1987/30 Was wir in der Versammlung der Freunde suchen sollen

Artikel Nr. 30, 1987/88

Unsere Weisen sagten (Awot, Kapitel 1, 6), „Mach dir einen Rav (Lehrer), kaufe dir einen Freund, und beurteile jeden Menschen wohlwollend.“ Wir sollten den Zusatz „Und beurteile jeden Menschen wohlwollend“ zu „Kaufe dir einen Freund“ verstehen.

Auch in Matan Tora (Die Gabe der Tora, Punkt 14) steht geschrieben, dass die Mizwa „Liebe deinen Freund wie dich selbst“ eine Vorschrift ist, um die Liebe des Schöpfers zu erhalten, welche die Dwekut (Anhaftung) an Ihn ist. Er schreibt: „Es ist vernünftig zu denken, dass derjenige Teil der Tora, welcher die Beziehungen des Menschen mit seinem Freund behandelt, eher geeignet ist, jemanden zum ersehnten Ziel zu bringen. Das kommt daher, weil die Arbeit in den Mizwot (Geboten), welche die Beziehungen zwischen dem Menschen und dem Schöpfer regeln, stetig und bestimmt ist. Sie fordert nichts und der Mensch gewöhnt sich leicht daran. Und alles, was aus Gewohnheit getan wird, kann, wie wir wissen, keinen Nutzen bringen. Aber die Mizwot zwischen Mensch und Mensch sind unstetig und unbestimmt, und Forderungen umgeben den Menschen, wohin er auch schaut. Daher sind sie ein sicheres Mittel und ihr Ziel ist näher.“ Soweit seine Worte.

Das bedeutet, dass der Mensch dazu gelangen muss, der Übereinstimmung der Form würdig zu werden, also, dass all seine Gedanken und Gefühle auf den Gewinn des Schöpfers und nicht auf seinen eigenen Gewinn ausgerichtet sind. Dies entstammt der Korrektur des Zimzum (Einschränkung). Es bedeutet, dass der Schöpfer aus Seiner Perspektive die Welten mit der Absicht erschaffen hat, den Geschöpfen Gutes zu tun; und dass nach den Worten der Weisen der Schöpfer zu den dienenden Engeln sagte, dass die Schöpfung der Welt einem König gleiche, welcher Überfluss besäße jedoch keine Gäste habe.

Mit anderen Worten, er hat Genuss daran, wenn die Gäste bei ihm speisen, aber um Scham zu verhindern geschah eine Korrektur; sie dürfen Freude und Genuss nur erhalten, wenn sie die Absicht haben, den Schöpfer zu erfreuen. Aber die erste Stufe ist Geben um zu geben. Man sollte genießen, während man gibt, genauso, wie der Schöpfer dies genießt. Es ist wie unsere Weisen sagen (Sohar, Teil 1, BeReshit): „Es gab vor dem Schöpfer niemals größere Freude seit jenem Tag, als die Erde erschaffen wurde, als jene, die Er in Zukunft mit den Gerechten genießen wird.“

Wir sehen, dass an dem Tag, an dem die Welt erschaffen worden ist, eine große Freude vor dem Schöpfer war. Er hatte große Freude am Wunsch zu geben. Wenn ein Mensch Handlungen des Gebens ausführt, ohne Freude dabei zu empfinden, gibt es hier keine Übereinstimmung der Form. Denn die Handlung, mit der jemand gibt und sich in der Nächstenliebe engagiert, sollte mit Freude ausgeführt werden, gleich jener Freude, welche der Schöpfer empfindet. Folglich fehlt hier die Übereinstimmung der Form.

Daher gibt es zwei Dinge, die man tun muss:

  1. Auch wenn der Körper nicht in der Form des Gebens arbeiten will, muss er dazu gezwungen werden. Aber es gibt die Regel, wenn jemand gewisse Dinge unter Zwang tut, kann er nicht fröhlich sein, weil er sich mehr freuen würde, wenn er diese Dinge nicht tun müsste. Dennoch muss der Mensch unter Zwang arbeiten. Das wird „Das Zwingen und Bändigen des Bösen in ihm“ genannt.

Wie wir jedoch oben festgestellt haben, fehlt hier die Freude, die mit jeder Tat des Gebens kommen sollte; man kann sich aber an einer Handlung, die unter Zwang erfolgt, nicht erfreuen. Freude ist das Ergebnis des Vergnügens eines Menschen, und wo immer es Genuss gibt, gibt es keinen Zwang. Daher kommen aus Zwang nie Freude oder Genuss.

  1. Wir sagen, dass wir Freude brauchen, um die Arbeit des Schöpfers auszuführen und dass Freude aus etwas resultiert, was dem Menschen gefällt. Weil aber die Menschheit nur Handlungen aus Zwang ausführen kann, wird dies eine „Handlung“ genannt. Eine Handlung ist etwas, mit dem der Verstand nicht einverstanden ist. Wenn daher jemand anfängt, sich selbst zu zwingen, gelangt er in einen Zustand von „Derjenige, welcher kommt, um gereinigt zu werden“.

Doch es fehlt noch etwas, das seine Freude hervorlocken wird. Wir sollten das so deuten, dass ihm dies von Oben gegeben wird. Das bedeutet: „Ihm wird geholfen.“ Worin besteht die Hilfe? Der Heilige Sohar sagt „In einer heiligen Seele.“ Wenn jemand damit belohnt wird, dann freut er sich. Wenn es daher heißt, dass man mit Freude arbeiten sollte, bedeutet das, dass man durch seine Handlungen das Erwachen von Oben hervorlocken sollte. Denn nur durch die Hilfe von Oben und indem man sich mit Handlungen des Gebens beschäftigt gelangt man in einen freudigen Zustand.

Tatsächlich gibt es hier eine Frage. Warum ist es notwendig, Handlungen des Gebens mit Freude durchzuführen? Der Grund ist einfach: Es gibt hier keine Gleichheit der Form, denn wenn der Schöpfer gibt, fühlt Er automatisch Freude. Jedoch wenn der Mensch gibt und keine Freude daran hat, fehlt die Gleichheit der Form.

Jedoch gibt es ein noch ernsteres Problem als die Gleichheit der Form. Wenn ein Mensch in einem Zustand der Schwermut ist, in dem er sein Leben als sinnlos ansieht und alles in der Körperlichkeit sowie in der Spiritualität nur schwarz sieht – gleicht er einem, der eine schwarze Brille trägt, und wohin er auch immer blickt, sieht er nur schwarz. In diesem Zustand wird ein Mensch als Ketzer betrachtet, da er nicht sagen kann, dass der Schöpfer Seine Welt mit Wohlwollen lenkt.

In diesem Zustand mangelt es ihm an Glauben. So ist hier nicht mehr die Gleichheit der Form das Problem, sondern der fehlende Glaube. Hieraus folgt, dass der Mensch immer in der Freude sein und über dem Verstand glauben muss, dass alles, was der Schöpfer tut, aus Wohlwollen geschieht. Aber wir sollten auch glauben, dass es das ist, was wir brauchen – über dem Verstand zu glauben.

Unserer Meinung nach wäre es besser, würde uns der Schöpfer mit offenbarter Lenkung behandeln. Aber Baal HaSulam sagte, dass wir nicht sagen dürfen, dass der Schöpfer nicht alles in die Gefäße des Empfangens geben kann, das heißt innerhalb des Verstandes, was bedeutet, dass der physische Körper auch verstehen würde, dass der Schöpfer die ganze Welt nur mit Wohlwollen behandelt.

Warum wählt Er ausdrücklich die Kelim (Gefäße) über dem Verstand? Der Schöpfer wählte jene Kelim, weil sie tatsächlich die besten sind und wir durch sie die wahre Ganzheit erreichen; und dann wird sich der Vers: „Und du sollst den Ewigen, deinen Gott, von ganzem Herzen lieben“ erfüllen. Unsere Weisen sagten: „Mit deinen beiden Trieben – dem guten Trieb und dem Bösen Trieb.“

Dann fühlt der Körper auch die Freude und das Vergnügen, die der Schöpfer den Geschöpfen gibt, und dann besteht kein Bedürfnis, über dem Verstand zu glauben. Hieraus folgt, dass die Hauptvoraussetzung für den Menschen ist, sich an der Arbeit des Gebens zu freuen; wenn er nicht überlegt, was das „Empfangen für sich selbst“ – das heißt innerhalb des Verstandes – davon hat, da er sich sonst in einem Zustand der Ketzerei befindet.

Hieraus folgt, dass man die heilige Arbeit über dem Verstand durchführen muss, weil das die geeigneten Kelim sind, die den Menschen zur Ganzheit zu bringen. Es wurde oben gesagt, dass er nur über dem Verstand Gefallen in der Lenkung des Schöpfers finden kann, die in der Form von „gut und Gutes tuend“ ist. Und das wird „rechts“ genannt.

Denn Baal HaSulam sagte, dass man versuchen muss, auf der Rechten Linie zu gehen, das heißt im „Glauben über dem Verstand“ und man soll sich vorstellen, dass man bereits mit dem ganzen Glauben an den Schöpfer belohnt wurde und dass die Organe bereits fühlen, dass der Schöpfer die ganze Welt gut und Gutes tuend lenkt.

Daher sollten wir fragen: „Warum müssen wir auch auf der Linken Linie gehen, wenn die Rechte Linie die wichtigste ist? Was ist der Zweck der Linken Linie?“ Die Antwort lautet, dass wir unseren Zustand im Verstand kennen – das Ausmaß unseres Glaubens, wie viel Tora wir uns angeeignet haben und wie wir den Schöpfer während des Gebetes fühlen, usw.

Und dann kommen wir zu dem Gefühl, dass wir uns in der niedrigsten Niedrigkeit befinden, die möglich ist. Wenn wir deshalb später zur Rechten Linie wechseln, müssen wir über dem Verstand arbeiten. Da uns mit anderen Worten die Linke Linie unseren Zustand innerhalb des Verstandes zeigt, können wir hier über unseren Verstand hinausgehen. Wenn wir jedoch immer in der Rechten Linie wären, würde sie nicht als „rechts“ betrachtet werden, sondern als eine einzige Linie.

Mit anderen Worten, wir würden denken, dass dies genau das ist, wo wir uns befinden, dass wir wirklich innerhalb des Verstandes in perfekter Gadlut (Erwachsensein) sind. Die Wahrheit ist jedoch, dass wir uns nur über dem Verstand in Ganzheit befinden; da wir aber die zwei Linien haben, gibt es die Angelegenheit von über dem Verstand, welche die Rechte Linie ist.

Daraus folgt, dass die Rechte Linie der Linken Linie hilft. Denn sobald jemand feststellt, dass er sich bereits in Freude befindet und die Vollkommenheit seiner Arbeit genießt, und zur Linken Linie wechselt, sieht er, dass er von völliger Dunkelheit umgeben ist. Das heißt, er sieht und fühlt, dass er noch immer in Selbstliebe versunken ist und er sie nicht verlassen kann.

Dann gibt es dort Platz für ein Gebet aus der Tiefe des Herzens. Der Zustand der Rechten war, als er sich vorstellte in einem Zustand zu sein, den er für sich selbst feststellte, „welcher die Vollkommenheit der Arbeit genannt wird“. Mit anderen Worten, er glaubte über dem Verstand an das Gebot „Glauben an seinen Lehrer“, der ihm sagte, dass er sich in diesen Zustand begeben soll, obwohl seine Vernunft ihm sagte: „Warum vergleichst du deine Situation mit einem Menschen, der bereits mit vollständigem Glauben belohnt wurde, wenn du weißt, dass du dich auf dem niedrigsten Stand befindest, den es je geben kann und der je möglich ist? Er fühlt, dass er in einem Zustand der Niedrigkeit ist, der unpassend für einen Menschen ist, der ein Diener des Schöpfers sein möchte.

Und danach wendet er sich an die Rechte Linie, und die Linke macht ihm Platz, damit er in der Rechten Linie arbeiten kann. Wir müssen uns jedoch erinnern, dass alles, was der Weg der Wahrheit ist, kaum ohne Anstrengungen zu gehen ist. Daher kommt er nach diesen zwei Linien zur Mittleren Linie, welche „der Schöpfer gibt ihm die Seele“ genannt wird. Und dann gelangt er zu vollständigem Glauben, gerade durch die Hilfe des Schöpfers. Von Natur aus kann der Mensch das jedoch nicht alleine erreichen.

Mit all dem oben Erwähnten können wir das Thema der Freundesversammlung verstehen. Wenn sie sich versammeln, über was sollen sie reden? Zuerst muss allen das Ziel klar sein – diese Versammlung muss die Freundesliebe erreichen, dass jeder der Freunde erweckt wird, um den anderen zu lieben, dies wird „Nächstenliebe“ genannt. Dies ist jedoch nur das Ergebnis. Um dies zu erreichen, müssen Handlungen ausgeführt werden, die die Liebe hervorrufen.

Betreffend der Liebe gibt es zwei Formen:

1) Natürliche/angeborene Liebe, für die man sich nicht einsetzen muss. Man sollte nur vorsichtig sein, die Natur nicht zu verderben.

2) Eine Liebe, die durch gute Taten kommt. Auch hier ist Natürliches enthalten, denn jemand, der einem anderen ein Geschenk gibt, bewirkt, dass er ihn liebt. Wenn also eine Gruppe Menschen zusammenkommt und sie gemeinsam an der Freundesliebe arbeiten wollen, müssen sie sich gegenseitig helfen, soviel sie nur können.

Und es gibt dazu viele Aspekte, da nicht jeder gleich ist, das bedeutet, was der eine braucht, das braucht der andere nicht. Es gibt jedoch eine Sache, in der alle gleich sind: jeder der Freunde benötigt eine gute Stimmung. Denn, wenn die Freunde nicht in guter Stimmung sind, dann sind sie nicht alle in ihren Bedürfnissen gleich. Es ist dann eher so, dass jeder einen anderen Grund hat nicht in Freude zu sein.

Daher muss jeder darüber nachdenken, wie er den anderen gute Stimmung bringen kann. Daher sollten sie vorsichtig sein und es vermeiden über Dinge zu reden, die der Gemeinschaft Betrübnis bringen, denn dadurch verursacht er bei jedem ein schlechtes Gefühl.

Und wenn er dann wieder nach Hause geht, fragt er sich selbst: „Was habe ich von der Gemeinschaft erhalten? Dass ich weiß, dass ich auf der Stufe der Niedrigkeit bin und dass ich es bedauern sollte? Als würde ich deshalb zur Gemeinschaft gehen, damit ich in einen Zustand der Betrübnis komme. In diesem Fall ist es verlorene Zeit. Es wäre möglicherweise besser, wenn ich nicht ginge.“ Dann sagt er vielleicht: „Wenn ich nächstes Mal in diese Gemeinschaft kommen muss, dann werde ich Entschuldigungen vorbringen, um sie zu meiden.“

Daraus folgt, dass jeder einzelne versuchen sollte, den Geist von Leben und Hoffnung in die Gemeinschaft einzubringen und der Gemeinschaft Energie bringen sollte. So kann jeder der Freunde sich selbst sagen: „Nun beginne ich komplett neu mit der Arbeit.“ Mit anderen Worten, bevor er in die Gemeinschaft kam, war er mit dem Fortschritt der Arbeit für den Schöpfer unzufrieden, jedoch nun hat ihn die Gemeinschaft mit Leben und Hoffnung erfüllt.

So hat er durch die Gemeinschaft Zuversicht und Stärke bekommen, denn nun spürt er, dass er die Vollkommenheit erreichen kann. Und er fühlt, dass sich all seine Gedanken – dass er vor einem hohen Berg steht, der nicht erobert werden kann, und dass dies ein beeindruckendes Hindernis ist – nun im Nichts aufgelöst haben. Und er hat dies alles aus der Kraft der Gemeinschaft empfangen, weil jeder einzelne versucht hat, den Geist der Unterstützung und die Anwesenheit einer neuen Stimmung innerhalb der Gemeinschaft einzubringen.

Was kann jedoch jemand tun, wenn er bemerkt, dass er in einem Zustand der Betrübnis ist – sowohl im körperlichen wie auch im spirituellen Sinn – und es Zeit ist in die Gemeinschaft zu gehen? Und dazu sagten unsere Weisen: „Eine Sorge im Herzen des Menschen? Lass ihn mit anderen darüber sprechen.“ Mit anderen Worten, er sollte sich seinen Freunden anvertrauen, vielleicht ist es ihnen möglich, ihm zu helfen.

Wenn dem so ist, warum sagen wir dann, dass jeder Einzelne gute Stimmung in die Gemeinschaft einbringen soll, wo er doch keine hat? Und zusätzlich gibt es die Regel, dass man das nicht geben kann, was man selber nicht hat. Was soll er daher machen, damit er etwas in die Gemeinschaft einbringt, das die Gemeinschaft in gute Stimmung versetzt?

Es gibt für den Menschen wirklich keine andere Möglichkeit als auf der Rechten Linie zu gehen. Bevor er daher zur Freundesliebe kommt, sollte er Baal HaSulams Aufsatz (von 1943) lesen, wo er klarstellt, was die Rechte Linie ist, dass dies die Bedeutung von über dem Verstand ist. Und er sollte daraus Kraft beziehen, damit, wenn er in die Gemeinschaft kommt, jeder Einzelne mehr oder weniger dazu fähig ist, einen Geist von Leben einzubringen, und dadurch wird die ganze Gemeinschaft Freude und größere Zuversicht erhalten.

Während der Versammlung ist es verboten, die Linke Linie zu erwecken. Nur wenn jemand allein ist, ist ihm erlaubt, die Linke Linie einzusetzen, jedoch nicht länger als eine halbe Stunde pro Tag. Der Hauptteil der Arbeit des Menschen ist dazu bestimmt, die Rechte Linie zu beschreiten, so wie geschrieben steht (im Artikel von 1943). Zwei Menschen gemeinsam dürfen jedoch nicht von der Linken sprechen, und nur so können sie Unterstützung von der Gemeinschaft erhalten.

Das Schlimmste ist, wenn ein Mensch in die Gemeinschaft kommt und erkennt, dass die ganze Gemeinschaft in einem Zustand des Abstiegs ist, wie kann er also durch sie gestärkt werden? Zu dieser Zeit muss er jeden wohlwollend beurteilen.

Nun können wir verstehen, worin die Nähe von „Kauf dir einen Freund“ und „und beurteile jeden wohlwollend“ besteht. Mit den obigen Erklärungen verstehen wir, dass, wenn jemand von der Gemeinschaft etwas empfangen möchte, er jeden wohlwollend beurteilen sollte. Dann kann er von den Freunden erhalten, damit sie ihm bei der Arbeit helfen, da er nun jemanden hat, von dem er empfangen kann. Wenn er jedoch erkennt, dass er sich weit über der Gemeinschaft befindet, von wem will er empfangen? Unsere Weisen kamen und sagten darüber: „Beurteile jeden Menschen wohlwollend.“

Daraus folgt, dass der Hauptgrund, warum ein Mensch sich einen Freund kaufen und in Nächstenliebe arbeiten sollte, darin liegt, der Liebe des Schöpfers würdig zu werden. Die Freunde sollten deshalb untereinander hauptsächlich über die Größe des Schöpfers sprechen, denn abhängig davon, in welchem Umfang man die Größe des Schöpfers wahrnimmt, kann man sich vor dem Schöpfer annullieren. Es ist so, wie wir es in der Natur sehen, dass sich der Kleinere vor dem Großen annulliert, und dies hat mit Spiritualität nichts zu tun, sondern ist auch bei weltlichen Menschen beobachtbar.

Mit anderen Worten, der Schöpfer erschuf die Natur auf diese Art und Weise. So erweckt das Reden der Freunde über die Größe des Schöpfers ein Verlangen und die Sehnsucht, sich vor dem Schöpfer zu annullieren, weil er den Wunsch und das Verlangen verspürt sich an den Schöpfer zu binden. Und wir sollten uns auch daran erinnern, dass in dem Ausmaß, in dem der Freund die Wichtigkeit und die Größe des Schöpfers annehmen kann, in diesem Maß sollten wir weiterhin über dem Verstand gehen, das bedeutet, dass der Schöpfer größer ist als irgendeine für den Menschen vorstellbare Größe des Schöpfers.

Wir sollten sagen, dass wir über dem Verstand glauben, dass Er die Welt mit einer wohlwollenden Führung leitet, und wenn man glaubt, dass der Schöpfer dem Menschen nur das Beste wünscht, dann bringt das einen Menschen dazu, den Schöpfer zu lieben, bis er belohnt wird mit „Und du sollst den Ewigen, deinen Gott, aus ganzem Herzen und mit deiner ganzen Seele lieben.“ Und dies muss der Mensch von seinen Freunden empfangen.

Was das Empfangen der Größe betrifft, so sollte dies speziell durch die Gemeinschaft erhalten werden. Es ist, wie im Artikel zum Abschluss des Buches Sohar geschrieben steht, wo Baal HaSulam betreffend Lehrer und Studenten spricht. Es ist genauso hinsichtlich der Größe des Schöpfers. Er schreibt: „Die Größe des Schöpfers erhalten, hängt völlig von der Umgebung ab, und ein einzelner Mensch kann dafür überhaupt nichts tun.“

„Aber es gibt zwei Bedingungen, um die Größe zu erhalten:

  1. Man muss immer zuhören und die Wertschätzung der Umgebung im Ausmaß ihrer Größe annehmen
  2. Die Umgebung sollte groß sein, so wie geschrieben steht: „In der Vielzahl der Menschen liegt die Herrlichkeit des Königs.“

„Um die erste Bedingung zu empfangen, muss jeder Student fühlen, dass er der Geringste unter all den Freunden ist. In diesem Zustand kann man den Wert der Größe von jedem empfangen, da der Große vom Kleineren nicht empfangen kann, und noch viel weniger durch seine Worte beeindruckt werden kann. Es ist eher so, dass der Kleine durch die Wertigkeit des Großen beeindruckt ist.“

„Und für die zweite Bedingung muss jeder Student die Vorzüge jedes einzelnen Freunds hervorheben und ihn wertschätzen, als wäre er der Größte dieser Generation. Dann beeinflusst ihn die Umgebung wie eine genügend große Umgebung, denn Qualität ist wichtiger als Quantität.“

Was sollte jedoch ein Freund machen, wenn er die Hilfe der Freunde benötigt? Wir haben bereits gesagt, dass es verboten ist, von schlechten Dingen zu sprechen, denn das bringt Betrübnis in die Versammlung der Freunde. Die Antwort darauf ist, dass man es einem engen Freund sagen sollte, und dieser Freund sagt es der Gemeinschaft – aber nicht bei der Versammlung der Freunde. Mit anderen Worten kann er mit der ganzen Gemeinschaft sprechen, jedoch nicht während der regulären Freundesversammlung. Er kann aber ein besonderes Treffen für den Freund organisieren, der Hilfe braucht.

Und was „Kaufe dir einen Freund“ betrifft, so bedeutet „Kaufen“, dass er bezahlt werden muss und durch die Zahlung kauft er ihn.

Was zahlt er ihm? Wir können sagen, dass wir die Bezahlung als Gegenwert für die Anstrengung erhalten. In anderen Worten, manchmal will sich ein Mensch einen neuen Schrank kaufen, welcher um die 2000 Euro wert ist. Er sagt zum Verkäufer: „Weil ich kein Geld habe um zu zahlen, ich aber hörte, dass du für zwei Wochen einen Beschäftigten suchst, werde ich für den Betrag arbeiten, den ich dir zu zahlen habe, als Ausgleich für den Schrank.“ Und der Verkäufer wird vermutlich zustimmen. So sehen wir, dass die Bezahlung verändert werden kann.

Das Gleiche gilt für die Freundesliebe. Die Freunde mit Wohlwollen zu beurteilen ist eine große Anstrengung und nicht jedermann ist dafür bereit.

Manchmal ist es noch schlimmer. Manchmal ist ein Freund gegenüber dem anderen respektlos, und noch schlimmer, wenn er ein beleidigendes Gerücht hörte; wenn er zum Beispiel von einem Freund hörte, dass ein anderer Freund Dinge über ihn gesagt hat, die man nicht über Freunde sagt. Nun muss er sich unter Kontrolle bringen, und ihn mit Wohlwollen beurteilen. Das ist in der Tat eine große Anstrengung. Daraus folgt, dass die Anstrengung, mit der er bezahlt, sogar noch wichtiger ist, als das Bezahlen von Geld.

Wenn dieser Mensch ihn jedoch beschimpft, woher wird sein Freund die Kraft der Liebe aufbringen? Er ist überzeugt, dass er ihn hasst, sonst würde er ihn nicht beschimpft haben, also wo ist der Punkt, sich selbst zu bändigen und ihn mit Wohlwollen zu beurteilen?

Die Antwort ist, dass die Freundesliebe, die auf der Basis der Nächstenliebe aufgebaut ist, bei der man nach der Schöpferliebe strebt, das Gegenteil von dem ist, wie man normalerweise die Freundesliebe erreicht. In anderen Worten, Nächstenliebe bedeutet nicht, dass die Freunde mich lieben. Sondern ich bin derjenige, der die Freunde lieben muss. Aus diesem Grund macht es keinen Unterschied, wenn ein Freund ihn beleidigt und ihn sicherlich hasst. Sondern der Mensch, der wünscht, die Freundesliebe auf Basis der Nächstenliebe zu kaufen, braucht eine Korrektur, den anderen zu lieben.

Wenn sich jemand deshalb die Mühe macht und ihn wohlwollend beurteilt, ist dies ein Heilmittel, sodass durch die Anstrengung, die dieser Mensch macht, welche „Erweckung von oben“ genannt wird, er von oben Kräfte bekommt, um fähig zu sein, ausnahmslos alle Freunde zu lieben.

Das wird „Kaufe dir einen Freund“ genannt, so dass eine Person die Anstrengung machen sollte, die Liebe der anderen zu erwerben.

Und das wird als „Arbeit“ bezeichnet, denn er muss sich über dem Verstand anstrengen. Wie ist es dann vernünftigerweise möglich, den anderen mit Wohlwollen zu beurteilen, wenn seine Vernunft ihm das wahre Gesicht seines Freundes zeigt, der ihn hasst? Was kann er dem Körper darüber sagen? Warum soll er sich vor dem Freund beugen?

Die Antwort ist, dass er Dwekut (Anhaftung) mit dem Schöpfer erreichen will, genannt „Gleichheit der Form“, was bedeutet, nicht an seinen eigenen Nutzen zu denken. Also, warum ist Unterwerfung eine schwierige Sache? Der Grund dafür ist, dass er seinen eigenen Wert annullieren muss, und das ganze Leben, das er leben möchte, wird nur mit der Betrachtung seiner Fähigkeit sein, für den Nutzen anderer zu arbeiten, beginnend mit der Nächstenliebe zwischen Mensch und Mensch bis zur Liebe zum Schöpfer.

Und weiter, hier ist der Platz, wo er sagen kann, dass alles, was er macht, ohne jegliches Selbstinteresse ist. Denn der Verstand fordert, dass die Freunde ihn lieben müssen, aber er überwindet seinen Verstand und geht über dem Verstand voran und sagt: „Es lohnt sich nicht, für mich selbst zu leben.“ Und natürlich ist ein Mensch nicht immer auf so einer Stufe, wo er so etwas sagen kann, aber ebendies ist das Ziel der Arbeit. Und so hat er dann etwas, was er dem Körper antworten kann.

Daraus folgt, dass jeder Freund – bevor er zur Freundesversammlung kommt – nachdenken muss, was er der Gesellschaft geben kann, um den Lebensgeist in ihr zu erheben. Darin gibt es keinen Unterschied zwischen dem Wissenden und dem Unwissenden. Auch wenn er nichts weiß, muss er den Schöpfer um Hilfe bitten und glauben, dass der Schöpfer die Gebete hört.

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