Parasha WaJeze / Tora Abschnitt „Und er zog aus“

1. Buch MoseGenesis 28:10 – 32:3

Zusammenfassung

Der Abschnitt Wajeze (Und er zog aus) beginnt damit, dass Jakob Beersheba verlässt und nach Haran geht. Er übernachtet dort und sieht in einem Traum eine Leiter, die war auf die Erde gestellt, und reichte mit der Spitze bis an den Himmel. Und siehe, auf ihr stiegen die Engel Gottes auf und nieder.“ (Genesis 28:12). Der Schöpfer erscheint ihm und verspricht, dass die Erde, auf der er liegt, ihm gehören wird, dass er viele Söhne haben und Er über ihn wachen wird. Am nächsten Morgen errichtet Jakob an diesem Ort ein Denkmal und nennt es Bethel von Beit El (Haus Gottes).

In der Nähe von Haran trifft Jakob an einem Brunnen auf Rahel und ihren Vater, den Aramäer Laban. Jakob bietet ihm an, sieben Jahre für ihn zu arbeiten, wenn er danach Rahel heiraten darf. Laban betrügt Jakob am Ende der sieben Jahre und gibt ihm anstatt Rahel, Lea zur Frau. Um Rahel heiraten zu können, zwingt er Jakob, weitere sieben Jahre für ihn zu arbeiten. Danach gibt er ihm Rahel und Jakob heiratet sie.

Lea hat vier Söhne von Jakob, während Rahel unfruchtbar ist. Rahel gibt Jakob ihre Mägde, die ihm vier weitere Söhne gebären. Lea bringt noch zwei Söhne zur Welt, bis schließlich Rahel schwanger wird und Joseph gebiert.

Jakob bittet Laban, ihn für seine Arbeit zu bezahlen. Laban gibt ihm etwas von der Herde, obwohl sie eine andere Vereinbarung getroffen hatten. Jakob zeigt der Herde die Tränken, und sie werden trächtig und gebären. Einige der Lämmer werden gestreift, andere gesprenkelt und wieder andere gefleckt geboren.

Jakob hat das Gefühl, dass Laban ihn nicht mehr wie früher behandelt. Zur gleichen Zeit erscheint Jakob ein Engel und sagt ihm, er soll in das Land Israel zurückkehren. Er reist ab, ohne Laban zu benachrichtigen, und Rahel stiehlt die Teraphim. Laban verfolgt sie auf der Suche nach seinen Göttern, holt Jakob auf dem Berg Gilead ein und tadelt ihn für seine Flucht und den Diebstahl der Teraphim.

Letzten Endes schließen sie auf dem Berg Gilead einen Bund. Jakob bereitet sich darauf vor, in das Land Israel einzuziehen. Da erkennt er Engel, die ihn begleiten und er nennt den Ort daraufhin Mahanajim (zwei Lager).

Kommentar von Rav Michael Laitman

Die Erzählungen in der Tora interpretiert die Kabbala immer als Stufen des inneren spirituellen Aufstiegs eines Menschen, entsprechend seiner Bestimmung in dieser Welt die Höhere Kraft zu enthüllen. Das bedeutet, Dwekut (Anhaftung) mit der Höheren Kraft zu erlangen.

Bis jetzt haben sich alle Tora Abschnitte auf den Ursprung des Menschen, Abraham, bezogen. Diese Stufe wird durch die Gruppe, die Verbindung mit einem Lehrer und den Büchern der Kabbala studiert. Danach entdeckt der Mensch die nächste Stufe, Isaak, gefolgt von Ismael und dann Esau.

Nun folgt Jakob, der im Abschnitt Wajeze (Und er zog aus) die mittlere Linie darstellt. Abraham ist die rechte Linie und Isaak die linke Linie. Jakob ist deshalb etwas Besonderes, weil er als mittlere Linie alle Eigenschaften enthält, sowohl die guten als auch die schlechten. In der mittleren Linie vereinen sich der böse“ und der gute Trieb“, um die Stufe der Höheren Kraft zu erreichen. Das ist das Ziel des Menschen.

Die mittlere Linie wird vollständig durch die Arbeit im Glauben über dem Verstand, im Geben über dem Ego, gebildet. Durch die Eigenschaft Jakobs entwickelt sich der Mensch. Jakob verlässt Beersheba, also einen bestimmten Ort, einen inneren Zustand, und macht sich auf den Weg nach Haran. Auf dieser weiteren Etappe des Weges muss er durch Tag und Nacht, von einem Zustand in den anderen wechseln. Mit anderen Worten: Durch Jakob erlebt der Mensch innere, spirituelle Auf- und Abstiege.

Jeder Aufstieg bedeutet, dass sich der Mensch über sein steinernes Herz“ erhebt. Über den Stein, den er sich unter den Kopf gelegt hat und sich in der besonderen Handlung, die Schlaf genannt wird, befindet. Das bedeutet MAN (Wasser von Nukwa (Frau)) zu erheben. Anschließend entdeckt der Mensch im Traum, in dem er sich mit seiner Höheren Stufe verbindet, die Jakobsleiter“, die Leiter der Stufen. Die Leiter besteht aus 125 Stufen, die ein Mensch bis zum Haus Gottes“ hinaufsteigt.

Auch wenn der Mensch noch nicht die ganze Leiter sehen kann, so erkennt er doch, dass sie bis in den Himmel reicht. Das ist die Offenbarung des Beginns des Weges, welche der Mensch durch die mittlere Linie erreicht. Deshalb erscheint ihm die Höhere Kraft, der Schöpfer und sagt, dass Er ihm Erez (Land) gibt, was Razon (Verlangen) bedeutet, mit dem er nun handeln kann.

Mit anderen Worten, das ganze Verlangen wird nun gereinigt um zu geben, und der Mensch nähert sich der Höheren Kraft an. Dabei ist sich Jakob sicher, dass er dies erreichen kann. Deshalb errichtet er an diesem Ort, am Fuß der Leiter, ein Denkmal und bestimmt, dass dies Beit El (Haus Gottes) ist. Von nun an steigt er direkt zum Ziel der Schöpfung auf.

Wenn ein Mensch beginnt, mit dem Verlangen zu arbeiten, beginnt er sich zu verändern. Auf der einen Seite erscheint mehr vom bösen Trieb. Andererseits korrigiert der Mensch diesen durch den guten Trieb.

Ein leeres“ Verlangen nennt man eine Grube“. Wenn das Verlangen erfüllt ist, die Grube“ gefüllt ist, wird sie Brunnen“ genannt. In den Erzählungen der Tora finden besondere Wechsel von Zustand zu Zustand, bei einem Aufstieg, in der Nähe eines Brunnens statt. Dies geschieht bei Abraham, Isaak, Elieser, Moses und Zippora.

Sohar für Alle, Wajeze (Und er zog aus), Punkt 95

Und er schaute, und sah einen Brunnen auf dem Feld

„Als Jakob am Brunnen saß und sah, dass das Wasser zu ihm aufstieg, wusste er, dass seine Frau dorthin kommen würde. So ist es auch bei Moses. Als er am Brunnen saß und sah, dass das Wasser zu ihm aufstieg, wusste er, dass seine Frau dorthin kommen würde. Auch Jakobs Frau war dorthin gekommen, wie es geschrieben steht ‚Als er noch mit ihnen redete, kam Rahel mit den Schafen ihres Vaters.[…] Und es geschah, als Jakob sah…‘

Bei Moses steht geschrieben ‚Da kamen Hirten und jagten sie fort‘ (2.Mose, 2,17). Seine Frau Zippora kam dorthin, weil der Brunnen sie dazu veranlasste. Der Brunnen ist die höhere Nukwa (Frau). Weil sie sich in der höheren Nukwa treffen, treffen sie sich mit der Nukwa dieser Welt.“

Der Sohar legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Parallelen zwischen Jakob und Moses, weil hier eine Fortsetzung der mittleren Linie geschieht. Bei den vorangegangenen Brunnen, welche die Väter gegraben haben, befanden diese sich noch in der rechten oder linken Linie. Nun aber befinden sie sich in der mittleren Linie.

Laut der Weisheit der Kabbala weist Jakobs Ankunft bei Laban (hebräisch: lavan Weiß) auf das Höhere Weiß hin, ein sehr starkes Licht, buchstäblich das Licht von Ejn Sof (Unendlichkeit). Wenn geschrieben steht, dass Laban böse war, dann deshalb, weil er als Gegensatz zum gesamten Willen zu empfangen, bevor er korrigiert wird, erscheint. Deshalb wird er auch als böse“ bezeichnet.

Offensichtlich ist Laban sehr an Jakob interessiert. Er stimmt zu und ist sehr erfreut, denn es ist tatsächlich die Herrschaft des Höheren Lichts, die von Oben erscheint, sowohl gegenüber des guten“ als auch des bösen Triebes“. Diese Herrschaft wirkt in jedem Menschen.

Laban, das Höhere Licht, welches dem gesamten Verlangen, das erschaffen wurde, entgegengesetzt ist, möchte, dass das gesamte Verlangen in einem Menschen, nicht nur der kleine Teil, Rahel, die kleine Nukwa (Frau), sondern auch Lea, die große Nukwa, korrigiert wird. Deshalb wendet sich Laban sofort dem gesamten Verlangen zu, dem Gegensatz zum Höheren Weiß“. Das ist das Verlangen, für welches er eine Korrektur sucht.

Das ist der Grund, warum er betrügt. Dies bewirkt die Herrschaft des Höheren Lichts. Auf diese Weise wird der Menschen jedes Mal getäuscht und manipuliert. Doch der Mensch versteht, dass er durch die Täuschung korrigiert wird. Die Täuschung erfolgt, weil der Mensch gegenüber der Höheren Kraft verkehrt“ ist.

In der Erzählung wird ersichtlich, dass in diesem Zustand der Mensch gezwungen ist, alles zu nehmen, was ihm zur Verfügung steht. So wird er verstehen, dass er es trotz der Schwierigkeit und der Nichtübereinstimmung der eigenen Stufe mit der Höheren dies annehmen und sich dadurch erheben muss. Auch wenn es nicht die geliebte“ Nukwa (Frau) ist.

Fragen und Antworten

Ist Nukwa (Frau) ein Mangel, ein großes Verlangen?

Ja, Nukwa (Frau) ist ein Mangel. Es steht geschrieben (1), dass die Frau eines Mannes wie sein eigener Körper ist. Der Körper wird Nukwa genannt, das Verlangen [in seiner Seele], mit welchem der Mensch arbeitet.

In der Erzählung ist vom gestreiften, gesprenkelten und gefleckten Ziegen die Rede. Jakob scheint zu wissen, wie er den genetischen Prozess in Gang setzen kann. Seine Arbeit besteht in diesem Zustand aus drei Linien: gestreift, gesprenkelt und gefleckt. Sie stehen für drei Welten.

Gestreift“ bezieht sich auf die Welt von Adam Kadmon, die höchste Welt, in der Laban die größte Macht hat. Dann kommt die Gesprenkelte“, die Welt der Nekudim, wo das Zerbrechen stattfindet. Dies meint die schwarzen Punkte auf weißem Hintergrund. Durch sie wird einem Menschen Offenbarung zuteil. Ein Fleck“, ein Punkt, steht für die Welt von Azilut, die der Seele Adams entgegengesetzt ist. Durch die Arbeit mit ihr kann sich der Mensch korrigieren und die gesamte Göttlichkeit enthüllen.

Jakob, die mittlere Linie, richtet seine Arbeit so aus, dass sich der gute“ und der böse Trieb“, d.h. die Absicht zu geben mit dem egoistischen Verlangen zu empfangen, verbinden. Jakob kann am Stein“, gemeint ist das steinerne Herz“, arbeiten. Er kann in sich alle drei Welten, welche das gestreifte, gesprenkelte und gefleckte“ symbolisieren, verbinden. Durch diese Arbeit in der mittleren Linie steigt der Mensch wirklich zu Beit El, dem Haus Gottes, auf.

Aus diesem Grund kann Rahel keine Kinder gebären, weil es ihr an Chassadim (Güte), an der Kleidung für das Licht von Chochma (Weisheit) mangelt. Das Licht von Chochma kann die kleine Nukwa, Rahel, nicht erreichen, nur die große, Lea. Dennoch kommt der Mensch voran, indem er auf der aktuellen Stufe immer mehr Kelim (Gefäße) abgibt um seinen Willlen zu empfangen zu korrigieren. Dadurch entsteht die nächste Stufe, welche seine Söhne“ genannt werden.

Deshalb hat Jakob zuerst vier Söhne mit Lea, dann weitere Söhne von den Mägden Rahels, und schließlich schenkt ihm auch Rahel einen Sohn, Joseph.

Als Jakob seinen verdienten Lohn fordert, will er das Höhere Licht empfangen, um es in seine Kelim (Gefäße) zu geben, aber Laban beharrt darauf, dass alles ihm gehört. Tatsächlich ist der gesamte, große Wille zu empfangen, der erschaffen wurde, dem Höheren Licht, welches Laban ist, entgegengesetzt. Jakob ist noch nicht bereit dafür, er wird immer noch der kleine Jakob“ genannt. Er muss zuerst kämpfen und viele Stufen aufsteigen, bevor er groß wird und den Namen Israel verdient.

Deshalb ist es unausweichlich, dass Jakob und Laban sich trennen. Jakob flieht scheinbar vor Laban, und Rahel stiehlt die Teraphim, denn es sind ihre Kräfte, ihre Kelim (Gefäße), die korrigiert werden müssen.

Was bedeutet der Diebstahl, den Rahel begeht?

Stehlen“ bedeutet in der Spiritualität, etwas zu empfangen, was dem Menschen momentan nicht gehört, er aber später bezahlen wird. Er kann nicht empfangen, was er nicht verdient hat. In der Spiritualität gibt es keine Voreingenommenheit. Alles funktioniert nach der Regel: „Sie haben von mir geliehen und ich hole es zurück.“ (2) Mit anderen Worten: Der Mensch kann jetzt empfangen und später bezahlen, da er es mit seiner gegenwärtigen Kraft nicht schafft. Auf diese Weise kann er wachsen.

In dieser Welt zeigt sich das darin, dass Kinder es verdienen, alles von der Familie zu bekommen, auch wenn sie dafür nicht bezahlen können. Auf der nächsten Stufe, werden die Kinder zu Eltern und zahlen es so zurück.

Jakob flieht und Laban holt ihn in der Nähe des Berges Gilead ein, wo sie schließlich einen Bund schließen. Obwohl Jakob auf seinem Weg der mittleren Linie folgt, was für Laban unangenehm ist, weil er die Enthüllung sämtlicher Kelim (Gefäße) will, ist ihm klar, dass die Enthüllung begrenzt und in kleinen Abschnitten erfolgen muss. Das ist der Konflikt zwischen Jakob und Laban. Aus diesem Grund müssen sie den Bund schliessen. Der Mensch und die Höhere Kraft bilden ein besonderes System, in dem der Mensch schrittweise vorankommt, bis er mit der Höheren Kraft übereinstimmt.

Was ist mit den Engeln gemeint, die in dem Abschnitt die Leiter auf- und absteigen und Jakob begleiten?

Die Engel sind Kräfte, die im Menschen auftreten, wenn es zur Enthüllung der Höheren Kraft in den korrigierten Kelim (Gefäße), gemäß dem Gesetz der Gleichwertigkeit der Form kommt. Er bekommt ständig neue Kräfte, entsprechend dem Ego, hervorgerufen durch den Willen zu empfangen, bis dieser korrigiert wird um zu geben. Vom Hass zur Liebe.

Der Weg zur Höheren Kraft führt über Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Das ist die große Regel. Die Liebe zu anderen ist die gesamte Korrektur. Ein Mensch, der diesen Weg gewählt hat und deshalb ständig aufsteigt, bekommt helfende Kräfte. Am Vorabend des Shabbats wird gesagt: „Kommt in Frieden, Engel des Friedens, Engel des Höchsten.“ (Text des Shabbat Gottesdienstes) Dies symbolisiert das Ende der Korrektur.

Ist es eine Kraft aus dem Inneren des Menschen oder sind es Kräfte, die von der Höheren Kraft gelenkt werden?

Es sind Kräfte, welche die Höhere Kraft lenkt, deshalb werden sie Engel“ genannt. Engel zeigen sich in dieser Welt als das Unbelebte, Pflanzliche und Tierische. Sie helfen dem Menschen, sich zu entwickeln. Wie ein Pferd oder ein Esel, Kräfte, die den Menschen begleiten und ihm helfen, Aufgaben zu erfüllen. Auch sie werden von der höheren, der menschlichen Stufe gesteuert.

Was bedeutet die Entdeckung eines Engels? Wenn ein Mensch einen Engel trifft, ist das dann eine Entdeckung der Kraft, die den Menschen lenkt?

Der Mensch entdeckt Kräfte, mit denen er von Stufe zu Stufe aufsteigt.

Die Höhere Kraft erscheint anscheinend immer im Traum. Was ist mit Traum“ gemeint?

Ein Traum“ ist jene Höhere Stufe, zu welcher der Mensch noch nicht aufsteigen kann. Er kann sich jedoch mit ihr verbinden, indem er seine Kelim (Gefäße) annulliert. Wie in einem Traum, will er seinen Geist, seinen Verstand und seine Gefühle nicht kontrollieren. So, als würde er sich in einen Zustand von Katnut (Kleinheit) begeben, meist im Liegen, um eine höhere Stufe zu erreichen.

Wenn er den Stein unter seinen Kopf legt“ meint das, dass er all seine Empfindungen und Verlangen auslöscht und so in einen Traum gelangt. Er gelangt in den Zustand von Katnut (Kleinheit) ,weil er eine höhere Stufe erreichen will. Denn alles, was er in der vorherigen Stufe erworben hat [während er wach war], ist für die nächst höhere Stufe ungeeignet.

In der Spiritualität gibt es eine Lücke zwischen den Stufen. Jede höhere Stufe ist das komplette Gegenteil der ihr vorangehenden. Deshalb gibt es die Nacht, und den Traum. Sie ermöglicht es mit den Engeln zu kämpfen, besonders mit dem Engel Esaus. Jedes Mal muss der Mensch sein Ego überwinden und herausfinden, womit er zur nächsten Stufe übergehen kann und was er zum jetzigen Zeitpunkt unterlassen soll.

Es gibt viele Verbindungen zur höheren Stufe. Ein Traum ist eine davon, auch die gestohlenen Götter, welche eine Leihgabe der nächsthöheren Stufe sind und Laban, der die Höhere Stufe ist, welche noch unerreichbar ist. 

Verbindung entsteht, wenn Jakob in das Land Israel einziehen will, wenn sich Malchut (Königreich) mit Bina (Verständnis) verbindet, den Willen zu empfangen, mit der Absicht zu geben und sich so im Verlangen eine große Korrektur entfaltet. Deshalb nennt er den Ort Mahanajim (zwei Lager), einen Ort, an dem die Höhere Kraft bereits gegenwärtig ist. Dies ist der eigentliche Beginn der Leiter, welchen der Mensch durch die Engel des Höheren erreicht.

Sohar für Alle, Wajeze (Und er zog aus), Punkt 70

Und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt

„Die Leiter bedeutet, dass Jakob sieht, dass seine Söhne dazu bestimmt sind, die Tora auf dem Berg Sinai zu empfangen. Sulam (Leiter) bedeutet auch Sinai (Hass), weil der Berg Sinai, wie es geschrieben steht, ‚auf die Erde gesetzt, ist seine Spitze, sein Verdienst, bis zum Himmel reichend‘. Alle Merkawot (Bauwerke/Wagen) und Lager der Hohen Engel stiegen dort zusammen mit dem Schöpfer herab, als Er ihnen [den Menschen] die Tora gab. Wie geschrieben steht: ‚Und siehe, auf ihr stiegen die Engel Gottes auf und nieder.’“

Der Mensch kann die Stufen der Leiter“ nur mit Hilfe des Willens zu empfangen, des Berg des Hasses“ (Berg Sinai), aufsteigen. Die Leiter“ entspricht demselben Prinzip wie der Turm zu Babel“. Es ist das gesamte Ego, das die Höhere Kraft erschaffen hat, denn Ich habe den bösen Trieb erschaffen“. Wenn der Mensch ihn korrigiert, erhebt er sich über ihn durch das Gewürz der Tora“. Indem er die ganze Tora, das ganze Licht – in diesem Abschnitt Laban, das Höhere Weiß – benutzt, um sich selbst zu korrigieren. Bis zum jenem Zustand, wo er den Himmel erreicht und sein ganzer Wille zu empfangen“ das Geben, die Liebe ist.

Hat dieser Abschnitt etwas mit dem zu tun, was heute in der Welt geschieht? Ist die Menschheit auch mit einer Stufe beschäftigt, die sie nicht versteht?

Heute müssen alle, überall auf der Welt, verstehen, dass sie miteinander verbunden sind und dass es davon kein Entkommen gibt. Weil alle miteinander verbunden sind, müssen sie auch alle ihre gegenseitigen Kräfte einsetzen. Die Menschen müssen verstehen, dass es unmöglich ist, nur die linke“, egoistische Linie, auf der sie sich bisher entwickelt haben, zu benutzen. Jetzt müssen sie auch die rechte Linie“ in sich finden, damit sie aus beiden die mittlere Linie“ bilden können. Deshalb ist die Situation, in der die Welt sich momentan befindet so, als stünde sie am Fuß der Leiter“.

Durch den Druck des Gesetzes der Natur auf der einen Seite, und die Verbreitung der Weisheit der Kabbala auf der anderen Seite, werden die Menschen schließlich in einen Zustand versetzt, in dem sie spüren, dass es zwei Kräfte (Engel) gibt, einen auf der rechten und einen auf der linken Seite. Der Mensch wird sie bitten: „Kommt in Frieden, Engel des Friedens“. Er wird die Engel bitten, Ordnung zwischen den Menschen zu schaffen und die egoistischen Eigenschaften in Eigenschaften des Gebens zu verwandeln. Durch die Engel wird er in der Lage sein, sich mit anderen zu verbinden. Alle Korrekturen kommen von Oben. Wenn sie stattfinden, wird das Verlangen zum Haus Gottes, zu Beit El.

In der Erzählung des Abschnitts scheint alles einfacher zu sein. Es gibt nur Jakob und seinen Vater. Heute sind es viele Menschen und es ist schwierig, sich zu verständigen.

Die Tora scheint wie eine Erzählung von Vorkommnissen, die der Mensch in dieser Welt verwirklichen muss. Es sind aber Allegorien, und der Mensch muss wissen, wie er sie richtig nutzen kann.

Gibt es für den Menschen einen Möglichkeit zu handeln?

Heute ist die ganze Welt wie ein großer Esau“ und steht für die linke Seite. Jenen gegenüber stehen die Menschen, welche sich mit dem inneren Teil der Tora beschäftigen, also die rechte Seite sind. Sie sind gemeint wenn steht denn ihr seid das geringste unter allen Völkern“ (Deuteronomium, 7:7). Doch sie haben die Methode der Kabbala um damit zur Korrektur hin zu arbeiten. Beiden zusammen müssen die mittlere Linie“ aufbauen, denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten“ (Jeremia, 31:34). Die ganze Welt zusammen muss sich zu Beit El (Haus Gottes) erheben.

Wie kann ein Kabbalist sicher sein, dass er nicht getäuscht wird um auf die nächste Stufe geführt zu werden? Oder sollte das so sein?

Wieso nicht? Jakob legt seinen ganzen Verstand als Stein unter seinen Kopf und will im Traum aufsteigen. Er kann die Leiter“ nur in seinem Traum, in einer Täuschung, erklimmen.

Bedeutet das, dass das Ego den Aufstieg ohne im träumenden Zustand zu sein nicht zulässt?

Der Mensch verpflichtet sich zum Aufstieg. Er muss dies tun, da er sonst die vorherige Stufe nicht verlassen kann um auf die höhere Stufe aufzusteigen. Dies wird immer durch die Kraft des Gebens von Oben ausgelöst, indem der Mensch die Kraft , die als Glaube über dem Verstand“ bekannt ist, bekommt.

Wenn der Mensch studiert, hat er manchmal das Gefühl, dass er wirklich vollkommen gelenkt wird, aber es ist sehr schwer, dies in seinem Alltag zu spüren.

Dafür gibt es im Studium der Kabbala die Gruppe. In der Gruppe lernt der Mensch, sich vor den anderen der Gruppe zu annullieren, vor der Liebe zu Freunden. Auf diese Weise lernt er, sich zu verpflichten, seinen Verstand und sein Herz zu verlassen und sich mit anderen wie ein Mensch mit einem Herzen“ in einem Verlangen zu verbinden, bis er sein eigenes nicht mehr von dem der anderen unterscheiden kann. Der Mensch wird eins mit allen.

Kann dieser Zustand in einer Familie oder zwischen Ehepartnern bestehen?

Das ist dann möglich, wenn die ganze Welt darauf ausgerichtet ist. Denn nur in einer darauf ausgerichteten Gruppe kann der Mensch sich vergleichen und lernt so, richtig zu handeln. Durch die Menschen, mit denen er studiert und gemeinsam spirituelle Arbeit ausübt, kann er sich entwickeln und vorankommen. Wenn alle in der Gruppe danach streben, erhält jeder alle Kräfte, die in der Gruppe existieren, und kann dadurch aufsteigen. Einen anderen Weg gibt es nicht.

(1) Babylonischer Talmud, Masechet Bechorot, 35b

(2) Babylonischer Talmud, Masechet Beitza, 15b


Lexikon Parasha Wajeze

Jokob`s Leiter    Sie ist die mittlere Linie“, auf welcher der Mensch gehen sollte. Es ist der goldene Weg. Die Linie“, die alle Eigenschaften des Menschen verbindet, die guten und die schlechten.

In Wirklichkeit gibt es nichts Schlechtes. Wenn der Mensch lernt, das Schlechte richtig zu nutzen, verwandelt er es in Gutes und Hilfreiches. Deshalb ist die Jakobsleiter“ das Verlangen, welches zunächst böse ist, so wie geschrieben steht: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen.“ Wenn man ihn jedoch mit und Ich habe für ihn die Tora als Gewürz erschaffen“ verbindet, ergeben sie zusammen die mittlere Linie“.

Der Mensch muss ständig immer schlimmer werdende Verlangen korrigieren, denn wer größer ist als sein Freund, dessen Verlangen ist auch größer als seines.“ (3) Je mehr der Mensch vorankommt, desto mehr entdeckt er, wie böse er ist. Eine größere Kraft kommt zu ihm, die Kraft des Lichts, das er entdecken, enthüllen muss und mit der er sich korrigiert. Wenn sich die beiden auf den Stufen verbinden, wird der Mensch reicher“, sowohl durch das Verlangen, als auch durch das Licht, das das Verlangen korrigiert.

So wächst die Gesamtheit der Seele in der Verbindung zwischen den beiden, und darin erscheint die Höhere Kraft immer mehr. Auf diese Weise erreicht der Mensch die mittlere Linie“, bis er schließlich Beit El (Haus Gottes) erreicht.

Sieben Jahre   Sie stehen für sieben Stufen: sechs Stufen von Seir Anpin (genannt der Heilige, gepriesen sei Er“, und die siebte Stufe Malchut. Diese sieben Stufen müssen zusammen eine Einheit bilden. Sieben ist immer eine vollständige Zahl. Wichtig ist auch die Zahl zehn. Sie ist Gadlut (Erwachsensein). Doch normalerweise besteht die Struktur aus sieben.

Liebe    Sie bedeutet, dass der Mensch anstelle seines eigenen Verlangens zu genießen, Verlangen anderer Menschen aufnimmt und sie erfüllt. All seine Fähigkeiten nur für andere einzusetzen ist Liebe“. Das ist die Annullierung des Ich`s. Dabei gibt es kein eigenes Verlangen oder etwas, das der Mensch um seiner selbst willen tut, sondern nur für andere.

Wenn die Menschen sich in dieser Art der Liebe“ miteinander verbinden, erwerben sie alle Seelen, all die anderen Verlangen, welche dann zu den eigenen werden. Wenn ein Mensch sie erfüllt, erlangen sie die Ejn Sof (Unendlichkeit).

Belohnung: In dieser Welt bedeutet Belohnung, dass der Mensch sich selbst erfüllt. In der Spiritualität bedeutet Belohnung, dass der Mensch die Möglichkeit hat, andere zu erfüllen.

Sohar für Alle, Wajeze (Und er zog aus), Artikel 189

Sein Gedanke war bei Rahel

„Wenn Er den Menschen in Sein Herz einschließt, wird er dessen Geist und Atem zu sich ziehen“. Das Verlangen [Atem] und der Gedanke [Geist] ziehen die Ausdehnung an und vollbringen die Handlung von allem, was nötig ist. Deshalb sind für das Gebet ein Verlangen und ein Gedanke erforderlich, auf die es ausgerichtet ist. In ähnlicher Weise vollbringen bei allen Werken des Schöpfers Sein Gedanke und Seine Absicht die Handlung und ziehen die Ausdehnung auf alles, was nötig ist.“

Gedanken, Abstiege, Enttäuschungen und Fehler können nicht vermieden werden. Diese dienen der Selbstreflexion. Ähnlich wie dies viele Menschen am Anfang eines jeden Jahres tun. Der Mensch, die ganze Menschheit, muss dies immer wieder tun, so wie immer wieder ein neues Jahr kommt. Deshalb ist es gut, dass die Welt jetzt diesen Prozess durchläuft. Die Menschheit beginnt endlich zu verstehen, wie falsch ihr Weg ist. Aus diesem Zustand heraus wird es möglich, dass die ganze Welt zu Beit El (Haus Gottes) aufsteigen kann.

(3) Masechet Sukkah, 52a

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