Parasha „Matot“: Tora-Abschnitt „Stämme“

11.-17. Juli 2021 / 2.-8. Aw 5781

4. Buch Mose, Numeri 30:2-32:42

Zusammenfassung

In diesem Abschnitt weist Moses die Oberhäupter der Stämme in die Gebote ein, die mit dem Schließen und Ablegen von Gelübden verbunden sind. Der Abschnitt spricht auch von Pinchas, der Israel in den Kampf gegen Midian führt und siegreich daraus hervorgeht. Nach dem Kampf erfolgt die Aufteilung der Beute (wovon einiges dem Schöpfer gewidmet wird) sowie die Anweisung, wie die Kelim koscher zu machen sind. Dieser Prozess des Eintauchens in kochendes Wasser wird detailliert beschrieben.

Am Ende des Abschnitts bitten die Stämme Gad und Ruben, am Ostufer des Jordans bleiben zu dürfen, weil es dort guten Boden für ihre großen Viehherden gibt. Damit verärgern sie Moses, denn er glaubt, dass sie nicht in den Kampf um die Eroberung des Landes Israel eintreten wollen. Am Ende verpflichten sie sich, in den Kampf zu ziehen, und Moses gewährt ihnen den Wunsch nach einem Stück Land außerhalb des Landes Israel.

Kommentar von Rav Michael Laitman

Kabbalisten erlangen die Kräfte und Wahrnehmungen der spirituellen Welt. Diese Kräfte steuern und lenken unsere Welt, sowohl die unbelebte, die pflanzliche, die tierische wie auch die sprechende (menschliche). Wobei jede Welt eine spezielle Kraft besitzt, die sie lenkt. Deshalb ist es nicht möglich, von Menschen, die keine Kabbalisten sind, etwas zu verlangen, da sie keinen freien Willen haben, wie es geschrieben steht: Sie sind alle wie Tiere.“ 

Wenn in der Tora eine Geschichte zu lesen ist, die sich scheinbar in dieser Welt abspielt, muss man verstehen, dass ihre Wurzeln in der spirituellen Welt liegen, in dem Netzwerk von Kräften, das auch unsere Welt regiert.

Wir fühlen und verstehen bereits, dass wir uns dem Netzwerk der Kräfte der integralen Natur annähern, welches alles in sich einschließt und uns zu einem entsprechenden Verhalten zwingt. Das ist die Offenbarung der Höheren Kraft, die sich uns stufenweise annähert.

Wir sehen, dass wir die Welt nicht mehr kontrollieren können. Jeden Tag spüren wir immer deutlicher, dass wir nichts in der Welt beeinflussen können. Wir verlieren unsere Fähigkeit, die Welt zu kontrollieren, weil wir erkennen, dass wir so, wie bisher unser Ego nutzen, nicht mehr weiterleben können.

Kabbalisten enthüllten das Höhere Netzwerk und beschreiben uns nun, wie sich die Höheren Stufen offenbaren. Dafür nutzten sie Worte und Geschichten unserer Welt, denn alles, was in der Höheren Welt existiert, steigt in die untere herab.

Während der vierzig Jahre der Wüste und bereits zuvor, schrieb Moses seine fünf Bücher, den Pentateuch. Durch seine spirituelle Erkenntnisse konnte Moses einen Teil des Pentateuch – die Zeit, die seiner eigenen vorausging – beschreiben. Er schreibt ihn in der Sprache der Zweige, durch die Verbindungen zwischen Oben und unten. Moses beschreibt alles, was sich in der Höheren Welt ereignet und wie deren Kräfte gelenkt werden. Er spricht von ihnen als Ergebnisse, wie von „Marionetten“, die sich in unserer Welt bewegen und verändern.

Deshalb muss man sich auch nicht mit dieser Welt beschäftigen, denn sie wird vollständig durch diese Kräfte gesteuert. Es findet sich nichts Eigenständiges in ihr. Um dies zu erkennen, muss man sich auf Höhere Stufen erheben, an jene Orte, wo die Entscheidungen getroffen werden, wo die Kräfte wirken, welche unsere Welt beeinflussen.

Wir können in dieser Welt nichts verändern, dessen werden wir uns immer bewusster. Wir haben aber die Möglichkeit, uns zu verändern. So kann ein Mensch entsprechend seiner Annäherung an die Kräfte in seiner eigenen Natur im Geben und Liebe sein. Auf diese Weise kann man sein Schicksal hier in dieser Welt ändern.

Nur wenn wir uns selbst verändern, können wir tatsächlich erreichen, was geschrieben steht: Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, ich habe für ihn die Tora als Gewürz erschaffen“, denn das Licht in ihr korrigiert ihn.“ Nur durch das Licht, das wir aus dem Studium der Weisheit der Kabbala erhalten, können wir uns verändern und zur nächst Höheren Stufe aufsteigen. Von dieser Höheren Stufe aus können wir die Entscheidungen und den Mechanismus beeinflussen, der unsere Welt steuert. In der Erzählung wird dies beschreiben, als Moses sich an die Oberhäupter der Stämme wendet und ihnen erklärt, dass sie die Gelübde ablegen und gegen Midian kämpfen sollen, usw.

Wir müssen uns den Menschen als eine kleine Welt und alles, was in unserer Welt geschieht, als Geschehen im Inneren dieses Menschen, vorstellen. Im Menschen existieren Moses und die gesamte Struktur, die „das Volk Israel “ genannt wird. Israel, seine Priester und die Leviten stellen die drei Linien dar, aus denen unsere Seele besteht. Auch die “Völker der Welt”, die Midianiter, der Pharao und all das worüber die Tora spricht gehören zu dieser Struktur der Kräfte.

Die Tora leitet uns an, wie wir uns selbst entdecken und beginnen können, all diese Kräfte und Eigenschaften in uns wahrzunehmen. Wenn wir dementsprechend handeln, werden wir uns von einem Menschen in dieser Welt zu einem höheren, spirituellen Menschen, der sich der spirituellen Welt bewusst ist, bekannt als Matot (Stämme), verändern und können uns entsprechend anpassen.

Dies ist eine sehr Hohe Stufe, die aus Chessed (die 4.Sefira), der Höchsten Sefira (Erleuchtung) der Struktur der Seele heraus wirkt. Von den zehn Sefirot sind Keter, Chochma und Bina die obersten drei Sefirot. Sie befinden sich oberhalb jener Erlangung, die wir erreichen können und sie leiten uns an. Wir nähern uns ihnen durch unsere inneren Eigenschaften an, indem wir die unteren sieben Sefirot richtig anordnen: Chessed, Gwura, Tiferet, Nezach, Hod, Yesod und Malchut.

Wir korrigieren diese sieben Sefirot auf jeder Stufe immer wieder, und deshalb werden sie „die sieben Tage der Woche“ genannt. Chessed, Gwura, Tiferet, Nezach, Hod, Yesod entsprechen den Wochentagen, und Malchut entspricht dem Shabbat. Indem wir sie korrigieren, bewegen wir uns in einem Kreis durch die Wochen, was uns schließlich den drei obersten Sefirot, Keter, Chochma und Bina annähert, was das Ende der Korrektur bedeutet.

Jede Woche des Jahres hat ihren eigenen Tora Abschnitt. Das sind Stufen, durch die wir uns allmählich zur Höchsten Stufe erheben, indem sich uns unser Inneres eröffnet. Während wir das tun, finden wir Kräfte in uns und handeln gemeinsam mit ihnen.

Die Eigenschaft von Moses, die in uns existiert, wendet sich an die Oberhäupter der Stämme, die sich ebenfalls entsprechend der Einteilung der Seele in zwölf Stämme in uns befinden. Der Mensch ordnet sie richtig, während er mit dem wachsenden Ego von einem Zustand namens „Empfangen der Tora“ zu einem Zustand namens „Eintritt in das Land Israel“ arbeitet. Der Prozess, den man zwischen den Zuständen durchläuft, wird „die vierzig Jahre der Wüste“ genannt. Die Wüste steht für die Notwendigkeit, die Verlangen in uns zu sortieren und sie vom Empfangen für uns selbst in die altruistische Form des Gebens zu korrigieren. Dies kann in unserer Welt als der richtige Umgang mit anderen Menschen bezeichnet werden, was sich in der Maxime zusammenfassen lässt: Was dir selbst verhasst ist, das tue deinem Freund nicht an.“ Auf der Stufe der „Stämme“ werden die eigenen Eigenschaften und der Wille zu empfangen hinterfragt.

Zunächst kann ein Mensch die „Gelübde prüfen. „Gelübde sind Zustände und Bedingungen, durch die ein Mensch eine Höhere Stufe erlangt. Sie zeigen die Einschränkung, die ein Mensch auf sich nehmen kann, ohne dabei zu versagen. Schafft er es nicht, sie einzuhalten, kann er sich von ihnen befreien, was dem „Ablegen eines Gelübdes“ vor Jom Kippur (Versöhnungstag) gleicht.

Es gibt grundlegende Gesetze in der Spiritualität, die den Menschen und die Prüfung, die in ihm stattfinden, betreffen. Es sind Gesetze dazu, inwieweit man um Korrektur für sich selbst bitten und mit der Kraft arbeiten kann, die korrigiert. Nach diesen Vorbereitungen wird sich eine Mensch seiner Fähigkeit bewusst, wie er mit seinem Ego auf der Stufe von Midian arbeiten kann.  Dieser Mensch arbeitet mit der Kraft, die „Pinchas“ genannt wird und die nächste Stufe der Kraft von Moses darstellt.

Das ist der Moment, in dem der Mensch wirklich in den Kampf ziehen kann. Er wendet sich gegen das eigene Ego, um es zu besiegen, und arbeitet mit einem Teil davon, um zu geben. Der Mensch steigt auf die nächste Stufe, indem er den Bösen Trieb in den Guten Trieb korrigiert. Es gibt keine andere Substanz mit der wir arbeiten können, nur unsere eigene – der Wille zu empfangen.

Zuerst existieren wir mit der Absicht, nur zu empfangen. In diesem Zustand wird er „der Böse Trieb“ genannt, da er sich selbst daran hindert, mit anderen zu interagieren. Wenn er sich in den „Guten Trieb“ verwandelt, verbindet er sich mit allen. Das bedeutet, dass ein Mensch den Kampf erfolgreich geführt und das Ego besiegt hat.

Wenn ein Mensch sein Ego überwunden hat, verteilt er seine Beute an die Stämme, die Priester, die Leviten, Israel, die Frauen und die Kinder. Er verteilt die Beute aus der unbelebten, pflanzlichen, tierischen und sprechenden (menschlichen) Stufe. Die Tora beschreibt sehr genau, was mit dem männlichen Teil, der die rechte Seite der Klipa (Schale/Hülle) darstellt, und was mit dem weiblichen Teil, der linken Seite der Klipa, getan werden muss.


Fragen und Antworten

An Jom Kippur gibt es den Brauch, Gelübde abzulegen. Warum gibt es überhaupt einen Wunsch nach Gelübden?

Ohne ein Gelübde kann der Mensch nicht wachsen. Wenn er sich einer Höheren Stufe annähert, muss er sich vor dem Höheren annullieren, weil er diese Stufe noch nicht erreicht hat und sie daher nicht genau einschätzen kann. Während er studiert, korrigiert und erneuert er sich dadurch ständig.

Zusätzlich kommen Handlungen hinzu, die sich gegenseitig ergänzen, wie z.B. das zweite Pessach. Konnte der Mensch sich nicht auf die “Pessach genannte Korrektur vorbereitet, bei der das Ego „überwunden“ wird, hat er die Möglichkeit, diese Korrektur einen Monat später zu erreichen .

Das hört sich wie ein Handel an. Wir machen also ein Gelübde, damit wir die Arbeit später erledigen können? 

Nein, das gibt es nicht. Auf diese Weise funktioniert Spiritualität nicht. Ein Mensch tut aufrichtig alles so lange, bis er feststellt, dass er nicht weiter kommen kann oder bis sich die Bedingungen ändern. Wir befinden uns in einem System von miteinander verbundenen Seelen, das uns unterstützt, wenn wir fallen. Wir lernen über unser Dasein durch das integrale System von Moses, der nichts Unrechtes tat, außer auf den Felsen zu schlagen, und doch litt das ganze Volk darunter.

Es gab nur einen Moses, und wir sind nur Anfänger.

Über diese Welt gibt es nichts zu sagen. In unserer Welt gibt es nur die Auswirkungen von Ereignissen in der spirituellen Welt. Wenn man die spirituelle Welt durch das Studium der Kabbala beeinflussen kann, wird man auch diese Welt verändern können. Tut man das nicht, wird sich hier in dieser Welt nichts verändern.

Die spirituelle Welt kann tatsächlich, indem der Mensch einfach danach strebt, zur Spiritualität aufzusteigen, verändert werden. Dieses Streben wird diese Welt positiv beeinflussen. Hat man kein Verlangen oder keine Fähigkeit, seinen spirituelle Zustand zu verändern, obwohl man es könnte, wird sich unsere Welt des Leidens weiterentwickeln.

Wie können wir unsere Welt verändern, wenn in ihr nur die Ereignisse der Höheren Welt wirken und wir somit ohne freie Wahl von ihr gesteuert werden?

Sobald man beginnt, zur spirituellen Welt aufzusteigen, wird sich diese Welt verändern. Nichts in dieser Welt verändert sich, sondern nur die Kräfte, die von Oben auf sie einwirken. Deshalb besteht die einzige freie Wahl des Menschen in dieser Welt darin, sich über sie zu erheben.

Geschieht dies, indem die Menschen sich miteinander verbinden?

Ja, durch die Einheit mit anderen.

Werden wir durch das Studium der Kabbala auch unsere finanzielle Situation verbessern?

Alles wird sich ändern. Alle Ereignisse in dieser Welt hängen nur von den Verbindungen zwischen uns ab. Deshalb ist das einzig Sinnvolle, das man neben der Sicherung seines Lebensunterhalts tun kann, die restliche freie Zeit dem spirituellen Aufstieg zu widmen. Das wird alles verändern.

Ist die Korrektur individuell oder betrifft sie alle?

Die Korrektur ist sowohl individuell als auch allgemein, aber in der heutigen Zeit betrifft sie in erster Linie die Menschheit als ganzes.

Warum fällt es uns schwer, das zu verstehen, obwohl es sich eigentlich so einfach anhört?

Ein Mensch ist gemäß seinem individuellen Ego erschaffen. Wir sehen die Welt durch unser Ego. Genau deswegen funktionieren heute die Systeme der Wirtschaft und der Bildung nicht mehr gut. Weil alles zerbrochen und zerstreut ist, haben diese Systemen keinen Erfolg mehr. Im Laufe der Evolution gewöhnte sich der Mensch daran, mit Hilfe seines Egos voranzukommen, und versuchte, sich selbst den größten Erfolg und Vorteil zu verschaffen. Aber heute funktionieren diese egoistischen, linearen Systeme nicht mehr. Die Menschheit bewegt sich in Richtung von Systemen, die rund, integral und verbunden sind.

Wird die gegenseitige Beeinflussung sofort wahrgenommen?

Ja, die Menschen werden sich wichtiger, erfolgreicher und sogar mächtiger fühlen als die Regierenden. Die Regierungen handeln egoistisch, wie ein gerader Pfeil. Im Gegensatz dazu sind die Verbindungen zwischen Menschen kreisförmig. Der globale Mechanismus der Natur, welche integral und global ist, zeigt sich mehr und mehr. Daher kann sich die Menschheit nicht mehr egoistisch, linear weiterentwickeln wie bisher. Jetzt müssen die Menschen lernen, wie man aufsteigt, wie man seine Anstrengungen vergrößert, um sich „wie ein Mensch mit einem Herzen“ zu verbinden. Denn, nur durch Einheit kann die Art und Weise geändert werden, wie sich uns die Dinge in dieser Welt darstellen.

Aus dem Soharr alle, Matot (Stämme), Punkt 5

Matot (Stämme)

‚Und ihr, die ihr dem Herrn, eurem Gott, angehört, ihr seid heute alle lebendig.‘ Was ist der Grund dafür? Das kommt daher, dass die Seele Israels aus dem Geist des lebendigen Gottes hervorgeht. ‚Denn der Geist vor Mir wird sie einhüllen.‘ ‚Vor Mir‘, das heißt vor der Göttlichkeit, von SA, dem lebendigen Gott.“

Was ist mit Beute gemeint?

Die “Beute” ist das Ergebnis der Arbeit des Menschen mit dem Bösen Trieb. In diesem Kampf verwandelt der Mensch den Bösen Trieb in einen guten, indem er das korrigierende Licht nutzt. Als Ergebnis bekommt der Mensch Licht durch diesen Trieb. Das Licht, das einen Menschen erfüllt – die Erlangung, die erhabene Wahrnehmung – ist ein wertvoller Besitz. Dies ist mit “Beute” gemeint.

Die “Verteilung der Beute” bezieht sich darauf, wie das Licht auf alle Teile des Menschen, auf all seine Verlangen und Eigenschaften aufgeteilt wird. Sie gibt vor, wie der Verteilungsmechanismus gesteuert wird, wer mehr und wer weniger bekommt.

Dieser Abschnitt scheint die Wurzel des Vorgangs “die Werkzeuge koscher zu machen” zu beschreiben.

Die Wurzel dieses Vorgangs liegt in unseren Kelim (Gefäßen), im Willen zu empfangen. Diese Kelim sind der Ort, an dem wir das Licht empfangen. Das Licht kann unsere Verlangen unter der Bedingung erfüllen, dass diese nicht nur empfangen, sondern auch geben wollen, also um es mit anderen zu teilen. Wenn wir uns auf diese Weise mit anderen verbinden, erscheint das Licht in uns. Daraus folgt, dass all unsere Korrekturen in Wirklichkeit Einschränkungen unserer Kelim sind. Das ist mit “koscher machen” gemeint.

Mit anderen Worten: Der Wille zu Empfangen muss eingeschränkt werden, damit er sich auf das Geben ausrichten und mit anderen Menschen verbunden sein kann. Das Wasser, welches Chessed repräsentiert, bereitet die Kelim vor. Um ein metallisches Kli (Gefäß) zu korrigieren, es koscher machen, bedarf es einer tieferen Korrektur. Es muss durch Feuer gehen, welches Gwura repräsentiert. Ein metallisches Kli repräsentiert ein Verlangen, das egoistisch benutzt wurde und das korrigiert und stärker gereinigt werden muss. Dies geschieht durch das „weiß machen“, das Erhitzen bis zu dem Punkt, an dem das Metall weiß wird, dem Eintauchen in kochendes Wasser (Hagaala) in einer Wanne, Mikveh Kelim, die für das rituelle Eintauchen von Werkzeug verwendet wird.

Wie die Kelim korrigiert werden können, erklärt die Weisheit der Kabbala. Die Korrektur der Kelim findet statt, nachdem der Mensch die Kelim erworben hat und sie von der Absicht zu empfangen in die Absicht um zu geben geändert – seine Verlangen also besiegt hat. Dabei geht es nicht nur um die Korrektur der Kelim, in der beschriebenen Art mit Werkzeugen oder Schalen, sondern auch um die Korrektur der Kelim, die man opfert.

Die Opfergabe ist ein Kli auf der tierischen Stufe. Der Wille zu empfangen wird „getötet“, d.h. die Art, wie der Wille zu empfangen zuvor egoistisch genutzt wurde, wird als Opfergabe (Korban) dargebracht (was vom Wort Hitkarwut, sich nähern abstammt) und nun zum Wohle anderer eingesetzt. Nur indem er denselben Willen zu empfangen benutzt, aber mit korrigierter Ausrichtung, kann er anderen Liebe geben und damit wird dieser Wille zu empfangen heilig.

Das ist nicht der einzige Tora Abschnitt, in dem Kriege und Kämpfe stattfinden.

Wir befinden uns immer im Krieg, im Kampf mit unserem Willen zu empfangen, bis wir das Ende der Korrektur erreichen.

Wenn ein Mensch bereits eine bestimmten Stufe erreicht hat und sich an dem Licht, das sich in ihr befindet, erfreut, warum sollte er es dann abgeben?

Er möchte es anderen weitergeben.

Aber dieser Mensch hat immer noch keinen Wunsch, das Licht an andere weiterzugeben.

Der Wunsch, das Licht weiterzugeben, ist die Voraussetzung für das Empfangen des Lichts der Höheren Stufe.

Sie meinen, um das Licht zu empfangen, müssen wir es zuerst geben wollen?

Ja, natürlich. Wir wollen es empfangen, weil wir bereits gehört haben, dass es gut ist. Aber wir werden es solange nicht empfangen, bis wir es mit anderen teilen wollen. Unsere Welt verlangt von uns, dass wir uns verbinden, weil wir uns dem Ende des Prozesses der Korrektur nähern.

Wenn ein Mensch einmal das Licht gekostet hat, was würde ihn davon abhalten, es sich immer wieder zu wünschen?

Wir kommen „auf zwei Beinen“ voran. Der Mensch empfängt Kelim (Gefäße), korrigiert sie und dadurch werden sie mit Licht erfüllt. Dann teilt er sie mit allen und vollbringt so eine sehr gute Tat, eine Mizwa (gute Tat/ein Gebot). Den Willen zu nutzen, um zugunsten anderer zu empfangen, wird Mizwa genannt. Sobald eine Mizwa erfüllt wurde, steigt ein anderer, bis anhin verborgener Teil des Egos des Menschen aus seinem Inneren auf und wird bewusst. Letztendlich erscheint das gesamte „Ägypten“ eines Menschen, und nun befindet er sich in einem so großen egoistischen Zustand, welcher sich über alles Gute ausbreitet. Das Schlechte herrscht dann über das Gute. Wenn das geschieht, wird ein Mensch „böse“, und der Kampf beginnt von neuem: Die vorherige Stufe verschwindet, „ertrinkt“ sozusagen im “Bösen”.

Als ds Volk Israel Kanaan betrat und es in Besitz nahm, wollten Gad und Ruben sich an der Ostseite des Flusses Jordan niederlassen. Warum war Moses dagegen?

Unser Wille zu empfangen befindet sich in den drei Welten Brija, Yezira und Assija. Dort befinden sich auch der Tempel, Jerusalem, der Berg Morija und alle übrigen Stufen: Das Land Israel, um das sich der Jordan, der Libanon, Syrien und Babylon befinden. Darüber hinaus existieren die anderen Länder der Welt, denen jedoch keine Bedeutung beigemessen wird.

Das Ostufer des Jordans ist die erste Grenze jenseits des Landes Israel und hat daher nicht dasselbe Maß der Heiligkeit wie das Land Israel selbst. Das ist der Grund, warum Moses, die Kraft, die alle Korrekturen in uns steuert, sich der Ankunft der Kinder Israels dort widersetzt. Alle Kinder Israels müssen sich zuerst im Land Israel befinden, und erst dann folgen die Eroberungen Davids, zu denen der Libanon, Syrien und Babylon gehören, vom Nil bis zum Euphrat.


Glossar Parasha Matot

Stamm: Ein “Stamm” ist eine Gruppe. So wie der Körper Systeme wie das Lymphsystem, das Herz-Kreislauf-System, die Nervensysteme usw. hat, ist ein “Stamm“ eines der zwölf Systeme, aus denen die Seele besteht. Die Seele teilt sich in zwölf Systeme auf, die als CHaBaD, CHaGaT, NeHJ  bekannt sind. In Yud-Hej-Wav-Hej gibt es je drei Linien, was zusammen zwölf ergibt.

Gelübde: Ohne “Gelübde” können wir nicht vorankommen. Es ist eine Art Vorbereitung auf die nächste Stufe. Obwohl wir nicht wissen, was die nächste Stufe beinhaltet, streben wir sie dennoch an. Spirituell legt ein Mensch ein “Gelübde” ab, sich zu korrigieren, und erst danach prüft er, ob dies überhaupt möglich ist. Er muss es also zuerst wollen, ohne zu wissen, ob er es einhalten kann.

Beute: Die “Beute” ist das Licht, welches in den korrigierten Kelim (Gefäßen) im Spirituellen empfangen wird. Das bedeutet, das sich das Licht von Chochma (Weisheit) in das Licht von Chassadim (Barmherzigkeit) einkleidet.

Hagaala von Kelim (Eintauchen von Utensilien in kochendes Wasser): “Hagaala ist eine der Formen der Korrektur unserer spirituellen Kelim (Gefäße). Der Mensch hat Kelim auf der unbelebten, pflanzlichen, tierischen und sprechenden (menschlichen) Stufen. Die Verlangen teilen sich je nach ihrer Awiut (Dicke) in vier Stufen auf. Jene Kelim, die unseren Kelim ähnlich sind, werden durch das, was Hagaala genannt wird, korrigiert.

Koscheres Kli: Ein “koscheres Kli ist ein Verlangen zu empfangen, das die Absicht erworben hat, zu geben. Umgekehrt ist ein Verlangen zu empfangen, das die Absicht hat zu empfangen, nicht koscher.

Ostseite des Jordans: Dies ist der Teil, der noch zum Land Israel gehört, sich aber in Tiferet (Schönheit) der Welt von Bria befindet. Es wird darüber in den Schriften von ARI und in “Das Studium der Zehn Sefirot “ geschrieben.

Zorn: “Zorn” ist die Zunahme der Gwurot (Stärke, Macht, Urteil) in Malchut (Königreich), weil sie aus Mangel an Chassadim (Barmherzigkeit) nicht empfangen können. In unserer Welt wird ein Mensch wütend aus Mangel an Licht von Chassadim innerhalb seines Klis.

Aus dem Sohar für Alle, Matot (Stämme), Punkt 6:

Ich sagte: ‚Es soll eine Welt der Barmherzigkeit entstehen.‘ Chessed (Barmherzigkeit) ist eine der Höheren Sefirot von Keter, die höchste Sefira der sieben unteren. Der Schöpfer hat die Seele Israels Chessed (Barmherzigkeit) genannt, unter der Bedingung, dass die Barmherzigkeit (Chessed) gebildet wird und sie nicht aus der Welt ausgelöscht wird.“

Chessed ist die höchste der sieben Sefirot Chessed, Gwura, Tiferet, Nezach, Hod, Jessod und Malchut. Aus diesem Grund ist Chessed die Höchste Sefira der Struktur der Seele. Sie ist für alles verantwortlich, zieht und verwaltet den gesamten Prozess der Korrektur. Auf diese Weise handelt Chessed wirklich als Chessed barmherzig.

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