Wer ist ein Kabbalist

Von Michael Laitman

Der Kabbalist und die Menschheit

Befindet sich ein Mensch, der beginnt, sich mit der Wissenschaft der Kabbala zu beschäftigen, fernab dieser Welt und allen unseren weltlichen Sorgen? Hören für ihn vielleicht Familie, Arbeit, Kinder, Menschheit und alle unseren menschlichen Sorgen auf zu existieren? Schaut er von oben auf alle verächtlich herab und denkt bei sich: Womit befassen sich diese Leute?

Er überschaut das ganze Universum, dessen ganzen Prozess, sieht alles von Anfang bis zum Ende: Welten, Seelen, wie sie in unsere Welt hinabsteigen, in ihrem Fluss schwimmen, nach oben aufsteigen, und während er die Menschen mit ihren kleinen alltäglichen Problemen betrachtet und gleichzeitig ihre Zwecklosigkeit, Hilflosigkeit, Beschränktheit sieht, vernachlässigt er sie. Betrachtet ein Kabbalist die Welt auf diese Weise?

Nein! Ein wahrer kabbalistischer Blick auf die Welt ist natürlich etwas von oben, von oben herab, doch man kann ihn mit dem Blick der Eltern auf geliebte Kinder vergleichen.

Wenn wir die allgemeine Seele, das Geschöpf studieren, welches als „Adam“ bezeichnet wird, sprechen wir davon, dass es in ihm insgesamt 600.000 Tausend Grundteile, Seelen gibt, die anschließend in viele Einzelteile zerfallen, in unsere Welt hinabsteigen und sich grob gesagt in sechs Milliarden Menschen materialisieren.

Es gibt Seelen, die bereits in die Empfindung der höheren Welt eingetreten sind, sie gehören zur höchsten Schicht von Adam. Dann treten allmählich Seelen aus einer tieferen Schicht in die Empfindung der höheren Welt ein, Seelen, die zu niedrigeren Schichten gehören. Solche Seelen sind die produktivsten, weil der Egoismus in ihnen und somit ihre Wünsche größer sind. Seelen, die gerade heute zur Empfindung der Notwendigkeit der Erkenntnis der höheren Welt gelangen, durchliefen eine lange Vorbereitung in den vorausgegangenen Reinkarnationen in unserer Welt.

Ein Kabbalist, der sich und die Welt von der Seite betrachtet, betrachtet diese Welt dennoch von seinem Punkt aus. Er sieht, dass andere Seelen noch nicht korrigiert sind, dass sie eines Wachstums bedürfen, einer Vorbereitung auf ihren spirituellen Aufstieg aus unserer Welt nach oben, zurück zur spirituellen Stufe. Er hat zu ihnen ein wohlwollendes, fürsorgendes Verhältnis.

Er bereitet für sie eine Methodik vor und indem er sich in alle restlichen Seelen einschließt, bereitet er für sie mit allen seinen Kräften den komfortabelsten, leichtesten, sichersten spirituellen Aufstieg vor. Wie ein Elternteil die Sorge für seine Kinder auf sich nimmt, so nimmt auch ein Kabbalist die riesige Sorge um die Menschheit auf sich: alle ihren Leiden, alle Probleme, alle Mängel, alle Suchen, Enttäuschungen, Empfindung von Leere, und indem er es durch sich lässt, schaltet er sich auf diese Weise in die Menschheit ein und hilft ihr.

In Wirklichkeit nehmen wir die Hilfe eines Kabbalisten nicht wahr. Im Moment haben wir noch keinen Schirm – kein sechstes Sinnesorgan. Wenn wir aber beginnen, uns zu erheben und in der Spiritualität aufzusteigen, ziehen wir dieses Organ allmählich in uns groß, entdecken es plötzlich in uns und werden Adam gleich – und zwar jeder von uns. Hier treffen wir eben auf die großen Kabbalisten, die in uns bereits vorbereitende Korrekturen vollzogen haben und uns bei diesem spirituellen Aufstieg helfen.

Das kann man damit vergleichen, dass ein Mensch, der heute in unserer Welt geboren wird, Früchte der ganzen Entwicklung der Menschheit der vergangenen Jahrtausende erntet. Er liegt noch in den Armen seiner Eltern, doch Kultur, Wissenschaft, Technologie – alles arbeitet für ihn. Menschen, die vor ihm gelebt hatten, haben gelitten, entdeckt, gearbeitet und alles dafür vorbereitet, damit er davon profitieren und sich gut und schnell entwickeln kann.

Genauso gründet auch unser heutiger spiritueller Aufstieg auf einer Basis, die eine Vielzahl an Kabbalisten für uns in den vergangenen Jahrhunderten kreiert hat. Wenn wir beginnen, spirituell erwachsen zu werden, finden wir heraus und fühlen wir, was jeder von ihnen geleistet hat. So ist das Verhalten des Kabbalisten zur Menschheit.

Hinter der Hülle unserer Welt

Jeder Mensch, der sich allmählich die Wissenschaft der Kabbala aneignet, sieht die Welt  und die Kräfte, die hinter ihr stehen, zunehmend transparenter. Er entdeckt ein sehr interessantes Bild, welches mit einer Stickerei vergleichbar ist. Es gibt einen Rahmen, in dem etwas mit Kreuzstichen gestickt wurde. Auf der Vorderseite erscheint die Stickerei klar und deutlich – aber auf der Rückseite sieht man zusätzlich die vernähten Fäden und die von vorne unsichtbaren Verbindungen zwischen den einzelnen Stichen.

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