Das Studium der Zehn Sefirot, Teil 1

INHALT

Kapitel 1

Kapitel 2

Histaklut Pnimit (Innere Betrachtung)

Kapitel Eins

Kapitel Zwei

Kapitel Drei

Kapitel Vier

Kapitel Fünf

Kapitel Sechs

Kapitel Sieben

Kapitel Acht

Kapitel Neun

Kapitel Zehn

Tabelle der Fragen und Antworten zur Erklärung der Worte

Tabelle der Fragen und Antworten zur Erklärung der Themen

Talmud Esser haSefirot
(Das Studium der Zehn Sefirot)

TEIL 1

Zimzum und Kav – Einschränkung und Linie

Kapitel 1

Erklärung von Zimzum Alef, als sich Or Ejn Sof einschränkt, um die ausgeströmten Wesen auszuströmen und die Geschöpfe zu erschaffen; es beinhaltet 5 Teile:

  1. Vor dem Zimzum erfüllte Ejn Sof die gesamte Wirklichkeit. 2. Der Grund für die Schöpfung war die Enthüllung Seiner Namen und Bezeichnungen. 3. Der Zimzum des Lichts um den Mittelpunkt herum. 4. Der Raum (Chalal), der nach dem Zimzum übrigblieb, war rund (agol). 5. Weil Or Ejn Sof gleichförmig war, war auch der Zimzum gleichförmig. Das ist die tiefe Bedeutung von Kreis (Igul).

Vor dem Zimzum erfüllte Ejn Sof die gesamte Wirklichkeit

  1. Wisse, dass, (1) bevor die ausgeströmten Wesen ausgeströmt und die Geschöpfe erschaffen wurden, ein (2) Einfaches Höheres Licht (3) die gesamte Wirklichkeit erfüllte. Es gab keinen (4) freien Platz im Aspekt (5) „Leere Luft“ (Awir rejkani) oder (6) „Raum“ (Chalal), und alles (7) war durch das Einfache Or Ejn Sof erfüllt. Es gab (8) keine Eigenschaft von Rosh oder Sof, denn es war (9) alles Eins, Einfaches Licht, (10) völlig gleichförmig, genannt (20) Or Ejn Sof.

Or Pnimi (Inneres Licht)

Bewahre in den Gedanken, dass sich die ganze Weisheit der Kabbala auf spirituelle Tatsachen gründet, die weder Zeit noch Raum berücksichtigen.

Sie dürfen nicht verändert oder weggelassen werden. Alle Veränderungen, die in dieser Weisheit behandelt werden, bedeuten nicht, dass die erste Form verschwindet und durch eine andere ersetzt wird. Die Veränderung beinhaltet vielmehr eine zusätzliche Form, während die erste ihren Platz nicht verlässt; Verschwinden und Veränderungen sind physische Verhaltensweisen.

Dies ist schwierig für den Anfänger, da er Tatsachen wahrnimmt mittels physischer Begrenzungen in Bezug auf Zeit, Raum, Veränderung und Wechsel. Die Autoren jedoch benutzten jene Begriffe nur als Symbole, um auf deren höhere Wurzeln hinzuweisen.

Aus diesem Grund versuche ich, jedem Wort seine spirituelle Identität zu verleihen, unabhängig von Raum, Zeit und Veränderung. Der Leser muss sich an die Bedeutung dieser Begriffe immer erinnern, da es unmöglich ist, sie jedes Mal zu wiederholen.

1) „Bevor die ausgeströmten Wesen ausgeströmt und die Geschöpfe erschaffen wurden“ Der Gegenstand der spirituellen Zeit wird ausführlich in Histaklut Pnimit (Innere Betrachtung), Kapitel 9, Punkt 33 erklärt.

2) „Einfaches Höheres Licht“ Es bezieht sich auf das Licht, welches sich aus dem Wesen (Azmut) des Schöpfers ausdehnt. Wisse, dass alle Namen und Bezeichnungen, die in der Weisheit der Kabbala auftauchen, sich nicht im Geringsten auf das Wesen des Schöpfers beziehen, sondern nur auf das Licht, das aus Seinem Wesen austritt. Wir können kein einziges Wort in Bezug auf Sein Wesen äußern, da die Regel besagt, dass wir nichts von dem, was wir nicht erkennen, benennen können. Erinnere Dich daran und Du wirst nicht scheitern.

3) „Die gesamte Wirklichkeit erfüllte“ Es ist scheinbar verwirrend, da von der Zeit gesprochen wird, bevor die Welten (Olamot) erschaffen wurden. Welche Wirklichkeit existiert hier also, die vom Höheren Licht (Or Eljon) erfüllt werden soll? Alle Welten und Neshamot (Seelen), die existieren und die dazu bestimmt sind, mit all ihren Erlebnissen bis zum Ende der Korrektur erschaffen zu werden, sind bereits in Ejn Sof in voller Größe und Pracht eingeschlossen.

Es gibt also zwei Grundlagen, die wir uns vor Augen halten sollen:

Grundlage 1: Sie sind korrigiert und existieren in ganzer Vollständigkeit und Pracht in Ejn Sof.

Grundlage 2: Wie sie angeordnet sind, herabhängen und sich vor uns erneuern nach dem Zimzum Alef in den fünf Welten: Adam Kadmon, Azilut, Brija, Yezira, Assija.

Rav schreibt, dass das Höhere Licht, welches aus Seinem Wesen austritt „die gesamte Wirklichkeit erfüllte“, das bedeutet die gesamte Wirklichkeit in Bezug auf deren Existenz in Ejn Sof vor dem Zimzum. Er sagt uns, dass das Höhere Licht sie völlig erfüllte, sodass es keinen Platz für eine Korrektur gab, oder etwa Vollkommenheit hätte hinzugefügt werden können.

4) „Freien Platz“ Es heißt, dass bevor die Welten erschaffen wurden, nur Ejn Sof war. Es gab keinen „freien Platz“, keinen Platz des Mangels, der korrigiert werden müsste, da das Höhere Licht alles ausfüllte. Es gab keinen Raum für die Unteren, die sich selbst hätten auslöschen können und keinen Raum, um irgendetwas zu Seiner Vollkommenheit hinzuzufügen. Bedingt durch den Zimzum entstand langsam ein Wunsch und ein freier Platz für die Korrektur. Missverstehe dies aber nicht, denn die Bücher sprechen nicht von einem physischen Platz.

5) „Leere Luft (Awir rejkani)“ Es bezieht sich auch nicht auf ein physisches Aussehen; doch es gibt ein spirituelles Licht, welches so genannt wird. Es gibt zwei Aspekte des Lichts in jedem Parzuf: Or Chochma und Or Chassadim. Or Chochma ist das Wesen (Azmut) des Parzuf, seine Lebenskraft. Or Chassadim fungiert als einkleidendes Licht über dem Or Chochma im Parzuf, da Or Chochma den Parzuf nicht durchdringen kann, wenn es sich nicht zuerst in Or Chassadim einkleidet. Manchmal jedoch, wenn sich die Parzufim in Katnut befinden, haben sie nur Or Chassadim. Das Or Chassadim wird auch als Luft (Awir) oder Ruach bezeichnet. Wenn es ohne Or Chochma ist, nennt man es „leere Luft“, also leer von Or Chochma. Dann wartet es auf Or Chochma, dass es sich in es einkleidet und es erfüllt. Der Rav sagt uns, dass eine leere Luft überhaupt nicht existierte, bevor die Welten in Ejn Sof erschaffen wurden, da es keinen Mangel gab.

6) „Raum (Chalal)“ Um dieses Wort zu verstehen, musst man zuerst das Wesen eines spirituellen Kli kennen. Weil das Geschöpf die Fülle (Shefa) seines Lebens aus dem Schöpfer erhält, folgt daraus notwendigerweise, dass es einen Willen (Razon) und eine Sehnsucht (Hishtokekut) hat und die Fülle von Ihm empfangen will. Wisse, dass die Größe des Willens nach Fülle alles ist, was im Geschöpf existiert. So bezieht sich alles, was im Geschöpf existiert und nicht diese Substanz ist, nicht mehr auf seine Substanz, sondern auf die Fülle, die es vom Schöpfer empfängt. Des Weiteren bestimmt diese Substanz die Größe sowie die Stufe eines jeden Geschöpfes, eines jeden Parzuf und jeder Sefira. Die Ausdehnung (Hitpashtut) des Höheren Lichts (Or Eljon) aus dem Schöpfer ist gewiss unermesslich, doch wird die Fülle durch das Geschöpf begrenzt. Es kann nicht mehr und nicht weniger empfangen, als es der Größe seines Willens zu empfangen entspricht. Dies ist das spirituelle Kriterium, es gibt keinen Zwang; alles hängt vollkommen vom Willen ab.

Aus diesem Grund nennen wir diesen Willen zu empfangen das „Empfangsgefäß“ vom Geschöpf. Es wird als dessen Substanz angesehen und es ist der Grund, warum es aufhörte, der Schöpfer zu sein und in „Geschöpf“ umbenannt wurde. Das Geschöpf wird als Substanz definiert, die nicht im Schöpfer existiert, da es im Schöpfer keinerlei Wille zu empfangen gibt, denn von wem sollte Er empfangen?

Nun werden wir erklären, wieso es vier Stufen innerhalb dieser Substanz gibt, von Katnut (Kleinheit) zu Gadlut (Größe) des Empfangens. Die vierte Stufe, die Gadlut des Empfangens, ist nur in Ejn Sof vollständig, bevor die Welten erschaffen wurden. Sie ist die einzige, die unter dem Zimzum stand, und wir werden fortan klären, dass sie von jeder Fülle, die sie von Ejn Sof hatte, entleert wurde, und schließlich ein leerer Raum verblieb. Das meint der Rav, wenn er sagt, dass, bevor die Welten erschaffen wurden, kein leerer Raum existierte.

7) „War durch das Einfache Or Ejn Sof erfüllt“ Es bedeutet, dass die Unteren nichts Eigenes durch ihre Handlungen hinzufügen können.

8) „Keine Eigenschaft von Rosh oder Sof

Die Begriffe Rosh und Sof werden unten erklärt.

9) „Alles Eins, Einfaches Licht“ Ohne „Klein“ und „Groß“ zu bewerten, ist alles gleichförmig.

10) „Völlig gleichförmig“ Es gibt keine Sakut – Feinheit und Awiut – Grobheit, durch die sich die Zustände definieren. Diese Unterscheidungen entstanden erst durch die Neuheit des Zimzum.

20) „Or Ejn SofWir müssen fragen: weil wir über Ejn Sof keine Erkenntnisse haben, wie sollen wir Ihn dann dem Namen nach erkennen können? Jeder Name zeigt doch auf die Eigenschaft, die wir in ihm erkennen, entsprechend der Definition dieses Namens. Wir können uns nicht damit entschuldigen, indem wir behaupten, dass der Name eher auf eine nicht vorhandene Erkenntnis hinweist, denn dann müssten wir Ihn „Unerkennbar“ nennen.

Der Name weist auf den ganzen Unterschied zwischen Ejn Sof und allen Welten unter ihm hin. Der Zimzum entstand nach Ejn Sof. So beschränkt diese Kraft überall, wo sie entsteht, das Licht – und dies beendet das Leuchten an dieser Stelle.

Daher kommen jegliche Sof und Sium bei jedem Leuchten und in jedem Parzuf allein aus dem Zimzum. Darüber hinaus erneuern sich alle Wesen und deren verschiedene Füllungen in den Welten auf Grund dieser Sof und Sium. Es wird Ejn Sof genannt, weil der Zimzum dort nicht gilt, was bedeutet, dass dort nichts enden kann. Daraus können wir schließen, dass dieses Licht einfach ist und völlig gleichförmig, denn das eine hängt vom anderen ab.

 

Der Grund für die Schöpfung liegt in der Enthüllung Seiner Namen und Bezeichnungen

  1. Und (30) es erhob sich Sein einfacher Wille, die Welten zu erschaffen und die Geschöpfe auszuströmen, um die Vollkommenheit Seiner Taten, Seiner Namen und Bezeichnungen ans Licht zu bringen, was der Grund dafür war, dass die Welten erschaffen wurden.

Or Pnimi (Inneres Licht)

30) „Es erhob sich Sein einfacher Wille“ Wir dürfen uns nicht wundern, wie in Ejn Sof ein Wille existieren kann, der höher als alles andere ist, von dem wir sagen können: „Es erhob sich Sein einfacher Wille.“ Du sollst verstehen, dass es in jedem Geschöpf notwendigerweise den Wunsch gibt, die Fülle vom Schöpfer zu empfangen. In Ejn Sof jedenfalls existiert ein „Einfacher Wille im Geheimnis von „Er und Sein Name sind Eins“, wie es in der „Lehre von Rabbi Elieser“ steht, im Kapitel 1, ebenso wie auch in den Worten von Rav. Das Licht in Ejn Sof heißt „Er“ und der Wille zu empfangen heißt „Sein Name“, und beide bilden im Geheimen eine Einheit und sind nicht voneinander getrennt.

Wir dürfen aber nicht die hier erwähnte Einheit und Trennung mit physischen Begriffen verwechseln, die durch Bewegung, Nähe und Entfernung beeinflusst werden. Die spirituelle Substanz benötigt keinerlei Raum.

Trennung entsteht in der Spiritualität nur durch die Veränderung der Form – Shinui Zura. So hört eine spirituelle Sache auf, eine Einheit zu sein und spaltet sich, wenn sie eine zusätzliche Form bekommt, die nicht der bisherigen gleicht. Die neu entstandenen Einheiten sind entsprechend der Unterschiedlichkeit ihrer Form voneinander entfernt.

Gleich wie körperliche Einheiten durch Nähe und Distanz entweder verbunden oder getrennt sind, genauso verhalten sich spirituelle Einheiten entsprechend dem Unterschied oder der Gleichheit ihrer Form. Die Veränderung der Form trennt sie voneinander und die Gleichheit der Form (Hishtawut haZura) bringt sie zusammen. Erinnere dich an das, denn es ist der Schlüssel zu dieser Weisheit!

Nun wirst du die Bedeutung der bereits erwähnten Worte verstehen „Er und Sein Name sind Eins“ und die einfache Einheit, in der wir uns in Ejn Sof befinden.

Diese Einheit ist das Wunder seiner Allmacht.

Wir wurden Zeuge des Unterschiedes zwischen Schöpfer und Geschöpf, das aus der Form des Willens zu empfangen entstanden ist, die zwar im Geschöpf nicht aber im Schöpfer existiert.

Wegen der Veränderung der Form trennte sich das Geschöpf vom Schöpfer und erhielt einen eigenen Namen: Geschöpf – und nicht Schöpfer.

Diese Erklärung könnte uns in die Irre führen, wenn wir denken, dass Or Ejn Sof, genannt „Er“ nicht vollständig mit Ejn Sof, genannt „Sein Name“, verbunden ist. Das heißt der Wunsch, das Licht und die Fülle zu empfangen, wird auch „Er“ genannt. Das Höhere Licht, welches aus Seinem Wesen (Azmuto) austritt und „Er“ genannt wird, besitzt nur eine einzige Eigenschaft, die Eigenschaft des Gebens, und keine Form des Willens zu empfangen.

Ejn Sof, genannt „Sein Name“, welches einen Willen zu empfangen hat, unterscheidet sich jedenfalls vom Höheren Licht, das kein Willen zu empfangen hat. Dies wurde bereits erklärt und wir wissen auch, dass die Veränderung der Form trennt.

Die „Lehre von Rabbi Elieser“ und Rav erklären uns aber, dass dem nicht so sei.

Stattdessen bedeutet es, dass Er und Sein Name eine Einfache Einheit sind und kein Unterschied zwischen ihnen besteht.

Obwohl ein Unterschied in der Form zwischen „Er“ und „Sein Name“ bestehen muss, ist er hier dennoch völlig unbedeutend. Wir verstehen das nicht, doch es ist unzweifelhaft so. Es heißt darüber, dass in Ejn Sof keine Wahrnehmung und kein Gedanke existieren – es befindet sich jenseits unserer Vorstellungskraft (dies wird im nächsten Kapitel erklärt).

 

                                   Der Zimzum des Lichts um den Mittelpunkt herum

  1. Und dann (40) schränkte sich Ejn Sof (50) in Seinem Mittelpunkt ein, und schränkte jenes Licht ein (60) und entfernte es zu den (70) Rändern rund um den Mittelpunkt.

Or Pnimi (Inneres Licht)

40) „Schränkte sich Ejn Sof ein“ Du kennst bereits die Bedeutung des Geheimnissesvon „Er und Sein Name sind Eins“. Trotzdem gibt es die Veränderung der Form bezogen auf den Willen zu empfangen, welcher sich in Ejn Sof befindet; er schafft jedoch keine Differenzierung zwischen jenem und dem Höheren Licht, und sie befinden sich in einfacher Einheit. Doch diese Veränderung der Form wurde zum Grund und zur Ursache für die Erschaffung der Welten „um die Vollkommenheit Seiner Taten, Seiner Namen und Bezeichnungen ans Licht zu bringen“, wie Rav hier sagt.

Die Erschaffung der Welten und ihr Abstieg zu Olam haSe erschuf und erneuerte die Möglichkeit Raum für Tora und Mizwot zu erschaffen. Nicht um des Empfangens willen, sondern um des Wunsches willen, dem Schöpfer Zufriedenheit zu schenken.

Dann werden die Neshamot fähig werden, die Form des „Willens zu empfangen“ in die Form des „Willens, dem Schöpfer Zufriedenheit zu geben“ zu verwandeln, da das erstere sie vom Schöpfer trennt. Denn das wünscht der Schöpfer (siehe Punkt 90). Das ist die Gleichheit der Form mit dem Schöpfer, auch Dwekut (Anhaftung) oder Einheit genannt. Dann haben sie die Form des „Willens zu empfangen“ abgelegt und die Form des „Willens zu geben“ angenommen, die die Form des Schöpfers ist.

Du weißt schon, dass die Gleichheit der Form das Spirituelle vereint. Daher kommen die Welten zu ihrem vormaligen Zustand zurück.

Das ist die Bedeutung von Ravs Worten „als sich Sein einfacher Wille zu erschaffen erhob usw.“

„Er erhob sich“ bedeutet, dass er die Reinigung und Dwekut verstärkte, indem er die Größe des Willens zu empfangen, der in ihm abgedruckt ist, verkleinerte, um die Form mit Hilfe des Höheren Lichts anzugleichen.

Der Wille zu empfangen in Ejn Sof, genannt Malchut de Ejn Sof oder „Sein Name“, hatte auf Grund seiner Veränderung der Form keinerlei Mangel an Anhaftung, Dwekut, an das Höhere Licht, Or Eljon. Er schmückte sich noch, um seine Form dem Höheren Licht anzugleichen und dem riesigen Willen zu empfangen, genannt Bchina Dalet, zu entkommen, um mehr an das Höhere Licht angehaftet zu sein.

Die Nähe der Form erbaut die Dwekut. Es drückt sich aus in den Worten „Er erhob sich“, was bedeutet, dass Malchut de Ejn Sof, welche auch ein einfacher Willen ist, sich erhob und sich durch das Verkleinern ihres Willens zu empfangen an das Höhere Licht anhaftete.

Das bedeuten auch Ravs Worte: Ejn Sof begrenzte sich selbst.“ Es wurde bereits oben erklärt (Punkt 6), dass das ganze Ausmaß Seiner Fülle und Seines Lichts und die Höhe des Geschöpfes sich durch die Größe seines Willens zu empfangen ausdrücken.

Da sich Malchut de Ejn Sof einschränkte und ihren Willen zu empfangen verminderte, verschwanden das Licht und die Fülle auf Grund der Verminderung des Willens. Das ist die Bedeutung des Zimzum. Die Erhebung des Willens verursachte das Verschwinden der Fülle und des Lichts.

50) „In Seinem Mittelpunkt“ Es ist erstaunlich, denn wo kann eine Mitte sein, wenn weder Rosh noch Sof existieren? Aber haben wir es hier mit etwas Physischem zu tun? Es wurde bereits erläutert, dass es notwendigerweise auch in Ejn Sof einen Willen zu empfangen geben muss. Es ist ein einfacher Willen, ohne ihn mit „groß oder klein“ zu bewerten, da der Wille zu empfangen dort nicht als eine Veränderung der Form angesehen wird, welche alle Trennungen bewirkt.

Er ist jedenfalls nicht niederer als das Höhere Licht.

Man muss wissen, dass das Höhere Licht sich über vier Stufen ausbreiten muss, bevor es den Willen zu empfangen in seiner vollen und beständigen Größe im Geschöpf enthüllt. Der Grund dafür liegt darin, dass der Wille zu empfangen verkörpert ist in der Ausdehnung des Lichts aus der Wurzel. Dadurch scheint es so, als hätte das Licht den Schöpfer verlassen und einen eigenen Namen erhalten: Ausdehnung vom Schöpfer.

Solange diese Veränderung der Form des Willens zu empfangen darin nicht verkörpert war, wurde sie noch immer als Schöpfer angesehen und nicht als eine Ausdehnung, welche verschwand und sich vom Schöpfer entfernte. Der einzige Unterschied in der Spiritualität besteht in der Veränderung der Form (siehe Punkt 6 und Histaklut Pnimit).

Je mehr dieser Willen durch die Kraft des Geschöpfes abgeschirmt wurde, war er im Geschöpf noch nicht beständig. Das heißt, dass das Geschöpf es erst verdienen muss, die Fülle zu empfangen, bevor erwogen werden kann, dass der Wille zu empfangen durch die Kraft des Geschöpfes selbst erscheint.

Diese Sehnsucht kann nur durch die Abwesenheit der Fülle entstehen, denn nur dann ist es möglich, es so zu wollen, dass der Wille zu empfangen durch seine eigene Kraft enthüllt wird. Dann sind die Empfangsgefäße beständig gefüllt.

Man muss auch wissen, dass jede Ausdehnung des Lichts aus dem Schöpfer auch den Willen zu geben beinhalten muss, gleich wie den Willen zu empfangen.

Andernfalls sind Schöpfer und Geschöpf gegensätzlich in der Form, also völlig voneinander getrennt. Die Gegensätzlichkeit der Form würde sie voneinander entfernen, so wie West und Ost voneinander entfernt sind. So muss jedes Licht, das aus dem Schöpfer ausströmt, auch den Willen zu geben beinhalten, damit das Geschöpf sich der Form des Schöpfers annähert. Wenn der Wille zu geben im Geschöpf erscheint, verbindet er sich bzw. erwacht in ihm ein großes Licht aus dem Schöpfer. Dieses Licht wird überall Or Chassadim genannt.

Die erste Ausdehnung – Hitpashtut Alef aus dem Schöpfer, in welche der Wille zu empfangen eingeprägt ist, wird immer als Or Chochma bezeichnet oder Or de Azmut. Erinnere Dich an diese zwei Arten des Lichts.

Das zweite Licht, Or Chassadim, ist niedriger als das erste Licht, Or Chochma. Weil es durch eine Überwindung, Hitgabrut, und durch das Erwachen des Geschöpfes durch die eigene Kraft vergrößert wird, da es die Gleichheit der Form mit dem Schöpfer erreichen will. Daher intensiviert es sich selbst und erwacht in Richtung des Willens zu geben. Die erste Ausdehnung, Hitpashtut Alef, also das Or Chochma, setzt sich direkt aus dem Schöpfer fort und das Geschöpf hat keinen Anteil an der Ausdehnung. Daher ist es weit höher als das andere.

Daher wird das Or Chochma auch als Azmut und Chajut (Vitalität, Lebenskraft) des Geschöpfes betrachtet. Das Or Chassadim wird nur als das Licht der Korrektur erachtet, um das Geschöpf zu vervollständigen.

Nun wirst du die vier Bchinot und Grade, die im ganzen Geschöpf bestehen, verstehen. Zunächst tritt das Licht aus dem Schöpfer als Or Chochma aus und enthält nur den Willen zu empfangen. Das ist die erste Phase – Bchina Alef.

Dann intensiviert sich der Wille zu geben in diesem Licht und es dehnt sich zum Or Chassadim aus. Diese Überwindung, Hitgabrut, wird als zweite Phase, Bchina Bet, verstanden. Dann dehnt sich dieses Or Chassadim enorm aus (das wird unten noch erklärt) und das ist die dritte Phase – Bchina Gimel.

Nachdem die oberen drei Bchinot vollständig erschienen sind, erwacht wiederum die Kraft des Willens zu empfangen, die in die erste Ausdehnung, Hitpashtut Alef, eingeprägt ist, und zieht noch einmal das Or Chochma an. Dies vollendet den beständigen Willen zu empfangen im Parzuf, welcher sich auch als Sehnsucht offenbart. Denn es gab kein Or Chochma im Parzuf sondern nur Or Chassadim nach Bchina Gimel. Das Geschöpf konnte sich nach Or Chochma sehnen.

Durch diese Sehnsucht wird der Wille zu empfangen bestimmt und die Empfangsgefäße vervollständigt, welche in der ersten Ausdehnung, Hitpashtut Alef, abwesend waren.

Daher sind die Empfangsgefäße nur in Bchina Dalet vollständig, dies wird auch die zweite Überwindung, Hitgabrut Bet, genannt.

Nachdem Bchina Dalet in Ejn Sof vollendet wurde, entstand ein Zimzum. Das bedeutet, dass der Wille zu empfangen vollständig aus Bchina Dalet verschwunden ist und dadurch auch das Verschwinden des Or Ejn Sof bewirkt.

Dies ergänzt die Erklärungen der vier Bchinot, die in jedem Geschöpf existieren. Bchina Alef wird auch die erste Ausdehnung, Hitpashtut Alef, oder Chochma genannt. Bchina Bet heißt die erste Überwindung, Hitgabrut Alef, oder Bina. Bchina Gimel nennt man die zweite Ausdehnung, Hitpashtut Bet, oder Seir Anpin. Bchina Dalet heißt die zweite Überwindung, Hitgabrut Bet, oder Malchut.

Diese beiden Ausdehnungen werden als männlich angesehen, da sie die Fülle sind, die aus Schöpfer austritt. Die erste Ausdehnung, Hitpashtut Alef, ist die Fülle des Or Chochma, und die zweite Ausdehnung, Hitpashtut Bet, ist die Fülle des Or Chassadim.

Die beiden Überwindungen werden als weiblich angesehen, da sie ein Erwachen des Geschöpfes sind und die Intensivierung des Willens durch die eigene Kraft.

Die erste Überwindung, Hitgabrut Alef, ist das Erwachen des Willens zu geben im Geschöpf. Sie wird zur Wurzel für das Or Chassadim und die zweite Überwindung, Hitgabrut Bet, ist das Erwachen des Willens zu empfangen im Geschöpf, welches zum Empfangsgefäß des Parzuf wird. Es wird auch immer als Bchina Dalet bezeichnet.

Bchina Dalet nennt man auch „Mittelpunkt“ in Ejn Sof. Darauf verweist Rav: „zog sich in seinem Mittelpunkt zusammen“.

Er heißt so, da er ein Empfangsgefäß für das Or Ejn Sof ist, welches unermesslich und grenzenlos ist.

Er ist wie ein Punkt im Inneren und in der Mitte jenes Lichtes – und das Licht umkreist ihn und haftet sich an ihn an und umgibt ihn ohne alles Maß. Nur so kann er das Höhere Licht unendlich und ohne Maß festhalten. Nach dem Zimzum und unterhalb, also in den unteren Geschöpfen, befinden sich in den Empfangsgefäßen Gefäße, die ihr Licht in ihrer Innerlichkeit – Pnimiut und im Inneren – Toch zurückhalten. Das heißt, dass die Mauern der Kelim, welche die vier Bchinot sind, eine Grenze und ein Maß am Licht innerhalb ihrer selbst anbringen – wegen ihrer Awiut.

In Ejn Sof jedenfalls befinden sich Licht und Kli in einfacher Einheit, das heißt Er und Sein Name sind Eins (siehe Punkt 30), das Kli begrenzt das Licht nicht, welches es beinhaltet. So wird das Licht als Ejn Sof betrachtet.

Jetzt haben wir das Thema des Mittelpunktes in Ejn Sof erläutert. Wir haben gezeigt, dass es sich nicht um einen physischen und berührbaren Ort handelt, sondern um Bchina Dalet, welche in Ejn Sof eingeprägt ist. Sie wird so genannt, um ihre einfache Einheit mit dem Höheren Licht auszudrücken. Auch der Zimzum dieses Mittelpunkts wurde oben bereits erklärt (siehe Punkt 40).

60) „Und entfernte es“ Der Begriff „Spirituelle Entfernung“ wurde auch schon im Punkt 30 erklärt, und auch dass keine Entfernung zwischen Ejn Sof und diesem Mittelpunkt, also Licht und Kli, besteht.

Jedenfalls, nachdem es das Licht des Mittelpunktes begrenzte, enthüllte es die Veränderung der Form, die aus dem Licht kommt. Deswegen, weil das Licht keinen Willen zu empfangen besitzt; bei dem Punkt jedoch handelt es sich um einen Willen zu empfangen, welcher sich vom Licht unterscheidet. Da sich deren Form unterscheidet, sind sie soweit voneinander entfernt, wie ein Unterschied zwischen ihnen besteht. Das meint Rav mit „und entfernte es…usw.“.

70) Rändern rund um den Mittelpunkt Die oben genannten vier Bchinot werden auch „vier Seiten“ genannt. Der Rav sagt uns, dass obwohl sich der Zimzum nur im Mittelpunkt, also Bchina Dalet ereignete, das Licht doch aus allen vier Bchinot verschwand. Es gibt im Spirituellen nichts Teilweises, daher verschwand es auch aus den anderen drei Bchinot.

 

                 Der Raum, der nach dem Zimzum übrigblieb, war rund (agol).

  1. Dann blieb übrig: (80) ein freier Platz, und Luft – Awir, und ein leerer Raum (Chalal panui) um den realen Mittelpunkt herum. Und siehe, (90) dieser Zimzum lag gleichförmig um den leeren Mittelpunkt herum, so dass dieser Platz des Raumes auf allen seinen Seiten (100) rund (agol) war, völlig gleichförmig. Er hatte nicht die Form eines Vierecks (Meruba), eines lotrechten Winkels, da Ejn Sof sich eben im Aspekt „Kreis“ (Igul) zusammenzog, gleichförmig von allen Seiten.

Or Pnimi (Inneres Licht)

80) „Ein freier Platz, und Luft (Awir)“ Wurde bereits im Punkt 4 und 5 erklärt.

90) „Dieser Zimzum lag gleichförmig um den leeren Mittelpunkt herum“ Ohne eine Bewertung von „groß“ und „klein“. Wir sollten uns darüber nicht wundern, da die Veränderung der Form im Mittelpunkt bereits beim Verschwinden des Lichts dargelegt wurde. In der Folge werden kleinere Ausmaße notwendigerweise ebenfalls erkannt, eines kleiner als das andere.

So ist z. B. die Bchina Gimel reiner als der Mittelpunkt, da die Größe ihres Willens zu empfangen geringer ist als in der Bchina Dalet. Ähnlich ist Bchina Bet reiner als Bchina Gimel, da die Größe ihres Willens zu empfangen geringer ist als in Bchina Gimel. Bchina Alef ist die reinste von allen, da sie den kleinsten Willen zu empfangen hat – und ihre Veränderung der Form ist am geringsten ersichtlich.

So haben wir eine Unterscheidung zwischen „groß“ und „klein“ in den Stufen. Warum behauptet Rav, der Zimzum befände sich nur um den Mittelpunkt herum? Weil der Zimzum den Mittelpunkt nicht in Ejn Sof verwandelte. Andersherum: Wenn das Licht wegen der Veränderung der Form den Punkt verlässt, wird er sicherlich zu einem Sof werden, und somit zu einer untersten Stufe.

Dann würden wir die drei vorigen Bchinot auch als wichtiger ansehen als den Mittelpunkt, so wie eine über der anderen. Doch so war es nicht, weil der Zimzum wegen der Veränderung der Form nicht in diesem Punkt auftrat. Das kann nicht sein, da wir es noch immer mit Malchut de Ejn Sof zu tun haben, in der es keine Veränderung der Form zwischen ihr und dem Licht gibt; sie sind beide in einfacher Einheit, das heißt Er und Sein Name sind Eins.

Der Zimzum geschah nur, weil Sein einfacher Wille es wünschte, die Welten zu erschaffen usw. (siehe Punkt 40). Er wollte diese Gleichheit der Form, welche dazu bestimmt war, durch die Erschaffung der Welten, also der Form des Empfangens um zu geben, dem Erschaffer Freude zu schenken.

Es liegt eine große Tugend darin; einerseits ist es ein völliges Geben, weil der Wille nur darin besteht, dem Erschaffer Freude zu schenken und nicht dem eigenen „Selbst“. Das macht die Form völlig dem Höheren Licht des Schöpfers gleich und lässt sie an Ihn anhaften.

Andererseits ist es möglich, die Empfangsgefäße zu vertiefen und ins Unermessliche und Ewige zu vergrößern. Und das, weil nun die Form des Empfangens keinerlei Veränderung der Form produziert, da sie ja aus dem Inneren des Willens zu geben entspringt.

Unsere Weisen erklärten dies mit einem wichtigen Mann: wenn sie das Brautgeld gibt und er sagt „Damit bist du mir angeheiligt“, dann ist sie geweiht. Es steht in der Tora geschrieben: „Und gab es in ihre Hand.“  Das bedeutet, dass es der Ehemann ist, der das Brautgeld gibt. Weil er aber wichtig ist, ist die Freude, die ihr durch ihn zuteilwird, so wichtig wie das Gegebene. Ein wichtiger Mann, der Geld von ihr erhält, das gleicht dem, wie wenn er ihr Geld gibt. Weiter steht geschrieben „Und gab ihr in die Hand“, weil er nur empfängt, um die Frau zufrieden zu stellen, um sie durch sein Empfangen zu ehren.

Wir lernen aus dem oben Gesagten, dass der Hauptgrund für den Zimzum der Wunsch nach einer neuen Form des Empfangens um zu geben war, welcher bei der Erschaffung der Welten erschien (siehe Punkt 40). Dies alles geschah nicht wegen jener Awiut, die er im Mittelpunkt spürte, denn es gab dort weder Awiut noch Veränderungen. Daher wurde aus dem Mittelpunkt kein Sof gemacht – wegen des Zimzum. So ist es auch schwierig, zwischen einer unbedeutenden und einer bedeutungsvollen Sache zu unterscheiden. Daher schreibt der Rav, dass der Zimzum völlig gleichförmig war.

100) „Rund (agol) war, völlig gleichförmig“ Erklärung: Ein Bild ist auf Grund des Zimzum entstanden, aber er war gleichförmig (wie oben bereits gut erklärt wurde) und entstand nicht durch die Veränderung der Form. Aber nach dem Zimzum und dem Austritt des Lichtes aus dem Mittelpunkt, wurde offenbar, dass das Höhere Licht nicht würdig war, um angehaftet zu sein, wegen seiner Form der Größe des Empfangens. Und weil dies offenbar wurde, fiel er von seiner Stufe in Ejn Sof und wurde nun als Sof angesehen, das heißt als die niedrigste mögliche Awiut. Nur der Mittelpunkt blieb als leerer Raum zurück, unwürdig das Licht (siehe Punkt 6) einzukleiden. Die drei vorigen Bchinot konnten noch durch Tugend und Reinheit das Licht einkleiden, selbst nach dem Zimzum.

Wir haben oben erklärt (vorheriger Punkt), dass er aus dem oben genannten Grund nicht zu einem Sof wurde. Das ist so wie der Rav präzisiert und sagt, dass „dieser Platz des Raumes auf allen seinen Seiten rund (agol) war“. Er wollte damit ausdrücken, dass es sich nicht um einen eigentlichen Sof handelt, sondern es ist Ejn Sof in einem runden Bild, dessen Sof sich in der Mitte befindet.

Man kann diese vier Bchinot mit vier ineinander liegenden Kreisen vergleichen, ähnlich wie Zwiebelhäute. Der zentrale Kreis (Igul) ist Bchina Dalet, umgeben von Bchina Gimel, Bet, und Alef. So gibt es kein oben oder unten, kein rechts oder links.

So befindet sich zum Beispiel Bchina Alef, mit der ersten Hälfte umgebend über allen, und mit der zweiten Hälfte umgebend unter allen. Das gilt für alle Bchinot. So gibt es kein oben oder unten, kein rechts oder links. Sie unterscheiden sich nicht in ihrer Wertigkeit und sind alle gleich.

Es wurde bereits erklärt, dass der Grund für den Zimzum nicht die Veränderung der Form war. Das ist es, wenn der Rav präzisiert, dass „dieser Platz des Raumes auf allen seinen Seiten rund (agol) war, völlig gleichförmig“.

 

          Weil Or Ejn Sof gleichförmig war, war es der Zimzum auch. Das ist die Bedeutung des Kreises (Igul).

5) Weil Or Ejn Sof völlig gleichförmig war, musste es sich auch auf allen Seiten gleichermaßen zusammenziehen und nicht auf einer Seite mehr als auf der anderen. Aus der Weisheit der Geometrie wissen wir, dass es nichts Vollkommeneres gibt als die (200) Form des Kreises (Igul). Das ist aber nicht der Fall bei der (300) Form eines Vierecks (Meruba) mit einem ausladenden lotrechten Winkel, bei der (400) Form des Dreiecks(Meshulash) und allen anderen Bildern. Daher muss der Zimzum die Form eines Kreises haben.

Or Pnimi (Inneres Licht)

200) „Form des Kreises“ Wurde bereits im vorigen Punkt erklärt.

300) „Form eines Vierecks“ Wenn es eine Unterscheidung zwischen oben und unten, rechts und links gäbe, würde das Bild eines Vierecks (Meruba) auftauchen, welches vier Seiten aufweist (die vier Namen der Bchinot).

Doch dem ist nicht so, sondern es ist die Form eines Kreises, welche keine Unterschiede aufweist.

400) „Form des Dreiecks“ Das deutet auf eine Stufe, die nur drei Bchinot hat, Bchina Dalet fehlt – das bedeutet drei Seiten: oben, rechts und links. Es fehlt die untere Seite, daher der Name Dreieck (Meshulash).

 

Kapitel 2

Erklärt, wie Or Ejn Sof ein Kav zu den Welten ausgedehnt hat, die am Platz des Raumes – Chalal entstanden waren. Es hat 5 Punkte:

  1. Ein Kav dehnte sich von Ejn Sof zum Raum (Chalal) aus. 2. Der Beginn des Kav berührt Ejn Sof, aber nicht sein Sium (Ende). 3. Durch diesen Kav dehnt sich Or Ejn Sof zu den Welten aus. 4. Alle Welten befinden am Platz jenes Raumes, welcher eingeschränkt wurde. 5. Vor dem Zimzum waren „Er und Sein Name Eins“, und nichts von allem kann Ihn erfassen.

 

                              Ein Kav dehnte sich von Ejn Sof zum Raum (Chalal)aus.

  1. Nach dem Zimzum (1) verblieb der Ort eines Raums (Chalal) und leere Luft (Awir) in der Mitte dieses Or Ejn Sof. Dann gab es einen Ort für die Neezalim, die Niwraim, die Yezurim und die Naasim. Dann (2) dehnte sich eine gerade Linie, Kav Yashar, vom Or Ejn Sof aus, (3) von seinem Runden Licht (Or Agol) (4) von oben nach unten, und hing in diesen Raum hinein.

[Anmerk. d. Übersetzers: Neezalim (abgeleitet von Azilut), Niwraim (abgeleitet von Brija), Yezurim (abgeleitet von Yezira) und Naasim (abgeleitet von Assija) werden in Deutsch allesamt mit „Geschöpfe“ übersetzt]

 

Or Pnimi (Inneres Licht)

1) „Verblieb der Ort eines Raums Chalal und leere Luft (Awir) in der Mitte dieses Or Ejn Sof Denke nicht, dass der Zimzum des Lichtes im Mittelpunkt irgendwelche Veränderungen in Ejn Sof bewirkt hätte. Es gibt keine Veränderungen oder Mangel in der Spiritualität, geschweige denn an einem so erhabenen Ort. Der oben genannte Zimzum wurde als neue Essenz zu Ejn Sof hinzugefügt. So verblieb Ejn Sof in einfacher Einheit wie vor dem Zimzum – gemäß: Er und Sein Name sind Eins.

Der Zimzum im Mittelpunkt wird als Entstehung einer neuen Welt angesehen, aus der das Licht verschwand und den Ort eines leeren Raumes zurückließ – wie wir es oben erklärten. Und in diesem Ort des Raumes, emanierten alle Welten.

2) „Dehnte sich eine gerade Linie, Kav Yashar, vom Or Ejn Sof aus“ Wir müssen diese Handlung nicht in ihrer oberflächlichen Bedeutung erkennen, wie eine menschliche Handlung, wo jemand eine Sache tut und dann eine andere, wobei die erste bereits beendet ist. Es gibt keine größere Formwerdung als diese, denn Er verändert sich nicht.

Es steht geschrieben: Ich, der Ewige, verändere Mich nicht. Wir sprechen nicht über Sein Wesen (Azmut), sondern nur über das Licht, das aus Ihm austritt. Da es keinerlei Veränderung, Störung oder Bewegung in Seinem Wesen gibt und Er sich in völliger und absoluter Ruhe befindet, muss auch das Licht so sein, das aus Ihm austritt – solange es nicht das Geschöpf erreicht, das heißt solange es sich nicht in die Kelim einkleidet.

Erst dann verlässt es Sein Wesen und wird zu einem Geschöpf, welches erneuert wird und von Ihm empfängt. Wir haben bereits erklärt, dass diese Erneuerung sich hauptsächlich um das Kli des Geschöpfes dreht, das heißt um den Willen zu empfangen des Geschöpfes. Obwohl dieser Wille spirituell ist, handelt es sich trotzdem um eine Erneuerung der Form und eine Störung, da er in Seinem Wesen nicht notwendig war.

Das Licht, das sich einkleidet, wurde nicht erneuert, da es aus Seinem Wesen austritt, als Existenz aus Existenz. Die Aktivierung des Höheren Lichts entspricht der Eigenschaft des Kli. Das heißt, so wie das Kli von dem Höheren Licht beeindruckt ist, so empfängt es eine Erneuerung, was notwendigerweise einem „Zufall“ gleicht.

Man muss wissen, dass alle Neuerungen und Verknüpfungen der Stufen nur den Einfluss auf das Kli und seinen Empfang des Lichts betreffen. Denn nur das kann sich verändern und vergrößern. Das Licht selbst aber bleibt immer in völliger Ruhe, da es aus Seinem Wesen austritt. Verstehe das gut und erinnere Dich an jedes einzelne Wort, solange Du diese Weisheit studierst.

Du kannst jetzt erkennen, dass das Höhere Licht keinen Moment lang aufhört, für die Geschöpfe zu scheinen. Es erneuert sich nicht, sondern befindet sich in absoluter Ruhe. Das Thema des Zimzum und der behandelte Austritt des Lichtes beziehen sich nur auf den Einfluss auf das Kli und sein Empfangen, das heißt auf den Mittelpunkt.

Mit anderen Worten, obwohl das Höhere Licht nicht aufhörte zu scheinen, empfing das Kli kein Leuchten. Das Kli verringerte seinen Willen zu empfangen, um nicht in seiner Bchina Dalet zu empfangen, welche sein Mittelpunkt ist. Nur in seinen drei vorausgehenden Stufen empfängt es, deren Wille zu empfangen erst zart ausgeprägt ist und deren Wille zu geben dominiert. Auf diese Weise wurde das Höhere Licht nicht durch den Zimzum berührt und veränderte sich nicht. So wie es in Ejn Sof leuchtete, so leuchtet es während und nach dem Zimzum und in allen Welten, selbst in der Welt Assija. Es hörte nicht einmal für den kleinsten Moment auf zu scheinen, doch die Kelim verändern sich, weil sie nur entsprechend ihrer Eigenschaft empfangen können. Also entsprechend ihrem Willen zu empfangen.

Jetzt kannst du verstehen, was Rav mit den Worten meint: „Dann dehnte sich eine Linie (Kav) vom Or Ejn Sof aus.” Es bedeutet, dass der Ort des Raumes selbst, nachdem sich das Kli des Or Ejn Sof entledigt hatte, die Ausdehnung der Kav aus Ejn Sof erzeugte, und zwar auf Grund der Verminderung, welche sich in seinem Willen zu empfangen erneuert hatte. Das Ausmaß seines derzeitigen Empfangens, nach dem Zimzum seiner Stufe Dalet, nennt man Kav. Das bedeutet, dass es mit seinem vorherigen Empfangen in Bchina Dalet zusammenhängt, das den ganzen Ort ausfüllte. Doch nun hat sie keinen großen Willen zu empfangen mehr, sondern nur noch die vorigen drei Bchinot des Willens, deren Wille zu empfangen schwach ausgeprägt sind. Es sieht so aus, als würde dieses Kli nicht mehr das Or Ejn Sof empfangen, sondern nur mehr ein Kav des Lichts.

Der ganze Ort des Kli bleibt leer und ungefüllt vom Licht, weil das winzige Licht, das es empfängt, nun nicht mehr ausreicht, den ganzen Ort des Kli zu erfüllen. Dies geschah auf Grund des Willens der Bchina Dalet, welche es verkleinert hatte. Wir erkennen, dass das Höhere Licht durch den Zimzum nicht beendet wurde. Es hat sich auch nicht verändert, indem es als eine Linie aus dem Licht austrat. Diese ganze Veränderung geschah wegen der Empfangsgefäße, die sich verkleinerten und dadurch unfähig wurden, das Or Ejn Sof zu empfangen. Sie erhalten nur mehr ein wenig Licht, genannt Kav (Linie), entsprechend dem Ausmaß ihres Willens. Sie wollen nicht mehr als es diesem Ausmaß entspricht – und verstehe dies gut.

3) „Von seinem Runden Licht (Or Agol)“ Wir haben bereits die Bedeutung der Form „rund“ (agol) erklärt (Kap.1, Punkt 100). Er sagt uns, dass selbst nach dem Zimzum das Höhere Licht die Form eines Kreises (Igul) behielt. Das heißt ohne Unterscheidung der Stufen. Seine vier Stufen sind (dort) nicht völlig gleichwertig, weil das Höhere Licht sich nicht verändert und nicht gestört werden kann. Diese oben genannten Ereignisse der Erneuerung stehen nur in Bezug zu den Kelim.

4) „Von oben nach unten“ Vergiss nicht, dass wir nicht über physische Begriffe sprechen. Je feiner (sach), dann wird es als„höher“ bezeichnet, je gröber (aw), dann wird es als „niederer“ bezeichnet. Alles, was als Ausdehnung des Lichts aus dem Schöpfer wahrgenommen wird, sowie sein Eintritt in das Geschöpf wird primär als Erneuerung der Veränderung der Form angesehen. Sie existiert in dem Geschöpf. Mit anderen Worten bezieht man sich auf den Willen zu empfangen, der im Schöpfer nicht existiert und sich in ihm erneuerte. Deswegen erscheinen die Geschöpfe weit entfernt, grob (aw), niedrig und unterhalb des Schöpfers. Dies geschieht wegen der Veränderung der Form gegenüber dem Schöpfer, welche ihn davon abtrennt, Schöpfer zu sein und Geschöpf sein lässt. Du solltest auch wissen, dass diese Veränderung der Form, namentlich des Willens zu empfangen, nicht plötzlich auftaucht, sondern langsam, über die vier Bchinot. Ihre Form ist nur in der Bchina Dalet vollkommen.

Daher wird klar, dass die ganze Form seines Willens zu empfangen sehr zart ist. Die Bchina Alef der vier Bchinot wird als die dem Schöpfer am nächsten gelegene angesehen, wichtiger, reiner und höher, weil ihre Veränderung der Form nicht so groß ist wie in den drei folgenden Bchinot.

Bchina Bet, deren Wille größer ist als der von Bchina Alef, wird als weiter entfernt vom Schöpfer angesehen, grober, niedriger und tatsächlich unterhalb der ersten Bchina liegend.

Bchina Dalet ist schließlich die am weitesten entfernte vom Schöpfer und sie liegt unter allen anderen.

Daher schreibt Rav, dass der Kav sich von oben nach unten ausdehnt, das heißt von der ersten Bchina zur vierten (und nicht den ganzen Weg), welche die unterste ist. Der Bereich von „oben und unten” wurde durch das Erscheinen des Kav neu geschaffen. Bevor der Kav ausgestrahlt wurde, also während des Zimzum, gab es kein „oben oder unten” (siehe Kap.1, Punkt 100).

Nachdem das Licht nur mehr als Kav empfangen wurde, nicht mehr in allen vier Bchinot, sondern nur in den ersten drei, verblieb Bchina Dalet dunkel und ohne Licht. Erst jetzt ist bekannt, dass Bchina Dalet niedrig ist, wenig Aw hat, und unten liegt. Die vorangehenden drei Bchinot liegen über ihr, entsprechend ihrer Reinheit und Nähe zum Schöpfer. Während des Zimzum, als das Licht alle vier Bchinot verließ, gab es noch keine Unterscheidung zwischen den Bchinot.

 

                  Der Beginn des Kav berührt Ejn Sof, aber nicht sein Sium (Ende).

  1. Der (5) obere Beginn des Kav dehnte sich direkt von Ejn Sof selbst aus und (6) berührte es, obwohl das Ende dieses Kav (7) unten an seinem Sium das Or Ejn Sof nicht berührt.

 

Or Pnimi (Inneres Licht)

5) „Der obere Beginn des Kav dehnte sich direkt von Ejn Sof selbst aus“ Das bedeutet die erste Bchina der vier Bchinot (siehe obiges Thema).

6) „Berührte es“ Bchina Alef, der obere Beginn, liegt am nächsten zu Ejn Sof und zum Schöpfer. Daher heißt es, sie berührt Ihn, weil die Veränderung der Form in der Bchina nicht ausreichend sichtbar ist, um sich vom Schöpfer zu trennen.

7) „Unten an seinem Sium bedeutet Bchina Dalet, die am weitesten entfernte von allen. Sie empfängt kein Höheres Licht und es scheint daher, als berühre sie Ejn Sof nicht und sei von ihm getrennt.

 

Durch diesen Kav dehnt sich Or Ejn Sof zu den Welten aus.

  1. Und durch diesen Kav dehnt und breitet sich Or Ejn Sof nach unten aus.

 

Alle Welten befinden sich am Platz jenes Raumes, welcher eingeschränkt wurde.

  1. Und am Ort jenes Raumes (8) emanierte und erschuf und formte und machte Er alle Welten.

Or Pnimi (Inneres Licht)

8) „Emanierte und erschuf und formte und machte Er alle Welten“ Er beinhaltet die vier Welten: Azilut, Brija, Yezira, Assija, welche alle inneren unzählbaren Welten beinhalten. Diese vier Welten treten aus den vier Bchinot aus: Azilut aus Bchina Alef, Brija aus Bchina Bet; Yezira aus Bchina Gimel und Assija aus Bchina Dalet.

 

  Vor dem Zimzum waren „Er und Sein Name Eins“, und nichts von allem kann Ihn erfassen.

  1. Vor diesen (9) vier Welten, war Ejn Sof, (10) „Er ist Eins und Sein Name ist Eins“, in wunderbarer und verhüllter Einheit, gesegnet sei Er. (20) Nicht einmal die Engel, die Ihm nahe sind, haben die Macht und die Erkenntnis von Ejn Sof, gesegnet sei Er, denn es gibt keinen einzigen erschaffenen Verstand, der Ihn erfassen könnte. (30) Denn Er hat keinen Ort, keine Grenzen und keinen Namen.

Or Pnimi (Inneres Licht)

9) „Vor diesen vier Welten“ Genannt Azilut, Brija, Yezira und Assija, welche alle Welten beinhalten. Davor, also vor dem Zimzum, lagen die vier Bchinot eine über der anderen als einfache Einheit (siehe Kap. 2, Punkt 4). „Einfache Einheit“ bedeutet, dass es keine Unterscheidungen der Stufen oder des Kli und des Lichts gab, denn „Er und Sein Name ist Eins“ (siehe Kap. 1, Punkt 30).

10) „Er ist Eins und Sein Name ist Eins“ „Er” bedeutet das Höhere Licht. „Sein Name” bedeutet den Willen zu empfangen, der dort notwendigerweise sein muss. „Sein Name“ ist in der Gematria gleich wie „Wille“, was auf den Willen zu empfangen deutet.

20) „Nicht einmal die Engel, die Ihm nahe sind“ Das bedeutet, dass nun, nach der Erschaffung der Welten, selbst die Engel, welche spirituell die am nahe stehendsten sind, keine Erkenntnis von Ejn Sof haben.

30) „Denn Er hat keinen Ort, keine Grenzen und keinen Namen“ Da in Ejn Sof „Er und Sein Name Eins“ ist, und da dort kein Ort und kein sichtbares Kli sind, kann kein Geschöpf Ihn erkennen, denn es gibt kein Erkennen ohne ein Kli.

Histaklut Pnimit (Innere Betrachtung)

Zuerst muss man wissen, dass, wenn die Rede von spirituellen Begriffen ist, sie unabhängig von Zeit, Ort und Bewegung sind, und überdies, wenn wir vom Göttlichen sprechen, wir keine Worte haben, um diese Begriffe auszudrücken und darüber nachzusinnen, weil unser ganzer Wortschatz den Empfindungen unserer eingebildeten Sinne entnommen ist. Und wie können sie uns dort dienen, wo weder Sinne noch Vorstellungsvermögen herrschen?

Sogar wenn wir zum Beispiel das feinste Wort unserer Welt nehmen„Licht“, so ähnelt es [in unserer Vorstellung] dem Licht der Sonne oder einem gefühlvollen Licht der Befriedigung. Also, wie kann man dann mit ihnen [spirituelle] Göttliche Angelegenheiten ausdrücken? Sie werden mit Sicherheit versagen, dem Studierenden irgendetwas Wahres zu vermitteln.

Und schon gar nicht, wenn diese Worte das einem Buch zugrundeliegende Gedankengut der Weisheit enthüllen sollen, wie das bei jeder Forschungstätigkeit im Bereich der Wissenschaft üblich ist. Wenn ein einziges Wort fehlerhaft interpretiert wird, wird der Studierende unweigerlich in die Irre geführt und die ganze Angelegenheit wird für ihn weder Hand noch Fuß haben.

Aus diesem Grund wählten die Kabbalisten für ihre Wissenschaft eine besondere Sprache, die man als Sprache der Zweige bezeichnen kann. In dieser Welt gibt es kein Wesen bzw. keine Lenkung eines Wesens, dessen Wurzel nicht in der Höheren Welt anfangen würde. Darüber hinaus liegt der Beginn jedes Seins unserer Welt in der Höheren Welt und steigt dann allmählich in unsere Welt herab.

Daher fanden die Kabbalisten mühelos eine passende Sprache, mit deren Hilfe sie ihre Erkenntnisse einander mündlich und schriftlich von Generation zu Generation überliefern konnten. Denn sie bedienten sich der Namen von Zweigen in unserer Welt, und jeder Name ist so selbsterklärend, als würde er mit einem Finger auf die eigene Höhere Wurzel zeigen, die sich im System der Höheren Welten befindet.

Und schenke dem besondere Aufmerksamkeit, weil du in den kabbalistischen Büchern oftmals merkwürdige Ausdrücke antreffen wirst, die manchmal dem menschlichen Geist fremd sind. Denn nachdem sie diese Sprache der Zweige auserwählten, um alles mit ihrer Hilfe auszudrücken, konnten sie keinen einzigen Zweig ungenutzt lassen, auch nicht aufgrund seines niederen Grades. Sie konnten es nicht vermeiden, ihn im Ausdruck des gewünschten Konzepts zu nutzen, da es keinen anderen Zweig in unserer Welt gibt, den man anstatt des ausgelassenen verwenden könnte.

So, wie zwei Haare sich niemals aus einer einzigen Haarwurzel ernähren, haben wir auch keine zwei Zweige, die zu derselben Wurzel zurückführen. Es ist auch unvorstellbar, jenes Objekt in der Weisheit, welches sich auf den minderwertigen Ausdruck bezieht, auszulöschen. Mehr als das, solch ein Verlust würde Schaden bringen und eine große Verwirrung auf dem gesamten Gebiet der Wissenschaft nach sich ziehen, denn es gibt keine andere Wissenschaft in unserer Welt, in welcher Begriffe so sehr miteinander verflochten sindin Form von Ursache und Wirkung, Verursacher und Ergebniswie in der Wissenschaft der Kabbala, in welcher Begriffe von Anfang bis zum Ende wechselseitig verbunden und voneinander abhängig sind, wie eine lange Kette.

Und daher besteht hier keinerlei Wahlfreiheit, indem man schlechte Ausdrücke durch bessere ersetzt. Man muss immer genau den Zweig anführen, der mit dem Finger auf seine Höhere Wurzel verweist, und so lange ausführlich behandeln, bis man eine passende Definition findet, die dann allen interessierten Lesern verständlich ist.

Doch diejenigen, deren Augen sich noch nicht für das Höhere Licht geöffnet haben und die noch nicht über dieses Wissen von den Verbindungen der Zweige dieser Welt zu ihren Wurzeln in den Höheren Welten verfügen, sind wie Blinde, die eine Wand abtasten. Sie werden den wahren Sinn keines einzigen Wortes erkennen – denn jedes Wort ist ein Name des Zweiges, welcher sich auf die Wurzel bezieht –, außer wenn sie die Erklärungen aus dem Munde eines authentischen Weisen empfangen, der die Begriffe in unserer Alltagssprache erläutert. Dies gleicht dem Übersetzen von einer Sprache in eine andere, nämlich von der Sprache der Zweige in die Alltagssprache. Dann wird er in der Lage sein, den spirituellen Begriff, so wie er ist, zu erklären.

Und ich habe mich in dieser meiner Analyse bemüht, die zehn Sefirot so zu erklären, wie es der göttliche Weise ARI (Rabbi Izchak Luria) uns lehrtein Entsprechung ihrer spirituellen Reinheit und frei von jeglichen greifbaren Begriffen. Daher kann jeder Anfänger das Studium dieser Wissenschaft antreten, ohne Misserfolg in materieller Form oder einen Fehler zu erleiden. Das Verständnis dieser zehn Sefirot ermöglicht einem, auch die anderen Themen dieser Wissenschaft zu untersuchen und zu verstehen.

 

Kapitel Eins

„Wisse, bevor die Emanationen emanierten und die Geschöpfe erschaffen wurden, gab es nur das Einfache Höhere Licht, welches die ganze Wirklichkeit ausfüllte“ (Rabbi Izchak Luria, Baum des Lebens, Shaar 1, Heichal 1). Diese Worte erfordern eine Erklärung: Wie konnte das Einfache Licht die Wirklichkeit ausfüllen, bevor die Welten noch überhaupt erschaffen waren? Und auch das Thema der Erscheinung des Willens zur Einschränkung, um dadurch „die Vollkommenheit Seiner Taten zu offenbaren“. Aus dem, was im Buche steht, kann geschlossen werden, dass es dort bereits irgendeinen Mangel gab.

Und auch die Frage nach dem mittleren Punkt, „der in Ihm ist“, in dem die Einschränkung stattfanddas ist sehr eigenartig, denn er sagte bereits, dass es dort weder Anfang noch Ende gebe, und wenn dem so ist, wie kann es dann eine Mitte geben? Tatsächlich sind diese Worte tiefer als das Meer, und daher muss ich sie ausführlich erklären.

In der gesamten Wirklichkeit gibt es nichts, was nicht in Ejn Sof existieren würde. In unserer Welt widersprüchliche Begriffe sind in Ihm beinhaltet, in Form von Eins, Einzig und Vereint.

1) Wisse, dass es kein Wesen in unserer Welt gibt – weder in dem, was wir mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen, noch in dem, was wir mittels unseres Verstandes erkennen –, was nicht im Schöpfer selbst existieren und sich dort befinden würde. Denn alles kommt von Ihm. Kann etwa einer etwas geben, was nicht in Ihm enthalten ist?

Doch es ist notwendig, jene Begriffe, die in unserem Verständnis getrennt oder sogar entgegengesetzt sind, zu verstehen. So wie sich zum Beispiel der Begriff „Wissenschaft“ vom Begriff „Süße“ unterscheidet, denn Wissenschaft und Süße sind zwei gesonderte Begriffe. Der Begriff „Handelnder“ unterscheidet sich natürlich vom Begriff „Handlung“, denn der Handelnde und seine Handlung sind notwendigerweise zwei gesonderte Begriffe. Umso mehr ist das bei gegensätzlichen Begriffen wie „Süße“ und „Bitterkeit“; diese werden sicherlich gesondert untersucht.

Doch im Schöpfer befinden sich Wissenschaft und Genuss, Süße und Bitterkeit, Handelnder und Handlung und alle übrigen sich unterscheidenden und gegensätzlichen Eigenschaften und Formensie alle sind wie eins, eingeschlossen und vereint in Seinem Einfachen Licht, ohne jegliche Trennungen und Unterscheidungen zwischen ihnen, wie im Ausdruck „Eins, Einzig, und Vereint“.

„Eins“ deutet darauf, dass Er in vollkommener Gleichheit ist. „Einzig“ verweist auf das, was von Ihm ausgeht, dass nämlich die ganze Vielfalt der Formen in Ihm eins ist, wie Sein Wesen. „Vereint“ verweist darauf, dass Er zwar eine Menge an Handlungen ausführt, aber all das von einer einzigen Kraft ausgeht, und sie alle kehren auch wieder zurück und vereinen sich in der Form des Einzigen. Tatsächlich verschlingt diese einzige Form alle Formen, die in Seinen Handlungen erscheinen.

Und das sind sehr feine Begriffe, und nicht jeder Verstand kann das begreifen. Rabbi Moshe Ben Nachman (RAMBAN) erklärt[1] den Begriff Seiner Einheit in Form von „Eins, Einzig, Vereint“. Es gibt einen Unterschied zwischen „Eins“, „Einzig“ und „Vereint“:

  • Wenn Er sich vereinigt, um in einer Kraft zu handeln, so heißt Er „Vereint“.
  • Wenn Er sich aufteilt, um seine Handlungen auszuführen, wird jeder Teil von Ihm als „Einzig“ bezeichnet.
  • Und wenn Er in einer Gleichheit ist, heißt Er „Eins“.

Erklärung: „Vereinigt, um in Einer Kraft zu handeln“ bedeutet, dass Er handelt, um Genuss zu schenken, wie das Seiner Einheit entspricht, und es gibt keine Veränderungen in Seinen Handlungen. „Wenn Er sich aufteilt, um seine Handlungen auszuführen“, das heißt, wenn sich Seine Handlungen voneinander unterscheiden und Er so erscheint, als würde Er Gutes und Böses tun, dann wird Er als „Einzig“ bezeichnet, da es in allen Seinen unterschiedlichen Handlungen ein einziges Ergebnis gibtnämlich Genuss zu schenken.

Und wir finden vor, dass Er in allen Taten einzig ist und sich nicht durch die unterschiedlichen Handlungen verändert. Wenn Er in vollkommener Gleichheit ist, dann heißt Er „Eins“, das heißt, „Eins“ verweist auf Sein Wesen (Azmuto), dass in Ihm alle Gegensätze in vollkommener Gleichheit sind. Und wie RAMBAM (Rabbi Moses Ben Maimon) schreibt: „In Ihm sind der Wissende, das Wissen und die Wissenschaft eins, denn sehr erhaben sind Seine Gedanken über unseren Gedanken und Seine Wege über unseren Wegen.

                  Zwei Aspekte des Gebens: vor dem Empfangen und nach dem Empfangen

2) Und lerne am Beispiel von denen, die Manna aßen. Manna wird als „Brot vom Himmel“ bezeichnet, weil es sich nicht materialisierte, als es sich in diese Welt kleidete. Unsere Weisen sagten, dass jeder alles darin schmeckte, was er schmecken wollte.

Das bedeutet, dass es gegensätzliche Formen in sich hatte: Der eine fühlte darin süßen Geschmack und der andere scharfen und bitteren Geschmack. Deshalb waren im Manna selbst natürlich beide Gegensätze gemeinsam enthalten, denn kann man etwas geben, was man gar nicht hat? Und wenn dem so ist, wie kann es dann zwei Gegensätze in einem Objekt geben?

Daher müssen wir unbedingt zugeben, dass es einfach und frei von beiden Geschmäckern ist, und nur auf solch eine Weise aus ihnen besteht, dass der materielle Empfänger für sich denjenigen Geschmack aussondern kann, den er will. Und genau auf diese Art und Weise sollst du jeden spirituellen Begriff verstehen: Er ist an sich einzig und einfach, aber er beinhaltet die ganze Vielfalt der Formen, die in der Welt existieren. Doch sobald er zum materiellen und beschränkten Empfänger gelangt, unterscheidet der Empfänger darin nur eine einzige Form aus der ganzen Vielfalt von Formen, die in diesem spirituellen Objekt vereint sind.

Und daher sollte man in Seinem Geben von Oben immer zwei Aspekte unterscheiden:

  1. Die Form des Wesens der Höheren Fülle, bevor sie empfangen wird, wenn sie noch Einfaches und Allgemeines Licht ist.
  2. Nachdem die Fülle empfangen wurde, erlangte sie eine gesonderte Form gemäß den Eigenschaften des Empfängers.

                Wie kann man verstehen, dass die Seele ein Teil der Göttlichkeit ist?

3) Nun werden wir verstehen, was die Kabbalisten über das Wesen der Seele schreiben: „Die Seele ist ein Teil Gottes, von Oben eingegeben, und es gibt in ihr keinerlei Veränderungen gegenüber dem Ganzen, außer, dass die Seele ein Teil und nicht das Ganze ist.“ Sie gleicht einem Stein, der von einem Berg abgehauen wird: Das Wesen des Steins und das Wesen des Berges ist das Gleiche, und es gibt keinen Unterschied zwischen dem Stein und dem Berg, außer dass der Stein nur ein Teil des Bergs ist und der Berg das Ganze.

Diese Worte scheinen äußerst verwirrend zu sein. Am schwierigsten ist zu verstehen, wie man den Begriff der „Abspaltung eines Teils von der Gottheit“ erklären kann, die einem vom Berg abgeschlagenen Stein gleicht. Einen Stein schlägt man mittels einer Axt und eines Hammers vom Berg ab. Doch von der Gottheit wie und womit kann man das eine vom anderen abtrennen?

Das Spirituelle wird kraft der Veränderung der Form geteilt, wie das Materielle durch eine Axt geteilt wird.

4) Und bevor wir uns daran machen, die Sache zu klären, sollten wir das Wesen der Trennung erläutern, die in der Spiritualität wirkt: Wisse, dass spirituelle Objekte nur kraft der Veränderung der Eigenschaften voneinander getrennt werden. Das heißt, wenn ein spirituelles Objekt zwei Eigenschaften erlangt, dann ist es nicht mehr ein Objekt, sondern zwei.

Zeigen wir das am Beispiel der Seelen der Menschen, die ebenfalls spirituell sind. Das spirituelle Gesetz ist bekannt und seine Form ist sehr einfach. Es gibt genauso viele Seelen wie es Körper gibt, und die Seelen leuchten darin. Doch infolge der Unterscheidung der Eigenschaften in jeder von ihnen sind sie getrennt, wie die Weisen lehrten: „So wie ihre Gesichter nicht gleich sind, so sind auch ihre Meinungen nicht gleich.“ Und mithilfe des Körpers ist es möglich, die Formen der Seelen zu unterscheiden, ob jede einzelne Seele eine gute Seele oder eine schlechte Seele ist, ähnlich der Wahrnehmung unterschiedlicher Formen.

Und wir sehen, dass so, wie materielle Objekte durch eine Axt geteilt, abgeschlagen und abgetrennt werden und ihre Bewegung die Entfernung eines Teils vom anderen vergrößert, auch spirituelle Objekte aufgrund des Unterschieds der Eigenschaften zwischen den Teilen geteilt, abgespalten und abgetrennt werden. Auf der Größe ihrer Veränderung basiert das Maß der Entfernung zwischen den Teilen.

            Wie kann es im Geschöpf einen Unterschied der Form gegenüber Ejn Sof geben?

5) Doch noch wurde das nur in unserer Welt festgestellt, und zwar in den Seelen (Nefashot) der Menschen. Jedoch bezüglich der Seele (Neshama), welche einen Teil Gottes von Oben darstellt, haben wir noch nicht geklärt, auf welche Weise sie sich von der Göttlichkeit so weit loslöst, dass man sie als einen „Göttlichen Teil“ bezeichnen kann. Und man darf nicht sagen „durch einen Unterschied der Form“denn wir haben bereits geklärt, dass die Göttlichkeit Einfaches Licht ist, welches die ganze Vielfalt der Formen enthält, einschließlich der gegensätzlichen Formen, die es in der Welt in einfacher Einheit gibt, in Form von „Eins, Einzig und Vereint“. Wie können wir demzufolge den Unterschied der Form in der Seele schildern, sodass sie beginnt, sich von der Göttlichkeit zu unterscheiden, und sich infolgedessen abspalten und als Teil des Schöpfers bezeichnet werden würde?

Tatsächlich zeigt sich diese Schwierigkeit am stärksten im Licht von Ejn Sof vor dem Zimzum (Einschränkung), da die ganze Wirklichkeit, die vor uns liegt, alle Welten – die Höheren und die unteren zusammen – in zwei Formen wahrgenommen werden:

  1. Die erste ist die Form dieser ganzen Wirklichkeit, so wie sie vor dem Zimzum ist, wo alles noch ohne Grenzen und ohne Ende war, und diese Form wird als das „Licht von Ejn Sof“ bezeichnet.
  2. Die zweite Form ist die Form dieser ganzen Wirklichkeit ab dem Zimzum und weiter nach unten, wo bereits alles Grenzen und Maße hat. Diese Unterscheidung wird als die vier Welten bezeichnet: Azilut, Brija, Yezira und Assija.

Und wisse, dass es keinen Gedanken und keine Erkenntnis vom Wesen des Schöpfers gibt und es in Ihm keinerlei Namen und Bezeichnungen gibt. Wenn wir etwas nicht erfassen, wie können wir es dann mit einem Namen bezeichnen? Denn jeder Name deutet auf eine Erkenntnis hin, die anzeigt, dass wir sie als diesen Namen erfasst haben.

Daher gibt es natürlich im Wesen des Schöpfers keinerlei Namen und Bezeichnungen. Alle Namen und Bezeichnungen existieren nur in Seinem Licht, welches sich vom Schöpfer ausbreitet. Die Verbreitung Seines Lichts vor dem Zimzum, als es die ganze Wirklichkeit ohne Grenzen und ohne Ende erfüllte, wird Ejn Sof genannt. Demgemäß muss man verstehen, wodurch das Licht von Ejn Sof definiert wird und in welcher Hinsicht es aus Seinem Wesen so weit austritt, dass man es mit einem Namen bestimmen kann, wie wir das weiter oben bei der Seele erörterten.

Klärung der Worte [der Weisen]: „Daher wurden uns die Arbeit und die Bemühungen als Belohnung für die Seele vorbereitet, da ‚jemand, der isst, was nicht sein Eigen ist, sich fürchtet, dem Geber ins Gesicht zu schauen.‘“

6) Um diese erhabene Stelle zumindest ansatzweise zu verstehen, müssen wir tiefer ins Detail gehen. Wir sollten die Achse dieser ganzen Wirklichkeit, die vor uns liegt, und ihren allgemeinen Zweck untersuchen. Gibt es jemanden, der ziellos handeln würde? Und worin besteht dieses Ziel, aufgrund dessen der Schöpfer diese ganze vor uns liegende Wirklichkeit in den Höheren und in den unteren Welten erschuf?

Doch die Weisen verwiesen uns bereits an vielen Stellen darauf, dass alle Welten zusammen nur für Israel erschaffen wurden, welches die Tora und die Mizwot erfüllt. Dabei muss man die Frage der Weisen verstehen: „Wenn die Absicht der Erschaffung der Welten darin besteht, den Geschöpfen Genuss zu schenken, wozu sollte dann der Schöpfer diese materielle Welt erschaffen, die hässlich und voller Leiden ist? Denn natürlich hätte Er auch ohne diese den Seelen so viel Genuss schenken können, wie Er wollte. Warum bringt Er nun die Seele in diesen so hässlichen und dreckigen Körper?“

Und darauf antworteten sie, dass „jemand, der isst, was nicht sein Eigen ist, sich fürchtet, dem Geber ins Gesicht zu schauen.“ Das bedeutet, dass es in jeder unverdienten Belohnung einen Makel gibtnämlich die Scham vor dem Geber. Damit die Seelen (Neshamot) diesen Makel vermeiden, erschuf Er diese Welt, in welcher es Arbeit gibt. Man genießt erst, nachdem man Anstrengungen unternommen hat, denn man bekommt seinen Lohn im Tausch für die unternommenen Bemühungen, und so retten sie sich dadurch vor dem Makel der Scham.

Welche Beziehung besteht zwischen der Arbeit im Laufe von 70 Jahren und dem ewigen Genuss, da es kein größeres kostenloses Geschenk als dieses gibt?

7) Diese Worte der Weisen sind durch und durch sehr verwirrend. Unser hauptsächliches Streben und Gebet ist: „Errette uns von einem kostenlosen Geschenk.“ Und die Weisen sagten, dass dieser Schatz in Form eines kostenlosen Geschenkes nur für die größten Seelen (Neshamot) in der Welt bereitet sei.

Und noch verwirrender ist ihre Erklärung: An kostenlosen Geschenken ist ein großer Mangel, nämlich die Scham vor dem Geber, die bei jedem entsteht, der ein unverdientes, kostenloses Geschenk bekommt. Zur Korrektur dieses Defekts hat der Schöpfer für uns diese Welt vorbereitet, in welcher es Mühe und Arbeit gibt, damit wir dann in der Kommenden Welt unseren Lohn bekommen, die Belohnung im Austausch für unsere Bemühungen und Anstrengungen.

Doch ihre Erklärung ist wirklich seltsam. Wem gleicht das? Das gleicht einem Menschen, der zu seinem Freund sagt: „Arbeite für mich einen kurzen Augenblick, und als Gegenleistung dafür werde ich dir alle Genüsse der Welt und die Befriedigung von Leidenschaften für den Rest deines Lebens geben.“ Denn es gibt kein größeres Geschenk als dieses, denn die Belohnung steht in keinem Verhältnis zur eingesetzten Arbeit, da die Arbeit in dieser vergänglichen Welt ausgeführt wird, die gegenüber der Belohnung und den Genüssen der ewigen Welt keinerlei Wert hat.

Und welchen Wert hat die vergängliche Welt, verglichen mit der ewigen Welt? Umso mehr gilt dies für die Qualität der Anstrengung, die, verglichen mit der Qualität der Belohnung, absolut keinen Wert besitzt.

Unsere Weisen sagen: „Der Schöpfer bestimmte, jedem Gerechten 310 Welten zu vermachen.“ Man kann jedoch nicht sagen, dass der Schöpfer einen Teil der Belohnung im Gegenzug für die unternommenen Anstrengungen gibt und dann den restlichen Teil als kostenloses Geschenk; denn wenn dem so wäre, was haben dann die Weisen durch ihre Korrekturen geschafft? Der Makel der Scham vor dem Geber würde so im restlichen Teil des Geschenkes bleiben. Man soll ihre Worte jedoch nicht wörtlich verstehen, da es hier einen tieferen Sinn gibt.

Durch einen Gedanken wurde die ganze Wirklichkeit ausgeströmt und erschaffen. Dieser Gedanke ist der Wirkende, er ist die eigentliche Handlung, er ist die erwartete Belohnung, und er ist das Wesen aller Bemühungen.

8) Man muss den Plan des Schöpfers bei der Erschaffung der Welten und der sich vor uns befindlichen Wirklichkeit verstehen. Denn Seine Handlungen kamen nicht durch viele Gedanken, wie es uns eigen ist, hervor, weil Er „Eins, Einzig und Vereint“ ist. Und so, wie Er einfach ist, sind auch die Lichter, die von Ihm ausgehen – einfach und vereint, ohne jegliche Vielfalt an Formen, so wie es geschrieben steht: „Eure Gedanken sind nicht Meine Gedanken und eure Wege sind nicht Meine Wege.“

Und daher vertiefe dich gedanklich darin und verstehe, dass alle Namen und Bezeichnungen sowie alle Welten, die Höheren wie die niederen, Ein einfaches Licht darstellen, einzig und vereint. Im Schöpfer selbst sind sowohl das ausströmende Licht als auch der Gedanke, die Handlung und der Handelnde sowie alles, was das Herz nur erdenken und sich vorstellen kann; all das ist in Ihm ein und dieselbe Sache.

Dementsprechend urteile und erkenne, dass durch einen einzigen Gedanken die gesamte Wirklichkeit erschaffen wurde, die Höhere und untere zusammen, bis hin zur allgemeinen Endkorrektur. Dieser einzige Gedanke bewirkt alle Handlungen; er ist das Wesen aller Handlungen, das absolute Ziel, und er ist das Wesen der Anstrengungen. Und er ist die ganze Wirklichkeit, die ganze Vollkommenheit und die erwartete Belohnung, so wie RAMBAM oben schrieb: „Eins, Einzig und Vereint.“

Das Thema des Zimzum erklärt, wie von einem vollkommenen Handelnden eine unvollkommene Handlung hervorgeht.

9)  Der ARI (Rabbi Izchak Luria) hat in den ersten Kapiteln dieses Buches ausführlich den Begriff von Zimzum Alef (erste Einschränkung) erörtert, denn dieser Begriff stellt ein sehr tiefgehendes Thema dar. Sowohl alle Unkorrigiertheiten als auch diverse Mängel gehen vom Schöpfer aus und kommen von Ihm, so wie es geschrieben steht: „[…] formt das Licht und erschafft die Dunkelheit.“ Jedoch sind alle Unkorrigiertheiten und die Finsternis vollkommene Gegensätze zum Schöpferwie können sie dann aber von Ihm ausgehen? Und auf welche Weise kommen sie gemeinsam mit dem Licht und den Genüssen innerhalb des Schöpfungsgedankens vor?

Man darf jedoch nicht sagen, dass es sich um zwei voneinander getrennte Gedanken handelt. Also, wie resultiert dann das alles aus dem Schöpfer und gelangt letztendlich bis in unsere Welt hinab, die voller Schmutz, Leid und Hässlichkeit ist, und wie können sie nebeneinander existieren in einem einzigen Gedanken?

 

Kapitel Zwei

                                     Erklärung des Schöpfungsgedankens

10) Nun kommen wir zur Erläuterung des Schöpfungsgedankens selbst. Zweifellos „verbirgt sich das Ende der Handlung in dem ursprünglichen Gedanken.“ Denn sogar ein materieller Mensch, der vielerlei Gedanken hatauch bei ihm resultiert das Ende der Handlung aus dem ursprünglichen Gedanken. Wenn er sich zum Beispiel mit dem Bau eines Hauses beschäftigt, dann wird sein erster Gedanke darin bestehen, die Form des Hauses festzulegen, in dem er leben möchte.

Viele vorangehende Gedanken und Handlungen sind erforderlich bis zum Abschluss jener Form, an die er bereits von Anfang an gedacht hatte. Diese endgültige Form beinhaltet letztendlich alle seine vorhergehenden Handlungen. Wir erkennen somit, dass das Ende der Handlung bereits im ursprünglichen Gedanken enthalten war.

Und das Ende der Handlung selbst ist die Achse und das Ziel, für welches alles erschaffen wurde, um Seinen Geschöpfen Genuss zu schenken. Und es ist bekannt, dass der Gedanke des Schöpfers sofort vollendet wird und unmittelbar wirkt, denn Er ist kein Mensch, der Hilfsmittel und Instrumente für seine Handlung braucht; bei Ihm schließt allein der Gedanke sofort und unmittelbar die ganze Handlung ab.

Somit ist klar, dass sich allein im Wunsch des Schöpfers, den Geschöpfen mit Seiner Schöpfung Genuss zu schenken, dieses Licht sofort von Ihm aus in allen von Ihm ins Auge gefassten Arten und Größen von Genüssen, welche er bedacht hat, verbreitet. All das ist in diesem Gedanken eingeschlossen, und wir bezeichnen ihn als „Schöpfungsgedanken“. Dieser Schöpfungsgedanke wird als „das Licht von Ejn Sof“ bezeichnet, denn im Wesen des Schöpfers (Azmuto) selbst haben wir kein einziges Wort und keinen Begriff, um Ihn mit irgendeinem Namen festzumachen.

Kraft des Willens zu geben im Schöpfer entsteht unbedingt der Wille zu empfangen im Geschöpf, und das ist das Kli, in welchem das Geschöpf Seine Fülle empfängt.

11) ARI hat bereits eingangs erläutert, dass zu Beginn das Einfache Licht von Ejn Sof die ganze Wirklichkeit erfüllte. Das bedeutet: Da der Schöpfer gedachte, den Geschöpfen Genuss zu schenken, sich das Licht von Ihm ausbreitete und das Licht sozusagen aus Ihm heraustrat, so war auch in diesem Licht unmittelbar der Wunsch abgedruckt, Seinen Genuss zu empfangen.

Man soll auch in Betracht ziehen, dass dieser Wunsch das ganze Ausmaß des Lichts beinhaltet, das sich ausbreitet. Das heißt, das Maß Seines Lichts und der Fülle entspricht dem Maß Seines Willens, Genuss zu schenken, nicht mehr und nicht weniger.

Daher bezeichnen wir das Wesen des Willens zu empfangen, welcher kraft Seines Gedankens in dieses Licht abgedruckt wurde, mit dem Namen „Platz“. Wenn wir zum Beispiel sagen, dass ein Mensch Platz hat, um als Mittagessen ein Kilogramm Brot zu verzehren, und ein anderer nicht mehr als ein halbes Kilo Brot essen kann, von welchem Platz ist dann die Rede? Bestimmt nicht von der Größe ihrer Mägen, sondern nur von der Größe des Strebens und des Wunsches zu essen. Wir sehen, dass das Maß des Platzes für den Empfang von Brot vom Maße des Wunsches und des Strebens nach dem Essen abhängt.

Umso mehr gilt das im Spirituellen, wo der Wille, Genuss zu empfangen, auch der Platz für den Genuss ist, und der Genuss nach dem Maß des Willens selbst gemessen wird.

Der Wille zu empfangen, der im Schöpfungsgedanken enthalten war, trat aus Seinem Wesen aus, um den Namen von Ejn Sof anzunehmen.

12) Und das gibt uns die Möglichkeit zu verstehen, wie das Licht von Ejn Sof aus dem Wesen des Schöpfers austrat, in dem es keinerlei Worte und Begriffe gibt, und mit dem Namen Or (Licht von) Ejn Sof bezeichnet wird. Basierend auf dieser Unterscheidung ist in diesem Licht somit der Wille eingeschlossen, von Seinem Wesen zu empfangen.

Das ist eine neue Form, die keinesfalls in Seinem Wesen (Azmuto) beinhaltet ist, denn von wem kann Er empfangen? Diese Form ist somit das komplette Ausmaß dieses Lichts.

Vor dem Zimzum war im Willen zu empfangen kein Unterschied der Form erkennbar.

13) Doch infolge Seiner Allmacht wurde diese neue Form noch nicht als eine Veränderung Seines Lichts definiert, wie es heißt, dass „vor der Erschaffung der Welt Er und Sein Name eins waren“.

„Er“ verweist auf das Licht, das in Ejn Sof ist, und „Sein Name“ verweist auf den „Platz“, welcher Malchut de (von) Ejn Sof ist, das heißt der Wille, vom Wesen des Schöpfers zu empfangen, der im Licht von Ejn Sof eingeschlossen ist.

Und er erklärt uns, dass Er und Sein Name eins sind, wobei Sein Name Malchut von Ejn Sof ist, also der Wille – genauer gesagt, der Wille zu empfangen, der in die ganze Realität eingetaucht wurde, die bereits im Schöpfungsgedanken eingeschlossen war. Vor dem Zimzum ist in Ihm weder ein Unterschied der Form noch eine Ungleichheit des in Ihm selbst befindlichen Lichts feststellbar. Das Licht und der Platz sind eins, und wenn es dort irgendeinen Unterschied und Mangel im Platz im Vergleich zum Licht von Ejn Sof gäbe, dann wären das natürlich zwei Wahrnehmungen.

Zimzum bedeutet, dass Malchut de Ejn Sof ihren Willen zu empfangen verkleinerteund das Licht verschwand, da es ohne Licht kein Kli gibt.

14) Und der Zimzum besteht darin, dass der Wille zu empfangen, der im Licht von Ejn Sof beinhaltet ist und als Malchut de Ejn Sof bezeichnet wirdalso der Schöpfungsgedanke in Ejn Sof, welcher die ganze Wirklichkeit in sich einschließt, sich schmückte, um aufzusteigen und seine Form vollkommen dem Wesen des Schöpfers anzugleichen. Daher verkleinerte Malchut ihren Willen, Seine Fülle zu empfangen, in Bchina Dalet des Willens. Ihre Absicht war, dass dadurch alle Welten emanieren und erschaffen würden, bis hin zu dieser Welt.

Dadurch würde sie die Form des Willens zu empfangen korrigieren und zur Form des Gebens zurückkehren und somit zur Übereinstimmung der Form mit dem Schöpfer gelangen. Nachdem sie ihren Willen zu empfangen verkleinerte, verschwand das Licht von dort unverzüglich, da das Licht vom Willen abhängt und der Wille den Platz für das Licht darstellt. Denn in der Spiritualität gibt es keinen Zwang.

 

Kapitel Drei

Erklärung des Ursprungs der Seele (Neshama)

15) Nun wollen wir den Ursprung der Seele erläutern. Es heißt, dass sie ein Teil des Schöpfers von Oben ist. Es stellt sich die Frage, „wie und worin sich die Form der Seele vom Einfachen Licht so sehr unterscheidet, dass sie dadurch vom Ganzendem Schöpferabgetrennt wurde“. Und nun ist klar, dass in ihr tatsächlich eine große Veränderung der Form stattfand, weil der Schöpfer zwar alle Formen enthält, die man sich nur vorstellen kann; aber nach all dem oben Gesagten ist klar, dass es eine Form gibt, die nicht in Ihm enthalten ist, nämlich die Form des Willens zu empfangen, denn von wem sollte Er empfangen?

Was aber die Seelen angeht, deren Erschaffung auf dem Wunsch des Schöpfers basiert, ihnen Genuss zu schenken, was auch der Schöpfungsgedanke ist, so gilt in ihnen natürlich dieses Gesetz: Genuss empfangen zu wollen und danach zu streben. Darin unterscheiden sie sich vom Schöpfer, weil sich ihre Form im Vergleich zu Seiner verändert hat. Wir haben bereits geklärt, dass materielle Wesen mittels der Kraft der Bewegung und der Ortsveränderung getrennt und voneinander entfernt werden. Und spirituelle Wesen werden mittels der Veränderung der Form voneinander getrennt und entfernt.

Das Ausmaß der Veränderung der Form bestimmt das Ausmaß ihrer Entfernung voneinander. Wenn der Unterschied der Form eine vollkommene Gegensätzlichkeit annimmt, von einem Extrem bis zum anderen, dann findet eine vollkommene Loslösung und eine gänzliche Absonderung statt, und zwar so weit, dass sie gar nicht mehr fähig sind, voneinander zu empfangen, da sie einander fremd sind.

 

Kapitel Vier

Nach dem Zimzum und der Entstehung eines Massach (Schirms) über dem Willen zu empfangen, hört dieser Wille auf, ein Kli (Gefäß) für den Empfang zu sein, und tritt aus dem System von Kedusha (Heiligkeit) aus. Stattdessen wird Or Choser (Reflektiertes Licht) als Kli für den Empfang genutzt, und das Kli des Willens zu empfangen wird dem System der Tuma (Unreinheit) übergeben

16) Nach dem Zimzum und der Platzierung des Massach auf diesem Kli, welches als der „Wille zu empfangen“ bezeichnet wird, wird es für null und nichtig erklärt, trennt sich und tritt aus dem ganzen System der Heiligkeit aus, und an seiner Stelle wird das Or Choser zu einem Gefäß für den Empfang.

Und wisse, dass darin der ganze Unterschied zwischen ABYA de Kedusha (Heiligkeit) und ABYA de Tuma (Unreinheit) besteht, denn das Kli für den Empfang in ABYA de Kedusha ist das Or Choser, welches in Übereinstimmung der Form mit Ejn Sof korrigiert ist. Und ABYA de Tuma benutzen den eingeschränkten Willen zu empfangen, wobei das eine Form ist, die Ejn Sof entgegengesetzt ist. Und dadurch sind sie vom „Leben des Lebens“, also von Ejn Sof, abgetrennt und entfernt.   

Der Mensch ernährt sich von den Überresten der Klipot (Schalen) und benutzt dadurch wie sie den Willen zu empfangen.

17) Und daraus sollst du die Wurzel aller Verdorbenheiten verstehen, die sich sofort in den Schöpfungsgedanken gemischt haben, welcher darin liegt, den Geschöpfen Genuss zu schenken. Nach der vollständigen Entwicklung der fünf allgemeinen Welten – Adam Kadmon und ABYA – und der Offenbarung der Klipot auch in den vier Welten ABYA de Tuma, in Form von „das eine gegenüber dem anderen erschuf der Schöpfer“, haben wir nun einen hässlichen materiellen Körper vor uns, von dem es heißt, dass die Neigungen des menschlichen Herzens von Kleinkindalter an böse sind.

Vom Kleinkindalter an besteht seine ganze Nahrung aus den Überresten der Klipot. Das ganze Wesen der Klipot und Tuma (Unreinheit) ist ihre Form des Willens, nur [für sich] zu empfangen, und es gibt nichts vom Willen zu geben in ihnen.

Dadurch sind sie dem Schöpfer entgegengesetzt, denn es gibt in Ihm nicht das Geringste vom Willen zu empfangen, und Sein ganzer Wunsch besteht nur darin zu geben und Genuss zu schenken. Daher werden die Klipot als „tot“ bezeichnet, da sie wegen der Gegensätzlichkeit der Eigenschaften zum Leben des Lebens von Ihm getrennt sind und es in ihnen nichts vom Licht des Schöpfers gibt.

Und deswegen ist auch der Körper, der sich von den Resten der Klipot ernährt, ebenfalls vom Leben abgesondert, und er ist voller Schmutz. Und all das ist die Folge des Willens nur zu empfangen und nicht zu geben, der ihm eigen ist. Denn sein Wille ist ständig bereit, die ganze Welt zu bekommen und sie gänzlich zu verschlucken. Aus diesem Grunde werden „Bösewichte zu Lebzeiten als ‚tot’ bezeichnet“, da sie infolge der Veränderung ihrer Form bis hin zur Gegensätzlichkeit zu ihrer Wurzelweil es in ihnen nichts von den Eigenschaften des Gebens gibtvom Schöpfer abgeschnitten sind und buchstäblich tot sind.

Und obwohl es manchmal scheint, dass es auch in Bösewichten etwas von den Eigenschaften des Gebens gibt, wenn sie zum Beispiel Almosen geben etc., heißt es doch von ihnen schon im Sohar, dass sie all das Gute, was sie tun, für sich selbst tun, da die Hauptsache ihrer Absichten ihnen selbst und ihrer Ehre gilt. Gerechte aber, die sich mit der Tora und den Mizwot mit der Absicht beschäftigen, keine Belohnung zu erhalten, sondern nur dem Schöpfer Genuss zu schenken, reinigen dadurch ihre Körper und verwandeln die Empfangsgefäße in ihnen in die Eigenschaft des Gebens.

Dadurch sind sie vollkommen mit dem Schöpfer verschmolzen, da ihre Eigenschaften vollständig mit den Seinigen übereinstimmen, ohne jeglichen Unterschied zwischen den Eigenschaften. Und das ist es, was die Weisen über den Ausspruch „Sag zu Zion: ‚Mein Volk bist du‘, mit Mir seid ihr in Partnerschaft‘“[2] erklärten. Sie erklärten, dass die Gerechten mit dem Schöpfer darin kooperieren, dass Er die Schöpfung begann und die Gerechten die Schöpfung dadurch abschließen, dass sie das Gefäß des Empfangens in ein Gefäß des Gebens umwandeln.

Die ganze Wirklichkeit ist in Ejn Sof eingeschlossen und steigt aus dem bereits Existierenden herab. Und nur der Wille zu empfangen allein ist neu erschaffen und resultiert aus dem Nichts (Jesh mi Ajn).

18) Und wisse, dass die ganze Erneuerung, die der Schöpfer bei dieser Schöpfung vollbrachte, darin besteht, dass die Weisen sagten, dass Er sie aus dem Nichts – Jesh mi Ajn – erschuf. Und diese Erneuerung bezieht sich einzig auf den Willen zu genießen, der jedem Geschöpf eigen ist. Und außerdem wurde nichts in der Art der Schöpfung erneuert, wie es heißt: „Ich forme das Licht und erschaffe die Finsternis.“ Und RAMBAN erklärte, dass das Wort „Schöpfer“ (Bore) auf die Erneuerung (Chidush) hinweist, das heißt auf etwas, was zuvor nicht existiert hat.

Und wir sehen, dass es hier nicht heißt: „Erschafft das Licht“, und zwar, weil es darin keine Erneuerung in Form von Erschaffung „aus dem Nichts“ – Jesh mi Ajn – gibt. Denn das Licht sowie alles, was im Licht enthalten ist, das heißt alle angenehmen Empfindungen und Erkenntnisse in dieser Welt, all das resultiert aus dem Seienden (Jesh miJesh), das heißt, all das ist bereits im Schöpfer enthalten, und daher gibt es in ihnen keine Erneuerung, und aus diesem Grund heißt es: „Forme das Licht“, um zu zeigen, dass es darin keine Erneuerung und Schöpfung gibt.

Aber über die Finsternis, die alle unangenehmen Empfindungen und Erkenntnisse einschließt, heißt es im Gegenteil: „[…] und erschafft die Finsternis“, denn das erschuf Er Jesh mi Ajn – wörtlich: Dasein aus dem Nichts. Denn das gibt es im Schöpfer überhaupt nicht, sondern jetzt wird sie erneuert und erschaffen, und die Wurzel von alledem ist die Form des Willens zu genießen, welche in die Lichter eingeschlossen ist, die sich vom Schöpfer ausbreiten.

Zu Beginn ist sie einfach „dunkler“ als das Licht und wird daher in Bezug auf das Licht als „Finsternis“ bezeichnet, doch am Ende entwickeln sich deswegen Klipot, Sitra Achra und treten zutage sowie Bösewichte, die infolgedessen vollkommen von der Wurzel des Lebens abgetrennt sind. Und das ist, wie es heißt: „Und ihre Beine steigen in den Tod herab.“ Erklärung: „Beine“ verweisen auf den Abschluss einer Sache. Es steht geschrieben, dass es die Beine von Malchut sind, welche die Stufe des Willens zu genießen darstellen, den es bei der Ausbreitung des Lichts des Schöpfers gibt. Am Ende entwickelt sich aus ihr der Aspekt des Todes und der Sitra Achra[3] für jene, die sich von ihnen ernähren und zur Sitra Achra streben.

Da wir Zweige sind, die ihren Ursprung in Ejn Sof haben, nehmen wir das, was es in unserer Wurzel gibt, als Genuss wahr und das, was in ihr fehlt, als Last und Leid.

19) Hier ist aber ein Missverständnis möglich, weil „diese Veränderung der Form des Willens zu empfangen unbedingt in den Geschöpfen erschaffen werden muss, und wenn nichtwie werden sie aus dem Schöpfer resultieren und aus dem Zustand des Schöpfers in den Zustand eines Geschöpfes kommen können?“ Denn das ist nicht anders vorstellbar als mittels der bereits erwähnten Veränderung der Form.

Darüber hinaus ist diese Form des Willens zu genießen das hauptsächliche Wesen der Schöpfung, um das sich der Schöpfungsgedanke dreht. Sie ist auch das Maß für die Güte und den Genuss, daher wird sie als „Platz“ bezeichnet. Warum heißt es dann von ihr, dass sie als „Finsternis“ bezeichnet wird und sich bis in die Bchina (Aspekt) des Todes erstreckt, wobei sie in den unteren Empfängern die Unterbrechung und die Trennung vom Leben des Lebens schafft?

Man muss auch nachvollziehen, worin der Grund für solch eine große Angst liegt, welche die Empfänger aufgrund der Unterscheidung der Form vom Schöpfer ergreift, und warum es solch eine große Wut gibt!

Um dies hinreichend klarzustellen, sollte man zuvor die Quelle aller Genüsse und Leiden eruieren, die wir in unserer Welt verspüren. Bekanntlich stimmt die Natur eines jeden Zweiges mit der seiner Wurzel überein. Daher werden alle Eigenschaften, die der Wurzel eigen sind, auch für den Zweig begehrenswert, lieb und erstrebenswert sein. Von allen Eigenschaften, die es in der Wurzel nicht gibt, wird sich auch der Zweig fernhalten, wird sie nicht dulden können und sie sogar hassen.

Und dieses Gesetz ist in jeder Wurzel und ihrem dazugehörenden Zweig gültig, und es ist unumstößlich. Da der Schöpfer die Wurzel aller Geschöpfe ist, die Er erschaffen hat, wird alles, was es in Ihm gibt und was zu uns auf direkte Weise von Ihm kommt, uns gefallen und angenehm sein, weil unsere Natur unserer Wurzel nahe steht. Alle Sachen, die es im Schöpfer nicht gibt und die nicht auf direkte Weise von Ihm ausgehen, sondern im Gegensatz zur Schöpfung selbst stehen, werden gegen unsere Natur sein und es wird uns daher schwer fallen, sie zu dulden.

Zum Beispiel lieben wir Ruhe und hassen Bewegung, und zwar so sehr, dass wir keine Bewegungen ausführen, außer jenen, um Ruhe zu erreichen. Das kommt daher, da unsere Wurzel selbst über keine Bewegung verfügt, sondern nur über Ruhe. Im Schöpfer gibt es überhaupt keine Bewegung und daher widerspricht sie auch unserer Natur und ist uns verhasst. Auf die gleiche Weise lieben wir Weisheit, Kraft, Reichtum und alle guten Eigenschaften, weil es sie im Schöpfer gibt, der unsere Wurzel darstellt, und wir hassen das Gegenteil von ihnen: Unwissenheit, Schwäche, Armut, Erniedrigung und dergleichen, weil sie absolut und gänzlich in unserer Wurzel fehlen und uns daher zuwider sind, und wir sie bis zur Unerträglichkeit hassen.

Doch man muss notwendigerweise erforschen, wie es sein kann, dass etwas zu uns gelangt, ohne auf direkte Weise vom Schöpfer zu kommen, und stattdessen aus der Gegensätzlichkeit der Schöpfung selbst resultiert! Die Sache gleicht einem Reichen, der einen Armen von der Straße einlädt, ihm zu essen und zu trinken gibt und ihn tagtäglich mit Geld und Juwelen beschenkt, jeden Tag mehr als am Vortag.

Und man muss unterscheiden, dass der Arme in den riesigen Geschenken des Reichen gleichzeitig zwei Geschmäcker fühlt, die sich voneinander unterscheiden: Einerseits empfindet er riesigen, unendlichen Genuss an der Menge von Geschenken. Andererseits fällt es ihm schwer, solch eine Menge von Wohltaten zu erdulden, und er empfindet Scham bei deren Empfang, und das erzeugt bei ihm Unerträglichkeitinfolge der Menge von Geschenken, die von Mal zu Mal wächst. Und natürlich kommt der Genuss, den er von den Geschenken hat, zu ihm auf direkte Weise von dem Reichen, der sie ihm gibt. Doch die unerträgliche Ungeduld, welche er an den Geschenken verspürt, geht nicht vom Geberdem Reichenaus, sondern vom eigenen Wesen des Empfängers. In ihm erwacht Scham aufgrund des Empfangens und des kostenlosen, unverdienten Geschenks, und in Wirklichkeit geht auch das vom Reichen aus, doch natürlich nicht auf direkte Weise.

Da der Wille zu empfangen sich nicht in unserer Wurzel befindet, empfinden wir deswegen Scham und Unerträglichkeit. Und wie die Weisen sagten, „bereitete“ der Schöpfer in dieser Welt, um das zu korrigieren, die Möglichkeit der Arbeit mit der Tora und den Geboten, um den Willen zu empfangen in den Willen zu geben zu verwandeln

20) Aus allem Gesagten wird klar, dass wir in allen Formen, die auf indirekte Weise vom Schöpfer zu uns gelangen, Unerträglichkeit verspüren werden und sie gegen unsere Natur sind. Daraus kannst du erkennen, dass es in der neuen Form, die im Empfänger erschaffen wurde, nämlich im Willen zu genießen, keine Verminderung oder Mangel bezüglich des Schöpfers gibt, und mehr als das verbirgt sich in ihm die hauptsächliche Achse Seiner Schöpfung. Ohne ihn gibt es überhaupt keine Schöpfung; doch der Empfänger, der Träger dieser Form ist, empfindet darin seiner selbst wegen Unerträglichkeit, weil es diese Form nicht in seiner Wurzel gibt.

Somit können wir die Erklärung der Weisen verstehen, dass diese Welt deshalb erschaffen wurde, damit „jemand, der isst, was nicht sein Eigen ist, sich fürchtet, dem Geber ins Gesicht zu schauen.“

Sie sprechen von der Veränderung der Form des Willens zu genießen, den es notwendigerweise in den Seelen gibt, da „jemand, der isst, was nicht sein Eigen ist, sich fürchtet, dem Geber ins Gesicht zu schauen.“ Das heißt jeder, der ein Geschenk empfängt, schämt sich beim Empfang infolge des Unterschiedes der Form von der Wurzel, in der es diese Form des Empfangens nicht gibt. Um das zu korrigieren, erschuf der Schöpfer diese Welt, und die Seele kommt in sie und kleidet sich in den Körper. Durch die Beschäftigung mit der Tora und den Mizwot mit der Absicht, dem Schöpfer Genuss zu bereiten, verwandelt er das Gefäß des Empfangens der Seele in ein Gefäß des Gebens.

Das heißt, ihrerseits besteht kein Streben nach diesem Genuss, sondern sie nimmt den Genuss an, um dem Schöpfer Genuss zu bereiten, dessen Wunsch es ist, dass die Seelen Sein Licht genießen. Weil sie von dem Wunsch, für sich selbst zu empfangen, befreit ist, schämt sie sich nicht mehr, dem Geber in Sein Gesicht zu schauen, und auf diese Weise offenbart sich die volle Perfektion der Erschaffenen. Der Bedarf und die Notwendigkeit einer solch langen Entwicklung bis zu dieser Welt wird sich im Weiteren zeigen, denn es ist unmöglich, diese riesige Arbeitalso die Umwandlung der Form des Empfangens in die Form des Gebensanderswo als in dieser Welt durchzuführen.

Bösewichte verlieren doppelt und Gerechte erben doppelt.

21) Komm und sieh, dass Bösewichte doppelt verlieren, weil sie beide Enden des Seils umklammern und bewegungslos sind. Denn diese Welt wurde vollkommen leer vom wahren Genuss erschaffen, und daher ist Bewegung unbedingt erforderlich, um etwas zu erreichen.

Es ist aber bekannt, dass die Vermehrung von Bewegungen dem Menschen Kummer bringt, weil das nicht direkt vom Schöpfer kommt. Doch leer zu verbleiben, ohne die Besitztümer und das Gute, ist ebenfalls unmöglich, weil auch das der Wurzel widersprechen würde, denn die Wurzel ist gefüllt mit allem Guten. Daher wählen sie im Leid die Vermehrung von Bewegungen, um eine Erfüllung in Form von Errungenschaften zu erreichen.

Jedoch aufgrund der Tatsache, dass alle ihre Errungenschaften und Reichtümer nur für sie selbst sind, und sogar, „wenn der Mensch Hundert hat, er Zweihundert wünscht“, folgt, dass er an seinem Todestag nicht einmal die Hälfte des Erwünschten hat. So leiden sie Qualen von beiden Seiten: sowohl den Kummer wegen der Vermehrung von Bewegungen als auch den Kummer wegen des Mangels an Errungenschaften, denn es fehlt ihnen überall die Hälfte des Erwünschten.

Aber die Gerechten erben in ihrem Land doppelt. Das heißt, sobald sie ihren Willen zu empfangen in den Willen zu geben verwandeln und auch die Absicht zu geben erreichen, erben sie doppelt, weil sie nicht nur den vollkommenen Genuss und die Fülle an Errungenschaften erreichen, sondern auch die Übereinstimmung der Form mit dem Schöpfer. Dadurch erreichen sie eine wahre Dwekut (Anhaftung) und befinden sich sodann im Zustand von Ruhe, da der Genuss zu ihnen von Ihm kommt, ohne jede Bewegung und Mühe.

 

Kapitel Fünf

Die Schöpfungsabsicht verpflichtet alle Teile der Schöpfung, die Endkorrektur zu erreichen.

22) Nun verstehen wir die Kraft der Einzigartigkeit des Schöpfers, dass Seine Gedanken nicht unsere sind, und die ganze Vielfalt von Eigenschaften und Formen, die wir in dieser ganzen vor uns liegenden Wirklichkeit erkennen ist in Ihm in dem einzigen Gedanken vereint – dem Schöpfungsgedanken, seinen Geschöpfen Genuss zu schenken. Dieser einzige Gedanke umfasst die ganze Realität in vollständiger Einheit bis hin zur Endkorrektur, weil in Ihm das ganze Schöpfungsziel enthalten ist. Dieser Gedanke ist der Handelnde, das heißt die Kraft, die in dem wirkt, was vollbracht wurde, weil das, was in Ihm nur ein Gedanke ist, in den Geschöpfen selbst zu einem verpflichtenden und unumgänglichen Gesetz wird. Da Er plante, uns Genuss zu schenken, wurde in uns auf unumgängliche Weise diese Eigenschaft geschaffen, die Empfänger Seiner Güte und Seines Genusses zu sein.

Dieser Gedanke ist die Handlung. Das heißt, nachdem in unsere Natur dieses Gesetz fix eingeprägt wurdeder Wille, Genuss zu empfangen, definieren wir uns selbst durch den Begriff „Handlung“. Das beruht darauf, dass wir infolge dieser Veränderung der Form aus dem Zustand des Schöpfers in den Zustand des Geschöpfes übertreten – aus dem Zustand des Handelnden in den Zustand der Handlung.

Der Gedanke ist auch die Arbeit und die Bemühung. Aufgrund der Kraft des Handelnden, die im Geschöpf wirkt, wächst und vergrößert sich in uns der Willen zu empfangen basierend auf der Entwicklung der Welten bis hin zum Zustand eines separaten Körpers in dieser Welt, das heißt in Gegensätzlichkeit zur Form vom Leben des Lebens. Innerhalb seiner Grenzen gibt es keinerlei Geben nach außen, und das bringt den Körpern den Tod und unterschiedliche Leiden und Mühsale für die Seele.

Und das ist der Begriff der Arbeit in der Tora und den Mizwot, um dem Schöpfer zu dienen. Durch das Leuchten des Lichtstrahls am Ort der Einschränkung werden die heiligen Begriffe von Tora und Mizwot angezogen. Aufgrund der Bemühungen in der Tora und den Mizwot mit der Absicht, dem Schöpfer Genuss zu bereiten, verwandelt man langsam das in uns befindliche Kli des Empfangens allmählich in ein Kli des Gebens, und das ist die von uns ersehnte Belohnung.

Je unkorrigierter die Gefäße des Empfangens noch sind, desto unfähiger sind wir, den Empfang des Genusses vom Schöpfer zu erweitern, und zwar aufgrund der Angst vor der Veränderung der Form, denn „jemand, der isst, was nicht sein Eigen ist, fürchtet sich, dem Geber ins Gesicht zu schauen.“ Dies war auch der Grund für Zimzum Alef, jedoch indem wir unsere Gefäße des Empfangens korrigieren, damit sie über die Absicht zu geben verfügen, erreichen wir die Angleichung der Kelim an den Schöpfer und werden somit würdig, uneingeschränkt Genuss zu empfangen.

Und wir sehen, dass all diese gegensätzlichen Formen in all diesen vor uns befindlichen Geschöpfen, insbesondere die Formen Handelnder und das Vollbrachte sowie die Formen von Unkorrigiertheiten und von Korrekturen, die Formen von Arbeit und Belohnung dafür und sonstige, dass all das in Seinem einzigen Gedanken und in das einfache Ziel eingeschlossen ist. In einfachen Worten zusammengefasst, „den Erschaffenen Genuss zu schenken“, exakt dies, nicht mehr und nicht weniger.

Und auf genau die gleiche Weise ist in diesem Gedanken die ganze Vielfalt von Begriffen eingeschlossen, sowohl spirituelle Begriffe, als auch Begriffe äußerer Wissenschaften. Die ganze Vielfalt an Geschöpfen und Welten und ihr mannigfaltiges Verhalten – all das resultiert aus diesem einzigen Gedanken.

Malchut von Ejn Sof bedeutet, dass Malchut dort kein Ende setzt.

23) Wie erkennt man Malchut in Ejn Sof? Wenn dem so ist, dann müssen dort auch die ersten neun Sefirot enthalten sein. Aus unserer Betrachtung wird klar, dass eben dieser Wille zu empfangen, der notwendigerweise im Licht von Ejn Sof eingeschlossen ist, als Malchut von Ejn Sof bezeichnet wird. Doch diese Malchut kreierte dort keinen Abschluss und setzte dem Licht von Ejn Sof keine Grenzen, da in ihr noch keine Veränderung der Form aufgrund des Willens zu empfangen in Erscheinung trat. Deswegen wird sie als Ejn Sof bezeichnet, das heißt Malchut erschafft dort keinen Abschluss. Ganz im Gegenteil wird ab dem Zimzum und weiter nach unten in jeder Sefira und in jedem Parzuf kraft Malchut ein Abschluss erschaffen.

 

Kapitel Sechs

Es ist unmöglich, dass in einem Wesen der Wille zu empfangen anders zutage treten würde als in den vier Bchinot (Aspekten), und das sind die vier Buchstaben des Namens HaWaYaH.

24) Man muss den Abschluss, der sich in Malchut ereignet, besser verstehen.

Zuvor sollten wir jedoch erörtern, was die Kabbalisten definiert haben: Es gibt kein Licht, egal ob groß oder klein, weder in den Höheren noch in den unteren Welten, welches nicht entsprechend der Ordnung des Vierbuchstabennamens des Schöpfers HaWaYaH geordnet wäre.

Und das entspricht auch dem Gesetz, [welches im Baum des Lebens angeführt wird, und zwar,] dass es kein Licht in den Welten gibt, welches nicht in ein Kli gekleidet wäre. Wir haben bereits den Unterschied zwischen dem Wesen des Schöpfers und dem sich von Ihm aus verbreitenden Licht erörtert, dass er nur den Willen zu genießen zur Ursache hat, der in das sich verbreitende Licht eingeschlossen ist. Dies ist eine Veränderung der Form vom Wesen des Schöpfers, in dem es diesen Wunsch keinesfalls gibt.

Dadurch wird das sich verbreitende Licht mit dem Namen „Geschöpf“ definiert, denn infolge dieser Änderung der Form tritt das Licht aus dem Zustand Schöpfer in den Zustand Geschöpf heraus. Wir haben auch erörtert, dass der Wille zu genießen, der im Licht des Schöpfers enthalten ist, das Maß der Größe des Lichts darstellt. Er wird auch als „Platz des Lichts“ bezeichnet und empfängt das Licht des Schöpfers im Maße des Willens zu empfangen und des Strebens danach, nicht mehr und nicht weniger.

Wir haben auch erörtert, dass dieser Wille zu empfangen alles Neue darstellt, was bei der Erschaffung der Welten mittels der Schöpfung von Existierendem aus Nichtexistierendem erschaffen wurde – somit buchstäblich aus dem Nichts. Da diese Form allein keineswegs im Schöpfer enthalten ist, und der Schöpfer sie erst jetzt für den Nutzen des Geschöpfes in Form von „und schuf die Finsternis“ kreiert, da diese Form infolge der Veränderung der Form die Wurzel für die Dunkelheit darstellt. Deshalb ist sie [die neue Form] dunkler als das Licht, welches sich in ihr und aufgrund von ihr verbreitet.

Dadurch kann man verstehen, dass sich in jedem vom Schöpfer ausbreitenden Licht sofort zwei Aspekte abzeichnen:

  1. Der erste Aspekt ist das Wesen des sich ausbreitenden Lichts bevor die Form des „Willens zu genießen“ in ihm erscheint.
  2. Der zweite Aspekt: Nachdem sich in ihm die Form des „Willens zu genießen“ offenbarte, erlangt es eine etwas größere Grobheit und wird etwas dunkler aufgrund der Tatsache, dass es eine Veränderung der Form erlangt hat.

Der erste Aspekt ist das Licht, und der zweite Aspekt ist das Kli. Daher besteht jedes sich verbreitende Licht aus vier Bchinot der Eindrücke des Klis. Dies beruht darauf, dass die Form des Willens zu empfangen, die als „Kli für das sich verbreitende Licht“ bezeichnet wird, nicht vollständig in einem Schritt abgeschlossen wird, sondern nur in Form von Handelndem und Vollbrachtem.

Es gibt zwei Bchinot im Handelnden und zwei Bchinot im Vollbrachten, die als „Potenzial“ und „Vollbrachtes“ im Handelnden und „Potenzial“ und „Vollbrachtes“ im Vollbrachten bezeichnet werden, also insgesamt vier Bchinot.

Der Wille zu genießen durchdringt das Geschöpf nur durch sein persönliches Erwachen, um aus eigener Kraft zu empfangen.

25) Weil das Kli die Wurzel für die Finsternis darstellt, und somit der Gegensatz des Lichts ist, muss es langsam zu handeln beginnen, schrittweise, in Form von Ursache und Wirkung, so wie geschrieben steht: „Die Gewässer wurden schwanger und gebaren die Finsternis“ (Midrash Rabba, Shemot 80, 22).

Die Finsternis ist ein Erzeugnis des Lichts selbst und wird dessen Einwirkung in Form von Schwangerschaft und Geburt ausgesetzt, und das sind das Potenzial und das Verwirklichte. Das bedeutet, dass in jedes sich verbreitende Licht unmittelbar die Eigenschaft des Willens zu empfangen eingeschlossen ist, doch diese wird noch nicht als eine Veränderung der Form bezeichnet, bevor dieser Wille nicht auf eine bestimmte Weise im Licht in Erscheinung tritt.

Dazu reicht der Aspekt des Willens zu empfangen allein nicht aus, der in das Licht seitens des Schöpfers einfließt. Das Geschöpf muss selbstständig, aktiv und von sich aus den Willen zu empfangen, den es in ihm gibt, offenbaren. Es muss also aus eigenem Willen mehr Genuss heranziehen, als das Maß an Licht, welches sich in ihm vonseiten des Schöpfers ausbreitet.

Und nachdem das Geschöpf begonnen hat, aus eigener Wahl bei der Vergrößerung des Maßes an Willen tätig zu sein, prägt sich in ihm ein ständiges Streben und ein ständiger Wille zu empfangen ein, und dann kann sich auch das Licht auf permanente Weise in das Kli kleiden.

Und es ist wahr, dass das Licht von Ejn Sof sich sozusagen über alle vier Bchinot ausbreitet, bis zu einem großen Stadium des Willens vonseiten des Geschöpfes selbst, welches Bchina Dalet ist. Denn ohne das würde es überhaupt nicht aus dem Aspekt seines Wesens austreten, um durch einen eigenen Namen definiert zu werden, nämlich Ejn Sof.

Doch infolge der Allmacht des Schöpfers hat sich die Form aufgrund des Willens zu empfangen überhaupt nicht verändert, und dort ist keinerlei Veränderung zwischen dem Licht und dem Platz des Lichts, also dem Willen zu genießen, feststellbar, und sie sind buchstäblich eins.

Und wie es heißt: „Bevor die Welt erschaffen wurde, waren Er und Sein Name eins.“ Tatsächlich ist dieser doppelte Verweis „Er“ und „Sein Name“ schwer nachzuvollziehen. Denn er sollte doch eher sagen, dass, bevor die Welt erschaffen wurde, Er eins war.

Doch gemeint ist das Licht von Ejn Sof vor dem Zimzum, denn wohl gibt es dort den Aspekt des Platzes und den Aspekt des Willens, von Seinem Wesen die Fülle zu empfangen, doch das ohne jegliche Veränderungen und Unterschiede zwischen dem Licht und dem „Platz“.

„Er ist eins“ bedeutet jenes Licht von Ejn Sof und „Sein Name“ der Wille zu empfangen, der darin ohne jegliche Veränderungen eingeschlossen ist [all dies] ist eins. Und verstehe, was die Weisen andeuteten, dass „Sein Name“ (Shmo) in der Gematria denselben Zahlenwert hat wie „Wille“ (Razon), also der „Wille zu genießen“.

Alle Welten in dem Schöpfungsgedanken werden als „das Licht von Ejn Sof“ bezeichnet. Und die Gesamtheit aller Empfänger im Licht von Ejn Sof wird als Malchut von Ejn Sof bezeichnet.

26) Wir haben bereits Folgendes erklärt: „Das Ende der Handlung ist im ursprünglichen Gedanken enthalten“, das bedeutet, dass es sich um den Schöpfungsgedanken handelt, der sich aus Seinem Wesen ausbreitete, um Seinen Geschöpfen Genuss zu schenken. Wir haben festgestellt, dass im Schöpfer der Gedanke und das Licht eins sind. Damit ist klar, dass das Licht von Ejn Sof, welches sich aus Seinem Wesen ausbreitet, die ganze Wirklichkeit einschließt, die vor uns liegt, bis zur zukünftigen Endkorrektur, die das Ende der Handlung darstellt, wobei in Ihm, im Schöpfer, alle Geschöpfe bereits in ganzer Perfektion und in ganzem Genuss vollendet sind, mit denen Er sie beschenken wollte. Und diese Wirklichkeit, die in aller notwendigen Ganzheit vollendet ist, wird als „das Licht von Ejn Sof“ bezeichnet, und alles, was darin eingeschlossen ist, wird als Malchut von Ejn Sof bezeichnet.

 

Kapitel Sieben

Obwohl sich nur in Bchina Dalet eine Einschränkung vollzog, verschwand das Licht auch aus den ersten drei Bchinot.

27) Wir haben bereits erläutert, dass der zentrale Punkt, das heißt jener Punkt, der den ganzen Schöpfungsgedanken in sich einschließt und den Willen zu genießen darstellt, der darin eingeschlossen ist, sich schmückte, um seine Form dem Schöpfer in größerem Maße anzugleichen. Und obwohl es in Ihm aus der Perspektive des Schöpfers infolge Seiner Allmacht keinerlei Veränderung der Form gibt, empfand doch der Punkt des Willens darin eine gewisse indirekte Einwirkung des Schöpfers, so wie weiter oben im Beispiel vom Reichen und vom Armen bereits erläutert wurde. Daher verringerte er seinen Willen von der letzten Bchina, welche das größte Endausmaß des Willens zu genießen darstellt, um die Dwekut (Anhaftung) auf dem Weg der direkten Ausbreitung von Seinem Wesen zu vergrößern.

Und dann leerte sich der ganze Platz von Licht, also alle vier Stufen (Stadien), die es in diesem Platz gibt. Und obwohl er seinen Willen nicht verkleinerte, außer allein in Bchina Dalet, ist doch die Natur des Spirituellen so, dass es sich nicht in Teile aufteilt.

Anschließend kehrte der Lichtstrahl wieder und erfüllte wieder die ersten drei Bchinot, und Bchina Dalet blieb ein leerer Raum.

28) Und danach kehrte das Licht von Ejn Sof wieder an seinen leer gewordenen Platz zurück, doch es erfüllte diesen Platz nicht in allen seinen vier Bchinot, sondern nur die ersten drei Bchinot, gemäß dem Willen des Punktes von Zimzum. Der zentrale Punkt, der sich einschränkte, blieb frei und leer, da das Licht nur bis zur Bchina Dalet leuchtete, und nicht überall vollständig, und dort hörte das Licht von Ejn Sof auf.

Und wir werden des Weiteren den Begriff der Hitkalelut (Einschluss) von Bchinot (Stadien) ineinander klären, die in den Höheren Welten wirksam ist. Daraus soll dir klar werden, dass alle vier Bchinot ineinander auf solch eine Weise eingeschlossen sind, dass auch in Bchina Dalet selbst alle vier Bchinot vorhanden sind. Also stellen wir fest, dass auch in Bchina Dalet das Licht von Ejn Sof in die ersten drei Bchinot, die es in ihr gibt, eintrat und nur die letzte Bchina in Bchina Dalet allein leer und ohne Licht blieb.

 

Kapitel Acht

Chochma wird als Licht bezeichnet und Chassadim als „Wasser“. Bina wird als „Höhere Gewässer“ und Malchut als „untere Gewässer“ bezeichnet.

29) Nun sollten wir das Wesen der vier Bchinot von Ursache und Folge ermitteln, die für das Erreichen der Vollkommenheit der Form des Willens zu empfangen notwendig sind, wie weiter oben gesagt wurde in Form von „Die Gewässer wurden schwanger und gebaren die Finsternis“. In Azilut gibt es zwei Bchinot von Licht: Die erste Art wird als „Licht“ bezeichnet, und das ist Or Chochma; die zweite Bchina wird als „Wasser“ bezeichnet, und das ist Chassadim.

Die erste Bchina steigt von Oben nach unten herab, ohne Hilfe vonseiten der Unteren, und die zweite Bchina steigt mithilfe vonseiten der Unteren herab und wird daher „Wasser“ genannt, und so ist die Natur des Lichts, dass seine Grundlage (Ursprung) Oben ist, und die Natur des Wassers ist so, dass ihre Grundlage (Ursprung) unten liegt. Und verstehe das.

Und im Wasser selbst gibt es zwei Bchinot, das heißt die Höheren Gewässer, mittels der Bchina Bet von den vier Bchinot, und es gibt die unteren Gewässer, die mittels Bchina Dalet von den vier Bchinot entstehen.

Ermittlung der Ausbreitung des Lichts von Ejn Sof in vier Bchinot, mit dem Zweck, ein Kli – den Willen zu empfangenzu enthüllen

30) Und daher gibt es in jeder Ausbreitung des Or Ejn Sof zehn Sefirot, denn Ejn Sof ist die Wurzel und der Schöpfer, der Keter genannt wird, und das Licht der Ausbreitung selbst heißt Chochma, und das ist das ganze Maß der Ausbreitung des Lichts von Oben, von Ejn Sof.

Und es ist bereits bekannt, dass der Wille zu empfangen in jeder Ausbreitung des Lichts von Oben eingeschlossen ist, sich aber die Form des Willens zu empfangen nicht reell in einer Handlung offenbart, bevor das Geschöpf nicht dazu erwacht, ein größeres Licht zu wünschen und heranzuziehen, als das Maß seiner Ausbreitung bereits ist.

Und da der Wille zu empfangen im Licht der Ausbreitung bereits im Potenzial vorhanden ist, muss das Licht dieses Potenzial real in der Tat offenbaren. Daher erwacht das Licht, um einen Zusatz an Genuss heranzuziehen, der größer ist als sein Maß bei der Ausbreitung seitens Ejn Sof. Dadurch offenbart sich der Wille zu empfangen in der Tat, in diesem Licht, und erlangt eine neue Form mit geringfügigen Veränderungen von Eigenschaften, da er dadurch dunkler wird als das Licht, weil er zusätzliche Grobheit aufgrund der Erneuerung von Eigenschaften erlangt.

Jener Teil, der zusätzliche Grobheit erlangte, wird Bina genannt. In Wirklichkeit ist Bina jedoch ein Teil von Chochma, also das Wesen des Lichts der Ausbreitung von Ejn Sof. Jedoch infolge der Tatsache, dass in ihr der Wunsch groß wurde, aus Ejn Sof einen größeren Genuss heranzuziehen mehr als das Maß der Ausbreitung von Ejn Sof in ihr , erlangte sie deshalb eine Veränderung der Form und eine etwas größere Grobheit als das Licht. So bekam sie einen eigenen Namen – Sefira Bina.

Und das Wesen des Zusatzes an Genuss, den sie aus Ejn Sof heranzog, besteht in der Kraft der Überwindung des Willens in ihr, die als Or Chassadim bezeichnet wird oder als „Höhere Gewässer“. Denn dieses Licht geht nicht direkt von Ejn Sof aus, wie das Or Chochma, sondern mithilfe des Geschöpfes, welches den Willen überwindet. Daher wird es bei einem eigenen Namen bezeichnet, als Or Chassadim oder „Wasser“.

Und wir sehen nun bezüglich der Sefira Bina, dass sie aus drei Arten von Licht besteht:

  1. das Licht des Wesens von Bina, und das ist ein Teil von Or Chochma;
  2. die Vergrößerung von Grobheit und die Veränderung der Form in ihr, die sie mittels der Überwindung des Willens erlangte;
  3. das Or Chassadim, welches zu ihr mittels ihrer eigenen Anziehung aus Ejn Sof

Doch damit ist das Gefäß des Empfangens noch nicht in seiner Fülle abgeschlossen, da Bina, die das Wesen des Lichts Chochma darstellt, sehr erhaben ist, denn es handelt sich dabei um direkte Ausbreitung von Or Ejn Sof. Daher offenbart sich in Bina nur die Wurzel des Gefäßes des Empfangens sowie der Handelnde für die Handlungen des Kli.

Und dann breitet sich aus ihr wieder dieses Or Chassadim aus, welches durch die Kraft ihrer Überwindung herangezogen wurde, und es fügt sich ein kleines Leuchten vom Licht Chochma hinzu. Diese Ausbreitung des Or Chassadim wird Seir Anpin genannt oder CHaGaT.

Und dieses Licht der Hitpashtut (Ausbreitung) unternimmt ebenfalls Anstrengungen neuen Genuss anzuziehen, der größer ist als das Maß des Leuchtens von Chochma, welches in seiner Ausbreitung von Bina vorhanden ist. Daher wird diese Ausbreitung ebenfalls als zwei Bchinot definiert, da das Licht der Ausbreitung selbst SA oder WaK heißt, und die darin inkludierte Überwindung heißt Malchut.

Und so kommen wir zu den Zehn Sefirot selbst:

  • Keter ist Ejn Sof;
  • Chochma ist das Licht der Ausbreitung von Ejn Sof;
  • Bina ist das Or Chochma, welches eine Anstrengung unternahm, die Menge an Genuss zu steigern, und dadurch zusätzliches Awiut erlangte;
  • SA, welches CHaGaT NeHJ einschließtdas ist das Or Chassadim mit dem Leuchten von Chochma, welches sich von Bina ausbreitet;
  • und Malchut ist die zweite Überwindung, um das Leuchten von Chochma zu steigern, mehr, als in SA vorhanden ist.

Die vier Bchinot im Willen zu empfangen sind die vier Buchstaben des Namens HaWaYaH, welche KaCHaB TuM darstellen.

31) Und das sind die vier Buchstaben des Vierbuchstabennamens des Schöpfers: Die Spitze von Yud ist Ejn Sof, also die Kraft des Handelnden, die in den Schöpfungsgedanken eingeschlossen ist, den Geschöpfen Genuss zu bereiten, und das ist das Kli von Keter.

Yud ist Chochma, das heißt Bchina Alef, und das ist das Potenzial im Handelnden, die unmittelbar in das Licht der Ausbreitung von Ejn Sof eingeschlossen ist. Das erste Hej ist Bina, also Bchina Bet, und das ist der Aspekt des Austritts des Potenzials in die verwirklichte Handlung, also das Licht, welches bezüglich Chochma zusätzliche Grobheit erlangte.

Waw ist SA, oder CHaGaT NeHJ, also die Ausbreitung von Or Chassadim, welches mittels Bina ausgetreten war, und das ist Bchina Gimel, der Aspekt des Potenzials für die Offenbarung der Handlung. Das untere Hej im Namen HaWaYaH ist Malchut, also Bchina Dalet, der Aspekt der Offenbarung der Tat in der Vollkommenheit des Gefäßes des Empfangens, welches eine Anstrengung unternahm, einen Zusatz an Genuss heranzuziehen, größer als das Maß von dessen Ausbreitung aus Bina. Dadurch wurde die Form des Willens zu empfangen endgültig in gebührendem Maße vervollständigt, und das Licht hüllt sich in sein Kli, also in den Willen zu empfangen, der erst in dieser vierten Bchina und nicht schon früher vollendet wird.

Daraus sollst du mit voller Klarheit verstehen, dass es in den Höheren sowie in den unteren Welten kein Licht gibt, welches nicht entsprechend der Reihenfolge des Vierbuchstabennamens geordnet wäre, also nach vier Bchinot. Denn ohne das ist der Wille zu empfangen, den es in jedem Licht geben muss, unvollkommen, da dieser Wille den Platz und das Maß dieses Lichts darstellt.

Die Buchstaben Yud und Waw des Namens HaWaYaH sind schmal, weil sie nur den Aspekt des Potenzials darstellen

32) Und du sollst es dir nicht mit der Frage schwer machen, dass Yud doch auf Chochma, und Hej auf Bina verweist. Das ganze Wesen des Lichts, welches in den zehn Sefirot vorhanden ist, befindet sich in der Sefira Chochma. Und Bina, Seir Anpin und Malchut sind nur Kleidungen im Bezug auf Chochma. Demzufolge müsste jedoch Chochma über einen Buchstaben verfügen, welcher der größte im Vierbuchstabennamen wäre.

Es ist aber so, dass aus den Buchstaben des Vierbuchstabennamens nicht auf das Ausmaß und die Menge des Lichts in den Zehn Sefirot geschlossen werden kann, sondern sie verweisen lediglich auf das Ausmaß der Beeindruckung des Klis. Die weiße Farbe in einer Tora – Rolle verweist auf das Licht, und die schwarze Farbe der Buchstaben in der Tora – Rolle verweist auf die Qualität der Kelim.

Daher wird Keter, welches nur die Wurzel der Wurzel des Klis darstellt, nur mit dem Anfangspunkt des Buchstaben Yud angedeutet. Und Chochma, welche den Aspekt des Potenzials vor der reellen Offenbarung in der Tat darstellt, wird mit dem kleinsten aller Buchstaben angedeutet, also mit Yud.

Auf Bina, in welcher das Potenzial in die Tat umgesetzt wird, wird mit dem breitesten Buchstaben Hej hingewiesen. Seir Anpin stellt nur die Kraft zur Umsetzung der Handlung dar und wird mit einem schmalen und langen Buchstaben bezeichnet, also Waw. Seine Schmalheit verweist darauf, dass das Wesen des Klis bisweilen erst in ihm als Potenzial und in Verhüllung verborgen ist. Die Länge der Linie verweist darauf, dass sich am Ende seiner Ausbreitung mit ihrer Hilfe ein vollendetes und vollkommenes Kli offenbart.

Denn Chochma schaffte es in ihrer Ausbreitung noch nicht, ein vollkommenes Kli zu offenbaren. Bina ist noch kein wirkliches Kli, sondern nur der Aspekt des Handelnden des Klis. Deshalb ist der Fuß von Yud kurz, was darauf verweist, dass es noch zu kurz ist, und dass es das vollständige Kli durch seine Ausbreitung und durch die Kraft, die in ihm verhüllt ist, noch nicht offenbart hat.

Auch Malchut wird mit dem Buchstaben Hej angedeutet, so wie Bina, und das ist ein breiter Buchstabe, der ein vollwertiges Gefäß symbolisiert. Und habe keine Schwierigkeiten damit, dass Bina und Malchut den gleichen Buchstaben habendas kommt daher, dass sie in der Welt der Korrektur tatsächlich einander ähnlich sind und ihre Kelim einander borgen, wie es geschrieben steht: „Und sie werden beide zusammen gehen“.

 

Kapitel Neun

Spirituelle Bewegung bedeutet Erneuerung der Veränderung der Form.

33) Es bleibt uns noch, die Begriffe von Zeit und Bewegung zu erläutern, die wir fast in jedem Wort unserer Wissenschaft antreffen. Und wisse, dass spirituelle Bewegung nicht der physischen Bewegung von einem Ort zum anderen gleicht, sondern sie bedeutet eine Erneuerung der Form.

Jede Erneuerung der Form bezeichnen wir als „Bewegung“. Denn solche Erneuerung, also Veränderung der Form, die in einem spirituellen Objekt auftrat, im Unterschied zu allgemeinen Eigenschaften, die es zuvor in diesem spirituellen Objekt gab, bedeutet, dass sie sich abspaltete und von diesem spirituellen Objekt entfernte und dabei einen eigenen Namen und eine eigene Lenkung erhielt. Dadurch gleicht sie vollkommen einem materiellen Wesen, von dem sich ein bestimmter Teil abtrennt, verschiebt und an einen anderen Ort bewegt, und daher wird die Erneuerung der Form als „Bewegung“ bezeichnet.

Spirituelle Zeit bedeutet eine bestimmte Anzahl an neuen Veränderungen von Formen, die voneinander abstammen. „Zuvor“ und „danach“ bedeuten Ursache und Wirkung.

34) Bezüglich des Begriffs der Zeit als spirituelle Definition sollst du verstehen, dass das ganze Wesen des Begriffs der Zeit bei uns nichts anderes als Empfindung von Bewegungen darstellt. Denn der einbildende Verstand im Menschen zeichnet und konstruiert eine gewisse Anzahl an Bewegungen, welche er eine nach der anderen wahrnimmt und sie in eine bestimmte Menge an „Zeit“ übersetzt.

Wenn also der Mensch sowie alles, was ihn umgibt, in absoluter Ruhe verweilen würde, dann wäre überhaupt der Begriff von Zeit unbekannt. Gleiches gilt im Spirituellen: Eine bestimmte Summe an Erneuerungen von Formen, die als spirituelle Bewegungen definiert werden, die eine aus der anderen in Form von Ursache und Folge resultieren, wird als „Zeit“ im Spirituellen bezeichnet. Und Begriffe von „zuvor“ und „danach“ bedeuten immer Ursache und Wirkung.

 

Kapitel Zehn

Das ganze Material, welches dem Geschöpf zugeschrieben wird, ist der Wille zu empfangen. Und jeder Zusatz in ihm wird dem Schöpfer zugeschrieben.

35) Wisse, dass der Wille zu empfangen im Geschöpf, welcher das Kli in ihm darstellt, auch zugleich das ganze Material ist, welches dem Geschöpf zugeschrieben wird, sodass alles, was außerhalb von ihm existiert, dem Schöpfer beigemessen wird.

Der Wille zu empfangen ist die primäre Form eines jeden Wesens, und die primäre Form definieren wir als „Material“, da wir das Wesen selbst nicht erfassen.

36) Der Wille zu empfangen wird von uns zwar als Erscheinung und Form des Wesens wahrgenommen, doch wie kann man ihn als das Material des Wesens erfassen? Tatsächlich ist es auch so bei den Wesen, die uns umgeben. Wir bezeichnen auch die primäre Form des Wesens als „primäres Material“ („Urmaterial“) dieses Wesens, weil wir keinerlei Erkenntnis und Wahrnehmung irgendeines Materials haben. Denn unsere fünf Sinnesorgane sind nicht darauf vorbereitet. Das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten vermittelt dem untersuchenden Gehirn lediglich abstrakte Formen von „Vorfällen“ des Wesens, die nur durch eine Wechselwirkung mit unseren Sinnesorganen eine Form erlangen.

Wenn wir zum Beispiel sogar mikroskopisch kleine Atome nehmen, die sich in primärer Basis irgendeines Wesens befinden und mittels chemischer Prozesse ausgesondert wurden, so sind auch sie nichts anderes als abstrakte Formen, die sich unseren Augen auf diese Weise darstellen.

Genauer gesagt, können sie mittels des Willens zu empfangen und empfangen zu werden, den wir in ihnen finden, von uns erkannt und definiert werden.

Nach den Gesetzen dieser oben genannten Handlungen kann man diese Atome in ihren unterschiedlichen Modifikationen ermitteln und kenntlich machen, bis hin zum primären Material dieses Wesens. Doch auch dann sind es nur Kräfte in diesem Wesen und nicht das Material. Wir sehen, dass wir also auch im Materiellen keine andere Möglichkeit haben, das primäre Material zu verstehen – außer nur in der Annahme, dass die primäre Form das primäre Material darstellt, welches alle übrigen Fälle und Formen enthält, die daraus folgen –, geschweige denn in den Höheren Welten, denn nichts von dem, was unsere Sinnesorgane empfinden und sich vorstellen können, ist dort gültig.

 

 

Tabelle der Fragen und Antworten zur Erklärung der Worte

Anmerkung: Das Vergessen der Bedeutung eines Wortes ist schlimmer, als das Auslöschen dieses Wortes. Denn ein nur teilweises Verständnis macht alles total verschwommen und undeutlich. Mache dich deshalb bitte mit der Tabelle der Fragen und Antworten vertraut, bis du sie auswendig kannst.

  1. Was ist Or (Licht)? (Teil 1, Histaklut Pnimit 18)

Alles, was in den Welten (Olamot) als „Existenz aus Existenz“ existiert. Es ist alles außer der Substanz der Kelim (siehe Punkt 2 und 24).

  1. Was ist Or und Kli (Licht und Gefäß)? (1. Teil. 1. Kapitel, Or Pnimi)

Der Wille zu empfangen im Geschöpf wird Kli genannt, und die Fülle (Shefa), die es empfängt, heißt Or.

  1. Was ist Or Agol (Rundes Licht)? (1. Teil, 1. Kapitel, Or Pnimi 100)

Ein Licht, welches die Stufen nicht unterscheidet.

  1. Was ist Or Pashut (Einfaches Licht)? (1. Teil, 1. Kapitel, Or Pnimi 30)

Ein Licht, welches sich vorbehaltlos mit dem Kli vermischt.

  1. Was ist Or Chochma (Licht der Weisheit)? (1. Teil, 1. Kap., Or Pnimi)

Ein Licht, welches sich für das Geschöpf (Neezal) ausdehnt in der ersten Ausdehnung (Hitpashtut Alef). Sodass es die Lebenskraft und das Wesen (Azmut) des Geschöpfes enthält.

  1. Was ist Or Chassadim (Licht der Barmherzigkeit)? (1. Teil. 1. Kap. Or Pnimi 5)

Ein Licht, welches sich auf das Or Chochma kleidet und sich zum Geschöpf ausdehnt zusammen mit der ersten Überwindung (Hitgabrut Alef).

  1. Was ist „Leere Luft“ (Awir rejkani)? (1. Teil, 1. Kap., Or Pnimi 5)

Das ist Or Chassadim, bevor es in Or Chochma eingekleidet wird.

  1. Was ist „danach“ (Acharej chen)? (1. Teil, Histaklut Pnimit 34)

Das bedeutet umgeben zu sein von der Kraft der vorangegangenen Bchina (Phase) (siehe Punkt 20).

  1. Was ist „Mitte“? (1. Teil, 2. Kap. Or Pnimi 2)

siehe Punkt 39.

  1. Was ist „Eins“ (Echad)? (1. Teil. 2. Kap. Or Pnimi 1)

Das Höhere Licht, welches aus Seinem Wesen ausströmt, ist „Eins“ und „Einfach“, wie Sein Wesen. So wie es in Ejn Sof ist, ist es auch in Olam Assija, unverändert und ohne irgendeine zusätzliche Form, und darum wird es „Eins“ genannt.

  1. Was ist Bore (Schöpfer)? (1. Teil, Histaklut Pnimit 19)

Der Name Schöpfer bezieht sich ausschließlich auf die tatsächliche Neuerung, genauer gesagt die „Existenz aus Nichtexistenz“, welche das Wesen der Kelim ist, also der Wille zu empfangen in jedem Wesen. Notwendigerweise war dieser vor der Erschaffung der Schöpfung nicht in Seinem Wesen.

  1. Was ist Dwekut (Anhaftung)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 30)

Die Gleichheit der Form bringt die Seelen zusammen und haftet sie aneinander an – im Gegensatz zur Veränderung der Form, die sie voneinander trennt.

  1. Was ist Hashwaa (Gleichheit)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 10)

Wenn kein Unterschied zwischen den vier Stufen im Willen zu empfangen zu erkennen ist, dann sagt man, dass sie in einer einigen Gleichheit sind.

  1. Was ist Hitpashtut (Ausdehnung)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 1)

Ein Licht, welches aus dem Schöpfer austritt, hin zum Geschöpf, wird Ausdehnung des Lichts genannt. In Wahrheit wird das Höhere Licht davon in keinerlei Weise beeinträchtigt. Beispielsweise, wenn man eine Kerze mit dem Licht einer anderen anzündet, verliert erstere nichts von ihrer Leuchtkraft. Der Name zeigt nur den Empfang des Geschöpfes an.

  1. Was ist Sach (fein, rein)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 90)

Bchina Alef im Willen zu empfangen wird als feiner bzw. reiner betrachtet, als die drei auf sie folgenden Bchinot.

  1. Was ist Zeit (Sman)? (1. Teil, Histaklut Pnimit 34)

Es gibt eine bestimmte Summe von Unterscheidungen, die zusammenhängen und sich miteinander verketten in einer bestimmten Reihenfolge von Ursache und Wirkung, wie z. B. Tage, Monate und Jahre.

  1. Was ist Dunkelheit (Choshech)? (1. Teil, Histaklut Pnimit 24)

Die Bchina Dalet, die sich im Willen befindet, welche aufgrund der Macht des Zimzum kein Höheres Licht empfängt, wird als die Wurzel der Dunkelheit betrachtet.

  1. Was ist Chochma (Weisheit)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 50)

Es ist das Licht des Wesens der Lebenskraft des Geschöpfes (siehe Punkt 5).

  1. Was ist ein Chalal (Raum)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 6)

Die Bchina Dalet des Willens, die leer vom Licht ist, wird, verglichen mit dem Licht, als Dunkelheit bezeichnet. In Bezug auf das Kli nennt man sie dann Raum, weil Bchina Dalet durch den Zimzum des Geschöpfes noch nicht ihres Wesens beraubt wurde, sondern es gibt es dort eine leere Luft – Awir, d. h. ohne Licht.

  1. Was ist „Vorher“ und „Danach“? (1. Teil, Histaklut, Pnimit 34)

Bei der Beziehung zwischen Ursache und Wirkung der Geschöpfe, wird die Ursache mit dem Begriff „Vorher“ und die Folge mit „Danach“ bezeichnet. (siehe Punkt 16).

  1. Was ist „Einzig“ (Jachid) und „Vereint“ (Mejuchad)? (1. Teil, Histaklut Pnimit 1)

„Einzig“ verweist auf das Höhere Licht, welches alle unterschiedlichen Stufen in ihren verschiedenen Formen erleuchtet und beherrscht, sodass es sie an die einzigartige Form des Schöpfers angleicht. „Vereint“ verweist auf das Ende dieser Herrschaft, d. h. nach der Gleichheit und der Wiederherstellung ihrer Form im Aspekt „Einzig“ – so wie Er ist (Siehe Punkt 14).

  1. Was ist Vereinigung (Jichud)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi)

Zwei verschiedene Bchinot, die sich in ihrer Form aneinander angenähert haben, um Eins zu werden.

  1. Was ist „Rechts“ (Jamin) und „Links“ (Smol)?

Manchmal steigt eine untere Stufe zum gleichen Niveau wie die höhere auf, wenn die höhere sie zu ihrer eigenen Vollendung benötigt. Dann wird die untere „Links“ genannt und die höhere „Rechts“.

  1. Was ist Yozer (Schöpfer)? (1. Teil, Histaklut Pnimit 18)

Der Name „Schöpfer“ bezieht sich speziell auf das Schenken des Lichtes an die Welten, welches die ganze Wirklichkeit außer dem Wesen der Kelim enthält.

  1. Was ist ein Kli (Gefäß)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 6)

Der Wille zu empfangen, der im Geschöpf ist, ist sein Kli.

  1. Was ist Lemala (Oberhalb, Oben)? (1. Teil, 2. Kap., Or Pnimi 3)

Die Gleichheit der Form des Unteren mit dem Höheren erhebt nach „oben“.

  1. Was ist Maazil (Schöpfer)?

Jede Ursache wird als „Schöpfer“ der betroffenen Stufe bezeichnet. Der Name „Schöpfer“ enthält sowohl die Ausdehnung des Lichts als auch das Kli, welches das Licht empfängt.

  1. Ursprung der Neshama – Seele (1. Teil, Histaklut Pnimit 15)

Es ist der Wille zu empfangen, der in den Seelen – Neshamot eingeprägt war, welcher sie unterscheidet und vom Höheren Licht „abschneidet“. Dies ist so, weil es die Veränderung der Form ist, welche die Aufgabe des Unterscheidens in der Spiritualität besitzt (siehe Punkt 12). Die Sache des Ursprungs der Neshama bezieht sich auf den Übergang zwischen Olam Azilut und Olam Brija, die noch erklärt werden.

  1. Was ist Mata (Unten, Unterhalb)? (1. Teil, 2. Kap. Or Pnimi 3)

Derjenige, der niedriger ist als seine Ebene, wird als „unterhalb“ seiner Ebene betrachtet.

  1. Was ist Mejuchad (Vereint)?

Siehe oben beim Wort Jachid (Einzig).

  1. Was ist Malchut de Ejn Sof? (1. Teil, Histaklut Pnimit 14)

Es ist der Wille zu empfangen, der sich notwendigerweise dort befindet.

  1. Was ist „Von oben nach unten“ (Mi lemala lemata)? (1. Teil, 2. Kap. Or Pnimi 3)

Dies bedeutet, dass alles, was von Bchina Alef bis Bchina Dalet ohne Licht verblieb, als „unter“ allen anderen Graden betrachtet wird. Je schwächer der Wille zu empfangen ist, für desto höher wird etwas gehalten. Somit wird Bchina Alef als die Höchste von allen betrachtet.

  1. Was ist „Gefüllt“ (Memula)? (1. Teil, 1)

Wo es keinen Mangel gibt, und man der Vollständigkeit nichts mehr hinzufügen kann.

  1. Was ist „Oben“ (Mala), „Unten“ (Mata)? (1. Teil. 2. Kap. Or Pnimi 3)

Das Wichtigere wird als „Oben“ bezeichnet und das Üblere als „Unten“.

  1. Was ist ein Makom (Ort, Platz)? (1. Teil, Histaklut Pnimit 11)

Der Wille zu empfangen im Geschöpf ist der „Ort“ für die ganze Fülle und das Licht, das sich darin befindet.

  1. Was ist ein Viereck (Meruba)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 200)

Dieses ist die Stufe, die aus allen vier Bchinot des Willens besteht.

  1. Was ist ein Dreieck (Meshulash)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 400)

Das ist die Stufe, die nur aus den ersten drei Bchinot des Willens besteht.

  1. Was ist Berührung (Noga)? (1. Teil, 2. Kap. Or Pnimi 5)

Wenn die Veränderung der Form der Stufe Shoresh nicht deutlich von Shoresh zu unterscheiden ist, dann wird es „die Shoresh berühren“ genannt. Das Gleiche gilt für zwei aneinander angrenzende Stufen.

  1. Was ist der Mittlere Punkt (Nekuda Emzait)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 50)

So wird Bchina Dalet genannt, die sich in Ejn Sof befindet, da sie sich dort in Einheit mit dem Or Ejn Sof befindet.

  1. Was ist Sof (Ende, Abschluss)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 20)

Der Sof und Sium (beides: Ende, Abschluss) eines jeden Geschöpfes wird mit Hilfe der verhindernden Kraft in Bchina Dalet durchgeführt. Dort hört das Höhere Licht auf zu scheinen, weil es nicht empfangen wird.

  1. Was ist Igul (Kreis)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 100)

Wenn es keine Unterschiede im Oben und Unten zwischen den vier Bchinot des Willens zu empfangen gibt, wird dies als ein Igul betrachtet (wie ein Kreis in unserer körperlichen Welt, in dem man oben und unten nicht mehr unterscheiden kann). Daher werden die vier Bchinot Igulim (Kreise) genannt, einer im anderen, wo eine Differenzierung zwischen oben und unten unmöglich ist.

  1. Was ist Eljon (Höheres)? (1. Teil, 2. Kap. Or Pnimi 3)

Das ist das Wichtigere.

  1. Was ist Trennung (Perud)? (1. Teil. Histaklut Pnimit 12)

Zwei Stufen, die untereinander von keiner Seite her eine Gleichheit der Form haben, werden als voneinander vollständig getrennt betrachtet.

  1. Was ist Panui (Leer)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 4)

Dies ist ein Ort, der bereit ist, Korrekturen und Vollständigkeit zu empfangen.

  1. Was ist Pashut (Einfach)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 9)

Wo es keine Unterschiede zwischen Stufen und Seiten gibt.

  1. Was ist Zimzum (Einschränkung)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 40)

Etwas, das seinen Willen überwindet, d. h., das sich vom Empfangen zurückhält und trotz seiner großen Sehnsucht zu empfangen nichts empfängt, das wird so bezeichnet, dass es sich einschränkt.

  1. Was ist Kav (Linie)? (1. Teil, 2. Kap. Or Pnimi 1)

Sie zeigt eine Unterscheidung von Oben und Unten an, die es vorher nicht gab. Sie zeigt ebenfalls an, dass das Leuchten sich dem Vorhergehenden gegenüber verringert.

  1. Was ist „Nah“ (Karow)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 3)

Jede Form, die einer anderen näher oder ähnlicher ist, wird als die ihr am nahesten bezeichnet.

  1. Was ist Rosh (Kopf)? (2. Teil, 2. Kap. Or Pnimi 6)

Der Teil im Geschöpf, welcher der Form von Shoresh am ähnlichsten ist, wird Rosh genannt.

  1. Was ist Ruach (Geist)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 5)

Das Or Chassadim wird Ruach genannt.

  1. Was ist ein Razon (Wille)?

siehe Punkt 45

  1. Was ist ein Shem (Name)? (1. Teil, Histaklut Pnimit 5)

Die Heiligen Namen sind Erklärungen davon, wie die Lichter, die sie beinhalten, erworben werden.

  1. Was ist Toch (Inneres)? (1. Teil, 1. Kap. Or Pnimi 50)

Wenn etwas in seinem Inneren empfangen wird, wird es betrachtet, wie wenn das Licht vom Kli bemessen und begrenzt wird. Wenn etwas außerhalb von ihm empfangen wird, wird es betrachtet, wie wenn dem empfangenen Licht keine Grenze gesetzt wird.

  1. Was ist Bewegung (Tnua)? (1. Teil, Histaklut Pnimit 33)

Jegliche Erneuerung der Form wird als spirituelle Bewegung angesehen, denn sie ist von der vorherigen Form getrennt und nimmt einen eigenen Namen an. Sie ist wie ein von einem materiellen Objekt getrennter Teil, welcher seinen ursprünglichen Platz verlassen hat.

 

Tabelle der Fragen und Antworten zur Erklärung der Themen

  1. Welche Begriffe gibt es nicht in der Weisheit der Kabbala? (Der Beginn von Or Pnimi – Inneres Licht)

Von Anfang bis Ende der gesamten Weisheit gibt es kein einziges Wort, welches sich auf greifbare oder abstrakte Ausdrücke wie Raum, Zeit, Bewegung usw. bezieht. Ebenso gibt es keine Abwesenheit in der Spiritualität und eine Veränderung der Form bedeutet nicht, dass die ursprüngliche Form verloren geht. Stattdessen verbleibt die erste Form völlig unverändert an ihrem Ort, und die Veränderung der Form, die nun erreicht wurde, wird zur ersten Form hinzugefügt.

  1. Was ist die übliche Sprache der Kabbala?

Diese Sprache ist die „Sprache der Zweige“, die auf die Höheren Wurzeln zeigt; da es kein Blatt und keinen Grashalm in unserer Welt gibt, die nicht Oben ihre Wurzel hätten. Daher setzten die Weisen der Kabbala eine Sprache zusammen, welche sich vollständig auf die Zweige bezieht, um uns damit deren Höhere Wurzeln zu lehren.

  1. Was unterscheidet und trennt im Spirituellen? (Or Pnimi, Punkt 30)

Die Veränderung der Form unterscheidet und trennt die spirituellen Elemente voneinander.

  1. Was ist die Wurzel des Willens zu empfangen?

Der Wille zu geben im Höheren Licht benötigt die Existenz des Willens zu empfangen im Geschöpf.

  1. Was veranlasst das Licht, aus dem Schöpfer herauszutreten und ein Geschöpf zu werden? (Histaklut Pnimit Punkt 11 und 15)

Durch die Form des Willens zu empfangen, der sich mit dem Höheren Licht in seinem Sein des Gebenwollens erneuerte, trat es heraus aus diesem Teil, der erneuert wurde, vom Aspekt „Schöpfer“, und kam zum Aspekt „Geschöpf“.

  1. Was ist die erste Substanz eines jeden Geschöpfes? (Histaklut Pnimit, Punkt 35)

Die neue Form, die als Existenz aus Nichtexistenz erscheint, ist der Wille zu empfangen und in jedem Wesen vorhanden und es ist die Anfangssubstanz eines jeden Geschöpfes und eines jeden Wesens. Alles, was im Geschöpf oder im Wesen existiert, und was über diese Substanz hinausgeht, wird als Licht und Fülle angesehen – die aus dem Höheren Licht im Aspekt von „Existenz aus Existenz“ stammen – und keinesfalls als Geschöpf. Und ist es nicht erstaunlich wie die Form zu einer Substanz gemacht wird? Denn sogar im Materiellen ist es so, dass es unser Weg ist die erste Form des Wesens aus dem Aspekt der ersten Substanz heraus zu bestimmen, weil es in der ganzen Wirklichkeit in keiner Substanz ein zusätzliches Erlangen gibt. Es ist so, dass unsere Sinne nur Vorgänge innerhalb der Substanz wahrnehmen, was sich verändernde Formen sind, die aus der ersten Substanz kommen“.

  1. Ab wann wird es Geschöpf genannt? (Or Pnimi, 1. Teil, 2. Kapitel, Punkt 3)

Es hört auf Schöpfer zu sein und wird zu einem Geschöpf, sobald sich der Wille zu empfangen im Geschöpf bildet. Dies wird Bchina Alef im Willen (Razon) genannt.

  1. Wenn das Spirituelle eine Veränderung der Form akzeptiert hat, wodurch ein Teil von ihm fortging und zu einer anderen Bchina wurde, hat es dann dadurch irgendeinen Verlust erlitten? (Histaklut Pnimit, Teil 2. betreffend die Hitkalelut der zehn Sefirot in jeder Sefira)

Im Spirituellen gibt es keine Abwesenheit oder Verlust. Der Teil, der sich aufgrund der Veränderung der Form entfernt, wird weder weniger noch verringert er das Höhere Licht auf irgendeine Art. Man kann es mit einer Kerze vergleichen, die eine andere speist: erstere wird dadurch nicht weniger. Daher ist jegliche Veränderung der Form ein Zusatz zur ersten Form.

  1. Auf welche Weise und durch wen werden die vielfältigen Formen und Veränderungen in den Welten bewirkt? (Or Pnimi (Inneres Licht), Teil 1. Kapitel 2, Punkt 1)

Alle Vielfalt und Veränderungen werden nur durch den Aufprall und das Empfangen des Lichtes in den Kelim (Gefäßen) verursacht. Aber das Höhere Licht ist immer in einem Zustand der Ruhe, völlig gleichförmig und ohne jegliche Erneuerung.

  1. Wie werden ein neues Ereignis oder eine Bewegung im Licht beschrieben? (Or Pnimi (Inneres Licht) Teil 1, Kap. 2, Punkt 1)

Es findet keine Bewegung, d. h. Erneuerung im Höheren Licht statt. Sondern der Teil, den das Geschöpf vom Höheren Licht empfängt, ist derjenige, der sich erneuert und vervielfältigt (wie man eine Kerze mit einer anderen anzündet, ohne dass dadurch die Flamme der ersten verringert wird), entsprechend der Bewegung der Formen in den Kelim (Gefäßen). Jede empfängt entsprechend der Eigenschaft ihres eigenen Willens zu empfangen, der sich je nach Form verändert und herabhängt in unermesslicher Weise.

  1. Wie werden all die Gegensätze und vielfältigen Formen, die vom Schöpfer in die Welten ausströmen, in Seiner einfachen Einheit zusammengehalten?

Siehe Histaklut Pnimit Punkt 18 und 29.

  1. Durch wen und durch was dehnt sich der Kav von Ejn Sof aus? (Or Pnimi (Inneres Licht) 1. Teil, 2. Kap., Punkt 1)

Der Massach (Schirm) ist eine eingrenzende Kraft, die nach dem Zimzum über Bchina Dalet platziert wurde, um sie daran zu hindern, etwas in ihrem Inneren zu empfangen und dadurch tritt der Kav aus Ejn Sof aus. Denn das Höhere Licht verändert sich niemals und leuchtet sowohl vor als auch nach dem Zimzum (Einschränkung) völlig gleich. Nun hat der Massach verursacht, dass das Höhere Licht nur in den drei Bchinot des Willens empfangen wird, deren Maß verglichen mit dem Empfangen in Bchina Dalet, die in Ejn Sof ist, sehr klein ist. Aus diesem Grund wird nur eine dünne Linie des Lichtes empfangen, verglichen mit dem Maß an Licht in Ejn Sof.

  1. Gab es nach dem Zimzum (Einschränkung) in Ejn Sof auch irgendeine Veränderung? (Or Pnimi (Inneres Licht) 1. Teil, 2. Kap., Punkt 1)

Obwohl Bchina Dalet sich in Ejn Sof einschränkte, geht es noch nicht darum, eine neue Form anzunehmen oder sich einer in Abwesenheit der ersten zu entledigen, so wie es in der materiellen Welt geschieht. Hier hingegen gibt es die neue Form, die der ersten Form hinzugefügt wird, ohne eine Änderung in der ersten Form hervorzurufen, da es kein Verschwinden in irgendeiner spirituellen Sache gibt. Daher wird die gesamte Neuerung des Verschwindens des Lichtes und die Kraft, welche in Bchina Dalet das Empfangen des Lichts verhindert, als eine andere, neue und bedeutende Welt angesehen. Sie wird jetzt zum Or Ejn Sof hinzugefügt, welches im unveränderlichen Zustand verbleibt. Hieraus sollte man ähnliche Schlussfolgerungen bezüglich aller Neuerungen der Form der Geschöpfe im spirituellen Dasein ableiten.

  1. Wann wurde die Awiut, die in Bchina Dalet ist, enthüllt? (Or Pnimi, 1.Teil, 2.Kap., Punkt 3)

Als der von Ejn Sof kommende Kav daran gehindert wurde, in Bchina Dalet zu scheinen, weil der Massach ihn davon abgehalten hat. Weil er ohne Licht verblieb, wurde die Awiut in ihm sichtbar.

  1. Was sind die vier Unterscheidungen (Bchinot) im Willen zu empfangen? (Or Pnimi, 1. Teil, 2. Kap., Punkt 50)

Am Anfang breitet sich das Licht vom Schöpfer als Or Chochma, Licht der Weisheit, aus, und dies ist die allgemeine Lebenskraft, die dem Geschöpf, dem ausgeströmten Wesen, zugehörig ist. In ihm gibt es Bchina Alef im Willen zu empfangen, und dies wird Hitpashtut Alef – Erste Ausdehnung oder Bchina Alef genannt. Danach vergrößert sich der Wille zu empfangen in diesem Licht, welches wiederum das Or Chassadim, Licht der Barmherzigkeit, vom Schöpfer heranzieht. Dies nennt man Bchina Bet oder Hitgabrut Alef – Erste Überwindung. Danach vollzieht das Or Chassadim eine breite Ausdehnung, und zwar mit dem Leuchten von Chochma. Dies wird Hitpashtut Bet – Zweite Ausdehnung oder Bchina Gimel genannt. Danach verdichtet sich der Wille zu empfangen, der im Licht der Ersten Ausdehnung eingekleidet ist, und vervollständigt das Ausmaß des Willens zu empfangen, genannt Hitgabrut Bet – Zweite Überwindung oder Bchina Dalet.

  1. Was sind die vier Otijot, Buchstaben, des Heiligen Namens HaWaYaH? (Histaklut Pnimit, Punkt 31)

Das Yud des HaWaYaH ist die erste Ausdehnung des Lichtes, Hitpashtut Alef, und trägt den Namen Bchina Alef, (siehe Punkt 69). Das erste Hej des Namens HaWaYaH ist die erste Überwindung im Licht, Hitgabrut Alef, genannt Bchina Bet. Waw stellt die zweite Ausdehnung, Hitpashtut Bet oder das Licht mit dem Namen Bchina Gimel dar, und das letzte Hej im HaWaYaH ist die zweite Überwindung, Hitgabrut Bet, im Licht, genannt Bchina Dalet.

  1. Was ist der höchste Rosh der Kav, der Ejn Sof berührt?

Siehe Punkt 49.

  1. Was ist der einfache Gedanke, der alle Formen und die Gegensätze in der gesamten Wirklichkeit umfasst? (Histaklut Pnimit, Punkt 22)

Es ist der Gedanke Seine Geschöpfe zu erfreuen.

  1. Wo beginnen die Weisen der Kabbala mit dem Studium der Kabbala? (Or Pnimi 1. Teil, Kap. 1, Punkt 2.)

Die Weisheit der Kabbala spricht nur von der Ausdehnung des Lichtes (Hitpashtut Or) aus Seinem Wesen, obwohl für Sein Wesen kein einziger Laut und keine Worte existieren.

  1. Was sind die zwei Grundlagen, die alles beinhalten? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap. Punkt 3 und Histaklut Pnimit, Punkt 5)

Der erste Gedanke enthält das gesamte Universum fertig in perfekter Form, das in Ejn Sof in äußerster Vollkommenheit existiert. Dies wird Or Ejn Sof (Licht der Unendlichkeit) genannt. Der zweite Gedanke sind die fünf Welten genannt Adam Kadmon, Azilut, Brija, Yezira, Assija, die nach dem Zimzum von Malchut de Ejn Sof herunterhängen. Alles, was sich im zweiten Gedanken befindet, entfaltet sich aus dem ersten.

  1. Was ist die Bedeutung von Er und Sein Name sind Eins? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap. Punkt 30 und Histaklut Pnimit, Punkt 13)

„Er“ bezeichnet das Licht in Ejn Sof – Unendlichkeit. „Sein Name“ bedeutet den Willen zu empfangen in Ejn Sof, genannt Malchut de Ejn Sof. Eins kennzeichnet, dass es dort keine Spur von der Veränderung der Form zwischen dem Licht, welches „Er“ ist, und dem Kli, welches „Sein Name“ ist, gibt. Genauer gesagt ist alles Licht.

  1. Was ist die Bedeutung der Bezeichnung Ejn Sof? (Or Pnimi, 1 Teil, Kap 1, Punkt 20)

Vor der Einschränkung (Zimzum) sagt der Name Ejn Sof aus, dass es kein Sof oder Sium (beides: „Ende“) gibt, da Bchina Dalet ebenfalls das Licht empfängt. Somit gibt es keinen Grund für das Licht, sich einzuschränken und Sof und Sium zu erschaffen.

  1. Was breitet sich vom Willen zu empfangen aus, der in Ejn Sof, in der Unendlichkeit, ist? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap., Punkt 90 und Histaklut Pnimit, Punkt 17)

Die Erschaffung der Welten und aller ihrer Bestandteile. Bchina Dalet schränkte sich ein, um die Welten, bis zu Olam haSe herunter, zu enthüllen, wo es möglich ist, die Form des Empfangens in die Form des Gebens zu verwandeln.

  1. Was ist der Grund für die Einschränkung (Zimzum) des Lichts? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap., Punkt 40 und 1. Teil, 1 Kap., Punkt 90)

Malchut de Ejn Sof betrachtete die Gleichheit der Form mit ihrem Schöpfer als eine Verschönerung, die nur durch die Erschaffung der Welten erreicht werden konnte. Darum schränkte sie sich ein.

  1. Welche Art des Empfangens wird als Schenken betrachtet? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap., Punkt 90)

Nur das Empfangen, um zu geben, weil es dem Gebenden Freude bereitet.

  1. Was ist der Zweck der Einschränkung (Zimzum)? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap., Punkt 90)

Das Ziel ist, die Art des Empfangens in die Form des Gebens umzuwandeln.

  1. Warum entfernte sich das Licht vom Mittleren Punkt und kehrte nie wieder zurück?

Siehe Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap., Punkt 40 und Histaklut Pnimit Punkt 22

  1. Warum erschuf der Zimzum kein Sof (Ende)?

Der Zimzum erschien nicht, um der Veränderung der Form willen, die im Willen zu empfangen auftrat, der sie korrigieren wollte. Es ging hier nur um die Verschönerung ohne Bedarf oder Zwang.

  1. Warum entfernte sich das Licht während des Zimzum aus allen Bchinot? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap., Punkt 70)

Weil es nichts Teilweises im Spirituellen gibt.

  1. Warum wurden die vier Bchinot während des Zimzum und vor dem Erscheinen des Kav nicht als vier Stufen unterhalb voneinander erwähnt? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap. Punkt 90)

Vor dem Leuchten der Kav betrachtete Bchina Dalet sich selbst nicht als Aw – grob und niedrig (siehe Punkt 83). Aus diesem Grund heraus stellt sich die Frage nach dem Einfluss, den sie auf die Stufen hat, nicht.

  1. Warum wurde Bchina Dalet beim Zimzum, welchen das Licht vollzog, nicht sofort zu Aw – Dichte, und warum blieben alle vier Bchinot gleich? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap. Punkt 90)

Weil der Zimzum sich nicht wegen einer Veränderung der Form ereignete.

  1. Welche Bchina wurde leer gelassen, ohne Licht? (Or Pnimi, 1. Teil. 2. Kap. Punkt 3)

Nur Bchina Dalet.

  1. Wann wird auch Bchina Dalet mit Licht gefüllt werden? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap Punkt 40)

Zu der Zeit, wenn die Gefäße des Empfangens die Form des Gebens erwerben.

  1. Was ist die Ursache für die Erschaffung der Welten? (Or Pnimi 1. Teil, 1. Kap. Punkt 90)

Der Wille, den es unvermeidlich gab, hatte den Wunsch, sich zu verschönern und völlig der Form des Lichts zu gleichen, und dies wurde zur Ursache der Erschaffung der Welten.

  1. Was ist das gewünschte Ziel des Studiums der Tora und des Vollbringens guter Taten? (Histaklut Pnimit, Punkt 22)

Die Gefäße des Empfangens umzukehren zum Geben.

  1. Was ist die Kraft der Enthüllung der Heiligen Namen? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap. Punkt 90)

Ihre Macht ist speziell dazu da, die Form des Empfangens umzuwandeln ins Geben.

  1. Mit welchen Mitteln werden die Heiligen Namen enthüllt? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap Punkt 40)

Durch die Anstrengung im Studium der Tora und durch gute Taten.

  1. Was ist Gmar Tikun – das Ende der Korrektur? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kap. Punkt 40)

Wenn sich die Form des Empfangens umkehrt in eine Form des Gebens.

  1. Was ist die Wurzel allen Verderbens? (Histaklut Pnimit, Punkt 18)

Die Veränderung der Form des Willens zu empfangen des Schöpfers.

  1. Warum ist diese Welt (und nicht die Höhere Welt) der einzig mögliche Ort, ein Gefäß des Empfangens in ein Gefäß des Gebens umzuwandeln? (Histaklut Pnimit, Punkt 20)

Die Verderbnis und die Korrektur in einem Subjekt gibt es üblicherweise nur in dieser Welt.

  1. Was sind die beiden Bchinot des Lichtes? (Or Pnimi, 1 Teil, 1. Kap. Punkt 50)

Or Chochma und Or Chassadim.

  1. Was umfasst in der Hitpashtut, Ausdehnung, das Licht des Schöpfers? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kapitel, Punkt 50)

Den Willen zu geben und den Willen zu empfangen.

  1. Welches Licht enthüllt sich bei der Hitgabrut (Überwindung) des Willens zu geben? (Or Pnimi, 1. Teil. 1. Kapitel, Punkt 50)

Or Chassadim.

  1. Welche beiden Lichter sind in jedem Geschöpf enthalten? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kapitel, Punkt 50)

Or Chochma und Or Chassadim.

  1. Wieso ist das Or Chassadim dem Or Chochma untergeordnet? (Or Pnimi,1. Teil, 1. Kapitel, Punkt 50)

Weil es durch die Vergrößerung des Willens des Geschöpfes ausgedehnt wird.

  1. Wann vollendet sich das Kli des Empfangens? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kapitel, Punkt 50)

Wenn die Bchina Dalet des Willens erscheint, welche der große Wille zu Empfangen ist.

  1. Was ist der Unterschied zwischen einem, der in seinem Inneren empfängt und einem, der außerhalb von sich empfängt, in Ejn Sof? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kapitel, Punkt 50)

Derjenige, der in seinem Inneren empfängt, kann nur eine begrenzte Menge an Licht erhalten, wegen der Begrenzung des Kli. Wenn das Licht außerhalb empfangen wird, so begrenzt das Kli das Licht, welches es erhält, nicht und es ist ohne Kizba – Ruhegeld (Rente, Pension).

  1. Was sind Sefirot de Igulim (Sefirot der Kreise)?

Wenn es zwischen den vier Bchinot im Willen keinen Unterschied zwischen Oben und unten gibt, werden sie als vier Igulim (Kreise) angesehen, einer innerhalb des anderen, wie Zwiebelschalen.

(Or Pnimi, 1. Teil. 1. Kapitel, Punkt 100)

  1. Warum trifft man keine Unterscheidung in den Stufen der Igulim (Kreise) – eine unter der anderen – vor der Erscheinung des Kav (Linie)? (Or Pnimi, 1. Teil, 1. Kapitel, Punkt 100)

Weil der Zimzum (die Einschränkung) nicht wegen der Niedrigkeit der Veränderung der Form stattfand.

  1. Gibt es im Willen zu empfangen grundsätzlich etwas Böses? (Histaklut Pnimit, Punkt 10)

Es gibt grundsätzlich in ihm weder seitens der Schöpfung etwas Mangelhaftes, noch würde dieses in ihm erscheinen, wenn er nicht eingeschränkt worden wäre.

  1. Was ist die Bedeutung einer Handlung des indirekten Heranziehens aus dem Schöpfer?

Siehe Histaklut Pnimit, Punkt 19

[1] im Kommentar zum Sefer Yezira („Buch der Schöpfung“), Art. 1, S. 7

[2] Erklärung im „Vorwort zum Buch Sohar“, Punkt 67; in Hebräisch wird „mein Volk“ (Ami) und „mit mir“ (Imi) gleich geschrieben, lediglich unterschiedlich ausgesprochen.

[3] Aramäisch: die andere Seite

2 Kommentare
  1. Jörg Bruder
    Jörg Bruder sagte:

    Es gab keinen Raum für die Unteren, die sich selbst hätten auslöschen können und keinen Raum, um irgendetwas zu Seiner Vollkommenheit hinzufügen.

    Hallo Freunde, kann es sein das es „hinzuzufügen“ heißen müsste?.))

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