Baal HaSulam, Brief 1. Der Diener, der König und der Minister

2. Mai 1920, Jerusalem

Für meinen Freund

Es ist nun Mittag, und ich habe deinen Brief vom 8. des ersten Monats erhalten und deine bettelnden Klagen gegen mich sind ein akzeptiertes Gebet, wie es im Sohar geschrieben steht.

In meinen vorherigen Briefen habe ich dir bereits bewiesen, dass es deine eigene Schwäche ist, um die du dich kümmern solltest, wenn du mich anschuldigst, dass ich dir in zwei Monaten nicht geschrieben habe. Bitte nimm zur Kenntnis, dass du in über zwei Monaten kein einziges Wort geschrieben hast, während ich dir in dieser Zeit vier Briefe geschrieben habe.

Und wenn dieses Wenige den Löwen noch nicht sättigt, dann ist es wie geschrieben steht: „Denn ein Hoher wacht hoch über dem Hohen und über ihnen – die Höchste Gewalt.“ Da eine heftige Antwort nun erforderlich ist, werde ich dir antworten, dass alle an die persönliche Vorsehung glauben, aber niemand haftet sich an sie an.

Der Grund dafür ist, dass kein fremder und fauler Gedanke dem Schöpfer, der der Inbegriff von „Gut und Gutes Tuender“ ist, zugeschrieben werden kann. Nur den wahren Dienern Gottes jedoch wird das Wissen der persönlichen Vorsehung gewährt, dass Er alles erschuf, was dem vorausging, beides, das Gute und das Böse gemeinsam. Dann sind sie angehaftet an die persönliche Vorsehung, denn alle, die mit dem Reinen verbunden sind, sind rein.

Da der Hüter mit seinem Schützling vereint ist, gibt es keine offensichtliche Unterteilung zwischen böse und gut. Sie sind alle Geliebte und Unterschiedene, denn alle sind Träger von Gottes Gefäßen, bereit, die Offenbarung Seiner Einzigartigkeit zu verherrlichen. Instinktiv wird das gewusst, und in diesem Ausmaß wissen alle bereits, dass alle Handlungen und Gedanken, gute und schlechte, die Träger von Gottes Gefäßen sind. Er hat sie für sie vorbereitet, aus Seinem Mund kamen sie, und am Ende der Korrektur wird dies allen bekannt werden.

In der Zwischenzeit ist es jedoch ein langes und bedrohliches Exil. Das größte Problem liegt darin, wenn jemand eine unrechtmäßige Handlung ausübt, von seiner Stufe fällt, sich an die berühmte Lüge hält und vergisst, dass er wie eine Axt in der Hand des Hauers ist. Stattdessen hält man sich für den Besitzer der Axt und vergisst den Ursprung, von dem alles kommt, und dass es keinen anderen gibt als Ihn.

Das ist das zu Lernende: Obwohl man es anfänglich weiß, kann man dieses Bewusstsein in Notzeiten nicht kontrollieren und nicht alles mit dem Ursprung verbinden, da sich dies nach dem Verdienst richtet. Dies ist die ganze Antwort auf deinen Brief.

Ich habe dir bereits persönlich eine wahre Parabel über diese beiden Konzepte erzählt, in welcher einer den anderen lehrt. Doch die Macht der Verhüllung dazwischen ist stärker, wie unsere Weisen über diese beiden Scherzenden vor dem Rav erzählten, die mit allen Traurigen scherzten.

Die Geschichte eines Königs, der einen seiner Diener so liebgewonnen hatte, dass der König ihn erheben und über alle seine Minister setzen wollte, weil er in seinem Herzen absolute Hingabe und Liebe gesehen hat.

Doch ziemt es sich nicht für einen König, einen einfachen Mann über alle zu erheben, ohne einen besonderen, für alle klar ersichtlichen Grund. Sondern es ziemt sich für einen König, die Ursache seiner Handlungen für alle in großer Weisheit zu offenbaren.

Was machte der König? Er setzte seinen Diener als einen Wächter ein, um die Staatskasse zu hüten. Und befahl einem Minister, der gut Streiche spielen konnte, sich zu verkleiden und für einen Meuterer auszugeben, der scheinbar in den Krieg zieht, um den königlichen Palast zu erobern, genau zu der Zeit, wenn keine Wachmänner da sind.

Der Minister tat, wie der König es ihm befahl, alles sehr verborgen, klug und durchdacht, und trat mit der Absicht auf, den königlichen Palast zu erobern. Und der arme Diener riskierte sein Leben und rettete den König durch seinen tapferen und ergebenen Kampf gegen den verkleideten Minister, bis allen seine absolute Liebe zum König offenbar wurde.

Dann warf der Minister seine Rüstung ab und es brach Freude aus, weil der Diener mit großem Mut gekämpft hatte, und nun offenbar wurde, dass all das ausgedacht war, und überhaupt nicht real war. Und mehr als das, man lachte, als der Minister von der Raffinesse seiner ausgedachten Plagen erzählte, und welchen Schrecken sie einjagten. Und jedes Detail dieses schrecklichen Krieges wurde ein Grund für Gelächter und große Freude.

Und dennoch ist er ein Diener und er ist nicht gebildet. Wie kann man ihn also über alle Minister und Diener des Königs erheben?

Der König dachte in seinem Herzen nach und befahl dem gleichen Minister, sich als Räuber und Mörder zu verkleiden und in einen Eroberungskrieg gegen den König zu ziehen. Denn der König weiß, dass er ihm in diesem zweiten Krieg eine wunderbare Weisheit offenbaren wird, sodass er danach würdig sein wird, an der Spitze aller Minister zu stehen.

Daher setzte er seinen Diener ein, um alle Lagerhäuser und Schatzkammern des Königreichs zu bewachen, und der Minister verkleidete sich diesmal als ein grausamer Mensch und Mörder. Und er kam, um sich der Reichtümer des Königs zu bemächtigen.

Der Unglückliche, der damit beauftragt wurde, die Schätze zu bewahren, kämpfte mit ihm mit aller Kraft um Leben und Tod. Dann nahm der Minister seine Verkleidung ab, und es brach noch größerer Jubel und Lachen im königlichen Palast aus, noch größer als beim ersten Mal.

Die Details und Einzelheiten der Tricks des Ministers riefen ungehaltenes Lachen hervor, da der Minister in diesem Fall genötigt war, den Angriff noch klüger zu planen, und weil es von Anfang an klar war, dass es keinen grausamen Menschen im ganzen Königreich gab. Und alle schonungslosen Angriffe und die schrecklichen Drohungen waren nur ein Streich, und der Minister stellte sich ihm dennoch mit größtem Erfindungsreichtum gegenüber, indem er sich in einen Bösewicht verwandelte.

Aber wenn ich darüber nachsinne, erbte der Diener „Weisheit“ – die Erkenntnis, die am Ende kommt. Und „Liebe“ ist die Erkenntnis am Anfang. Und dann ist es für die Ewigkeit gegründet.

Und wahr ist, dass alle Kriege in diesem Exil ein prächtiges Schauspiel darstellen. Und alle wissen genau in ihren Herzen, dass all das eine Art von Narrentum und Freude ist, was nur Gutes bringt. Und dennoch gibt es keine Taktik, um die Schwere des Krieges und die Drohungen, die auf einem liegen, zu erleichtern.

Und nun legte ich dir das ausführlich persönlich dar, und nun kennst du die eine Seite dieses Gleichnisses und, so Gott will, wirst du es auch vom anderen Ende her verstehen.

Das jedoch, was du am meisten von mir hören willst, kann ich dir nicht sagen; und darüber habe ich dir ebenfalls persönlich ein Gleichnis erzählt, da „die irdische Führung der höheren Führung gleicht“ – und dass die Führung selbst den Ministern anvertraut ist.

Doch in jedem Fall geschieht alles nur nach der Anweisung des Königs und seiner Bestätigung. Der König selbst unterschreibt nur den Plan, der von den Ministern vorbereitet ist, und wenn er irgendeinen Mangel im Plan findet, so korrigiert er ihn nicht, sondern setzt diesen Minister ab und setzt einen anderen an seiner Stelle ein, und der erste wird entlassen.

So ist der Mensch eine kleine Welt, und er handelt nach den Buchstaben, die in ihm eingeprägt sind, da Könige die siebzig Nationen regieren, die es in ihm gibt. Das ist die Bedeutung von dem, was im „Buch der Schöpfung“ (Sefer Jezira) steht: „Er krönte einen bestimmten Buchstaben.“

Jeder Buchstabe ist wie ein Minister in seiner (Regierungs-) Zeit, der Auswertungen vornimmt, und der König der Welt unterzeichnet sie. Wenn der Buchstabe in irgendeinem Plan irrt, wird er sofort von seinem Dienst abgesetzt, und Er krönt einen anderen Buchstaben an seiner Stelle.

Das ist die Bedeutung von „Jede Generation und ihre Richter“. Am Ende der Korrektur wird dieser Buchstabe namens Messias regieren. Er wird alle Generationen vervollständigen und in einer Krone der Pracht in der Hand des Ewigen verbinden. Jetzt kannst du verstehen, wie ich mich in deine Staatsgeschäfte einmischen konnte, sie haben bereits…Könige und Richter, und jeder muss aufdecken, was ihm zum Aufdecken aufgetragen wurde. Die Verwicklung der Vereinigung… er will sie nicht korrigieren; trotzdem werde ich sie korrigieren. Und alles wird jedoch durch das Geheimnis der Reinkarnationen klar werden.

Aus diesem Grund sehne ich mich danach von all deinen Entschlüssen, in jedem einzelnen Detail, zu erfahren, da tiefgründige Weisheit in jedem Detail vorhanden ist. Und würde ich einige klare Anordnungen von dir hören, wäre es mir möglich, sie zu erfüllen und euer Herz zu erfreuen.

Wisse, dass es sehr schwer für mich ist, deine Sprache zu hören, da du keine Beständigkeit in den Namen und ihren Bedeutungen hast. Daher werde ich eine Tür in der Bedeutung der Bezeichnungen für dich öffnen, und du bemisst für mich den Satz deiner Weisheit. Auf diese Weise wird es mir möglich sein, dir bis zum Schluss deiner Worte zu folgen.

Daher werde ich die Bezeichnungen so ansetzen, wie ich sie von all deinen Briefen gesehen habe, um damit beständig zwischen uns zu etablieren, dass ich all das, was du schreiben wirst, verstehen werde, ohne jegliche Erklärung, wie Zeichen auf Weindosen.

Wir sollten von der Wurzel aller Wurzeln anfangen, und das letzte Ende erreichen. Fünf Stufen sind allgemein markiert: Yechida, Chaja, Neshama, Ruach, Nefesh. All diese sind zusammen gruppiert im Guf (Körper), der korrigiert wird. Yechida, Chaja und Neshama sind oberhalb der Zeit, und obwohl sie im Herzen eines Geschöpfes gefunden werden, werden sie als von der Ferne umgebend betrachtet. Sie kommen nicht in den Guf während seiner Korrektur, da eine Wurzel – Rosh, Toch, Sof – auch in der verborgenen Quelle unterschieden wird.

Der Rosh (Kopf) ist die Wurzel für Yechida; er ist Ejn Sof (Unendlichkeit). Dort ist Sein Licht, sogar an Seinem Platz, nicht offenbart, und alles ist annulliert wie eine Kerze vor einer Fackel.

Anschließend die Wurzel Toch (Inneres); und das ist die Wurzel für Chaja. Das ist die Bedeutung des Lichts von Ejn Sof, das heißt des Erscheinens Seines vollkommenen Lichtes. Im Geheimnis der Zeit wird dieses Licht erlangt, ausschließlich als die Lebenskraft, die in ihm ist. Und daher wird es „Die Wurzel für Chaja“ genannt.

Dann folgt die Wurzel Sof (Ende), und dies ist die Wurzel für die Seelen. Das ist genau wie am Anfang, Ejn Sof. Hier breitet sich eine höhere Verhüllung aus, und die Zeit beginnt in der Form von „Sechstausend Jahre existierte die Welt, und eine brach zusammen.“ Dies wird Ruach und Nefesh genannt, und ihre Wurzel ist an Neshama angehaftet. Jedoch dehnen sie sich auch unten als Tora aus, welche ein Ruach – Geist des Lebens ist, und als Mizwa (Gebot), welche Nefesh – Seele ist. Diese Nefesh ist die Beständigkeit, Stille, die umarmende Kraft, welche den Körper stärkt, in einem beständigen Zustand durch die Kraft des Weiblichen, welche in diese Nefesh eingeprägt ist.

Dieser Ruach – Geist bläst den Geist des Lebens und das Licht der Tora in das Angesicht von Nukwa. Seine Wurzel erklärt die Bedeutung von „Und hauchte in seine Nase den Atem des Lebens, und der Mensch ward eine lebendige Seele -Nefesh.“ Dies bezieht sich auf den Geist, der zur Neshama aufsteigt und von ihr Leben empfängt, im Lichte des Angesichts des Königs. Sie bringt dieses Leben zu Nefesh, welche zu dieser Zeit eine „lebendige Seele“ genannt wird.

Das ist auch die Ordnung in all den Siwugim (Paarungen) der sieben Nukwaot des Rosh, und den zwei unteren in Nefesh. Das ist die Bedeutung von „Gott platziert die Einsamen im Haus“, das heißt, wenn die Kraft der Nukwaot erscheint, durch: „All die Ehre der Tochter des Königs ist im Inneren.“

Das Hauptsächliche der Korrekturen und der Arbeit ist es, die Kräfte der Neshama zu enthüllen. Dies nennt der Sohar „Die Höhere Welt“. Auch dies gehört zum Aspekt der verborgenen Quelle, im Geheimnis der Wurzel von Sof. Und jeder Siwug (Paarung) ist die Offenbarung eines Lichtes in der Realität der Höheren Welt. Das ist die Bedeutung von „Wir, dessen Söhne wie Pflanzen sind, die in ihrer Jugend aufgewachsen sind“, das heißt Ibur (Einnistung) in der Höheren Welt. Durch den Siwug … zu den Unteren … so kam es in den Gedanken, dass Sof de Rosh, die verborgene Quelle, all die Lichter vervollständigen wird… eine Fortsetzung des Buches „Schatz des Wissens“. Der Verstand selbst, ist die Nefesh des Menschen und der ganze Mensch, da er damit vollkommen definiert ist. Was vom Verstand ausgeht sind seine Einkleidungen, und diejenigen, die ihm dienen. Einige sind seine Zweige, und einige werden als ihm fremd erachtet.

Obwohl diese Kraft in seiner Nefesh ist, wird er sie dennoch nicht sehen; sie ist vor jedem lebendigen Wesen verborgen. Wundere dich nicht darüber, da das Auge kontrolliert, und der wichtigste unter all den Sinnen ist. Dennoch sieht man nie sich selbst, sondern fühlt nur seine Existenz in einer Weise, dass das Sehen dem keine Erkenntnis hinzufügen könnte. Daher wurde nichts umsonst erschaffen, da dies Empfindungen für sie sind, und es keinen Grund gibt, den Empfindungen etwas hinzuzufügen.

Desgleichen gibt es auch die mentale Kraft, welche das Selbst des Menschen ist. Sie wurde nicht, in keiner Unterscheidung, an die Sinne gegeben, da die Empfindung der Existenz eines Menschen völlig ausreichend ist, und kein Mensch seine eigene Existenz genügend empfinden würde, und ein Zeugnis für seine Empfindungen verlangen würde (und der Grund ist, dass es kein Gefühl ohne Bewegung gibt, das heißt, manchmal stoppt die Empfindung und es gibt keine Bewegung in seinem Selbst, damit es eher wie ein absolutes Bewusstsein ist). Es ist ein großer Irrtum, der Form des Kerns des Verstandes ähneln zu wollen, also einer Form des Verstandes, welche sich an dem minderen Wert der Augen der Vorstellungskraft festhält. Denn das ist eine absolute Lüge, da diese [Art] Bildung wie ein Licht ist, welches erscheint und handelt, und dessen Licht solange empfangen wird, wie es aktiv ist, bis seine Aktivität beendet wird, und damit verschwindet auch sein Licht.

Daraus erlernst du, dass die Bildung, welche während der Aktivität empfunden wird, ein kleiner und schwacher Zweig davon ist (die essentielle Empfindung wird als Wissen erachtet, denn die Kraft der Empfindung ist auch ein Sinn, der Aspekt einer hervortretenden Handlung, und die essentielle Empfindung braucht ihn nicht). Er ist überhaupt nicht wie die Essenz, weder quantitativ noch qualitativ, genau wie der geschlagene Stein Funken des Lichts in Erscheinung treten lässt. Diese werden durch die allgemein umfassende Kraft im Stein erneuert, obwohl in der darin liegenden ‚Form der umfassenden Kraft‘, überhaupt kein Licht existiert. So ist der Kern des Verstandes die „Verstehende Kraft“ im Menschen, und von ihm stammen viele Zweige ab, wie Heldentum und Macht, Hitze und Licht, entsprechend der Gesetze der Handlung, die durch seine Hand ausgeführt werden.

Auch wenn wir darauf mit dem „Verstand der Nefesh“ verweisen, oder dem „Kern des Verstandes“, ist dies so, da der Verstand auch ein Zweig davon ist, der wichtigste der Welt, da „man entsprechend seinem Verstand gewürdigt wird“. Da man nicht gibt, was man nicht hat, definieren wir es als „Verstand“, das heißt zumindest nicht weniger als der gefühlte Verstand, da es ein Zweig ist und ein Teil davon. Er herrscht über all seine Zweige und verschluckt sie wie eine Kerze vor einer Fackel. Der Verstand verbindet sich mit keiner Handlung, doch die verschiedenen Handlungen verbinden sich, und werden im Verstand fixiert. Man erkennt, dass die ganze Realität lediglich seine Diener sind, sowohl in der Disziplin, und in der Art sie zu verbessern, da sie alle verloren sind, während der Verstand sich allgemein entwickelt. Daher sind all unsere Unterfangen nur in den Weisen des Verstandes und seiner Bestrebungen, und mehr als das ist nicht nötig.

 

Yehuda Leib

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