Allgemeines und Besonderes

Von Michael Laitman

Das Hauptziel in der Erforschung der Schöpfung, des Universums, besteht in der Analyse der Handlungen des Schöpfers, darin, zu lernen, so zu handeln wie Er, sich die Fähigkeit anzueignen, Seine Handlungen nachzuahmen.

Die Handlungen des Schöpfers werden als Lenkung bezeichnet, oder als die Natur der Schöpfung. Auch Wissenschafter erforschen die Handlungen des Schöpfers (sie nennen es Natur oder Naturgesetze), mit dem gleichen Ziel – etwas zu lernen, um die weise Natur nachahmen zu können.

Alles, was wir in unserem Leben machen, ist eine Nachahmung der Natur. Alles von Menschenhand und von menschlichem Gedankengut Erschaffene, Technologie, Musik, Malerei, alles ist auf der Naturähnlichkeit aufgebaut. Sogar die wildeste Phantasie ist Folge unserer Natur. Aus der Natur können wir nirgends hin ausreißen. Alles, was wir erschaffen können, ist nur die Entwicklung des bereits in uns Seienden.

Wir können nichts Neues erschaffen. Alles, was wir tun, sind nur weitere Handlungen des Schöpfers, die von Ihm durch uns vollzogen werden. Und wir glauben nur, dass wir sie selbst ausführen: wir sind auf diese Weise erschaffen, dass wir, alles nach dem Befehl der Natur ausführend, noch immer glauben, dass wir nur unsere eigenen Wünsche erfüllen.

In Wirklichkeit sind es auch Handlungen des Schöpfers, Sein Programm unserer Entwicklung. Und alle unseren Entdeckungen sind Entdeckungen des bereits Existierenden, aber zuvor vor uns Verhüllten.

Unser physiologischer Körper ist allen anderen Körpern unserer Welt ähnlich, wie der Körper eines Tieres, und verfügt natürlich an sich über keine spirituelle Eigenschaft. Die Körper in unserer Welt unterscheiden sich durch keine spirituellen Eigenschaften voneinander und wechseln sich in Lebenskreisläufen, Reinkarnationen nur ab.

Wenn es keinen qualitativen, spirituellen Unterschied gibt, dann gilt, dass wie unsere physiologischen Körper sich auch immer unterscheiden mögen, sie alle spirituell als ein Körper gelten. Denn der Unterschied im Spirituellen ist der Unterschied der Eigenschaften, der Qualitäten, weil im spirituellen Raum keine materiellen Hüllen existieren.

Daher entdeckt ein Kabbalist, wenn er auf unsere Welt schaut, jeweils einen Vertreter jeder Art. Wenn er aber die Natur nach wahrlich spirituellen Eigenschaften beurteilt, dann wird sein Sehen, das nur spirituelle Eigenschaften unterscheidet, in unserer Welt nichts als die Leere sehen.

Physiologische Eigenschaften der Körper sind bei allen gleich. Wenn also jemand zum Beispiel krank ist, wird der Arzt an seinen Körper genauso herantreten, wie an die Körper aller anderen Menschen mit derselben Krankheit. Das heißt, alle unseren Körper sind ähnlich. Im Spirituellen aber unterscheidet sich ein Körper durch seine Eigenschaften vollkommen von dem anderen. All das ist aber auch für die Objekte unserer Welt wahr: alle leblosen Körper sind wie ein Körper, alle Pflanzen- wie eine Pflanze, alle Tiere – wie ein Tier.

Es gibt nur einen, spirituellen Raum, welcher als der Raum der Eigenschaften bestimmt wird: weiter und näher an den Schöpfer. Die Existenz materieller Körper in ihm: lebloser, pflanzlicher, tierischer- hat aber keine Bedeutung, weil der Unterschied zwischen Körpern in diesem Raum ausschließlich durch die Unterscheidung ihrer spiritueller Eigenschaften bestimmt wird. Wenn es aber diese Unterscheidung in einer Menge von Körpern nicht gibt, verschmelzen sie miteinander. Nach dem gleichen Gesetz der Ähnlichkeit verschmilzt derjenige, der sich die Eigenschaften des Schöpfers aneignet, mit ihm.

In diesem spirituellen Raum befindet sich die ganze Schöpfung. Dieser spirituelle Raum ist als Folge dessen entstanden, dass sich der Schöpfer verhüllte und sich im Maße des Ihm ähnlich Seins enthüllt. Das bedeutet, dass nur Er und wir existieren. Dabei verspüren wir Ihn immer mehr im Maße der Angleichung unserer Eigenschaften an die Seinigen. Diese innere Veränderung der Empfindung des Schöpfers von mehr klar zu weniger klar und von weniger klar zu mehr klar wird als spirituelle Bewegung bezeichnet.

Man kann sagen, dass in diesem spirituellen Raum eine Anziehungskraft des Schöpfers existiert, die den Menschen an den Schöpfer im Maße der Angleichung der Eigenschaften des Menschen an die des Schöpfers heranzieht, und dass sich der Mensch auf diese Weise fortbewegt. Diese Verschiebungen sind allmählich, gestuft. Der Mensch verbessert seine Eigenschaften stufenweise: es geschieht ein Prozess des inneren Bewusstwerdens und der Bewertung eigener Eigenschaften als schlecht, und dann der investierten Bemühungen, um die ersteren mit Hilfe des Schöpfers zu verbessern.

Der Erhalt der Hilfe erschafft im Menschen eine neue Eigenschaft. In Übereinstimmung mit seinen neuen Eigenschaften nimmt der Mensch wiederum automatisch, der „Anziehungskraft“ innerhalb dieses Raums folgend, eine neue, höhere Stufe ein. Je höher die Stufe des Menschen ist, über desto allgemeinere Eigenschaften der Schöpfung verfügt er. So sieht man auch in unserer Welt, dass ein Mensch, der verschiedene Zustände durchlaufen hat, und Erfahrungen gesammelt hat, in sich sozusagen die Erfahrung mehrerer Menschen einschließt. Deswegen steht das Allgemeine immer über dem Besondern.

Jemand, der seinem Volk ergeben ist, steht daher über dem Spießer, und ein Mensch, der einer ganzen Welt ergeben ist, steht über dem seinem Volk Ergebenen. Das kommt daher, dass das Allgemeine alles Besondere gebiert und in sich enthält, und je größer somit das Allgemeine ist, umso mehr Komponenten hat es. Deswegen gibt es Unterschiede zwischen denjenigen, die der eigenen Familie, der Stadt, einem Volk, der Welt ergeben sind.

Spirituelle Geburt

Wenn im Menschen eine neue Eigenschaft geboren wird, dann ähnelt dieser Vorgang der Geburt eines menschlichen Körpers. Zunächst- das Stadium der Entstehung, wenn die Eigenschaft oder der Gedanke noch nicht wahrgenommen werden, irgendwo im Menschen herumschwören, infolge bestimmter vorhergehender Gründe heranreifen. Dann beginnen sie, sich hervorzuheben, sich durch irgendwelche anderen Eigenschaften, Gedanken zu verwirklichen, bis sie schließlich als etwas Eigenes, separat Existentes, Selbstständiges, Geborenes empfunden werden.

Der Prozess ähnelt der Geburt eines Menschen: zunächst werden entsprechende Zellen in den Organismen der Mutter und des Vaters geboren, dann verschmelzen sie miteinander. Ein bestimmter neuer Organismus beginnt nun, sich zu entwickeln, der noch nichts in Bezug auf sich empfindet, wie ein noch unbewusster Gedanke. Dann beginnt dieses Neue, sich selbst mehr und mehr zu verspüren, trennt sich von seinen Ursprüngen, gelangt zum Selbstgefühl und zum Bewusstsein seiner Selbst.

Das eine ist mit dem anderen verbunden: im Maße seines Austritts aus dem Machtbereich der Eltern erlangt es Selbstständigkeit. Und umgekehrt. Die Geburt ist ein Machtwechsel. Spirituelle Geburt ist ein Machtwechsel- von der Macht seiner Selbst zur Macht des Schöpfers: der Mensch nimmt freiwillig die Unterwerfung der Macht des Schöpfers an, will gegen den eigenen Verstand gehen, sich nach der Weisheit einer höheren spirituellen Stufe richtend.

Ähnlich der Geburt von etwas Neuem auf allen Stufen, der tierischen oder der gedanklichen, geschieht auch die spirituelle Geburt: das Aufkommen spiritueller Wünsche im Menschen. Bis zu dem Moment gab es sie im Menschen nicht, weil er selbst unter der Herrschaft seiner egoistischen Wünsche war. Der Erhalt neuer spiritueller Wünsche von oben, der Ersatz egoistischer Wünsche durch altruistische, wird als die spirituelle Geburt bezeichnet.

Das geschieht mit Hilfe des Schöpfers – der spirituellen Kraft, die alles gebiert, in allen Welten sowie in unserer Welt. Dabei ist alles, was in unserer Welt geschieht, Folge des Geschehens in spirituellen Welten, des zu uns von dort Hinabsteigenden. Man sagt „Es gibt kein Staubkorn unten, über dem es keinen Engel (spirituelle Kraft) oben gäbe, der es schlagen und befehlen würde- Wachse!“

Das heißt, die Geburt und das weitere Wachstum geschehen nur unter der Einwirkung der zwingenden und von oben schlagenden Kraft – umso mehr gilt dies für die spirituellen Geburt und das Wachstum- weil dieser Prozess entgegen unserer egoistischen Natur stattfindet.

Ohne die von oben zwingende spirituelle Kraft des Schöpfers hören auch in unserer, materiellen Welt Leben und Bewegung auf- denn alle materiellen Erscheinungen sind Erscheinungen, Auswirkungen spiritueller Kräfte. Wenn sich aber unsere Augen eröffnen werden, werden wir die höchste Welt sehen, wir werden feststellen, dass es nichts materielles gibt, und dass alles nur bestimmte Erscheinungen des Wirkens spiritueller Kräfte sind, die uns in materieller Gestalt erscheinen, die sich uns in unseren materiellen Empfindungsorganen darstellen.

Im Maße unserer spirituellen Erhebung, der Annäherung an den Schöpfer, wechseln sich Kräfte ab, werden von anderen, höheren ersetzt, bis wir schließlich sehen, dass es um uns nichts und niemanden außer dem Schöpfer gibt. Der Erhalt der ersten spirituellen Eigenschaft wird als die Geburt bezeichnet: die innere Wahrnehmung eines Menschen tritt aus unserer egoistischen Welt aus. Das Aufkommen einer neuen Eigenschaft in ihm, die sich von dieser Welt unterscheidet, stößt ihn aus dieser Welt hinaus auf diejenige Stufe, die dieser seiner neuen Eigenschaft entspricht. Diese Stufe wird als die niedrigste Stufe der spirituellen Welt bezeichnet – Malchut der Welt Assija. Die erste Korrektur des Menschen wird als seine Geburt bezeichnet. Dann findet sein spirituelles Wachstum statt- Korrektur bis zur vollkommenen Angleichung an den Schöpfer.

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