Shamati 37. Ein Artikel für Purim

Ich hörte im Jahr 1948

Wir müssen in der Megilla[1] einige Feinheiten verstehen:

  1. Es steht geschrieben: „Nach diesen Begebenheiten machte der König Achaschwerosch Haman groß.“ [2] Wir müssen verstehen, was „Nach diesen Begebenheiten“ ist, was bedeutet, nachdem Mordechai den König gerettet hatte. Es erscheint vernünftig, dass der König Mordechai hätte befördern sollen. Aber wie heißt es? Dass Er Haman groß machte.
  2. Als Esther dem König sagte: „Denn wir sind verkauft worden, ich und mein Volk“, fragte der König: „Wer ist das, und wo ist er?“ Das bedeutet, dass der König nichts davon wusste, obgleich es ausdrücklich heißt, dass der König zu Haman sprach: „Das Silber ist dir gegeben, und dazu das Volk, mit ihm zu verfahren, wie es gut ist in deinen Augen.“Somit sehen wir, dass der König vom Verkauf wusste.
  3. Über „… zu tun nach dem Willen eines Jeglichen [Mannes]“ sagten unsere Weisen: „Rabba sagte: ‚zu tun entsprechend dem Willen sowohl von Mordechai als auch von Haman.‘“[3] Es ist bekannt, dass, wenn nur vom „König“ die Rede ist, sich dies auf den König der Welt bezieht. Wie kann es daher sein, dass der Schöpfer entsprechend dem Willen eines Bösen handeln möchte?
  4. Es steht geschrieben: „Mordechai wusste alles, was geschah.“ Das bedeutet, dass nur Mordechai wusste, denn zuvor heißt es: „und die Stadt Schuschan war verstört.“ Folglich wusste die ganze Stadt Schuschan davon.
  5. Es steht geschrieben: „denn eine Schrift, geschrieben im Namen des Königs, und mit dem Siegelringe des Königs besiegelt, darf kein Mensch widerrufen.“[4] Wie gab er also anschließend die zweiten Briefe heraus, welche die ersten Briefe letztendlich aufhoben?
  6. Was bedeutet es, dass unsere Weisen sagten: „An Purim soll man sich derart betrinken, bis man zwischen ‚verflucht sei Haman’ und ‚gesegnet sei Mordechai’ nicht mehr unterscheiden könne.“[5]?
  7. Was bedeutet es, dass unsere Weisen über den Vers „Und das Trinken geschah nach dem Gesetz“ sagten: Was bedeutet „nach dem Gesetz?“ Rabbi Chanan sagte im Namen von Rabbi Meitr: „Nach dem Gesetz der Tora.“ Wie lautet das Gesetz der Tora? Mehr essen als trinken.

Um das oben Genannte zu verstehen, müssen wir zuerst die Angelegenheit von Haman und Mordechai verstehen. Unsere Weisen sagten über den Vers: „Entsprechend dem Willen eines jeden Mannes“, was Haman und Mordechai bedeutet. Wir sollten dies so darlegen, dass der Wunsch Mordechais „die Regel der Tora“ genannt wird, welche mehr essen als trinken ist. Und Hamans Wunsch ist das Gegenteil – mehr trinken als essen.

Wir fragten: „Wie kann es sein, dass Er ein Mahl gemäß des Willens eines Frevlers bereitet?“ Die Antwort dazu steht daneben geschrieben: „Es gibt keinen Zwang.“ Das bedeutet, dass das Trinken nicht zwingend war, und dies ist die Bedeutung von „keiner übte Zwang aus“.

Es ist so, wie unsere Weisen über den Vers „Und Moses verbarg sein Gesicht, denn er scheute sich, zu Gott aufzuschauen.“[6] sagten. Sie sagten, dass als Dank für „Und Moses verbarg sein Gesicht“, er mit „er wird das Bild des Ewigen schauen“[7] belohnt wurde. Das bedeutet, dass gerade, weil er das nicht brauchte (was bedeutet, er konnte einen Massach (Schirm) darüber errichten), ihm infolgedessen erlaubt wurde, zu empfangen. Es steht außerdem geschrieben: „Ich leiste Beistand dem Helden.“[8] Das heißt, demjenigen, der heldenhaft ist und auf Seinen Wegen wandeln kann, hilft der Schöpfer.

Es steht geschrieben: „Und das Trinken geschah gemäß dem Gesetz.“[9] Was bedeutet „gemäß dem Gesetz“? Weil „keiner übte Zwang aus.“ Das bedeutet, dass er das Trinken nicht brauchte, doch sobald sie anfingen zu trinken, fielen sie in dessen Bann. Dies lässt darauf schließen, dass sie mit dem Trinken verbunden waren, was bedeutet, dass sie das Trinken brauchten. Andernfalls könnten sie nicht vorankommen.

Dies heißt „Zwang“, und bedeutet, dass sie die Methode Mordechais auslöschten. Dies ist auch die Bedeutung dessen, was unsere Weisen sagten, dass diese Generation dazu verurteilt war, zugrunde zu gehen, da sie die Mahlzeit eines Frevlers genossen.

Mit anderen Worten: Hätten sie das Trinken in Form von „keiner übte Zwang aus“ empfangen, hätten sie Mordechais Wunsch nicht ausgelöscht, und dies ist die Methode Israels. Jedoch, danach, als sie das Getränk in Form von „Zwang“ nahmen, folgte daraus, dass sie selbst das Gesetz der Tora zum Tode verurteilten, was der Aspekt Israels ist.

Dies ist die Bedeutung von mehr essen als trinken. Trinken bezieht sich auf die Enthüllung von Chochma (Weisheit), genannt „Wissen“. Essen, andererseits, wird als Or de Chassadim (Licht der Gnade) bezeichnet, was Glaube ist.

Dies ist die Bedeutung von Bigthan und Teresch, die an den König der Welt Hand anlegen wollten. „Und die Sache wurde kund dem Mordechai … die Sache wurde untersucht und für derart befunden.“ Diese Sache des Bittens geschah nicht auf einmal; und Mordechai erlangte es nicht auf leichte Weise, sondern nach großen Mühen wurde ihm die Sache dieses Makels offenbart. Sobald ihm dies klar enthüllt wurde, „wurden beide gehängt“, das heißt nach der Empfindung des darin enthaltenen Makels, wurden sie erhängt, was bedeutet, sie entfernten diese Handlungen und Verlangen aus der Welt.

„Nach diesen Dingen“, das heißt nach all der harten Arbeit und Anstrengung, die Mordechai aufgrund der Klärung geleistet hatte, wollte ihn der König für seine Anstrengung, nur liShma (für Ihren Namen) und nicht für sich selbst zu arbeiten, belohnen. Da es die Regel gibt, dass der Untere ohne Bedarf nichts empfangen kann, da es ohne Gefäß kein Licht gibt und ein Gefäß als Verlangen bezeichnet wird. Und da er für sich selbst nichts benötigt, wie kann ihm irgendetwas gegeben werden?

Hätte der König Mordechai gefragt, was er ihm für seine Mühen geben sollte, und da Mordechai ein Gerechter ist, dessen Arbeit nur darin liegt zu geben, ohne jegliches Bedürfnis Stufen aufzusteigen,  er sich aber mit wenig zufrieden gab, wollte der König das Licht der Weisheit geben, welches sich von der Linken Linie ausdehnt, und Mordechais Arbeit war nur von der Rechten Linie.

Was tat der König? Er beförderte Haman, was bedeutet, er gab der Linken Linie Wichtigkeit. Dies ist die Bedeutung von „und setzte seinen Stuhl über alle Minister[10]. Zusätzlich gab er ihm die Macht, was bedeutet, alle Sklaven des Königs knieten nieder und verneigten sich vor Haman, „denn so hatte es der König geboten“, damit er die Herrschaft bekäme. Und jeder akzeptierte ihn.

Die Sache des Kniens ist die Anerkennung der Herrschaft, da sie die Art von Haman bei der Arbeit mehr mochten als die Art von Mordechai. Alle Juden in Schuschan akzeptierten die Herrschaft Hamans, denn es war schwer für sie, Mordechais Sichtweise zu verstehen. Schließlich verstand jeder, dass die Arbeit des Gehens auf der Linken Linie, „Wissen“ genannt, für das Wandeln auf den Pfaden des Schöpfers leichter ist.

Es steht geschrieben, dass sie fragten: „Warum übertrittst du das Gebot des Königs?“ Da sie erkannten, dass Mordechai auf seiner Meinung über das Wandeln auf dem Pfad des Glaubens beharrte, gelangten sie in einen Zustand der Verwirrung und wussten nicht, welche Seite die richtige war.

Sie gingen und fragten Haman, wer Recht hätte, wie geschrieben steht: „sie sagten es Haman“, um zu sehen, ob die Worte Mordechais standhalten würden; denn er hatte ihnen gesagt, dass er ein Jude sei. Das bedeutet, dass der Weg des Juden ‘mehr essen als trinken‘ ist, was bedeutet, dass der Glaube die Grundlage bildet, und dies ist das ganze Fundament des Judentums.

Dies bewirkte bei Haman eine sehr große Störung. Warum sollte Mordechai mit ihm nicht einer Meinung sein? Demzufolge, als alle den Weg von Mordechai sahen, der behauptete, dass nur er den Weg des Judentums gehe, und jene, die einen anderen Weg nehmen als Götzenanbeter betrachtet werden – steht geschrieben: „Doch all das gilt mir nichts, in jedem Augenblick, da ich Mordechai, den Juden, am Tore des Königs sitzen sehe.“ Dies ist so, weil Mordechai behauptet, das Tor zum König sei allein durch ihn, nicht von Haman.

Nun können wir verstehen, warum geschrieben steht: „Mordechai wusste“, was bedeutet, dass es ausdrücklich Mordechai war, der  wusste. Aber es steht geschrieben: „und die Stadt Schuschan war verwirrt[11], was bedeutet, dass alle es wussten.

Wir sollten dies so darlegen, dass die Stadt Schuschan verwirrt war und nicht wusste, wer Recht hatte. Doch Mordechai wusste: Eine Herrschaft Hamans würde, dies Gott bewahre, die Vernichtung des Volkes Israel bedeuten. Mit anderen Worten: Er würde ganz Israel aus der Welt auslöschen, das heißt, den Weg des Judentums des Volkes Israel,  dessen Arbeitsgrundlage der Glaube über dem Verstand ist, genannt „verhüllte Chassadim (Barmherzigkeit)“, dem Schöpfer mit geschlossenen Augen zu folgen und immer über sich selbst zu sagen: „Augen haben sie, und sehen nicht“, denn Haman stützt sich vollständig auf die Linke Linie, Wissen genannt, was das Gegenteil von Glauben ist.

Dies ist die Bedeutung der Lose, die Haman warf, wie es an Jom Kippur (Tag der Versöhnung) war, wie geschrieben steht: „ein Los für den Ewigen und ein Los für Asasel.“[12] Das Los für den Ewigen bedeutet die Eigenschaft von „rechts“, Chassadim (Barmherzigkeit) „essen“ genannt, was Glaube ist. Ein Los für Asasel ist die Linke Linie, im Grunde „zu Nichts gut“, und die ganze Sitra Achra (die andere Seite) geht hieraus hervor.

Demzufolge breitet sich eine Blockierung auf den Lichtern von der Linken Linie aus, da einzig die Linke Linie die Lichter einfriert. Dies ist die Bedeutung von „er ließ ein Pur fallen, das heißt, das Los[13], was bedeutet, es erklärt, was es fallen ließ. Es heißt „Pur“, welches Pe Or betrifft (ein Mund aus Licht, ausgesprochen Pe Or).

Durch das Los für Asasel wurden all die Lichter blockiert und man findet, dass er alle Lichter nach unten warf. Haman dachte: „Der Gerechte wird es vorbereiten und der Bösewicht wird es tragen.“

Mit anderen Worten: Haman dachte, dass er die Belohnung für alle Anstrengungen und Mühen, die Mordechai gemeinsam mit allen, die ihn begleiteten, auf sich genommen hatte, und die sie verdienten, nehmen würde.

Dies bedeutet, dass Haman dachte, dass er die Lichter, die durch die Korrekturen Mordechais erscheinen, in seinen eigenen Besitz nehmen würde. All dies geschah, weil er sah, dass ihm der König die Macht gab, das Licht von Chochma nach unten zu ziehen.  Als er daher zum König kam, um zu sagen „die Juden zu vernichten“, das heißt die Herrschaft Israels aufzuheben, was Glaube und Barmherzigkeit ist und das Wissen in der Welt offensichtlich zu machen, antwortete ihm der König: „Das Silber ist dir gegeben, ebenso das Volk, dass du mit ihnen tust was dir richtig erscheint.“ was bedeutet,  wie es in Hamans Augen gut erscheint, gemäß seiner Herrschaft, die links und Wissen ist.

Der Unterschied zwischen den ersten und den zweiten Briefen liegt im Wort „Juden.“ In der Abschrift des Textes (die Abschrift ist der Inhalt, der vom König heraus kam. Anschließend wird die Abschrift des Textes mit Interpretationen ausgelegt, sodass die Absicht der Abschrift erklärt wird.) Es stand geschrieben: „Es soll als Dekret herausgegeben werden in jedem einzelnen Land, offensichtlich für alle Völker, dass sie für diesen Tag bereit sein sollten.“ Und es steht nicht geschrieben, wer gemeint ist, sondern nur Haman interpretierte die Abschrift des Textes, so wie geschrieben steht: „Und es wurde geschrieben gemäß allem, was Haman befahl.“

Und in den zweiten Briefen steht das Wort „Juden“ geschrieben, so wie geschrieben steht „Die Abschrift des Textes soll als Dekret herausgegeben werden in jedem einzelnen Land, offensichtlich für alle Völker und die Juden sollen für diesen Tag bereit sein, sich an ihren Feinden zu rächen.“

Als daher Haman vor den König trat, sagte ihm der König: „Das Silber, das vorbereitet wurde, wird dir gegeben, was bedeutet, dass du nichts weiter tun musst, da ‚das Volk ebenso (dir gegeben ist), damit du mit ihm tust, was dir richtig erscheint.‘“

Dies bedeutet, dass das Volk bereits tun will, was dir richtig erscheint, was bedeutet, das Volk will deine Herrschaft annehmen. Aber der König sagte ihm nicht, er solle die Herrschaft Mordechais und der Juden aufheben. Es war hingegen im Vorfeld vorbereitet worden, dass es nun zu diesem Zeitpunkt eine Enthüllung von Chochma (Weisheit) geben würde, was so ist wie Gefallen in deinen Augen zu finden.

Die Abschrift des Textes „soll als Dekret herausgegeben werden, in jedem einzelnen Land, offensichtlich für alle Völker“. Dies bedeutet, dass dieses Dekret zur Bekanntmachung war, dass die Enthüllung von Chochma für alle Nationen ist.

Aber es stand nicht geschrieben, dass die Aspekte Mordechai und die Juden aufgehoben werden sollten, welche der Aspekt des Glaubens sind. Die Absicht war hingegen, dass es eine Enthüllung von Chochma (Weisheit) geben würde, aber sie dennoch Chassadim (Barmherzigkeit) wählen würden.

Haman sagte, da nun die Zeit der Enthüllung von Chochma sei, so sei die Enthüllung von Chochma gewiss gegeben, um Chochma zu nutzen, denn wer tut etwas, das nicht zum Gebrauch ist?

Denn wenn es nicht genutzt wird, dann war die Handlung zwecklos. Es muss daher der Wille des Schöpfers sein. Und der Schöpfer hat diese Offenbarung gemacht, um Chochma zu benutzen.

Mordechais Behauptung war es, dass die Enthüllung nur zeigen soll, dass das, was sie für sich selbst nehmen, um in der rechten Linie zu gehen, was verborgene Chassadim sind, nicht geschieht, weil es keine Wahl gibt, und sie deshalb diesen Weg gehen.

Und dies sieht wie Zwang aus, was bedeutet, dass sie keinen anderen Rat haben, da es im Augenblick keine enthüllte Chochma gibt. Sondern jetzt, wo Chochma enthüllt ist, gibt es Raum für eine Wahl aus ihrem freien Willen heraus. In anderen Worten, sie ziehen den Weg von Chassadim der Linken vor, welche die Enthüllung von Chochma ist.

Dies bedeutet, dass die Enthüllung nur war, damit sie die Wichtigkeit von Chassadim aufdecken konnten, dass ihnen dies wichtiger ist als Chochma. Und dies ist so, wie unsere Weisen sagten: „Bis hierher unter Zwang, von hier an freiwillig.“ Und dies ist die Bedeutung von: „Die Juden erfüllten und nahmen auf sich.“ Daraus folgt, dass die Aufdeckung von Chochma jetzt nur deshalb kommt, damit sie den Weg der Juden freiwillig annehmen konnten.

Und hierin lag der Streit zwischen Mordechai und Haman. Die Behauptung Mordechais war, dass das, was wir nun sehen, dass der Schöpfer die Herrschaft von Chochma enthüllt, nicht ist, damit sie Chochma empfangen, sondern um Chassadim zu preisen.

Was bedeutet, dass sie nun Raum haben werden, zu zeigen, dass ihr Empfangen von Chassadim freiwillig geschieht, dass sie nun Raum haben Chochma zu empfangen, da nun die Zeit der Herrschaft der Linken ist, dass Chochma leuchtet und sie dennoch Chassadim wählen. Daher zeigen sie jetzt dadurch, dass sie Chassadim empfangen, dass die Rechte über die Linke herrscht.

Somit ist das Jüdische Dekret das Wichtigste. Und Haman behauptete das Gegenteil, denn was der Schöpfers nun offenbart, die Linke Linie, welche Chochma ist, dazu dient, um Chochma zu benutzen.  Sonst würde das bedeuten, dass der Schöpfer unnötig etwas getan hätte, das heißt, Er hätte etwas getan und es ist niemand da, um es zu genießen. Wir sollten daher nicht beachten, was Mordechai sagt, sondern alle sollten auf seine Stimme hören und die Offenbarung von Chochma nutzen, die nun erschienen ist.

Dementsprechend haben die zweiten Briefe die ersten nicht aufgehoben. Vielmehr lieferten sie eine Erklärung und Auslegung für die erste Abschrift des ersten Textes, dass die Veröffentlichung an alle Völker, die Offenbarung von Chochma, die nun scheint, für die Juden ist. Mit anderen Worten, dies ist so, damit die Juden freiwillig Chassadim wählen konnten und nicht, weil sie keinen anderen Weg wählen konnten.

Daher steht in den zweiten Briefen, „dass die Juden für diesen Tag bereit sein müssen, sich an ihren Feinden zu rächen“. Dies bedeutet, dass die Herrschaft, die Chochma nun hat, den Zweck hat, zu zeigen, dass sie Chassadim Chochma vorziehen, und dies wird „sich an ihren Feinden zu rächen“ genannt. Denn ihre Feinde wollen ausdrücklich Chochma, wohingegen die Juden Chochma zurückweisen.

Nun können wir verstehen, was wir über die Frage des Königs gefragt haben: „Wer ist er und wo ist er, dass er es wagt in seinem Herzen anzunehmen, so zu handeln?“ Und warum hat Er gefragt? Hatte doch der König selbst zu Haman gesagt: „Das Silber ist dir gegeben, und dazu das Volk, mit ihm zu verfahren, wie dir richtig erscheint.“

(Wie wir bereits gesagt haben, ist die Bedeutung hiervon, dass die Angelegenheit der Enthüllung von Chochma mit der Absicht geschieht, dass das Volk verfahren wird, wie es in seinen (Hamans) Augen gut ist, was bedeutet, dass es Wahlmöglichkeit gibt. Und dies wird genannt: „Das Volk soll so handeln, wie es dir richtig erscheint.“ Wenn es jedoch keine Enthüllung von Chochma gibt, gibt es keinen Raum für die Wahl, sondern sie nehmen die Chassadim, so scheint es, weil sie keine Wahl haben.

Dies bedeutet, dass sich all dies ereignete, weil der König den Befehl gab, dass nun die Zeit gekommen sei, Chochma zu enthüllen. Die Absicht war, dass die Linke der Rechten dienen würde. Dadurch würde für alle offensichtlich, dass die Rechte wichtiger ist als die Linke, und aus diesem Grund wählen sie Chassadim.

Dies ist die Bedeutung der Megillat Esther. Und hier scheint ein Widerspruch in den Begriffen zu liegen, da Megilla (Schriftrolle) für alle galui (offengelegt) bedeutet, und Ester bedeutet, dass eine Hastara (Verhüllung) vorliegt. Es muss jedoch dargelegt werden, dass die gesamte Enthüllung deshalb geschieht, um Raum zu geben, die Verhüllung zu wählen.

Nun können wir verstehen, was die Weisen sagten: „An Purim soll man sich derart betrinken, bis man zwischen ‚verflucht sei Haman’ und ‚gesegnet sei Mordechai’ nicht mehr unterscheiden könne.“ Die Sache von Mordechai und Esther war vor dem Zweiten Tempel, und der Aufbau des Zweiten Tempels ist die Ausbreitung von Chochma, und Malchut wird „Der Tempel“ (Beit HaMikdash) genannt.

Dies ist die Bedeutung davon, dass Mordechai Esther zum König schickte, um für ihr Volk zu bitten und sie antwortete „Alle Diener des Königs […], daß Jeglicher, […] ohne gerufen zu sein, einem Gesetz (verfällt) – dem Tode; […] und ich bin nicht gerufen worden, zum König zu kommen diese dreißig Tage.“

Dies bedeutet, dass es bekanntermaßen verboten ist, den Aspekt GaR de Chochma nach unten auszubreiten. Und wer dennoch GaR de Chochma heranzieht (was drei Sefirot sind, jedes zehn umfassend, was dreißig ist) wird zum Tode verurteilt, weil die Linke Linie Trennung vom Leben der Leben verursacht.

„Außer denjenigen, denen der König das goldene Zepter reicht, auf dass er lebe.“ Gold (Sahaw) bedeutet Chochma und GaR. Dies bedeutet, dass man nur durch die Erweckung durch den Höheren am Leben bleiben kann, das heißt in Dwekut (Anhaftung), Leben genannt, nicht aber durch die Erweckung des Unteren.

Obwohl Esther Malchut ist, welche Chochma benötigt, so ist dies nur durch die Erweckung des Höheren. Wenn sie jedoch Chochma heranzieht, verliert sie ihren gesamten Aspekt. Diesbezüglich hatte Mordechai ihr geantwortet, (wenn) „Erleichterung und Rettung werden den Juden von einem anderen Ort zuteil werden.“ Was bedeutet, dass dadurch, dass sie  die Linke vollständig aufgehoben haben, und die Juden nur die rechte Linie, Chassadim, haben werden, dann „werden du und deines Vaters Haus vernichtet werden.“

Denn im Sinne von „der Vater (be)gründete die Tochter“ muss sie Chochma in sich haben. Es muss jedoch mehr Essen als Trinken geben. Wenn die Juden jedoch keinen anderen Rat haben werden, werden sie ihre linke Linie aufheben und so wird ihr ganzer Aspekt annulliert werden. Darüber hat sie gesagt: „Wenn ich umkomme, dann komme ich um.“

Anders gesagt, wenn ich gehe, bin ich verloren. Denn ich mag zur Trennung kommen, denn die Erweckung des Unteren verursacht Trennung vom Leben der Leben. Und wenn ich nicht gehe, dann „werden Erleichterung und Rettung den Juden von einem anderen Ort her zuteil werden“, das heißt, auf andere Weise. Sie werden nämlich die linke Linie vollständig aufheben, so wie Mordechai es ihr gesagt hatte. Daher nahm sie den Weg Mordechais, indem sie Haman zum Festessen einlud, was bedeutet, dass sie die linke Linie heranzog, wie Mordechai ihr gesagt hatte.

Und anschließend schloss sie die Linke in die Rechte ein und so konnte die Enthüllung der Lichter unten sein und auch im Aspekt Dwekut bleiben. Dies ist die Bedeutung der Megillat Esther. Was bedeutet, dass sie  – obwohl das Licht von Chochma enthüllt ist – sie dennoch den Aspekt Esther (Verhüllung) annimmt, der dort ist, (denn Esther ist Hester– Verhüllung).

Und in der Sache „und er wusste nicht“ wird in der Lehre der Zehn Sefirot[14] erklärt, dass, obwohl Lichter von Chochma leuchteten, es unmöglich ist ohne Licht von Chassadim zu empfangen, da dies zur Trennung führt. Doch wurde ein Wunder durch das Fasten und ihr Schreien gemacht, wobei sie das Licht von Chassadim heranzogen, und so konnten sie das Licht von Chochma empfangen.

Jedoch vor dem Ende der Korrektur (Gmar Tikun) gibt es so etwas nicht. Und da dieser Aspekt zum Aspekt von Gmar Tikun gehört, wenn er bereits korrigiert sein wird, so wie im heiligen Sohar steht „“SaM ist dazu bestimmt, ein heiliger Engel zu sein“, wird dann kein Unterschied zwischen Haman und Mordechai sein, und auch Haman wird korrigiert sein. Und dies ist die Bedeutung von An Purim soll man sich derart betrinken, bis man zwischen ‚verflucht sei Haman’ und ‚gesegnet sei Mordechai’ nicht mehr unterscheiden könne.“

Bezüglich der Worte „und sie wurden gehängt“ muss hinzugefügt werden, dass dies ein Hinweis auf die Hinrichtung am Baum ist, was bedeutet, dass sie verstanden, dass es die gleiche Sünde ist, wie die Sünde von Ez ha Daat (der Baum der Erkenntnis), da auch dort der Makel in GaR war.

Und hinsichtlich „er saß am Tore des Königs“ kann hinzugefügt werden, dass dies darauf hinweist, dass er saß und nicht stand, denn sitzen wird WaK genannt und stehen GaR.

[1] Megillat Esther (Esther Rolle) gemäß Das Buch Esther In dem Wort „Megilla“ (Schriftrolle) steckt das Wort „galui“ (enthüllt, offensichtlich),

[2] Esther 3,1 – die meisten anderen Zitate sind ebenfalls aus dem Buch Esther

[3] Traktat Megilla 12a

[4] Esther 8,8

[5] Traktat Megilla 7b

[6] 2. Buch Moses  3,6

[7] 4. Buch Moses 12,8

[8] Psalm 89,20

[9] Esther 1,8

[10] Esther 3,1

[11] Esther 3,15

[12] 3. Buch Moses 16,8

[13] Esther 3,7

[14] Teil 15, Or Pnimi, Punkt 217

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