Brief 57, 1935

Für den berühmten und frommen Schüler – möge seine Kerze brennen:

Deinen Brief habe ich erhalten, und anstatt sich Sorgen darum zu machen, was es gibt, wäre es besser, sich um das Fehlende zu sorgen. Und das ist die Regel, alles was vom Schöpfer abhängt – gesegnet sei sein Name – befindet sich in großer Fülle. Und das Kli des Empfangens kann nur von den Niedrigen gefüllt werden, denn es ist ihre Arbeit in Heiligkeit und Reinheit, die Er vertritt und auf die Er wartet. Genau darum bemühen wir uns – noch mehr zu arbeiten. Und derjenige, der dazu beiträgt und sich unnötige Sorgen macht, vermindert alles nur. Und das ist nicht nur unnötig, sondern auch schädlich.
Im Moment habe ich nichts gegen die Frage des Freundes, die du stellst: „Und jeder Nackte macht mit Verstand…“ Und auf alle anderen Fragen, auf die du meine Antworten willst, antworte ich dir mit einer Antwort. Es gibt keinen fröhlicheren Zustand im Leben eines Menschen, außer wenn er findet, dass er von seinen eigenen Kräften enttäuscht wird. Gemeint ist, dass er bestrebt war und alles getan hat, was in seiner Kraft liegt und es kein Heilmittel gibt. Weil er dann dem vollständigen Gebet um Seine – gesegnet sei Er – Hilfe würdig ist. Denn nun weiß er mit Sicherheit, dass seine eigenständige Arbeit ihm keinen Nutzen bringen wird. Und solange er seinerseits irgendeine Kraft für die Arbeit fühlt, ist sein Gebet nicht aufrichtig. Weil ihm der böse Trieb zuvorkommt und sagt, dass er verpflichtet ist, alles zu tun, was in seiner Kraft liegt und dann wird er dem Schöpfer –  gesegnet sei Er – würdig sein. Und darüber steht geschrieben: “Mächtig ist der Schöpfer und nur der Erniedrigte wird Ihn sehen…” Denn, wenn der Mensch sich auf verschiedene Art und Weise bemüht hat und enttäuscht wird, erst dann kommt er zu einer wahren Erniedrigung und weiß, dass er der niedrigste unter den Menschen ist, denn er hat nichts, was ihm helfen kann. Erst dann ist sein Gebet wahrhaft, und er bekommt von Ihm eine Antwort.

Und darüber steht geschrieben: “Und die Söhne Israels seufzten von schwerer Arbeit zum Schöpfer…”, weil sie von “der Arbeit” völlig enttäuscht waren. Wie einer, der mit einem Eimer mit Löchern schöpft und seinen Durst nicht löschen kann. So auch die Söhne Israels: alles was sie gebaut haben, wurde von der Erde verschlungen. Und derjenige, der Seine Liebe –  gesegnet sei Er – nicht gewonnen hat, wird sehen, wie alle seine gestrigen Anstrengungen, seine Seele zu reinigen, morgen wie weggeweht sind. Und jeden Tag und jeden Augenblick muss man neu anfangen, als ob man in seinem Leben bis jetzt noch nichts getan hat. Und deswegen steht geschrieben: “Und die Söhne Israels seufzten zum Schöpfer von schwerer Arbeit…” Weil sie deutlich gesehen haben, dass von ihrer eigenen Arbeit nichts anwachsen wird. So war ihr Gebet wahrhaftig und wurde erhört, denn nur auf so ein Gebet wartet der Schöpfer.

Daraus folgt, dass alles, klein oder groß, nur mit der Kraft des Gebets erreicht wird. Und all unser Bestreben und unsere Arbeit, die wir verpflichtet sind zu leisten, dienen dazu, um die Wenigkeit unserer Kräfte und unsere Niedrigkeit zu entdecken –  dass wir mit unseren eigenen Kräften nichts leisten können. Und dann erst sind wir in der Lage und würdig, ein wahrhaftes Gebet an Ihn zu richten.

Man könnte über den Gedanken streiten, dass ich zu nichts würdig bin, und wozu dienen dann all meine Arbeit und Bemühungen?“ Jedoch laut dem Gesetz der Natur: “Es gibt keinen Weiseren als den Erfahrenen” und bevor man nicht versucht hat, alles zu tun, was in seiner Kraft ist, kann er nicht zum wahren Maß seiner Erniedrigung gelangen, wie es oben steht.

Deswegen müssen wir unsere Bestrebungen nach Heiligkeit und Reinheit richten, wie geschrieben steht: “Alles was in deiner Kraft ist, mache es…” Und verstehe das gut, dann das ist tief und wahr.

Ich habe dir diese Wahrheit nicht offenbart, damit du schwach wirst und an der Gnade zweifelst. Und obwohl du nichts erkennst und selbst, wenn du deine Arbeit getan hast, ist es an der Zeit für das Gebet. Und bis dahin glaube an die Worte der Weisen: “Ich habe nicht gearbeitet und gefunden, glaube es nicht”. Und wenn sich die Waagschale des Bestrebens ausgleicht, wird dein Gebet wahrhaftig und der Schöpfer wird großzügig geben, wie unsere Weisen sagten: “Ich habe gearbeitet und gefunden, dann glaube es.” Denn davor ist keiner eines Gebetes würdig und der Schöpfer hört das Gebet.

Yehuda HaLevi

Brief Nr. 47, 1927

An meinen Teuersten … für immer und ewig

Heute habe ich Ihre Worte erhalten und eines fällt mir auf: Ihre große Angst, dass ich mich von Ihnen auch nur um Haaresbreite fortbewege.

Den Menschen wohnt es inne und erlaubt ihnen… wahre Fülle zur anderen Seite zu ziehen. Und wo die Fülle der Angst Sie rühren soll, dass Sie in Ihr Herz schauen, für immer und ewig – damit sich Ihr Herz auch nicht um Haaresbreite von mir wegbewegt – richten Sie Ihre Angst an mich, damit mein Herz sich nicht weit von Ihnen entfernen möge. Somit arbeiten Sie daran, zu korrigieren, was festliegt, was nie zerbrochen war, während das Zerbrochene noch zerbrochen und ohne Beachtung bleibt. Ich weiß, dass Ihnen auch diese Worte unklar erscheinen und Sie nicht verstehen werden, woher sie kommen, und zu Zeiten der Freude mögen Sie mehr denken, Gott behüte.

Ich fühle mit Ihnen, mein Lieber, einen Tropfen Wahrheit in Ihren Mund zu träufeln, was keines der 613 Organe des menschlichen Körpers eigentlich tun muss. Wie oft haben Sie das von mir gehört? Und dennoch, jedes Mal, wenn ich Ihnen die Wahrheit offeriere, bekämpfen Sie mich sehr erbittert.

So ist in der Tat die Natur der Spiritualität: jemand, der am Schöpfer anhaftet, fühlt sich als entfernt. Er macht sich Sorgen und ist sich dessen unsicher und tut alles, was in seiner Macht liegt, mit Dwekut (Anhaftung) belohnt zu werden. Ein Weiser fühlt das Gegenteil zu einem, der nicht dem Schöpfer anhaftet, der sich freut und zufrieden ist und sich nicht richtig sorgt, außer die Mizwot (Gebote) der Sorge und der Sehnsucht einzuhalten, denn „ein Tor“ fühlt nicht. Und so, wie man jemanden, der von Geburt an blind ist, das Sehen nicht erklären kann, außer man macht ihn wieder sehend, so ist es auch in dieser Angelegenheit.

Ich schrieb Ihnen bereits, dass Sie Unrecht haben, anzunehmen, dass ich mich von Ihnen entfernt hätte. Sie sollten verstehen, dass Sie sich von mir entfernt haben. Glauben Sie mir, meine Augen und mein Herz sind immer bei Ihnen, ohne je ein Gefühl der Distanz von Ort oder Zeit. Wäre es nicht für den Zuhörer erforderlich zu wissen, würden Sie es miterleben.

Körperliche Entfernung jedoch kann im Gegenteil viel schneller bei Ihnen wirken. Und um ehrlich zu sein, hatte ich das erhofft, und ich hoffe, Sie werden noch mehr verstehen.

Es stimmt auch, dass ich Sie wohlwollend beurteile und die Luft von Jerusalem annehme, während ich noch vor/bei Ihnen bin und besonders während der Verhüllung von Ihnen. Darum habe ich Verhaltensweisen für Sie eingerichtet, mit denen Sie durchhalten können und nicht vom Weg abweichen.

Und die außerordentlichste von allen ist die Anhaftung an die Freunde. Ich verspreche Ihnen heilig, dass diese Liebe wirkt. Und ich werde Sie an jede gute Sache, die Sie brauchen, erinnern. Und wenn Sie sich dennoch dafür bereitmachen, dann werden Sie immer gestärkter auf den Stufen der Heiligkeit voranschreiten, wie ich Ihnen vorher versprochen habe.

Wie kann ich es Ihnen verzeihen: Die Leiter, die vor Ihnen auf den Boden gestellt wurde, ist leer, keiner erklettert sie und anstelle von „heute“ sagen Sie „morgen“. Erzählen Sie mir, was Sie von meiner Vergebung haben? Lassen Sie es mich wissen und ich werde Ihnen antworten.

Ich bin nicht der Aussteller von Regeln oder verfasse Gesetze, und dies sollten Sie auch wissen. Ich muss mich davor fürchten, abzufallen, sonst würde ich mich nicht extra anstrengen, denn das ist wirklich schwierig für mich. Aber ich bin derjenige, der jeglichen Zeitverlust bedauert, viel mehr als wenn Sie zurückfallen, Gott behüte. Dies sah ich voraus und wollte es im Voraus reparieren.

Lassen Sie mich Sie daher an die Gültigkeit der Liebe zu den Freunden trotz allem heute erinnern, denn genau darauf basiert unser Existenzrecht, und danach wird unser baldiger Erfolg bemessen.

Darum wenden Sie sich von allen unwirklichen Verpflichtungen ab und seien Sie mit dem Herzen bei den Gedanken und dabei, richtige Taktiken zu entwickeln, um Ihre Herzen wahrhaftig zu verbinden, damit die Worte “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ in Ihnen wahr werden, denn etwas Gesagtes reicht nicht bis hinter das Wörtliche. Und Sie werden sich in wahrer Liebe verbinden und dann werden Sie sehen, dass „der Gaumen schmecken wird“, und kein Mensch wird sich zwischen Sie und mich stellen.

Und was Ihre Nachlässigkeit betrifft, zum Gebet zu kommen, so kenne und fühle ich Ihr Schicksal und Ihre Sorge. Hätte ich nicht gesehen, wie sich das Maß des Verlustes aufgrund der Richtigkeit nicht vermindert, hätte ich kein Wort gesagt.

Gleichnis über den Sohn eines Reichen im Keller, Brief 25

Rav Yehuda Ashlag, aus dem Jahr 1927

(…) Auf den ersten Blick müsste man „Rückkehr“ (Tshuva) als „Vollkommenheit“ (Shlemut) bezeichnen. Doch dieses Wort verweist darauf, dass alles von Anfang an bereitet ist und jede Seele bereits in ihrem ganzen Licht, in Güte und Ewigkeit weilt. Nur wegen des „Brotes der Scham“ ist die Seele aus diesem Zustand mittels Einschränkungen ausgetreten, bis sie sich schließlich in einen trüben Körper hüllte. Nur dank ihm kehrt sie zu ihrer Wurzel zurück, wo sie sich vor der Einschränkung befand, mit einer Belohnung für diesen ganzen schrecklichen Weg, den sie zurückgelegt hat. Im Grunde stellt diese Belohnung die wahre Verschmelzung dar. Mit anderen Worten befreit sich die Seele vom „Brot der Scham“, da ihr Gefäß des Empfangens sich in ein Gefäß des Gebens verwandelt und sie sich in ihren Eigenschaften ihrem Erschaffer angleicht. Doch zu diesem Thema habe ich bereits viel gesagt. Weiterlesen

Wo die Gedanken eines Menschen sind, dort ist auch er

Rav Yehuda Ashlag, Brief 18 aus dem Jahr 1926

[…] aber halte dich fern, den „Schlag eines Starken“ (Jesaja, 22:17) vorzeitig zu erhalten, denn „man ist dort, wo man denkt“. Wenn daher jemand sicher ist, dass ihm an nichts mangeln wird, kann er seine Anstrengungen auf die Tora konzentrieren, denn „der Gesegnete verschmilzt mit dem Gesegneten“. Weiterlesen

Wo die Gedanken eines Menschen sind, da ist auch er, Brief 18

Rabbi Yehuda Ashlag, aus dem Jahr 1926

… aber halte dich fern, den “Schlag eines Starken” (Jesaja 22; 17) vorzeitig zu erhalten, denn “man ist dort, wo man denkt”. Wenn daher jemand sicher ist, dass ihm an nichts mangeln wird, kann er seine Anstrengungen auf die Tora konzentrieren, denn “der Gesegnete verschmilzt mit dem Gesegneten”.

Doch wenn es jemandem an Zuversicht mangelt, wird er sich abmühen müssen und jede Mühe kommt von Sitra Achra, “und der Verfluchte kann nicht mit dem Gesegneten verschmelzen”, denn er wird seine ganzen Anstrengungen nicht den Worten der Tora widmen können. Wenn er dennoch den Zustand von „schwerer Arbeit im fernen Land“ spürt, soll er an diese Sachen überhaupt nicht denken, sondern er soll in großer Eile – so, als wäre er vom Teufel getrieben – zur Routine zurückkehren, damit er seine Funken nicht an anderen Orten und zu anderen Zeiten verstreut, solange sie noch nicht vereint sind.

Und wisse, dass den Niederen kein Mangel zugeschrieben wird, außer in Zeit und Raum, welche erlaubt sind, so wie es jetzt ist. Ich möchte damit sagen, dass wenn jemand für einen Moment bedauert, bereut oder verzweifelt, so wirft er alle Zeit und allen Raum der Welt weg. Das ist die Bedeutung von “Der Zorn eines Augenblickes, was ist er wert? Einen Moment”.

Deshalb ist ein Mensch unkorrigierbar, außer wenn er alle gegenwärtigen und zukünftigen Momente ausrichtet, damit sie Seinem Großen Namen gewidmet werden. Und jener, der den gegenwärtigen Moment ablehnt, weil er hart ist, zeigt seine Narrheit allen – dass all die Welten und all die Zeiten nicht für ihn sind, denn das Licht seines Angesichts kleidet sich nicht in die sich verändernden Zeiten, obwohl die Arbeit des Menschen notwendigerweise durch sie verändert wird. Aus diesem Grund wurden uns durch den Verdienst unserer heiligen Urväter der Glaube und die Sicherheit über dem Verstand vorbereitet, welche der Mensch in schweren Zeiten mühelos verwendet.

Das Wichtigste ist die Anstrengung, Brief 38

Rav Yehuda Ashlag, aus dem Jahr 1927

Mein lieber Sohn Baruch,

ich habe deinen Brief erhalten, und ich gratuliere dir zur Semicha (Rabbiner Weihe), die du erhalten hast. Dies war die erste Mauer, die deinen Weg vorwärts blockierte. Ich hoffe, dass du von diesem Tag an erfolgreich bist und täglich stärker wirst, bis du den Königspalast betrittst.

Ich hätte gerne, dass du noch eine Semicha erlangst, aber von diesem Tag an beeile dich und verwende die meiste Zeit darauf, deinen Körper vorzubereiten – dass er Kraft und Courage gewinnt „wie ein Ochse für seine Bürde und ein Esel für seine Last“, damit du keinen Moment verschwendest.

Und solltest du fragen: „Worin besteht die Vorbereitung?“, werde ich dir sagen, dass es in der Vergangenheit notwendig war, alle sieben säkularen Lehren zu durchlaufen und sich schrecklichen Selbstgeißelungen zu unterziehen, bevor man sich dem Schöpfer näherte. Und trotzdem wurden nicht viele mit der Gunst des Schöpfers belohnt. Doch da wir mit den Schriften des ARI und der Arbeit von Baal Shem Tov belohnt wurden, liegt es wirklich in unserer Hand, und keine weitere Vorbereitung ist vonnöten.

Sollte dein Fuß diese beiden Wege beschreiten – und durch Gottes Gnade bin ich begünstigt, und ich habe sie mit meinen beiden Händen erhalten, und mein Geist ist dir so nahe, wie ein Vater seinem Sohn nur sein kann –, werde ich sie dir sicher weitergeben, sobald du bereit dafür bist, sie von Mund zu Mund überliefert zu bekommen.

Doch das Wichtigste ist die Arbeit, das heißt, wie man sich seine Arbeit erfleht und sich mit ihr plagt. Denn normale Arbeit zählt überhaupt nicht, sondern nur die Teile, die sich jenseits der normalen Arbeit befinden, und sie werden „Mühen“ genannt. Es ist wie ein Mensch, der ein Pfund Brot zum Sattwerden braucht – seine gesamte Mahlzeit wird als nicht sättigend betrachtet, außer dem letzten Bissen Brot. Dieser Bissen bewirkt aufgrund seiner Kleinheit, dass die Mahlzeit satt macht. Gleich wie bei der Arbeit: Der Schöpfer erkennt nur den Überschuss zur normalen Arbeit, und dieser Überschuss wird zu den Otiot (Buchstaben) und den Kelim (Gefäßen) für den Empfang des Lichtes Seines Angesichts.

Der Schöpfer ist dein Schatten, Brief 19

Rav Yehuda Ashlag, aus dem Jahr 1927

Ich habe alle Deine Briefe erhalten, und mögen sie dem Wunsch des Schöpfers genügen. Beachte jedoch: „Erkenne den Schöpfer Deiner Väter und sei ihm ergeben.“ „Erkennen“ bedeutet „das Wissen“, denn schlecht geht es der Seele des Menschen ohne die Kenntnis des Schöpfers. Denn er hat eine Seele, doch solange er den Schöpfer noch nicht spürt, geht es ihm schlecht.

Obwohl er eine Seele hat, ist er nicht imstande, sich aus eigener Kraft zu der Erkenntnis des Schöpfers zu bewegen, bis er Inspiration von Oben bekommt. Dann wird ihn dies dazu verpflichten, innezuhalten, den Anweisungen der Weisen zu folgen und auf diese völlig zu vertrauen.

In der Schrift steht es geschrieben: „Nur die Güte und die Barmherzigkeit verfolgen mich alle Tage meines Lebens.“

Auch der große Baal Shem Tov erklärt: „Der Schöpfer ist dein Schatten.“ Das heißt, wie ein Schatten allen Bewegungen des Menschen folgt und all seine Bestrebungen mit denen des Menschen übereinstimmen, so folgt jeder Mensch den Bewegungen des Schöpfers, und sobald bei ihm die Liebe zum Schöpfer erwacht, soll er begreifen, dass es der Schöpfer ist, bei dem eine große Sehnsucht nach dem Menschen erwachte. Genau das hat Rabbi Akiwa gemeint, als er sagte: „Glücklich ist Israel, vor wem reinigen sie sich und wer sie rein werden lässt.“ Verstehe das.

Aus diesem Grunde erhält der Mensch am Anfang seiner Annäherung eine sich wendende Seele (Sitra deOfanim), was bedeutet, dass sich der Schöpfer bei jeder Gelegenheit, die seitens des Menschen entsteht, ihm zuwendet in großer Sehnsucht und großem Verlangen, mit ihm zu verschmelzen. Darüber sagt König David: „Nur die Güte und die Barmherzigkeit verfolgen mich an jedem Tag meines Lebens“ – ausgehend von allen Reinkarnationen. Da König David die Gesamtheit aller Seelen Israels darstellt, hat er sich immer ungeduldig danach gesehnt, mit dem Schöpfer wirklich eins zu werden.

Man sollte jedoch in der eigenen Seele ergründen, dass der Schöpfer genau in dem Maße zum Menschen eilt, wie der Mensch zum Schöpfer strebt. Er darf dies nicht einmal in Zeiten größter Sehnsucht vergessen. Wenn der Mensch sich daran erinnert, dass der Schöpfer sich nach ihm sehnt und mit gleich großer Kraft wie er selbst zu der Verschmelzung mit ihm strebt, dann wird der Mensch immer in wachsender Erwartung und Sehnsucht, in ununterbrochener Verschmelzung verweilen, worin die endgültige Vollkommenheit jeder Seele besteht, bis sie der Rückkehr aus Liebe würdig wird. Es heißt: „Waw kehrt zu Hej zurück“, was die Verschmelzung des Schöpfers mit der Shechina (Gesamtheit aller Seelen) bedeutet.

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Auf dem Weg der Wahrheit gehen, Brief 17

Rav Yehuda Ashlag, aus dem Jahr 1925

Ich möchte über den Sinn der Arbeit in der Mittleren Linie schreiben. Es ist wichtig, sich immer auf die Linke und die Rechte Linie zu stützen. Denn es gibt Fälle, in denen „sich fortzubewegen schlimmer ist, als faul da zu sitzen“ (oder „Ruhen der Fortbewegung vorzuziehen ist“), um den Weg nicht zu verlieren. Denn der Weg der Wahrheit ist eine äußerst schmale Linie, deren Treppen man aufwärts steigt, bis man den königlichen Palast erreicht.

Und jeder, dessen Weg am Anfang der Linie begann, soll sich davor hüten, nach links oder rechts von der Linie abzuweichen, wenn auch nur um eine Haaresbreite. Wenn seine Abweichung um eine Haaresbreite am Anfang ist und er weiter auf der richtigen Geraden voranschreitet, wird er unter keinen Umständen den königlichen Palast erreichen können, weil er von Anfang an nicht die richtige Linie bewahrt hat.

Der Sinn der mittleren Linie besteht in der Erfüllung der Bedingung: „Die Tora, der Schöpfer und Israel sind eins.“ Denn das Ziel des Einzugs der Seele in den Körper besteht darin, dass diese, in einen Körper gehüllt, zu ihrer wahren Wurzel zurückkehrt und mit dem Schöpfer verschmilzt; denn es steht geschrieben: „Schließt euren Schöpfer in eure Herzen ein, geht Seine Wege, bewahrt Seine Gebote, verschmelzt mit Ihm!“ Daran erkennt man, dass das Ende des Weges in den Worten „verschmelzt mit Ihm“ besteht, das heißt so, wie es vor der Einkleidung in den Körper war.

Man braucht aber eine gründliche Vorbereitung, die im Gehen auf allen Wegen des Schöpfers besteht. Und wem sind Seine Wege bekannt? Das ist „die Tora, die aus 613 Lichtern besteht“, denn, wer diesen folgt, korrigiert sich selbst so weit, dass sein Körper [= sein Wille zu empfangen] keine eiserne Mauer mehr zwischen dem Menschen und dem Schöpfer bildet. Denn darin besteht der Sinn der Aussage: „So habe ich das steinerne Herz von eurem Fleisch getrennt.“ Und dann verschmelzt ihr mit eurem Schöpfer – genauso war eure Verschmelzung mit Ihm, bevor sich die Seele in den Körper kleidete.

Wir finden, dass drei Aspekte existieren:

  1. Israel – welches sich bemüht, zum Schöpfer zurückzukehren;
  2. der Schöpfer – die Wurzel, zu der alles strebt;
  3. der Aspekt der 613 Lichter der Tora – die man das Gewürz nennt, mit dessen Hilfe die Seele und der Körper gereinigt werden.

Denn es steht geschrieben: „Ich habe den bösen Trieb geschaffen und die Tora als Gewürz dazu.“

Doch alle drei Teile sind in Wirklichkeit ein Ganzes, und als solches sieht sie jeder Erkennende am Ende des Weges, als einen Aspekt „Echad, Yachid, Meyuchad“ (Eins, Einzig, Vereint). Dass sie als drei Teile wahrgenommen werden, ist nur wegen der unvollkommenen Arbeit für den Schöpfer.

Ich verdeutliche es ein wenig, aber nur von einer Seite her, denn die andere erfährst du während der Offenbarung des Schöpfers dir gegenüber – die Seele ist ein Teil des Schöpfers, von Oben eingegeben. Vor ihrem Abstieg in den Körper ist sie mit Ihm verbunden, wie der Zweig mit der Wurzel. Wie das Buch „Ez Chaim“ besagt, hat der Schöpfer die Welten erschaffen, weil es Sein Wunsch war, Seine heiligen Namen „Barmherziger und Gütiger“ usw. zu offenbaren. Denn gäbe es keine Geschöpfe, wem hätte Er seine Barmherzigkeit offenbaren können? (…) Tiefsinnig sind Seine Begriffe.

Soweit die Feder zulässt, es zu beschreiben, „stellt die ganze Tora Seine Namen dar“. So sagen es die Weisen. Das Zeichen der Höheren Führung ist: „Allem, was wir nicht erkennen können, vermögen wir keinen Namen zu geben.“ Denn all diese Namen sind die Belohnung der Seele, die nicht nach ihrem Willen in einen Körper herabsteigt und gerade mithilfe des Körpers die Möglichkeit bekommt, die Namen des Schöpfers zu erkennen. Und gemäß ihrer Erkenntnis ist das Niveau (die Stufe) der Seele. Nach der Regel: „ Das Leben eines geistigen Objektes wird durch das Maß seiner Erkenntnis bestimmt.“

Ein materielles Lebewesen nimmt sich selbst wahr, weil es aus dem Verstand und der Materie besteht. Deswegen ist das Empfinden des Spirituellen – der Verstand und das spirituelle Niveau – das Maß des Wissens, denn es steht geschrieben: „Nach seinem Verstand sei der Mann gelobt.“ Ein Tier dagegen weiß, statt zu empfinden.

Und begreife den Preis, den die Seele bekommt: Vor ihrem Abstieg in den Körper war sie klein wie ein Punkt, obschon mit ihrer Wurzel vereint wie der Zweig eines Baumes. Dieser Punkt wird „Wurzel der Seele und ihrer Welt“ genannt. Wenn sie nicht in den Körper dieser Welt abgestiegen wäre, hätte sie nicht mehr als diesen Punkt gehabt, also ihr Maß in der Wurzel.

Und wenn sie dessen würdig wird, immer weiter den Weg des Schöpfers zu gehen, also den 613 Lichtern zu folgen, die sich in die Namen des Schöpfers verwandeln, steigt ihr Niveau entsprechend des Erkennens der Namen.

Darin besteht der Sinn der Aussage, dass der Schöpfer für jeden Gerechten 310 Welten bereit hält (310 ist die Zahlenbedeutung des Worts „ShaY“ – „Geschenk“ auf Hebräisch). Die Seele besteht aus zwei Gerechten – dem Höheren und dem Unteren, so wie der Körper in Ober- und Unterkörper geteilt ist (auf dem Niveau von Tabur – Bauchnabel). Deswegen wird sie der schriftlichen und der mündlichen Tora würdig, denn jede besteht aus 310, was zusammen 620 ergibt, was 613 Geboten der Tora und 7 Geboten der Weisen entspricht.

Aufgrund dessen steht es im Buch „Ez Chaim“, dass alle Welten nur deswegen geschaffen wurden, damit die Namen des Schöpfers erkannt werden. Daraus wird deutlich, dass die Seele dadurch, dass sie herabgestiegen und in stinkende Materie gekleidet wurde, nicht mehr zu ihrer Wurzel in der Form zurückkehren konnte, in der sie vor ihrem Abstieg in „Diese Welt“ (Olam haSe) existiert hat. Sie ist verpflichtet, ihr Niveau im Vergleich zu dem, was sie in der Wurzel war, 620fach zu erhöhen, was zu ihrer Vollkommenheit führt – zum Licht aller Lichter NaRaNCHaY (Nefesh, Ruach, Neshama, Chaja, Yechida) bis zum Licht Yechida. Deswegen wird Yechida „Keter“ genannt, weil ihre Gematria, wie die des Wortes Keter, der Zahl 620 entspricht.

Daraus erkennen wir, dass alle 620 Namen (613 Gebote der Tora und 7 Gebote der Weisen) im Grunde fünf Teile der Seele sind, NaRaNCHaY, da die Gefäße von NaRaNCHaY die 620 Gebote sind und die Lichter von NaRaNCHaY das Licht der Tora darstellen, das sich in jedem Gebot befindet. So kommt es, dass die Tora und die Seele ein und dasselbe sind.

Der Schöpfer aber ist das Licht der Unendlichkeit, das in das Licht der Tora gekleidet ist, welches sich in den 620 Geboten befindet. Und darin besteht der Sinn der Aussage: „Die ganze Tora stellt Namen des Schöpfers dar“, wobei der Schöpfer der Zusammensetzende ist und die 620 Namen einzelne Teile sind, also Schritte und Stufen der Seele, weil die Seele das ganze Licht Schritt für Schritt stufenweise empfängt.

Aus dem oben Gesagten resultiert, dass das Ziel der Seele darin besteht, alle 620 Namen zu erkennen und eine Stufe zu erlangen, die 620mal größer ist als sie es vor ihrem Abstieg in den Körper war. Dabei besteht ihr Niveau (ihre Stufe) aus 620 Geboten, in die das Licht der Tora gekleidet ist. Der Schöpfer ist das allgemeine Licht der Tora; daraus folgt, dass „die Tora, der Schöpfer und Israel eins sind.“

Vor der Einbeziehung in die Arbeit des Schöpfers sehen also die Tora, der Schöpfer und Israel wie drei verschiedene Arbeiten aus:

Manchmal strebt der Mensch nach der Rückkehr der Seele zu ihrer Wurzel, das nennt man Israel.

Manchmal strebt er danach, die Wege des Schöpfers und die Geheimnisse der Tora zu erkennen, denn „wie soll man Ihm dienen, wenn man die Gebote nicht kennt?“ Dies nennen wir die Tora.

Manchmal strebt er danach, den Schöpfer zu erfassen, das heißt nach der Verschmelzung und der kompletten Erkenntnis des Schöpfers; und nur das wünscht er sich und nicht die Geheimnisse der Tora zu erkennen und die Seele zu ihrer Wurzel zurückzuführen, wo sie sich vor dem Abstieg in den Körper befand.

Deswegen muss jeder, der die wahre Linie in der Arbeit des Schöpfers geht, sich ständig überprüfen: ob er alle Teile der Arbeit genau gleich anstrebt, weil das Ende der Handlung seinem Anfang gleicht. Wer einen Teil mehr anstrebt als die anderen, weicht von der Geraden ab.

Wer das Ziel ansteuert, soll das Begreifen der Wege des Schöpfers und der Geheimnisse der Tora anstreben, denn dies ist das sicherste Mittel, auf der wahren Linie zu bleiben.

Deswegen steht geschrieben: „Öffnet mir einen Spalt so groß wie ein Nadelöhr, und ich werde für euch Höhere Tore öffnen.“ Das Nadelöhr ist nur für die Arbeit bestimmt. Wer nur die Erkenntnis des Schöpfers anstrebt, nur der Arbeit wegen, dem öffnet der Schöpfer das Tor der Welt. Wie es geschrieben steht:

„Und die Erde wird sich mit der Ehre des Schöpfers füllen.“

Vier gingen in den PaRDeS, Brief 3

Brief von Rav Yehuda Ashlag, aus dem Buch „Frucht des Weisen“, Band „Briefe“, Seite 37

„Vier gingen in den PaRDeS“, weil vor der Erschaffung der Welt „der Schöpfer und Sein Name Eins“ waren, da die Seelen noch keine Seelen waren; und der ganze Begriff des Namens entsteht dadurch, dass, wenn man sich von Ihm abwendet, Er jenen beim Namen ruft, damit er sich Ihm wieder zuwende.

Und da die Seelen vor der Erschaffung der Welt vollkommen mit dem Schöpfer verschmolzen waren und Er ihnen Kronen und Pracht verlieh, die über das hinausgingen, was sie sich zu wünschen wagten, weil Er ihre Wünsche besser kennt als sie selbst und sie erfüllt. Daher ist es sicher unwichtig, einen Namen zu nennen, was sich auf ein Erwecken von unten bezieht. Und deshalb ist es ein Aspekt des „Einfachen Lichts“, denn alles ist vollkommen einfach, weshalb dieses Licht von jedem einfachen Menschen verstanden wurde, sogar von einem, der gar keine Weisheit erkannte.

Daher wird es von den Weisen als „Pshat“ bezeichnet, weil es die Wurzel von allem ist, und von ihm spricht man nicht in den Büchern, weil es ein ganzheitliches, einfaches und bedeutendes Konzept ist. Und obwohl in der Unteren Welt im Reshimo dieses einfachen Lichts zwei Teile sichtbar sind, ist es doch einfach, nicht zusammengesetzt, und es ist das Herz, welches es trennt.

Und an dem Ort, von welchem wir sprechen, gibt es überhaupt keine Trennung. Das gleicht einem König, der seinen Lieblingssohn nahm und ihn inmitten seines großen schönen Gartens (PaRDeS) stellte. Als der Königssohn die Augen öffnete, betrachtete er nicht den Platz, wo er stand, da sein Blick wegen des großen Lichts im ganzen Garten weit weg streifte, so weit wie der Osten vom Westen entfernt ist. Und er blickte zu den entfernten Gebäuden und Palästen auf der westlichen Seite, und er ging in diese Richtung viele Tage lang, während er immer mehr über die Pracht der westlichen Seite staunte.

Nach einigen Monaten legte sich sein Eifer, und sein Verlangen war erfüllt, und er war es satt, nach Westen zu schauen. Er begann darüber nachzudenken, was sich auf dem Weg befand, den er zurückgelegt hatte. Er richtete seinen Blick auf die Ostseite, die Seite, von welcher er den Garten betreten hatte, und staunte! Denn die ganze Pracht und Schönheit war ihm so nahe, und er verstand nicht, warum er das nicht gleich zu Beginn gefühlt hatte und er immer nur auf die westliche Seite geblickt hatte. Und daher begann er in dem Moment, nur nach dem Leuchten der östlichen Seite zu streben, bis er zu den Toren gelangte, durch welche er einst hineingegangen war.

Welchen Unterschied gibt es zwischen den Tagen des Eintritts und den Tagen des Austritts? Denn alles, was er in den letzten Monaten erblickte, hatte er doch auch zu Beginn gesehen; doch es war ihm nicht bewusst und er konnte es nicht schätzen, weil sein Herz und seine Augen nur das Licht wahrnahmen, das vom Westen ausging. Und erst nachdem er davon satt geworden war, wendete er sein Gesicht, sein Herz und seine Augen dem Osten zu, und das Herz begann, das Licht aufzunehmen, welches von Osten kam. Doch was hat sich verändert?

Von den Toren des Gartens gelangt zu ihm eine zweite Offenbarung, genannt Remes (Andeutung), ähnlich wie der König seinem geliebten Sohn etwas andeutet und ihn dadurch etwas ängstigt. Und obwohl der Sohn nichts versteht und nicht die innere Angst sieht, die in der Andeutung verborgen liegt, bewegt er sich doch infolge seiner Verschmelzung mit dem Vater sofort zur anderen Seite.

Und das ist das Geheimnis, weshalb Remes (Andeutung) das „Zweite Angesicht“ ist, weil zwei Antlitze, Pshat und Remes, in den Geschöpfen als eine Wurzel eingeschrieben werden. Man sagt, dass ein Wort mindestens aus zwei Buchstaben bestehen muss, die gleichsam als „Quelle des Wortes“ bezeichnet werden, weil man aus einem Buchstaben nichts verstehen kann; und daher bilden die Anfangsbuchstaben der Worte Pshat und Remes das Wort PaR26, was die Wurzel des Wortes Par (junger Bulle) in unserer Welt ist. Aber auch die Worte Prija, Revija – Empfängnis, Fortpflanzung – kommen von dieser Wurzel.27

Dann wird das „Dritte Gesicht“ enthüllt, genannt Drush (Deutung). Bis dahin gab es keinerlei Drisha (Verlangen) und keine Äußerung von „der Schöpfer und Sein Name sind Eins“, doch im „Dritten Gesicht“ wird abgezogen und hinzugefügt, gedeutet und gefunden nach der Regel „Ich habe mich bemüht und fand“ (Jagati wemazati). Deswegen ist dieser Platz für die Unteren bestimmt, weil es dort ein Erwecken von unten gibt – im Gegensatz zum Licht der Ostseite, welches da leuchtete „noch bevor ihr ruft, werde ich antworten“ – und es erst danach eine starke Bitte und sogar Anstrengung und Genuss gibt.

Und dann beginnt das „Vierte Antlitz“, in der Sprache der Weisen Sod (Geheimnis) genannt, was eigentlich Remes gleicht, worin es aber kein Verständnis und Bewusstsein gibt. Es ist wie ein Schatten, der dem Menschen folgt – wie wenn man einer Schwangeren leise zuflüstert, dass heute Jom Kippur (Versöhnungstag) ist und sie essen und trinken kann, damit sie das Kind nicht verliert.

Warum handelt es sich jedoch um eine Enthüllung des Angesichts und nicht um eine Verhüllung? – Das ist die Reihenfolge von Oben nach unten: PaR – PeReD – PaRDeS.

Und nun schauen wir uns das Problem der vier Weisen an, die in den PaRDeS hineingingen, also in das Vierte Antlitz, genannt Sod, Geheimnis. Die Unteren beinhalten die vorausgegangenen Höheren. Daher sind alle vier Antlitze im Vierten gemeinsam eingeschlossen: das Rechte, Linke, Vordere und Hintere.

Die zwei ersten Antlitze, das Rechte (Yamin) und das Linke (Smol), PaR, entsprechen Ben Asaria und Ben Soma, deren Seelen sich von den zwei Antlitzen PaR ernähren. Die zwei anderen Antlitze, das Vordere (Panim) und das Hintere (Achor), das sind einmal der vordere Teil: Rabbi Akiwa, der in Frieden hineinging und in Frieden hinausging, und der hintere: Elisha ben Abuja, der auf den bösen Weg hinausging (Jaza le tarbut Ra).

Alles, was über sie geschrieben steht: „schaute und starb“, „schaute und wurde verletzt“, „schaute und ging verloren“ – all das bedeutet die versammelte Generation. Doch sie wurden alle korrigiert, in aufeinander folgenden Reinkarnationen, einer nach dem anderen.

Nur Acher sagte, als er die grobe Sprache des Übersetzers sah: „Kehrt zurück, alle verlorenen Söhne, außer Acher.“ Und seinen Platz nahm Rabbi Meir, der Schüler von Rabbi Akiwa, ein. Der Talmud fragt: „Wie konnte Rabbi Meir die Tora bei Acher lernen?“ – und die Antwort besteht darin, dass er seine ganze Klipa korrigierte, wie es geschrieben steht, dass er Rauch über seinem Grab aufsteigen ließ.

Daraus wird verständlich, was Elisha ben Abuja sagte: „Wer ein Kind lehrt, beschreibt ein leeres Blatt“, wie die Seele von Rabbi Akiwa; „wer einen Alten lehrt, beschreibt ein abgetragenes Blatt“, so sagte er über sich. Daher sagte er zu Rabbi Meir: „Hier endet der Bereich von Shabbat“ (die 2.000 Amma, die man an einem Shabbattag hinter die Grenzen der Siedlung gehen darf, die er nach den Schritten des Pferdes gemessen hatte, denn er stieg niemals vom Pferd ab) […].