Rabash, Brief 74

Shalom und alles Gute, Sela, an meinen Freund, den ich liebe wie meine Seele…

Sehr sehne ich mich danach zu hören, wie es deiner Umgebung geht, sowohl gesundheitlich als auch finanziell, und wie deine Kinder mit dem Studium zurechtkommen. Bei mir gibt es keine besonderen Neuigkeiten. Und ich will meinen Brief mit Worten der Tora beenden.

Im Wochenabschnitt heißt es: „Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun; aber am siebenten Tage sollst du ruhen“[1]. Das bedeutet, dass der Shabbattag für die Ruhe vorgesehen ist und die Wochentage für die Arbeit, d. h. man muss arbeiten. Und wer während der Wochentage nicht arbeitet, der erfüllt nicht „Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun“. Was sollen aber Tora-Gelehrte tun, für die ihre Tora ihr Beruf ist?

Und das muss man mit einer Moralvorschrift (Mussar) erklären, und man muss auch erklären, worum es der Moralvorschrift geht, also was von uns erwartet wird, worin das Einhalten von Tora und Mizwot besteht. Und gemäß dem, was mein Vater und Lehrer, seligen Andenkens, erklärte, sind sie (die Tora-Gelehrten) uns zur Heilung gegeben, und durch sie werden wir zu dem Ziel gelangen, das wir erreichen müssen.

Und zuallererst müssen wir den Gegenstand des Schöpfungszieles verstehen – also zu welchem Zweck wir in diese Welt gekommen sind. Und es ist aus [den] heiligen Büchern bekannt, dass das Schöpfungsziel darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun (und auch gemäß der Regel, dass der Wunsch der Kuh zu säugen größer ist, als der Wunsch des Kalbs zu saugen). Doch wer verhindert es, dass wir das Gute und den Genuss erhalten, die der Schöpfer uns geben möchte? Und sie erklärten, dass dies zum Zweck hat, dass es kein „Brot der Schande“ wird, denn wenn jemand ein Geschenk von seinem Freund erhält, dann schämt er sich vor ihm – und damit der Mensch sich beim Erhalt des Genusses nicht schämt, wurde uns die Arbeit in  Tora und Mizwot gegeben, damit wir uns durch die Bemühung in  Tora und Mizwot den Erhalt der Belohnung verdienen. Das heißt, nachdem wir geeignete Kelim haben, um den Genuss und die Fülle vom Schöpfer zu erhalten – ohne während des Empfangs des Genusses Scham zu empfinden – wird vom Himmel alles Gute und Wonne gegeben.

Nun werden wir auch die Frage von vorhin verstehen. Denn sechs (Wochen-)tage ist uns die Arbeit in der Vorbereitung der Kelim gegeben, damit sie geeignet werden für den Empfang des Genusses, und das wird als die „Bemühung“ bezeichnet. Und am Shabbat ist die Zeit, um den Genuss zu empfangen, und nicht um Kelim zu korrigieren. Daher wird Shabbat als „Einstellung der Arbeit“ oder „Ruhe“ bezeichnet, und alle Kelim, die man am Vorabend des Shabbat vorbereitet hat, füllt man am Shabbat, denn Shabbat ist meEjn Olam haBa – ähnlich der Kommenden Welt.

Und gemäß dem oben Gesagten werden wir die Moralvorschrift lernen, was wir tun müssen, also verstehen, dass wir die Bemühung um unserer Selbst Willen brauchen, um das Gute und den Genuss zu empfangen. Und der Schöpfer wird uns helfen.

Von Yehuda, der dir und deiner Familie Fülle, Segen und Erfolg, Überfluss, Glück und Freude wünscht.

Baruch Shalom Halevi Ashlag

[1] 2. Buch Moses 23,12

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