Einführung in das Buch Sohar

Rav Yehuda Ashlag

1) Mein Wunsch in dieser Einführung ist es, einige auf den ersten Blick einfachen Dinge zu klären, die zu klären praktisch alle versucht haben, wobei viel Tinte dafür vergossen wurde. Dennoch haben wir in ihnen bisher kein klares und hinreichendes Wissen erreichen können. Und die Fragen sind die Folgenden:

  1. Was ist unser Wesen?
  2. Was ist unsere Rolle in der langen Kette der Wirklichkeit, deren kleine Kettenglieder wir sind?
  3. Wenn wir uns selbst betrachten, dann fühlen wir uns so verdorben und niederträchtig, als gäbe es niemanden, der verachtungswürdiger wäre. Doch wenn wir Denjenigen betrachten, Der uns erschaffen hat, dann müssten wir an der Spitze von allem sein, höher als alles andere, weil vom vollkommenen Schöpfer nur vollkommene Handlungen ausgehen müssen.
  4. Der Verstand verpflichtet uns zuzugeben, dass der Schöpfer absolut gütig ist und nur Gutes tut, sodass es nichts über Ihm gibt. Doch wie konnte Er von Anfang an so viele Geschöpfe erschaffen, deren Bestimmung es ist, alle Tage ihrer Existenz in Leiden und Unglück zu verbringen, also wenn schon nicht gut, dann doch nicht so böse?
  5. Wie kann es sein, dass aus dem Ewigen, der weder Anfang noch Ende hat, nichtige, sterbliche und mangelhafte Geschöpfe entstehen? Weiterlesen

Matan Tora (Gabe der Tora)

Von Rav Yehuda Ashlag

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Levitikus 19:18)

Rabbi Akiva sagt: „Dies ist ein großes Gesetz[1] in der Tora.“

Das von den Weisen Gesagte verlangt nach einer Aufklärung, da das Wort Klal (Gesamtheit/Gesetz) auf eine Summe von Einzelheiten deutet, die alle zusammen diese oben genannte Gesamtheit bilden.

1) Wenn er somit vom Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ spricht, welches das Hauptgesetz der Tora ist, müssen wir verstehen, dass die übrigen 612 Gebote der Tora mit allen ihren Komponenten nicht mehr und nicht weniger als eine Summe von Einzelheiten sind, die dieses eine Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ zusammenstellen und durch dieses bedingt sind.

Dies kann in Bezug auf die Gebote zwischen dem Menschen und seiner Umgebung gerechtfertigt sein, doch wie kann dieses eine Gebot alle Gebote enthalten und in sich einschließen, welche die Beziehungen zwischen dem Menschen und dem Schöpfer regeln und welche in der Tora primär sind und deren Wesen und Sinn bestimmen? Weiterlesen

Die handelnde Vernunft

Von Rav Yehuda Ashlag

Der Grund für die Erschaffung des Menschen ist der Zustand, den er verpflichtet ist als Ergebnis seiner Entwicklung zu erreichendie Ähnlichkeit mit dem Schöpfer oder die Verschmelzung mit dem Schöpfer. Alle Naturgesetze sind in ihren Wirkungen nur auf die Verwirklichung dieses Ziels ausgerichtet. Die Verschmelzung des Menschen mit dem Schöpfer vollzieht sich durch die Ähnlichkeit der Eigenschaften, durch Angleichung der Eigenschaften des Menschen an die Eigenschaften des Schöpfers.

Jeder Mensch ist verpflichtet, in einer seiner Reinkarnationen noch in dieser Welt das Ziel zu erreichen, für welches er erschaffen wurdedie Verschmelzung mit dem Schöpfer.

Doch warum führt die Ähnlichkeit mit dem Schöpfer zur Verschmelzung mit Ihm? Das kann man anhand eines Beispiels verstehen: In jeder Handlung wird die Vernunft des Handelnden sichtbar. So erkennt man am Tisch die Vernunft des Tischlers und dessen Können, weil der Tischler in seiner Arbeit die Vernunft benutzt hat. Deswegen entdeckt derjenige, der die Handlung, den Tisch, ansieht, die Vernunft, die im Tisch enthalten ist, weil im Moment der Arbeit die Handlung mit der Vernunft verschmolzen war.

Aus diesem Grunde ist es so, dass, wenn der Mensch über die Handlung des Schöpfers nachdenkt, er Seine Vernunft erkennt, die Vernunft desjenigen, der die Handlung vollzogen hat. Deswegen verschmilzt derjenige, der die Handlungen begriffen hat, durch die der Schöpfer die Welt und deren Ordnung erschaffen hat, mit der Vernunft, die sie erschaffen hat. Und das bedeutet, dass er mit dem Schöpfer verschmilzt. Deswegen steht geschrieben, dass der Mensch die Namen des Schöpfers offenbartSeine Erscheinung in der Schöpfung, und durch diese Offenbarung verschmilzt er mit dem Schöpfer.

Shamati 1. Es gibt nichts außer Ihm (Ein Od Milva Do)

Ich hörte zum 1. Teil des Wochenabschnitts Jitro, am 6. Februar 1944

Es steht geschrieben: „Es gibt nichts außer Ihm“, was bedeutet, dass es keine andere Kraft in der Welt gibt, die über eine Möglichkeit verfügen würde, etwas gegen den Schöpfer zu tun. Und wenn der Mensch sieht, dass es in der Welt Dinge und Kräfte gibt, welche die Existenz der Höheren Kräfte verneinen, so ist der Grund dafür, dass so der Wille des Schöpfers ist. Weiterlesen

Die Freiheit

Die Freiheit, Rav Yehuda Ashlag

„In Steintafeln gemeißelt (charut al haLuchot)”

Lies nicht „charut“ („gemeißelt”),

sondern „cherut“ („Freiheit”).

Um zu zeigen, dass sie vom Engel des Todes befreit sind.

(Midrash Shemot Rabba, 41)

Diese Worte müssen geklärt werden. Denn wie hängt das Empfangen der Tora, das heißt des Lichts, mit der Freiheit eines Menschen vom Tod zusammen? Darüber hinaus, nachdem sie einmal einen unsterblichen, ewigen Körper durch das Empfangen des Lichts erhalten habenwie konnten sie ihn wieder verlieren? Kann sich denn das Ewige wandeln und abwesend sein? Weiterlesen