Baal HaSulam, Brief 9, Die Eigenschaft der Faulheit in unserer Welt

1923, Jerusalem

An meinen Freund…möge seine Kerze brennen.

Ich kann mich nicht länger zurückhalten, bezogen auf alles, was zwischen uns steht, sodass ich einen offenen und ehrlichen Versuch der Warnung aussprechen werde. Ich muss um den Wert eines Wortes der Wahrheit in unserem Land wissen, da so immer meine Wege sind – alle Abläufe der Schöpfung in äußerster Genauigkeit zu studieren und ihre Vorteile zu erkennen, ob sie gut oder schlecht sind. Denn nur diesen Ort haben mir meine Väter auferlegt, um mich damit zu umzäunen; und mit Gottes Hilfe habe ich schon Kostbarkeiten und Aufbewahrungsorte in diesen vorüberziehenden, unbedeutenden Bildern gefunden: Denn es ist nicht umsonst, dass diese Fülle vor mir platziert wurde, und sie sind wunderbare Buchstaben für die Sätze einer jeden Weisheit und allen Wissens, und wurden nur für die Kombinationen der Weisheit erschaffen.

Zuerst sollten wir die Eigenschaft der Faulheit in unserer Welt bewerten. … Im Großen und Ganzen ist es gar keine so negative und verächtliche Eigenschaft. Der Beweis dafür ist, dass unsere Weisen bereits sagten: „Sitzen und nichts zu tun – ist vorzuziehen.“

Obwohl der gesunde Menschenverstand und verschiedene Schriften dieser Regel widersprechen, werde ich dennoch, um der angemessenen Genauigkeit Willen, aufzeigen, dass „beides die Worte des lebendigen Gottes sind“ – und alles wird seinen Platz in Frieden einnehmen.

Es ist ohne jeden Zweifel geklärt, dass es keine andere Arbeit in dieser Welt gibt, außer Seiner Arbeit; und betreffend alle anderen Arbeiten neben Seiner – sogar wenn sie für die Seele sind, aber solange sie nur einen selbst betreffen  – wäre es besser, sie wären niemals in diese Welt gekommen; denn sie stellen die Dinge auf den Kopf. Denn ein Empfangender wird niemals ein Gebender werden. Dies ist ein unveränderliches Gesetz – und: „Wäre er da gewesen, wäre er nicht erlöst worden.“

Daher sollten wir nicht über einen Arbeiter oder eine Arbeit reden, bei der der Ausführende in der Form des Empfangens ist. Dies ist äußerste Eitelkeit und es besteht kein Zweifel, dass es besser wäre „zu sitzen und nichts zu tun“, da er durch seine Arbeit schadet – entweder sich selbst oder anderen. Es fehlt ein jeglicher Nutzen, wie wir oben gesagt haben.

Ich kümmere mich gar nicht darum, wenn einige von euch diese Regelung als unangenehm empfinden, und sogar offen gegen meine Worte protestieren, da so die Natur einer jeden Wahrheit ist; sie bedarf nicht der Zustimmung eines Sterblichen, ob groß oder klein, und jeder, der mit größtem Wissen der Tora belohnt worden ist, ist sehr starrsinnig.

Wenn wir daher der großen und berühmten Wahrheit folgen, dass jemand, der seine Arbeit verflucht „der Freund eines Zerstörers ist“, dann fühle ich weder Erbarmen noch Notwendigkeit, für die Faulen einen Ratschlag suchen zu müssen, aufgrund der großen Regel: „Sitzen und nichts zu tun – ist vorzuziehen.“

Wenn sie aber das Wort des Schöpfers schätzen und sich wahrhaftig wünschen, ihren Erschaffer zu verehren und Seine Werke zu verherrlichen, dann gibt es keinen Zweifel, dass der Geist der Faulheit nicht mit ihnen sein wird; denn der Geist des Schöpfers gibt Kraft und Stärke, welche die Faulheit wie Stroh im Wind verwehen. Aber wenn es sich herausstellt, dass sie sich in diesem Geist der Faulheit vereinen, besteht kein Zweifel daran, dass ihr Verstand in dieser Zeit nicht einzig dem Schöpfer gewidmet sein wird. Wenn dies so ist, ist es sicherlich besser „zu sitzen und nichts zu tun“.

Ich habe viel über diese Angelegenheit zu sagen, doch was kann ich tun, wenn es die Zeit verursacht, dass du meine Worte falsch verstehen wirst, da du nicht an meine neuartige Auslegung der Tora gewöhnt bist, welche von mir in absoluter Einfachheit gesagt wird. Es bedarf eines sehr hohen Niveaus, sich auf die Ebene der Unteren zu erniedrigen, um sie zu erheben. Und ich kann meine Wege nicht ändern, weil ich darin den Willen des Schöpfers sehe.

Obwohl du von mir viele Erneuerungen in der Tora in Einfachheit ausgedrückt gehört hast, und ich mich auch sehr darum bemüht habe, dich dazu zu bringen, alle meine Wege und alle meine Wünsche in der Arbeit für den Schöpfer zu verstehen, möchte ich bezogen auf diese Berufung sagen, dass ich mit der Hilfe des Schöpfers den Lehrern meiner Generation, und denen, die vor mir waren, etwas hinzufüge, und der Schöpfer hat es mir gewährt, und du bist mein Zeuge.

Und dennoch war unser Studium in dieser Sache nur kurz, ungefähr… vom zweiten Tag vom Wochenabschnitt BeHaalotcha (Wenn du aufsteckst die Lampen, Juni 1920) bis zum Wochenabschnitt Shemot (Exodus, Januar 1920), da deine Situation während der Woche… mir nicht erlaubte, ausführlicher mit dir über meine Erneuerungen in der Tora zu sprechen. Zudem habe ich gänzlich von meinem bisherigen Weg zu unterrichten abgelassen – aus Gründen, die ich für mich behalte, und ich ließ dich auch vorher davon wissen, samt einigen Erklärungen.

Doch da die Zeit sehr kurz war, hast du dich nicht an meine Wege angepasst, und auch sind meine Wege überhaupt nicht in dich eingesunken. Aus diesem Grund hast du viele Änderungen aus deinem eigenen Verstand in meine Lehren eingefügt…weswegen du viel Zeit verloren hast…

Du sagtest ausdrücklich, dass du mir mit all deiner Stärke und Kraft helfen würdest, die Wege meiner Tora zu klären und sie in der Welt zu verbreiten, aber du sitzt und wartest auf die richtige Zeit, mit mir an dieser Angelegenheit teilhaben zu können. Du hast es von ganzem Herzen versprochen, entschlossen und feierlich, ohne den Hauch eines Zweifels, dass du ja auch mit dem oben Gesagten belohnt werden könntest.

Was kannst du jetzt über alle deine Versprechungen zu mir sagen… und ich kenne deine Taktiken und Tricks, die du dir erdacht hast, deinen ganzen Körper auf einmal in ewigem Wasser waschen zu wollen.

Ich kenne auch deine vorgefertigte Antwort bezüglich meiner Frage, dass du noch nicht bereit dafür bist, Erlangtes darzustellen, zu zerstören oder aufzubauen, noch weniger mit mir in der Arbeit verbunden zu sein, während du selbst einen unzureichenden Umgang damit hast.

Und trotzdem ist es die Neigung in dir, und du widersprichst dir selbst. Das heißt, dass du auf eine andere Frage ohne Bescheidenheit antwortest, ganz im Gegenteil. Wie kannst du daher das Seil an beiden Enden ergreifen?

…und ich sage dir, dass hier überhaupt keine Scham im Spiel ist, keine Nichtigkeit und keine Größe, nur das Werk des Satans, der sich erfolgreich in jede gute Sache einmischte, die sich auf dem Weg zeigte. Warum sollte es dich nach alldem kümmern, wenn ich von deiner Niedrigkeit zu viel verstehe? Ist es meine Hochachtung, die du dir ersehnst? Ich weiß vielmehr, dass deine Seele reiner ist als solcher Abfall.

Und warum sollte es dich stören, wenn ich das genaue Ausmaß deiner Größe verstehe, wie sie in deinem Herzen ist? Fürchtest du dich davor, dass ich dich für deine Hartnäckigkeit verspotte?

Und warum diese Scham, vor einem Freund wie mir mit großartigen Worten zu sprechen? Alle unsere Weisen haben diesen Pfad ebenfalls beschritten und ihre Geheimnisse entweder einem besonderen Lehrer oder einem besonderen und wahrhaftigen Freund offenbart, ob hoch oder tief, genauso, wie sie in ihren Herzen erschienen sind.

Denn meine Wege sind die Wege der Wahrheit, sie sind überhaupt nicht durch die Wahrheit selbst beeindruckt, sei sie bitter oder süß. Und das Wichtigste ist jede Reflexion zu ihrer Zeit zu akzeptieren, da der Verstand „sauber“ sein muss, falls er aufgrund von seiner Bitternis voreingenommen sein sollte. Und auch das Herz muss an seinem Platz „gerecht“ sein und unter allen Umständen den Schöpfer rechtfertigen.

Und so wie es kein Maß für die Vorzüge des Schöpfers und seine Erhabenheit gibt, gibt es ebenso kein Maß für die Niedrigkeit eines Sterblichen (und für seine Schwäche), außer wenn diese Schöpfung bereit ist, für all ihre Niedrigkeit ein Wort der Wahrheit anzunehmen, ohne jegliche Beziehung zu ihrem verstoßenen Körper. Es ist immer wie in dem Vers: „Der Reine und der Gerechte morden nicht.“ Und so gehen und schreiten sie auf den Stufen der Heiligkeit und Reinheit bis… „Was ist euch diese Arbeit?“

Ich sehe offensichtlich, dass du in diese Falle tappen wirst – weniger oder mehr. Das ist der letzte Satan, welchen ich in meiner fruchtbaren Arbeit für die Allgemeinheit meiner Generation entdecke. In den Augen meines Schöpfers und mit Seinem Segen wurde ich für berechtigt befunden, die volle Niedrigkeit meiner Generation zu erkennen und alle möglichen Arten der einfachen und zuverlässigen Korrekturen zu erlangen, um jede Seele so schnell es geht zurück zu ihrer Wurzel zu bringen.

Doch was kann ich am Tage der Berufung tun, wenn du die Frage des bösen Menschen beantworten musst: „Was ist euch diese Arbeit?“ Obwohl die Antwort in der Haggada geklärt wurde: „Wäre er dort gewesen, wäre er nicht erlöst worden.“ Denn es gibt keinen Nutzen für die Narren und Anbeter der Eitelkeiten – und niemand ist für Seine Arbeit auserwählt, außer sein Herz ist vollständig mit dem Schöpfer verbunden, um die Arbeit des Jochs hingebungsvoll auf sich zu nehmen – den ganzen Tag und die ganze Nacht, immer, endlos – auch nur, um einen Funken des Wohlwollens für den Schöpfer zu erbringen. Warum sollte sich daher dieser Bösewicht einmischen und sich mit jenen beraten, die den Schöpfer lieben?

Und dennoch, mein Bruder, ist dies keine intellektuelle Frage. Sie ist klar und sie ist wahr, und kein Nachdenken und Zweifel bleiben in dieser Sache übrig. Aber genau deswegen gibt es keine Antwort auf diese Frage, da es die Frage einer trüben und schmutzigen Materie ist; und es ist nur der Anspruch von Seiten des materiellen Körpers, zum Götzendienst seines Vaters zurückzukehren, an dessen Arbeit er teilhat – oder noch wahrer: Er selbst ist der Arbeiter und all die Genüsse sind sein. Und da dieser Fragende nur eine gedankenlose Substanz und ein Körper ist, ist die Macht des Verstandes schwach, ihm irgendeine Antwort zu geben, da er keine Ohren hat und er ist „wie die taube Natter, die ihre Ohren verschließt.“

Ich weiß um den riesigen Vorteil, welchen der Schöpfer mir gegenüber meinen Zeitgenossen gewährt hat, da ich eine lange, lange Zeit danach getrachtet habe zu verstehen, warum ich vom Willen Gottes erwählt wurde. Nach all der Niedrigkeit, die von dem Sohn dieses Bösewichts ausgesendet wurde, welche die Klipa (Schale) ist, die zu meiner Zeit herrscht und nachdem ich Zeuge Seiner wahren Größe wurde, begreife ich nun die Güte des Schöpfers mir gegenüber, von heute und für immer mein Herz vom Hören der oben erwähnten Frage des Bösewichts abzulenken.

Denn ich finde mich jetzt und immer gezwungen und verpflichtet, wie „ein Ochse unter dem Joch und ein Esel unter der Last“ zu sein, den ganzen Tag und die ganze Nacht. Ich werde immer nach irgendeinem Ort suchen, an dem ich meinem Schöpfer etwas Zufriedenheit bringen kann. Und sogar am heutigen Tag bin ich glücklich, unter einer großen Last zu arbeiten, sogar siebzig Jahre (selbst mein ganzes Leben), ohne irgendein Wissen um den Erfolg; doch es muss sich sicher um den Weg handeln, der mir zu gehen aufgetragen wurde, und um Ihm anzuhaften, so wie ich es anfänglich hörte.

Gleichzeitig kann ich mich kein bisschen dafür entschuldigen, durch irgendeine Regung oder Überlegung aufgrund meiner Niedrigkeit auch nur irgendwelche Arbeit in Seinem Namen zu machen. Ich strebe und denke den ganzen Tag an die Erhabenheit der Arbeit für den Ewigen, die so überragend ist, dass ich noch nicht einmal darüber schreiben kann.

Es ist wahr, dass ich sah, als ich diese Angelegenheiten mit meinen Zeitgenossen besprochen habe, dass sie eine Art Gesetzbuch (Shulchan Aruch) haben, in das sie sich vertiefen, um aus ihm – entsprechend all ihren Bedürfnissen – ihr Maß für die Arbeit für den Ewigen abzuleiten.

Doch habe ich in diesem Gesetzbuch nie gelesen, in dem den von Ihm erschaffenen Geschöpfen nach Seinem Wunsch Bedingungen und Maße zugeschrieben werden, welche die Stufen der Anhaftung an Ihn betreffen.

Im Großen und Ganzen habe ich von Angesicht zu Angesicht empfangen, dass Klein und Groß gleich vor Ihm sind. Und alle Schöpfungen sind bereit für das Einflößen Seiner Shechina in ihre Herzen; und das Maß des Einflößens hängt vom Willen des Schöpfers ab und nicht im geringsten von dem des Menschen. Daher wundert dies mich – es ist eine gravierende Schande für einen von einem Sterblichen geborenen Menschen, wer auch immer es sein mag, eine Grenze oder eine scheinbare Grenze für den Willen des Schöpfers zu setzen.

Meine Worte sind äußerst einfach; dennoch muss ich in meiner Generation erst einmal einen Menschen finden, der – in seinen eigenen Augen – so einfach ist, sodass er den Wert meiner Worte, so wie sie sind, verstehen würde, da sie ihre Körper nicht so sehr absenken können.

Und da ich nun mal dazu gekommen bin, werde ich dir alle ihre Geheimnisse in den Räumen ihrer Kontinuität enthüllen. Wenn du verstehst… dass alles über sie kam aufgrund der Frage des bösen Menschen „Was ist euch diese Arbeit?“ Denn sie brauchen immer Blindheit in Bezug auf diesen bösen Menschen.

…Doch sind sie Menschen, und warum änderten sie trotz allem ihre Arbeit nicht zugunsten dieser Berufung ? Was erhält der Besitzer des Weinguts von seinem Weingut?

Und dennoch heiligen sie ihren Schöpfer intellektuell, ob Er nicht den Geist von den Höhen auf sie heruntergießen würde, damit sie Früchte in ihrer Arbeit sehen oder nicht. Aber dennoch wollen sie nicht von den Anbetern des Schöpfers ausgeschlossen werden.

Wenn sie mit Tieren verglichen werden, die die materiellen Emotionen tragen, indem sie den Schöpfer mit ihrem Willen anbeten, ohne verstehen zu wollen, dass sie all ihre Substanz auf dem Wege verlieren werden – zusammen mit allem, was sie erhalten können – so sollte die Erinnerung an sie für immer von der Erde verschwinden.

Und dennoch, mein Bruder, habe ich ausführlicher bezüglich dieser Angelegenheiten mit dir von Angesicht zu Angesicht gesprochen als wir beisammen waren, und es ist unmöglich, das in schriftlicher Form zu erweitern.

Doch bin ich mir sicher, wenn du korrekte Klärungen zu den Worten machst, die ich dir in diesem Brief geschrieben habe, dann wirst du sicherlich viele Dinge finden, mit denen du unzufrieden sein wirst. Ich habe sie dir jedoch absichtlich geschrieben, da ich denke, dass du sie vielleicht zukünftig verstehen wirst.

Lasse mich von jedem Detail und jeder Wurzel, in der du nicht völlig mit mir einverstanden bist, wissen, da mein Herz ganz bei dir ist, und du…

.. und der Schöpfer ist mein Zeuge, dass ich keine Last oder Anstrengung scheuen würde, sollte ich die Möglichkeit haben, dir die höhere himmlische Milch zu füttern.

Yehuda Leib

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