Baal HaSulam, Brief 38, Das Wichtigste ist die Anstrengung

Rav Yehuda Ashlag, aus dem Jahr 1927

Mein lieber Sohn Baruch,

ich habe deinen Brief erhalten, und ich gratuliere dir zur Semicha (Rabbiner Weihe), die du erhalten hast. Dies war die erste Mauer, die deinen Weg vorwärts blockierte. Ich hoffe, dass du von diesem Tag an erfolgreich bist und täglich stärker wirst, bis du den Königspalast betrittst.

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Baal HaSulam, Brief 19, Der Schöpfer ist dein Schatten

Rav Yehuda Ashlag, aus dem Jahr 1927

Ich habe alle Deine Briefe erhalten, und mögen sie dem Wunsch des Schöpfers genügen. Beachte jedoch: „Erkenne den Schöpfer Deiner Väter und sei ihm ergeben.“ „Erkennen“ bedeutet „das Wissen“, denn schlecht geht es der Seele des Menschen ohne die Kenntnis des Schöpfers. Denn er hat eine Seele, doch solange er den Schöpfer noch nicht spürt, geht es ihm schlecht.

Obwohl er eine Seele hat, ist er nicht imstande, sich aus eigener Kraft zu der Erkenntnis des Schöpfers zu bewegen, bis er Inspiration von Oben bekommt. Dann wird ihn dies dazu verpflichten, innezuhalten, den Anweisungen der Weisen zu folgen und auf diese völlig zu vertrauen.

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Wenn ich mir nicht selbst helfe, wer wird mir helfen?

Rav Yehuda Ashlag, aus dem Buch „Frucht des Weisen“, Band „Briefe“, Seite 61

Baal Shem Tov sagte: „Vor dem Erfüllen eines Gebotes soll der Mensch überhaupt nicht an die Vorsehung denken, sondern soll sich im Gegenteil sagen: ‚Wenn ich mir nicht selbst [helfe], dann wird niemand mir helfen.‘ Nach der Erfüllung eines Gebotes jedoch soll er sich besinnen und glauben, dass er nicht aus seiner Kraft das Gebot erfüllte, sondern nur kraft des Schöpfers, der im Voraus alles für ihn plante, und er also gezwungen war, diese Handlung auszuführen.“

Dies ist auch die Ordnung in weltlichen Angelegenheiten, zumal das Spirituelle und das Irdische übereinstimmen. Und so muss der Mensch – bevor er auf den Markt geht, um sich sein tägliches Brot zu verdienen – die persönliche Vorsehung aus seinen Gedanken tilgen und sich selbst sagen: „Wenn ich mir nicht selbst [helfe], dann wird niemand mir helfen“ und alles Notwendige tun, wie alle Menschen, um genauso wie sie sein Brot zu verdienen.

Doch abends, nachdem er nach Hause zurückkommt und seinen Lohn mitbringt, darf er keinesfalls denken, dass er dies aus eigener Kraft verdiente, sondern dass, sogar wenn er den ganzen Tag faul herumläge, er ebenfalls an das gleiche Geld käme, denn so hat der Schöpfer dies im Voraus geplant, und so muss es sein.

Und obwohl unser Verstand diese Dinge für widersprüchlich und inakzeptabel hält, muss doch der Mensch daran glauben, dass der Schöpfer es genau so in seiner Tora und durch jene, die sie an uns weitergaben haben, festgelegt hat.

Und das ist die Bedeutung der Vereinigung HaWaYaH – ELOKIM, wo HaWaYaH die persönliche Vorsehung bedeutet, das heißt, alles wird vom Schöpfer vollbracht, und Dieser bedarf keiner Hilfe der Bewohner von Lehmhäusern. Und ELOKIM (Gott) entspricht dem Zahlenwert HaTewa (die Natur), wenn der Mensch gemäß den Gesetzen der Natur handelt, die vom Schöpfer in unsere materielle Welt eingeprägt wurden, und diese Gesetze genauso wie die anderen Menschen wahrt. Und gleichzeitig glaubt er an HaWaYaH, an die persönliche Vorsehung – das heißt, er verbindet sie in sich zu einem, wodurch er seinem Schöpfer eine große Freude macht und in allen Welten Licht hervorruft.

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Brief 3, Vier betraten einen PaRDeS

1920, Jerusalem

„Vier betraten einen PaRDeS …“ Denn vor der Erschaffung der Welt waren „Er und Sein Name Eins“, da die Seelen noch nicht im Aspekt Seelen – Neshamot waren; denn die ganze Sache des Namens bezieht sich darauf, dass, wenn sich sein Freund abwendet, er dann den Freund bei seinem Namen rufen kann, sodass er sich ihm wieder zuwendet.


Und da die Seelen vor der Erschaffung der Welt vollkommen an den Schöpfer angehaftet waren, und Er ihnen Kronen und Kränze, Ruhm, Würde und Pracht verlieh – und sogar darüber hinaus Dinge, die sie sich gar nicht gewünscht hatten, weil Er ihre Wünsche kennt und sie erfüllt. Daher ist es sicher unwichtig, einen Namen zu nennen, der sich, von jeglicher Seite her, auf ein Erwecken von unten bezieht. Und deshalb wird es als Aspekt des „Einfachen Lichts“ betrachtet, denn alles ist vollkommene Einfachheit, weshalb dieses Licht von jedem einfachen Menschen verstanden wurde, selbst von denjenigen, die noch nie eine Weisheit erblickt hatten.

Daher wurde es von den Weisen als Pshat“ – „Einfacher Wortsinn“ bezeichnet, weil es die Wurzel von allem ist. Autoren und Bücher sprechen nicht davon, weil es ein ganzheitliches, einfaches und offensichtliches Konzept ist. Auch wenn in der unteren Welt, im Reshimo dieses Einfachen Lichts, zwei Teile sichtbar werden, so ist es durch die Teilung ihrer eigenen Herzen, im Geheimnis von: „Und ich bin ein glatter Mann.“ (Im Hebräischen haben „glatt“ und „Teil“ die gleichen Wurzelbuchstaben)

Und an dem Ort, von welchem wir sprechen, gibt es in jeglicher Vorstellung, die du dir vielleicht machen könntest, überhaupt keine Veränderung. Das gleicht einem König, der seinen Lieblingssohn nahm und ihn in seinen großen und schönen Obstgarten stellte. Als der Sohn des Königs die Augen öffnete, betrachtete er nicht den Platz, an dem er stand, da sein Blick, wegen des großen Lichts im Obstgarten, weit weg streifte, so weit wie der Osten vom Westen entfernt ist. Und er blickte nur auf die entfernten Gebäude und Paläste auf der westlichen Seite, und so wanderte er viele Tage und Monate lang, während er immer mehr über den Ruhm und die Pracht staunte, die er auf der westlichen Seite sah.

Nach einigen Monaten legte sich sein Eifer, und sein Verlangen war erfüllt, und er war satt davon, nach Westen zu schauen. Er begann zu überlegen und dachte: „Was kann sich auf dem Weg befinden, den ich zurückgelegt habe?“ Er richtete seinen Blick auf die Ostseite, die Seite, von welcher er gekommen war, und staunte! Die ganze Pracht und Schönheit waren gleich neben ihm gewesen. Er konnte nicht verstehen, warum er das nicht gleich zu Beginn bemerkt hatte und er sich immer nur an das Licht anhaftete, welches von der westlichen Seite her geleuchtet hatte.

Und deshalb begann er ab dem Moment, nur nach dem Leuchten der östlichen Seite zu streben, bis er wieder an den Eingang gelangte.

Nun überlege und sage mir, welchen Unterschied es zwischen den Tagen des Eintritts und den Tagen des Austritts gibt? Denn alles, was er in den letzten Monaten erblickt hatte, hatte er doch auch zu Beginn gesehen. Doch am Anfang war es ohne Inspiration, weil sein Herz und seine Augen nur das Licht wahrnahmen, das vom Westen ausging. Und nachdem er davon satt geworden war, wendete er sein Gesicht dem Osten zu, und er begann, das Licht wahrzunehmen, welches vom Osten kam. Doch wie hatte es sich verändert?

Jedoch nah an den Toren des Obstgartens, ist der Ort dafür gegeben, um die zweite Angelegenheit zu offenbaren, die von den Weisen Remes – „Andeutung“ genannt wird, wie in: „Was für Andeutungen machen deine Augen?“ Es ist wie ein König, der seinem geliebten Sohn etwas andeutet und ihn dadurch, mit dem Zwinkern des Auges, etwas ängstigt. Und obwohl der Sohn des Königs nichts versteht und nicht die innere Angst sieht, die in der Andeutung verborgen liegt, bewegt er sich dennoch, infolge seiner Anhaftung an den Vater, sofort zur anderen Seite.

Und das ist der Grund, weshalb die zweite Angelegenheit Remes genannt wird, weil die beiden Angelegenheiten, Pshat und Remes, in den Unteren als eine Wurzel eingeschrieben werden. Die Grammatiker schreiben, dass es kein Wort gibt, welches nicht eine Zwei-Buchstaben-Wurzel besitzt, die gleichsam als „Ursprung des Wortes“ bezeichnet wird. Denn man kann aus einem Buchstaben keine Bedeutung herausziehen; und daher bilden die Anfangsbuchstaben der Worte Pshat und Remes das Wort PaR, was die Wurzel des Wortes Par Ben Bakar – „junger Bulle“ in unserer Welt ist. Und auch die Worte „Prija weRewija“ – „Empfängnis und Fortpflanzung“ kommen aus dieser Wurzel.

Dann tritt die dritte Angelegenheit in Erscheinung, welche die Weisen Drush – „Interpretation“ nennen. Bis dahin gab es keinerlei Drisha – Forderung, wie in „Der Schöpfer und Sein Name sind Eins“. Doch in dieser Angelegenheit wird abgezogen und hinzugefügt, interpretiert und gefunden nach der Regel „Ich habe mich bemüht und gefunden“ (Jagati wemazati), wie du sicherlich weißt. Deswegen ist dieser Platz für die Unteren bestimmt, weil es dort ein Erwachen von unten gibt – im Gegensatz zum Licht des Angesichts von der Ostseite und oberhalb, welches im Sinne von „Noch bevor sie rufen, werde Ich antworten“ war – da es hier eine starke Bitte und sogar Anstrengung und Lust gab. Und das ist die Bedeutung von „Die Gräber der Lust“.

Und dann beginnt die vierte Angelegenheit, die in der Sprache der Weisen Sod – „Geheimnis“ genannt wird. In Wahrheit gleicht es Remes, wobei es in Remes aber keinerlei Bewusstsein gab. Es war vielmehr wie ein Schatten, der dem Menschen folgt. Darüber hinaus hat die dritte Angelegenheit, der Drush, es bereits eingekleidet.

Doch hier ist es wie ein Flüstern – wie bei einer schwangeren Frau…wenn man ihr leise zuflüstert, dass heute Jom Kippur (Versöhnungstag) ist, damit der Fötus nicht bewegt wird und fallen würde.

Und wir könnten sagen: „Es handelt sich doch um eine Enthüllung des Angesichts und nicht um das Angesicht!“ Denn dies ist das „Geheimnis“ der Worte: „Das Geheimnis des Ewigen ist für diejenigen, die Ihn fürchten; und Sein Bund, um es ihnen bekannt zu machen.“ Daher drehte er einige Runden bis eine flüsternde Zunge zu ihm sagte: „Er gab Teref – Nahrung an diejenigen, die Ihn fürchten.“ Und nicht Trefa – nichtkoschere Nahrung, so wie dieser Soldat höhnisch grinste. Und verstehe dies.

Du hast von dir selbst aus verstanden, und mir dies geschrieben, obwohl schüchtern und zurückhaltend, dass du ein Junggeselle bist, und dass dies nicht der angemessene Weg wäre.

Nachdem der Vers in unsere Hände kam, werde ich ihn für dich erklären, da dies auch die Frage des Dichters ist: „Das Geheimnis des Ewigen ist für diejenigen, die Ihn fürchten.“ Und warum sprach er in solch einer Weise? Es ist wie die Frage unserer Weisen, bei der wir finden, dass der Text (acht) zwölf Buchstaben verdreht, um mit einer sauberen Sprache zu sprechen, wie es geschrieben steht: „Und vom Vieh, das nicht rein ist…“

Doch dein Verstand reicht nicht an den des Dichters heran, da Er den Seelen Fülle gegeben haben könnte. Und das mit einer sauberen Sprache, wie Laban es Jakob sagte: „Warum hat du dich heimlich von mir weggeschlichen, und mich bestohlen, und mir das nicht gesagt, sodass ich dich mit Freuden und Liedern hätte wegschicken können, mit einer Trommel und einer Harfe.“

Die Antwort des Dichters ist diesbezüglich: „Und Sein Bund, um es ihnen bekannt zu machen.“ Das ist die Bedeutung des Schneidens, des Entfernens, und des Bluttropfens, das heißt der individuellen dreizehn Bündnisse. Wäre das Geheimnis nicht auf diese Art gewesen, sondern in einer anderen Sprache, dann würden vier Korrekturen von den dreizehn Korrekturen von Dikna (Bart) fehlen, und es würden nur die neun Korrekturen von Dikna in SA verbleiben. Somit würde sich SA nicht in AA einkleiden, wie es denjenigen bekannt ist, welche das Geheimnis von Gott kennen. Das ist die Bedeutung von: „Und Sein Bund, um es ihnen bekannt zu machen.“ Das ist auch die Bedeutung von: „Der Verdienst der Urväter endete, doch der Bund der Urväter endete nicht.“

Lass uns zu unserem Thema zurückkehren, welches die Bedeutung ist von PaR (Pshat, Remes) – PeReD (Pshat, Remes, Drush) – PaRDeS (Pshat, Remes, Drush, Sod).  Dies ist ihre Anordnung und Kombination von oben nach unten und von WaK.

Jetzt wirst du die Sache der vier Weisen verstehen, die in den PaRDeS hineingingen, also die vierte Angelegenheit, genannt Sod – Geheimnis. Denn die Unteren beinhalten die Höheren, die ihnen vorausgingen. Daher sind alle vier Angelegenheiten in der vierten Angelegenheit eingeschlossen. Und sie sind das Rechte, das Linke, die Vorderseite und die Rückseite.

Die zwei ersten Angelegenheiten, sind das Rechte (Yamin) und das Linke (Smol), das heißt PaR (Das ist die Bedeutung seiner Worte auf den Stufen des Tempelbergs: „All die Weisen Israels sind wertlos in meinen Augen.“). Sie entsprechen Ben Asarja und Ben Soma, deren Seelen von den zwei ersten Angelegenheiten, PaR, gesäugt werden.

Die zwei letzten Angelegenheiten sind die Vorderseite (Panim) und die Rückseite (Achor), und da ist Rabbi Akiwa, der in Frieden hineinging und in Frieden hinausging. Sie sagten schönerweise: „Er lehrt, dass es nötig ist, auf jeden Dorn und Stachel im Dornengeflecht des Gesetzes zu bestehen.“

Und die Rückseite (Achor) ist Elisha ben Abuja, der sich verirrte. Unsere Weisen sagten darüber „man solle keinen bösen Hund in seinem Haus aufziehen“, da dies so ist, als würde man sich verirren.

Alles, was über sie geschrieben steht „Schaute und starb“, „Schaute und wurde verletzt“, „Verirrte sich“ – wurde über diese Generation gesagt, als sie sich eng zusammen miteinander versammelten. Doch sie wurden alle korrigiert, einer nach dem anderen, wie es denjenigen bekannt ist, die das Geheimnis der Reinkarnationen kennen. Jedoch der Andere (Elisha ben Abuja) sah die Zunge von Chuzpit, dem Übersetzer, deshalb wurde gesagt „Kehrt um, unartige Kinder, außer der Andere“, und Rabbi Meir, der Schüler von Rabbi Akiwa, nahm seinen Platz ein. Und es ist wahr, dass die Gemara dies auch als schwierig erachtet: „Wie konnte Rabbi Meir die Tora von dem Anderen lernen?“ – und sie sagten, „Er fand einen Granatapfel, aß dessen Inhalt und warf die Schale (den Anderen) weg.“ Und manche sagen, dass er die Klipa (Schale) auch korrigierte, wie beim Aufsteigen des Rauches über dessen Grab.

Daraus wird verständlich, was Elisha ben Abuja sagte „Wie ist derjenige der ein Kind lehrt? Wie Tinte, die auf ein unbeschriebenes Blatt Papier geschrieben ist”, das heißt die Seele von Rabbi Akiwa. „Und wie ist derjenige, der einen Alten lehrt? Wie Tinte, die auf ein ausradiertes Blatt Papier geschrieben ist”, so sagte er von sich. Das ist die Bedeutung seiner Warnung an Rabbi Meir „Hier endet der Bereich des Shabbat“ (die 2000 Amma, die man an einem Shabbat außerhalb der Grenzen der Siedlung gehen darf), da er verstand und die Schritte des Pferdes abgemessen hatte, denn er war niemals vom Pferd abgestiegen.

Das ist die Bedeutung von: „Die Sünder Israels – über ihnen herrscht nicht das Feuer der Hölle und sie sind gefüllt mit Mizwot (Geboten) wie ein Granatapfel.“ Er sagt, dass es umso mehr so mit dem goldenen Altar ist, welcher lediglich so breit wie eine Goldmünze ist. Er stand für einige Jahre, und das Feuer herrschte nicht darüber… „Die Eitlen unter euch sind gefüllt mit Mizwot wie ein Granatapfel, sogar noch viel mehr“, wie er sagt, dass auch die Klipa korrigiert wird.

Wisse, dass Rabbi Elieser der Große und Rabbi Yehoshua auch von der Art der Seelen von PaR (Pshat, Remes) sind, so wie Ben Asai und Ben Soma. Ben Asai und Ben Soma waren jedoch in der Generation von Rabbi Akiwa, und waren seine Schüler, unter den 24 000 Schülern. Rabbi Elieser und Rabbi Yehoshua jedoch waren seine Lehrer. Dies ist, warum gesagt wurde, dass sie im Gegensatz zu Rabbi Elieser, die Reinigungen reinigten (Sod von Pshat), welche sie an dem Ofen von Achnai vollbracht hatten, seit sie ihn in Scheiben geschnitten (achtzehn Scheiben), und Sand zwischen jede zweite Scheibe platziert hatten. In anderen Worten, die dritte Angelegenheit ist wie der Sand zwischen der ersten Scheibe, was die zweite Angelegenheit ist, und der zweiten Scheibe, was die vierte Angelegenheit ist. Natürlich sind „die Schwester und das Bewusstsein“ zu einer Einheit verbunden. Und wenn Rabbi Tarfon und Rabbi Yehoshua wie eins sind, sind sie Schüler von Rabbi Elieser dem Großen, und Rabbi Akiwa ist scheinbar mit ihnen verbunden. Das ist so, weil ein zweiter Feiertag, in Bezug auf den ersten Feiertag, in den Augen unserer Weisen wie ein Wochentag ist (Chol heißt sowohl „Sand“ als auch „Wochentag“), da der Drush, verglichen mit dem Remes, wie eine Kerze am Mittag ist.

Doch die Weisen seiner Generation befleckten all diese Reinigungen und verbrannten sie, und Rabbi Elieser der Große bewies mit dem Aquädukt, von welchem das Wasser anstieg, dass Rabbi Yehoshua ein großer Weiser war, und die Mauern des Tempels werden es beweisen. Und sie fingen an vor der Herrlichkeit des Rabbi Elieser niederzufallen, fielen jedoch nicht vor der Herrlichkeit von Rabbi Yehoshua nieder. Dies ist der vollständige Beweis dafür, dass es keinerlei Zweifel darüber gibt, dass er rein ist.

Doch die Weisen nahmen Rabbi Yehoshua so wie er war und sie wollten nicht (durch die Halacha) herrschen, wie Rabbi Elieser, sein Lehrer. Und dies, bis eine Stimme herabstieg, die verkündete, dass Rabbi Yehoshua wirklich sein Schüler war. Aber Rabbi Yehoshua verband sich nicht mit seinem Platz und sagte, dass sie keine Stimme beachten sollen: „Sie ist nicht im Himmel…“ Dann segneten ihn die Weisen, da das Licht Osen (Ohr) von ihnen entfernt wurde, da sie nicht die Regel von Rabbi Elieser dem Großen befolgt hatten. Und Rabbi Akiwa, sein Lieblingsschüler, sagte ihm, dass seine 24 000 Schüler während der Zählung gestorben waren, und die Welt erkrankt war, ein Drittel der Oliven, usw.

Elisha Ben Abuja und Rabbi Tarfon kamen von der gleichen Wurzel. Doch Elisha Ben Abuja ist Achoraim (Rückseite) selbst, und Rabbi Tarfon ist Panim de Achoraim (Vorderseite von der Rückseite). Womit kann das verglichen werden? In einem der Häuser liegen bittere Oliven, welche zu nichts zu gebrauchen sind, und in einem anderen Haus liegen die Balken der Olivenpresse, welche zu nichts zu gebrauchen sind. Dann kommt ein Mensch, und verbindet die beiden. Er platziert die Balken über den Oliven und produziert einen Reichtum an Öl.

Es folgt, dass das gute Öl, das enthüllt wird, die Vorderseite ist, und die Balken die Hinterseite. Und die einfachen hölzernen Werkzeuge werden weggeworfen, nachdem sie ihre Arbeit vollendet haben.

Verstehe, dass dies der Brauch ist, die Ausdehnung der Wurzeln zu den Zweigen in die Welt unter ihr. Doch an der Wurzel erscheinen sie beide als eins, wie ein Mensch, der plötzlich zu der Ölpresse tritt, und den Balken sieht, und unter ihm einen großen Berg Oliven, von welchem große Mengen von Öl fließen. Das ist so, da an der Wurzel alles auf einmal gesehen wird. Darum wird der eine auch „Anderer“ genannt, und der andere wird „Tarfon“ genannt; einer ist „ein Balken“ und der andere ist „Öl“, welches sofort durch ihn hindurchfließt. Das ist die Bedeutung von „Der sich verirrte“. Nachdem der Wunsch entstanden ist, welcher die Seele von Rabbi Tarfon ist, blieb die Seele von dem „Anderen“ übrig, als „schlechtes Benehmen“ in seinem Haus. Das kombiniert die Buchstaben von „Sod“; Samech ist der Anfangsbuchstabe von „Das Geheimnis von ihm, der Seele von dem Anderen“. Dalet ist der Anfangsbuchstabe vom Drush, der Seele von Rabbi Akiwa, denn sie sind die Ausführenden. Und das Waw in der Mitte ist Rabbi Tarfon.

Yehuda Leib

Artikel zum Abschluss des Buches Sohar

Rav Yehuda Ashlag

Es ist bekannt, dass das erwünschte Ziel die Verschmelzung mit dem Schöpfer ist, wie es heißt: „und mit Ihm zu verschmelzen“. Und man muss verstehen, worin der Sinn dieser Verschmelzung mit dem Schöpfer besteht. Kann aber etwa der Gedanke den Schöpfer erkennen? Die Weisen kamen mir in dieser schwierigen Frage bereits zuvor, indem sie das Gesagte „und mit Ihm zu verschmelzen“ hinterfragten: Wie kann man aber mit Ihm verschmelzen? Ist Er nicht etwa das „verzehrende Feuer“?

Und sie gaben eine Antwort: „Verschmelze mit Seinen Eigenschaften. Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig; wie Er gnädig ist, so sei auch du gnädig“ usw. Und auf den ersten Blick ist es schwer zu verstehen, woraus die Weisen solch einen Schluss zogen. Ist es nicht etwa klar gesagt: „und mit Ihm zu verschmelzen“? Denn wenn gemeint wäre: „Verschmelze mit Seinen Eigenschaften“, dann müsste man sagen: „Hafte dich an Seine Wege“. Warum steht also: „und mit Ihm zu verschmelzen“?

Die Sache ist so, dass bei der Betrachtung materieller Objekte, die Platz im Raum einnehmen, die Verschmelzung von uns als Nähe im Raum wahrgenommen wird, und Trennung von uns als Entfernung im Raum wahrgenommen wird. Was jedoch spirituelle Objekte angeht, die überhaupt keinen Raum einnehmen, so wird unter der Verschmelzung und der Trennung in Bezug auf sie nicht die Nähe oder die Entfernung im Raum verstanden – denn sie nehmen gar keinen Platz ein. Verschmelzung wird von uns als Gleichheit der Eigenschaften zweier spiritueller Objekte verstanden, und deren Unterschied wird von uns als Entfernung verstanden.

Und wie ein Beil einen materiellen Gegenstand zertrennt, ihn entzwei teilt, so kreiert die Verschiedenheit der Eigenschaften eine Unterscheidung in einem spirituellen Objekt und teilt es entzwei. Wenn dabei der Unterschied ihrer Eigenschaften klein ist, dann sagt man, dass sie unbedeutend voneinander entfernt sind. Wenn der Unterschied ihrer Eigenschaften groß ist, dann sagt man, dass sie sehr weit voneinander entfernt sind. Und wenn sie einander qualitativ entgegengesetzt sind, dann sagt man, dass sie voneinander polar entfernt sind.

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Exil und Erlösung

Rav Yehuda Ashlag

Harmonie zwischen Religion und dem Gesetz der Entwicklung oder dem blinden Schicksal

Du wirst unter den Völkern keine Ruhe haben und deine Füße werden keine Ruhestatt finden (Deuteronomium, 28:65).

Dazu soll euch fehlschlagen, was euch in den Sinn kommt, wenn ihr sagt: Wir wollen sein wie die Heiden, wie die Völker in den andern Ländern und Holz und Stein anbeten (Ezekiel, 20:32).

Der Schöpfer zeigt uns offensichtlich, dass das Volk Israel nicht in der Verbannung existieren kann. Es wird dort keine Ruhe finden wie die restlichen Völker, die sich mit anderen Völkern vermischten und ihre Ruhe fanden, bis sie sich unter ihnen auflösten und keine Spuren hinterließen. Nicht so ist aber das Volk Israel! Es wird keine Ruhe unter den anderen Völkern finden, bis sich schließlich die Worte der Schrift in ihm erfüllen: „Wenn du aber dort den HERRN, deinen Gott, suchen wirst, so wirst du ihn finden, wenn du von ganzem Herzen und ganzer Seele nach Ihm verlangst“ (Deuteronomium, 4:29).

Man kann das aus der Erkenntnis [der Höheren Lenkung] erklären. Denn für uns wurde bestimmt, was in der Schrift steht, denn die Tora ist wahr, und alle ihre Worte sind wahr, und wehe uns, wenn wir an ihrer Wahrhaftigkeit zweifeln und sagen, dass alles, was mit uns geschah und was vorhergesagt wurde, Zufall und blindes Schicksal ist. Dafür gibt es nur eine Arznei – uns wieder Plagen zu schicken, in solchen Ausmaßen, dass wir in ihnen sehen, dass sie kein Zufall sind, sondern die unabwendbare Höhere Lenkung, wie sie aus der Tora hervortritt.

Man kann das ausgehend vom Wesen des Entwicklungsgesetzes selbst erklären: Dank der mittels der Kabbala erkannten wahren Handlungsanleitung, die es erlaubt, in der Höheren Lenkung den Weg der Genüsse zu wählen (siehe Art. „Zwei Wege“), fand unsere Entwicklung schneller statt als bei den anderen Völkern. Und infolge dieser Entwicklung unseres Volkes wurde ihm die Verpflichtung auferlegt, stets vorwärts zu gehen und mit aller Genauigkeit die Anweisungen der Wissenschaft der Kabbala zu erfüllen.

Da man das jedoch nicht tat, sondern den eigenen kleinlichen Egoismus hereinbringen wollte, also das Empfangen für sich, also lo liShma, führte dies zur Zerstörung des Ersten Tempels, denn man wollte diese Eigenschaften für den Erhalt von Reichtum und die Einführung der Herrschaft von Kraft über die Gerechtigkeit nutzen, wie dies bei den anderen Völkern der Fall ist.

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Analytischer Vergleich zwischen Kabbala und Philosophie

Rav Yehuda Ashlag

WAS IST SPIRITUALITÄT?

Die Philosophie hat sich viel Arbeit gemacht, um zu beweisen, dass das Materielle ein Erzeugnis des Spirituellen sei und die Seele den Körper erzeuge. Doch auch danach wird das, was sie behauptet, weder vom Herzen noch vom Verstand angenommen. Ihr Hauptfehler bestand in der Wahrnehmung des Spirituellen, darin, dass es, wie sie behauptete, das Materielle gebar, was zweifellos erfunden ist.

Jeder Vater muss seinem Nachkömmling irgendwie ähneln, und solch ein Verhältnis ist die Handlungsweise und der Weg, den seine Nachkommenschaft fortsetzen wird. Denn jeder Arbeiter muss ein Verhältnis zum eigenen Tun haben, welches zu einer Verbindung zwischen ihnen führen wird. Und wenn du sagst, dass das Spirituelle keinerlei Bezug zum Materiellen hat, so gibt es keinen Weg und kein Mittel, welches dem Spirituellen eine Möglichkeit gäbe, einen Kontakt zum Materiellen zu haben und es in Bewegung zu versetzen.

Doch das Wesen des Wortes „spirituell“ hat keinerlei Bezug zur Philosophie, denn wie kann man etwas besprechen, was man niemals gesehen oder wahrgenommen hat? Worauf basiert es?

Denn wenn es irgendeine Definition gibt, die es erlaubt, das Spirituelle zu unterscheiden und es vom Materiellen zu trennen, dann kann sie niemand anderer geben als jene, die einmal das Spirituelle erkannt und wahrgenommen haben, und das sind wahre Kabbalisten. Daher bedürfen wir der Wissenschaft der Kabbala.

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 Das Wesen der Religion und ihr Ziel

Rav Yehuda Ashlag

Ich möchte hier drei Fragen beantworten:

  1. Worin besteht das Wesen der Religion?
  2. Wird ihr Ziel in dieser Welt oder in der zukünftigen Welt erreicht?
  3. Ist das Ziel der Religion das Wohl des Schöpfers oder das Wohl der Geschöpfe?

Auf den ersten Blick wird sich der Leser über meine Worte wundern und diese drei Fragen nicht verstehen, die ich als Thema für diesen Artikel wählte. Denn wer weiß nicht, was Religion ist? Und wer weiß denn nicht, dass man sich deren Belohnung und Bestrafung hauptsächlich in der zukünftigen Welt erwartet und erhofft? Geschweige denn die dritte Frage. Alle wissen, dass sie auf das Wohl der Geschöpfe ausgerichtet istsie mit Gutem und mit Reichtum zu verwöhnen. Und was kann man dem noch hinzufügen?

Und tatsächlich habe ich dem nichts hinzuzufügen. Weil jedoch diese drei Fragen so bekannt und üblich sind, von der Kindheit an eingesaugt, kann man im Verlauf des gesamten Lebens weder etwas zu ihnen hinzufügen noch in ihnen Klärung betreiben. Das zeugt jedoch von der Unkenntnis dieser erhabenen Begriffe, die tatsächlich die Grundlagen des Fundaments sind, auf welchem das gesamte religiöse „Gebäude“ aufgebaut ist und sich stützt.

Und wenn dem so ist, dann sagt mir: Wie ist es möglich, dass ein Jugendlicher von zwölf oder vierzehn Jahren schon reif genug ist, um in die ganze Tiefe dieser drei Begriffe einzudringen und sie zu verstehen? Dies auch noch in einem solch ausreichenden Maß, dass er dem im Laufe seines ganzen Lebens nicht mehr irgendeine Meinung und Kenntnis hinzufügen muss?

Hier genau liegt das Problem! Denn eine solch oberflächliche Annahme führte auch zu einem oberflächlichen Wissen und zu Schlussfolgerungen wildesten Charakters, welche die Welt unserer Generation erfüllten, und uns zu einem Zustand führten, dass die zweite Generation unserem Einfluss fast schon entglitten ist.

Das absolut Gute

Um den Leser nicht mit langen Ausführungen zu ermüden, werde ich mich nur nach dem richten, was in den vorausgehenden Artikeln geschrieben wurde, hauptsächlich nach dem Artikel „Gabe der Toranach allem, was eine Einleitung zu diesem erhabenen Thema bietet, welches wir besprechen. Ich werde mich kurz und einfach ausdrücken, damit es jedem verständlich wird.

Zu Beginn muss man verstehen, dass der Schöpfer das absolut Gute ist. Es ist also unmöglich, dass er jemandem irgendein Leid zufügen würde, und das nehmen wir als das wichtigste Gesetz wahr. Der gesunde Menschenverstand zeigt uns klar, dass die Grundlage aller schlechten Taten nichts anderes als der „Wille zu empfangen“ ist.

Das bedeutet, dass die leidenschaftliche Jagd nach eigenem Wohlergehen, die vom Willen zu empfangen hervorgerufen wird, der Grund dafür ist, dem Nächsten Leid anzutun, da der Wille zu empfangen danach strebt, sich zu füllen. Und zwar so, dass, wenn das Geschöpf eine Befriedigung zu seinem eigenen Wohl fände, es niemanden in der Welt gäbe, der seinem Nächsten Leid antun würde. Und wenn wir manchmal auf irgendein Geschöpf treffen, welches seinesgleichen Leid antut, nicht aus dem Willen heraus, Genuss für sich zu empfangen, so tut es dies nur aus der Gewohnheit heraus, die ursprünglich durch den Willen zu empfangen ins Leben gerufen wurde. Und diese Gewohnheit ist nun die einzige Ursache und befreit von der Suche nach einem anderen Grund.

Da der Schöpfer von uns hinsichtlich seines Wesens als vollkommen wahrgenommen wird und keine Hilfe benötigt, in Seiner Perfektion allem Seienden vorausgehend zu sein, ist klar, dass es in Ihm keinerlei Willen zu empfangen gibt. Und da es in Ihm nichts vom Willen zu empfangen gibt, fehlt auch jeder Grund, jemandem Schaden zuzufügen. Und das ist ganz einfach zu verstehen.

Doch außerdem haben wir auch mit dem ganzen Herzen in endgültiger Vollkommenheit angenommen, dass Er etwas hat, das als „Wille zu geben“ bezeichnet wurde. Es ist der Wille, dem NächstenSeinen GeschöpfenGutes zu tun, was mit aller Offensichtlichkeit aus der von Ihm erschaffenen, erhabenen Schöpfung resultiert, die sich unseren Augen darstellt. Denn in Wirklichkeit gibt es in unserer Welt Geschöpfe, die entweder gute oder schlechte Empfindungen haben. Und was sie auch empfinden, wird tatsächlich vom Schöpfer verursacht. Nachdem endgültig geklärt und als Gesetz angenommen wurde, dass der Schöpfer keine Absicht hat, Böses zuzufügen, wird klar, dass alle Geschöpfe von Ihm in Wirklichkeit nur Gutes bekommen, denn Er erschuf sie nur, um ihnen Genuss zu bereiten.

Somit haben wir geklärt, dass der Schöpfer nur über einen Wunsch, Gutes zu geben, verfügt, und Sein Gesetz es keinesfalls erlaubt, jemandem auch nur ein Gramm Schaden oder Leid zuzufügen. Es ist unmöglich, dass es von Ihm ausgehen würde, und daher gaben wir Ihm den Namen des „Absolut Guten“. Nachdem wir dies erkannt haben, werden wir hinabsteigen und uns die wirkliche Realität anschauen, die von Ihm gelenkt und kontrolliert wird, und die Weise, wie Er nur Gutes tut.

Die Lenkung des Schöpfers ist eine zielgerichtete Lenkung

Das wird aus der Entwicklung der Objekte der uns umgebenden Wirklichkeit selbst klar. Wenn wir uns jedes noch so kleine Geschöpf vornehmen, welches einer der vier Arten angehörtbewegungslos, pflanzlich, tierisch, sprechend (Mensch)werden wir sehen, dass sowohl das Einzelwesen als auch seine Art als Ganzes zielgerichtet gelenkt werden. Das heißt, die langsame und stufenweise Entwicklung, die durch den Rahmen von Ursache und Wirkung bedingt ist, gleicht der Frucht eines Baumes, deren Lenkung ein gutes Endziel verfolgtsie süß und angenehm im Geschmack zu machen.

Fragt die Botaniker, wie viele Zustände diese Frucht vom Moment der Entstehung an bis zur Erreichung ihres Zielsder endgültigen Reifedurchläuft. Und alle Zustände, die dem endgültigen vorausgehen, entbehren nicht nur der Andeutung auf deren endgültigen, schönen und süßen Zustand, sondern zeigen uns im Gegenteil (als wollten sie uns ärgern) eher den Gegensatz zu ihrer Endform.

Je süßer die Frucht am Ende ist, desto bitterer und hässlicher ist sie in den vorausgehenden Stufen ihrer Entwicklung. Genauso auf den Stufen „tierisch“ und „sprechend“ (Mensch): ein Tier, dessen Verstand auch bei Abschluss des Wachstums klein bleibt, durchläuft keine bedeutenden Veränderungen im Entwicklungsprozess, während im Menschen, dessen Verstand sich am Ende seiner Entwicklung vielfach vergrößert, riesige Veränderungen stattfinden. Ein eintägiges Kalb wird bereits als Stier bezeichnet, da es über die Kraft verfügt, auf den Beinen zu stehen und zu laufen, sowie auch über den Verstand, Gefahren zu meiden, die auf seinem Weg vorkommen.

Der Mensch dagegen gleicht, wenn er einen Tag alt ist, einem Geschöpf, dem viele solcher Sinne fehlen. Und wenn jemand, der die Realität dieser Welt nicht kennt, diese zwei Neugeborenen betrachten und versuchen würde, die Situation zu beschreiben, so würde er natürlich vom Säugling sagen, dass aus diesem nie etwas werden wird, und vom Kalb würde er sagen, dass ein großer Held auf die Welt gekommen sei; wenn er also nach dem Entwicklungsstand des Verstandes des Kalbs und des Neugeborenen, welches nichts versteht und nichts fühlt, urteilen würde.

Somit springt klar ins Auge, dass die Lenkung der Wirklichkeit, die der Schöpfer erschuf, nichts anderes als eine Form von „zielgerichteter Lenkung“ ist, welche die Reihenfolge von Entwicklungsstufen nicht in Betracht zieht. Ganz im Gegenteil versucht sie scheinbar, uns mit deren Hilfe absichtlich zu täuschen, indem sie uns immer Zustände zeigt, die ihrer Endvariante entgegengesetzt sind.

Das meinen wir, wenn wir sagen: „Es gibt keinen klügeren Menschen als den Erfahrenen.“ Denn nur ein Mensch, der Erfahrung erlangt hat und über die Möglichkeit verfügt, das Geschöpf in allen Entwicklungsstadien bis zum letzten vollkommenen Zustand zu beobachten, kann die Gemüter beruhigen. Dann fürchtet man sich nicht vor all diesen verdorbenen Bildern, in welchen sich das Geschöpf in seinen unterschiedlichen Stadien der Entwicklung befindet und kann an die Schönheit und die Vollkommenheit der abgeschlossenen Entwicklung glauben.

Und nun wurden die Lenkungswege des Schöpfers in unserer Welt deutlich, und zwar, dass diese Lenkung ausschließlich zielgerichtet ist. Doch das Gute wird im Ganzen nicht erkannt, solange das Geschöpf nicht seinen Endpunkt erreicht hat, das heißt die vollendete Form und die endgültige Entwicklung. Ganz im Gegenteil hüllt es sich bis dahin stets in einen Umschlag aus Verdorbenem gegenüber dem Betrachter. Doch es ist klar, dass der Schöpfer Seinen Geschöpfen immer nur Gutes tut, und dieses Gute, welches von Ihm ausgeht, wird zielgerichtet gelenkt.

Zwei Wege: Weg des Leidens und Weg der Tora

Auf diese Weise wurde geklärt, dass der Schöpfer das „absolut Gute“ ist. Er lenkt uns zielgerichtet, ausgehend von Seiner Perfektion des absolut Guten und ohne jede Beimischung von Bösem. Das bedeutet, dass die Zielgerichtetheit Seiner Lenkung uns verpflichtet, die Reihenfolge des Durchlaufens unterschiedlicher Zustände auf uns zu nehmen, die durch das Gesetz von Ursache und Wirkung bedingt sind, bis wir schließlich würdig werden, das erwünschte Gute zu empfangen, wodurch wir das Ziel unserer Schöpfung erreichenwie eine prächtige Frucht am Ende ihrer Reifung. Somit ist klar, dass das Resultat absolut jedem von uns gewährt ist. Und wenn du damit nicht einverstanden bist, so wirfst du dadurch einen Schatten auf die Lenkung des Schöpfers, indem du sagst, dass sie angeblich unzureichend zur Erlangung des Ziels sei.

Die Weisen sagten, dass die „Shechina bei den Niederen eine große Notwendigkeit“ ist. Da die Lenkung des Schöpfers zielgerichtet ist, wird sie uns am Ende zu einer Verschmelzung mit Ihm führen, damit Er in uns wohnt. Und das wird als eine große Notwendigkeit bezeichnet. Das heißt, wenn wir das nicht erreichen, so würde sich dadurch sozusagen ein Mangel an Seiner Lenkung offenbaren.

Und das gleicht einem mächtigen König, der im Greisenalter einen Sohn bekam und diesen sehr liebte. Und daher hat sich der König vom Tag der Geburt seines Sohnes an vorgenommen, ihm alles zu geben. Zu diesem Zweck versammelte er alle wertvollen Bücher und alle hervorragenden Weisen, die es im Lande gab, und baute ihm ein Lehrhaus (Beit Midrash) zur Erreichung von Weisheit. Und er rief berühmte Bauleute zusammen und baute ihm Lustpaläste und versammelte alle Sänger und Musiker, damit sie ihn Musik und die Kunst des Singens lehren würden, und er rief die geschicktesten Köche und Konditoren zusammen, damit sie ihm die schmackhaftesten Gerichte der Welt bereiten würden.

Und so wuchs der Sohn heran und wurde zum Mann. Doch er stellte sich als dumm heraus und ohne Drang zur Wissenschaft. Und er ist blind und sieht nicht und spürt nicht die Pracht der Gebäude. Und er ist taub und hört nicht das Singen und die Stimmen der Instrumente. Und er ist krank und kann es sich nicht erlauben, das für ihn Zubereitete zu essen, und er ernährt sich nur von einem Stück Brot mit Getreidekleie. Scham und Schande!

Solch eine Situation kann sich bei einem irdischen König ergeben, doch man kann solches unmöglich über den Schöpfer sagen, dem natürlich kein Betrug eigen ist. Und weil dem so ist, bereitete er für uns zwei Wege der Entwicklung vor:

Einer von ihnen ist der Weg des Leidens. Dieser stellt die Reihenfolge der eigenständigen Entwicklung des Geschöpfes dar. Das Geschöpf ist dazu verpflichtet, ihr zu folgen, indem es von einem Zustand zum anderen übergeht, welcher mit dem vorausgehenden kausal, also durch die Abhängigkeit von Ursache und Wirkung, verbunden ist. So entwickeln wir uns sehr langsam bis hin zum Bewusstsein der Notwendigkeit, das Gute zu wählen, das Schlechte abzulehnen und uns für eine zielgerichtete Verbindung würdig zu zeigen, die vom Schöpfer erwünscht ist.

Dieser Weg ist allerdings lang hinsichtlich der Zeit und voller Leiden und Schmerz. Darum bereitete Er uns den leichten und angenehmen Weg der Tora und der Gebote, welcher in der Lage ist, uns in einer kurzen Zeit und ohne Leiden unserer Bestimmung würdig zu machen.

Daraus folgt, dass unser Endziel eine Reinigung zum Zweck der Verschmelzung mit dem Schöpfer ist, damit Er in uns wohnen kann. Und dieses Ziel ist verpflichtend und es gibt keinerlei Möglichkeit, ihm zu entkommen. Denn die Höhere Kraft lenkt uns streng auf zwei Wegen, die, wie erläutert wurde, den Weg der Leiden und den Weg der Tora darstellen. Doch in der uns umgebenden Wirklichkeit sehen wir, dass Er uns auf beiden Wegen lenkt, die von den Weisen als der „Weg der Bräuche (wortwörtlich: Weg der Erde)“ und der „Weg der Tora“ bezeichnet werden.

Das Wesen der Religion ist es, in uns den Sinn für die Erkenntnis des Bösen zu entwickeln

Und hier die Worte der Weisen: „Was für einen Unterschied macht es für den Schöpfer, ob man das Vieh am Nacken oder am Hals schlachtet? Denn die Gebote sind zu nichts anderem gegeben, als die Geschöpfe durch sie zu reinigen.“ Was die „Reinigung“ ist, wurde gut im Artikel „Gabe der Tora“ (Punkt 12) erläutert. Und schau nach, was dort geschrieben steht. Hier werde ich aber erklären, was das Wesen dieser Entwicklung darstellt, die durch die Beschäftigung mit der Tora und den Geboten erreicht wird.

Wisse, dass es die Erkenntnis des sich in uns befindlichen Bösen ist. Die Erfüllung der Gebote kann langsam und allmählich denjenigen, der sie erfüllt, feiner und erhabener machen. Und die wahre Höhe der Stufe der Verfeinerung besteht im Grad der Erkenntnis des Bösen in uns.

Denn seitens der Natur ist der Mensch bereit, alles Böse von sich abzustoßen and auszurotten. Darin sind sich alle Geschöpfe gleich, und der einzige Unterschied zwischen ihnen besteht lediglich in der Erkenntnis des Bösen. Ein weiter entwickeltes Geschöpf ist sich eines höheren Grades des Bösen in sich bewusst, es unterscheidet das Böse und stößt es von sich in einem größeren Maß ab. Und ein weniger entwickeltes Geschöpf verspürt in sich eine kleinere Stufe des Bösen, und stößt daher nur ein geringeres Maß des Bösen ab, während es den ganzen Schmutz in sich lässt, da es diesen nicht als Schmutz empfindet.

Um den Leser nicht zu verwirren, werden wir erläutern, was die Basis von Gut und Böse ausmacht, wie davon im Artikel „Gabe der Tora“ (Punkt 12) die Rede war. Die Basis alles Bösen ist nichts anderes als die Liebe zu sich selbst, die als „Egoismus“ bezeichnet wird. Ihr Naturell ist dem Schöpfer entgegengesetzt, in Dem es keinen Willen gibt, für Sich zu empfangen, denn Er ist nichts anderes als der „Wille zu geben“.

Und wie im Artikel „Gabe der Tora“ (Punkt 9 und 11) erklärt wurde, besteht das Wesen des Genusses im Grad der Ähnlichkeit mit den Eigenschaften des Schöpfers. Und das Wesen der Leiden und der Ungeduld besteht im qualitativen Unterschied zum Schöpfer. Dementsprechend ist uns der Egoismus zuwider, und es schmerzt uns das Bewusstsein, dass wir uns von den Eigenschaften des Schöpfers unterscheiden.

Doch dieses Gefühl der Widerwärtigkeit des Egoismus ist in jeder Seele unterschiedlich. Denn ein wilder, unentwickelter Mensch hält den Egoismus keineswegs für eine negative Eigenschaft und benutzt ihn daher öffentlich grenzenlos und ohne jede Scham. Vor den Augen aller beraubt und ermordet er skrupellos jeden, der sich in seiner Reichweite befindet. Ein etwas mehr Entwickelter empfindet seinen Egoismus bereits bis zu einer gewissen Stufe als böse und schämt sich, sich dieses Egoismus öffentlich zu bedienendie Menschen zu bestehlen und zu morden, wo man es sehen kannbegeht aber weiterhin seine Verbrechen.

Und ein noch weiter Entwickelter empfindet den Egoismus tatsächlich als Gräuel, sodass er ihn in sich nicht mehr dulden kann und ihn von sich stößt und ihn, entsprechend dem Grad seiner Erkenntnis des Bösen gänzlich vertreibt, sodass er es nicht mehr wollen und können wird, auf Kosten anderer zu genießen. Und dann beginnen in ihm Funken der Liebe zum Nächsten zu erwachen, die als „Altruismus“ bezeichnet werden, welcher die allgemeine Eigenschaft des Guten ist.

Das entwickelt sich in ihm ebenfalls stufenweise. Zunächst entwickelt sich in ihm das Gefühl der Liebe zur Familie und zu seinen Nächsten sowie der Wunsch, sich um sie zu kümmern, wie es heißt:„Vor dem eigenen Fleisch kann man nicht fliehen.“ Und wenn er sich noch mehr entwickelt, so wächst in ihm der Grad des Gebens an alle, die ihn umgeben, an die Bewohner seiner Stadt und an sein Volk. Und so wächst er heran, bis sich in ihm schließlich die Nächstenliebe zur gesamten Menschheit entwickelt.

Bewusste und unbewusste Entwicklung

Und wisse, dass zwei Kräfte uns anstoßen und dazu antreiben, aufzusteigen, indem wir die Stufen der erwähnten Leiter erklimmen, bis wir ihre Spitze im Himmel erreichendas Endziel der Gleichheit unserer Eigenschaften mit denen des Schöpfers. Der Unterschied zwischen diesen zwei Kräften besteht darin, dass eine von ihnen uns „unbewusst“ von hinten antreibt. Diese Kraft stößt uns von hinten an, und dies bezeichneten wir als den „Weg der Leiden“, oder den „Weg der Erde“ (Derech Erez).

Daraus entspringt die Philosophie der Moral, welche als Ethik bezeichnet wird. Sie basiert auf der empirischen Erkenntnis, das heißt auf der Prüfung mit Hilfe des praktischen Verstandes. Und das ganze Wesen dieses Systems stellt nichts anderes als die Summe der Schäden dar, welche vor unseren Augen von den keimenden Samen des Egoismus hervorgebracht wurden.

Diese empirischen Erfahrungen gelangten zu uns auf zufällige Weise, das heißt „für uns unbewusst“ und nicht durch unsere Wahl. Dennoch dienen sie ihrem Ziel recht überzeugend, da der Grad des Bösen, der in unseren Empfindungen in Erscheinung tritt und wächst, insofern wir uns seines Schadens bewusst sind, uns dazu zwingt, ihn zu meiden, und dadurch erreichen wir eine höhere Stufe der Leiter.

Die zweite Kraft treibt uns auf die „bewusste“ Weise an, das heißt diese Kraft wählen wir selbst. Diese Kraft zieht uns von vorn, und wir bezeichneten dies als den Weg der Tora und der Mizwot (Gebote). Denn durch die Erfüllung der Gebote sowie die Arbeit mit der Absicht, dem Schöpfer Genuss zu bereiten, entwickelt sich in uns diese Empfindung der Erkenntnis des Bösen mit riesiger Geschwindigkeit, wie dies im Artikel „Gabe der Tora“ (Punkt 13) beschrieben wurde.

Und hier gibt es einen doppelten Vorteil:

Erstens brauchen wir nicht zu warten, bis die Lebenserfahrungen beginnen, uns von hinten anzutreiben, denn jeder Stoß bedeutet Schmerz und Zerstörungen, die uns durch die Enthüllung des Bösen in uns zugefügt werden. Die Arbeit des Schöpfers dagegen entwickelt in uns die gleiche Erkenntnis des Bösen, doch ohne vorausgehende Leiden und Zerstörungen. Im Wohlbehagen und in der Freude, die wir während der reinen Ergebenheit für den Schöpfer verspüren, um Ihm Vergnügen zu schenken, entwickelt sich in uns ein relatives Verhältnis, welches uns erlaubt, die Niederträchtigkeit dieser Funken der Eigenliebe zu erkennen. Wir begreifen, wie sehr ihr Vorhandensein uns daran hindert, auf unserem Weg den Geschmack des Genusses am Beschenken des Schöpfers zu verspüren. Denn die stufenweise Empfindung der Enthüllung des Bösen entwickelt sich in uns vor dem Hintergrund der Empfindung von Genuss und völliger Ruhe, das heißt durch den Empfang des Genusses während der Arbeit für den Schöpfer. Und diese genussvolle und behagliche Empfindung entsteht in uns durch die Übereinstimmung mit dem Schöpfer. 

Zweitens gewinnen wir Zeit, da Er „bei unserem Bewusstsein“ arbeitet, und uns somit hilft, mehr zu tun und die Zeit nach unserem Wunsch zu beschleunigen.

Die Religion dient nicht dem Nutzen der Geschöpfe, sondern dem Nutzen desjenigen, der sich bemüht.

Viele irren sich und vergleichen unsere heilige Tora fälschlicherweise mit der Ethik und Moral. Doch das geschieht aus dem Grunde, dass sie seinerzeit nicht den Geschmack der Religion gekostet haben. Und ich rufe sie auf: „Kostet und sehet, dass der Schöpfer gut ist.“ Ehrlich gesagt, sind sowohl die Ethik als auch die Religion auf eines ausgerichtet: Den Menschen aus dem Schmutz der vergiftenden Eigenliebe auf die erhabene Höhe der Nächstenliebe zu erheben.

Und damit sind sie so weit voneinander entfernt, wie die Gedanken des Schöpfers von den Gedanken der Geschöpfe. Denn die Religion entstammt den Gedanken des Schöpfers, und die Moral ist Frucht der Gedanken von Fleisch und Blut und ihrer Lebenserfahrung. Der Unterschied zwischen ihnen ist offensichtlich, sowohl in den benutzten Mitteln als auch im Endziel.

Denn die Erkenntnis von Gut und Böse, welche sich in uns bei der Nutzung des ethischen Systems entwickelt und entfaltet, hat einen relativen Bezug zum Erfolg der Gesellschaft, während die Nutzung der Religion in unserer Erkenntnis von Gut und Böse einen relativen Bezug zum Schöpfer allein hatdas heißt von der Unterscheidung vom Schöpfer bis hin zur Identifikation mit Seinen Eigenschaften, was als „Verschmelzung“ bezeichnet wird, wie das im Artikel „Gabe der Tora“ (Punkt 911) erläutert wurde.

Und der Grad der Entfernung des einen vom anderen wird durch die unterschiedlichen Ziele bestimmt. Das Ziel der Ethik besteht im Glück der Gesellschaft, wie es vom praktischen Verstand, welcher sich auf die Lebenserfahrung stützt, verstanden wird. Und letzten Endes verspricht das Ziel demjenigen, der es zu erreichen versucht, keinen Gewinn über den von der Natur vorgeschriebenen Rahmen hinaus. Wenn dem so ist, verlässt dieses Ziel nicht die Reichweite der Kritik, denn wer kann ein und für allemal dem Individuum die Gerechtigkeit des Maßes an Wohl beweisen, über welches es verfügt, um ihn zu zwingen, auf irgendeinen Teil des ihm nach seinem Verständnis Zukommenden zugunsten der Gesellschaft zu verzichten?

Im Unterschied dazu verspricht das religiöse Ziel demjenigen, der danach strebt, das Glück für den Menschen selbst. Denn wie wir bereits wissen, befindet sich ein Mensch, der die Liebe zum Nächsten erkannte, nach dem Gesetz der Gleichheit der Eigenschaften in der Verschmelzung mit dem Schöpfer und tritt gemeinsam mit Ihm aus seiner engen Welt, die voller Leiden und Stolpersteine ist, heraus in die weite und ewige Welt des Gebens an den Schöpfer und an die Geschöpfe.

Noch ein berühmter und sehr in die Augen stechender Unterschied, der für die Tora spricht, besteht darin, dass sich das ethische System nach dem Prinzip richtet, das Wohlwollen der Menschen zu erreichen, was einer Pacht (Miete) gleicht, die sich am Ende für den Menschen lohnt. Und die Gewohnheit des Menschen an solche Arbeit lässt ihn noch nicht einmal auf die Stufen der Ethik aufsteigen, da er an Arbeit gewöhnt ist, die von der Umgebung gut belohnt wird, die  für seine guten Taten zahlt.

Derjenige aber, der sich mit der Tora und den Geboten beschäftigt, um dem Schöpfer Genuss zu schenken, ohne jegliche Belohnung zu erhalten, erklimmt tatsächlich die Stufen der Moral, wie dies auch erforderlich ist. Denn er bekommt keinerlei Bezahlung auf seinem Wege, während er Körnchen um Körnchen das Notwendige sammelt, um eine große Rechnung für den Erwerb einer anderen Natur zu begleichendes Gebens an den Nächstenohne jegliches Empfangen für sich, außer zur Aufrechterhaltung der eigenen Existenz.

Nur dann werden wir uns tatsächlich von allen Zwängen der Natur befreien. Denn wenn einem Menschen jegliches Empfangen für sich zuwider ist und seine Seele von allen überflüssigen und kleinlichen Vergnügungen des Körpers frei ist und er nicht danach strebt, Ehre oder Ähnliches zu erlangen, dann lebt er frei in der Welt des Schöpfers. Und es ist garantiert, dass ihm hier niemals Schaden drohen wird. Denn der ganze Schaden, den der Mensch verspürt, ereilt ihn nur dann, wenn er für sich empfängtwas in ihn eingemeißelt istund das muss man gut verstehen.

Somit ist klar, dass das Ziel der Religion darin besteht, dem Menschen zu dienen, der sich bemüht und sie ausübt, und nicht etwa den Geschöpfen und deren Nutzen. Und sogar wenn alle seine Handlungen zu deren Nutzen dienen, und sie alle seine Handlungen bestimmen, so ist dies lediglich ein Mittel zur Erreichung des erhabenen Zielsdie Übereinstimmung mit dem Schöpfer. Und somit ist auch klar, dass das Ziel der Religion in dieser Welt im Leben selbst verwirklicht wird. Und man lese aufmerksam den Artikel „Gabe der Tora“, denjenigen Teil, in dem von den Zielen der Gesellschaft und des Individuums die Rede ist.

Enthüllung von einem Teil und Verhüllung von zwei Teilen

Rav Yehuda Ashlag

In der Regel, wenn große und berühmte Kabbalisten beabsichtigen, etwas zu enthüllen, das über einen tiefen Sinn verfügt, beginnen sie den Artikel mit den Worten: „Ich enthülle einen Teil und verhülle dabei zwei Teile.“ Unsere Vorgänger haben sich sehr davor gehütet, ein Wort zu viel zu sagen, wie die Weisen uns anwiesen: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“

Das bedeutet, dass, wenn du ein teures Wort hast, dessen Wert Silber gleicht, wisse, dass die Verschwiegenheit darüber Gold gleicht. Die Rede ist von denen, die mit überflüssigen Worten um sich werfen, die keinen Sinn und keine praktische Anwendung haben, und das tun sie nur, um die Sprache für den Genuss des Lernenden zu schmücken. Wie es jedem bekannt ist, der die Werke unserer Vorgänger studiert, war das in ihren Augen strengstens verboten, was ich in den folgenden Kapiteln beweisen werde. Und daher müssen wir unsere konzentrierte Aufmerksamkeit dem Verständnis ihrer bildreichen Wortwahl schenken, die für sie üblich war. Weiterlesen

Zeit zu handeln

Von Rav Yehuda Ashlag

Seit geraumer Zeit hat mich mein Gewissen mit der Forderung, aus meiner Verborgenheit und Verschwiegenheit herauszutreten und wahre Kenntnisse über die Wissenschaft der Kabbala an breite Schichten der Gesellschaft zu überbringen, damit die Menschen ein Verständnis für dieses erhabene Thema in seiner wahren Bedeutung erlangen können.

Vor der Revolution im Buchdruck gab es weder Bücher bezüglich des Kerns des Judaismus, noch gab es Schreiber, die hinter ihren Worten stehen konnten, weil in den meisten Fällen solch unverantwortlich handelnde Autoren in der Versenkung verschwanden.

Und selbst wenn es einer zufällig gewagt hätte, ein solches Werk zu schreiben, hätte kein Abschreiber es vervielfältigt, da sich der sicherlich erhebliche Aufwand ganz einfach nicht gelohnt hätte. Daher wäre ein solches Unterfangen von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Weiterlesen

Shamati 8. Was ist der Unterschied zwischen dem Schatten der Heiligkeit und dem von Sitra Achra?

Ich hörte im Juli 1944

Es steht geschrieben: „Bis der Tag kühl wird und die Schatten schwinden.“[1] Und man muss verstehen, was „die Schatten“ in der spirituellen Arbeit bedeuten und was zwei Schatten sind. Und zwar wird die Zeit, in der der Mensch noch nicht die Existenz der Höheren Lenkung spürt, welche die Welt durch die Eigenschaft „gut und Gutes tuend“ lenkt, als Schatten definiert, der die Sonne verbirgt. Weiterlesen

Das Wesen der Religion und ihr Ziel (ed.)

Von Rav Yehuda Ashlag

Hörbuchversion: Das Wesen der Religion und ihr Ziel

In diesem Artikel möchte ich drei Fragen beantworten:

  1. Worin besteht das Wesen der Religion?
  2. Wird ihr Ziel in dieser Welt oder in der zukünftigen Welt erreicht?
  3. Ist das Ziel der Religion das Wohl des Schöpfers oder das Wohl der Geschöpfe?

Auf den ersten Blick wird sich der Leser über meine Worte wundern und diese drei Fragen nicht verstehen, die ich als Thema für diesen Artikel wählte. Denn wer weiß denn nicht über Religion Bescheid und kennt das Konzept von Belohnung und Bestrafung, das sich hauptsächlich auf das Leben nach dem Tod bezieht? Geschweige denn die dritte Frage. Alle wissen, dass sie auf das Wohl der Geschöpfe ausgerichtet ist – sie zu Erfüllung und Glück zu führen. Und was kann man dem noch hinzufügen? Weiterlesen

Eine Dienerin, die zur Erbin ihrer Herrin wird

Dies bedarf einer gründlichen Erklärung. Um es für alle klar zu machen, werde ich diese Materie an Hand des Geschehens in unserer Welt interpretieren.

Das Innere vom Äußeren

Die Höheren Wurzeln breiten ihre Kraft aus, indem sie eine nach der anderen herabsteigen und ihre Zweige in dieser Welt in Erscheinung treten, wie es in der Erklärung der Wurzeln und Zweige erläutert wurde. In ihrer Ganzheit werden die Welten als Inneres und Äußeres betrachtet. Dies ist einer schweren Last ähnlich, welche niemand heben oder von einem Platz zu einem anderen bewegen kann. Folglich wird geraten, die Last in kleine Teile zu stückeln und diese dann nacheinander zu tragen.

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Shamati 7. Was es in der spirituellen Arbeit bedeutet, wenn die Gewohnheit zur zweiten Natur wird

Ich hörte im Jahr 1943

Wenn der Mensch sich an etwas gewöhnt, so wird dies für ihn zur Gewohnheit und jede Gewohnheit wird für den Menschen zur zweiten Natur. Deswegen gibt es nichts, was der Mensch nicht verspüren könnte. Das heißt, auch wenn der Mensch für etwas noch keinerlei Empfindung verspürt, kann er durch die Gewöhnung an die Sache zu einer Empfindung dafür gelangen. Weiterlesen

Shamati 4. Was ist der Grund für die Schwere, die der Mensch in der Annullierung vor dem Schöpfer hat?

Ich hörte am 6. Februar 1944

Wir müssen den Grund für die Schwere kennen, die man empfindet, wenn man sein „Selbst“ vor dem Schöpfer annullieren möchte und sich nicht mehr um seinen Eigennutz kümmern will. Man gelangt zu einem Zustand, als stünde die ganze Welt still, als sei man nun allein auf der Welt und ließe seine Familie und seine Freunde zugunsten der Annullierung vor dem Schöpfer zurück. Weiterlesen

Shamati 3. Das Wesen der spirituellen Erkenntnis

Ich hörte

Wir unterscheiden eine Vielzahl von Stufen und Kategorien in den Welten. Man muss wissen, dass immer, wenn die Rede von Stufen und Unterscheidungen ist, es um Zustände des Erfassens durch die Seelen in den Welten geht, entsprechend der Regel: „Das, was wir nicht erfassen, können wir nicht beim Namen nennen.“ Somit verweist das Wort „Name“ auf das Erfassen. Ein Mensch gibt einer Sache erst dann einen Namen, wenn er davon etwas gemäß seines Erfassens begriffen hat.

Infolgedessen teilt sich die gesamte Realität vom Standpunkt des spirituellen Erfassens aus in drei Unterscheidungen:

  1. Azmuto (Sein Wesen)
  2. Ejn Sof (Unendlichkeit)
  3. Die Seelen

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Pticha – Aufbau der Welten

Der Aufbau der Welten. Song: Ki Hilatzta Nafshi, Musik: Baal HaSulam, Vocals: Michael Laitman, Skizzen: Lehrbuch der Kabbala

Die Lehre der Kabbala und deren Wesen

Von Rav Yehuda Ashlag

Was ist die Wissenschaft der Kabbala?

Im Grunde stellt die Wissenschaft der Kabbala die Offenbarung des Schöpfers auf allen Wegen in allen Seinen Eigenschaften und Erscheinungsformen dar, die in den Welten in Erscheinung treten und die noch in der Zukunft in Erscheinung treten müssen, und mit allen Mitteln, die man nur je zur Entdeckung (von Ihm) in den Welten anwenden kann, bis zum Ende aller Generationen.

Das Schöpfungsziel

So wie es keinen Arbeiter gibt, der ohne irgendein Ziel arbeitet, so hatte zweifellos auch der Schöpfer ein Ziel bezüglich der Schöpfung, die sich vor uns erstreckt. Und von all der existierenden Vielfalt dieser Wirklichkeit, stellt die Empfindung eine besondere Wichtigkeit dar, welche der Tierwelt eigen ist, damit jedes Tier sich existierend fühlt, und die wichtigste aller Empfindungen ist die Empfindung der Vernunft, die ausschließlich dem Menschen gegeben ist, dank welcher er auch die Leiden und Sorgen seines Nächsten fühlt. Und wenn dem so ist, dann ist es auch natürlich, wenn der Schöpfer schon über ein Ziel für diese Schöpfung verfügt, dessen Objekt der Mensch ist. Und von ihm heißt es: „Alles, was der Schöpfer tat, ist für ihn“.

Doch noch immer bleibt zu klären, zu welchem Zweck der Schöpfer all diese Schwere schuf. Um das Geschöpf auf eine bedeutendere und wichtigere Stufe zu erheben, damit es den Schöpfer genauso wahrnehmen kann, wie bei der menschlichen Empfindung, die ihm bereits eigen ist. Und im gleichen Maße, wie er den Wunsch seines Freundes kennt und fühlt, könnte er auch die Wege des Schöpfers erlernen, wie es bei Moshe Rabeinu (Moses) heißt: „Und der Schöpfer sprach mit Moses von Angesicht zu Angesicht, genauso wie ein Mensch mit seinem Freund spricht“. Weiterlesen

Frieden in der Welt

Rav Yehuda Ashlag
Und es werden sich Barmherzigkeit und Wahrheit treffen, und Gerechtigkeit und Frieden werden sich vereinigen, und Wahrheit wird aus der Erde sprießen, und die Gerechtigkeit vom Himmel hinabsteigen, und der Schöpfer wird Güte schenken und unser Land wird Ernte bringen.“

Alles wird nicht danach beurteilt, wie es zu einem bestimmten Zeitpunkt aussieht, sondern nach der Stufe der Entwicklung

Alles, was in der Wirklichkeit existiert, sowohl das Gute als auch das Schlechte, und sogar das schlimmste und schädlichste in der Welt, hat ein Existenzrecht. Und man darf es nicht ausrotten oder vollkommen vernichten- uns ist sogar die Aufgabe auferlegt, es zu korrigieren und an die Quelle zurückzuführen.

Sogar einfach nur ein aufmerksamer Blick auf den Schöpfungsprozess reicht dazu aus, um zum Bewusstsein der Größe und der Vollkommenheit der Handlung und Des sie Ausführenden zu gelangen. Und daher müssen wir verstehen und uns vor Vernachlässigung eines jeden Teils der Schöpfung hüten, davor, zu sagen, dass er überflüssig sei und keine Notwendigkeit daran bestehe. Denn das wäre üble Nachrede über die Schöpfungstat. Weiterlesen

Die Bürgschaft (Arwut)

Von Yehuda Ashlag

„Ganz Israel ist füreinander verantwortlich, einer für den anderen!“ (Traktate Sanhedrin 27b, Shawuot 39)

Podcast – Audioversion

Wir sprechen hiermit über Arwut (Gegenseitige Bürgschaft), als ganz Israel füreinander verantwortlich wurde. Denn die Tora wurde ihnen erst übergeben, als jeder einzelne von ihnen gefragt worden war, ob er die Mizwa (das Gebot), andere zu lieben, im vollen Ausmaß der Bedeutung der Worte „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ auf sich nehmen würde (wie in Punkt 2 und 3 beschrieben; studiere es dort tiefgründig). Das bedeutet, dass jeder Einzelne in Israel es auf sich nahm, für jedes Mitglied des Volkes zu sorgen, zu arbeiten und all deren Bedürfnisse zu befriedigen; und zwar im gleich großen Ausmaß, wie es in jeden hineingelegt ist, sich um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern – und um nichts weniger. Weiterlesen