Parasha Bechukotai / Tora Abschnitt „In meinen Satzungen“

3. Buch Mose, Leviticus 26:3 – 27:34

Zusammenfassung

Der Abschnitt Bechukotai (In meinen Satzungen) befasst sich in erster Linie mit dem Thema der Belohnung und Bestrafung der Kinder Israels, entsprechend ihres Verhaltens, wie weit sie den Wegen des Schöpfers folgen. Es steht geschrieben: „Wenn ihr nun in meinen Satzungen wandelt und meine Gebote befolgt und sie tut” (Leviticus 26:3).

Der Abschnitt beginnt mit der Aussicht auf eine Belohnung: „So will ich euch Regen geben zu seiner Zeit, und das Land soll seinen Ertrag geben, und die Bäume auf dem Feld sollen ihre Früchte bringen” (Leviticus 26:4). Dem gegenüber steht die Ankündigung der Strafe: „Wenn ihr mir aber nicht gehorcht und alle diese Gebote nicht tut”(Leviticus 26:14), „will ich Schrecken, Schwindsucht und Fieberhitze über euch verhängen” (Leviticus 26:16). Die schlimmste aller Strafen ist jedoch das Exil.

Tut das Volk Israel Buße, verspricht der Schöpfer, dass er sich a den Bund, den er mit ihnen geschlossen hat, erinnern und ihnen vergeben wird. Es steht geschrieben: „Jedoch, auch wenn sie im Land der Feinde sein werden, so will ich sie nicht so verwerfen und sie nicht so verabscheuen, das ich ein Ende mit ihnen mache oder meinen Bund mit ihnen breche; denn ich, der Herr, bin ihr Gott” (Leviticus, 26:44). Der Abschnitt endet mit weiteren Gesetzen über Gelübde, Verbannung, den Zehnten und anderes.

 

Kommentar von Rav Michael Laitman

Das Thema „Belohnung” und „Bestrafung” wird deshalb nicht am Anfang der Tora behandelt, weil es für den Menschen unmöglich ist, dies zu verstehen, solange er nicht in der Lage ist, eine freie Wahl zu treffen. Ohne diese Fähigkeit ist es sinnlos, Anweisungen zu diesem Thema zu geben. Zuerst muss er die „Gesetze” und „Urteile” kennen und lernen. Wenn er sie dann einhält, wird er „belohnt”, und wenn nicht, wird er „bestraft”. Man kann nicht im Voraus „bestraft” werden. Zuerst muss der Mensch die spirituelle Stufe erreichen, um vom unbegründeten Hass, zur wehrhaften Liebe, also zu „liebe deinen Nächsten wie dich selbst”(1), zu gelangen. Das ist die ganze Tora. Der Mensch muss den Weg der Korrektur seines bösen Triebes gehen und diesen in den guten Trieb verwandeln. Dies erlangt er durch das korrigierende Licht (2) mit Hilfe des Studiums der Weisheit der Kabbala, welche die Weisheit des Lichtes ist.

Ein nicht spiritueller Mensch hat keine freie Wahl. Vielmehr wird er von sogenannten Reshimot, Erinnerungen, gelenkt. Dies sind Verlangen und Gedanken, die in ihm erwachen, ohne dass er ihren Ursprung kennt. Der Mensch „will” einfach nur, ohne die Quelle seines Verlangens zu kennen. Er lebt sein Leben mit dem Ziel, jedes dieser erwachenden Verlangen zu befriedigen, ohne die Fähigkeit zu haben, diese Reshimot kontrollieren zu können, geschweige denn, sich über sie zu erheben.

Der Mensch kann deshalb nichts hinterfragen, oder irgendetwas einordnen und dann frei entscheiden ob er etwas will oder nicht. Darüber steht geschrieben steht: „Und dass ihr nicht den Trieben eures Herzens nachgeht” (Numeri 15:39). Er tut alles aus einem natürlichen Instinkt heraus, als Teil seines Entwicklungsprozesses. Für diese Art von Leben kann es weder Lohn noch Strafe geben. Denn es steht geschrieben, in diesem Zustand „gleicht er dem […] Vieh” (Psalmen 49:13).

Ein Mensch kann aber beginnen, sich durch die Tora zu entwickeln. Indem er die Weisheit der Kabbala studiert und das Licht anzieht, erneuert es sein Herz und korrigiert es. Als „Herz” werden all seine Verlangen, die der Mensch korrigieren muss, bezeichnet. Vom „Verlangen für sich selbst zu empfangen”, zum „Verlangen zu geben”, zur Liebe zu anderen, zum Wohlwollen für die Welt und somit zur Gleichheit der Form mit der Höheren Kraft, welche gut und Gutes tuend ist.

Der Mensch spürt diese Güte nicht, weil sie vor ihm verborgen ist. Durch sein Ego empfindet er alles als schlecht, was nicht seinen Wünschen entspricht. Er muss deshalb umfangreiches Wissen und spirituelle Erfahrungen sammeln, damit er sich selbst korrigieren und damit seine Neigungen und Gedanken kontrollieren kann. So richtet er die Lichter, die Höhere Kraft, richtig aus und lernt durch die richtige Absicht in gegenseitiger und partnerschaftlicher Verbindung mit der ihr zu sein. Auf diese Weise haftet er sich an die Höhere Kraft, verbindet sich mit ihr und wird dadurch den Sinn, den Plan der Schöpfung, alles, was geschieht und auch den Prozess, den er durchlaufen muss, verstehen.

In der physischen Welt unterrichtet man Kinder, bis sie etwa zwanzig Jahre alt sind. Danach sollten sie fähig sein, ein eigenes Leben zu führen. Auch laut der Tora, ist man in der spirituellen Entwicklung im Zustand von „zwanzig Jahren“ reif für alle Aufgaben. Dann kann der Mensch sich kontrollieren und seine eigene Wahl treffen. Auf dieser Stufe ist der Mensch fähig, jede spirituelle Korrektur auszuhalten und sich der Belohnung und der Bestrafung zu stellen.

Einem Menschen, der nichts weiß, kann man nicht sagen, sei vorsichtig, sonst wirst du bestraft. Er ist wie ein kleines Kind, das nicht weiß, was von ihm verlangt wird. Deshalb erfordert die Anwendung von Belohnung und Bestrafung eine ernsthafte Vorbereitung.

Der Tora Abschnitt Bechukotai folgt nachdem der Mensch viel durchgemacht hat. Den Auszug aus Babylon, die Entwicklung, welche zum Exil in Ägypten führte, den Empfang der Tora und vieles mehr. Nach dem Lernprozess in der Wüste erhebt sich der Mensch ein wenig über sein Ego und erreicht allmählich den Zustand von Belohnung und Bestrafung.

Heute befindet sich die ganze Welt im Zustand von Belohnung und Bestrafung. Alle 613 Mizwot (Gebote) sind dazu da, das Böse im Menschen zu korrigieren. Jeder Mensch ist gut zu sich selbst, und auch in einem gewissen Maß schlecht zu anderen. Das muss er ändern. Nur indem er auf andere Rücksicht nimmt, wird er schlussendlich von der „Liebe zum Menschen zur Liebe zum Schöpfer”(4) kommen.

Viele Menschen bezweifeln, dass es wahr ist, dass dann, wenn sie ihre Einstellung gegenüber anderen zu „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”korrigieren – was die große Regel der Tora ist – alle Probleme und alles Schlechte in der Welt behoben werden.

Doch, kann man Krisen und Kriege verhindern, indem man seine Beziehungen zu anderen korrigiert? Wird sich das Klima dann plötzlich zum Besseren wenden und die Welt wird zum Paradies? Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem guten Umgang mit anderen und einem in jeder Hinsicht und auf jeder Ebene gutem Leben?

Die Einhaltung des Gesetzes „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ korrigiert alles. So funktioniert es tatsächlich! Dies ist die allumfassende Mizwot. Die insgesamt 613 Mizwot gehören zu je einem der 613 Verlangen der Seele des Menschen. Sie erscheinen nach und nach, wenn er beginnt, seine „Bestien“ zu korrigieren und sich über sie zu erheben. Er muss nur den Wunsch haben, seine Natur, seine Verlangen, in etwas Menschliches [sprechende Stufe] zu wandeln. Indem er sich mit anderen verbindet, sie erfüllt und sich so über sich selbst erhebt, enthüllt er die Höhere Kraft und somit höhere Stufen.

Wenn der Mensch die 613 Verlangen der Seele enthüllt, stellt er fest, dass sie alle schlecht sind. Deshalb sagt man an den Tagen der Selichot (um Vergebung bitten) und an Jom Kippur, dass der Mensch schuld ist. „Wir sind im Unrecht”. Dabei muss man aber verstehen, woher all das Böse kommt.

Entdeckt der Mensch seine Seele, stellt er zuerst fest, dass sie zerbrochen ist. Korrigiert er seine Verlangen, braucht er nichts anderes mehr zu tun, und alle Probleme werden sich auflösen und verschwinden.

Im Abschnitt Bechukotai steht geschrieben, dass wenn der Mensch sich daran hält, es Regen zur rechten Zeit, und Gesundheit und Erfolg in allem, was er tut, geben wird. Er wird in allem gesegnet sein. Es scheint unverständlich, dass es einen Zusammenhang zwischen Regen und guten Taten geben soll, vor allem, wenn es dabei eigentlich um den Umgang mit anderen Menschen geht. Und doch ist dies die Lösung für den Menschen.

Entsprechend dem Stand der Entwicklung der Menschheit befinden sich die Menschen in einem Zustand, in dem sie beginnen können, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Das ist etwas, das sie vorher nicht konnten. 

Es ist eine ganz besondere Situation, in welcher die nächste Stufe erscheint, die Stufe der „runden” integralen Welt, in der alle wahrnehmen, dass sie miteinander verbunden sind, und in der die Notwendigkeit, „wie ein Mensch mit einem Herzen”(4) zu sein, erkennbar wird.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit muss dieses Gesetz auf der ganzen Welt umgesetzt werden. Deshalb ist es wichtig, darüber zu sprechen und es allen zu erklären. All jene, die die bereits erkannt haben müssen lernen, für die anderen das „Licht der Völker” zu sein (Jesaja 42:6). Diese Menschen sind verpflichtet das Licht, das den Bösen Trieb korrigiert, weiterzugeben. So wird die ganze Welt die erwünschte Korrektur erreichen.

 

Fragen und Antworten

Kann der Mensch Belohnung oder Bestrafung sehen oder fühlen, braucht es dazu keine Erklärung. Hält er versehentlich seine Hand ins Feuer, zieht er sie natürlich wieder heraus. Kann er aber sein Vergehen gar nicht sehen oder fühlen, dann braucht er erst recht keine Erklärungen. Eine Regel die man nicht kennt, kann man nicht einhalten. Wozu also die Belohnung und die Strafe, und für wen ist die Erklärung?

Es geht nicht darum, die „eigene Hand ins Feuer“ zu legen. Es geht darum, die egoistischen Verlangen zu korrigieren. Jedes Verlangen lässt den Menschen tun, was sich für ihn positiv auswirkt, und dass meist auf Kosten anderer. Er denkt nur an sich selbst und macht sich keine Gedanken darüber, was außerhalb seiner Verlangen geschieht. Es ist sein von der Natur gegebenes Empfinden, nämlich, dass die Welt zu seinem eigenen Genuss erschaffen wurde. Aber die Tora verlangt das Gegenteil – dass er sich über sein Ego erhebt und sich zu „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” verändert.

Deshalb muss der Mensch Arwut (gegenseitige Bürgschaft) zwischen sich und anderen erreichen. Arwut ist die Voraussetzung für den Empfang der Tora. Es bedeutet, dass der Mensch an alle anderen denkt und für sie bürgt. Arwut meint, dass man für jeden unterschreibt und für das, was er tut, verantwortlich ist. Das scheint unvernünftig. Doch das ist genau das, wofür Arwut – die Stufe, und die Korrektur, die man letztendlich erlangen muss – steht.

Die Welt entwickelt sich weiter. Jeden Tag stellt der Mensch fest, dass sie sich dahingehend verändert, dass sie vom Menschen diese Arwut verlangt. Die Tora erklärt, dass wenn er dies erfüllt, alles gut sein wird. Wenn er es nicht tut, wird er bestraft werden und wenn er vollkommen unwürdig ist, wird er ins Exil geschickt.

„Exil” bedeutet völlige Trennung von der Höheren Kraft. Es ist ein Zustand, in dem der Mensch ein hartes Leben führen muss, von allen getrennt und gequält. Diese Leiden sind wie die Leiden des Pharao. Sie drängen den Menschen zum Ziel, so wie es über den Pharao der „die Kinder Israels dem Vater im Himmel näher brachte”(5), gesagt wird. Von diesem Punkt an versucht der Mensch erneut auf die Stufe, auf der er die freie Wahl hat, zu gelangen.

Am besten ist es, wenn der Mensch beginnt zu lernen, wieso und warum er handelt, und wovon dies abhängt. Er muss das allgemeine Gesetz der Realität mit Hilfe der Weisheit der Kabbala lernen, welche erklärt, wie die Kräfte auf ihn wirken, wie sie aufgebaut sind und wie sie ihn wie ein Embryo und ein wachsendes Kind großziehen.

Während sich der Mensch auf diesen Zustand zubewegt, muss er die Gesetze dieser gewaltigen Realität auf sich nehmen und sie bewusst und bereitwillig einhalten. Mit anderen Worten, er muss seine Verlangen ändern. Dazu steht geschrieben: Mach deinen Wunsch zu Seinem Wunsch.”(6)

Die Menschheit befindet sich heute, wenn man bedenkt, was vor ihr liegt, in einer schwierigen Situation. Deshalb ist das Volk Israel dazu verpflichtet, durch die Verbreitung  der Weisheit der Kabbala die Menschheit zu unterstützen.

Sohar für Alle, Bechukotai (In meinen Satzungen), Punkt 16

Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt

In Meinen Satzungen” ist Malchut, der Ort, von dem die Sätze der Tora abhängen. So wie geschrieben steht: Meine Satzungen sollt ihr halten.” Malchut wird „Gesetz” genannt. Die Sätze der Tora sind in ihr enthalten. Meine Verordnungen sollt ihr halten.” Eine Verordnung ist ein anderer, höherer Ort, Seir Anpin, an dem sich die Satzung, Malchut, festhält. So verbinden sich das Obere und das Untere. Die Satzungen in Malchut sind in den Verordnungen in Seir Anpin, und alle Mizwot (Gebote) der Tora, alle Sätze der Tora und alle Heiligkeiten der Tora sind an Seir Anpin und Malchut geknüpft, denn die geschriebene Tora ist Seir Anpin und die mündliche Tora ist Malchut.

Malchut (Königreich, 10.Sefira) wird die Versammlung Israels” genannt, weil sie alle Seelen versammelt. Sie wird auch Shechina (göttliche Allgegenwart) genannt, weil sich die Höhere Kraft in ihr befindet. Sie wird durch das Gesetz der Gleichwertigkeit der Form offenbart.

Die Höhere Kraft, der Schöpfer, wird Der Heilige, gesegnet sei Er”, Seir Anpin, genannt. Gegenüber Malchut ist sie die Höhere und die Höhere wird immer als das Ausströmende” betrachtet. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, Malchut (Königreich) zu korrigieren. So wie es geschrieben steht: „Die Welt im Reich Shadais (des Herrn) zu korrigieren [auch zu errichten].“(7)

Die wahre Welt ist verborgen, und der Mensch muss sie offenbaren. Shadai bedeutet She Dai (genug), was soviel bedeutet wie unter Einschränkungen“. Wenn Malchut sich an Seir Anpin haftet, gibt es einen Siwug (Paarung, Kopplung), eine Verbindung zwischen ihnen. Dies wird die Höhere Kraft und die Shechina, Seir Anpin und Malchut, Gesetz und Verordnung, und die geschriebene und die mündliche Tora, verbinden. Schlussendlich wird alles miteinander verbunden sein.

Die Tora ist spirituell betrachtet kein gedrucktes Buch oder ein Text auf Pergament. Sie ist die Offenbarung des Schöpfers, der Höheren Kraft, an das Geschöpf. Je nach Stufe der Offenbarung ist es die schriftliche Tora oder die mündliche Tora, auf der Ebene von Malchut oder auf der Ebene von Seir Anpin. Der Sohar bezieht sich auf den Aufstieg der Seelen, die in den Welten Brija, Yezira und Assija verstreut sind, bis zu deren Ansammlung, wo alle Wünsche und Verlangen zusammenkommen um die Höhere Kraft zu offenbaren und sich auf ihre Stufe zu erheben. Dann, wenn sich alle in Malchut, der Versammlung Israels“, versammeln. Durch die Kraft des gemeinsamen Verlangens zwingt der Mensch Malchut, sich zu Seir Anpin zu erheben und sich mit ihr zu vereinen. Auf diese Weise erreicht der Mensch Dwekut (Anhaftung) mit der Höheren Kraft.

Weist Bestrafung“ darauf hin, dass der Mensch nicht nach den Gesetzen der Natur handelt, und sich deshalb die Natur ihm gegenüber negativ verhält?

Die Welt, in der der Mensch lebt, nimmt er  persönlich so wahr. Er befindet sich immer im Licht von Ejn Sof (Unendlichkeit), nur merkt er diese nicht. Die von ihm wahrgenommene Welt ist eine Projektion seiner eigenen Eigenschaften. Die Höhere Kraft erfüllt alles; der Mensch fühlt eine Welt und andere Menschen außerhalb von sich. Das heißt, er fühlt nur seine eigenen Eigenschaften in unbewegter, pflanzlicher, tierischer und sprechender Form. Sie projezieren verschiedene Schattierungen auf das abstrakte Licht, was der Mensch wiederum als Abbild der Welt sieht. Er selbst weiß nicht, wie sehr er in diese Darstellung, in diese Täuschung eingetaucht ist. Er schafft sich seine Welt also selbst. Kabbalisten schreiben oft darüber, wie zum Beispiel Baal HaSulam im Vorwort zum Buch Sohar” und ARI in Tor zu den Absichten”.

Die Wissenschaft der Kabbala sagt, dass der Mensch in dem Maße, in dem er sich selbst korrigiert, eine andere Welt sieht. Das bedeutet, wenn er eine seiner Eigenschaften von schlecht zu gut ändert, sieht die Welt anders aus. So korrigiert er all die Verlangen, die ihm das Höhere Licht offenbart. Natürlich kann er sie nicht ohne Hilfe des Lichtes korrigieren, aber er kann um Korrektur bitten und diese wollen, und so schlussendlich den korrigierten  Zustand erreichen.

Mit anderen Worten, die tierische Stufe, in der sich die Menschheit derzeit befindet, muss beendet werden und zu einer höheren Stufe aufsteigen, die Adam (Mensch) genannt wird. Erst dann versteht der Mensch, was Belohnung und Bestrafung wirklich bedeuten.

Wann und wie wird sich dieser Wandel vollziehen?

Wie die Kabbalisten schreiben, wird dies nur mit Hilfe der Verbreitung der Weisheit der Kabbala geschehen. In seinem Artikel Zeit zum Handeln” schreibt Baal HaSulam, dass die Kabbalisten die Weisheit bis jetzt verborgen gehalten haben, aber nun ist die Zeit gekommen, in der sie verbreitet werden muss. So können die Menschen, welche die Kabbala studieren, sich selbst korrigieren. So arbeiten sie für die Korrektur der Welt und sind ein Licht für die Völker” sein.

Ist dies der natürliche Lauf der Dinge, die Entwicklung der Menschheit?

Ja, das muss getan werden. Es geht um die Zukunft der gesamten Menschheit. Bereits in naher Zukunft werden alle Menschen diese Veränderung durchlaufen müssen. 

Dabei fällt dem physischen Nation Israel eine spezielle Rolle zu. Für die Menschen ist das jüdische Volk” der Stellvertreter für das wahre Volk Israel.

Tatsächlich ist Antisemitismus eine natürliche Reaktion auf das Unterlassen des Volkes Israel, den Völkern der Welt ein Licht zu sein“. Diese Haltung wird sich verschlimmern, wenn das Ego der Menschen wächst und die Korrektur durch das Volk Israel,  jenen Menschen, die Yashar El (direkt zu Gott) streben, hinausgezögert wird. An ihrer Stelle wird die Nation Israel dafür, dass sich die Welt in keinem guten Zustand befindet, verantwortlich gemacht werden. Das ist von der Höheren Kraft so arrangiert. Die Welt spürt es unbewusst, und dies zeigt sich in den zunehmenden Anschuldigungen gegenüber der Nation Israel und dem jüdischen Volk.

Sohar für Alle, Bechukotai (In meinen Satzungen), Punkt 49-50

Sieben Mal mehr für deine Sünden

Die erhabene Liebe des Schöpfers für Israel, ist wie beim König, der einen einzigen Sohn hatte, der vor ihm sündigte. Eines Tages sündigte er also vor dem König. Der König sagte: All diese Tage habe ich dich geschlagen, aber du hast mich nicht ernstgenommen. Von nun an wirst du sehen, was ich mit dir tun werde. Wenn ich dich allerdings aus dem Land vertreibe, dich aus dem Königreich herausnehme, könnten dich Bären auf dem Feld angreifen, oder wilde Wölfe oder Mörder könnten dich aus der Welt tilgen. Was soll ich also tun? Stattdessen werden darum du und ich das Land verlassen.”

Du und ich werden das Land verlassen und ins Exil gehen”, sagt der Schöpfer zu Israel. Und es steht geschrieben: Und ich werde euch peinigen”, damit ihr ins Exil gehen müsst. Und wenn du sagst, dass ich dich verlasse, so bin ich auch dann mit dir.”

In diesem Text geht es nicht um das Exil aus einem realen Ort, das Land Israel genannt wird, sondern um das Exil aus dem spirituellen Land Israel. Das Wort Erez, Land, kommt vom Wort Razon, Verlangen. Ysrael (Israel) bedeutet Yashar El, direkt zu Gott. Die Menschen sollen alle 613 Verlangen, eines nach dem anderen, korrigieren, damit sie alle auf Yashar El, um zu geben wie die Höhere Kraft, ausgerichtet sind.

Dies wird „sich im vollständigen Land Israel befinden“ genannt. Solange der Mensch seine Verlangen so korrigieren will, dass sie Israel sind, wird er würdig, in diesen Verlangen zu sein.

Resümee

Der Abschnitt weist darauf hin, dass die Entscheidung in der Hand des Menschen liegt: Entweder er strebt zur Belohnung oder zur Bestrafung. Ist der Mensch bereit zu lernen, was er tun muss, so lehrt er damit die ganze Welt, kann Erfolg haben und beide Arten der Tora – die schriftliche und die mündliche – erhalten. Das sind die beiden großen Lichter – das Licht von Chassadim (Güte) und das Licht von Chochma (Weisheit) – welche die Seelen erfüllen. Auf diese Weise steigt er zur Stufe der Ewigkeit und der Vollkommenheit auf.

 

(1) Jerusalemer Talmud, Seder Nashim, Massechet Nedarim, Kapitel 9, S. 30b.

(2) „Indem sie sich darauf einlassen, wird das Licht darin sie korrigieren” (Midrasch Rabba, Eicha, Einleitung, Absatz 2).

(3) Rav Yehuda Ashlag (Baal HaSulam), Die Schriften von Baal HaSulam, Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Menschen, S. 482.

(4) RASHI, Exodus, 19b.

(5) „Wer hat Israel veranlasst, sich seinem Vater im Himmel zu nähern? Es war Pharao, wie geschrieben steht: ‚Und Pharao zog heran'“ (Sohar für Alle, BeShalach (Als Pharao sandte), Punkt 67)

(6) Mishna, Seder Nezikin, Massechet Awot, Kapitel 2, Mishna 4

(7) Likutey Moharan (Verschiedene Predigten von Rabbi Nachman von Breslew), Teil 1, 17.

 

Lexikon Parasha Bechukotai

Belohnung: Sie ist die positive Erfüllung dessen, wonach ein Mensch strebt. Das, was er haben will.Man kann niemandem etwas geben, was er nicht will. Der Mensch muss seine Verlangen dementsprechend korrigieren und die Umsetzung dessen, ist die Belohnung. Die Belohnung einer Mizwa (Gebot) ist, dass der Mensch den Mezawe (Befehlshaber) erkennt. Erkennen bedeutet, sich zu verbinden.
Dazu steht geschrieben: „Die Belohnung einer Mizwa (Gebot).”(8) Die Belohnung einer Mizwa ist, dass der Mensch den Mezawe (Befehlshaber) erkennt. Erkennen bedeutet, sich zu verbinden, so wie es geschrieben steht: „Und Adam erkannte seine Frau nochmals” (Genesis 4:25).

Bestrafung: Sie ist das Gegenteil von Belohnung. Das, was der Mensch weder will noch mag. Es ist eine Stufe, auf der der Mensch versteht, dass das Voranschreiten die Belohnung ist und das Gegenteil davon, die Bestrafung. Belohnung und Bestrafung gelten nicht als egoistisch, wenn der Mensch etwas tut und nicht dafür die Belohnung, sondern Fülle an einer anderer Stelle, erhält.

(8) Mishna, Seder Nezikin, Massechet Awot (Pirkey Awot), Kapitel 4, S. 2.

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