und daher auch noch keinen Verstand besitzt. Wenn er also zunächst den Glauben über dem Verstand nicht akzeptiert, durch welchen er der Gefäße des Gebens würdig wird und in welchen sich die Heiligkeit einkleiden kann, besitzt er auch den Verstand der Heiligkeit nicht.

Der Dubner Magid sagt über den Vers „Du hast dich nicht an mich gewendet, Jakob, denn du hast dich mit mir abgemüht, oh Israel.“ Das bedeutet, solange ein Mensch noch unter der Arbeit für den Schöpfer leidet, ist das ein Zeichen dafür, dass er noch nicht wirklich für den Schöpfer arbeitet sondern um der Eigenliebe willen. Er hat daher große Mühe mit der Arbeit. Doch sobald er seine Gefäße in Richtung Geben an den Schöpfer korrigiert, erfreut er sich an der Arbeit, da er spürt, dass er dadurch einem großen König dient. Und dies ist ein großes Glück für ihn.

Daher soll der Mensch den Kopf, den Intellekt und den Verstand der Heiligkeit erlangen, denn das ist der Schöpfungsplan.

[1] Sprüche der Väter (Kapitel 4)