Shamati 100. Die schriftliche und die mündliche Tora – 1

Ich hörte zum Wochenabschnitt Mishpatim im Jahr 1943

Die schriftliche Tora ist die Stufe der „Erweckung von oben“, und die mündliche Tora ist die „Erweckung von unten.“ Und sie beide zusammen heißen: „Sechs Jahre soll er dienen; und im siebenten Jahr soll er frei ausgehen.“[1]

Denn die Hauptarbeit findet eben dort statt, wo Widerstand vorhanden ist. Und dies wird „Welt“ (Alma) genannt, vom Wort „Verhüllung“ (He‘elem). Denn in der Zeit der Verhüllung besteht Widerstand, und gerade dann gibt es Raum für Arbeit.

Und darin besteht der geheime Sinn der Aussage der Weisen: „Sechstausend Jahre wird die Welt bestehen, und eines wird verwüstet sein“[2] Das bedeutet: [Sechstausend Jahre – das heißt die ganze Zeit der Verhüllung – gibt es Arbeit, und] im siebten Jahrtausend wird diese Verhüllung aufgehoben.
Dann gibt es keine Arbeit mehr, [weil kein Widerstand mehr besteht.]

Doch der Schöpfer macht ihm Flügel – das ist die Stufe der Bedeckungen (Kisu’im) –, damit der Mensch Arbeit habe.

[1] 2. Buch Mose 21, 2

[2] Sanhedrin 97a

überarbeitet, EY, 27.10.2025

Shamati 99. Ob jemand ein Frevler oder ein Gerechter sein wird, wird nicht gesagt

Ich hörte am 21. Ijar in Jerusalem

Rabbi Chanina bar Pappa lehrte: „Jener Engel, der über die Empfängnis eingesetzt ist, sein Name ist Laila (Nacht). Er nimmt einen Tropfen, stellt ihn vor den Schöpfer und sagt: ‚Herr der Welt, was soll aus diesem Tropfen werden: ein Starker oder ein Schwacher, ein Weiser oder ein Dummer, ein Reicher oder ein Armer?‘ Frevler oder Gerechter aber sagte er nicht“ (Nidda 16b).

Dies ist nach der Regel zu erklären, dass es unmöglich ist, dass ein Dummer ein Gerechter werde, wie unsere Weisen sagten: „Ein Mensch sündigt nur, wenn der Geist der Dummheit in ihn eingedrungen ist“ (Sota 3a). Umso mehr gilt dies für jemanden, der sein ganzes Leben dumm ist. Wer also als Dummer geboren wird, hat keine Wahl, da über ihn bestimmt wurde, dass er dumm ist. Wenn also gesagt wird: „Frevler oder Gerechter sagte er nicht“, so deshalb, damit der Mensch die Wahl habe. Doch was ist der Nutzen, wenn er nicht sagt: „Frevler oder Gerechter“? Wenn doch bestimmt ist, dass er dumm sei, ist er dadurch automatisch so, als sei er zum Frevler bestimmt.

So müssen wir die Worte unserer Weisen verstehen: „Rabbi Jochanan sagte: Der Schöpfer sah, dass die Gerechten wenige waren. Da pflanzte Er sie in jede Generation, wie geschrieben steht: ‚Denn des Ewigen sind die Stützen der Erde, und Er hat die Welt auf sie gegründet‘“ (1. Samuel 2,8). Rashi kommentiert: „‚Und Er hat die Welt auf sie gegründet‘ – Er zerstreute sie in allen Generationen, damit sie Stützen, Erhalt und Grundlage seien, um die Welt zu erhalten“ (Joma 38b).

„Sie sind wenige“ bedeutet, dass sie sich vermindern und weniger werden. Was tat der Schöpfer also, damit sie sich vermehren? Er pflanzte sie in jede Generation. Doch was ist der Nutzen, dass sie dadurch mehr werden? Was ist der Unterschied, ob alle Gerechten in einer Generation oder über alle Generationen verteilt sind? Werden es durch die Verteilung wirklich mehr?

Um dies zu verstehen, müssen wir die Worte unserer Weisen näher betrachten, dass der Schöpfer über den Tropfen bestimmt, ob er weise oder dumm wird. Das heißt: Wer schwach geboren ist, ohne Kraft, seine Neigung zu überwinden, mit schwachem Verlangen und ohne besondere Fähigkeiten – und auch in der Zeit der Vorbereitung, wenn er mit der Arbeit des Schöpfers beginnt, muss er geeignet sein, die Tora und die Weisheit zu empfangen. Es steht geschrieben: „Er gibt den Weisen Weisheit“ (Daniel 2,21). Man könnte fragen: Wenn sie bereits weise sind, warum brauchen sie noch Weisheit? Sollte es nicht heißen: „Er gibt den Dummen Weisheit“?

Die Erklärung ist: Ein Weiser wird jener genannt, der nach Weisheit verlangt, auch wenn er sie noch nicht besitzt. Da er jedoch ein Verlangen hat – und Verlangen wird als Kli (Gefäß) bezeichnet –, ist er ein Kli, in das die Weisheit leuchten kann.

Daraus folgt: Wer dumm ist, das heißt, wer kein Verlangen nach Weisheit hat und dessen ganzes Streben nur auf die eigenen Bedürfnisse gerichtet ist, der hat keinerlei Sehnsucht nach Spiritualität. Im Hinblick auf das Geben ist der Dumme vollkommen unfähig – er ist zu keiner Form des Gebens imstande.

Wie also kann ein Mensch, der mit solchen Eigenschaften geboren wurde, jemals die Stufe eines Gerechten erreichen? Daraus folgt, dass er keine Wahl hat.

Was also ist der Nutzen daran, dass gesagt wurde: „Ob ein Mensch ein Frevler oder ein Gerechter sein wird, sagt er nicht“ – damit er eine Wahl habe? Da er dumm und schwach geboren wurde, ist er von vornherein nicht imstande, irgendeine Wahl zu haben, da er zu keinerlei Überwindung und zu keinem Verlangen nach der Weisheit des Schöpfers fähig ist.

„Um dies zu verstehen – nämlich, dass es sogar für den Dummen eine Wahl geben kann –, machte der Schöpfer eine Korrektur, die in den Worten der Weisen ‚Der Schöpfer sah, dass die Gerechten wenige waren, da stellte Er sie in jede Generation‘ genannt wird. Und wir fragten: Was ist der Nutzen davon?“

Nun wird die Sache klar: Es ist bekannt, dass es verboten ist, sich mit Frevler zu verbinden, auch wenn man nicht handelt wie sie, wie geschrieben steht: „Im Kreis der Spötter sitzt er nicht“ (Psalm 1,1). Das Vergehen besteht darin, unter Spöttern zu sitzen, auch wenn er dort Tora lernt und Mizwot erfüllt. Wäre das Verbot nur wegen des Unterlassens von Tora und Mizwot, dann wäre es ein anderes Vergehen. Doch das Sitzen selbst ist verboten, weil der Mensch die Gedanken und Wünsche jener übernimmt, die er wertschätzt.

Das Gegenteil gilt ebenso: Hat jemand kein Verlangen nach Spiritualität, befindet er sich jedoch unter Menschen, die danach streben, und wenn er sie schätzt, so nimmt er ihre Überwindungskraft, Wünsche und Bestrebungen an – auch wenn er von Natur aus diese Eigenschaften nicht hat. Je nachdem, wie sehr er jene Menschen wertschätzt, empfängt er neue Kräfte.

Nun verstehen wir: „Der Schöpfer sah, dass die Gerechten wenige waren.“ Das bedeutet, nicht jeder Mensch ist fähig, ein Gerechter zu sein, weil ihm die Eigenschaften fehlen. Er mag als Dummer oder Schwacher geboren sein, und doch hat auch er eine Wahl und keine Ausrede, da der Schöpfer die Gerechten in jede Generation pflanzte.

Der Mensch hat also die Wahl, dorthin zu gehen, wo Gerechte sind. Wenn er ihre Autorität annimmt, empfängt er die Kräfte, die ihm von Natur aus fehlen. Er erhält diese von den Gerechten. Das ist der Sinn dessen, dass der Schöpfer die Gerechten auf alle Generationen verteilte: damit es in jeder Generation jemanden gibt, an den man sich wenden, dem man sich anhaften und von dem man Kräfte empfangen kann, um zur Stufe eines Gerechten zu gelangen. So werden auch sie selbst später zu Gerechten.

Daraus folgt: „Frevler oder Gerechter sagte er nicht“ bedeutet, dass der Mensch die Wahl hat, den Gerechten anzuhaften, um durch sie Kräfte zu empfangen. Wären alle Gerechten in einer Generation, hätten die Dummen und Schwachen keine Möglichkeit, sich dem Schöpfer zu nähern, und daher keine Wahl. Doch weil die Gerechten über alle Generationen verteilt sind, muss jeder Einzelne die Möglichkeit haben, sich den Gerechten seiner Generation anzunähern. Andernfalls muss seine Tora ein „Elixier des Todes“ werden (Joma 72b).

Dies lässt sich durch ein Gleichnis verstehen: Wenn zwei Menschen einander gegenüberstehen, dann steht die rechte Seite des einen der linken des anderen gegenüber. So gibt es zwei Wege: den rechten Weg, den Weg der Gerechten, deren ganzes Anliegen das Geben ist; und den linken Weg, dessen ganzes Anliegen das Empfangen für sich selbst ist. Dadurch trennen sie sich vom Schöpfer, der ganz Geben ist, und entfernen sich so vom Leben des Lebens.

Daher werden die Frevler in ihrem Leben „tot“ genannt (Berachot 18b). Daraus folgt: Solange der Mensch die Anhaftung an den Schöpfer noch nicht erlangt hat, ist er von Ihm getrennt, und es sind gleichsam zwei. Wenn er dann die Tora lernt – die „rechts“ genannt wird –, so ist das für ihn doch die linke Seite des Schöpfers. Das bedeutet: Er lernt die Tora um des Empfangens für sich selbst willen, was ihn vom Schöpfer trennt. So wird die Tora für ihn zum Elixier des Todes, da er in der Trennung bleibt. Denn er will, dass die Tora seinen Körper kleidet – das heißt, dass die Tora seine Körperlichkeit vergrößern soll. Und dadurch wird ihm die Tora zum Elixier des Todes.

Wenn er jedoch mit dem Schöpfer verbunden ist, wird er eins mit Seiner Einzigkeit. Dann ist seine rechte Seite die rechte Seite des Schöpfers, und der Körper wird zur Kleidung der Seele.

Woran erkennt man, ob er auf dem Weg der Wahrheit ist? Daran, dass er bei den Bedürfnissen des Körpers darauf achtet, nicht mehr zu nehmen, als für die Seele erforderlich ist. Scheint es ihm, dass er mehr hat, als zur Bekleidung der Seele notwendig, dann sieht er es wie die Kleidung, die genau passen muss: weder zu lang noch zu weit. Ebenso achtet er bei den Bedürfnissen des Körpers darauf, dass sie nicht über das Notwendige für die Seele hinausgehen.

Zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen: Nicht jeder, der den Schöpfer ergreifen will, kommt und ergreift Ihn (Berachot 17a). Denn dies widerspricht der menschlichen Natur, die im Willen zu empfangen, in Selbstliebe, erschaffen wurde. Darum benötigen wir die Gerechten der Generation.

Denn wenn der Mensch sich einem wahren Rav anhaftet, dessen einziger Wunsch darin besteht, gute Taten zu tun, während er selbst spürt, dass er nicht in der Lage ist, gute Taten zu vollbringen – das heißt mit der Absicht, dem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten –, dann kann er durch die Anhaftung an einen wahren Rav Kräfte empfangen, die er von Natur aus, von Geburt her, nicht besitzt. Dies geschieht, indem er in den Augen des Rav Gunst finden will: Er tut die Dinge, die sein Rav liebt, und meidet die Dinge, die sein Rav hasst. Auf diese Weise kann er Dwekut (Anhaftung) mit seinem Rav haben und Kräfte von ihm empfangen, sogar solche, die er von seiner eigenen Natur her nicht hat. Und das ist die Bedeutung dessen, dass der Schöpfer die Gerechten in jede Generation pflanzte.

Es bleibt die Frage: Warum verteilte Er die Gerechten in alle Generationen? Wir sagten: wegen der Dummen und Schwachen. Doch hätte Er nicht einfach alle als Weise erschaffen können? Warum musste Er überhaupt Dummköpfe schaffen?

Die Antwort: Auch die Dummen werden benötigt, denn sie sind Träger des Willens zu empfangen. Von sich aus haben sie keine Möglichkeit, sich dem Schöpfer zu nähern. Über sie heißt es: „Und sie werden hinausgehen und die Leichen der Menschen sehen, die sich von Mir abgewandt haben; ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer wird nicht erlöschen, und sie werden ein Abscheu für alles Fleisch sein“ (Jesaja 66,24). Und sie werden zur Asche unter den Füßen der Gerechten. Dadurch gibt es für die Gerechten ein Erkennungszeichen, welches Gute der Schöpfer ihnen erwiesen hat, indem Er sie als Weise und Starke erschaffen hat und sie dadurch zu Sich heranzog. So können sie nun dem Schöpfer dafür Lob und Dank darbringen, da sie sehen, wie jene sich in einem Zustand der Niedrigkeit befinden. Und dies wird als „Asche unter den Füßen der Gerechten“ bezeichnet – was bedeutet, dass die Gerechten dadurch schreiten und dem Schöpfer Lob darbringen.

Man muss jedoch wissen, dass auch die niederen Stufen benötigt werden. Denn die Kleinheit einer Stufe darf nicht als etwas Überflüssiges angesehen werden, sodass man sagen könnte, es wäre besser gewesen, wenn auch die Stufen der Kleinheit sofort mit der Größe geboren würden.

Das lässt sich vergleichen mit dem physischen Körper, der gewiss wichtige Organe hat, wie das Gehirn und die Augen und Ähnliches. Und er hat auch Organe, die nicht so wichtig erscheinen, wie den Magen, die Eingeweide und die Finger an Händen und Füßen. Doch es ist nicht denkbar zu sagen, dass ein Organ, das eine weniger wichtige Funktion erfüllt, darum überflüssig wäre. Vielmehr ist alles wichtig. Ebenso ist es auch in der Spiritualität: Auch die Dummen und die Schwachen werden benötigt, wie oben gesagt.

Nun verstehen wir die Worte: „Kehrt zu Mir zurück, und Ich werde zu euch zurückkehren“ (Maleachi 3,7). Das bedeutet: Der Schöpfer sagt: „Kehrt zurück“, und Israel sagt das Gegenteil: „Bringe uns zurück, Ewiger, zu Dir, und wir werden zurückkehren“ (Klagelieder 5,21).

Die Erklärung ist: Während des Abstiegs in der Arbeit sagt der Schöpfer zuerst: „Kehrt zurück“. Dadurch kommt der Mensch zu einem Aufstieg in der Arbeit. Dann beginnt der Mensch zu rufen: „Bringe uns zurück!“ Während des Abstiegs aber ruft der Mensch nicht „Bringe uns zurück!“, sondern flieht vielmehr von der Arbeit. Daher muss der Mensch wissen: Wenn er ruft „Bringe uns zurück!“, dann kommt dies durch ein Erwachen von Oben, weil der Schöpfer zuvor gesagt hatte: „Kehrt zurück“. Dadurch empfängt er einen Aufstieg und kann rufen: „Bringe uns zurück!“

Dies ist die Bedeutung der Worte: „Und es geschah, als die Lade aufbrach, da sprach Mose: Erhebe Dich, Ewiger, und mögen sich Deine Feinde zerstreuen“ (Numeri 10,35). Denn „Aufbrechen“ bedeutet die Zeit, in der man im Dienst des Schöpfers voranschreitet – das ist ein Aufstieg. Dann sagte Moses: „Erhebe Dich!“ Und wenn die Lade ruhte, sagte er: „Kehre zurück, Ewiger“ (Numeri 10,36). Während der Ruhe in der Arbeit braucht es, dass der Schöpfer sagt: „Kehrt zurück“ – das heißt: „Kehrt zu Mir zurück“, denn das Erwachen kommt von Ihm. Daher muss man wissen, wann „Erhebe Dich!“ und wann „Kehre zurück!“ gesagt werden soll.

Das ist auch der Sinn der Worte: „Und du sollst dich des ganzen Weges erinnern, auf dem dich der Ewige, dein Gott, geführt hat … um zu erkennen, was in deinem Herzen ist: ob du Seine Gebote halten wirst oder nicht“ (5. Mose 8,2). „Ob du Seine Gebote halten wirst“ entspricht „Kehre zurück“, „oder nicht“ entspricht „Erhebe Dich!“ Beide sind notwendig. Und der Rav weiß, wann die Zeit für „Erhebe Dich“ und wann für „Kehre zurück“ ist. Denn die 42 Stationen entsprechen den Auf- und Abstiegen, die in der Arbeit des Schöpfers üblich sind.

überarbeitet, EY, 26.09.2025

Shamati 97. Abfälle des Dreschbodens und der Weinkellerei

Ich hörte

Goren (Dreschboden) bedeutet eine geringe Menge an guten Taten, wenn der Mensch den Aspekt von Gronot (hebr.: Hälse; klingt wie Ger’onot – Mängel) mit dem Schöpfer verspürt. Daher verringert er die guten Taten. Und danach kommt er in den Aspekt von Jekew (Weinkeller)was die Bedeutung von „Und er beleidigt den Namen des Schöpfers“ ist.

Sukkot (Laubhüttenfest) wird als Freude angesehen, was „erfreuende Gwurot“ sind, was Reue aus Liebe darstellt, wobei die Vergehen ihm zu Verdiensten werden. Und dann gehen sogar der Dreschboden, Goren, und die Weinkellerei, Jekew, in die Heiligkeit ein.

Und das ist die Bedeutung davon, dass Isaak der Kern von Sukkot (Laubhüttenfest) ist, da alle in ihm eingeschlossen sind (und Pessach ist der Aspekt der Liebe, also der Rechten). Und das ist die Bedeutung [des Verses]: „Und Abraham gebar Isaak.“

Denn das Thema von Vater und Sohn ist das von Verursacher und Folge, Ursache und Ergebnis. Wenn es also vorher nicht den Aspekt von Abraham gegeben hätte, der Rechten, hätte man nicht zum Aspekt von Isaak gelangen können, der Linken. Vielmehr ist die Linke in der Rechten eingeschlossen. Und das ist die Bedeutung von [dem Vers]: „Denn du bist unser Vater.“

Abraham sagte: „Und sie werden ausgelöscht wegen der Heiligung Deines Namens.“ Und so sagte auch Jakob, dass die Bedeutung davon ist, dass die Übertretungen „wegen der Heiligung Deines Namens“ ausgelöscht werden. Und wenn dies so bleibt, dann befindet sich also ein Bruch in der Mitte. Das heißt, die Sünden, die es in der Gemeinschaft Israels geben wird, sind also wie ein Bruch in der Kedusha (Heiligkeit).

Isaak jedoch sagte: „Eine Hälfte ist auf mir und eine Hälfte ist auf dir“, was den Teil der Übertretungen und den Teil der Mizwot bedeutet, das heißt, dass beide in die Heiligkeit eintreten werden. Und das kann mittels Reue aus Liebe sein, wobei Vergehen sich für ihn zu Verdiensten verwandeln. In diesem Zustand gibt es keinen Bruch, wie es geschrieben steht: „Es gibt keinen Bruch und kein Klagegeschrei“[1], sondern es ist alles für die Kedusha korrigiert.

Und das ist die Bedeutung dessen, was die Weisen sagten: „Größer ist der Mist des Maultieres von Isaak als das Geld und das Gold von Abimelech.“

„Mist“ heißt eine nichtige Sache, die keinen Wert hat. Also dass seine Arbeit für ihn Mist war. Und danach kommt ein Zustand der Trennung. Da er seine Arbeit nicht wertschätzt, gelangt er zur Trennung. Und das heißt „Mist und Maultier von Isaak“. Da aber Isaak alles im Aspekt von Reue aus Liebe korrigierte, wobei seine Vergehen ihm zu Verdiensten wurden, sind die Gewinne, die er wegen Mist und Maultier macht, größer als das Geld und das Gold von Abimelech.

Sein Kessef (Geld) bedeutet Kissufim (Verlangen) nach dem Schöpfer. Und Sahav (Gold) bedeutet Se-Hav (gib mir das), was die Sehnsucht nach der Tora darstellt, also nach der Erkenntnis der Tora. Und da Isaak alles korrigierte, das heißt, er erreichte die Reue aus Liebe, wurden ihm dann die Vergehen als Verdienste angerechnet. Und er war sowieso ein großer Reicher, denn beim Einhalten der Mizwot gibt es nicht mehr als 613 Mizwot; Übertretungen und Vergehen sind hingegen grenzenlos. Daher wurde Isaak reich, wie es geschrieben steht: „Und er hat hundert Tore gefunden.“ Was bedeutet, dass er hundert Prozent in der Kedusha hatte, ohne jeglichen Abfall, da auch der Abfall in ihm korrigiert war.

Daher wird die Bedeckung der Sukka (Laubhütte) aus dem Abfall des Dreschbodens und der Weinkellerei gemacht. (Und man kann sagen, wie die Weisen sagten, dass Moses vom Abfall reich wurde.) Daher wurde Sukkot hauptsächlich nach Isaak benannt, der die sich erfreuenden Gwurot darstellt, und auch auf den Namen von Moses geht Sukkot zurück.

[1] Psalm 144, 14

Shamati 98. Als Spiritualität wird das bezeichnet, was niemals verloren geht

Ich hörte im Jahr 1948

Als Spiritualität wird bezeichnet, was niemals verloren geht. Daher wird der Wille zu empfangen in der Form, in der er sich befindet, nämlich „um zu empfangen“, als Körperlichkeit bezeichnet, denn er wird sich von dieser Form lösen, und die Form „um zu geben“ annehmen.

Die Realität des Raumes wird in der Spiritualität als Ort (Raum, Platz) der Wirklichkeit bezeichnet, weil jeder der dorthin kommt – also an diesen Ort –, die gleiche Form sieht wie ein anderer. Eine imaginäre Sache dagegen wird nicht als real bezeichnet, da sie imaginär ist, und jeder stellt [sie] sich auf eigene Weise vor.

Wenn wir sagen, dass die Tora „siebzig Gesichter“ hat, so sind dies siebzig Stufen. Und auf jeder Stufe wird die Tora gemäß der Stufe, auf der sich der Mensch befindet, interpretiert. Aber die „Welt“ (Olam) ist Wirklichkeit. Das bedeutet, dass jeder, der eine gewisse Stufe von den siebzig Stufen derselben Welt erfasst, die gleiche Form erkennt wie alle, die dorthin kamen.

Daraus geht das von unseren Weisen Gesagte hervor, welche die Verse der Tora deuten. Sie sagen: „So sprach Abraham zu Isaak“ und andere ähnliche Sprüche unserer Weisen. Sie sprachen das Gesagte aus, was in den Versen erläutert wird. Und es stellt sich die Frage: Woher wussten sie, was der eine zum anderen sagte?

Doch wie oben gesagt wurde, sahen und wussten diejenigen, die auf die Stufe gelangten, auf welcher Abraham oder wer auch immer stand, genau dasselbe, was Abraham sah und wusste.

Daher wissen sie, was Abraham sagte. Und so gilt das für alle Deutungen der Weisen, in denen sie die Verse der Tora auslegten. All das taten sie, weil auch sie die gleiche Stufe erfassten. Und jede Stufe in der Spiritualität ist Wirklichkeit, wobei alle die Wirklichkeit sehen. Wie alle, die in die Stadt London in England kommen, sehen, was es in der Stadt gibt, und hören, worüber in der Stadt gesprochen wird.

Shamati 96. Der Abfall des Dreschbodens und des Weinkellers in der spirituellen Arbeit

Ich hörte am Abend von Sukkot in der Sukka im Jahr 1942

 

Der Dreschboden (Goren) ist das Geheimnis der Dinim de Dchura (männliche Dinim), das die Stufe von „und sie hat sich verborgen und ist nicht verunreinigt“ ist. Das bedeutet, er empfindet, dass er sich im Aspekt des Dreschbodens befindet – Goren, was in der Arbeit Ger (Fremder) bedeutet.

Der Weinkeller (Jekev) ist der Aspekt der Dinim de Nukwa (weibliche Dinim), der die Stufe von „und sie hat sich verborgen und ist verunreinigt“ ist, denn Jekev (Weinkeller) ist der Aspekt von Nekev (Öffnung).

Es gibt zwei Arten von Sukkot:

  1. die der Wolken der Ehre,

  2. die aus dem Abfall des Dreschbodens und des Weinkellers.

Eine Wolke ist die Stufe der Verhüllung, wenn der Mensch die Verhüllung über der Heiligkeit fühlt. Und wenn der Mensch sich über die Wolke erhebt – das heißt, über die Verhüllung, die er empfindet –, dann erlangt er dadurch die Stufe der Wolken der Ehre. Dies wird die Stufe von MaN de Ima genannt. Sie wirkt während der sechstausend Jahre, was die Stufe des Geheimnisses (Sod) bedeutet, das noch nicht zur Natur geworden ist, die Pschat (einfaches Verständnis) genannt wird.

Der Abfall des Dreschbodens und des Weinkellers ist die Stufe von Pschat (einfaches Verständnis) und Teva (Natur) – die Stufe von MaN de Malchut, die gerade durch den Glauben korrigiert wird, der „Erweckung von unten“ genannt wird.

MaN de Ima hingegen ist die „Erweckung von oben“, die nicht der Natur entspricht. Das heißt, dass der Mensch gemäß der Natur, wenn er nicht geeignet ist, das Licht zu empfangen, keinerlei Geben erhält. Doch vonseiten der Erweckung von oben, die über der Natur steht, wird das Licht dennoch zu den Unteren ausgedehnt, im Geheimnis von „Ich, der Ewige, wohne mit ihnen inmitten ihrer Unreinheit“ (3. Buch Mose 16:16). Wie im Sohar gesagt wird: „Obwohl er gesündigt hat, ist es, als hätte er überhaupt nicht gesündigt.“

Bei einer Erweckung von unten jedoch wird das Licht nicht weitergegeben, außer in der Zeit, in der der Mensch geeignet ist – das heißt, durch seine eigene Vorbereitung, die MaN de Nukwa genannt wird, durch die er sich durch den Glauben korrigieren kann. Und dies heißt „von seiner Seite“, was die Stufe des siebten Jahrtausends ist, das „und eines ist zerstört“ (Traktat Sanhedrin 97a) genannt wird – das heißt: „Sie hat von sich selbst nichts“, was Malchut ist.
Wenn dies korrigiert wird, erlangt man das zehnte Jahrtausend, was die Stufe von GaR (Gimel Rishonot – die drei ersten Sefirot) ist. Eine solche Seele erscheint nur einmal in zehn Generationen.

Doch es gibt auch den Aspekt des siebten Jahrtausends im Verhältnis zu den sechstausend Jahren, das Prat (Einzelnes) genannt wird – denn Allgemeines und Einzelnes sind immer gleichwertig und einander entsprechend. Aber das ist die Stufe von MaN de Ima, die „Wolken der Ehre“ genannt wird.

Das Ziel der Arbeit liegt im Aspekt von Pschat und Teva (Natur). In dieser Arbeit hat der Mensch keinen Platz mehr, tiefer zu fallen, da er sich bereits auf der Erde befindet. Das ist so, weil er keine Gadlut (Größe) benötigt, denn für ihn ist alles immer wie etwas Neues.

Das heißt, er arbeitet stets so, als hätte er gerade erst begonnen zu arbeiten, und er arbeitet in der Stufe der Annahme des Jochs der höheren Malchut über dem Verstand.

Das Fundament, auf dem er seine Ordnung der Arbeit errichtet hat, war in der niedrigsten Form, und die ganze Arbeit war vollständig über dem Verstand.
Nur jemand, der wirklich töricht ist, kann so niedrig sein, dass er ganz ohne jede Grundlage geht, auf die er seinen Glauben stützen könnte – ohne jegliche Stütze.
Und darüber hinaus nimmt er diese Arbeit mit großer Freude an, als hätte er Verstand und wahre Einsicht, auf die er die Gewissheit seines Glaubens stützen könnte.

Und genau im selben Maß, in dem er über dem Verstand arbeitet, fühlt er es so, als hätte er Verstand. Daher kann er, wenn er auf diesem Weg beständig bleibt, niemals fallen, sondern ist immer in Freude darüber, dass er glaubt, dem großen König zu dienen.

Und dies ist die Bedeutung dessen, was geschrieben steht: „Das eine Lamm sollst du am Morgen opfern und das andere Lamm sollst du zwischen den Abenden opfern, wie das Speiseopfer des Morgens und sein Trankopfer“ (4. Buch Mose 28:4, 8).
Das bedeutet, dass dieselbe Freude, die er hatte, als er sein Opfer darbrachte, als es für ihn Morgen war – und Morgen wird „Licht“ genannt, das heißt, das Licht der Tora leuchtete ihm in höchster Klarheit –, dass er in derselben Freude seine Arbeit verrichtete, auch wenn es für ihn Abend war.

Das heißt, selbst wenn er keinerlei Klarheit in der Tora und in der Arbeit hatte, tat er dennoch alles mit Freude, weil er über dem Verstand arbeitet.
Daher weiß er nicht zu messen, aus welchem Zustand der Schöpfer mehr Freude hat.

Und dies ist das Geheimnis dessen, was Rabbi Schimon ben Menasja lehrte: „Kemin Chomer – wie eine Art Stoff.“ Chomer bedeutet: ohne Wissen und Verstand.

„Ein Ohr, das am Berg Sinai hörte: Du sollst nicht stehlen“ (2. Buch Mose 20:13). Das bedeutet: nichts für sich selbst empfangen, sondern das Joch des Himmelreichs ohne jegliche Gadlut (Größe) auf sich nehmen, alles über dem Verstand.

Doch er ging hin und stahl ein gewisses Leuchten für sich selbst, das heißt, er sagte: „Jetzt kann ich bereits ein Diener des Schöpfers sein, da ich bereits Wissen und Verstand in der Arbeit habe, und ich verstehe, dass es sich lohnt, ein Diener des Schöpfers zu sein; daher brauche ich nun keinen Glauben über dem Verstand mehr.“

Darüber heißt es: „Und das Gericht verkaufte ihn in die Knechtschaft“ (2. Buch Mose 21:6).
Das „Gericht“ bezieht sich auf den Verstand und das Wissen des Menschen, die seine Handlungen beurteilen – ob sie es wert sind, getan zu werden oder nicht.
„Und sie verkauften ihn“ bedeutet, dass er ein Fremder in der Arbeit des Schöpfers geworden ist. Denn dann kommt der Verstand und stellt ihm die bekannte Frage: „Was ist diese Arbeit für dich?“
Und dies kommt nur von der Seite des Diebstahls, weil er bereits eine gewisse Stütze für den Glauben erhalten hat.
Daher kommt er und will diese Stütze mit seinen Fragen aufheben.
Doch das gilt nur für „sechs“ – das heißt: „Sie verkauften ihn für sechs Jahre“, was die Dinim de Dchura (männliche Dinim) bezeichnet.
„Wenn aber der Knecht sagt: Ich liebe meinen Herrn … ich will nicht frei ausgehen“ (2. Buch Mose 21:5) – das bedeutet, dass er nicht ohne die Mizwot frei ausgehen möchte, dann ist die Korrektur: „Und sein Herr soll ihn bringen“, das heißt, der Herr der ganzen Erde.
„Zur Tür oder zum Türpfosten“ – das bedeutet, dass man ihm eine Begrenzung in der Annahme des Himmelreichs gibt.
„Und er soll ihm sein Ohr durchbohren“ – das bedeutet, man macht ihm eine neue Öffnung, damit er nochmals hören kann, was er am Berg Sinai hörte: „Du sollst nicht stehlen.“
„Und er soll ihm dienen auf ewig“ – das heißt, dann wird er wahrhaftig ein Diener des Schöpfers.

Sukkot ist eine vorübergehende Wohnung (Dirat Arai). Das bedeutet: Wer bereits eine beständige Wohnung (Dirat Keva) erlangt hat und nichts mehr zu tun hat – wie oben erklärt über den ersten Aspekt der Zählung der Vergehen –, dem wird geraten, hinauszugehen und in einer vorübergehenden Wohnung zu wohnen.
So wie es war, als er auf dem Weg war, zum Hause des Schöpfers zu gelangen, bevor er die beständige Wohnung erreicht hatte. Damals hatte er jedes Mal das Bedürfnis, in den Palast des Schöpfers einzutreten. Und er hatte Uschpisin („heilige Gäste“), das heißt, seine Arbeit war in der Stufe eines vorübergehenden Gastes.

Und jetzt kann er die Freude aus jener früheren Arbeitszeit wieder heranziehen und erneuern, als er stets den Schöpfer lobte und pries, dass der Schöpfer ihn jedes Mal näher zu Sich brachte, und daraus hatte er Freude.
Diese Freude, die er damals hatte, kann er jetzt, an Sukkot, wieder heranziehen und erneuern. Und das ist die Andeutung der vorübergehenden Wohnung.
Deshalb sagten sie: „Verlasse deine beständige Wohnung und wohne in einer vorübergehenden Wohnung“ (Talmud, Sukkah 2a).

„Nicht das Studium ist das Wesentliche, sondern die Tat“ (Sprüche der Väter 1:17).
Das bedeutet, wie oben gesagt, dass die Tat als Kemin Chomer („eine Art Stoff“) bezeichnet wird. Denn Rabbi Schimon ben Menasja lehrte Kemin Chomer – dass das Wesentliche die Tat ist, während der Verstand nur wie ein Spiegel ist.

Aber zugleich wird die Tat als die Stufe des Lebendigen bezeichnet, und der Verstand als die Stufe des Sprechenden.
Die Bedeutung ist: Wenn es Vollkommenheit in der Tat gibt, dann ist die Tat so erhaben, dass sie ihm das Verständnis der Tora erschließt. Und der Verstand der Tora wird die Stufe des Sprechenden genannt.

überarbeitet, EY, 6.10.2025

Shamati 95. Die Entfernung der Vorhaut

Ich hörte während eines Festmahls anlässlich einer  Beschneidungsfeier, im Jahr 1943 in Jerusalem

Malchut an sich wird „untere Chochma (Weisheit)“ genannt, und hinsichtlich ihrer Bindung an Jessod heißt sie „Glaube“. Und über Jessod liegt eine „Vorhaut“, deren Aufgabe es ist, Malchut von Jessod zu trennen und sie sich nicht mit Jessod verbinden zu lassen. Die Kraft der Vorhaut besteht darin, dass sie ausmalt, der Glaube sei Staub. Dies ist die Bedeutung von „Shechina (göttliche Gegenwart) im Staub“.

Und wenn man diese darstellende Kraft entfernt, ja sogar sagt, die ausmalende Kraft ist Staub, dann heißt das Beschneidung, wenn die Vorhaut abgeschnitten und die Vorhaut in den Staub geworfen wird.

In diesem Zustand erhebt sich die heilige Shechina aus dem Staub, und dann wird die Erhabenheit des Glaubens sichtbar. Und das wird als Erlösung bezeichnet, wenn man der Erhebung der Shechina aus dem Staub würdig wurde. Aus diesem Grunde soll man alle Arbeit darauf konzentrieren, die darstellende Kraft zu entfernen. Und nur der Glaube gilt als vollkommen.

„Sie sind übergenau mit sich selbst, so sehr wie eine Olive und wie ein Ei“. Eine „Olive“ ist, wie die Turteltaube sagte: „Lieber sollen meine Speisen bitter sein wie eine Olive, die von Oben kommt.“ Und „wie ein Ei“ bedeutet, dass es darin keinerlei Leben gibt, obwohl daraus ein Lebewesen hervorkommen wird, doch im Moment sieht man darin kein Leben. Und sie sind übergenau mit sich selbst und ziehen es vor zu arbeiten, obwohl dieser Zustand wie eine „Olive“ ist.

Auch wenn sie sehen, dass es in der Arbeit keinerlei Lebenskraft gibt und all ihre Kraft zur Arbeit daraus resultiert, dass ihre ganze Ausrichtung nur darauf gerichtet ist, die Shechina aus dem Staub zu erheben, dann erlangen sie dank dieser Arbeit die Erlösung. Und dann sehen sie, dass dieses Mahl, welches vorher wie eine Olive und ein Ei war, nun lebendig und süß und wunderbar angenehm geworden ist.

Und dies ist die Bedeutung von „ein übergetretener Konvertierter ist wie ein Neugeborenes.“ Auch dann muss er das Bündnis einhalten, und dann wird er sich freuen.

Und daraus folgt, dass zu der Zeit, wenn man ein Neugeborenes beschneidet, die Anwesenden und die Eltern sich freuen, obwohl das Kind leidet; denn sie glauben, dass sich die Seele des Kindes freut. Ähnlich müssen wir uns während der Arbeit des Bündnisses freuen, obwohl wir einen Zustand von Leid verspüren. Trotz alledem sollten wir glauben, dass unsere Seele glücklich ist.

Unsere ganze Arbeit sollte aus Freude geschehen. Und der Beweis hierfür resultiert aus dem ersten Gebot, welches dem Menschen auferlegt wurde. Das Gebot wird durch die Eltern erfüllt, und die Eltern und Anwesenden freuen sich. So sollten alle Gebote (Mizwot) vom Menschen erfüllt werden: nur mit Freude.

Shamati 94. Und ihr sollt eure Seelen bewahren

Ich hörte im Jahr 1945

Im Vers „Und ihr sollt eure Seelen bewahren“ ist hauptsächlich das Bewahren der spirituellen Seele gemeint. Auf die materielle Seele hingegen achtet der Mensch selbst, auch ohne den Befehl der Tora. Denn die Regel lautet, dass das offensichtliche Erkennungsmerkmal einer Mizwa darin liegt, dass er das, was er tut, um der Mizwa (Gebot) willen tut, und gäbe es keine Mizwa, würde er dies nicht tun. Der Grund, weshalb er es aber doch tut, ist wegen der Mizwa.

Somit benötigt er für eine Mizwa, die er ausführt – wenn er es auch täte, selbst wenn es ihm nicht befohlen wäre – besondere Sorgfalt, um einen Ort zu finden, wo er sagen kann, dass er dies nur um einer Mizwa willen tut.

Dann kann das Licht der Mizwa auf die von ihm durchgeführte Handlung der Mizwa leuchten. Dies nennt man „mit der Mizwa ein Kli bereiten“, in dem das Höhere Licht sein kann. Daher bezieht sich die Sorgfalt hauptsächlich auf die spirituelle Seele.

Shamati 93. Flossen und Schuppen

Ich hörte im Jahr 1945

Verstehe, was die Weisen sagten: „Alles, was Schuppen hat (Kaskesset), von dem ist bekannt, dass es auch Flossen hat (Snapir). Aber alles, was Flossen hat, von dem ist nicht bekannt, ob es auch Schuppen hat.“

In der Arbeit sollten wir dies so erklären: „Kaskesset“ (Schuppen) sind die schwierigen Fragen (Kushiot), die der Mensch während der Arbeit für den Schöpfer hat, und diese Fragen sind Gefäße für das Empfangen von Antworten. Denn die Antworten werden nicht im äußeren Verstand erfüllt, sondern gerade im inneren Verstand, welcher das Höhere Licht darstellt, das sich in den Menschen kleidet. Und sobald das Höhere Licht sich in den Menschen einkleidet, haben sich alle Fragen gelegt.

Je mehr Fragen es daher gibt, umso mehr Höheres Licht kleidet sich in den Menschen. Und daher sind Schuppen ein Zeichen der Reinheit, weil der Mensch sich mit ihrer Hilfe reinigen kann, weil er keine Fragen haben möchte. Und daher tut er alles, was in seiner Kraft steht, um sich zu reinigen und um des Höheren Lichtes würdig zu werden.

Und die Flosse (Snapir) ist ebenfalls ein Zeichen der Reinheit, welches bedeutet: „Sone – Pe – Or- Elijon = hasst – Mund- Höheres Licht.“ Und da er schwierige Fragen hat, ist dies gewiss deshalb, weil er das Höhere Licht hasst. Doch derjenige, welcher Flossen (Snapir) hat, muss nicht unbedingt Fragen (Kushiot) haben.  Möglicherweise hasst er das Höhere Licht, nicht weil er Fragen hat, sondern weil er einfach so gierig ist und sagt: „Ich werde auf keinen Fall gehen.“

Und das sind die Zeichen der Reinheit, wenn er also Fisch hat, und „Fisch“ (Dag) bedeutet „Fleisch, gehüllt in Schuppen und Flossen“, das heißt das Höhere Licht leuchtet in diesen zwei Zeichen. Arbeitet einer aber und hat keine Fragen in der Arbeit, so gilt dies nicht als ein Zeichen von Reinheit. Dies ist so, weil er keinen Ort hat, in welchen er das Höhere Licht hineingeben könnte, so wie er keinen Grund hat, der ihn zwingen würde, Höheres Licht anzuziehen. Denn auch ohne Höheres Licht glaubt er, mit ihm sei alles vollkommen in Ordnung.

Daher gab Pharao, der König von Ägypten, der wollte, dass das Volk Israel unter seiner Herrschaft bleibe, den Befehl, ihnen kein „Kash“ (Stroh) zu geben. Wie es geschrieben steht: „Da zerstreute sich das Volk…, um Stroh zu sammeln…“ Sodann bestünde für sie niemals die Notwendigkeit, dass der Schöpfer sie aus der Herrschaft der Unreinheit in die Kedusha (Heiligkeit) hinausführe.

Shamati 92. Erklärung des Aspektes „Glück“

Ich hörte am 14. Juni 1948

„Glück“ nennt man etwas, das sich „über dem Verstand“ befindet. Somit, selbst wenn es seitens des Verstandes so und so sein musste, wurde es von Seiten des Glücks veranlasst, dass seine Handlungen erfolgreich waren. Denn „Verstand“ bezieht sich auf „Ursache“ und „Wirkung“, was bedeutet, eine Ursache ließ das Ergebnis so hervortreten, wie es ist.

Aber über den Verstand hinaus, wenn die anfängliche Ursache nicht die Ursache des Ergebnisses ist, heißt dies „über dem Verstand“. Dies bezeichnen wir als „Glück“, welches das Ergebnis bewirkt hat.

Es ist bekannt, dass alle Einflüsse vom Licht von Chochma (Weisheit) kommen. Und wenn Chochma scheint, nennt man dies „Linke Linie“ und „Dunkelheit“. Die Fülle ist blockiert und heißt „Eis“. Dies wird als „Verdienst“ bezeichnet, da man dazu würdig wird. Das bedeutet, dass die Ursache, die das Licht Chochma hervorruft, „Verdienst“ heißt, weil sie vorher ist und sich weiter fortsetzt.

Aber „Söhne, Existenz und tägliches Brot hängen nicht vom Menschen ab, sondern vom Glück“. Dies bedeutet, dass Chochma besonders durch die Mittlere Linie vermindert wird und gerade durch die Verminderung, genannt Massach de Chirik, scheint. Daraus folgt, dass sie nicht durch Ursache und Wirkung leuchtet, das heißt, dass Chochma durch die Linke Linie leuchtet, sondern gerade durch die Verminderung. Dies heißt „über dem Verstand“, und dies ist „Glück“.

Shamati 90. Im Sohar, BeReshit

Ich hörte am 28. März 1948

Im Sohar, BeReshit Seite 165, steht, in den Geheimnissen der Tora „werden die Beschützer des Ministers von Oben aufgerichtet. Und die lodernde Flamme des kreisenden Schwertes wird über all den Heeren und den Lagern berufen. Und unter diesem Aspekt werden andere Unterscheidungen zu verschiedenen Stufen gedeutet.“

Und er [Baal Sulam] erklärte, dass, wenn die Linke Linie sich ausbreitet, sie durch die Rechte Linie versüßt werden muss. Sie (die Linke Linie) breitet sich an drei Orten aus:

  1. in Aba we Ima, was die Wurzel ist
  2. in Malchut
  3. in den Engeln Gottes.

In Aba we Ima nennt man sie „Beschützer des Ministers.“ Und in Malchut nennt man sie „die lodernde Flamme des kreisenden Schwertes“. Und in den Engeln nennt man sie „Und unter diesem Aspekt werden andere Unterscheidungen zu verschiedenen Stufen gedeutet.“

Shamati 91. Das Ausgetauschte

Ich hörte am 18. April 1948

Im heiligen Sohar erklärt er den Grund dafür, warum Ruben von Lea geboren wurde, während Jakob zu der Zeit des Aktes an Rachel dachte. Und das Gesetz besagt, dass, wenn man an eine andere denkt, das Kind „Ausgetauschter” genannt wird.

Und der heilige Sohar erklärt, dass er an Rachel dachte und er wirklich dachte, dass es wirklich Rachel sei. „Ausgetauschter“ bedeutet, dass sein Gedanke bei Rachel war und er beim Akt wusste, dass es Lea war. Hier jedoch galt sein Gedanke Rachel, und hinsichtlich des Aktes dachte er, dass es tatsächlich Rachel sei.

Und er erklärte dies: In der Spiritualität ist bekannt, dass sie als Stempel und Abdruck vorkommen, dass jede Stufe von der höheren Stufe abgedruckt wird. Es liegt in der Sache, dass Stempel und Abdruck Gegensätze sind. Der Stempel ist dem Abdruck immer entgegengesetzt. Daraus folgt, dass, was man in Brija als Klipa erachtet, Kedusha in Yezira  ist, und was Kedusha in Yezira ist, ist Klipa in Assija.

Wenn sich der Gerechte daher in irgendeiner Stufe vereint, dann vereint er sich sicherlich mit der Kedusha, die auf dieser Stufe ist. Und wenn er bei dieser Handlung an eine andere Stufe denkt – und was in dieser Stufe Kedusha genannt wird, wird auf einer anderen Stufe Klipa genannt – dann wird es „ausgetauscht“ genannt. Dies bedeutet, was aus dieser Vereinigung hervorgeht, ist ausgetauscht, da die Stufen einander entgegengesetzt sind.

Jakob jedoch dachte an Rachel, das heißt an die Kedusha, die sich in Rachel befand. Und auch was die Handlung betrifft, dachte er, dass es wirklich Rachel sei. Folglich galt sein Gedanke sowohl der  Kedusha in Rachel als auch der Handlung, mit der Absicht auf der Stufe von Rachel zu sein. Daher gibt es hier keinen Aspekt von Lea, der als ausgetauscht gelten könnte.

Shamati 89. Um die Worte des heiligen Sohar zu verstehen

Ich hörte am 15. Februar 1948

Um die Worte des heiligen Sohar zu verstehen, muss man zuerst verstehen, was der heilige Sohar aussagen will. Und zu verstehen, was der heilige Sohar aussagen will, hängt von der Hingabe des Menschen an Tora und Mizwot  ab. Denn Tora und Mizwot werden ihm die Reinheit bringen, also dass er von Selbstliebe rein sein werde. Und zu diesem Zweck beschäftigt er sich mit Tora und Mizwot. Und in diesem Maße kann man die Wahrhaftigkeit dessen verstehen, was der Sohar aussagen will. Sonst gibt es Klipot, welche die Wahrhaftigkeit, die sich in den Worten des heiligen Sohar befindet, verdecken und verstopfen.

Shamati 88. Die ganze Arbeit ist nur dort, wo es zwei Wege gibt

Ich hörte zum Ausgang von Shabbat BeShalach, am 24. Januar 1948

Die ganze Arbeit ist nur dort, wo es zwei Wege gibt, so wie es geschrieben steht: „… dass er lebe durch sie“[1] und nicht dass er sterbe durch sie. Und das Thema von „Er soll sterben und es nicht übertreten“ gilt nur für drei Mizwot (Gebote): Götzendienst, Blutvergießen und Inzest. Und dennoch sehen wir, dass die ersten Chassidim ihr Leben für die Einhaltung einer jeden Mizwa geopfert haben.

Und man soll wissen, dass die ganze Arbeit und Bemühung nur zu der Zeit ist, in welcher der Mensch die Tora hüten muss. Dann fühlt der Mensch die schwere Last, wenn der Körper die Bedingungen der Tora nicht akzeptiert. Wenn der Mensch aber dessen würdig ist, dass die Tora ihn behütet, dann fühlt man im Dienst für den Schöpfer keinerlei Schwere, denn die Tora hütet den Menschen auf die Weise, wie es geschrieben steht: „Die Seele eines Menschen lehrt ihn.“

[1] 3. Buch Moses 18, 5

Shamati 87. Shabbat Shekalim

Ich hörte am 7. März 1948

Am Shabbat Shekalim (Name des Wochenabschnitts), als er [Baal Sulam] den Kiddush begann … sagte er: „Es gab einen Brauch unter den Admorim (Religiöse Führer) in Polen, dass alle reichen Männer am Shabbat Shekalim zu ihren Rabbinern kamen, um Shekalim (Münzen) von ihren Rabbinern zu empfangen.“

Und er sagte, dass dies andeute, dass es ein Auslöschen von Amalek ohne Shekalim nicht geben kann. Dies ist so, da es, bevor man Shekalim empfängt, noch keine Klipa von Amalek gibt. Doch wenn sie die Shekalim empfangen, kommt die große Klipa, genannt „Amalek. Und dann beginnt die Arbeit am Auslöschen Amaleks. Doch davor gibt es nichts auszulöschen.

Zu dem, was der Maggid aus Kusnitz sagte, dass man beim Neila-Gebet[1] sagt: „Du hast den Menschen von Beginn an (meRosh) abgetrennt und Du wirst ihn erkennen lassen, vor Dir zu stehen“, fügte Baal Sulam eine Erläuterung hinzu. Der Maggid fragte nach: „Wie ist es möglich, ohne Rosh (Kopf, Beginn, Anfang) zu stehen? Es bedeutet, dass er den Rosh vom Menschen getrennt hat, und wie kann so etwas sein?“ Die Erklärung ist: „Wenn du die Köpfe der Kinder Israels zählst“[2], durch welche man den Aspekt von Rosh heranzieht – nur unter der Bedingung, dass man den halben Shekel gibt. Dann erlangt man dadurch den Aspekt Rosh.

Und er fragte später …: „Warum bereitete er für den Kiddush mehr Trinken als Essen zu? Dies ist nicht die richtige Ordnung, da gemäß der Ordnung mehr Essen als Trinken sein sollte, denn Trinken kommt nur, um das Essen zu ergänzen, im Sinne von ‚Und du sollst essen und gesättigt sein und segnen‘. Jedoch ist es nicht so, wenn das Trinken mehr ist als das Essen.“ Und er interpretierte, dass Essen Chassadim (Barmherzigkeit) andeutet und Trinken Chochma (Weisheit).

Und ferner sagte er, dass der Shabbat vor dem Monat Adar die Gesamtheit des Monats Adar beinhaltet. Somit, „wenn Adar eintritt, gibt es viel Freude“. Und er sagte, dass es einen Unterschied zwischen einem Shabbat und einem Jom Tov (Feiertag) gibt. Shabbat heißt der Aspekt „Liebe“ und Jom Tov heißt der Aspekt „Freude“. Der Unterschied zwischen Freude und Liebe ist, dass Liebe eine Essenz (das Wesen) ist und Freude nur ein Ergebnis, geboren aus einer Ursache heraus. Die Ursache ist das Wesen und das Ergebnis ist nur ein Nachkomme der Essenz. Daher heißt Shabbat „Liebe und Wille“ und Jom Tov heißt „Freude und Beglückung“.

Er erläuterte auch, bezüglich dessen, was Rabbi Jochanan Ben Sakai seiner Frau antwortete, „dass ich wie ein Minister vor dem König war und er, Rabbi Chanina Ben Dosa, wie ein Sklave vor dem König; deshalb konnte er beten“. Es scheint, als ob es das Gegenteil hätte sein sollen, dass der Minister mehr Kraft haben sollte, mit seiner Meinung auf den König zu wirken, und nicht der Sklave.

Allerdings ist ein Minister derjenige, der bereits der persönlichen Vorsehung würdig wurde. In diesem Zustand sieht er keinerlei Raum für Gebet, da alles gut ist. Aber ein Sklave ist derjenige, der auf der Stufe von Belohnung und Bestrafung steht, und dann hat er die Möglichkeit zu beten, da er sieht, dass er noch etwas zu korrigieren hat.

Und er fügte eine Erklärung aus einem vorgelegtem Artikel hinzu (Baba Mezia 85a). Dort steht geschrieben, dass ein Kalb zum Schlachter geführt wurde. „Es ging, legte seinen Kopf in den Schoß des Rabbi und weinte. Der Rabbi sagte ihm: ‚Geh, dies ist, wofür du geschaffen wurdest.‘ Sie sagten: ‚Leid komme auf ihn, da er sich nicht erbarmte.‘“

„Dies ist, wofür du geschaffen wurdest“, bedeutet persönliche Vorsehung, dass es hier nichts hinzuzufügen oder wegzunehmen gibt, da hier die Leiden selbst als Barmherzigkeit betrachtet werdenDies ist der Grund, warum er seine Leiden verlängerte.

Und die Gemara sagt, dass er von seinem Leid durch eine Handlung befreit war, durch die Worte: „Und Seine Barmherzigkeit liegt über all Seinen Werken.“ Eines Tages fegte die Magd des Rabbiners gerade das Haus. Es gab dort junge Ratten und sie war gerade dabei, sie wegzufegen. Er sagte ihr: „Lass sie!“, so steht es geschrieben, „und Seine Barmherzigkeit liegt über all Seinen Werken.“ Da er erlangte, dass auch ein Gebet in der Ewigkeit erhalten bleibt, hatte er nun die Möglichkeit zu beten. Dies ist der Grund, warum die Leiden von ihm abwichen.

Am Ende des Shabbat sagte Baal Sulam eine Auslegung über das, was der heilige Sohar über den Vers „Und Jakob wählte für sich den Schöpfer“ sagt. Wer wählte wen? [Wählte Jakob den Schöpfer oder wählte der Schöpfer Jakob?] Und der heilige Sohar antwortet: „Der Schöpfer wählte Jakob.“[3] Und er sagte, die Frage des heiligen Sohar sei, ob der Schöpfer Jakob wählte. Daraus folgt, dass Jakob nichts tat, sondern alles war unter persönlicher Vorsehung. Und wenn Jakob gewählt hätte, bedeutete dies, dass Jakob der Handelnde ist, was eine Frage von Belohnung und Bestrafung bedeutet.

Und er antwortete, dass man am Anfang auf dem Weg von Belohnung und Bestrafung beginnen müsse. Wenn man diese Etappe der Belohnung und Bestrafung vollende, werde man würdig und würde sehen, dass alles unter persönlicher Vorsehung ist, dass „Er alleine alle Taten ausführt und ausführen wird“. Solange man jedoch seine Arbeit in Belohnung und Bestrafung nicht vollendet hat, ist es unmöglich, die persönliche Vorsehung zu verstehen.

Und Sonntagnacht nach dem Unterricht erklärte er das Thema von Jakobs Schlauheit, da über Jakob geschrieben steht: „Dein Bruder kam mit List.“ Es gab hier gewiss keine Frage der Lüge. Ansonsten würde der Text nicht über Jakob als den „auserwählten Urvater“ sprechen, wenn er ein Lügner wäre. Vielmehr bedeutet List: Wenn der Mensch eine weise Handlung ausführt, nicht in der Absicht um der Weisheit willen, sondern um irgendeinen Nutzen daraus zu ziehen, den er benötigt, und er sieht, dass dies nicht direkt erlangt werden kann, so handelt er weise, um das Benötigte zu erhalten. Dies nennt man „Weisheit” (Chochma).

Dies ist die Bedeutung des Verses „Sei klug mit Verstand“, was Weisheit durch Verstand bedeutet. Dies bedeutet, dass die Weisheit, die er erhalten möchte, nicht um der Weisheit willen ist, sondern für eine andere Sache, die ihn dazu zwingt, Weisheit (Chochma) heranzuziehen. Mit anderen Worten: Er muss [Chochma] heranziehen, um Chassadim zu vervollständigen.

Denn bevor Chassadim Chochma erlangen, sind sie im Zustand von Katnut (Kleinsein). Später jedoch, wenn er Chochma heranzieht und in jedem Fall Chassadim gegenüber Chochma bevorzugt, ist es offensichtlich, dass Chassadim wichtiger sind als Chochma. Dies nennt man GaR de Bina, was bedeutet, dass er Chassadim aus freier Wahl nutzt.

Dies ist die Bedeutung von Chochma durch Daat, dass Chochma in der Form von WaK in ISHSuT erscheint. Und in AwI erscheint Chochma, indem sie Chassadim verbessern und in Chassadim verbleiben. Allerdings, obwohl Bina als Korrektur von Chafez Chessed (an Barmherzigkeit erfreut) betrachtet wird, ist ihre Wahl von Chassadim nicht offensichtlich aufgrund von Zimzum Bet, wo es keine Chochma gibt. Doch in Gadlut (großer Zustand, Erwachsensein), wenn Chochma kommt, sind die Chassadim, die sie benutzt, gewählt.

[1] Schlussgebet am Versöhnungstag

[2] 2. Buch Mose 30, 12

[3] BeReshit, 161 b.

Shamati 35. Die Lebenskraft der Kedusha

Ich hörte im Jahr 1945 in Jerusalem

Die Schrift sagt: „Das ist das Meer, groß und geräumig nach jeder Seite; dort ein Gewimmel, unzählig, von kleinen und großen Tieren“.[1]

Das sollte man deuten:

  1. Das Meer – gemeint ist das Meer von Sitra Achra.
  2. Groß und geräumig – das heißt, sie [Sitra Achra] offenbart sich allen und ruft: „Gib! Gib!“, was große Gefäße des Empfangens bedeutet.
  3. Dort ist ein Gewimmel – das heißt, es gibt dort Höhere Lichter, auf denen der Mensch läuft und die er mit seinen Füßen betritt.
  4. Und unzählige dort vorhandene Tiere, kleine und große – gemeint ist die beim Menschen vorhandene kleine oder große Lebenskraft[2] – alles befindet sich in diesem Meer.

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Shamati 34. Der Vorteil des Landes

Ich hörte im Monat Tewet 1942

Es ist bekannt, dass nichts sich in seiner wahren Form offenbart, sondern nur aus seinem Gegenteil heraus, wie es geschrieben steht: „Wie der Vorzug des Lichtes – aus der Finsternis.“[1] Das bedeutet, dass alles auf etwas anderes verweist und man gerade mit Hilfe des Gegensatzes das wahre Wesen des ihm Entgegengesetzten erkennen kann. Weiterlesen

Shamati 33. Die Lose von Jom Kippur und bei Haman

Ich hörte am 12. Februar 1943

Es steht geschrieben: „Und Aaron werfe Lose über zwei Böcke: Ein Los dem Schöpfer und das andere Los dem Asasel.“[1] Bei Haman steht geschrieben: „Da wurde das Pur, das ist das Los, geworfen“[2] usw.

Man verwendet das Los dort, wo man keine Überprüfung im Verstand durchführen kann, weil der Verstand nicht so weit reicht, um zwischen gut und böse unterscheiden zu können. In diesem Zustand wird das Los geworfen, wenn man sich nicht auf den eigenen Verstand verlässt, sondern auf das, was das Los sagt. Dementsprechend ist es so: Wenn das Wort „Los“ benutzt wird, sagt es aus, dass wir nun über den Verstand gehen. Weiterlesen

Shamati 32. Der Losentscheid ist eine Erweckung von Oben

Ich hörte am 10. Februar 1943

Der Losentscheid ist das Geheimnis der Erweckung von Oben, bei der der Untere nichts dazu beiträgt. Und das ist das Geheimnis dessen, was geschrieben steht: „Er warf das Los (Pur).“ (Ester 3:7) Haman war der Ankläger und sagte: „Die Gesetze des Königs halten sie nicht ein.“ (Ester 3:8)

Das bedeutet: Der Anfang der spirituellen Arbeit erfolgt beim Menschen im Zustand von lo liShma, also in der Absicht, für sich selbst zu empfangen.

Daher stellt sich die Frage: Warum wurde ihnen die Tora gegeben, wenn sie doch zunächst nicht um des Gebens willen arbeiteten, sondern nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht waren – und später dennoch mit den Lichtern und den höchsten Erkenntnissen belohnt werden?
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Shamati 31. Wem der Geist der Geschöpfe geneigt ist

„Wem der Geist der Geschöpfe geneigt ist [1]…“ Er [Baal Sulam] fragte: Haben wir nicht gesehen, dass selbst bei den größten und bekanntesten Gerechten Streit herrschte? Wie also kann man sagen: „Der Geist der Geschöpfe ist ihm geneigt“?

Und er antwortete: Es wurde nicht gesagt „alle Geschöpfe“, sondern „der Geist der Geschöpfe“.
Das bedeutet, dass nur die Körper in Streit liegen – das heißt, jeder handelt aus dem Willen zu empfangen.

Der „Geist der Geschöpfe“ hingegen ist bereits Spiritualität.
Und „ist ihm geneigt“ bedeutet: Der Gerechte zieht den Überfluss für die gesamte Generation herab.

Doch weil sie diesen Geist noch nicht mit sich bekleidet haben, können sie den Überfluss, den der Gerechte herabgezogen hat, noch nicht erfassen und empfinden.

[1] Sprüche der Väter 13,3

überarbeitet, EY, 20.07.2025

Shamati 30. Das Wichtigste ist, nur geben zu wollen

Ich hörte am 20. März 1943

Das Wichtigste ist, nichts zu wollen, außer wegen Seiner Größe, weil jedes Empfangen fehlerhaft ist. Es ist unmöglich, das Empfangen zu verlassen, man kann nur das andere Extrem nehmen, was bedeutet, dass man gibt.

Nur Seine Größe ist die aufrüttelnde Kraft, also die Kraft, die zum Arbeiten verpflichtet. Der Mensch sollte daran denken, dass er sich anstrengen und arbeiten muss und durch diese Kräfte einen Nutzen und Genuss erlangt. Das heißt, mit der Kraft und Anstrengung, die ein Mensch gibt, kann er einen begrenzten Körper erfreuen, der ein vorübergehender oder ewiger Gast sein kann. Das bedeutet, dass seine Energie in der Ewigkeit verbleibt. Weiterlesen