Sukkot

Jüdische Feiertage, wie auch die Juden selbst, zeichnen sich durch ein Merkmal aus: Sie sind für alle sichtbar und über sie wird unendlich viel geschrieben. Aber darüber, was sie wirklich sind, ist fast nichts bekannt. Der Herbst-Feiertag Sukkot bestätigt dieser Regel.

Die äußeren Attribute des Feiertags sind recht komplex und zeitaufwendig.

Man muss einen speziellen Aufbau konstruieren – die Sukka (Laubhütte). Man muss zunächst die sogenannten vier Minim vorbereiten – vier Pflanzenarten: Lulav (Palmenzweig), Adasim (Myrtenzweig), Aravot (Weidenzweig) und Etrog (Zitrusfrucht). Der Feiertag wird unter anderem von besonderen Gebeten und Rituellen begleitet. Alles dient dazu, die Ernte zu feiern bzw. uns an die Wanderungen der Juden nach ihrem Auszug aus Ägypten zu erinnern. Es gibt unzählige Interpretationen! Vielleicht wissen wir aber noch nicht alles…

“Wir müssen verstehen, dass die jüdischen Feiertage nicht die Tradition einer bestimmten Nation oder eines Volkes sind. Vielmehr sind sie Symbole einzigartiger spiritueller Zustände, in denen wir gegenseitige Hingabe, Liebe auf einer höheren Ebene und eine größere Tiefe der Verbindung des Herzens und des Verstandes erreichen.”

– Michael Laitman (geb. 1946) Kabbalist, Gründer und Präsident der International Kabbala Academy und des ARI Institut. www.laitman.de/eine-froehliche-verbindung-mit-dem-fest-der-natur/

Eine unerwartete Wendung, nicht wahr? Dieser interessante Ansatz erklärt die Aktivitäten der Feiertage auf völlig andere Art. Erinnern wir uns als erstes an die Attribute des Sukkot-Feiertags.

Die Sukka ist ein temporärer Lebensraum, der speziell für die Feiertage gebaut wird. Ihre Struktur beinhaltet viele Feinheiten. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf dem Dach, welches aus Abfällen aus der Brot- und Weinherstellung konstruiert wird. Das ist kein Zufall. Es stellt sich heraus, dass Brot eine besondere Kraft darstellt, die “das Licht von Chassadim” genannt wird. Wein symbolisiert eine andere Kraft – “das Licht von Cochma”.

Diese und andere Kräfte, über die hier gesprochen wird, existieren in der Natur, können jedoch von Geräten der modernen Wissenschaft nicht erfasst werden. Wir sprechen hier über Kräfte und Phänomene, die auf eine oder andere Art das beeinflussen, was wir “Ego” nennen.

Im Wesentlichen handelt es sich hier um eine reale Methode mit einer eigenen spezifischen Terminologie. Eine bekannte Geschichte beweist, dass es diese Methode tatsächlich gibt und sie auch funktioniert:

“… jeder aus dem Volk Israel gab seine egoistische Selbstliebe völlig auf, und alle seine Wünsche richten sich auf das Wohl seines Nächsten, gemäß dem Gebot ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst‘ (…) nachdem sie sich zu einem Volk vereint hatten, wurden sie zu einem Menschen mit einem Herzen. Erst dann waren sie zum Empfang der Tora bereit.”
Baal HaSulam. Bürgschaft (Arvut)

Viele Menschen wissen, dass Juden einst am Berg Sinai standen und den Empfang der Tora erwarteten. Aber nur wenige dachten darüber nach, worum es dabei wirklich geht. Es geschah das Unglaubliche. Das Gebot “Liebe deinen Nächsten” wurde vom ganzen Volk umgesetzt!

Wir sind uns jedoch bewusst, dass es unmöglich ist, andere zur Nächstenliebe zu zwingen oder sie zu lehren, weil der Mensch durch die Sorge um sich selbst “unheilbar krank” ist. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber das ändert nichts am Gesamtbild. Nur durch eine gewisse Veränderung der natürlichen egoistischen Komponente des Menschen kann es zu einer Veränderung der zwischenmenschlichen Beziehung kommen.

Die Feiertage, einschließlich Sukkot erzählen uns, wie ein “gesunder Egoist” sich in den Zustand “ein Mensch mit einem Herzen” versetzen kann. So symbolisieren beispielsweise die vier genannten Pflanzenarten die vier Zwischenzustände auf dem Weg vom “einfachen Menschen” zum “korrigierten Menschen”. Eine Menge von Fragen tauchen auf. Warum vier? Womit hat es zu tun? Warum diese Pflanzen und keine andere? Und was bedeutet “korrigiert”?

Während eines festlichen Rituals werden vier Pflanzen (minim) in die Hände genommen, was bedeutet, dass man nur durch die Überwindung der vier Zustände zur Verbindung mit anderen Menschen gelangen kann. “In die Hände nehmen” bedeutet, dass wir den Prozess des Übergangs zu einem korrigierten Zustand kontrollieren und steuern können.

Die sieben Tage, die das Fest dauert, entsprechen den sieben Arten von “Lichtern” (Wirkungen), die Charakter und Ebene der Verbindung definieren. Sie werden genannt: Chesed, Gwura, Tifferet, Nenzach, Hod, Yesod, Malchut.

Der Höhepunkt kommt am letzten Tagen des Feiertages, dem “Schmini-Azeret” und “Simchat Tora”. Der letzte (“Empfang der Tora”) symbolisiert den höchsten Grad der Vereinigung. Es ist nicht schwer zu erraten, dass der Feiertag noch viele andere Elemente beinhaltet, die man erklären könnte. Aber das Wichtigste ist, nicht zu vergessen, dass Feiertage nicht einfach Traditionen sind, sondern auch Erinnerungen, dass wir auf der einen Seite den Zustand des geeintes Volk noch erreichen müssen und auf der anderen Seite, dass diese Chance tatsächlich existiert.

Abschließend möchten wir daran erinnern, dass in den kurzen Perioden der Geschichte, als das jüdische Volk “ein Mensch mit einem Herzen” war, es viele Freunde hatte; und ihre Feinde zogen es vor, sich nicht mit ihnen anzulegen. Leider ist die Situation heute etwas anders. Die Beziehungen zwischen den Menschen sind alles andere als perfekt, und wir haben viel mehr Feinde als Freunde.

Wie auch immer, wir wünschen uns, dass das Wunder der Einheit – anders kann man es nicht nennen – so schnell wie möglich geschieht. Umso mehr, weil dies vom jüdischen Volk erwartet wird.

Wir wünschen euch einen schönen Feiertag!

“Israel soll nicht als ein autonomer Teil der Menschheit existieren, sondern als gemeinsames spirituelles Erbe.” – Rav Abraham Cook. Die Philosophie des Judentums. Ausgewählte Artikel. Balagi Per. Jerusalem: AMANA. 1991. С. 73.

 

UNBEKANNTES IM BEKANNTEN

Der Begriff “Abfall” drückt unsere anfängliche Missachtung der Einheit aus. Eine Sukka zu bauen und ihr Dach zu decken bedeutet, die Werte der Vereinigung über die Zwietracht zu erheben und den Wert der Verbindung in den eigenen Augen zu erhöhen. Darüber hinaus ist der Bau einer Sukka für einen einzelnen Menschen nicht möglich, denn man braucht gegenseitige Unterstützung und Hilfe.

Am Sukkot-Abend ist es üblich, Gäste (ushpizin) zu begrüßen: Abraham, Yitzhak, Yaakov, Moshe, Aaron, Joseph und David. Jeder von ihnen symbolisiert eine bestimmte Eigenschaft eines Menschen. Minim – vier Pflanzen symbolisieren die Einstellung des Menschen zu den Werten der Verbindung.

Die Arava (Weide) – hat keinen Geschmack und keinen Geruch. Die Bedeutung der Verbindung wird vom Verstand nicht wahrgenommen und nicht gespürt.

Adas (Myrte) – hat keinen Geschmack, aber einen Geruch. Der Verstand stimmt zu, aber es gibt kein Gefühl.

Lulav (Palmenzweig) – hat ein Geschmack, aber keinen Geruch. Es gibt ein Gefühl, aber der Verstand akzeptiert es nicht.

Etrog (Zitrusfrüchte) – hat einen Geschmack, und einen Geruch. Verstand und Gefühl stimmen zu.

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