Die großen Kabbalisten im Laufe der Zeit

GROSSE KABBALISTEN IM LAUFE DER GESCHICHTE

In Kabbala-Büchern gibt es eine besondere Kraft: Jeder, der sie unter der richtigen Anleitung studiert, kann den spirituellen Grad des Autors erreichen. Deshalb ist es wichtig, dass wir wissen, welche Bücher wir studieren sollen. Es gibt viele Kabbalabücher, die in verschiedenen Stilen und Formen geschrieben sind und von Kabbalisten auf verschiedenen Stufen der Erlangung geschrieben wurden. Wir wissen jetzt, welche der Bücher uns helfen, in die spirituelle Welt einzutreten, und welche von ihnen uns wie ein Leitfaden führen, der für einen Menschen bestimmt ist, der in einem fremden Land verloren ist.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die spirituellen Welten zu beschreiben. Die spirituelle Welt und unsere eigene Welt verlaufen parallel. Alles in der spirituellen Welt kommt in unsere Welt herab. Alle Ereignisse haben ihren Ursprung in der oberen Welt. Sie steigen von ihr zu uns herab und bekleiden die entsprechenden Objekte dieser Welt sehr genau. Dennoch sollten wir aufhören zu denken, dass Spiritualität in unserer materiellen Welt existiert. Die Spiritualität steht als abstrakte Kraft hinter den Objekten dieser Welt und verwaltet den gesamten Prozess, der sich in dieser Welt entfaltet. Dies ergibt sich aus dem Vers in der Tora: „Du sollst dir kein Götzenbild machen, noch irgendein Abbild“, denn es ist verboten, irgendetwas in körperlichen Dingen zu sehen, was mit Göttlichkeit und Spiritualität zu tun hat. Es gibt kein Objekt, Phänomen oder eine Kraft in dieser Welt, die nicht eine Auswirkung der oberen Welt ist.

Deshalb benutzen Kabbalisten Worte aus unserer Welt, um spirituelle Objekte zu beschreiben, denn sie sind die Wurzeln unserer ganzen Welt. Ein gewöhnlicher Mensch, der noch keinen spirituellen Schirm hat, bezieht sich zu den Büchern der Kabbala, als wären sie Märchengeschichten über Dinge, die in unserer Welt geschehen. Aber die Kabbalisten werden nicht durch die Worte verwirrt sein, denn sie wissen genau, von welchem Zweig sie stammen und welche Konsequenz in unserer Welt der Wurzel in der geistigen Welt entspricht. So wurde die Tora geschrieben. Die Bücher der Propheten wurden jedoch in einer anderen Sprache geschrieben, der Sprache der Legenden, während der Talmud die Gesetze der spirituellen Welt als Handlungen, Gesetze und Gebote beschreibt, die in unserer Welt existieren.

Daher sollten wir selbst hinter den Worten des Talmud die Objekte und Handlungen der oberen Welt sehen. In den folgenden Abschnitten werden wir die wichtigsten Bücher der Kabbala vom Anfang der Zeit bis heute und ihre Autoren, die großen Kabbalisten im Laufe der Geschichte, darstellen.

 

ADAM, DER ERSTE MENSCH

Die Geschichte der Kabbala entspricht der Geschichte der Menschheit. Sie beginnt zur selben Zeit, als Adam auf der Erde erschien, der (wie die Überlieferung sagt) der erste Mensch war. Mit Adam beginnt die spirituelle Entwicklung der Menschheit. Adam war der Empfänger des ersten Kabbala-Buches: Der Engel Raziel (Hamalaach Raziel). Ein Mensch, der in dieser Welt lebt, fühlt die Natur der Welt in sich oder ihr, genauso wie die Natur der Welt ringsumher.

Menschen, die beide Welten gleichzeitig fühlen, werden Kabbalisten genannt. Der erste Mensch spürte diese zwei Welten und beschrieb sie in seinem Buch. Dieses Buch steht uns jetzt zur Verfügung und enthält interessante Zeichnungen mit Erklärungen und Diagrammen, die der erste Mensch selber geschrieben hat. Wenn man das Buch öffnet, ist es offensichtlich, dass der Autor kein unzivilisierter, ungebildeter Mammutjäger ist. Er war ein Kabbalist auf einer sehr hohen Stufe. Er entdeckte die grundlegenden Geheimnisse der Schöpfung. Er studierte die obere Welt, die Welt, in der unsere Seelen wandern, bevor wir geboren werden und in diese Welt hinabsteigen und wohin sie nach unserem physischen Tod zurückkehren.

Der erste Mensch, der auch die erste Seele war, die in unsere Welt herunter kam, erzählt uns von der Entwicklung und dem Abstieg der übrigen Seelen. Er erzählt uns nicht von den Körpern, die in unsere Welt geboren werden, sondern von jenen Seelen, die aus ihrer eigenen heraustreten, den Seelen seiner Kinder, Enkel und Urenkel. Er erzählt uns von der ganzen Menschheit, die von ihm abstammt, was mit ihr passieren wird und wann sie wieder zu der Wurzel aufsteigen wird, aus der sie kam.

Er erzählt uns, wie sich diese Seelen wieder zu einer Seele zusammenfinden werden, einer Seele, die auf einer viel höheren Ebene existiert als unsere eigene, von der wir nur Bruchstücke sind. Das sagt er uns in Der Engel Raziel. Das Wort Raziel kommt vom hebräischen Wort raz – der Engel der Geheimnisse, der die Geheimnisse der Schöpfung offenbart.

 

ABRAHAM, DER PATRIARCH

Das erste Buch, das nach dem Buch des ersten Menschen in unseren Besitz kam, war das Buch von Abraham dem Patriarchen, das Buch der Schöpfung (Sefer Yezira). Es ist ein besonderes Buch und schwer zu verstehen, weil es sehr synoptisch ist und nur einige Dutzend Seiten enthält. Wir haben seit tausenden von Jahren von seiner Existenz gewusst, aber es ist unmöglich, damit Kabbala zu studieren, weil Abraham nicht beabsichtigte, ein Studienbuch für die Menschen in unserer Welt einzuführen und zu erklären, wie man die Empfindung der oberen spirituellen Welt entwickelt.

Seine Absicht war nicht, die Errungenschaft der oberen Welt zu lehren, sondern nur ein paar Hauptgesetze zu bestimmen, die er über diese Welt entdeckte. Aber Abraham, der Patriarch, beschrieb die verschiedenen Verbindungen zwischen unserer Welt und der spirituellen Welt und demonstrierte, wie die spirituelle Welt arbeitet, woher die spirituellen Kräfte kommen und wie sie die Körper dieser Welt einkleiden. Das Buch erklärt, wie jeder Körper eine besondere Kraft von oben erhält, die bestimmt, was mit ihm in unserer Welt geschehen wird und was am Ende daraus wird – das heißt, was die Menschheit unter dem Einfluss der oberen Kräfte erreichen wird.

Das Buch der Schöpfung wurde anders geschrieben als der Engel Raziel. Es besteht aus Kapiteln (Mishniot genannt) und seine Sprache ist besser organisiert. Abraham schreibt über die Struktur der spirituellen Welt, über die zehn Sefirot (Eigenschaften der spirituellen Realität), Parzufim (spirituelle Objekte oder Systeme) und Managementsysteme, wie die obere Kraft (das Licht) absteigt, wie sie ausbalanciert und gesammelt ist und wie die kollektive Seele in einzelne Seelen unterteilt ist, die in einer bestimmten Reihenfolge absteigen. Er schreibt über die Beziehungen zwischen den Körpern in dieser Welt unter dem Einfluss der Seelen, die sie bekleideten.

Obwohl das Buch interessant ist, ist es sehr weit von den heutigen Seelen entfernt und kann aufgrund seiner großen Macht nur als Lernhilfe dienen. Die Eigenschaft, die Abraham charakterisiert, wird Chessed (Wohlwollen) genannt. Abraham war für seine Gastfreundschaft bekannt. Sein Buch gibt der Menschheit seine Macht, was es der folgenden Generation ermöglichte, sich zu entwickeln und nach spiritueller Erlangung zu streben. Aber die Generation, die auf Abraham folgte, verlangte eine neue Offenbarung, die zum Auftreten neuer Kabbalisten führte.

 

MOSES, DIE TORA UND DIE SPRACHE DER ZWEIGE

Die nächste bedeutende Schrift, nach dem Buch der Schöpfung und dem Engel Raziel, ist das Buch Sohar, aber zwischen Abraham, dem Patriarchen und dem Sohar, gab es viele große Kabbalisten, von denen Moses der Größte war. Moses war dafür bekannt, anders als andere Kabbalisten zu sein, da ihm mit der Offenbarung, die er erhielt, befohlen wurde, sie der ganzen Menschheit bekannt zu machen.

Das ist bei früheren Kabbalisten nicht geschehen. Seitdem bilden alle Kabbalisten Studiengruppen. Moses hatte siebzig Jünger, und Yehoshua Ben Nun (Josua, der Sohn von Nun) war derjenige, der letztendlich sowohl seine Weisheit als auch seine Führung erbte. Moses hat mehr als nur die obere Welt erforscht. Er beschäftigte sich mit der praktischen Verwirklichung seiner spirituellen Errungenschaften in unserer Welt, wie dem Auszug aus Ägypten.

Mit der Weisheit, die er erlangte, und den oberen Kräften, die er von oben erhielt, war er in der Lage, das Volk Israel aus dem Exil herauszuführen. Moses Aufgabe war es, das Volk Israel aus Ägypten zu befreien und ein Buch zu schreiben, mit dem jeder Mensch die obere Welt „erobern“ und Ägypten im Geiste verlassen kann – hört auf, Götzen, Objekte, die Sonne und andere falsche Götter anzubeten. Er wollte den Menschen den Eintritt in das spirituelle Land Israel ermöglichen, das die Welt von Azilut genannt wird – eine Welt der Ewigkeit und Ganzheit. Es ist eine Gemütslage, die man innerlich erreicht, jenseits der Grenzen von Zeit und Raum. Die Methode, die Moses in seinem Buch vorstellte, heißt Tora, vom Wort Or (Licht).

Es enthält Anweisungen, wie man das Licht nutzt, um in die spirituelle Welt einzutreten, wie man für ein ewiges Ziel lebt, anstatt für ein vergängliches Leben, das wir in dieser Welt leben. Mit diesem Buch kann ein Mensch das gesamte Bild der Schöpfung aufdecken, obwohl er oder sie nur einen winzigen Teil davon erleben kann. Er oder sie kann richtig berechnen und das gewünschte Ergebnis erreichen, sein oder ihr Leben auf das endgültige Ziel hin aufbauen, dasjenige, das Moses erreichen wollte. Das ist es, was ein Mensch, der die von Moses entwickelte Methode studiert, allmählich erreicht.

Die Methode von Moses, die sich aus der Tora ergibt, erlaubt es jedem, der auf der Erde lebt, sein spirituelles Niveau zu erreichen, was bedeutet, dass er oder sie diese Welt mit seinen oder ihren Gefühlen verlassen und in die obere Welt, die gesamte Schöpfung, eintreten kann. Die hebräische Wurzel des Namens Moses ist das Wort Moshe, was bedeutet, sich aus dieser Welt zu lösen. Die Tora ist eine historische Geschichte über den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Aber tatsächlich stellt es einen Austritt aus einem Zustand körperlicher Niedrigkeit dar, Ägypten genannt, zu einem höheren Zustand namens „Das Land Israel“.

Moses benutzte die Sprache der Zweige. Er benutzte Namen von Objekten, Gefühlen und Handlungen aus unserer Welt, aber er wollte auf Objekte in der spirituellen Welt hinweisen: höchste Mächte, geheime Kräfte, Kraftein- und -austritte sowie Informationen und Wirkungen, einschließlich schädlicher Wirkungen. All diese Themen werden als historische Geschichte über die menschliche Entwicklung dargestellt. Tatsächlich beschreibt die Tora eine bestimmte Ära der menschlichen Entwicklung, bezieht sich aber auf spirituelle Wurzeln.

Wenn wir die Tora nicht nur als historisches Dokument interpretieren, dann können wir spirituelle Kräfte wahrnehmen, die von der oberen Welt in unsere kommen. Statt Figuren aus Fleisch und Blut, wie Moses und Pharao, oder Tiere und Nationen, werden wir spirituelle Kräfte sehen. Wenn wir die äußere Hülle von der Tora entfernen, werden wir ein völlig anderes Bild sehen, losgelöst von dieser Welt. Dann werden wir nach und nach mit diesen Kräften in Kontakt kommen und sie zur spirituellen Entwicklung einsetzen. Mit Hilfe seiner siebzig Schüler verfasste Moses eine Anleitung zum spirituellen Aufstieg. Er machte mehrere Kopien davon und lehrte in Gruppen, die zusammen als „Volk von Israel“ bekannt wurden.

So stammte das Volk Israel aus einer Gruppe von Kabbalisten, den Schülern Moses, und die Zugehörigkeit zu dieser Nation wird durch ein Streben nach Spiritualität bestimmt. Daher kann jeder aus den Nationen der Welt, der ein Verlangen nach Spiritualität hat, ein Jude werden. Die Juden sind jene Gruppe von Menschen, die das Konzept des Monotheismus in der Zeit Abrahams annahmen. Nach Abrahams Tod wurde eine Gruppe von Menschen gegründet, die an eine einzige Führungskraft glaubten, eine Kraft, an die man sich wenden konnte. Die Nachfolger Abrahams, die sich Juden nannten, waren insofern einzigartig, weil sie die Einheit mit dem Schöpfer, die Verbindung mit Ihm wollten.

Sie hießen auch Hebräer vom hebräischen Wort ivri, gemeint ist jemand, der von dieser Welt in die Spiritualität überging. Im Buch Tora entwickelte Moses eine Wissenschaft, um Kontakt mit der oberen Welt zu erlangen. Aber für die meisten Menschen ist es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, etwas Tieferes als Familiensagen und Geschichten zu sehen. Wir werden nicht einmal in der Lage sein zu fühlen, was darin verborgen ist, wie die Kabbalisten uns sagen.

DEN SOHAR BENUTZEN, UM DIE TORA ZU VERSTEHEN

Menschen suchen in der Tora nach allen Arten von Codes und finden alle möglichen Verbindungen zwischen ihren Teilen. Tatsächlich sind die Teile der Tora auf unendlich viele Arten miteinander verbunden – die Anzahl der Buchstaben, der Worte, der Verse und der Redensarten sind berechnet worden. Kürzlich analysierte eine fantastische Kalkulationsarbeit die innere Struktur der Buchstaben und der Teile von Buchstaben.

Aber diese Berechnungen geben uns nichts. Sie lehren uns nicht, was hinter jedem Symbol oder Punkt steht, oder die Form der Buchstaben und ihre Kombinationen. Die Tora wurde zuerst als ein einziges Wort ohne Leerzeichen geschrieben. Erst später wurde dieses einzelne Wort in individuelle Worte und die Worte in Buchstaben unterteilt, und diese Buchstaben wurden weiter in ihre Teile zerlegt. Am Ende werden diese Teile zu einem Punkt und einer Linie, die sich von ihm aus erstreckt.

Ein schwarzer Punkt auf weißem Grund symbolisiert die Quelle des Lichts: Das Licht geht vom einzelnen Punkt aus. Wenn das Licht von der höheren Kraft, vom Schöpfer zur Schöpfung herabsteigt, dann ist es eine vertikale Linie. Wenn die Kraft der gesamten Schöpfung zugeschrieben wird, handelt es sich um eine horizontale Linie. Das sind alle Informationen, die wir vom Schöpfer erhalten. Alle möglichen Kombinationen zwischen Punkten und Linien hängen von diesen zwei Zeichen ab, die uns vom Schöpfer gesendet wurden:

• Die vertikale Linie – ein persönliches Zeichen, das der Menschheit vom Schöpfer gesendet wurde.
• Die horizontale Linie – ein allgemeines Zeichen, das der Menschheit vom Schöpfer gesendet wurde.
• Alle Situationen dazwischen

Alle Zeichen zusammen haben den Code für die Beziehung zwischen Gott und der Menschheit geschaffen, und in jedem Moment können die Dinge anders aussehen, weil die Seele in jedem Moment in einem anderen Zustand ist. Ein Mensch, die die Buchstaben der Tora betrachtet, vorausgesetzt, er oder sie hat gelernt sie richtig zu lesen, kann seine oder ihre eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durch die Kombination von Punkten und Linien sehen. Aber um diese Dinge zu sehen, braucht man einen Schlüssel.

Mit ihm kann man die Tora wie einen Reiseleiter in die spirituelle Welt lesen, und nicht nur wie eine historische Episode. Dieser Schlüssel findet sich im Sohar, der den Pentateuch interpretiert und genau erklärt, was Moses mit der Niederschrift der Tora gemeint hat. Wenn wir die fünf Bücher des Pentateuch durch die Augen des Sohar studieren, sehen wir etwas ganz anderes als unsere Welt; wir sehen die obere Welt, die spirituelle Führung unserer Welt und die gesamte Schöpfung. Deshalb lesen Kabbalisten diese beiden Bücher zusammen.

Bevor sie das Buch Sohar niederschrieben, schrieben die Schüler und Anhänger Moses über mehrere hundert Jahre grundlegende Interpretationen von Ereignissen in der Tora, damit wir besser verstehen konnten, was Moses geschrieben hatte. Die erste Interpretation der Tora ist die Mischna, vom Wort Sheni, Shanah (etwas, das sich wiederholt). Die Mischna porträtiert alle spirituellen Gesetze als Gesetze dieser Welt. Sie erklärt, was man tun muss und was man nicht tun darf. Wir kennen diese Erklärungen als Mizwot (Gebote, Vorschriften,) von „tu“ (positive Regeln) oder Mizwot von „tu nicht“ (negative Regeln).

Ein Mensch der mit dem Kabbalastudium beginnt, kann klar erkennen, dass die Ursache aller Schmerzen und Katastrophen, die wir sowohl auf der persönlichen als auch auf der globalen Ebene erfahren, an unserer falschen Auslegung über die Dinge, die um uns herum geschehen, liegt. Durch unser unachtsames Verhalten und unsere falschen Reaktionen verschlechtert sich unsere Situation zunehmend, wie auch die daraus resultierenden Folgen. Kabbala ist die brauchbarste Wissenschaft. Sie gibt der Menschheit den Schlüssel zur Führung der Welt.

Um sie leiten zu können, müssen wir zuerst studieren. Um aktiv daran teilnehmen zu können, müssen wir die allgemeine Struktur des Universums und dessen Managementsystem kennen.

 

RABBI SHIMON BAR YOCHAI (ZWEITES JAHRHUNDERT)

Rabbi Shimon Bar-Yochai (Rashbi) war der Autor des Buches Sohar, das im zweiten Jahrhundert nach Christus geschrieben wurde. Es ist die wichtigste Arbeit der Kabbala und gilt als Hauptwerk der Lehre. Rashbi lebte zwischen der Zeit des Talmud und des Sohars und gilt als großer Erforscher sowohl der menschlichen Natur als auch der höheren Welt. Außerdem gehört er zu den wichtigsten Weisen des Talmud (sein Name wird dort etwa viertausend Mal erwähnt).

Er beherrschte die Sprachen des Talmud und der Kabbala und benutzte auch beide, um die höhere Lenkung zu beschreiben. Er beschrieb die Vorkommnisse der Gegenwart und der Zukunft – alle Innovationen und Transformationen – wie sie von dort in unsere Welt gelangen, sich darin manifestieren und einkleiden. Der Sohar erklärt, welche Handlungen von hier aus den Rest der Welt beeinflussen.

Rashbi war der erste Kabbalist, der die Reaktionen, die wir von oben auf unsere Gedanken erhalten, beschreiben konnte. Er beschrieb, wie sie in der höheren Welt arbeiten und dadurch die Entfaltung künftiger Ereignisse, die zu uns hinabsteigen, beeinflussen. Der Sohar ist entscheidend für uns, da er alle möglichen Vorgänge der Menschheitsgeschichte beschreibt. Bevor Rashbi begann den Sohar zu schreiben, gründete er eine Gruppe von Schülern. Jede Seele eines Schülers entsprach einer bestimmten Stufe in der höheren Welt.

Es waren neun Studenten und er war der Zehnte. Zusammen bildeten sie eine kollektive Seele, die der vollständigen Struktur in der spirituellen Welt entspricht, die Eser (zehn) Sefirot genannt wird. Rashbi ist der Autor des Buches, er beschreibt die Eigenschaften der spirituellen Welt, die von jedem einzelnen Schüler repräsentiert werden. Er baute eine Art Prisma, durch welches das einfache höhere Licht in unsere Welt hinabsteigt, sich in zehn Teile teilt, die dann in zehn innere Sefirot geteilt werden. Ihre Geschichte ist eine Beschreibung, wie diese zehn spirituellen Eigenschaften oder Kräfte in unsere Welt kommen, sie leiten und wie jeder Mensch diese Kräfte für sich und andere nutzen kann. Rashbi sagte, er hätte dieses Buch nicht alleine schreiben können.

Mutmaßlich sollte er das Buch für die letzte Generation schreiben und es zwischenzeitlich verbergen, so dass es erst im 16. Jahrhundert enthüllt werden würde. Um das Buch so zu schreiben, dass es die vermittelnde Generation weitergeben würde, benutzte er seinen Schüler Rabbi Abba. Rabbi Abba begann das Buch zu schreiben, während er seinem Lehrer zuhörte und studierte. Er schrieb es so, dass diejenigen, die es lesen, nur die äußere Ebene des Buches wahrnehmen.

Je mehr die Menschen an sich arbeiten, umso mehr verfeinern sie sich und steigen spirituell auf. Wenn sie aufsteigen, befähigen sie sich zunehmend, um in die Tiefe des Sohar einzutauchen und zu fühlen, was darin geschrieben steht. Sie erhalten spirituelle Kräfte und können sich zunehmend aktiv an der Gesamtentwicklung beteiligen. Rabbi Abba schrieb den Sohar nicht wie Abraham und Moses ihre Bücher in Hebräisch schrieben, sondern in Aramäisch, einer Sprache, die in Mesopotamien (dem heutigen Irak) verwendet wurde. Das Buch enthält zudem griechische und lateinische Wörter, welche in dieser Zeit vorherrschend waren. Dies verringert den Wert des Buches in keiner Weise.

Der Autor wollte so die innere Bedeutung des Buches verbergen und in ein unansehnliches Paket verpacken. Um den Sohar zu schreiben, versteckte sich Rabbi Shimon Bar Yochai mit seinem Sohn Rabbi Eleazar, in einer Höhle im nördlichen Teil Israels (der Idra Raba). Sie saßen dreizehn Jahre lang in der Höhle, aßen – wie der Midrash es beschreibt – Johannisbrot und tranken Wasser aus einer nahen Quelle. Ihre Kleidung war zerrissen und um sich zuzudecken, vergruben sie sich im Sand. Am Tag, während sie begraben waren, studierten und untersuchten sie alles, was sie im Buch Sohar gelernt hatten und schrieben später darüber.

Als die dreizehn Jahre vergangen waren, verließ Rabbi Shimon mit seinem Sohn die Höhle und sammelte zehn Jünger um sich. Er lehrte sie in der Spiritualität gemäß ihrer individuellen Seele, und baute so ein kollektives spirituelles Gefäß, in dem sie die höhere Welt, die höchste Wurzel unserer Existenz spürten. Als das Buch geschrieben war, starb Rabbi Shimon. Er wurde unweit von dem Ort, an dem das Buch geschrieben wurde, in Miron begraben. Sein Sohn ist neben ihm und seine Jünger in der Nähe von ihm begraben.

Direkt nach dem Schreiben des Buches wurde der Sohar, während Rabbi Shimon noch am Leben war, verborgen. Die ganze Menschheit, besonders das jüdische Volk, befand sich nicht auf dem spirituellen Niveau, das Buch für einen spirituellen Zweck und zum Wohl der Menschheit zu nutzen. Die Tora spricht ausschließlich von spirituellen Welten. Sie konnte sich deshalb in der ganzen Welt gut verbreiten, da sie so geschrieben wurde, dass sie jeder auf der körperlichen Stufe verstehen und sich an das, was sie aussagte, halten konnte. Moses bezog sich auf die spirituellen Gesetze, aber das tat er auf so eine Weise, dass diejenigen, die an diesen Gesetzen festhielten, die gesamte Erleuchtung des Universums auf die bestmöglichste Weise auf sich selbst lenken würden. Wegen der kodierten und „einfachen“ Art, in der die Tora geschrieben wurde („einfach“ bedeutet, dass es einfach und klar klingt, wenn wir es lesen), musste die Tora nicht wie der Sohar verborgen werden.

Sie konnte in der Öffentlichkeit sein und musste nicht heimlich von einem Kabbalisten zum anderen übergeben werden. Rabbi Shimon ordnete an, den Sohar zu seinen Lebzeiten zu begraben. Er hat tatsächlich beide Bücher geschrieben und sie verborgen. Es fehlen heute noch viele Teile des Sohar. Das Buch wurde zufällig fünf oder sechshundert Jahre später gefunden: ein Kabbalist fragte einen seiner Studenten, ob er Essen vom Markt holen würde.

Der Student kehrte mit einem in Papier eingewickelten Essen zurück. Der Kabbalist war erstaunt, als er sah, dass die Verpackung ein altes Manuskript war. Der Kabbalist studierte es und sah, dass es zu den Geheimnissen der Schöpfung führte. Er schickte seinen Studenten sofort auf den Markt zurück. Dort gruben sie in jedem Müllhaufen und sammelten alle Seiten, die sie finden konnten, ein. Sie fanden insgesamt 2700 Blätter.

Ein arabischer Kaufmann, der mit seinem Kamel nach Israel über die Flüsse Euphrat und Tigris geritten kam, hatte diese Papierstücke auf dem Weg gefunden und dachte, er könne sie als Verpackung für seine Gewürze verwenden. Auf diese Weise wurden die Seiten des alten Buches Sohar wieder zusammengefügt.

Der Kabbalist Moshe De Leon war der Erste, der im dreizehnten Jahrhundert den Sohar in Spanien veröffentlichte. Es enthielt nicht nur Kommentare zur Tora, sondern auch zu anderen Büchern, wie die Bücher der Propheten und kabbalistische Erklärungen zur Mishna und dem Talmud. Das was wir jetzt als Sohar bezeichnen, ist nur ein Teil des ursprünglichen Buches. Es ist kein großes Buch, es enthält ungefähr 300 Seiten Text und ist in etwa zwanzig Mal kleiner als das ursprüngliche Werk.

Es fehlt eine große Menge an Informationen. Es ist jedoch kein großer Verlust, da neue Kabbalisten kamen und uns über die Geschehnisse der zwei Welten berichteten – wie die höhere Welt unsere Welt, die heute und morgen gebaut wird, beeinflusst. Außer der Interpretation der fünf Bücher Moses, blieb nahezu nichts mehr übrig. Auch in seiner gegenwärtigen Form bleibt der Sohar ein Schlüssel, durch den wir die Tore zur spirituellen Welt öffnen können. Er wurde erneut, nach Rabbi Moshe De Leon für hunderte von Jahren, bis zum späten Mittelalter, zur Zeit des heiligen Ari, verborgen.

 

DER ARI (1534-1572)

Es tauchen in jeder Generation die gleichen Seelen auf, die schon in früheren Generationen existierten. Sie sind in neue Körper gekleidet, entwickeln sich, werden sensibler und empfänglicher für das erhabene und komplexe spirituelle Wissen. So hatten Menschen, die vor tausenden von Jahren lebten, die gleiche Seele wie wir. Sie sind heute entwickelter und bringen technologischen und spirituellen Fortschritt in unsere Welt.

Jeder Fortschritt in der Menschheit ist das Ergebnis der Seelen, die auf eine höhere Stufe aufgestiegen sind, nachdem sie Erfahrungen in früheren Leben gesammelt haben. Jede Seele, die in unsere Welt kommt, beginnt ihr Leben mit den Erfahrungen, die sie im vorherigen Leben gesammelt hat. Die Seele durchläuft einen Prozess des Sammelns von Wissen, spirituellen Kenntnissen und weltlichen Empfindungen und hinterlässt dabei Erinnerungen, die wir Reshimot nennen.

Von allen Seelen, die von vorangegangenen Generationen in unsere Welt herabstiegen, hatten nur wenige den Wunsch, sich weiterzuentwickeln. In unserer Zeit haben es viele getan. Wir sind fortgeschrittener als unsere Vorfahren. Für uns ist es einfacher, neue Informationen aufzunehmen und sie umzusetzen. Für uns ist daher jede neue Information natürlich. Kabbalabücher neigen immer wieder dazu, offenbart und wieder verborgen zu werden. Sie können für mehrere Generationen versteckt werden, wieder auftauchen und schließlich wieder verloren gehen. Es geschieht in der Weise, dass die Menschheit bestimmte „Korrekturen“ (Tikunim) durchmachen muss. Die Bücher existieren in der Geschichte der Menschheit, um diese zu korrigieren und ihre Entwicklung zu sichern.

In Zukunft werden alle diese Bücher jedem bekannt sein. In unseren letzten Tagen, so sagt es der Sohar und die Bücher der Propheten, wird die ganze Menschheit diese Bücher als Handbücher benutzen, um die höheren Welten zu erreichen, dann werden sie ein glückliches, ewiges und vollständiges Leben haben.

Die Seelen großer Kabbalisten durchlaufen spezielle Zyklen. Sie tauchen nicht in jeder Generation auf, sondern sind wie die Bücher, die nur in besonderen Zeiten erscheinen. Die Seele des ersten Menschen inkarnierte in den Patriarchen Abraham, in Rabbi Shimon Bar Yochai, dem heiligen Ari, und in unseren Tagen in Rabbi Yehuda Ashlag. Solche Seelen kommen nur zu den Zeiten, wenn sie die ganze Menschheit beeinflussen und korrigieren sollen.

In der Zeit des Mittelalters und der Barbarei, im 16. Jahrhundert wurde in Jerusalem ein Kind geboren. Es erhielt in seinem späteren Leben den Namen heiliger Ari. Er nahm das gesamte kabbalistische Wissen in sich auf, vom ersten Menschen an, verarbeitete und formulierte es so, dass alle nachfolgenden Generationen ihre spirituelle Nahrung aus seinen Büchern erhalten konnten. Ari zog später nach Ägypten. Sein Vater starb, als er noch jung war.

Er zog zu seinem Onkel. Mit fünfunddreißig kam er nach Tzfat, einer alten Stadt in Israel, die zur Zeit des Ari die Heimat vieler Kabbalisten war. Ari unterrichtete 18 Monate lang in einer Schule, die er für seine Jünger gegründet hatte. Er starb im Alter von sechsunddreißig Jahren. Sein erster Schüler war der achtundzwanzigjährige Chaim Vital.

Chaim Vital schrieb alles auf, was er in achtzehn Monaten gehört hatte. Was er aufgeschrieben hatte, umfasste die zwanzig Bände, die wir als Schriften des Ari kennen. Als Ari verstarb, hinterließ er keinem anderen als Chaim Vital seine Arbeit. Chaim Vital war der einzige, dem es nach dem Ableben vom Ari erlaubt wurde, Kabbala zu praktizieren und die Schriften seines Lehrers zu veröffentlichen. Ari zeichnete nicht nur die Tatsache aus, dass seine Seele eine Inkarnation der Seelen der großen Kabbalisten war, sondern auch, dass er genau zu der Zeit geboren wurde, als die Entwicklung der allgemeinen Stufen der Seelen verlangt wurde. Die erste Phase der Entwicklung der Seelen endete mit Ari – einer Phase der unbewussten Entwicklung im Mittelalter, einer Zeit der Barbarei.

Das Auftreten von Ari brachte eine neue Ära der menschlichen Entwicklung mit sich. Es stiegen Seelen herab, in denen ein Verlangen nach Spiritualität und dem Wissen über die höhere Welt geweckt wurde. Sie kleideten sich in die Körper unserer Welt ein. Dies löste das Ende des Mittelalters aus und führte zum Beginn der Renaissance. Es war eine Zeit der Entwicklung, die zur industriellen Revolution führte. Ari erhielt von oben die Erlaubnis, das System, das in den Tagen des ersten Menschen existierte, zu erneuern.

Er sollte die Methode für die einzige, individuelle Seele zu einer für die Massen geeigneten Methode umändern. Viele Seelen, die vorher in der Welt waren, waren jetzt für den spirituellen Aufstieg bereit. Im 16 Jahrhundert erhielt Ari den Sohar. Er lehrte seine Schüler alle kabbalistischen Quellen, die ihnen vorangegangen waren. Diese Quellen wurden später in einem Buch mit dem Titel „Der Baum des Lebens“ (Ez Chaim) veröffentlicht. Es ist ein Lehrbuch, das den Weg der spirituellen Welten lehrt und erklärt, wie wir aufsteigen und dabei Perfektion und Ewigkeit erreichen können. Neben dem Baum des Lebens, schrieb Ari noch zwanzig weitere Bücher.

Sie sind sehr schwer zu verstehen, bilden jedoch die Grundlage für die gesamte Methode der Kabbala. Ari beschreibt in diesen Büchern ein klares wissenschaftliches System, die Gesetze der Schöpfung, damit sie als Lehrbücher zu Studienzwecke verwendet werden können. Der Hauptteil der Bücher Ari´s ist in acht Teile unterteilt, die „Acht Tore“ genannt werden. Jedes Tor beschreibt in einer klaren, wissenschaftlichen Art ein bestimmtes Thema der Kabbala. Dort werden die Gesetze der höheren Welt erklärt, wie sie Menschen und die Reinkarnationen beeinflussen. Alle Bücher von Ari wurden mit einem neuen Ansatz geschrieben. Sie sind passend für die Seelen, welche die Welt zur Korrektur bringen.

Viele Kabbalisten auf der ganzen Welt verließen sich auf seine Arbeit, besonders in Osteuropa, der Ukraine, Weißrussland und Polen. Viele fühlten sich zur Kabbala hingezogen, und auf ihrer Grundlage wurde eine Massenbewegung namens Chassidismus gegründet. Die Chassidim sind Menschen, die dazu neigen, sich mit der oberen spirituellen Welt zu verbinden. Sie sehen, dass ihr weltliches Leben ein erhabenes Ziel hat. Das Studium der Bücher des Ari erhebt uns über das Niveau unserer Welt hinaus.

Der Ari erklärte, dass jeder, der ein Verlangen nach der spirituellen Welt verspürte, seine Bücher studieren könne. Vor dem Ari stieg die besondere Seele eines Kabbalisten durch Gnade von oben herab, und das richtige Buch für diese Generation erschien. Aber seit der Zeit des Ari kann jeder, der ein Verlangen nach Spiritualität hat, Kabbala studieren, und indem er von seinen Büchern lernt, kann man in die obere Welt eintreten.

Wir haben bereits gesagt, dass in jeder Generation dieselben Seelen zurückkehren, sich in neue Körper kleiden und ihre früheren Erfahrungen behalten. Daher ist jede Generation klüger als die letzte und strebt nach etwas Höherem. Während der Zeit des Ari war die allgemeine Entwicklung der Seelen so, dass die Seelen einen spirituellen Aufstieg wünschten und sich nicht mit einem gewöhnlichen Leben auf der Ebene dieser Welt begnügten.

Dieser Wunsch war der Beginn der Renaissance und der industriellen Revolution. In der Spiritualität drückt sich dieser Prozess in dem Wunsch aus, die Quelle des Lebens zu entdecken und nach der Antwort auf die Frage zu suchen: „Was ist der Sinn meines Lebens?“ Seit der Zeit des Ari begann diese Frage in den Seelen zu reifen, die hinabgestiegen sind. Sie ließ die Menschen nach dem Ursprung des Lebens suchen.

Diese Suche führt uns zum Studium der oberen Welt, aus der wir kommen, obwohl wir sie nicht wirklich fühlen und verstehen können. Der Ari nahm die Weisheit der Kabbala und schuf ein völlig neues System, das für Seelen geeignet ist, die durch eigene Kraft aufsteigen wollen. Vor dem Ari kamen zwei Arten von Seelen auf diese Welt: Die eine, die tierische Art, war nur mit der Fortpflanzung und Erhaltung der Spezies beschäftigt, während die anderen, die kabbalistischen Seelen, selbständig damit beschäftigt waren, die spirituelle Welt zu studieren.

Seit der Zeit des Ari können sich die Seelen, die auf unsere Welt herabsteigen, nicht mehr mit der tierischen Nahrung dieser Welt zufriedengeben. Sie haben sich so weit entwickelt, dass viele von ihnen in die spirituelle Welt aufsteigen wollen. Heutzutage entstehen in den Seelen Wünsche nach einem selbständigen, spirituellen Aufstieg, und sie brauchen eine Methode, die ihnen hilft, in die spirituelle Welt zu kommen.

Der Ari hat als erster eine solche Methode etabliert und gilt somit als der wichtigste Kabbalist. Der Ari schreibt, dass seit der Einführung seiner Methode jeder, der Kabbala studieren möchte, dies tun kann, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Nationalität. Nach dem Ari begannen sich viele Menschen für die Kabbala zu öffnen. Hunderte von Seelen begannen unabhängig voneinander aufzusteigen und brachen in die geistige Welt ein.

Die letzte Phase der menschlichen Entwicklung beginnt mit dem Ari. Ab dem sechzehnten Jahrhundert erfuhren die Seelen eine neue spirituelle Geburt und erreichten den vollständigen Zugang zur spirituellen Welt, während sie noch in ihre weltlichen Körper gekleidet waren. Diese erfolgreiche Zeit dauerte bis in die 1920er Jahre. Ohne die Methode des Ari wäre die geistige Welt einer so großen Anzahl von Seelen nicht zugänglich gewesen. Der Aufschwung war besonders in Osteuropa spürbar, wo viele Kabbalisten auftauchten und zahlreiche Bewegungen im Judentum begründeten. Zu der Zeit seines frühen Todes wurden einige der Texte des Ari mit ihm begraben, einige wurden in einer Kiste von seinen Verwandten versteckt, und Chaim Vital selbst begann, an anderen Texten zu arbeiten.

Nach und nach wurden die Bücher geschrieben und gedruckt. Shmuel Vital, der Sohn von Chaim Vital, führte die Arbeit seines Vaters fort, und sein Sohn, der Enkel von Chaim Vital, machte nach ihm weiter und veröffentlichte die Bücher des Ari. Das Grab des Ari wurde etwa drei Generationen nach seinem Tod geöffnet, und der Rest seiner Schriften wurde ausgegraben.

Sie wurden zu den „Acht Toren“, den primären Texten des Ari, zusammengesetzt. So sehen wir, dass auch die Anhänger des Ari nicht alle seine Schriftsätze besaßen. Selbst Chaim Vital hatte nicht genügend Kenntnisse, um eine umfassende und präzise Methode zusammenzustellen, die für jede Seele geeignet ist, die auf diese Welt hinabsteigt, trotz der enormen Anstrengungen, die er unternommen hat, um diese Texte für uns zu bewahren.

 

RABBI YEHUDA ASHLAG, BAAL HASULAM (1884-1954)

Am Ende waren weder der Sohar noch die Schriften des Ari für ein systematisches Studium der Kabbala bestimmt. Obwohl die Kabbala tatsächlich eine Wissenschaft ist, gab es vor dem 20. Jahrhundert kein echtes Lehrbuch. Erst in unseren Tagen gibt es eine vollständige und präzise Methode, die für alle Seelen dieser Welt geeignet ist. Um die Lücken zu füllen, schrieb Rabbi Yehuda Ashlag, der große Kabbalist, der 1884 in Warschau geboren wurde und von 1922 bis zu seinem Tod 1954 in Jerusalem lebte, einen Kommentar zum Sohar und den Texten des Ari.

Rabbi Ashlag, genannt Baal HaSulam (Meister der Leiter), entwickelte sich während des Schreibens der Kommentare weiter und veröffentlichte sein Hauptwerk, „Das Studium der Zehn Sefirot“ (Talmud Eser Sefirot). Es gilt als das bedeutendste Kabbala-Studienbuch unserer Zeit. Dieses Lehrbuch besteht aus sechs Bänden mit mehr als zweitausend Seiten. Es enthält alles, was Kabbalisten seit Anbeginn der Zeit geschrieben haben: die Schriften des ersten Menschen, Abrahams des Patriarchen, Moses, Rabbi Shimon Bar-Yochai und des Heiligen Ari.

Dieses Buch beschreibt die Kabbala in präziser Form und ist für das Studium geeignet. So haben wir heute alles, was wir brauchen, um zu lernen, wie die Schöpfung gemacht wurde, wie sie zu uns hinunterkommt und wie wir sie von unten bis in die höchste Welt beeinflussen können, um die Zukunft zu kreieren, die wir gerne hätten. Heute ist der Sohar ohne den Sulam-Kommentar unverständlich. Doch die Methode von Baal HaSulam wird oft missverstanden. Für diejenigen, die keine spirituelle Reife erreicht haben, kann das Buch als trocken, schematisch und emotionslos wahrgenommen werden. Es kann wie eine Bedienungsanleitung gelesen werden, anstatt als etwas, das unser Herz bewegt.

Aber diese Wahrnehmung ergibt sich aus einem Mangel an Verständnis. Das Studium der Kabbala bedeutet nicht nur zu wissen, was in den Büchern steht, sondern das auch zu verwirklichen. Im Gegensatz zu jeder anderen Wissenschaft werden Sie während des Studiums der Kabbala selbst das Objekt der Forschung, so dass die Dinge, über die Sie lesen, in Ihnen stattfinden und nicht auf dem Papier. Manche sagen, dass wir nur lesen müssen, was dann etwas in der obigen Welt auslöst, was wir nicht verstehen.

Dies widerspricht jedoch dem gewünschten Ergebnis und dem Zweck des Studiums und dem, was wir tun sollten. Man sollte in die spirituelle Welt aufsteigen, während man in dieser Welt lebt, in seiner körperlichen Erscheinung. Dies ist in der Tat der Zweck des Systems der Kabbala, und es kann nur durch das richtige Studium erreicht werden, mit den authentischen Büchern, geschrieben von Rashbi (Rabbi Shimon Bar Yochai), dem Ari und Baal HaSulam. Wenn wir unter den richtigen Bedingungen und mit der richtigen Anleitung aus dem Studium der Zehn Sefirot lernen, öffnet sich die obere Welt.

Es gibt eine spezielle Herangehensweise an das Material im Buch und einen speziellen Schlüssel, der erklärt, wie man den Text liest, um ihn richtig zu öffnen. Mit dieser Art des Studiums beginnt der Mensch das Universum zu fühlen, in allem einen Sinn zu sehen und zu fühlen, was jenseits der Reichweite dieses Sinnes existiert, weil seine Sinne körperlich und begrenzt sind und nichts über ihre Grenzen hinaus wahrnehmen können. Baal HaSulam schreibt in der Einleitung zum Studium der Zehn Sefirot, dass jeder den höchsten Punkt der spirituellen Evolution in unserer Welt erreichen kann, jeder kann die Gleichheit der Form mit der höheren Kraft – dem Schöpfer – erreichen. Wir können den höchsten spirituellen Zustand erlangen, während wir in dieser Welt leben, denn der Körper steht nicht länger als Barriere zwischen der oberen Welt und der Seele.

Es spielt keine Rolle, ob die Seele in einen Körper gekleidet ist oder nicht, denn wir können uns frei von Welt zu Welt bewegen und gleichzeitig in allen Welten in einem Zustand der Ewigkeit und Vollkommenheit existieren. Dann werden wir zeitlos, bewegungslos und raumlos. Baal HaSulam schreibt, dass mit seiner Methode alle diese Phasen erreichbar sind, und dass seine Methode ausnahmslos für alle geeignet ist. Neben dem Studium der Zehn Sefirot schrieb Rabbi Ashlag auch einen Kommentar zum Sohar und zu den Schriften des Ari.

Baal HaSulam schreibt, dass er eine Reinkarnation einer Seele ist, die mit dem ersten Menschen beginnt, gefolgt von Abraham dem Patriarchen, Moses, Rabbi Shimon Bar Yochai, dem Ari und schließlich ihm. Deswegen könnte er die Schriften dieser Kabbalisten nehmen und sie so verarbeiten und präsentieren, wie es unserer Generation entspricht.

Obwohl Baal HaSulam in unserer Generation lebte, passierte seinen Schriften das Gleiche wie dem Sohar und den Schriften des Ari: Einige seiner Schriften waren verborgen und werden erst jetzt veröffentlicht. Ich selbst habe viele Manuskripte von Baal HaSulam in meinem Besitz, die meine Studenten und ich zur Veröffentlichung vorbereiten. Diese Manuskripte sind ein geistiges Erbe, das ich von meinem Lehrer, Rabbi Baruch Ashlag, dem Sohn von Baal HaSulam, erhalten habe.

 

RABBI BARUCH ASHLAG, RABASH (1907-1991)

Baruch Ashlag repräsentiert die nächste Phase in der Evolution der Kabbala nach seinem Vater. Der älteste Sohn von Yehuda Ashlag, Baruch Ashlag, wurde 1907 in Polen geboren und kam im Alter von 15 Jahren mit seinem Vater nach Israel. Er hat immer einfache Jobs gemacht: Er war Bauarbeiter, Straßenbauer, Schuhmacher und Schreiber.

Er schämte sich nie, irgendeine Arbeit zu tun, er wusste, dass Jobs notwendig sind, um in dieser Welt zu überleben und nicht mehr. Ihm wurden etliche hohe Ämter angeboten, aber nie von ihm angenommen. Obwohl er über große Kenntnisse in der Tora und im Talmud verfügte, diente Baruch Ashlag nie als Gemeinde Rabbiner. Stattdessen verbrachte er sein ganzes Leben damit, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und im Studium der Kabbala voranzukommen.

Als sein Vater starb, erbte Baruch Ashlag dessen Schüler und setzte seine Arbeit fort. Er veröffentlichte den Sohar mit den Kommentaren seines Vaters sowie einigen anderen Büchern. Ich selbst bin 1979 zu ihm gekommen, nachdem ich schon vier Jahre auf der Suche nach einem Lehrer war. Ich studierte alleine und mit allen möglichen „Kabbalisten“. Ich ging einen langen Weg und wusste, dass ich Kabbala studieren musste, aber ich wusste nicht, wer mich unterrichten konnte. Von der ersten Stunde mit Rabbi Ashlag wusste ich, dass er der richtige Lehrer für mich war. Ich blieb zwölf Jahre bei ihm, bis zu seinem Tod. Als er starb, war ich an seinem Bett. Rabbi Baruch Ashlag schrieb fünf Bücher mit Artikeln, die Shlavey HaSulam (Die Sprossen der Leiter) genannt wurden, in denen er erfolgreich alle inneren Zustände eines Menschen zum Ausdruck brachte, der auf dem Weg ist, die obere Welt zu erreichen.

Er studierte alle möglichen Phasen, jeden Schritt und jede Bewegung, die eine Person auf dem Weg macht, und erklärte, wie man die spirituelle Welt erreicht und wie man in ihr fühlt und lebt. Er schuf ein System, mit dem das Individuum die obere Welt erreichen konnte, etwas, was frühere Kabbalisten nicht getan hatten. Dieser einzigartige Aspekt seiner Artikel ist besonders wichtig für diejenigen, die die spirituelle Welt erreichen wollen.

Ohne diese Artikel ist es unmöglich, sich vorzustellen, über unsere physische Realität hinaus zu kommen. Er hinterließ uns auch ein Manuskript von Predigten, die er von seinem Vater gehört hatte, er nannte es Shamati (ich hörte). Mit diesen Artikeln können wir die Eigenschaften unseres eigenen spirituellen Zustandes definieren und lernen, wie wir den spirituellen Aufstieg in dieser spezifischen Situation fortsetzen können. D

as Buch ist die Grundlage für alle Phasen in den geistigen Welten und ihre vielen Kombinationen, die die Seele eines Menschen beeinflussen, der danach strebt, sie zu erreichen. Die Werke von Rabbi Baruch Ashlag sind für uns und jeden, der sich der spirituellen Welt öffnen möchte, unentbehrlich. Nach dem Tod von Rabbi Ashlag wurde eine Gruppe namens Bnei Baruch (Die Söhne von Baruch) gegründet. Gemeinsam lernen wir auf dem Weg weiter, den er geebnet hat.

Aus dem Buch von Dr. Michael Laitman: Awakening to Kabbalah

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