Baal HaSulam, Brief 5

Brief Nr. 5, TawReshPeAlef, 1920-1921

An meinen Seelenverwandten, möge seine Kerze ewig brennen,

… was du in deinem letzten Brief angedeutet hast, dass ich mein Gesicht vor dir verborgen halte, und dich als Feind erachten würde – deine Absicht ist wie von jemandem, der von seiner Schande hört, aber schweigt. Und dass ich nicht die Last meiner Freunde teilen würde oder mich überhaupt nicht um die Leiden meiner Freunde kümmern würde. Ich gebe zu, dass du damit recht hast; ich fühle diese Leiden, die du fühlst, überhaupt nicht. Im Gegenteil freue ich mich über diese offenbarten Verderbnisse, und über die, welche sich offenbaren werden.

Allerdings bedauere und beschwere ich mich über diejenigen Verderbnisse, welche sich noch nicht offenbart haben, jedoch dazu bestimmt sind sich in der Zukunft zu offenbaren, da ein verborgenes Verderben ohne Hoffnung ist, und sein Erscheinen an der Oberfläche eine große Erlösung des Himmels ist. Die Regel ist, dass man nicht gibt, was man nicht hat. Daher, jetzt, da sie einmal offenbart sind, gibt es keinen Zweifel, dass sie auch von Anfang an existierten – jedoch verborgen waren. Darum bin ich froh, wenn sie aus ihren Löchern kommen, denn sobald du dein Auge auf sie wirfst, werden sie sich in einen Haufen von Knochen verwandeln.

Doch halte ich dafür nicht einmal für einen Moment inne, da ich weiß, dass diejenigen, die mit uns sind, zahlreicher sind als diejenigen, die mit ihnen sind. Doch Schwäche dehnt die Zeit, und dieses verächtliche Ungeziefer ist versteckt, und sein Ort ist unbekannt. Der Weise sagt dazu: „Der Narr faltet seine Hände und isst sein eigenes Fleisch.“ Moses senkte seine Hände, doch als Moses seine Hände des Glaubens erhob, erschien auf einmal alles, was erscheinen sollte, und dann triumphierte Israel „in all der Macht der Hand, und in all dem großen Schrecken.“

Das ist die Bedeutung von: „Was immer dir Kraft deiner Anstrengung in die Hände kommt zu tun, das tue.“ Wenn der Becher voll ist, bewahrheitet sich der Vers: „Die Bösewichter sind gestürzt.“ Und wenn die Bösewichter verschwunden sind, kommt Licht und Wohlbefinden in die Welt, und dann sind sie fort.

Ich erinnere mich noch, dir ähnliches am ersten Tag von Rosh HaShana (dem ersten Tag des jüdischen Jahres, 13. September 1920), gesagt zu haben, nach unserer Rückkehr aus der Synagoge. Du teiltest mir sehr traurige Dinge mit, die du an diesem Morgen während des Gebets mitbekommen hattest. Ich war mit Freude erfüllt, und du fragtest mich: „Warum diese Freude?“ Ich antwortete dir das gleiche, dass, wenn die vergrabenen Bösewichte erscheinen, obwohl sie noch nicht vollkommen unterworfen worden sind, ihr Erscheinen selbst schon als große Erlösung erachtet werden kann, und das für die Kedusha (Heiligkeit) des Tages sorgt.

Und zu dem, was du mir geschrieben hast, dass du nicht den Sohn des Geliebten vor den Erstgeborenen des Gehassten stellen kannst, sprach ich von Angesicht zu Angesicht viele Male mit dir darüber, dass der Ort des Glaubens „Bor“ (Grube) genannt wird, und die Füllung des Glaubens wird „Beer (Brunnen) des lebendigen Wassers“ genannt, oder kurz „Leben“. Das ist nicht wie die Natur des einfachen Wassers, dass, wenn etwas Wasser fehlt, der Brunnen lahmgelegt ist, um genau zu sein, dass dieser Brunnen die Natur des Tierischen hat, und nicht mehr. Vielmehr sind seine Teile alles Organe, von denen die Seele abhängt. Würde man diese auch nur in irgendeiner Art verbrauchen, würde dies das Sterben der gesamten Stufe des Tierischen verursachen, und sie ist nicht mehr. Dies ist die Bedeutung von: „Sie haben Mich verlassen, die Quelle des lebendigen Wassers, um ihnen die Brunnen zu zerhauen, zerbrochene Brunnen, die kein Wasser halten können.“

Obwohl es keinen Mangel im Wasser gibt, so gibt es einen Mangel im Brunnen, also ist er völlig zerbrochen, und sicherlich kann ohne Zweifel kein Wasser dort gehalten werden. Dies ist, was der Prophet im Namen des Schöpfers andeutet, und das ist wahres Empfangen für jeden, der weise ist und mit seinem eigenen Verstand versteht. Wenn du nicht verstehst, gehe hin und untersuche, und dann wirst auch du weise sein und mit deinem eigenen Verstand verstehen.

Was du mir am Ende deines Briefes geschrieben hast, dass du es gerne hättest, dass ich meine angenehme Stimme für dich zum Klingen bringe, da es für mich keine Bürde sei, einer bittere Seele aus ihrer Not mit Erfreulichem herauszuhelfen, da ein Herz gefüllt mit Liebe, die Seele in ihren Wurzeln versüßt, die Wurzel aller Genüsse.

Ich werde dir kurz antworten, dass es für alles eine Zeit gibt. Du hast offensichtlich gesehen, dass ich dir in meinem ersten Brief eine sehr schöne Sache für ihre Zeit geschrieben habe, das Herz von Gott und den Menschen erfreuend, und die wahre Bedeutung erklärte von: „Sie werden erfüllt und erfreut sein durch Deine Güte.“ Untersuche dort, da es wahr ist, und das Ende wird angenehm sein für jeden Gaumen, der sich nach wahren Worten sehnt.

Du siehst, wie ich mich darum bemühen kann, dich mit Worten der Wahrheit zur rechten Zeit zu erfreuen. Gott behüte, dass ich sündigen sollte und dich mit Worten der Lüge erfreuen sollte, so wie die falschen Propheten es während der Zerstörung taten, da es in meiner Realität überhaupt keine Lüge gibt. Du weißt bereits, was ich zu denjenigen sage, die ihre Schüler mit einem Netz aus Unwahrheiten und Lügen zur Wahrheit locken, oder mit Überflüssigem. Ich wurde nie durch ihre Götzen befleckt, und in ihnen ist nicht der Anteil Jakobs. Daher sind alle meine Worte in Wahrheit gesprochen, und wo ich nicht die Wahrheit sprechen kann, schweige ich vollständig.

Denke nicht, dass, wenn ich in deiner Nähe wäre, ich mehr sagen würde als ich es beim Schreiben tue. Wenn ich wüsste, dass dies so sein würde, hätte ich dich von vornherein nicht verlassen. Was ich dir sagte ist die volle Wahrheit, dass du mich, nach den Einschätzungen bezüglich unserer Vorbereitungen, nicht brauchst, und so ist es auch. Vermute nicht, dass ich unglaubwürdige Wörter für mein eigenes Vergnügen fabriziere. Wenn der Schöpfer hilft uns mit dem Ende der Korrektur zu belohnen, wirst du mich sehr brauchen, und möge der Schöpfer uns dies innerhalb der nächsten zwölf Monate gewähren, da der Tag noch lang ist, und du noch immer nicht so schnell bist wie ich es bin. Dennoch hoffe ich, dass du innerhalb von zwölf Monaten, ab diesem Tag, die Arbeit beenden wirst. Und dann wirst du mit all deinen Anstrengungen sehen, wie wir einige Jahre zusammen sein werden, da die Tiefe der Arbeit hauptsächlich an ihrem Ende beginnt.

Ich bin auf all das für dich eingegangen, aufgrund deiner Gedanken, die ich zwischen den Zeilen deines Briefes entdeckt habe. Du hast die absolute Wahrheit vergessen, die immer in meinem Herzen und Munde ist. Aber lasse mich dir versprechen, dass mehr noch, als du bis jetzt die Wahrhaftigkeit in meinen Worten erfahren hast, du augenscheinlich sehen wirst, dass alle meine Worte in alle Ewigkeit wahr sind, und sich nicht mal um eine Haaresbreite verändern werden. Auch tragen alle Wörter, die ich dir geschrieben habe, eine wahre Bedeutung, welche keine Änderungen durchlaufen wird, jedoch Aufmerksamkeit erfordert, „da die Zeit immer auch Zeit für Flüchtigkeit zulässt“.

Glaube mir, dass ich die Dinge, die ich dir in diesem Brief enthüllt habe, bis jetzt nicht schreiben konnte, aus Gründen, welche ich für mich behalte. Mein Blick ist auf das Ziel fixiert, um den größten Erfolg zu ermöglichen, und dies ist es, was mich wie ein Zaun der behutsamen Bewachung umgibt, bei jedem einzelnen meiner Wörter. Ich weiß, dass zu bestimmter Zeit alle meine Wörter und Anweisungen sich dir klären werden, wie es geschrieben steht „Glücklich seid ihr, Gefäße, die ihr in Unreinheit eingetreten seid, und wieder in Reinheit geht“ – da dies der Weg der Tora ist.

Ich bin müde geworden dich zu fragen mir mehr zu schreiben, und dass ich dir im Gegenzug dann verspreche, auch dir viel zu schreiben. Jeden Tag sitze ich und warte, dass vielleicht ein Wort von dir – von deinem spirituellen Leben, oder von deinem irdischen Leben – meiner Wege kommen wird. Doch es kommt kein Laut. Was kannst du sagen, um das zu rechtfertigen? Es gibt hier keine Antwort mit starken Wörtern, oder mit matten Wörtern, nur Antworten mit trockenen Wörtern, in einem kräftigen Stil ausgedrückt, als wäre es eine Überforderung, doch du verstehst dich selbst wahrscheinlich noch nicht einmal.

…und dennoch weiß ich, dass es auch bessere Zeiten geben wird, und dann, in dem Ausmaß wie sie sich verbessern, wird auch die offene Liebe wachsen. Es steht uns noch bevor mit ewiger Liebe erfüllt zu werden, wie ein niemals versiegender Brunnen, gemeinsam erfüllt und erfreut, da die Genüsse des Ewigen für den vollkommenen Empfänger sind, der keine Sättigung fühlt. Dies ist der Grund, warum Er „Allmächtig“ genannt wird, da für diejenigen die Seinen Willen tun, ein altes Licht und ein neues Licht in einer Vereinigung scheint. Dies wird durch die Einhaltung des Shabbat erreicht und durch die Vergebungen der Welt von  Jowel (fünfzigjähriger Zyklus). Das ist die Bedeutung von: „Sie beließen es bis zum Morgen… und es faulte nicht, noch war irgendein Wurm darin.“ Es steht geschrieben „Sie werden erfüllt und erfreut sein durch Deine Güte“, so wie das irdische Essen den Bauch füllt, durch das irdische Maß. Darüber hinaus schickt es Rauch hinauf zum Gehirn, aufgrund des Kochens im Magen, und man wird müde und ermattet, und schläft ein.

Das ist die Bedeutung von Pinchas, der den Speer in ihren Bauch stach, während sie in Vereinigung waren. „Dann stand Pinchas und betete, und die Plage hörte auf.“ Das ist, warum er mit dem Salböl belohnt wurde, obwohl er nicht von den Nachkommen von Aaron war, da Moses ihm selbst sagte: „Siehe, Ich gebe ihm mein Friedensbündnis.“ Zuerst war es mit einem abgeschnittenen Waw, doch durch das Licht der Tora, wuchs es in die Länge, und „Mein Bündnis war mit ihm, Leben und Frieden“ zusammen, und „beim Lichte des Angesichts des Königs ist das Leben.“

 

Yehuda Leib

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