Baal HaSulam, Brief 52, Suchet den Herrn, während ihr Ihn gefunden habt

14 Tishrey, Tav-Reish-Peh-Het, 10. Oktober, 1927, Am Sukkot Abend, London

An … möge seine Kerze brennen!
Ich erhielt deinen Brief und die Notizen. ..Interpretierte für mich den Vers ‚Suche den Herrn, während Er gefunden worden ist, rufe Ihn an während Er nahe ist‘. Dies ist verwunderlich. Wenn der Schöpfer bereits bei ihm ist und Er schon nahe ist, warum muss man Ihn noch suchen und nach Ihm rufen? Er erklärte, dass das Geschriebene über diejenigen spricht, die bereits mit der konstanten Nähe zum Schöpfer belohnt wurden. Der Prophet warnt sie, dass, obwohl es ihnen so erscheinen mag, dass sie nichts mehr suchen müssten oder zu erreichen hätten, sie niemals so denken sollten; denn es ist, als würde man das Gepflanzte wieder abschneiden. Vielmehr sollte man weiter suchen und sich für noch größere Erkenntnisse an den Schöpfer wenden.

Lass mich dies bezogen auf unseren Weg interpretieren. Sicherlich gilt für jeden, der mit der Zuneigung seines Erschaffers belohnt wurde, dass der Schöpfer ihm all seine Wünsche erfüllt, so wie Liebende und Freunde sich in ihren gegenseitigen Bedürfnissen ergänzen, jeder gemäß seinen Möglichkeiten. Weil dieser Mensch belohnt wurde, mit dem Schöpfer befreundet zu sein, besteht er notwendigerweise aus Körper und Seele. Daher ist er nicht… keinen Platz, sie dem Schöpfer darzulegen.

Dennoch, ‚Liebe überdeckt alle Vergehen‘. Vor allem vor Ihm gibt es keine Obszönitäten oder Vergehen, so wie es geschrieben steht ‚Kein Schmutz wird Dich beflecken; ein Feuer, welches Feuer verzehrt, wird Dich nicht verbrennen‘ (siehe ‚Gedicht der Vereinigung‘). Daher ist es durch die wahrhaftige Liebe zwischen ihm und dem Schöpfer unvermeidlich, dass der Mensch auch seine körperlichen Verlangen vor Ihm preisgeben wird. Bestimmt wird der Schöpfer nicht darin versagen, jeden Wunsch seines Geliebten zu erfüllen, sowohl die Angemessenen wie auch die Unangemessenen, da die Fähigkeit des Schöpfers an Seinen Willen gebunden ist.

Doch sobald der Schöpfer sein Verlangen befriedigt hat, bereut dieser Mensch scheinbar selbst die übermäßigen Wünsche, die er dem Schöpfer präsentierte, und wir lernten, dass von oben Geben und nicht Nehmen kommt, da der Schöpfer ihn bereits geheiligt hat. Daher folgt, dass der Mensch die oben beschriebenen Fehler in zwei Punkten korrigieren muss: 1) dass er die Pracht des Schöpfers beleidigt hat, indem er vor dem König seine körperlichen Wünsche präsentierte, 2) dass er nicht vorsichtig genug war, das Geschenk des Königs aller Könige, dem Schöpfer, wertzuschätzen, ob groß oder klein.

Denn es gibt zwei Werte in jedem Geschenk. Der erste Wert ist das Geschenk selbst, ob es groß oder klein ist. Der zweite Wert ist der Gebende, ob er wichtig oder unwichtig ist. Wir sehen, dass das Geschenk dennoch einen großen Wert besitzt, wenn es eine wichtige Person gibt, selbst wenn das Geschenk klein ist, entsprechend der Wichtigkeit des Gebenden.

Es ist so wie unsere Weisen es sagten … um im Palast des Königs zu sein; man muss herauskommen, um korrigiert zu werden. Und sobald er hinaus geht, verliert er alles Erlangte, mit dem er bereits belohnt wurde, da die Geschenke des Schöpfers vereint sind in ‚Welt, Jahr, Seele‘. Das heißt, es muss eine bestimmte ‚Seele‘, eine bestimmte ‚Zeit‘ und einen bestimmen ‚Ort‘ geben. Und da er seinen Ort verändert hat, verändern sich auch sein Jahr und seine Seele, und dann ist der Mensch in großer Verwirrung.

Der Prophet warnt davor ‚suchet den Herrn, während ihr Ihn gefunden habt‘, was bedeutet dass er zurückkehren und fortfahren soll, all die Teile der Spiritualität neu zu erlangen, die er erlangt hatte, da in Angelegenheiten, die die Seele betreffen, der Schöpfer von allen gefunden wird. Darüber steht geschrieben ‚Wenn du Ihn gefunden hast, rufe Ihn an, während Er nahe ist‘, welche die körperlichen Angelegenheiten sind, die er bereits erlangt hat, da Er nahe ist.

Der Prophet warnt, dass es hier verboten ist, zu bitten, da es eine Beleidigung des Königs ist, mit körperlichen Wünsche zu Ihm zu kommen. Vielmehr muss man Ihn ‚rufen‘, nur ‚bei diesem Namen‘. Das heißt, wenn er sein Gebet vor dem Schöpfer präsentiert, muss er all Seine Vorzüge erwähnen, welche der Schöpfer für ihn vorher mit Großzügigkeit vollbracht hatte, als Er ihm seine körperlichen Wünsche erfüllte, sodass es jetzt eine gegebene Sache ist, dass Er ihm die Angelegenheiten seiner Seele erfüllen möge.

Das ist die Bedeutung von den Worten unserer Weisen ‚Der Himmel zwischen mir und dir wird den Weg für ein Gebet eröffnen‘. Die Worte sind tiefgreifend. In diesen Worten ist der Rest der Haftarah [der letzte Teil eines jeden Tora Abschnitts] erklärt – dass der Fremde die körperlichen Angelegenheiten betrifft, und der Kastrat die Angelegenheiten der Seele, und der Erleuchtete wird verstehen.

Die obige Interpretation ist tiefgreifend; und wer wird sie verstehen? Daher werde ich das durch den Weg der „siebzig Gesichter der Tora“ erklären:

Wenn ein Mensch sich selbst beobachtet und seinen dürftigen Zustand sieht, erweckt ihn dies, sodass er zum Schöpfer zurückkehrt und sein Gebet in großer Sehnsucht vor Ihm ausschüttet, um am Schöpfer anhaften zu können. Er denkt, dass all diese Gebete und all das Erwachen durch seine eigenen Kräfte kamen. So sitzt er und wartet auf die Erlösung des Schöpfers, sei sie klein oder groß. Wenn die Zeit verstrichen ist und er keine Zeichen einer Einladung vom Schöpfer erhalten hat, fällt er in Verzweiflung, weil der Schöpfer ihn nicht will, da Er sich auch nach all seiner Sehnsucht überhaupt nicht ihm zugewendet hat.

Darüber steht geschrieben ‚Sucht den Herrn, während Er gefunden wird‘, wenn der Schöpfer sich euch zum Bitten vorstellt. Dann werdet auch ihr Ihn notwendigerweise suchen, denn es ist der Weg des Menschen, sich zuerst zu bewegen. Mit anderen Worten, der Schöpfer gibt euch zuerst das Herz, Ihn zu suchen. Wenn ihr das wisst, werdet ihr sicherlich stärker werden, so stark, dass ihr bitten könnt, denn der König ruft euch.

Daher ‚suchet den Schöpfer, während ihr Ihn gefunden habt‘.  Denn wenn man sich an den Schöpfer wendet, dass Er einen annähern möge, soll man wissen, dass Er einem bereits nahe ist; denn zweifellos würde man Ihn sonst nicht anrufen. Das ist die Bedeutung des Verses ‚Bevor sie rufen, werde Ich antworten‘, was bedeutet, dass wenn man Ihn anruft, Er sich bereits einem zuwendet und man erweckt wird, Ihn zu rufen ‚Während sie sprechen, höre Ich zu‘ bedeutet, dass das Ausmaß, wie man dem Schöpfer zuhört, genau von dem Ausmaß der Sehnsucht abhängt, die während des Gebetes entsteht. Wenn der Mensch die riesige Sehnsucht spürt, soll er zu dieser Zeit wissen, dass der Schöpfer ihm aufmerksam zuhört.

Wenn er dies weiß, wird er sicherlich sein Herz umso stärker ausschütten, da es kein größeres Privileg gibt, als dass der König der Welt ihm Aufmerksamkeit schenken würde. Das ist sehr ähnlich zu dem, was unsere Weisen sagten, ‚der Schöpfer sehnt sich nach den Gebeten der Gerechten‘, da alleine das Verlangen des Schöpfers, dass sich die Person Ihm annähern würde, eine große Kraft und Sehnsucht in der Person erweckt, zum Schöpfer zu streben, da ‚wie im Wasser von Angesicht zu Angesicht, so das Herz von Mensch zu Mensch‘.

Es folgt, dass das Sprechen des Gebets und das Erhören des Gebets Hand in Hand gehen, bis sie sich im vollen Maße ansammeln, und er alles erlangt. Das ist die Bedeutung von ‚Geist zieht Geist an und bringt den Geist mit sich‘. Merke dir diese Worte, da sie das erste Fundament auf den Wegen des Schöpfers sind.

Du schriebst und fragtest mich, ob ich dich als Student akzeptieren würde. Du vermutetest auch, dass ich mit dir unzufrieden sei, da ich schon genug Schüler hätte. Doch um dir die Wahrheit zu sagen, ist es für mich schwerer mit dir als mit anderen, da du aus einer gehobenen Herkunft stammst. Du musst davon gehört haben, dass Rabbi Elimelech jeden Studenten aus gehobener Herkunft abgewiesen hat. Und der Rav aus Rufshitz flehte und weinte bitterlich, aber zu keinem Nutzen, bis all der Geruch der gehobenen Herkunft von ihm gewichen war. Er sagte, ‚warum ist es meine Schuld, dass mein Vater von solch gehobenem Grade ist?‘ Und erst als er die Aufrichtigkeit in seinen Worten erkannt hatte, akzeptierte er ihn als Schüler.

Sei nicht verwundert darüber, dass es in den Augen der irdischen Herrscher so erscheint, dass der gehobene Stand näher am Göttlichen ist als der gewöhnliche Mensch, da der Mensch aus gehobener Herkunft, so scheint es, die guten Taten und Sitten seiner Vorfahren seit seiner Jugend befolgt, und wie bekannt ist, verankert sich eine Erziehung von Kindheit an stark im Herz eines Menschen.

Allerdings gibt es in jeder kleinsten Bewegung Seiner Arbeit immer zwei Gegensätze, wie ich in früheren Briefen ausgeführt habe, wie auch der Empfangende aus Körper und Seele besteht, welche Gegensätze sind. Und so sorgt Er dafür, dass jede Sache (Erlangung), ob groß oder klein, aus zwei gegensätzlichen Formen besteht.

Es gibt zwei Konzepte in der Arbeit für den Schöpfer:

1) Gebet und Bitte

2) Lobpreisung und Dankbarkeit

Natürlich müssen beide in ihrer höchsten Höhe stehen. Um das Gebet zu vervollständigen, muss der Mensch die Nähe des Schöpfers zu ihm als unumgänglich empfinden, wie ein Organ, das lose an ihm hängt, da er dann flehen kann und sein Herz vor Ihm ausschütten kann. Doch im Gegensatz dazu, bezogen auf die vollständige Lobpreisung und Dankbarkeit, muss der Mensch die Nähe des Schöpfers zu ihm als etwas Zusätzliches fühlen, wie eine Ergänzung, als etwas, das überhaupt nicht zu ihm gehört, da geschrieben steht, ‚was ist der Mensch, dass Du ihn kennen solltest, der Sohn des Menschen, dass Du seiner gedenken solltest?‘.

Dann kann er sicher lobpreisen und dem Schöpfer danken, dass Er nämlich gerade ihn aus allen, die bereit stehen, dem Schöpfer zu dienen, auserwählte. Es ist eine große Arbeit für den komplexen Menschen, sich in diesen beiden Gegensätzen zu vervollkommnen, sodass beide auf ewig und gleichzeitig in seinem Herzen verankert sein würden. Die zweite Unterscheidung, sich selber klein und entfernt zu fühlen, und dass die Güte des Schöpfers wie eine Ergänzung zu ihm wäre, ist ein bei weitem schwereres Konzept als das Erste. Und im Großteil der Fälle scheitern all diejenigen, die abgelehnt werden, nur an diesem zweiten Konzept. Daran kannst du erkennen, dass derjenige aus gehobener Herkunft weiter entfernt vom zweiten Konzept ist als ein gewöhnlicher Mensch, da er die Güte des Schöpfers als selbstverständlich ansieht.

Nichtsdestotrotz habe ich keine solcher Bedenken, da ich mich bereits dem Schöpfer vollständig ergeben habe, Ihm auf jegliche Art zu dienen. Keine Arbeit, die ich für Seinen großen Namen tun könnte, ist zu schwer für mich. Im Gegenteil liebe und genieße ich immer die großen Anstrengungen, welche Ihm Freude bereiten, und der Beweis dafür ist, dass ich das Land Israel als meinen Arbeitsplatz ausgewählt habe, wo die Herrschaft von SAM am größten ist. Und nicht nur das, sondern auch in Jerusalem, wo sogar der ARI sich fürchtete, sein Gebetshaus zu eröffnen. … Ich versammelte auch all die Gehobenen Jerusalems in meine Gebetshaus … wodurch du erkennen kannst, dass ich mich nicht vor der Arbeit drücke. Daher hängt alles nur von dir ab; erinnere dich immer daran.

Die Zeit ist knapp, und der gute Tag nähert sich, daher kann ich nicht tiefer auf die Sache eingehen. Wenn du mir jedoch glaubst, wirst du auch damit belohnt werden, mich zu verstehen…

Yehuda Leib

 

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