Ich und die Realität ausserhalb von mir

Von Michael Laitman

  • Newton: „Es gibt eine objektive Realität.“
  • Einstein: „Die Wahrnehmung der Realität hängt von der Geschwindigkeit des Betrachters ab.“
  • Realität ist das Ergebnis der Verbindung von wer ich bin und dem, was sich außerhalb von mir befindet.
  • Kabbala: „Außerhalb von mir gibt es überhaupt keine Realität.“
  • Ist es möglich für mich, meine Eigenschaften zu ändern und eine andere Realität wahrzunehmen?

Bis zu Newtons Ära entwickelte sich die Wissenschaft während Tausenden von Jahren gemäß der Überzeugung, dass es eine Realität gibt sowie die Person, die die Realität studiert. Gemäß dieser Überzeugung war es möglich, dass ohne meine Anwesenheit, ohne die Präsenz der Menschheit, sagen wir, ohne jegliches Leben auf der Erde, die Realität immer noch für sich selber existieren würde. Ob wir anwesend sind oder nicht, außerhalb von uns existiert objektiv gesehen immer noch etwas. Als die Zeit verging, legten weitere Untersuchungen dar, dass diese Schlussfolgerung nicht zwingend korrekt war, man fand indes heraus, dass unsere Wahrnehmung der Realität von uns abhängt.

Einstein begann diese Tatsache zu enthüllen, als er zu den Gesetzen Newtons das Konzept der Geschwindigkeit des Betrachters, der die Realität sieht und erforscht, wobei wenn Geschwindigkeiten erreicht werden, die sich der Lichtgeschwindigkeit annähern, sich die Realität verändert. Unsere Wahrnehmung verändert sich. Wenn sich unsere Wahrnehmung verändert, ändern auch wir uns. Es gibt einen sehr wichtigen Punkt hier, womit Einstein die wissenschaftliche Welt revolutioniert hat. Aus der Perspektive der Kabbala bedeutete diese Entdeckung keine Innovation. Was daran besonders ist, ist die Behauptung, dass Realität relativ ist, von der Position des Betrachters ihr gegenüber abhängt und sich dementsprechend verändert. Dies bedeutet, dass das Bild, welches ich erfasse, von mir abhängt und nicht außerhalb von mir nicht existiert, gleichgültig ob ich existiere oder nicht.

Dies ist Einsteins Theorie ab, sagen wir, 1920. Später, forschten Wissenschaftler weiter und kamen zu dem Schluss, dass Realität nicht nur von der Geschwindigkeit des Betrachters in Bezug auf sie abhängig ist, sondern dass die von mir wahrgenommene Realität subjektiv ist, dass sie genau in dem Ausmaß existiert in welchem sie vom Betrachter wahrgenommen wird. Folglich ist das in mir entstandene Bild sozusagen eine Mischung aus dem was ich bin und dem was sich außerhalb von mir befindet, so dass alles was ich wahrnehme, ich innerhalb meiner eigener Eigenschaften wahrnehme. Wenn sich meine Eigenschaften verändern, verändert sich auch das Bild. Dies trifft in der Tat zu.

Wir beobachten bei Tieren aller Arten, sogar bei solchen deren körperliche Natur der unseren nahe steht, dass sie die Realität dennoch anders wahrnehmen und sehen. Wenn wir anders gebaut wären, mit zehn oder zwanzig statt fünf Sinnen, wenn wir andere Sinne hätten oder wir die Realität in einem anderen Umfang erfassen könnten, dann wäre das Bild, das wir von der Realität haben, sicher anders. Wir würden die Realität anders sehen oder hören, oder man kann sogar nicht sagen sehen oder hören, wir würden sie mit anderen Sinnen wahrnehmen, die nicht Sehen oder Hören heißen würden, wir würden etwas anderes erfassen. Was würden wir aber erfassen? Was auch immer für uns gemäß unseren Eigenschaften ersichtlich wäre.

Gemäß Newton existiert die Realität also außerhalb von mir, ob ich anwesend bin oder nicht. Gemäß Einstein existiert die Realität außerhalb von mir, aber ich nehme sie entsprechend meiner Geschwindigkeit wahr. Und es gibt den Ansatz, der behauptet, dass Realität eine Kombination von dem, was sich außerhalb von mir und in mir befindet ist, und dies zusammen ein Bild ergibt, das dem „Durchschnitt“ der externen und der internen Eigenschaften entspricht. Die Wissenschaft der Kabbala bringt einen vierten Ansatz und behauptet, dass es außerhalb von mir keine Realität gibt.

Außerhalb von mir gibt es nur was wir „Höchstes Licht“ nennen, eine „einzige, einheitliche und einzigartige“ Kraft, die nichts beinhaltet, und was auch immer ich von ihr wahrnehme, nehme ich gemäß meinen Eigenschaften wahr; wenn ich meine Eigenschaften ändern würde, würde ich eine andere Realität wahrnehmen. D. h. die Realität ist einfach nur eine Nachbildung meiner inneren Eigenschaften. Wenn man dies heute mit Wissenschaftlern bespricht, die bereits zum dritten Schritt, dem Schritt davor gelangt sind, verstehen sie, dass dies tatsächlich der nächste Schritt ist.

Aber sie haben immer noch eine Frage: „Wenn es von meinen Eigenschaften abhängt, was kann ich dann mit ihnen tun? Ich bin so geboren! Kann ich dann nicht meine Sinne mit Mikroskopen, Teleskopen und allen möglichen Geräten erweitern?“ Nein, damit verändere ich nicht meine Eigenschaften; ich studiere nichts Externes. Denn im Endeffekt wollen wir wissen, was Außen ist wobei dies wie ich bereits sagte nicht existiert. Aber dort Außen ist etwas vorhanden, das Druck auf mich ausübt. Wenn ich mich diesem etwas angleichen könnte, würde ich der externen Realität gleichwertige Eigenschaften erlangen und vollkommen aus dem Körper herauskommen. Ich würde etwas wahrnehmen, dass nicht mehr durch meine fünf Sinne limitiert wäre, und nicht mehr von Leben und Tod, Zeit, Raum und Ort abhängig sein. Ich würde völlig aus dem was, „biologischer Mensch“ genannt wird, heraustreten und auf dem Niveau anderer Sinne, anderer Wahrnehmungen und Sinnesempfindungen existieren. Wissenschaftler akzeptieren dies und stimmen dem zu, aber sie wissen nicht wie dies logisch möglich ist. Dieses Verständnis ist bei ihnen bereits vorhanden, so wie auch die Bereitschaft und der Wunsch, es zu erreichen.

Gemäß der Weisheit der Kabbala müssen wir keine Änderungen in unseren Sinnen vornehmen. Wir können sie tierisch sein lassen, so wie sie sind. Kabbalisten haben bereits vor Tausenden von Jahren geschrieben, dass wir nicht imstande sein werden unsere Kelim in dieser Welt auf diese Art zu verbessern, wenn wir beginnen, unsere Sinne zu erweitern, mehr Details über unsere Sinne zu erfahren, darüber, wie sie etwas von außen wahrnehmen. Das wird uns in unserer Existenz nicht helfen, weil wir dabei nur etwas über uns lernen, wie wir im Innern sind. Was wird uns dies bringen? Wir kommen so einer Balance zwischen den Kräften in uns und denjenigen außerhalb von uns überhaupt nicht näher. Diese Differenz zwischen der allgemeingültigen Kraft, die sich außerhalb von uns befindet, und uns, wie wir in deren Innern sind, wirkt auf uns, sie übt ständig Druck auf uns aus und weckt in uns ein Gefühl des Leidens.

Dieses allgemeingültige Gesetz der Realität, das sich außerhalb von uns befindet und „unendliches Umgebendes Licht“ genannt wird, übt Druck auf uns aus. Diese fünf Öffnungen zu gebrauchen ist kein Problem, aber das Ziel ist ein anderes, nämlich dass wir uns ihm angleichen. Jede Zelle, jede Form, die in dieser Welt existiert, existiert nur unter der Bedingung, dass sie mit ihrer Umgebung in Balance ist. Dies gilt für alle Stufen, für die Gesellschaft, für die Familie, Eigenschaften der Materie, Wärme und Kälte, was auch immer; so sieht es aus.

Die Wissenschaft der Kabbala besagt Folgendes: wenn wir die perfekte Existenz erreichen wollen, brauchen wir einfach dieses Gesetz, diese Eigenschaft, welche sich außerhalb befindet, das „Unendliche Licht“, auf uns und in uns selbst zu replizieren, so dass es tatsächlich zu unserem Gesetz wird; so dass das Äußere und das innere Gesetze gleich werden. Dann werden wir nicht auf unser biologisches Leben in diesem Körper mit seinen fünf Sinnen limitiert sein.

Nicht: die Sinne sind da – wir leben, die Sinne sind nicht da – wir wissen nicht, als seien wir tot, in eine andere Existenz übergegangen. Sondern wir können nun, während unserer Lebensdauer, aus unserer Wahrnehmung heraustreten und die Realität, so wie sie außerhalb von uns ist, erfassen. Dabei, je mehr wir uns entwickeln, d.h. je mehr in uns der Wunsch zu empfangen wächst, von Bchina Shoresh zu Alef, Bet, Gimel, Dalet, dementsprechend stehen wir immer mehr im Widerspruch zu diesem allgemeinen Gesetz. Bei Awiut Shoresh, Alef oder Bet sind wir noch nicht allzu sehr im Gegensatz zu ihm. Doch wenn wir zu Awiut Gimel oder Dalet gelangen, wie es in unserer Zeit ist, beginnen wir immer mehr Leid zu erfahren und die ganze Welt scheint zu leiden und desorientiert zu sein, es mangelt überall an Orientierung: in der Wirtschaft, in der Erziehung, in was auch immer. Es gibt keine Institution der Familie mehr, die Menschen flüchten in Drogen usw. Weshalb? Weil wir auf der Entwicklungsstufe von Awiut Dalet, einem sehr hohen Entwicklungsgrad stehen, und in großem Gegensatz zum Umgebenden Licht stehen.

Es stellt sich heraus, dass der Fortschritt selbst uns in einen Zustand bringt, in welchem wir beginnen müssen, uns selbst nicht in Bezug zu unserer inneren Wahrnehmung von Realität zu verändern, sondern in Bezug zur externen Realität. Ich war kürzlich an einem Treffen mit Wissenschaftlern, darunter waren auch ein paar Nobelpreisträger, und wir führten Gespräche und Interviews mit der Presse. Was sie zeichneten gleicht unseren Grafiken und sie sagen, dass wir seit ungefähr 1995 begonnen haben eine Situation zu erreichen, in welcher die Wissenschaft keine Fortschritte mehr erzielen kann, weil sie uns nicht weiter helfen kann in „Homöostase“, in Balance, mit unserer Umgebung zu sein.

Und so, wie es im Sohar und in anderen kabbalistischen Büchern geschrieben steht, entsteht nun das Bedürfnis nach der Wissenschaft der Kabbala, die Einsicht, dass Kabbala nun generell die Allgemeinwissenschaft der Menschheit werden muss. Dies, weil die Menschheit alle anderen Methoden erprobt hat und zur Einsicht gelangt ist, dass es notwendig ist, das allgemeingültige Gesetz zu kennen. Dieses allgemeingültige Gesetz, welches Einstein zu enthüllen hoffte, dieses allgemeine Feld, in welchem wir existieren, in dem die ganze Materie als auf einem Netz von Kräften geschichtet ist, ist einfach ein Gesetz, das „der Schöpfer“ oder auch „Gesetz des Gebens an die Geschöpfe“ genannt wird. Dieses Gesetz übt Druck auf uns aus, um uns dazu anzutreiben in Übereinstimmung mit ihm zu sein.

Wenn diese Tatsache, die Notwendigkeit gemäß der vierten Theorie zu handeln, Wissenschaftlern unterbreitet wird, verstehen sie sie. Sie erkennen, dass der Mensch sich verändern muss, weil es keine objektive Realität gibt, die Realität in uns gemäß unseren Attributen wahrgenommen wird und dass wenn wir die Attribute in Übereinstimmung mit diesem einzelnen allgemeingültigen Gesetz ändern, wir etwas vollkommen anderes enthüllen werden. Wir sind nun in einem sehr fortgeschrittenen Stadium mit ihnen, beginnen gemeinsame Bücher zu schreiben und zusammen Forschung zu betreiben, eine integrale Forschung der Realität. Der Fortschritt ist derart, dass ein internationales Team für integrale Wissenschaft dabei ist, sich zu bilden, das alle Wissenschaften mit der Wissenschaft der Kabbala integrieren wird. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Monaten oder innert ein, zwei Jahren einen sehr ernsthaften Fortschritt sehen werden, größere Fortschritte in der Anerkennung der Wissenschaft der Kabbala als das, was der Menschheit tatsächlich die Antwort darüber wie die Realität aufgebaut ist liefert. Und die Antwort darauf ist, dass Realität einfach ein Abbild und eine Spiegelung unserer Eigenschaften ist. Wir erstellen sie, und was auch immer um mich herum zu existieren scheint, erscheint so aufgrund meiner Sinne.

Wenn ich meine Sinne in Übereinstimmung mit dem allgemeingültigen Gesetz ändern würde, gemäß den Eigenschaften, die sich außerhalb von mir befinden, dann würde ich eine vollkommen andere Realität wahrnehmen, ich würde völlig andere Fähigkeiten erhalten um zu leben, um zurechtzukommen und zu existieren. Es ist nicht wie durch Mauern hindurchzugehen oder ähnlicher Unsinn, sondern vollkommen in einer Sinnesempfindung zu leben, die jenseits ist von Zeit, Raum, Bewegung, Leben, Tod etc.

Für jemanden, der darüber zum ersten Mal hört, mag dies unrealistisch erscheinen, wie ein Traum. Aber dies ist ein vollkommen wissenschaftlicher und praktischer Ansatz.

Baal HaSulam schreibt am Ende seines Artikels „Die Wissenschaft der Kabbala und Philosophie“: „…, daher gab es nie solch einen Sieg für diejenigen, die zum Schöpfer streben wie die Entdeckung der materialistischen Psychologie, der letzte Seitenhieb für die Theologie und die Philosophie. Und seit dieser Zeit muss jeder, der sich nach dem Schöpfer sehnt…“ (das heißt, wer auch immer sich wünscht diese externe Realität zu kennen), „die Kabbala auf ihren verdienten Ehrenstuhl zurückbringen und so die Ehre dem ursprünglichen Besitzer zurückgeben“. Das heißt, man muss die Wissenschaft der Kabbala allen anderen Weisheiten auf integrale Weise überordnen, so dass letztere in ihr eingeschlossen sind. Es ist nötig zu wissen, dass während alle anderen Weisheiten sich ausschließlich mit unserem Innern befassen und unsere Sinne wie Sehen und Hören entwickeln, uns die Weisheit der Kabbala den Zugang zur Realität öffnet, die außerhalb von uns existiert, so dass wir alle Gesetze erkennen können werden, die auf uns wirken.

In dem Masse, wie wir beginnen uns diesem allgemeingültigen Gesetz anzugleichen, Teile von uns selbst mit dem, was außerhalb von uns ist, zu identifizieren, beginnen wir dieses Gesetz zu lenken und die Weise, auf welche es auf uns einwirkt. Auf diese Weise beginnen wir unser tägliches Schicksal wie auch die gesamte Realität, die gesamte Existenz und das Universum zu kontrollieren. Dies ist eigentlich was die antiken Philosophen nicht verstanden haben und deshalb dachten sie, dass mittels Philosophie, durch die Forschung von innen heraus, mittels des inneren menschlichen Verstandes, nicht mittels eines externen Verstandes, sie imstande sein würden Kontrolle über die Realität zu erlangen.

An dieser Stelle möchte ich folgendes hinzufügen: dass was sich in der Geschichte ereignete ist, dass das Ende der Philosophie vor ein paar Hundert Jahren durch die Entwicklung der materialistischen Psychologie, der Wissenschaft über unsere Eigenschaften, über unsere Sinne und wie wir die Welt außerhalb von unseren Sinnen wahrnehmen, ersetzt wurde. Deshalb sind wir heute an einen Punkt gelangt, an dem wir erkennen, dass wir begrenzt sind. Wir nehmen nur Dinge in uns selbst wahr und um daraus, aus uns selbst, herauszukommen, brauchen wir die Wissenschaft der Kabbala.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar